Leon S. Kennedy 1977: Ja, Elliot wird ein harter Brocken werden. :( Aber unsere Freunde sind ja erfinderisch. :) Die Überraschung wird dich umhauen! :) Abe ich fürchte, du wirst dich noch ein Kapitel gedulden müssen.

Alexa- Wesker: Irgendein Mittel/Weg wird sich gegen Elliot finden lassen, auch wenn er jetzt wie der unbesiegbare Oberboss aussieht. :) Was Albert in seinem Blut gefunden hat, wirst du jetzt erfahren und ja, leider ist es nichts Gutes. Die Überraschung kommt im nächsten Kapitel.


Die Stimmung war seit Langem nicht mehr so bedrückt gewesen. Alex Wesker hatte ihnen detailliert beschrieben, was er und Albert von Elliot erfahren hatten. Als er die zehntätige Frist erwähnte, ging ein beunruhigendes Raunen durch die Versammlung.

„In zehn Tagen?!", fragte Ingrid Hunnigan alarmiert. „Du lieber Himmel, Gott stehe uns bei. Was sollen wir tun? Das ist viel zu wenig Zeit, um sie aufhalten zu können."

Alex nickte. „Ich setze alle Hoffnung in die Daten, die wir erbeuten konnten. Wenn wir darin nichts finden, sind wir wirklich aufgeschmissen."

„Irgendein Hinweis auf Sherry? Oder Ihre Tochter?"

Alex verneinte mit einem Kopfschütteln.

„Unsere Techniker werten die Daten bereits mit Höchstgeschwindigkeit aus", sagte Jill. „Wir können nur hoffen, dass sie etwas finden, was uns weiterhilft. Wir müssen wissen, wie sie den Virus verbreiten werden. Ohne dieses Wissen, können wir nichts unternehmen."

„Wieso hattet ihr im Kampf keine Chance gegen ihn? Ihr beide seid doch so stark durch eure Fähigkeiten", sagte Claire vorsichtig.

Alex schnaubte. „Ja, Albert und ich sind sehr stark. Normalerweise sind weder Menschen noch B.O.W.s Gegner für uns. Aber Elliot… der ist was anderes."

„Warum ist er so stark?", fragte Chris. „Was verleiht ihm seine Kräfte?"

„Er hat sowohl den C- Virus, als auch Uroborus in seinen Körper aufgenommen. Und er kann beides perfekt kontrollieren."

„Wie ist das möglich?", fragte Leon.

„Ich weiß es nicht", musste Alex zugeben. „Uroborus ist ein Parasit. Albert konnte es nicht kontrollieren, es hat vielmehr ihn kontrolliert und ihm seine Lebensenergie ausgesaugt. Bei Elliot hingegen… es scheint in ihm den passenden Wirt gefunden zu haben. Er kann es benutzen. Und der C- Virus verleiht ihm dieselben Fähigkeiten wie Mr. Nivans."

Alle Köpfe wandten sich zu Piers. „Soll das ein Scherz sein?!", fragte Chris.

„Nein. Ein Scherz war der Stromstoß, den er mir verpasst hat, mit Sicherheit nicht. Einer seiner Arme kann sich in das Gebilde mutieren, das Mr. Nivans auch hatte. Offenbar hat er es von Mr. Nivans auf sich übertragen. Er nannte es `eine sehr interessante Mutation´. Elliot kann allerdings die Mutationen beliebig steuern. Es ist kein progressiver Dauerzustand bei ihm."

„Das ist sehr beunruhigend", sagte O´Brian besorgt. „Sehen Sie irgendeine Möglichkeit, wie wir ihn aufhalten können?"

„Im Kampf meinen Sie? Keine Chance", sagte Alex kopfschüttelnd. „Selbst mit vereinten Kräften hatten Albert und ich keine Chance gegen ihn. Mit Feuerkraft werden wir ihn ebenfalls nicht besiegen können. Ich sehe schwarz, sofern uns nichts einfällt."

„Wir haben es ja gehört", sagte Ingrid Hunnigan. „Die Frist läuft. Jetzt sollten wir alle unsere Energie in die Suche nach Lösungen stecken. Wir haben ein paar Fortschritte gemacht. Wir haben das Mädchen befreien können und wir haben ihre gesamten Systemdaten erbeuten können. Damit müssen wir jetzt arbeiten. Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken. Wenn wir auch Elliot Spencer vielleicht vorerst nicht besiegen können, wir können zumindest alles in unserer Macht stehende tun, um einen neuen Ausbruch zu verhindern."

Alle stimmten zu.


Alex Wesker hatte sich nachdenklich auf seinem Bett niedergelassen. Er hatte die Hände verschränkt und starrte nach unten auf den Boden. Vor seinem geistigen Auge reihten sich die Bilder des Kampfes wie ein Film aneinander. Er ließ jede einzelne Szene Revue passieren. Jeder einzelne Schlag, den er von Elliot Spencer hatte einstecken müssen,

Claire legte ihm eine Hand auf die Schulter. Der Film kam zu einem abrupten Ende. Als er aufsah, trafen sich ihre Blicke. Er blickte in ihre blauen Augen. Sie lächelte ihm aufmunternd zu.

„Geht's dir gut?", fragte sie. „Bist du noch verletzt?"

„Nein, ich habe mich heilen können", sagte Alex. Seine Stimme war rau und heiser, er hatte sie seit einer schieren Ewigkeit nicht benutzt. „Mir tut zwar noch alles weh, aber… Es geht schon langsam. Ich fühle mich wie ein geprügelter Hund."

„Hey", sagte sie aufmunternd. „Freu dich, wir haben einen kleinen Teilsieg erringen können. Wir haben das Mädchen und wir wissen jetzt jede Menge über die und was sie vorhaben. Du darfst nicht immer nur das Negative sehen, sondern musst auch mal das Positive erkennen."

„Du hast Recht, aber es ist sehr schwer, dieser Tage Zuversicht zu haben", sagte Alex. „Elliot meinte, dass meine Tochter mich nicht vermisst. Dass sie ziemlich gerne bei ihm ist. Albert meinte, er blufft nur, aber…"

„Mit Sicherheit, Alex. Deine Tochter wird sich niemals gegen dich stellen. Sie liebt ihren Vater, da bin ich mir absolut sicher. Und wahrscheinlich wartet sie schon sehnsüchtig darauf, dass du sie endlich da rausholst."

Ein leises Piepen ertönte und Alex verdrehte entnervt die Augen. Er seufzte. „Das auch noch."

Er zog seine kleine Schachtel mit seinen Spritzen aus der Tasche und setzte sich die Injektion.

„Darf ich dich mal was fragen, Alex?", sagte Claire, während sie Alex dabei beobachtete, wie er sich den Inhalt der Injektion in seinen Arm spritzte.

„Na klar, was denn?"

„Nur so aus Neugierde, das spukt mir schon länger im Kopf rum… Wenn man jetzt keine Diabetes hat und sich das Zeug spritzen würde, was würde passieren?"

„Oh, das würde ich dir nicht empfehlen, Claire. Prinzipiell kommt es auf die Menge drauf an, aber… Wenn sich ein gesunder Mensch Insulin verabreicht, führt das zu einer lebensgefährlichen Unterzuckerung. Die Folgen sind Koma, Hirnschaden und Tod."

„Wow, das hätte ich nicht erwartet. Ist das wirklich so schlimm?"

„Ja", sagte Alex, während er die leere Spritze beiseitelegte. „Wenn du jemandem eine Dosis davon verpasst, drohen, wie gesagt, Hirnschaden und Tod."

„Du hast das immer dabei", meinte Claire und deutete auf die kleine Schachtel.

„Ich muss. Es ist mir nur einmal passiert, dass ich es vergessen hatte. Seitdem trage ich es immer am Körper."

Sie fielen in Schweigen. Claire zog sich langsam aus und schlüpfte in bequemere Kleidung zum Schlafen. Als sie sah, dass Alex nichts dergleichen tat, trat sie vor ihn. Er sah auf und ließ sich zu einem schwachen Grinsen verleiten.

„Darf ich dir behilflich sein?", fragte sie vielsagend und zog ihm sein Oberteil vorsichtig über den Kopf aus.

Er ließ sich mit sanftem Druck von ihr nach unten drücken. Sie lagen einige Zeit schweigend nebeneinander.

„Ich kann es immer noch nicht richtig fassen", raunte Alex. „Dass wir all die Jahre nie etwas davon gewusst haben. Von Elliot Spencer. Dass Spencer einen Sohn hat", fügte er hinzu, als Claire ihn fragend ansah. „Albert und ich waren Spencer so nah wie sonst niemand, aber wir hatten beide keine Ahnung."

„Es war ja auch ein sehr gutbehütetes Geheimnis", meinte Claire. „Und außerdem konnte auch niemand ahnen, dass der Sohn glatt noch verrückter als sein Vater ist und die Welt zerstören will."

„Verrückt ist gut."

„Wie war er im Kampf. Ich meine… Du und der andere Wesker, ihr habt Superkräfte. Warum konntet ihr ihn nicht besiegen?"

„Es war nicht nur eine Niederlage, Claire", sagte Alex. „Er hat mit uns gespielt und uns verhöhnt. Es war auch eine Demütigung. Das war schier… wahnsinnig. Er hat Albert und mich durch die Gegend geworfen, als wären wir Stofftiere. Er kannte unsere Kräfte sehr genau und konnte jeden Schlag abwehren. Wir haben nicht einen Treffer gegen ihn gelandet. Ich hielt mich immer für sehr stark, aber jetzt… Mich besorgt nur, dass… wenn selbst Albert und ich ihn nicht bezwingen können im Kampf, wer soll ihn dann aufhalten? So einen Gegner hatten wir noch nie."

„Ich weiß, dass wir einen Weg finden werden", sagte Claire nachdenklich. Insgeheim konnte sie nicht recht daran glauben, dass es eine Möglichkeit geben sollte, Elliot Spencer zu vernichten. Alex´ Schilderungen des Kampfes und seiner erstaunlichen Fähigkeiten ließ nichts Gutes verheißen.

Sie schmiegte sich an ihn und irgendwann glitten sie in tiefen Schlaf.


Sonnenlicht strömte bereits durch die Fenster herein. Regungslos beobachtete Wesker, wie dicke Blutstropfen seinen Arm entlangliefen. Drei tiefe Schnittwunden zierten seinen linken Unterarm, in der rechten Hand hielt er ein Skalpell aus dem Labor. Die Minuten strichen dahin. Er ignorierte den Schmerz. Sein Blick war starr auf die rote Flüssigkeit gerichtet, die langsam auf den Boden tropfte. Nichts passierte. Nichts. Diese Erkenntnis, das, was er gerade mit eigenen Augen sah, war viel schmerzhafter als es jede physische Verletzung jemals hätte sein können.

Ein Klopfen ertönte, aber er reagierte nicht darauf. Er sah nicht auf, als eine Person vorsichtig eintrat. Er hörte die Absätze der Stiefel über den Boden klappern. Er erkannte den Geruch sofort.

„Wesker? Du warst die ganze Nacht hier und…" Helena Harpers Stimme erstarb beim Anblick, der sich ihr bot. „Um Himmels Willen, was tust du?!"

Sie eilte durch den Raum und kam dann schnell auf ihn zu. Sie hatte ein Handtuch vom Waschbecken geholt und wischte damit vorsichtig das Blut von den Schnittwunden. Der Stoff saugte sich sofort mit der roten Flüssigkeit voll.

„Was hast du gemacht?!", fragte sie besorgt. „Ist alles OK mit dir?!"

Nachdem sie das überschüssige Blut abgewischt hatte, legte sie eine Hand auf seinen gesunden Unterarm. Er hielt immer noch das Messer in seiner Hand. „Gib es mir bitte", flehte Helena. Wesker wehrte sich nicht dagegen, als sie das Skalpell vorsichtig seinen Fingern entwand und es zum Mülleimer trug, wo sie es entsorgte.

„Was hast du dir dabei gedacht?! Warum machst du so etwas?!"

Zum ersten Mal sah Wesker auf. Sein Blick war irgendwie leer. Er schien wie aus einer Starre erwacht zu sein. Helena ging vor ihm in die Hocke und sah ihm in die Augen. Sie waren ausdruckslos. „Sag mir bitte, warum du das gemacht hast? Was ist los? Seit eurer Rückkehr bist du…"

Sie war völlig durcheinander. „Das muss verbunden werden", sagte sie schnell.

Sie wollte aufstehen und einen Verbandskasten holen, doch Wesker hielt sie mit sanfter Gewalt zurück. „Was ist los? Was hast du?"

„Sieh es dir an." Er deutete auf die Schnittwunden.

Irritiert starrte sie auf seine selbstzugefügten Verletzungen. Sie brauchte eine Weile, bis sie begriff, auf was er hinauswollte.

„Deine Verletzungen… Sie heilen nicht."

„Ich kann mich nicht mehr heilen", sagte Wesker ruhig. „Ich habe meine Kräfte nicht mehr."

Er ließ es geschehen, dass Helena die Wunden vorsichtig reinigte und ihm einen Verband anlegte. Die Schnitte brannten und pochten schmerzhaft, aber Wesker verzog keine Miene. Er ignorierte den Schmerz, er war sogar willkommen, weil es in seinem Zustand der inneren Leere das einzige war, was er fühlte. Es zeigte ihm, dass er überhaupt noch etwas fühlen konnte.

Als Helena geendet hatte, legte sich eine betretene Stille über den Raum.

„Was ist passiert?", fragte sie vorsichtig. „Du bist gestern Abend gleich hier verschwunden und warst seitdem nicht draußen. Ich habe mir gedacht, dass etwas nicht in Ordnung ist. Was ist los?"

Wesker erhob sich und schritt zur Tür.

„Hey, warte!", bat Helena, doch er verließ den Raum. Er warf noch einen kurzen Blick über seine Schulter und sagte: „Ich werde nicht darüber sprechen."

Helena folgte ihm nicht, als er hinausging. Sie war etwas vor den Kopf gestoßen, dass er sie so ruppig abgewiesen hatte, nachdem sie seinen Arm verbunden hatte. Sie spürte, dass etwas überhaupt nicht in Ordnung war und Sorge überkam sie. Es war beunruhigend, dass Wesker die Kräfte, die ihm der Virus in seinem Körper verlieh, verlor. Das konnte nichts Gutes bedeuten.

Sie wusste nicht genau, was sie tun sollte. Sollte sie ihm hinterhergehen? Sie zögerte, dann entschloss sie sich, ihm auf sein Zimmer zu folgen. Mit gemischten Gefühlen, klopfte sie an seine Tür.

Nichts regte sich drinnen. Als sie vorsichtig eintrat, sah sie, dass Wesker sich gerade auszog. Sie sah seinen breiten Rücken. Er hielt in seiner Bewegung inne, als er merkte, dass jemand den Raum betrat, und warf einen kurzen Blick über seine Schulter. Er drehte sich nicht um, als Helena näher trat.

Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, aber wagte es nicht, ihn zu berühren. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ihre Fingerspitzen endlich über seine weiche Haut strichen. Sie hatte das Bedürfnis, ihm nah zu sein, aber hielt sich zurück. Sie wusste, dass er sie abweisen würde. Und genau damit hätte sie im Moment nicht umgehen können.

„Ich gehe ins Bad", sagte Wesker.

„Darf ich... mitkommen?", fragte Helena kaum hörbar.

„Nein, ich möchte allein sein."

Er ging und ließ sie stehen.

„Darf ich wenigstens hier bleiben?", hauchte sie.

Er nickte, wenn auch widerwillig, und verschwand ins Badezimmer.

Als Wesker die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete er tief durch. Er trat langsam vor den Spiegel und betrachtete seinen nackten Oberkörper darin. Helenas Verband hielt gut und die Schmerzen hatten beinahe völlig nachgelassen. Sein künstlicher Arm hatte den Kampf mit Elliot Spencer gut überstanden und wies, soweit er sehen konnte, keine Beschädigungen auf.

Mit der Hand fuhr er vorsichtig von seinem Hals nach unten über seine Brust. Auf seiner Haut zeichneten sich zahlreiche blaue Flecken ab. Einige waren stark verblasst, andere waren deutlich sichtbar. Ein leichter Striemen war um seinen Hals geblieben, wo Elliot den Tentakel um ihn gewickelt hatte. Glücklicherweise hatte er keine Schnittverletzungen oder andere davongetragen. Seine Brust fühlte sich wund an. Als er mit seinen Fingern leicht auf das Brustbein drückte, zuckte er kurz zusammen. Es war die Stelle, wo Elliot ihn geschlagen hatte. Alex´ Medikament mochte den größten Schaden abgefangen haben, Schmerzen hatte er aber trotzdem und ihm fiel auf, dass er sich ein wenig steif und vorsichtig bewegte. In seinem Gesicht hatte er dort eine leichte Schwellung, die unangenehm pochte, wo Elliot ihm einen Faustschlag versetzt hatte. Es war als wäre sein Kiefer ausgerenkt worden.

Er fühlte sich buchstäblich wie ein geprügelter Hund. So etwas hatte er noch nie erlebt. Der Progenitor- Virus verlieh ihm große Kräfte, mit denen er Menschen und B.O.W.s mit Leichtigkeit besiegen konnte. Gegen Elliot Spencer waren sie vollkommen nutzlos gewesen. Nicht mal mit Alex zusammen und dessen Kräften hatten sie eine Chance gehabt. Wie war das möglich? Und was zum Teufel geschah mit seinem Körper? Er verstand es einfach nicht. Das konnte, nein, das durfte nicht wahr sein. Es durfte nicht passieren.

Unter normalen Umständen wäre er sofort wieder ins Labor gegangen und hätte an einer Lösung geforscht. Er wäre bis spät in die Nacht über irgendwelchen Proben gesessen und hätte nicht aufgegeben, bis er das Problem behoben hätte. Aber jetzt stand er wie gelähmt im Bad vor dem Spiegel und betrachtete sich, unfähig etwas anderes zu tun. In seinem Inneren herrschte Leere.

Er nahm etwas unbeholfen eine Dusche, weil er seinen verbundenen Arm nicht mit Wasser in Berührung bringen wollte. Als er ins Zimmer zurückkehrte, sah er, dass Helena Harper sich ins Bett gelegt hatte und bereits vor sich hindöste. Er zögerte, sich neben sie zu legen. Es war absurd. Er war noch nie einfach nur neben einer Frau im Bett gelegen. Selbst als er mit Anna Muller zusammen gewesen war. Sie hatten nicht zusammen gewohnt und nach jeder Nacht hatte er sie sofort verlassen. Es war nur einmal vorgekommen, dass er bis zum nächsten Morgen bei ihr geblieben war. Aber niemals hatten sie einfach im Bett nebeneinander gelegen. Er wusste deshalb nicht, was er von der Situation halten sollte. Sollte er Helena wegschicken? Er war sich nicht klar darüber, ob er seine Ruhe haben wollte oder ob die Gesellschaft willkommen war. Er war nach seiner Entdeckung im Labor so durcheinander und aufgewühlt, wie er noch niemals gewesen war. Er fühle so viel in sich, was er nicht kannte.

Draußen war Tag, die Frühlingssonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel. Doch Wesker, der die Nacht nicht geschlafen hatte, hatte nur das Bedürfnis, sich hinlegen und schlafen zu dürfen. Er sperrte das Sonnenlicht mit einem Rollo aus und legte sich ins Bett. Er drehte Helena den Rücken zu und starrte in die Dunkelheit des Raumes. Er merkte, wie sie sich hinter ihm regte. Ihr warmer Atem strich über seinen Nacken. Er spürte ihre Finger über seinen Arm streicheln. Es löste angenehme Empfindungen in ihm aus und er schloss entspannt die Augen.

Schließlich legte sie einen Arm um ihn und verflocht ihre Finger mit den seinen.


Alex hatte sich am nächsten Morgen sofort ins Labor begeben. Er verspürte den starken Drang in sich, irgendetwas tun zu müssen, allerdings saß er bereits ein paar Stunden nur auf einem Stuhl und starrte auf einen Computerbildschirm. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Zum ersten Mal stand er vor einem Problem, auf das er keine Lösung mit einem Versuch und einem Testobjekt finden konnte. Zum ersten Mal war er außerstande auch nur den Ansatz einer Lösung für das Problem zu finden. Sein Kopf war leer und sein Gehirn schien praktisch zum Stillstand gekommen zu sein.

Wie sollten sie Elliot Spencer besiegen? Es musste sich irgendetwas finden lassen…

Alex wurde durch ein Klopfen aus seinen Gedanken gerissen und sah auf.

„Ja, bitte." Er erhob sich. Er rechnete schon damit, dass Claire ihm Gesellschaft leisten wollte, umso erstaunter war er, eine Person anzutreffen, mit der er seit Langem kein Wort mehr gewechselt hatte.

Die Tür wurde geöffnet und Jake Muller trat vorsichtig herein.

„Jake, was für eine Überraschung. Was führt dich zu mir?", fragte Alex etwas verwundert, weil er Alberts Sohn noch nie in den Laboratorien gesehen hatte. Außerdem pflegte Jake sich im Trainingsraum zu vergraben, seit Sherry entführt worden war.

„Ich weiß, dass ist ein bescheuerter Zeitpunkt, aber…" Jake verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich wollte das eigentlich schon länger tun…"

„Was meinst du, Jake?"

„Es geht um eine Frage", erklärte Jake langsam. „Also, wenn dieser ganze Mist hier vorbei ist, dann…"

Alex sah Jake fragend an. Dieser wirkte, als wolle er etwas aussprechen, was ihm schon lange auf dem Herzen lag, das ihm aber sehr unangenehm war.

„Ich will wissen, wenn Sherry wieder da ist und wenn das alles vorbei ist mit diesem Elliot…" Er räusperte sich. „Du hast doch deine Tochter und meinen Vater wieder lebendig gemacht, oder?"

Es dämmerte Alex langsam.

„Jetzt wollte ich wissen, ob du halt…"

Jake musste nicht weitersprechen, Alex verstand ihn trotzdem. „Ich weiß, was du meinst, Jake, aber… Ich fürchte, ich muss die enttäuschen. Die Antwort muss leider Nein lauten."

Jake wirkte für einen Moment von dieser Antwort vor den Kopf gestoßen, fing sich jedoch schnell wieder. „Aber wieso, du hast doch meinen Vater auch…"

„Ich habe den Körper deines Vaters wiederbelebt. Es war dein Vater. Dasselbe gilt für meine Tochter Faith. Bei deiner Mutter jedoch… Selbst wenn es mir gelänge, aus ihrer DNS ihren Körper wiederherzustellen… Es wäre nicht deine Mutter, Jake, auch wenn sie so aussehen würde. Sie wäre ein Abbild ihrer Selbst, bloß eine leere Hülle. Vielleicht eine Art Klon. Ohne Erinnerungen an dich und an deinen Vater. Es tut mir Leid."

Jake sah enttäuscht aus, aber er verbarg es sofort. Es schien, als hätte er plötzlich eine Mauer um sich herum errichtet. Er schüttelte kurz den Kopf, als würde er seine Idee damit verwerfen.

„Vergiss, was ich gefragt habe. Tut mir Leid, dass ich… dich von der Arbeit abgehalten habe."

Er wandte sich zum Gehen, als Alex ihn zurückhielt.

„Warte, Jake. Es tut mir wirklich Leid, dass ich dir nicht helfen kann."

„Is schon gut", wehrte Jake ab. „War ne blöde Idee. Vergiss es einfach."

„Du musst dich nicht dafür schämen, Jake. Das ist nur natürlich und ich wünschte sehr, dich nicht einfach fortschicken zu müssen."

Jake nickte nur, dann verließ er den Raum und ließ einen betretenen Alex Wesker zurück, der jetzt noch entmutigter war, als zuvor.


Es war wieder Abend geworden, als Wesker erwachte. Er sah hinter sich, aber fand nur eine Mulde auf der Decke. Helena war in der Zwischenzeit gegangen. Benommen richtete er sich auf. Er hatte fürchterliche Kopfschmerzen und ihm war so übel, wie seit Langem nicht mehr.

Er quälte sich aus dem Bett und schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Bad, bevor er sich ins Waschbecken übergab.

Helena hatte kurz mit Leon gesprochen, weil dieser wissen wollte, wo sie gewesen war. Als sie erklärte, dass sie bei Albert Wesker gewesen war, sagte er nichts mehr. Sein Blick verriet ihr, dass er immer noch nicht davon angetan war, mit wem sie ihre Zeit verbrachte. Er nahm es einfach hin. Danach hatte sie sich einen Saft aus der Kantine geholt und war zu Weskers Zimmer zurückgekehrt, um nach dem Rechten zu sehen.

Als sie die Tür vorsichtig öffnete, sah sie, dass er aufgestanden war. Sie vernahm Geräusche aus dem Bad und vermutete, dass er sich gerade anzog. Als sie jedoch genauer hinhörte, merkte sie sofort, dass etwas nicht in Ordnung war.

Sie riss die Badezimmertür auf und erstarrte. Wesker stand über dem Waschbecken und es war unverkennbar, dass er sich gerade übergeben hatte. Als ihr Blick auf das weiße Keramik fiel, setzte ihr Herz einen Moment aus. Alles war voller Blut.

„Um Himmels Willen, was ist passiert?"

Wesker gab keine Antwort, was sollte er auch sagen. Die Situation war selbsterklärend.

„Albert, bitte rede endlich mit mir!", drängte Helena mit einem leichten Anklang von Wut in der Stimme. „Sag mir, was los ist! Irgendetwas stimmt doch nicht mit dir!"

Er seufzte und drehte den Wasserhahn auf, um das Blut hinunterzuspülen.

„Die ganze letzte Nacht hast du irgendwas im Labor getrieben, hast dich absichtlich geschnitten und seitdem bist du schon wieder so komisch! Sag es doch endlich! Was auch immer es ist, du bist nicht allein damit. Ich höre dir zu und es ist Alex da und Jake. Wir können dir helfen, aber du musst mit uns reden! Es ist offensichtlich, dass mit dir etwas nicht in Ordnung ist!"

„Mir kann niemand mehr helfen", sagte Wesker leise. „Du willst wissen, was los ist? Ich sterbe, dass ich los."

Helena starrte ihn ungläubig an. „Wie…? Was? Ich versteh nicht. Was soll das bedeuten, du stirbst?!"

„Was ist daran nicht zu verstehen?!", knurrte Wesker verärgert. „Ich möchte, dass du gehst."

Sie versperrte ihm mit dem Arm den Weg aus dem Bad und funkelte ihn angriffslustig an. „Das ist nicht komisch, einfach sowas ohne Erklärung zu sagen. Ich werde nicht gehen, ehe du mir nicht gesagt hast, was los ist! Was hast du im Labor entdeckt?"

Wesker sah in ihre braunen Augen. Sie funkelte ihn wütend an und er wusste, dass sie nicht so schnell aufgeben würde. Als er sich an ihr vorbeidrängen wollte, blieb sie hartnäckig im Weg stehen.

„Was ist mit dir los? Bitte erzähl es mir", bat sie sanft. „Als ich das heute Morgen gesehen habe… Ich mache mir große Sorgen um dich. Und wenn du willst, dass ich gehe, musst du mich schon mit Gewalt vor die Tür setzen." Zu seiner Verwunderung lächelte sie ihn jetzt an.

„Also, was ist jetzt? Wie kommst du dazu, so etwas Schreckliches zu sagen?"

„Ich habe es im Labor gesehen. Mein Blut."

„Hat es was mit deinem Virus zu tun?", fragte Helena.

„Ja, hat es."

Wesker und Helena kehrten in das Zimmer zurück. Wesker ließ sich auf der Kante seines Bettes nieder. Helena setzte sich vorsichtig neben ihn.

„Du musst mir das alles leider erklären, weil ich es nicht verstehe."

Wesker holte tief Luft. „Du weißt bereits, dass der Progenitor- Virus mir meine Kräfte verleiht?"

„Ja. Und ich weiß auch, dass dein Immunsystem ja eigentlich jeden Virus abwehren kann. Das hast du mir ja bereits gesagt."

„Ja. Der Progenitor- Virus, der mir und auch Alex seine Kräfte verleiht, ist ein spezieller Stamm. William Birkin, Sherrys Vater, hat den Virus für mich bearbeitet, sodass er perfekt in mein System gepasst hat. Normalerweise wehrt mein Antikörper in meinem Immunsystem jeden Virus ab. Damit der Virus also nicht zerstört wird und ich seine Eigenschaften nutzen kann, musste er sich mit meinen Körperzellen verbinden. William hat ihn so für mich verändert, dass er sich an dem Antikörper vorbei mit meinen Zellen verbinden konnte. Das funktionierte eine ganze Weile."

Wesker erhob sich, nahm sein T- Shirt und schlüpfte hinein. „Ungefähr 2005, als ich gerade angefangen hatte, mit Tricell Geschäfte zu machen, spürte ich es zum ersten Mal. Es waren diffuse Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit. Als ich mein Blut untersuchte, stellte ich fest, dass mein Immunsystem aktiv geworden war und den Virus in meinen Körperzellen bekämpfen wollte. Glücklicherweise wurde ich rechtzeitig darauf aufmerksam und konnte intervenieren. Ich entwickelte mein Serum. Es hält mein Immunsystem und den Virus in einer Balance. Es war ein Erfolg, weil ich dadurch auch meine Kräfte noch besser nutzen konnte und sogar noch stärker wurde."

„Verstehe, das heißt, es unterdrückt sozusagen die Aggressivität des Antikörpers, hält ihn zurück", sagte Helena langsam. „Sehe ich das richtig?"

„Ja, das ist richtig."

„Das bedeutet ja dann im Umkehrschluss, dass eine Überdosis des Serums den Antikörper zu weit zurückdrängt und der Virus die Oberhand nehmen kann?", schloss sie aus dem Gesagten.

„In der Tat. Deshalb konnten Chris und Agentin Alomar mein Serum als Waffe gegen mich benutzen. Ich mutiere daraufhin nicht, wie ein gewöhnlicher Mensch, anders gesagt, ich verwandle mich nicht in ein Monster, aber es schwächt mich natürlich."

„Was ist dann vor ein paar Monaten passiert, als du kurz nach der Mission in Alaska diesen Fieberschub hattest?"

„Natürlich brauche ich das Serum dauerhaft. Ich hatte es zu diesem Zeitpunkt lange nicht genommen bzw. während der Zeit meiner Gefangenschaft wurde mein Körper mit einer enorm hohen Dosis vergiftet, dass man mich mit dem C- Virus kontrollieren konnte. Ich dachte, mein Körper wäre dadurch ein wenig durcheinander geraten. Allerdings habe ich mich durchaus über die Heftigkeit der Symptome gewundert. Ich habe mir ja mein Serum dann wieder regelmäßig gespritzt und alles schien wieder in Ordnung."

„Aber es kam zurück. Dein Serum funktioniert nicht mehr."

„Genau. Alex hat mir ein neues gegeben, aber auch mit diesem funktionierte es nicht. Ich merkte, dass ich schwächer wurde. Ich war nicht mehr im Vollbesitz meiner Kräfte. Es ging, aber es war nur eine Notlösung. Alex stellte fest, dass ich überall im Körper Entzündungsherde habe. Dann haben Alex und ich gegeneinander gekämpft und zum ersten Mal konnte ich mich nach Verletzungen nicht heilen. Dasselbe ist nach dem Kampf mit Elliot passiert."

„Was hast du im Labor herausgefunden letzte Nacht?", fragte Helena eindringlich und ein böser Verdacht keimte in ihr auf.

„Ich habe mein Blut, besser meine Blutzellen, unter dem Mikroskop angesehen und dabei festgestellt, dass der Virus schon seit geraumer Zeit meine Körperzellen zerstört. Es hat eine Autoimmunreaktion ausgelöst. Mein Körper zerstört sich selbst. Von innen heraus. Und kein Serum oder keine Medizin der Welt kann mir helfen. Ich werde sterben. Mein eigener Virus tötet mich."

Helena starrte Wesker ungläubig an, als hätte sie sich verhört. Sie brachte kein Wort mehr heraus.

„Nein, das darf nicht sein. Wir finden eine Lösung. Alex kann bestimmt…"

„Alex kann auch nichts tun. Ich kann nichts tun. Ich kann nur warten und zusehen. Die Symptome werden schlimmer werden. Mein Immunsystem stört massiv meine Zellteilung, deshalb kann ich mich nicht mehr heilen. Meine Kräfte lassen nach. Ich kann so nicht mehr in einen Kampf gehen. Der letzte hätte mich töten können. Mein Virus wird mich früher oder später töten. Irgendwann wird mein Herz, meine Leber oder mein Immunsystem komplett versagen."

Helena schüttelte den Kopf. „Nein, das… darf nicht sein. Was soll denn jetzt werden? Ich möchte nicht, dass du… dass du stirbst. Und was soll aus Jake werden?"

Wesker fand keine Antwort darauf.

„Du musst darüber sprechen, wenigstens mit Alex."

„Nein", sagte er entschieden. „Ich möchte nicht, dass es jemand erfährt."

„Albert", Helena trat vor ihn und sah ihm direkt in seine Augen. „Wenigstens Alex verdient es, es zu erfahren. Du bist seine Familie und er liebt dich. Er findet mit Sicherheit eine Lösung. Aber bitte, du musst mit ihm reden."

Wesker wich ihrem Blick aus.

„Was auch immer passiert", sagte Helena ermutigend. „Ich… bin bei dir und du kannst dich auf mich verlassen. Tu mir aber nur einmal diesen einen Gefallen. Rede mit Alex. Er wird es doch sowieso erfahren, was los ist."


„Albert, du wolltest mich im Labor sprechen?" Alex trat durch die Tür und schloss sie hinter sich. „Willst du jetzt, dass wir dein Blut untersuchen und dieser seltsamen Sache auf den Grund gehen?"

Alex stutzte, als er den Verband um Alberts Arm sah. Ihm fielen auch die blauen Flecke um seinen Hals auf. Ein beunruhigendes Gefühl überkam ihn. Er spürte sofort, dass etwas nicht stimmte.

„Das müssen wir nicht", sagte Albert ernst. „Ich habe es bereits getan. Sieh es dir an."

Albert deutete auf ein Mikroskop. Alex sah ihn fragend an, dann trat er nach vorne und sah sich hindurch. Es dauerte vielleicht eine halbe Minute, dann löste er sich wieder davon und starrte Albert mit einer Mischung aus Unglaube und Entsetzen an.

„Ist das… dein Blut?", fragte er, als könne er nicht begreifen, was er eben gesehen hatte.

„Das ist mein Blut."

„Das… Albert, ich will dir selbst Blut abnehmen und deine ganzen Werte kontrollieren, jeden einzelnen, den ich ansehen kann."

Alex nahm Albert ein Röhrchen Blut an und begann, sich an die Arbeit zu machen. Doch je mehr er sah, desto klarer wurde der Sachverhalt. Es gab nichts zu beschönigen. Und man konnte es auch nicht wegdiskutieren.

„Albert, ich… weiß, dass ich irgendeine Lösung finden werde… Wenn ich nur lange genug…"

„So viel Zeit werde ich nicht mehr haben, Alex. Mach dir nicht die Mühe. Du siehst es ja selbst, dass es nichts ergeben wird. Wir müssen es so hinnehmen, wie es ist."

„Albert, nein, ich weigere mich, das zu akzeptieren!", entgegnete Alex scharf. „Das darf nicht passieren!"

„Es wird aber passieren", sagte Albert erstaunlich ruhig. Er hatte keine Kraft, gegen Alex zu reden. Erschöpfung und Leere hatten ihn ergriffen. „Mein Virus hat sich gegen meinen Körper gewandt. Mein Immunsystem zerstört meine Zellen von innen heraus. Ich kann mich nicht mehr heilen, kein Serum hilft mir mehr. Es ist vorbei. Ich werde sterben, genau wie all die anderen Wesker- Kinder."

Alex schüttelte den Kopf. „Das darf einfach nicht wahr sein!"

„Ich… muss dem ins Auge sehen, ob es mir gefällt oder nicht."

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage blieb ein betretener Alex im Labor zurück.


Auch wenn sie die Schwangerschaftsübelkeit immer verflucht hatte, jetzt war Sherry heilfroh darüber.

Sie wusste nicht, wo sie sich befand, aber wertete es zumindest als positiv, dass um sie herum Englisch gesprochen wurde. Auch war sie nicht in irgendeine Forschungsanlage verschleppt, sondern in ein altes Herrenhaus gebracht worden. Im Labor hatte man sie in Cryostase versetzen wollen, doch weil sie schreckliche Übelkeit geplagt hatte, hatte man das Vorhaben vorerst verschoben. Man wollte kein Risiko eingehen.

Sie bekam ein Zimmer und durfte sich hinlegen. Ein Arzt kümmerte sich um sie. Als sie nachfragte, was das alles hier sollte, bekam sie natürlich keine Antwort. Ihr Zimmer war von außen verschlossen und ihr blieb nur der Blick durchs Fenster. Sie wusste, dass sie bald wieder ins Labor gebracht werden würde, sobald es ihr besser ging und hoffte inständig, man möge sie vorher finden und befreien oder ihr schlechter Zustand möge noch ewig weiter andauern.

Sie war zwar zuversichtlich, dass man ihr nichts antun wollte, da man es offenkundig auf das Leben, das in ihr wuchs, abgesehen hatte und es bis zur Geburt noch etliche Monate waren, trotzdem hatte sie panische Angst.

Sie hatte panische Angst, was man mit ihr und ihren ungeborenen Kindern anstellen würde. Und sie vermisste Jake. Sie hoffte von ganzem Herzen, dass es ihm und allen anderen gut ging.