Leon S. Kennedy 1977: Ich finde es gut, dass jetzt endlich aufgeklärt ist, wer dahinter steckt. Was mit Sherry passieren soll, wirst du gleich erfahren. :) In einem der nächsten Kapitel wird etwas vorkommen, dein Lieblingspairing betreffend, was dir besonders gut gefallen wird. Lass dich überraschen. :)

Alexa- Wesker: Nein, leider dauert es noch, bis Sherry und Jake endlich ein friedvolles Leben haben werden. :( Ich lass die beiden einiges durchmachen. Aber am Schluss wird sich alles zum Guten wenden. :)


„Der Name des Mannes ist Elliot Maxwell Spencer. Oswell E. Spencers Sohn."

Nach diesem Satz herrschte Stille im Raum. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Albert glaubte, sich verhört zu haben. Er konnte nicht glauben, was Patrick, der Butler, eben gesagt hatte.

„Entschuldigung, was haben Sie gerade gesagt?", fragte Chris völlig ungläubig. „Oswell E. Spencer soll einen Sohn haben?"

Patrick nickte.

„Wusstet ihr davon?", fragte Jill an Albert und Alex Wesker gewandt.

Die beiden verneinten mit einem Kopfschütteln. „Wir hatten keine Ahnung."

„Niemand wusste davon. Mein Herr, Lord Spencer, hat dieses Geheimnis über all die Jahrzehnte für sich bewahrt. Auch seine engsten Vertrauten und seine Kollegen, Dr. Markus und Dr. Ashford, blieben im Ungewissen. Vor mir konnte er es natürlich nicht verheimlichen. Er ließ mich schwören, niemals mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Und ich hielt mich an diese Anweisung. Ich schwor, das Geheimnis mit ins Grab zu nehmen."

„Erzählen Sie uns die Geschichte, Patrick. Es ist wichtig. Wir müssen wissen, wer dieser Mann genau ist", bat Alex mit Nachdruck. „Wir wissen, dass sie niemals eine Anweisung Ihres Herren missachten würden, Patrick, aber diesmal müssen Sie es leider tun. Das Schicksal der Welt hängt davon ab. Ihr Wissen könnte der Schlüssel zur Rettung aller sein."

„Ich verstehe", sagte der alte Butler nachdenklich. „Ich habe nicht mehr lange zu leben und mein Herr, Lord Spencer, ist schon lange von uns gegangen. Es macht also keinen Unterschied mehr. Es behagt mir nicht, meinen Herren im Tod zu betrügen, aber nun gut, ich werde eurem dringenden Wunsch nachkommen."

Alex und Albert warfen sich einen kurzen Blick zu. Alle waren angespannt.

„Master Lord Spencer pflegte niemals Kontakte zu weiblichen Personen", sagte Patrick ernst. „Er blieb Zeit seines Lebens alleinstehend und unverheiratet. Daraus war zu schließen, dass es auch niemals einen Nachfolger für die ehrenwerte Familie Spencer und für das Umbrella- Imperium geben würde, in das er seine ganze Zeit und Kraft gesteckt hat. Eines Tages jedoch, kündigte sich ein Gast bei uns an. Es war eine Frau aus Europa. Sie hat mir ihr Anliegen nicht mitgeteilt, ich sollte sie nur zu Master Spencer führen. Ich tat wie immer meinen Dienst. Die Frau war nicht allein gekommen. Sie hatte einen jungen Mann dabei. Wie sich herausstellte, handelte es sich dabei um Master Spencers unehelichen Sohn, Elliot."

„Wann war das genau?", fragte Alex.

„Es war ungefähr gegen Ende der 60iger Jahre. Master Spencer hatte mit seinen Studienkollegen gerade seine Firma gegründet und war damit beschäftigt, Umbrella aufzubauen. Die Nachricht kam unverhofft und stürzte Lord Spencer in eine Krise."

„Wie hat er reagiert, als man ihm seinen Sohn vorgeführt hat?", wollte Albert wissen. „Wie ich Spencer einschätze, war er nicht sonderlich erbaut darüber. Über diesen… Schandfleck."

„Lord Spencer war außer sich, so hatte ich den Master noch nie erlebt", fuhr Patrick fort. „Er schickte die Frau und den Jungen fort."

„Aber doch nicht einfach so, oder?", warf Chris ein. „Er konnte sie doch nicht einfach abweisen und wieder gehen lassen."

„Die Mutter des Jungen forderte Verantwortung. Master Spencer zahlte ihr Geld, zuerst eine große Summe auf einmal, dann einige Jahre lang einen regelmäßigen Betrag. Er wollte natürlich, dass sie schwieg. Die Öffentlichkeit durfte davon nicht erfahren, es hätte dem Ansehen der Familie und der Firma geschadet."

„Wie kam es dazu? Wie war es möglich, dass sich Spencer so einen Fauxpas erlaubt hat?", fragte Albert. „Ein uneheliches Kind in die Welt zu setzen?"

„Ich bin nicht über alle Einzelheiten informiert", musste der Butler zugeben. „Doch ich weiß, dass Master Spencer die junge Frau während einer Reise traf."

„Wann ist Elliot geboren?", fragte Jill. „Ist er älter als Alex und Albert Wesker?"

„Ja, einige Jahre, soweit ich weiß. Er wurde 1955 geboren."

„Das müsste während Spencers Studienzeit passiert sein", mutmaßte Albert. „Er ist Jahrgang 1931. Also war er ungefähr Mitte 20. Hat er seinen Sohn denn anerkannt? Ich vermute nicht."

„Ich kann mich erinnern, als wäre es gestern gewesen", fuhr Patrick fort. „Lord Spencer war außer sich. So hatte ich meinen Herren noch nie erlebt. Er weigerte sich, die Vaterschaft für den Jungen anzuerkennen. Deshalb bezahlte er auch Geld, um sich das Schweigen zu erkaufen. Man handelte eine Vereinbarung aus. Die Frau und der Junge sollten zurück nach Europa und nie wieder Fuß auf amerikanischen Boden setzen. Natürlich sollte das Geheimnis unter keinen Umständen nach außen gelangen. Dafür durfte der Junge den Namen Spencer tragen."

„An diesem einen Abend, als ich zu Spencer kommen musste, da war doch Elliot bei ihm, oder?", sagte Albert langsam.

„In der Tat. Ich habe ihm selbst die Tür geöffnet und ihn zu Master Spencer geleitet."

„Was wollte er? Die beiden haben sich gestritten."

„Als Erwachsener kontaktierte Elliot seinen Vater und Master Spencer wurde ein weiteres Mal mit seiner Vergangenheit konfrontiert, die er lieber im Verborgenen gewusst hätte", sagte Patrick und man merkte ihm an, dass ihm die Worte Unbehagen bereiteten. „Elliot erhob, als Master Spencers einziger und rechtmäßiger Nachfolger, Anspruch auf die Firma, auf Umbrella. Er forderte seinen Vater auf, sich endlich zu ihm zu bekennen und ihm Teilhabe am Unternehmen zu gewähren."

„Jetzt begreife ich", sagte Alex. „Albert, die Gesprächsfetzen, die du mitangehört hast, gingen genau darüber. Elliot hat Spencer erpresst. Ich bin mir sicher, dass er die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen würde, sollte Spencer nicht auf seine Forderungen eingehen."

„Und Spencer hat das natürlich gar nicht gefallen", sagte Chris. „Er hat reflexartig alles abgewehrt, aber insgeheim wusste er, dass er in einer ganz schönen Zwickmühle saß. Er konnte nicht riskieren, dass Elliot seine Drohung wahrmacht."

„Master Spencer…" Patrick zögerte. Er nahm einen Schluck seines Tees, der auf dem Nachttisch neben seinem Bett stand.

„Was hat Spencer getan?", fragte Albert direkt heraus, obwohl er sich die Antwort schon denken konnte.

Patrick zögerte, bevor er weitersprach, und an seinem Gesicht war deutlich zu erkennen, dass ihm die Vergangenheit unangenehm war, dass er vielleicht sogar Scham über die Geschehnisse empfand.

„Master Spencer… tat oft Dinge, mit denen ich nicht einverstanden war. Ich habe die Taten meines Herren nie hinterfragt oder gar in Frage gestellt, aber in diesem Punkt… muss ich zugeben, dass mir das sehr schwer fiel. Master Spencer griff zu einer sehr fragwürdigen Methode, um das Problem zu lösen."

Alle sahen den alten Mann an.

„Master Spencer ordnete die Ermordung seines eigenen Sohnes an."

Die vier wechselten einen Blick miteinander.

„Was genau ist passiert?", hakte Albert nach. „Wie sollte Elliot umgebracht werden?"

„Das blieb Master Spencers Geheimnis", erklärte Patrick. „Ich weiß lediglich, dass Elliot in einen Autounfall verwickelt wurde. Das Fahrzeug stürzte eine Klippe hinab und brannte vollständig aus. Einen Körper fand man nicht. Man ging davon aus, dass Elliot bei dem Unfall ums Leben gekommen sei."

„Verstehe. Hörte man noch irgendetwas von ihm?"

„Nein. Für Master Spencer existierte sein Sohn nicht mehr. Er erwähnte ihn nie wieder mit einem Wort. Aber warum diese Frage? Er kann den Unfall niemals überlebt haben. Selbstverständlich nahm er nie wieder Kontakt mit Master Spencer auf."

Chris nickte. „Das erklärt so einiges", murmelte er leise, dann wandte er sich direkt an den alten Butler. „Patrick, haben Sie vielen Dank. Sie haben uns wirklich weitergeholfen. Und entschuldigen Sie bitte die Umstände, die wir Ihnen bereitet haben. Wir werden Ihre Zeit auch nicht weiter in Anspruch nehmen."

„Nicht doch. Ich bekomme niemals Besuch und seit ich Master Spencer nicht mehr diene, hat mein Leben seinen Hauptsinn verloren. Ich freue mich, Sie getroffen zu haben und Ihnen weitergeholfen zu haben. Besonders freut es mich natürlich, dass ich euch beide vor meinem Tod noch einmal wiedersehen durfte." Es sah die beiden Wesker an.

Alex nickte. „Vielen Dank, Patrick."


„Chris, was sollen wir jetzt tun?", fragte Jill. Sie war die erste, die das Wort ergriff.

Sie saßen schon seit Stunden im Flugzeug auf dem Weg zurück in die Vereinigten Staaten, aber niemand hatte bisher ein Wort über das verloren, was sie von dem alten Butler erfahren hatten. Unten ihnen lag der weite blaue Ozean. Ein paar Wolken zogen an den Fenstern vorbei.

Chris antwortete nicht gleich. Erst vor einer halben Stunde hatte er nach New York telefoniert, um Hunnigan, O´Brian und die anderen zu informieren. Danach war er langsam im Flugzeug auf und abgeschritten, hatte sich ein paar Mal hingesetzt und war wieder aufgestanden. Als Jill ihn ansprach, stand er gerade an einem Fenster und ließ seinen Blick gedankenverloren über das Meer unter ihnen schweifen.

„Chris?"

„Ja, ich habe dich schon gehört", sagte Chris. „Ich… weiß es ehrlich gesagt, nicht so genau, was wir jetzt tun sollen."

„Unser nächster Schritt sollte klar sein", sagte Alex hart. „Wir müssen Elliot ausfindig machen und stellen. Wir müssen seinen kranken Plan verhindern."

Chris und Jill sahen sich an. „Wie sollen wir ihn denn finden? Es war schon schwer genug, Simmons auf die Schliche zu kommen und ihren Plan aufzudecken. Elliot hat sich bislang immer im Verborgenen gehalten."

„Er war in dieser Unterwasseranlage, wo er Albert festgehalten hat", sagte Alex.

„Das ist mittlerweile über vier Tage her", bemerkte Chris. „Nachdem wir versucht haben, das Mädchen zu befreien, werden die mit Sicherheit Lunte gerochen haben. Sie werden den Ort verlassen haben."

„Das glaube ich nicht", entgegnete Albert.

„Wie meinst du das?"

„Elliot hat mehrfach angekündigt, dass er sich und seinen Plan bald offenbaren will", sagte Albert. „Er hat sich Alex und mir gezeigt und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass er darauf spekuliert hat, dass wir beide erkennen, wer er ist. Wir sollten es darauf ankommen lassen."

„Wir sollten noch mal in die Anlage zurückgehen", sagte Alex. „Wir müssen das Mädchen befreien. Das hat oberste Priorität. Ohne sie haben die gar nichts."

„Aber Chris hat Recht", warf Jill ein. „Sie werden schon längst nicht mehr dort sein."

„Selbst wenn, dann haben wir zumindest die Möglichkeit, die Anlage gründlich unter die Lupe zu nehmen und vielleicht können wir dann tiefere Einblicke in ihre Pläne nehmen, vielleicht erfahren wir ja sogar, was sie mit Sherry vorhaben. Aber eigentlich halte ich es nicht für wahrscheinlich, dass sie schon gegangen sein werden", widersprach Alex. „Sie wollen AquaSystemTex doch in absehbarer Zukunft dazu benutzen, den Virus über das Trinkwasser unter die Leute zu bringen. Nachdem die amerikanische Hauptzentrale in Miami ist, bietet es sich an, dass sie dort ihr Lager aufschlagen. Der Golf von Mexico ist nicht weit."

Albert nickte. „Elliot wird dort sein. Ich bin mir sicher. Und ich brenne darauf, ihm endlich gegenüberzustehen. Er wird dafür bezahlen, was er mir angetan hat. Er wird für seine Unverschämtheiten bezahlen."


„Oswell E. Spencer hat also einen Sohn?", sagte Leon nachdenklich. „Was heißt das für uns? Und vor allem für diesen… aberwitzigen Plan, die Welt mit diesem Virus zu vergiften?"

„Das will ich euch erklären", sagte Alex. Er stand am Fenster und blickte auf die Straßen New Yorks hinunter. „Oswell E. Spencer hatte die Vision eine neue Gattung Mensch durch einen Virus, namentlich den Progenitor- Virus, zu erschaffen. Dafür gab es Albert und mich und hunderte andere Kinder. Die sogenannten Wesker- Kinder. So wie ich das sehe, will Elliot den Plan seines Vaters weiterführen und doch noch verwirklichen. Er tut es nur auf andere und viel gefährlichere Weise. Für ihn soll es nicht eine erlesene genetische Elite geben, nein, er will vielmehr die gesamte Menschheit genetisch nach vorne bringen. Millionen Jahre Evolution durch die Infizierung mit dem neuen Virus."

„Aber der Virus funktioniert ja nicht", sagte Chris. „Er tötet, wie wir ja festgestellt haben."

„Glaubt ihr, Elliot weiß das?"

„Das ist fraglich. Wenn er es weiß, dann steht er seinem Vater in nichts nach. Dann hofft er vielleicht, dass durch natürliche Auslese nur die besten Überleben. Wenn er es allerdings nicht weiß und den Virus verbreitet, wird er eine böse Überraschung erleben, wenn sein Plan nicht aufgeht", sagte Alex.

„Wir müssen das verhindern. Der Virus darf unter keinen Umständen Verbreitung finden", sagte Ingrid Hunnigan ernst.

„Aber was sollen wir machen?", entgegnete Claire. „Wir können nicht ein weltweites Firmennetzwerk ausschalten, das womöglich noch gleichzeitig operiert!"

„Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist, Elliot zu finden und auszuschalten", sagte Albert. „Wenn wir ihn nicht aufhalten, haben wir keine Chance. Wir müssen in diese Anlage zurück. Er war dort und hat sich Alex und mir gegenüber nicht das erste Mal offenbart. "

„O´Brian und ich haben bereits darüber Rücksprache gehalten", sagte Ingrid Hunnigan. „Wir halten dies ebenfalls für die einzige und beste Möglichkeit weiterzukommen. Wir ordnen an, ein Team zusammenzustellen. Hoffen wir, dass wir Glück haben."


Albert und Alex zogen sich nach dem Gespräch ins Labor zurück, wo sie fernab der anderen in Ruhe über ihre Reise nach London sprechen wollten. Albert rief nochmal die zusammengetragenen Daten über AquaSystemTex auf den Computerbildschirm und überflog sie nachdenklich.

„Was hältst du von dieser ganzen Geschichte, Alex?", fragte er irgendwann, während sein Blick auf der Weltkarte ruhte, auf der die Verbindungen der einzelnen Unternehmen eingezeichnet waren. Die halbe Erde war rot eingefärbt.

Alex lachte leise auf. „Was ich davon halte? Albert, soll ich dir was sagen?", sagte Alex belustigt. „Ich habe Elliot schon mal gesehen."

„Was?!", fragte Albert ungläubig und wandte sich vom Computer ab. „Soll das jetzt ein schlechter Scherz sein?! Wie kann das sein?!"

„Es ist mir auf dem Flug hierher zurück siebenteils eingefallen. Es war als wir Kinder waren. Wir lebten noch bei Spencer in dessen Anwesen. Du warst damals nicht da. Ich glaube, du musstest in die Stadt irgendwohin. Ich blieb allein Zuhause. Spencer war in seinem Arbeitszimmer und ich war oben und habe gelernt. Ich habe Klavier gespielt, aber nach einiger Zeit bekam ich Durst und Hunger und wollte runter in die Küche, um mir etwas zu holen. Ich ging den Flur neben dem Salon entlang. Und da hörte ich Stimmen. Es waren Spencer und eine Frau. Sie unterhielten sich miteinander und es hörte sich nach einem Streit an. Ich blieb stehen und habe gelauscht. Kurz darauf kamen eine Frau und ein Junge aus dem Salon. Ich kannte sie nicht. Sie wurden von Patrick nach draußen begleitet. Der Junge war vielleicht ein paar Jahre älter als wir beide. Es würde also zu dem passen, was Patrick uns erzählt hat. Es muss der Tag gewesen sein, als die Frau Spencer mit seinem Sohn konfrontiert hat."

„Warum hast du nie etwas gesagt?!", fragte Albert aufgebracht.

„Ganz einfach. Ich habe es vergessen. Genau wie vieles andere gehörte auch dies zu den Dingen, die wir nach der Behandlung mit dem Progenitor- Virus vergessen haben. Ich vermute, dass ich mich jetzt durch Patricks Erzählung daran erinnert habe. Die Bilder sind allerdings sehr schemenhaft, deshalb habe ich keine Gesichter mehr vor Augen. Ich bin mir aber absolut sicher, dass es Elliot war, wahrscheinlich mit seiner Mutter."

Albert überlegte. „Wann könnte Spencer die Frau getroffen haben? Wenn Elliot 1955 geboren ist, als Spencer 24 war, kann das eigentlich nur während seiner Studienzeit passiert sein. Er erwähnte einmal, dass er damals für ein paar Monate in Europa gewesen ist. Allerdings zweifle ich es stark an, dass er eine wirkliche Beziehung mit dieser Frau hatte. Das sieht Spencer nämlich gar nicht ähnlich. Patrick hatte vollkommen Recht, als er sagte, dass Spencer auf weibliche Gesellschaft nichts gab. Er blieb Zeit seines Lebens Junggeselle."

„Ja, möchte nicht wissen, wie das zustande gekommen ist", meinte Alex schmunzelnd. „Vielleicht kann uns Elliot selbst ja Aufschluss darüber geben."

Albert schnaubte. „Glaubst du, wir werden mit ihm ein nettes Pläuschchen halten?", meinte er sarkastisch.

Alex ging nicht auf den Kommentar ein. Er schritt zum Computerbildschirm und sah die Informationen durch. Erschöpft stützte er sich an der Tischkante ab.

„Elliot hat meine Tochter in seiner Gewalt. Er weiß, wo sie ist. Wir müssen ihn finden."

„Er hat auch Sherry", sagte Albert ernst. „Abgesehen von meinen persönlichen Gründen, aus denen ich Elliot einen möglichst grausamen Tod bescheren möchte, liegt mir auch viel daran, die Tochter meines Freundes zurückzuholen. Wir dürfen sie und die beiden Kinder diesem Wahnsinnigen nicht überlassen."

Alex musterte Albert, dann grinste er. „Weißt du… man entdeckt völlig neue Seiten an dir. Du bist sehr besorgt um Sherry und das sieht dir nicht ähnlich. In Übrigen wollte ich dir meine Bewunderung aussprechen."

„Wofür?"

„Dass du Sheila unbedingt finden und wegen Anna Muller und Jake an ihr Rache üben wolltest… das war… eine überaus edle Geste. Das habe ich nicht von dir erwartet."

Albert atmete tief durch. Er nickte nur schwach. „Und weißt du, Alex, ich hätte auch dir niemals so viel… wie soll ich es nennen? Ich hätte dir niemals so viel Fürsorge um deine Familie zugetraut."

„Dito. Vielleicht sind wir beide ja… doch keine solchen Monster. Vielleicht hat es Spencer nicht völlig geschafft, dass wir wie er werden. Vielleicht steckt in uns doch noch ein Stück Mensch."

Albert sah nachdenklich auf Alex zurück, der mit gesenktem Kopf vor dem Computer stehen blieb, dann verließ er den Raum.


„Wir haben zumindest zwei kleine gute Nachrichten für sie", sagte Ingrid Hunnigan. Es war der nächste Morgen und ihre Vorbereitungen waren beinahe abgeschlossen. Die D.S.O.- Agentin war gerade von einem Telefonat zurückgekommen.

„Das Krankenhaus hat sich gemeldet, Mr. Cromefield, alias Agent HUNK, ist außer Lebensgefahr. Er hat die Operation gut überstanden, ist allerdings noch auf der Intensivstation. Die Ärzte wollten sich noch nicht festlegen, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis er wieder auf die Beine kommt."

„Na wenigstens", sagte Chris. „Was ist die zweite Nachricht?"

Ein Lächeln trat auf Ingrid Hunnigans Gesicht. „Die Hündin hat es auch gut überstanden."

Claire horchte auf. „Meinem Hund geht es gut?!"

„Ja. Die Tierklinik hat ebenfalls angerufen. Ihre Bella ist wohlauf."

Claire griff sich erleichtert an die Brust. „Gott sei Dank."

„Siehst du, ich habe es dir doch gesagt", sagte Alex. „Wenigstens ein kleiner Lichtblick. Wie läuft es mit den Vorbereitungen? Wann können wir los?"

„Wir stellen Ihnen ein paar Männer zur Seite, die sie begleiten werden. Wir stellen gerade die Ausrüstung zusammen", erklärte Hunnigan.

„OK, wer geht alles mit?"

„Ich", ertönte eine Stimme von der Tür. Jake trat in den Raum. „Das ist wohl klar."

Chris, seine Schwester und Jill wechselten alle einen Blick miteinander, sagten jedoch nichts. Jake war immer noch wütend wegen Sherrys Entführung. In ihm steckten Zorn und Hass. Er hatte sich die meiste Zeit im Trainingsraum vergraben und kein Wort mit ihnen gesprochen. Chris machte sich Sorgen um ihn. Natürlich konnte er nachvollziehen, wie schlecht es ihm ging, und auch, dass Jake die Leute, die Sherry entführt hatten, persönlich stellen wollte, er hieß es jedoch nicht gut, dass er auf ihre Mission mitgehen wollte. Jake machte im Moment nicht den Eindruck, klar denken zu können. Er war viel zu sehr von seinen Emotionen aufgewühlt und würde im schlimmsten Fall irrational handeln. Das konnten sie nicht gebrauchen.

„Ich werde die Mission anführen", erklärte Chris. „Claire, Jill, Jake", er nickte in Jakes Richtung, „die beiden Wesker, Ada Wong und Rebecca sind im Team."

„Ich werde mich ebenfalls anschließen", sagte Piers, der ebenfalls zu ihnen trat.

Chris spürte einen Stich in die Brust. „Piers, das…" Er war damit nicht einverstanden. Er war damit ganz und gar nicht einverstanden. Das letzte Mal, dass sie gemeinsam auf einer Mission gewesen waren, war nur Chris zurückgekehrt. Piers hatte sein Leben für das seines Captains gegeben. Die kommende Situation ähnelte stark dem, was in China passiert war, und alte Ängste überfielen Chris. Was, sollte Piers erneut etwas zustoßen? Das hätte er sich nicht verziehen.

„Piers…"

„Schon gut, Captain. Ich war lange genug untätig. Du vergisst wohl, Chris, dass ich mit diesen Leuten ebenfalls eine Rechnung offen habe. Sie haben monatelang an mir experimentiert und mich gefangen gehalten. Dafür werden sie bezahlen. Ich brenne darauf ihnen gegenüberzutreten. Außerdem will ich auch endlich einen Beitrag leisten. Ich saß lange genug hier rum."

„Wieso wird Rebecca mitkommen?", fragte Jill erstaunt. „Sie ist doch normalerweise im Innendienst."

„Ja. Aber zum einen will ich jemanden dabeihaben, der Erste Hilfe leisten kann. Und zum anderen hat sie mit Alex Wesker zusammen etwas vor. Sie wollen sich die Computer in dieser Anlage vornehmen, um etwas über die Pläne unseres Feindes herauszubekommen."


„Was machst du da?", fragte Claire und sah Alex über die Schulter. Er tippte eifrig auf einem Laptop herum. Komische Zahlen- und Buchstabenfolgen schwirrten über den Bildschirm und machten Claire völlig wirr im Kopf.

„Hast du da überhaupt irgendeinen Durchblick?"

„Oh ja", sagte Alex. „Das, Claire, ist die ultimative Zerstörung."

„Hört sich nicht gut an", bemerkte Claire.

„Ist es auch nicht." Er drückte die Enter- Taste und eine winzige Diskette fuhr aus einem Fach an der Seite heraus. Alex nahm sie vorsichtig und hielt sie hoch, als sie sie etwas sehr Wertvolles. „Ich habe mir etwas überlegt, wie wir diesen Leuten einen ordentlichen Schlag reinwürgen können."

Claire sah ihn gespannt an.

„Wenn wir nochmal in diese Anlage eindringen, werden sich Rebecca Chambers und ich ein bisschen in das Computernetzwerk einhacken und Daten herunterladen, damit wir genauer herausfinden könne, was diese Leute vorhaben. Konkret habe ich es vor allem auf ihren Plan abgesehen. Wir wissen immer noch nicht, wie sie es anstellen werden, den Virus in diesem weltweiten Firmennetz zu verbreiten. Das müssen wir unbedingt herausbekommen. Danach allerdings werde ich ihnen einen Virus ins System setzen, der ihnen alles kaputt machen soll, was sie haben. Ich sagte ja bereits, die komplette Zerstörung."

„Das ist eine gute Idee", sagte Claire. „Ich hoffe, wir stoßen nicht auf allzu große Probleme."


„Pass auf dich auf", raunte Leon Ada zu.

Sie küsste ihn flüchtig auf die Wange und lächelte. „Du bist ja immer so besorgt", meinte sie gelassen.

„Ich will einfach nur, dass du heil zurückkommst", sagte Leon. „Ich will dich nicht verlieren."

„Ach, Leon…" Ada grinste ihn mitleidsvoll an.

Leon konnte aufgrund seiner Schussverletzung in der Schulter nicht an ihrer Mission teilnehmen. Er musste Ada allein gehen lassen, was ihm nicht behagte. Er wusste sie gern in Sicherheit und wollte sie nicht erneut der unnötigen Gefahr aussetzen.

„Wenn du zurückkommst… Ich hab eine Überraschung für dich… also das heißt… es wird noch ein wenig dauern, aber… behalt dir das… wenigstens schon mal im Hinterkopf."

Sie legte den Kopf schief und sah ihn vielsagend an. Leon wirkte etwas verlegen. „Eine Überraschung? Ich liebe Überraschungen."

„Diese wirst du hoffentlich auch lieben."

Sie küssten sich zum Abschied, dann schloss sich Ada der übrigen Gruppe an.


Die Rotorblätter des Hubschraubers dröhnten in ihren Ohren. Unter ihnen zog das Land vorbei.

„Wie werden wir vorgehen, Captain?", fragte ein Soldat ihres Teams.

„Alex und Albert Wesker und Rebecca werden sich sofort nach unserer Ankunft um die Computer kümmern. Wir anderen, das heißt, Jill, Claire, Ada Wong, Jake, ich und das Team, wir werden das Mädchen befreien. Und diesmal werden wir keine Rücksicht nehmen. Wir sind schwerbewaffnet und werden von diesen Waffen Gebrauch machen, wenn es sein muss. Wir müssen damit rechnen, von J´avos angegriffen zu werden. Unser Ziel ist die Befreiung des Mädchens unter allen Umständen."

Jake saß etwas abseits der anderen und hatte die Arme verschränkt. Als er seinen Namen hörte, sah er auf.

„Wenn wir fertig sind", sagte Alex ernst. „Werden wir ums Elliot kümmern. Rebecca wird zu Ihnen stoßen und wir beide", er deutete auf Albert und sich, „wir werden Elliot stellen."

„Ist das so eine gute Idee, wenn ihr allein geht?", fragte Claire beunruhigt.

„Wir wissen nicht, was uns erwartet. Elliot ist alles zuzutrauen. Albert und ich… können zumindest gegen ihn bestehen", sagte Alex. „Sofern er sich überhaupt noch dort aufhält."

„Sollte es Probleme geben", sagte Chris. „Wir sind über Funk miteinander verbunden. Und noch etwas. Nachdem wir beim letzten Mal diesen B.O.W. gesehen haben, müssen wir damit rechnen, dass es noch mehr geben könnte. Gegen die haben wir… wahrscheinlich wenig vorzubringen, das bedeutet, wir sollten zusehen, uns nicht mit ihnen anzulegen. Die J´avo reichen."

„Wir gehen wir da rein?", fragte Claire.

„Die Hubschrauber landen direkt auf der Plattform. Wir gehen ohne Umschweife rein. Die sollen sehen, dass wir kommen", sagte Chris. „Die sollen merken, dass wir… mit Gewalt zuschlagen diesmal. Nachdem wir jetzt endlich ihre Pläne kennen und wissen, wer dahinter steckt, können wir endlich offensiv auftreten und gegen diese Leute vorgehen."

Das Meer zog unter ihnen vorbei. Sie überquerten den Golf von Mexico. Sie machten sich bereit und luden ihre Waffen. Aus der Luft aus sahen sie bereits wie J´avos an die Oberfläche stürmten und sie ins Visier nahmen.

Der Pilot ging runter und das B.S.A.A.- Team, angeführt von Chris und den beiden Weskern, nahm den Feind unter Beschuss.

„Rebecca, halten sie sich an Alex und Albert!", wies Jill die junge Frau an, während sie ihre Maschinenpistole zog. „Wir decken euch!"

Geschützt durch das Feuer ihres Teams bahnten sie sich ihren Weg in die Steuerungszentrale der Anlage. Sie brachen die Tür auf und verriegelten sie anschließend. Chris und seine Leute hielten ihre Feinde auf Abstand, bis die Arbeit erledigt war.

„Also, Ms. Chambers, machen wir uns an die Arbeit. Albert", Alex nickte dem anderen Wesker zu. Dieser wandte sich ebenfalls einem der Computer zu.

Sie fuhren die Geräte hoch. Alle waren passwortgeschützt, doch Alex schaffte es in kurzer Zeit, den Code zu knacken und ihnen Zutritt zum System zu verschaffen.

„OK, das hätten wir. Ich werde den Virus hochladen, ihr beide ladet die Systemdaten runter." Er reichte ihnen Disketten, die sie in die Laufwerke einführten.

„Was, wenn sie unseren Angriff bemerken?", fragte Albert.

„Das werden sie, aber die anderen halten uns den Rücken frei", erklärte Alex, während seine Finger blitzschnell über die Tastatur glitten. „Viel Zeit haben wir allerdings nicht. Wie schnell funktioniert die Übertragung?"

„Zu langsam, 20%", sagte Rebecca.

„Bei mir 25%", antwortete Albert, der nebenher seine Waffe nachlud. „Es geht sehr schleppend voran."

„Ich habe es gleich bei mir", sagte Alex. Er entnahm dem Laufwerk wieder seinen Chip und tippte noch ein paar Befehle ein, dann setzte er die Zeit für 30 Minuten fest. „Gut. Ich habe es. In einer halben Stunde fliegt ihnen ihr ganzes System um die Ohren und sie haben keinen Zugriff auf ihre Daten mehr."

„Alex, ich habe hier etwas. Sieh dir das an."

Alex steckte seinen Datenträger mit dem Virusprogramm wieder ein, dann trat er neben Albert.

„Ich glaube, dass sind ihre Pläne für die Verbreitung des Virus."

„Das sehen wir uns alles später an. Zieh es einfach rüber. Auswerten können wir es erst, wenn wir zurück sind. Wie sieht es bei Ihnen aus, Ms. Chambers."

„Es sind vor allem allgemeine Sachen. Allerdings, soweit ich sehen konnte, nichts über Ihre Tochter und Sherrys Aufenthaltsort", sagte Rebecca enttäuscht.

Alex seufzte. „Gut, aber wir haben wenigstens etwas."

Fünf Minuten später war ihr Vorgang abgeschlossen. Sie steckten die Datenträger ein und verließen die Schaltzentrale mit den Rechnern.

„Hat alles geklappt?", fragten Chris und Jill sofort.

„Ja. Wir haben, was wir wollen", sagte Alex und zog seine Waffe.

„Wir müssen uns beeilen, wir bekommen Besuch."

Am anderen Ende des Ganges stürmten noch mehr J´avo auf sie zu, die ohne Umschweife das Feuer auf sie eröffneten. Sie retteten sich um eine Ecke hinter ein paar Kisten.

„Albert und ich werden jetzt Elliot suchen gehen. Wir werden in die unteren Stockwerke vordringen. Das heißt, wir trennen uns jetzt hier und nehmen den Aufzug."

Chris und Jill nickten. „OK, wir stoßen zu den anderen und holen das Mädchen. Wann treffen wir uns wieder?"

„Der Timer für den GAU im System steht bei 30 Minuten. Wir haben knapp eine halbe Stunde. Machen wir das Beste draus."

Chris, Jill und das Team stellten sich den J´avo, während Alex und Albert Wesker durch ihre Deckung geschützt zum Aufzug hasteten und nach unten fuhren. Die Schüsse, die auf den Gängen widerhallten, starben abrupt, als sich die Aufzugtüren vor ihnen schlossen. Sie sahen noch, wie Metallsplitter umherflogen und die B.S.A.A.- Agenten in Deckung gingen.


„Was glaubst du, erwartet uns?", fragte Alex.

„Sofern Elliot wirklich noch hier ist und wir ihn treffen? Ich weiß es nicht", sagte Albert. „Ich versuche, mir keine Gedanken zu machen. Das einzige, was mich interessiert, ist, Elliot auszuschalten. Er wird einen schmerzhaften und qualvollen Tod zu erwarten haben."

„Wir werden sehen."

Der Aufzug hielt im unteren Stockwerk und sie stiegen aus. Sie befanden sich in dem hohen Raum, in dem sie nur wenige Tage zuvor, ihren Kampf gegeneinander ausgefochten hatten. Die Schäden, die sie angerichtet hatten, waren behoben worden. Wände und Boden waren wieder vollständig. Sie warfen einen Blick nach oben zur breiten Glasscheibe, von der aus Patrick Simmons und Elliot Spencer beim letzten Mal zu ihnen gesprochen hatten. Alles war ruhig. Es hatte den Anschein, als sei niemand hier.

„Sieht verlassen aus", bemerkte Alex, während sie sich umsahen. „Gehen wir da rauf und sehen dort nach!"

„Das wird nicht nötig sein", ertönte eine Stimme hinter ihnen. Es war die Stimme eines Mannes und diesmal war sie nicht maschinell verzerrt. Sie war klar und tief.

Albert und Alex wandten sich langsam um. Ein Mann, in einen langen, schwarzen Kapuzenumhang gehüllt, trat langsam durch die Tür. Sein Gesicht war verborgen.

„Hier bin ich. Ihr habt mich doch gesucht, oder?", sagte der Fremde vergnügt, als begrüße er die beiden Wesker zu einer Teegesellschaft. „Willkommen."

„Elliot Spencer", sagte Albert. „Endlich treffen wir uns."

Der Mann schien für einen Moment irritiert, doch er fing sich schnell. Man konnte sein Gesicht nicht sehen, aber Albert war sich sicher, dass er lächelte. „Wie ich sehe, bedarf es keiner großen Vorstellung mehr. Ihr wisst also, wer ich bin. Ich bin überrascht. Wie habt ihr es herausgefunden?"

„Ein alter Bekannter hat uns weitergeholfen", sagte Alex.

„Ah, ich verstehe. Euer Flug nach London. Ich nehme an, dass euch Patrick, der alte Butler von Spencer, meine Identität verraten hat?"

„Ja. Der alte Mann hat ein erstaunliches Gedächtnis. Er hat uns deine Geschichte erzählt."

„Tatsächlich?", fragte Elliot. Er trat auf die beiden Männer zu. Ein paar Meter von ihnen entfernt blieb er stehen. „Was glaubt ihr denn über mich zu wissen?"

„Dein Spiel ist aus, Elliot", sagte Albert angriffslustig, Elliots Frage ignorierend. „Wir kennen deinen Plan und wissen, was du vorhast. Wir werden dich aufhalten. Du hast keine Chance."

Elliot lachte hämisch. „So so, Albert, was du nicht sagst. Du bist aber siegessicher."

„Spar dir deine Kommentare!", knurrte Albert und ballte die Hände zu Fäusten.

„Albert", raunte Alex ihm warnend zu.

„Zeig uns endlich dein Gesicht, Elliot, anstatt dich hinter dieser Maske zu verstecken! Wir kennen dich jetzt, also hast du keinen Grund mehr, dich zu verstecken!", forderte Albert.

„Ich sehe, ihr habt es sehr eilig. Wenn du darauf bestehst, Albert", sagte Elliot. „Aber ich muss euch warnen, mein Gesicht ist nicht ansehnlich."

Langsam zog sich Elliot die Kapuze vom Kopf, dann die schwarze Maske, die er vor dem Gesicht trug. Zum Vorschein kam ein Mann mittleren Alters mit grauen Haaren. Er sah Oswell E. Spencer zum Verwechseln ähnlich. Die Verwandtschaft zu dem Umbrella- Gründer war unverkennbar. Es bestand kein Zweifel daran, dass Elliot Oswells Sohn war. Die linke Hälfte seines Gesichts war völlig von Brandwunden vernarbt. Auf dem linken Auge war er blind.

Er musste Alex´ und Alberts Gesichtsausdruck richtig gedeutet haben, als sie sein Antlitz zum ersten Mal erblickten, denn sein Mund verzog sich einseitig zu einem schelmischen Grinsen.

„Kein schöner Anblick, nicht wahr?", fragte er rhetorisch. „Tja, das habe ich meinem ehrenwerten Vater zu verdanken."

Albert und Alex wechselten einen Blick miteinander. Sie wussten sofort, was Elliot meinte. Er sprach von dem Mord, den sein Vater an ihm verüben wollte und der augenscheinlich misslungen war.

„Wie ich hörte, hat mein Vater für seine Taten bezahlt? Warst nicht du es, Albert, der ihn getötet hat? Ich hätte es selbst tun können, aber so ist es auch in Ordnung. Ich danke dir sogar dafür. Und du, Alex, hast ihn verlassen, als er dich am dringendsten gebraucht hätte."

Albert und Alex erwiderten nichts darauf.

„Wo ist meine Tochter, Elliot?", fragte Alex. „Und wo haltet ihr Sherry gefangen?"

Elliot grinste. „Vielleicht verrate ich es euch, aber das wird euch nichts nützen."

„Lass es, Alex. Unser Plausch ist vorbei, Elliot. Wir werden dich dorthin befördern, wo du hingehörst. Wir werden tun, was dein Vater nicht geschafft hat", sagte Albert erbost. Er hatte genug von Elliots herablassender Art. Er machte sich bereit zum Kampf.

„Wie ich sehe, legt ihr es wirklich darauf an", sagte Elliot. „Das ist schade. Hatten wir nicht mal dieselbe Vision, Albert? Aber ihr schlagt euch auf die Seite der Verlierer, das ist sehr bedauerlich." Er schüttelte den Kopf, so als tadle er zwei Kinder. „Ihr wollt es offenbar nicht anders."

„Sei still!", sagte Alex wütend. Er musterte Elliot mit bösem Blick. „Arroganter Mistkerl! Sag mir, wo Faith ist!"

Albert und Alex schossen beide blitzschnell nach vorne. Sie holten beide zum Schlag aus, doch als sie hielten, war Elliot verschwunden. Irritiert wandten sie sich um. Elliot stand plötzlich auf der anderen Seite des Raumes, so als hätte er sich teleportiert.

Erstaunt starrten ihn die beiden Wesker an.

„Ihr seid ein bisschen langsam, das enttäusch mich. Aber ich will euch eine zweite Chance geben."

Plötzlich verschwand er. Er bewegte sich so schnell, dass sie ihn aus den Augen verloren. Albert konnte nicht mehr reagieren. Er wich einen Schritt zurück, als Elliot direkt vor ihm auftauchte. Er hatte keine Chance, den Angriff abzuwehren. Elliots Faust schoss nach vorne und traf ihn auf die Brust.

„Argh!" Albert stöhnte vor Schmerz auf. Er wurde nach hinten geschleudert und schlug hart mit dem Hinterkopf auf dem Steinboden auf. Sterne tanzten vor seinen Augen und ein plötzlicher Drehschwindel überkam ihn, als er sich mühevoll hochrappelte.

„Albert, alles OK?!", fragte Alex sofort.

Albert stemmte sich hoch. Er fühlte sich, als sei sein Brustbein gebrochen. Ihm blieb für einen Moment die Luft weg.

„Albert, ein bisschen schwach auf der Brust, eh?", fragte Elliot schnippisch. „War ich ein bisschen zu schnell für dich?"

Albert knurrte verärgert. Er und Alex schossen erneut nach vorne, um Elliot anzugreifen. Mit einem Wimpernschlag waren sie mehrere Meter nach vorne auf Elliot zugeschossen. Kein Mensch hätte ihre Angriffe absehen können, doch plötzlich wurden beide mitten aus ihrer Bewegung gerissen.

Etwas hatte sich um ihren Hals gewickelt und schnürte ihnen die Luft ab. Aus Elliots Körper waren schwarze, wurmähnliche Tentakeln erwachsen, die die beiden Wesker einige Meter über dem Boden festhielten.

„Nun gut, nachdem wir ja jetzt in so einer netten Runde beisammen sind, können wir ja ein bisschen plaudern", sagte Elliot. „Ihr glaubt, ihr wüsstet etwas über mich? Pah! Ich werde euch jetzt eine Geschichte erzählen. Die Geschichte einer Frau, die das Pech hatte zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein."

Alex und Albert wurden zur Seite gerissen. Sie stöhnten vor Schmerz auf, als Elliot ihre Körper zusammenschlug und sie dann nach links und rechts wegschleuderte. Sie landeten hart auf dem Steinboden und schlitterten ein paar Meter weit.

Alberts Kopf dröhnte. Alex war etwas schneller auf den Beinen als er.

„Meine Mutter war eine rechtschaffene Frau, die hart gearbeitet hat", sagte Elliot. „Niemand hat ihr etwas geschenkt und dabei war sie auch immer hilfsbereit, zuvorkommend, hat immer das Gute im Menschen gesehen. Sie hat sich für andere aufgeopfert. Gleichzeitig hat sie sich nie über ihre Situation beschwert. Sie wusste, dass Jammern keine Lösung war. Davon hatten wir am Ende des Monats nichts zu essen. Stell dir vor, Albert, sie war ebenfalls ein Zimmermädchen, genau wie deine kleine Freundin aus Edonien. Eines Tages traf sie im Hotel, wo sie gearbeitet hat, auf eine Gruppe von Männern. Darunter war auch ein gewisser Oswell E. Spencer."

Alex hatte sich hochgerappelt und war erneut auf Elliot losgestürmt. Er versuchte es mit Schlägen und Tritten, doch Elliot wich jedem Schlag gezielt und elegant aus. Es schien ihn zu amüsieren, wie sich Alex abmühte, einen Treffer zu landen.

„Naiv wie sie war, vermutete sie nichts Böses."

Als Alex auf sein Gesicht zielte, fing Elliot seine Faust in der Luft und hielt sie fest. Alex starrte ihn entgeistert an. Er legte alle Kraft in den Schlag, doch sein Gegner hielt seine Faust mühelos fest. Albert beobachtete die Szene aus einiger Entfernung. Er richtete sich mit zittrigen Knien auf.

„Und genau das wurde ihr zum Verhängnis."

Elliot riss Alex Arm herum und verdrehte ihn schmerzhaft. Alex schrie vor Schmerz auf, als Elliot einen Arm um seinen Hals schlang und ihn in den Schwitzkasten nahm.

„Vertrauensselig und naiv wie sie war, war sie das perfekte Opfer", zischte Elliot Alex ins Ohr. Alex kämpfte gegen den Griff an, aber vergebens. Er konnte sich nicht befreien.

„Alex!" Albert setzte zum Angriff an. Er lief auf Elliot zu, doch womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Elliot plötzlich herumwirbelte und Alex gegen ihn schleuderte. Sie stießen zusammen und wurden erneut quer durch den Raum geschleudert. Sie schlugen als Knäuel zusammen auf dem Boden auf und mussten erst ihre Glieder entwirren.

„Er ist stark", raunte Alex schweratmend.

„Wir müssen auf Zeit spielen", sagte Albert, der zuerst wieder auf den Beinen waren.

„Ich muss schon sagen", sagte Elliot erbost, fast beleidigt. Einen Augenblick später stand er direkt vor den beiden Wesker, die sich hochstemmten. „Ich hätte mehr von euch erwartet."

Er holte zum Schlag aus. Albert konnte seiner Bewegung nicht folgen und konnte nicht ausweichen. Elliot versetzte ihm einen Kinnhaken und er knallte mit voller Wucht an die Wand, wo er eine Mulde hinterließ. Steine brachen heraus. Albert blieb am Boden liegen. Er hatte das Gefühl, seine Wirbelsäule sei gebrochen. Sein ganzer Körper schmerzte.

Elliot trat auf ihn zu. Uroborus trat erneut aus seinem Körper und formte sich zu einer langen Schlange um seinen rechten Arm. „Ich bin enttäuscht, Albert." Der schwarze Tentakel wickelte sich um Alberts Fußgelenk und schleuderte ihn wieder zurück in die Mitte des Raumes. Elliot trat auf ihn zu. Alex kämpfte immer noch, sich aufzurappeln.

Elliot ließ Uroborus Alberts Körper hochheben. Der schwarze Parasit gehorchte ihm und bildete eine perfekte Einheit mit ihm. Albert sah für einen Moment Doppelbilder. Er schmeckte Blut in seinem Mund. Er wäre nicht überrascht gewesen, wenn er sich ein paar Rippen gebrochen hätte. Uroborus würgte ihn und ihm ging die Luft aus. Seine Gliedmaßen waren so zusammengepresst, dass er sich keinen Millimeter bewegen konnte.

„Mein Vater hat euch mehr geliebt, als seinen eigenen Sohn", sagte Elliot mit viel Bitterkeit in der Stimme. Er schnaubte. „Aber was seid ihr denn genau genommen schon?"

„Albert!"

Alex griff an, um Albert zu helfen. Er zog sein Kampfmesser. Auf Elliots Gesicht trat ein überlegendes Lächeln. „Ein Haufen Schwächlinge seid ihr." Er hob seinen freien Arm und zielte auf Alex, der sich im Laufen näherte. Plötzlich verwandelte sich sein Arm und wurde zu demselben Gebilde, dass Piers Nivans durch den C- Virus gewachsen war. Alex wusste sofort, was passieren würde. Er bremste ab und wollte zur Seite springen, doch es war bereits zur spät. Im nächsten Moment durchfuhr ein starker Stromstoß seinen Körper.

Er schrie vor Schmerz auf. Jeder Muskel seines Körpers verkrampfte. Er sackte stocksteif zu Boden. Er hatte Herzrhythmusstörungen und sein Körper zuckte unkontrolliert.

„Alex…"

Elliot warf Albert zu Alex. Die beiden Wesker lagen nebeneinander und atmeten beide schwer. Albert blutete stark im Gesicht.

„Alex, alles OK?", fragte Albert. Alex hatte keine Kontrolle über seine Muskelbewegungen. Es dauerte, bis er sich wieder entspannte. Seine Kleidung roch angesengt. Elliot blieb in einiger Entfernung stehen.

„Alex, kannst du aufstehen?", keuchte Albert.

„Ich… glaube nicht", presste Alex hervor. Sein Herz fand allmählich seinen Takt wieder. „Ich brauch… etwas Zeit…" Er rollte sich auf den Bauch und spuckte etwas Blut.

„Wir haben… keine Chance, er ist viel… zu stark", sagte er.

Albert warf Elliot einen Blick zu. Er stand nach wie vor in der Mitte des Raumes. Seine mutierten Arme verwandelten sich langsam zurück und er nahm wieder menschliche Gestalt an.

„Er kann seine Mutationen kontrollieren!", stellte Albert entsetzt fest. „Er kann es steuern mit seinem Willen!"

„Es ist Uroborus… und der C- Virus", sagte Alex. Er wandte sich ebenfalls in Elliots Richtung. Er zitterte noch.

„Wir müssen es hinauszögern, damit die anderen Zeit haben, das Mädchen zu holen", sagte Alex. „Gehen wir auf seine Geschichte ein. Wir müssen auf Zeit spielen."

„Ja." Albert nickte. „Was hat Spencer getan?!", rief er Elliot zu.

„Was er getan hat, willst du wissen?" Elliot schritt langsam auf sie zu, bis er über den beiden Wesker stand. Er sah mit einem verachtungsvollen Blick auf sie herab. „Er hat im Suff meine Mutter vergewaltigt!"

Alex und Albert wechselten einen geschockten Blick miteinander.

„Er und seine Kollegen haben sich betrunken und da kam ihnen meine Mutter genau richtig. Es hat Jahre gedauert, bis sie herausgefunden hat, wer er wirklich war und wo er lebte." Elliot lachte höhnisch. „Er hat es nicht mal abgestritten. Er hat keine Sekunde daran gezweifelt, dass ich sein Sohn bin. Die Ähnlichkeit ist ja auch… nicht zu verkennen. Er war ganz schön in Panik. Ich kann mich an sein dummes Gesicht genau erinnern, als ich vor ihm saß und ihm die Folgen seines unüberlegten Handelns bewusst wurden. Ein kleiner Ausrutscher und alles kann sich ändern."

„Patrick hat uns erzählt, dass…"

„Ja, ja. Das hat Spencer überhaupt nicht gefallen. Das war sein Schandfleck", unterbrach Elliot Alex. „Den er selbstverständlich beseitigen musste. Er zahlte meiner Mutter sehr viel Geld, damit sie ihren Mund hielt. Ich durfte den Namen Spencer tragen. Er ermöglichte mir ein Leben, dass mir meine Mutter in dieser ärmlichen Region in Italien niemals hätte ermöglichen können. Ich konnte studieren. Mir stand die Welt offen. Die Gegenleistung war nur, dass ich nicht existiere. Aber das… war natürlich… Wunschdenken."

„Du hast ihn erpresst, oder? Du wolltest die Firma?", sagte Albert.

„Ich wollte nur, was mir zusteht", sagte Elliot selbstbewusst. „Ich war der rechtmäßige Erbe von Umbrella."

„Aber das… hat Spencer mit Sicherheit nicht gefallen."

Elliot wandte sich um und schritt mit wehendem Umhang durch den Raum. Plötzlich brach er in schallendes Gelächter aus. „Das kann man wohl sagen. Vielleicht war es da, als er sich dem Ernst der Lage bewusst wurde. Jedenfalls…" Er machte eine theatralische Pause. „Er wusste, dass er handeln musste. Und er griff zu wahrlich erbärmlichen Methoden. Er ordnete meine Ermordung an."

Alex und Albert schafften es wieder auf die Füße, aber beide wussten, dass sie Elliots gewaltiger Kraft niemals widerstehen konnten, geschweige denn noch länger gegen ihn durchhalten konnten.

„Ich war auf einer verlassenen Straße in den Bergen unterwegs", fuhr Elliot fort. „Ich war auf dem Weg zu meinem Vater, als mich ein anderes Auto von der Straße abdrängte. Ich stürzte mehrere hundert Meter in die Tiefe. Das Fahrzeug schlug auf dem Boden auf, es kam zu einer Explosion und das Wrack brannte aus."

Er wandte ihnen ihr entstelltes Gesicht zu. „Spencer dachte, er hätte mich beseitigt. Und auch ich habe für einen Moment an das Ende geglaubt. Ich sah bereits das Licht am Ende des Tunnels, doch dann… Wie durch ein Wunder war ich nicht tot. Ich überlebte den Unfall, zwar mit ein paar Blessuren, aber… Es war ein Zeichen."

„Was willst du?", fragte Alex. „Warum das alles mit dem Virus, der Familie, Sherry? Was willst du?"

„Das ist ein bisschen kompliziert. Na, macht ihr etwa schon schlapp?", fragte er und im nächsten Moment stand er schon wieder direkt vor ihnen. Er packte beide am Hals. „Wisst ihr, was ich sehr faszinierend finde?"

Er warf Albert auf die eine Seite des Raumes, wo er erneut an die Wand schlug, und Alex auf die andere. Er krachte in eine Steuerungskonsole. Funken sprangen umher.

„Ich interessiere mich ebenfalls für Viren und für Genetik. Ich studierte beides, mit dem Geld meines Vaters. Wir haben also einiges gemeinsam. Ich kannte die Visionen meines Vaters, ich weiß auch, dass er dafür unschuldige Kinder missbraucht hat. Alles in Allem war mein Vater ein Narr. Er hatte zwar die richtige Vision, aber leider eine völlig falsche Vorstellung davon, wie man sie umsetzen konnte. Er war ein arroganter Mistkerl, der sich einbildete, sich über die Menschen erheben zu können, so etwas wie ein Gott werden zu können. Welch kindliche Phantasie. Alles klang so gut, mit einem Virus eine neue Gattung von Mensch zu erschaffen und darüber zu herrschen. Selbst Unsterblichkeit zu erlangen." Er warf Alex einen kurzen Blick zu. „Aber leider, schlug er den falschen Weg ein."

„Willst du in die Fußstapfen deines Vaters treten, Elliot? Willst du selbst dieser Gott und Herrscher über die Menschen werden?", fragte Alex. Er stützte sich an der Wand ab und hielt sich die Seite.

„Ach, wo denkt ihr denn hin? Im Gegensatz zu meinem Vater weiß ich und akzeptiere ich die Endlichkeit meines Daseins. Ich verschwende nicht meine Zeit damit, einer Formel zu ewigem Leben nachzujagen, die es ohnehin nicht gibt. Stattdessen habe ich einen viel besseren Plan entwickelt."

„Wie? Warum „die Familie"? Was hat Simmons mit allem zu tun? Und was willst du von Faith und Sherrys Kindern?"

„Kindern? Welch erfreuliche Nachricht! Ich wusste noch nicht, dass es mehrere sein würden."

„Warum hast du es auf die beiden abgesehen?", fragte Albert. „Warum sind sie so besonders?"

„Du beliebst zu scherzen, Albert, nehme ich an? Habt ihr das denn noch nicht erkannt? Jake, der Vater, besitzt deine einzigartige genetische Veranlagung. Außerdem hat er den C- Virus perfekt adaptiert. Daneben Sherry, die Mutter, die den G- Virus perfekt adaptiert hat. Die beiden bringen beste Voraussetzungen für die Zeugung von Nachwuchs mit. Die ersten Kinder, geboren mit den Viren in ihrem Blut. Nicht infiziert, geboren."

„Willst du sie für dich haben?"

„Oh, ja, in der Tat. Ich habe großes Interesse an ihnen. Die beiden werden die ersten Menschen einer neuen Gattung von Homo Sapiens sein. Die ersten Kinder mit den Viren geboren, mit perfekten Genen und besonderen Kräften ausgestattet. Sie werden an meiner Seite regieren und nach meinem Tod meine Nachfolge antreten."

„Das ist doch krank!", schimpfte Alex. „Was willst du von Faith?! Warum meine Tochter?!"

„Nun ja, sie war doch… ein sehr gutes Druckmittel", sagte Elliot. „Faith ist bei mir sehr gut aufgehoben. Sie ist zwar nicht perfekt, aber… ein liebes Kind. Ich werde mich gut um sie kümmern. Im Übrigen ist sie sehr angetan von mir und meiner Vision. Ich habe mit ihr gesprochen und ihr gefällt es bei mir deutlich besser als bei ihrem Vater, der sie verlassen hat."

Alex starrte Elliot entsetzt an. Eine seltsame Taubheit ergriff seinen Körper und lähmte ihn.

„Alex, hör nicht auf ihn, er blufft!", rief Albert sofort. „Das ist niemals wahr! Wie hast du den Virus entwickelt?! Wie bist du an Uroborus gekommen! Du hast meine Arbeit gestohlen! Und wie hast du das Kommando über „die Familie" übernommen?!"

„Nachdem ich aus dem Autowrack dem Tod entkommen war, wusste ich nicht wohin", sagte Elliot. „Ich wusste nicht mehr, was mein Leben sollte. Ich fasste einen Entschluss. Ich wollte die Vision meines Vaters umsetzen. Die Kenntnisse dafür hatte ich durch mein Studium erworben. Doch leider dauerte es sehr viele Jahre, bis ich die passenden Mittel dafür fand."

„Du brauchtest den C- Virus", stellte Alex fest.

„Ich versuchte, es mit allen Viren, doch kein Erfolg wollte sich einstellen. Die Menschen und Tiere starben. Viele Jahre zogen ins Land, ich zweifelte an meiner Vision, aber dann kam eines Tages die Chance."

Alex und Albert zogen beide ihre Pistolen und traten von zwei Seiten auf ihren Gegner zu. Elliot blieb gelassen. Während er weitersprach entwaffnete er beide. Die Pistolen schlitterten über den Boden davon.

„Derek C. Simmons und Carla Radames entwickeln einen neuen, sehr interessanten Virus, den C- Virus. Ich beobachtete „die Familie" lange im Verborgenen, bis ich zuschlug. Nach dem Desaster in Tall Oaks und China und ihrer beider Tod witterte ich meine Chance. Ich schlich mich in die führerlose Familie ein und kontaktierte den einzigen, der Dereks Nachfolge antreten konnte: den ausgestoßenen Patrick. Er war sehr überrascht mich zu sehen. Ich hatte ihn unter falschem Namen und Vorwand aus der Reserve gelockt. Mit der Drohung, die Geheimnisse der Familie zu offenbaren und ihren Anteil an der Zerstörung von Raccoon City an die Öffentlichkeit zu bringen, fraß er mir sehr schnell aus der Hand. Er koordinierte in meinem Auftrag alles. Ich hielt mich im Hintergrund. Der C- Virus war sehr vielversprechend, allerdings… taugte er zur Verwirklichung meines Planes nichts. Etwas fehlte."

„Das Mädchen, oder?"

„Wie es der Zufall so wollte, fand ich sie in Deutschland. Ich forschte einer Gruppe von Überlebenden aus Raccoon nach und da stolperte ich über sie. Mit dem Hormon, das ihr Gehirn produziert, kann man die Mutationen der Viren kontrollieren. Ich dehnte meine Experimente wieder auf die anderen Viren aus. Mit Erfolg."

„Wie kamst du auf mich? Es war über Jake und Sheila, oder?"

„Ich erforschte die Geheimnisse der Familie und kam auf ihre Zusammenarbeit mit Sheila, die ihnen einst verraten hatte, wo du und deine Tochter zu finden seien. Sie haben ja dann Ersatz in Jake gefunden, aber… Ich habe mich gefragt, was aus dir geworden ist, Alex. Ich habe mir schon gedacht, dass du alles dafür tun würdest, deine Tochter wiederzusehen. Natürlich hat mich deine Arbeit um den D- Virus sehr interessiert. Seine Eigenschaften konnten der Schlüssel zur Verwirklichung meines Planes sein. Deine Tochter und deine Ex- Frau waren exzellente Mittel, um dich für mich zu gewinnen."

Alex fletschte wütend die Zähne. Als er und Albert ihre Waffen zurückgewinnen wollten, wurden sie erneut von Uroborus gefangen. Elliot hielt sie fest.

„Ich testete den Virus erst an Tieren, dann am Mensch. Ich hatte ein sehr gutes Testobjekt. Mr. Piers Nivans wies eine sehr interessante Mutation durch den C- Virus aus, die ich mir zur Nutze machte. Ich übertrug sie auf mich. An ihm habe ich schließlich den vollständigen neuen Virus mit herausragendem Erfolg getestet. Mein Vater war immer so versessen auf „Survival of the fittest" und auf diese sozialdarwinistische Idee, dass eine kleine Gruppe von Menschen die Auserwählten seien. Dass nur diejenigen mit den besten Genen sich fortpflanzen sollten und durch die Viren auf eine neue Stufe der Evolution gestellt werden sollten. Ich bin anderer Meinung. Warum das Ganze nicht für alle Menschen möglich machen? Die gesamte Menschheit von Krankheit und Siechtum befreien. Genetische Auslese dauert zu lange und ist immer auch fehleranfällig. Ich habe eine bessere Lösung."

„Da kommt Sheila ins Spiel, oder?", fragte Albert mit zusammengepressten Zähnen. „Du bist über Simmons an sie rangekommen und hast den Kontakt zu ihr genutzt, um an die Firma heranzukommen."

„Natürlich muss so ein Virus auch unter die Leute gebracht werden. Über die Jahre baute ich die Firma immer weiter aus und spannte mein Netz über die ganze Welt. Lange bevor ich den Virus entwickelt habe, begann ich schon, die Grundlagen zu schaffen. Als Sheila Anfang der 2000er Jahre Simmons den Tipp mit Faith gab, war meine Stunde gekommen. Was ich fand, war eine gebrochene Frau, wie Wachs in meinen Händen. Sie hatte den Sinn im Leben verloren. Ich verstand sie natürlich sehr gut. Ich hielt sie solange am Leben, wie sie mir genutzt hat. Sie vertraute mir ihren Kummer an, als Albert 2009 von der B.S.A.A. in Afrika getötet wurde. Armes Mädchen. Aber sie erfüllte ihren Zweck."

„Als du sie nicht mehr gebraucht hast, hast du sie ausrangiert", sagte Alex, während er gegen den festen Griff der schwarzen Tentakeln kämpfte.

„Ich gab ihr zumindest die Chance, Albert etwas von ihrem Schmerz zurückzuzahlen."

„Du warst es wahrscheinlich auch, der mich mit dieser Droge kontrolliert hat, oder?", fragte Albert. In ihm brannte der Hass unerbittlich.

„In der Tat. Als ich dich bei Alex fand, wusste ich einen Verwendungszweck für dich. Ich habe dich Simmons, „M", zur Seite gestellt. Im Übrigen danke für deine bemerkenswerte Arbeit. Uroborus ist wirklich ein Meisterstück. Auch wenn du es nicht recht zu schätzen gewusst hast. Wir verstehen uns gut."

Die Tentakeln, die aus seinem Körper traten, formten sich zu einer Art Schlangenkopf und nickten Elliot zu, der sich dann um Alex schlängelte.

„Was hast du denn jetzt vor? Willst du die ganze Welt mit dem neuen Virus infizieren?", fragte Alex, während er dem schlangenähnlichen Gebilde mit den Augen folgte. „Das ist keine gute Idee. Albert und ich haben den Virus im Labor getestet, er funktioniert nicht. Wird man ihm direkt ausgesetzt, so wie Piers Nivans, dann bleibt er stabil, aber er kann nicht an die neue Generation weitergegeben werden. Unsere Mäuse sind alle qualvoll krepiert. Willst du das?"

Zum ersten Mal trat Verärgerung auf Elliots Gesicht. Alex stöhnte auf, als er fester zudrückte und ihm fast die Knochen brach. Er holte ihn nah zu sich heran, sodass Alex seinen warmen Atem aus seinem Gesicht spüren konnte.

„Stellst du etwa meine Arbeit in Frage?!"

Mit einem gewaltigen Schwung wurde Alex nach hinten gerissen und auf den Boden geschlagen. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz, als ein Knochen in seinem Arm brach.

„Er hat Recht. Der Virus tötet", sagte Albert. „Die Vererbung dieser genetischen Veränderungen funktioniert nicht. Die Nachkommen sterben."

Er bekam die Quittung für seine Warnung prompt, als Elliot Albert zur Seite an die Wand und dann auf den Boden neben Alex schlug.

„Ihr beide habt keine Ahnung. Und ihr seid armselige Versager!" Er hob sie erneut in die Luft. „Passt gut auf: Meine Vision wird sich in genau zehn Tagen endlich erfüllen, denn dann wird der Virus über das Trinkwasser überall auf der Welt verbreitet. Und ihr könnt nichts dagegen tun."

Plötzlich ging über ihnen ein Alarm los.

„Achtung, Alarmstufe drei. Systeminfiltration entdeckt. Firewall aktivieren."

„Was zum Teufel…?!", knurrte Elliot verärgert.

„Tja, ein kleines Geschenk an dich", sagte Alex und grinste.

Mit voller Kraft schleuderte er die beiden Wesker zur Seite und rauschte gen Tür. „Merkt euch meine Worte genau: Der Virus wird die Welt verändern. Die Welt wird ein besserer Ort werden. Ich werde die Menschheit in ein neues Zeitalter führen. Und ihr könnt mich nicht aufhalten."

Er verschwand nach draußen. Alex und Albert sammelten sich und rappelten sich mühselig hoch. Beide waren stark mitgenommen und hatten zahlreiche Verletzungen davongetragen. Bei Alex heilten die Wunden bereits, bei Albert jedoch nur unzureichend.

„Wo habe ich das schon mal gehört", murmelte Albert, während er sich an der Wand abstützte.

„Warte, hier." Alex verabreichte Albert erneut das Medikament, sodass sein Heilungsprozess unterstützt wurde.

„Wir müssen raus, Alex. Wir müssen zu den anderen zurück."

„Ja. Mein Virus hat funktioniert. Die sind jetzt erst mal mit der Rettung ihrer Daten und ihres IT- Systems beschäftigt. Wir müssen die Chance nutzen. Komm."


„Alex Idee fruchtet offenbar", bemerkte Jill angesichts des Alarms, der über ihnen losgegangen war.

„Da ist sie", sagte Chris.

In der Ferne waren Schusswechsel zu hören. Ihr Team schützte sie gegen die herankommenden J´avos, während sie das Mädchen aus dem Labor befreiten. Rebecca war zu ihnen gestoßen und kontrollierte umgehend die Vitalwerte des Mädchens, das in seinem Cryostase- Tank schlief. Schläuche waren mit ihrem Kopf verbunden.

„Kannst du das Ding abschalten?", fragte Chris, während er immer wieder beunruhigende Blicke zur Tür warf. Er hatte seine Waffe immer zum Schuss bereit.

„Ja. Moment noch." Rebecca tippte auf der Konsole und deaktiviert die Cryostase. Das Wasser wurde allmählich abgelassen. Der Körper des Mädchens sank leblos nach unten. Das Glas glitt zur Seite.

Rebecca eilte zu dem bewusstlosen Mädchen und überprüfte ihren Puls und ihre Atmung. „Sie ist sehr schwach. Sie muss ins Krankenhaus."

„Ich nehme sie", sagte Chris und hob das Mädchen vorsichtig hoch. Ihr Kopf lehnte an seiner Schulter. Rebecca zog vorsichtig die Schläuche aus ihrem Kopf. Sie zuckte kurz, aber wachte nicht auf. „Gehen wir."

Sie stießen zu ihrem Team, das ihnen den Weg zum Aufzug freikämpfte. Unablässig dröhnte der Alarm in ihren Ohren. Auf einmal ging Claires Funkgerät los.

„Alex, was ist los?!", fragte sie schreiend, um die Schüsse und den Alarm zu übertönen.

„Claire, Elliot ist auf dem Weg zu euch rauf!", sagte Alex zwischen statischen Geräuschen. „Versucht nicht, mit ihm zu kämpfen, er ist zu stark! Geht zurück zum Hubschrauber!"

„Wo seid ihr?!", fragte Claire zurück und duckte sich unter einer Kugel weg.

„Wir kommen mit dem Aufzug nach oben. Es dauert ein paar Minuten. Wir treffen uns am Hubschrauber!"

Das Rauschen erstarb. „Chris, wir müssen schnell raus, dieser Elliot ist auf dem Weg zu uns!"

So schnell sie konnten eilten sie zum Aufzug nach oben. Schüsse und der Alarm dröhnten in ihren Ohren. Sie schirmten Chris, der das Mädchen trug, so gut es ging ab.

Im obersten Stockwerk wurde sie von den J´avos gestellt. Ein Mann trat ihnen entgegen. Seine linke Gesichtshälfte war durch Narben entstellt. Sie brauchten nicht lange zu überlegen, um zu wissen, wer vor ihnen stand. Die Ähnlichkeit war verblüffend.

„Ich bin ja ein geduldiger und großzügiger Mensch", sagte Elliot. „Doch Diebstahl kann ich nicht dulden!"

„Das Mädchen gehört dir nicht!", fauchte Jill.

„Oh, doch", widersprach Elliot. „Und sie wird hierbleiben. Ihr könnt gehen, ich verschone euer Leben, aber das Mädchen gehört zu mir!"

Einige J´avos verpuppten sich in Kokons und verwandelten sich in schrecklich entstellte Kreaturen.

„Holt mir das Mädchen zurück!", befahl Elliot Spencer ihnen und die B.O.W. stürmten auf sie zu.

Jill, Claire und die anderen feuerten ihre letzten Magazine in die Horde Monster und es gelang ihnen, sich allmählich Richtung Ausgang vorzukämpfen. Doch ihre Munition war begrenzt und die Zahl er Feinde schien nicht abzunehmen.


Alex musste Albert stützen, als sie gingen. Plötzlich hielt Albert inne.

„Sie ist hier. Ich kann sie spüren. Sie ist wild."

„Wer?"

„Das Weibchen dieser Reptilien- B.O.W.s. Sie hat Schmerzen. Sie will nach draußen."

„Albert, wir müssen hier raus. Es bleibt keine Zeit für so etwas", sagte Alex ernst.

„Ich habe eine Idee, Alex. Komm da lang."


„Ihr habt keine Chance, gebt auf", sagte Elliot und befahl einer neuen Riege von J´avo nach vorne zu stürmen.

Die Tür an die Oberfläche war versperrt und sie saßen in der Falle.

„Verdammt!", fluchte Jill und lud ihr letztes Magazin nach. Sie hatte noch genau fünfzehn Kugeln für ihre Pistole und ihr Kampfmesser.

„Was sollen wir machen?!", fragte sie Chris.

„Alex, bitte kommen!", rief Claire panisch in ihr Funkgerät, doch sie bekam nur statisches Rauschen als Antwort.

In dem Moment, als sich die B.O.W.s auf sie stürzen wollten, durchfuhr ein Beben den Untergrund. Alle stockten in ihrer Bewegung und sahen sich entgeistert um. Der einzige, der nicht überrascht schien, war Elliot.

„Dafür werdet ihr bezahlen…", murmelte er.

Er war auch der einzige, der das Kommende vorhersah. Durch eine Tür preschte plötzlich mit lautem Gebrüll ein riesiges Ungeheuer, dass sich wütend auf die Menge stürzte. Sein Schwanz fegte die J´avo zur Seite. Das B.S.A.A. musste sich zur Seite werfen und über den Boden abrollen, um nicht von der Wucht des Schwungs mitgerissen zu werden. Elliot wich gekonnt aus und rettete sich auf eine Brüstung über ihnen.

Das Reptil schnappte nach den mutierten J´avos und riss sie auseinander.

„Claire!"

„Alex!"

Die beiden Wesker kamen durch die zerstörte Tür auf sie zu. „Das ist unsere Chance! Verschwinden wir!"

Sie nutzten die entstandene Ablenkung und erreichten die Oberfläche der Ölbohrinsel. Helles Tageslicht blendete sie und Wind pfiff ihnen um die Ohren, als sie zurück zum Hubschrauber eilten. Vorsichtig betteten sie das Mädchen auf eine Trage. Sie merkte nichts von den Dingen, die um sie herum geschahen. Sie wusste nichts von den Kämpfen und sie wusste auch nicht, dass sie über das Meer zu einem anderen Ort gebracht wurde.


Alex fiel auf, dass Albert während des Fluges kein Wort gesprochen hatte. Er hatte auch nicht an der Besprechung über ihren Einsatz teilgenommen. Er war ohne etwas zu sagen, verschwunden, sobald sie in New York angekommen waren. Er hatte selbst Helena Harper völlig ignoriert, die ihn sofort nach ihrer Ankunft nach seinem Befinden gefragt hatte. Er verhielt sich merkwürdig und Alex machte sich Sorgen. Er hatte eine leise Ahnung, was der Grund für sein Verhalten sein konnte. Er würde ihn später darauf ansprechen müssen, aber jetzt musste er sich erst um das Mädchen kümmern.

Albert schloss sich sofort nach ihrer Rückkehr im Labor ein. Er nahm sich an seinem linken Arm Blut ab und gab einen Tropfen auf einen Objektträger. Er war vor dem Blick durch das Mikroskop nicht mehr so aufgeregt gewesen, seit er mit William am T- Virus geforscht hat. Sein Herz fing heftig an zu klopfen. Er nahm seine Sonnenbrille ab und legte sie neben das Mikroskop auf den Labortisch. Dann sah er durch das Okular.

Die Uhr an der Wand tickte laut. Die Sekunden krochen dahin. Dann endlich hatte er gefunden, nach was er gesucht hatte. Langsam sank er zurück auf den Stuhl. Leere erfasste seinen Körper. Dunkelheit umschloss ihn.