Alexa- Wesker: Ich bemühe mich, schneller zu updaten, aber manchmal kann man einfach nichts gegen Schreibblockaden machen. :( Danke für dein Review bei meinem Oneshot. Die 1 in Klammern bedeutet, dass ich bei Gelegenheit einen zweiten Teil schreiben werde. Ich weiß aber noch nicht wann.

Leon. S. Kennedy 1977: Ja, es wird tatsächlich eine Rückkehr nach Afrika geben. :)

Tut mir Leid, dass es so lange wieder gedauert hat, aber irgendwie habe ich dieses Kapitel einfach nicht zu Papier gebracht. Wahrscheinlich, weil es ziemlich traurig wird. :( Es gibt hier auch eine Anspielung auf den ersten Film. Mein Praktikum ist jetzt endlich zu Ende (juhu!) und die Sommerferien haben angefangen, dann habe ich voll und ganz Zeit, mich meiner Fanfiction zu widmen. :)


Ihr Flugzeug nach Afrika stand bereit, der Zeitpunkt des Abfluges stand kurz bevor. Ihr Team stand fest: Chris, Jill, Claire, Alex, Albert, Piers, Sheva und Ada. Nur Leon würde nicht an ihrer Mission teilnehmen. Er hatte heftig protestiert, doch Ingrid Hunnigan hatte ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass er mit seiner verletzten Schulter, die er immer noch nicht richtig bewegen konnte, keinesfalls an dem Einsatz teilhaben konnte.

Die B.S.A.A. in Afrika war zu ihrer Unterstützung berufen worden und würde am Flughafen in Niamey auf sie warten und sie bis zur AquaSystemTex- Zentrale begleiten. Die letzten Vorbereitungen wurden getroffen. Ihre Ausrüstung und ihre Waffen waren bereit.

Vor ihrem Abflug hatte Chris Clive O´Brian und Ingrid Hunnigan um ein Gespräch unter sechs Augen gebeten. Sie hatten sich in O´Brians Büro versammelt.

„Was gibt es Christopher, dass du uns sprechen wolltest?", fragte O´Brian.

„Ich habe ein wenig nachgedacht", sagte Chris. „Wir haben aus den Erzählungen des Butlers Patrick und dem, was uns Elliot Spencer selbst gesagt hat, einiges über ihn erfahren können. Aber ich denke, wir sollten vielleicht selbst noch etwas über ihn herausfinden."

„Wir sollen über ihn recherchieren?", fragte Hunnigan nach.

„Ja. Ich denke, dass uns das weiterhelfen könnte", meinte Chris.

„Haben Sie einen konkreten Verdacht, Mr. Redfield?", fragte Hunnigan interessiert.

„Jein, nicht direkt. Ich denke nur, dass… wenn wir Sherry und Faith finden wollen, wir im näheren Umfeld von Elliot Spencer suchen sollten. Die Daten, die wir erbeuten konnten, haben ja in diese Richtung nichts ergeben, also… Wir brauchen noch ein paar andere Hinweise."

„Hm, das wäre keine schlechte Idee", meinte O´Brian nachdenklich.

„Sollen wir uns auf etwas Bestimmtes konzentrieren?", fragte Hunnigan.

„Durchleuchtet Elliot Spencer so gut es nur geht", sagte Chris. „Mein Gefühl sagt mir, dass wir in seiner Lebensgeschichte vielleicht einen Hinweis auf Sherry finden werden. Sie scheint eine sehr große Bedeutung für ihn zu haben, also werden wir sie bei ihm finden."

Hunnigan und O´Brian wechselten einen Blick miteinander, dann stimmten sie zu.

„Ich denke, wir haben etwas, wenn Sie zurück sind."

Als Chris zurück zu seinem Team ging, traf er auf dem Gang Helena Harper, die ihm entgegenging. Sie achtete nicht auf ihn. Nachdenklich sah er ihr nach, wie sie im Büro verschwand.


Helena fand Ingrid Hunnigan zusammen mit O´Brian in dessen Büro, wo sie den Verlauf der Operation noch einmal durchsprachen. Als sie eintrat unterbrachen sie ihr Gespräch.

„Helena", sagte Hunnigan.

„Ich wollte Sie sprechen", sagte Helena ernst. Sie atmete tief durch. „Könnten Sie uns kurz entschuldigen?", fragte sie an O´Brian gewandt. Dieser nickte und verließ das Büro. „Wie soll ich es am besten sagen?", sagte Helena seufzend. „Ich habe gleich mehrere Ankündigungen zu machen. Ich werde mit auf den Einsatz nach Afrika gehen."

„Helena, Sie sind immer noch vom Dienst suspendiert. Sie sind momentan keine Agentin. Ich kann Sie nicht auf den Einsatz mitfahren lassen."

„Ich werde für Leon einspringen und als seine Vertretung mitfliegen. Außerdem möchte ich Albert Wesker begleiten", sagte Helena entschieden.

„Agent Harper, ich schätze Ihr Engagement um Albert Wesker sehr. Ohne Ihren Einsatz wären wir in der Zusammenarbeit nicht so weit gekommen. Dennoch…"

„Ich werde fliegen. Sie werden mich nicht aufhalten können", sagte Helena. „Dies wird auch gleichzeitig mein letzter Einsatz sein."

Ingrid Hunnigan wirkte vor den Kopf gestoßen. „Ich verstehe nicht…"

„Ich werde meinen Dienst beim D.S.O. quittieren."

„Helena, wenn es um Ihre Anhörung geht… Es ist noch nichts entschieden…"

„Ich weiß, aber ich weiß auch, dass meine Chancen nicht gut stehen. Beschönigen wir nichts. Ich möchte keine Agentin mehr sein. Ich möchte nicht den Rest meines Lebens so verbringen."

„Wenn das Ihre Entscheidung ist, dann respektiere ich sie… Ich bedauere es sehr", sagte Hunnigan ehrlich.

„Ich danke Ihnen für alles, was Sie für mich getan haben", sagte Helena. „Und es tut mir sehr Leid."

Hunnigan nickte. Helena verließ den Raum mit einem schlechten Gewissen, aber sie wusste, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.


Wesker schlief schlecht in dieser Nacht. Er lag lange wach und starrte in die Dunkelheit. Einige Zeit beobachtete er Helena, die neben ihm lag. Er gewöhnte sich allmählich daran, dass sie auch nachts bei ihm war. Er strich vorsichtig über ihren Arm. Sie regte sich darauf ein wenig. Für einen Moment dachte er, sie würde aufwachen, aber sie schmiegte sich nur ein Stück näher an ihn.

Schließlich löste er sich vorsichtig von ihr und stand auf. Er trat zum Fenster und sah hinaus in den Nachthimmel. Er betrachtete den Mond und die Sterne. Wie oft würde er noch die Gelegenheit dazu haben, einen unbeschwerten Blick in den Himmel werfen zu können? In diesem Moment, in dem er vor dem Fenster stand und die Schönheit der Nacht betrachtete, tobte im Inneren seines Körpers ein Kampf, den er verlieren würde. Jede einzelne Zelle seines Körpers befand sich im Krieg mit sich selbst. Vorübergehend mochte er die Auswirkungen dieses Krieges nicht spüren, aber es war eine tückische Waffenruhe. Er wusste, dass er nicht viel Zeit hatte.

Seit er mit der bitteren Erkenntnis konfrontiert worden war, seit er den Beweis für seinen Zustand unter dem Mikroskop mit eigenen Augen gesehen hatte, hatte er viel nachgedacht. Er war gezwungen, Dinge anzunehmen. Er war gezwungen, zu akzeptieren, dass er keine Macht und keinen Einfluss besaß. Er fühlte sich wie ein Spielball.

Ihm war eine erschreckende Gemeinsamkeit zu Oswell E. Spencer aufgefallen. Obwohl er sein gesamtes Leben versucht hatte, sich dem Einfluss des alten Mannes zu entziehen, anders, besser als er zu sein, musste er sich eingestehen, dass sein Ende genauso verlaufen würde. Und diese Tatsache erfüllte ihn mit Gram, aber vor allem mit Scham.

Er, Albert Wesker, hatte versucht, sich über andere Menschen zu erheben. Er hatte die Vorstellung gehabt, selbst in den Rang eines Gotts aufzusteigen und mithilfe von Uroborus eine neue Welt zu erschaffen. Er hatte Spencer für seine Absichten verachtet, hatte in arroganter Weise auf ihn herabgesehen und den alten Mann schließlich von seinen Leiden erlöst, um ihn seinen Platz unter den erbärmlichen Sterblichen zu zeigen, die in Weskers Welt keinen Platz haben sollten.

Doch was war aus ihm selbst, aus Wesker, geworden? Er hatte einsehen müssen, dass er falsch gehandelt hatte. Auf die gleiche Art und Weise wie Spencer gescheitert war, war auch Wesker gescheitert.

So vehement er versucht hatte, sich von Spencer zu lösen, war er immer mehr wie er selbst geworden. Der alte Mann mochte seinen Traum nie verwirklicht haben, doch eines hatte er geschafft: er hatte Albert, ausgerechnet Albert, der sich am stärksten von allen Wesker- Kindern gegen Spencer gewandt hatte, zu seinem perfekten Werkzeug gemacht. Spencer Ideologie hatte sich tief in Weskers Bewusstsein gefressen und hatte ihn schließlich in seinen Tod geführt. Seine Erfindung Uroborus hatte ihn in den Wahnsinn und in den Tod getrieben und mit Sicherheit hätte sie die Welt nicht zu einem besseren Ort gemacht, sondern sie zerstört.

Es fiel ihm schwer, aber er musste sein Unrecht eingestehen. Er hatte viel Schaden angerichtet, er war nicht besser als Oswell E. Spencer gewesen. Im Gegenteil. Durch seine Handlungen war er genau wie der Mann geworden, den er so sehr verabscheut hatte. War es nur gerecht, dass er auf dieselbe Weise sein Ende finden sollte? Er, der einst geglaubt hatte, ein Gott zu werden, musste sich mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen, sie akzeptieren. So schmerzlich es auch war.

Die Scham und die Demütigung waren das Schlimmste. Die Scham und die Demütigung, die sich wie Gift in ihm ausbreiteten, angesichts der Erkenntnis, dass Chris Recht hatte, mit dem, was er vor so vielen Jahren in Afrika gesagt hatte. Wesker war nur ein Überbleibsel von Umbrella, nicht mehr und nicht weniger. Ein Überbleibsel wie der alte, kranke Mann, den er getötet hatte.

Und doch. In Wesker regte sich leiser Widerstand. Eine Stimme in seinem Kopf widersprach. Er würde nicht auf dieselbe Weise wie Spencer sein Ende finden. Spencer war alt und gebrechlich und einsam gewesen. Er war von der Gnade seines Butlers abhängig gewesen.

Wesker war nicht allein. Er hatte Alex. Er hatte Jake und Sherry. Er hatte sogar Helena gewonnen.

Er warf Helena einen kurzen Blick zu, dann fasste einen Entschluss. Er zog sich leise an, verließ sein Zimmer und schritt die dunklen Gänge entlang Richtung Ausgang. Er stellte sicher, dass niemand in der Nähe war, der ihn sah, wie er nach draußen ging. Kühle, aber angenehme Luft schlug ihm entgegen, als er auf die Straße trat.

Er wanderte einige Zeit durch die Stadt, bis er eine Telefonzelle erreichte. Er wählte eine Nummer auf den Cayman Island, die er seit sehr vielen Jahren nicht mehr angerufen hatte. Er wusste sie aber immer noch auswendig. Es läutete sechs Mal, bis sich eine Stimme meldete.


„Wo warst du?", fragte Helena im Halbschlaf, als Wesker ins Zimmer zurückkehrte.

„Habe ich dich geweckt?"

„Du warst auf einmal weg, da bin ich wach geworden", sagte Helena verschlafen.

Als Wesker sich wieder neben sie setzte und mit dem Rücken an die Wand lehnte, legte sie ihren Kopf in seinem Schoß.

„Ich glaube, das hast du nur geträumt", sagte Wesker. „Stört es dich, wenn ich das Licht anmache und lese?"

Sie verneinte mit einem leichten Kopfschütteln und schloss sofort wieder die Augen. „Nein, nein, mach nur."

Wesker nahm sein Buch vom Nachttisch und schlug es an der Stelle auf, an der er zuletzt aufgehört hatte zu lesen. Es war ein dickes Sachbuch über Biologie. Er hatte es sich vor einiger Zeit gekauft, um die neuesten Entwicklungen in der Forschung zu verfolgen. Durch seinen Tod hatte er einige Jahre keine Gelegenheit gehabt, sich über die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu informieren. Auch wenn ihm nicht mehr viel Zeit blieb, wollte er die Zeit, die er noch hatte, wenigstens so normal wie möglich verbringen.

„Sieht sehr kompliziert aus", bemerkte Helena kaum verständlich murmelnd.

Wesker grinste. „Ist es aber gar nicht. Ich habe solche Sachen schon einer Fünfjährigen erklärt."

Doch Helena hörte ihm nicht mehr zu. Sie war wieder eingeschlafen.


Wesker seufzte und entfernte das Lesezeichen aus seinem Buch. Während er die Texte und Grafiken durchging und sich im Geiste Notizen dazu machte, kam er unweigerlich ins Grübeln darüber, was aus ihm hätte werden sollte, wenn er nicht sterben würde. Selbst vor seiner Diagnose hatte er sich keine Gedanken darüber gemacht, was aus ihm werden sollte, wenn Elliot vernichtet und die Welt gerettet war. Wohin sollte er gehen und was sollte er tun?

Die Entscheidung blieb ihm schlussendlich erspart, doch interessant und eine Überlegung wert war sie dennoch. Würde ihn die B.S.A.A. seiner Wege gehen lassen? Würde er eine Anstellung finden? Könnte er sich unter Umständen wieder der Forschung widmen? Könnte er vielleicht an einer Universität unterrichten? Natürlich bräuchte er eine falsche Identität, denn niemand würde ihm, Albert Wesker, eine Anstellung geben. Würde der D.S.O. oder die B.S.A.A. ihm dabei helfen?

Was würde mit ihm und Jake werden? Mit ihm und Sherry? Die Zwillinge waren auch ein Teil von ihm. Würde er Anteil an ihrem Leben nehmen? Wie würde er sich anstellen, sich um zwei Kinder zu kümmern?

Es waren wilde Spekulationen und er verdrängte die Gedanken aus seinem Kopf. Es war irrational, sich darüber Gedanken zu machen. Nichts davon würde für ihn noch eine Rolle spielen.

Er las bis spät in die Nacht. Gegen drei klemmte er sein Lesezeichen zwischen die Seiten und legte sein Buch beiseite. Er versuchte zu schlafen, doch nach einer halben Stunde gab er es auf. Gegen halb vier stand er wieder auf und verließ erneut sein Zimmer.

Er steuerte den Trainingsraum an, um beim Sport seine Gedanken etwas zu ordnen. Als er vor der Tür stand, hörte er schon, dass drinnen jemand war. Er rechnete damit, Jake zu treffen, umso überraschter war er, als er Jill sah, die auf den Boxsack einschlug. Sie trug Jogginghosen und ein graues Top. Ihre Haut glänzte von Schweiß. Ihr Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden und an den Händen trug sie Boxhandschuhe. Sie bemerkte Wesker nicht, wie er eintrat und auf sie zukam.

„Deine Deckung war schon immer dein Problem, Jill", sagte Albert amüsiert. „Das hat sich seit S.T.A.R.S. nicht geändert."

Als sie seine Stimme hörte, schrak sie zusammen und wirbelte herum. Sie blickte ihn erschrocken an.

„W-Wesker, was machst du hier?", fragte sie.

„Dasselbe wie du, Jill. Ich suche körperliche Ertüchtigung."

Sie musterte ihn skeptisch. Er spürte ihre Angst mit ihm allein zu sein. Ihr Körper spannte sich an.

„Was machst du hier, Jill? Nicht zu Hause bei Chris?"

„Ich konnte nicht schlafen", sagte Jill ruhig. „Deshalb bin ich hierhergekommen."

„Dem kann ich zustimmen", sagte Wesker. „Hast du Lust auf ein Sparring?"

Sie sah ihn erstaunt an. „Gegen dich? Da hab ich doch keine Chance."

„Ich halte mich vornehm zurück", sagte Wesker.

Sie machten zusammen ein paar Übungen. Wesker stellte fest, dass sich Jill seit ihrer Zeit bei den S.T.A.R.S. deutlich verbessert hatte. Sie war wendiger und kraftvoller geworden, allerdings achtete sie nicht genug auf ihre Deckung. In einem Moment der Unaufmerksamkeit holte Wesker zu einem angedeuteten Schlag aus. Jill konnte nicht mehr reagieren. In einem echten Kampf hätte er ihr einen vernichtenden Schlag verpasst. Sie hielten inne, Weskers Faust direkt vor Jills Gesicht.

„Chris hat mir das auch immer gesagt, dass ich besser auf meine Deckung achten sollte", meinte Jill resignierend. Sie seufzte und zog ihre Boxhandschuhe aus. Sie legte sie auf eine Bank und nahm einen Schluck aus ihrer Trinkflasche. Sie hatte Wesker den Rücken zugedreht, während er wartete, dass sie weitermachen konnten. „Machst du dir eigentlich Sorgen um Sherry?"

Wesker war durch ihre Frage vor den Kopf gestoßen, weil er damit nicht gerechnet hatte. Jill wandte sich um und sah ihn erwartungsvoll an.

„Ich mache mir Gedanken um sie, ja", sagte Wesker langsam. „Auch wegen Jake."

„Wie läuft es zwischen dir und Jake?", wollte Jill wissen.

„Wir reden nicht viel miteinander im Moment."

„Ist dir Jake böse?"

„Ich weiß es nicht", gab Wesker ehrlich zu. „Wenn er es ist, dann lässt er sich zumindest nichts anmerken. Ich kann nicht sagen, inwieweit er mir die Vergangenheit übelnimmt oder mir Schuld an Sherrys Verschwinden gibt."

„Er ist momentan sehr in sich gekehrt", bemerkte Jill. „Er macht sich große Sorgen wegen Sherry. Er hat Angst, dass ihr etwas passiert. Ich kann ihm das nachfühlen."

„Ich möchte auch nicht, dass Sherry etwas passiert", sagte Wesker nachdenklich. „Ich werde alles, was nötig ist, tun, um sicherzustellen, dass sie zu uns zurückkommt."

„Fühlst du dich auch verpflichtet, weil du ihren Vater kanntest?", fragte Jill.

„Das spielt natürlich auch eine Rolle, ja."

Jill nickte und wischte sich mit der Hand über ihre verschwitzte Stirn. Plötzlich lachte sie.

„Hätte nicht gedacht, dass wir beide noch mal so friedlich zusammen hier einfach nur reden", sagte sie und lächelte schwach, dann wurde sie wieder sehr ernst. „Nach unserer Rückkehr aus Afrika, musste ich ziemlich lange in eine Therapie gehen, um das alles zu verarbeiten. Und es ist auch heute nicht einfach für mich, dir gegenüberzustehen."

Wesker ging nicht darauf ein.

„Verrat mir eins", sagte Jill und sah ihn eindringlich an. „Als wir aus dem Fenster gestürzt sind, hättest du mich einfach liegenlassen können. Aber du hast mich mitgenommen und mich nicht sterben lassen. Du hast mich sogar gerettet. Warum?"

„Du warst ein perfektes Werkzeug, um Chris zu demütigen. Seine engste Verbündete auf der Seite seines verhassten Erzfeindes. Es stimmt, dass ich dich hätte liegen lassen können. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Irgendwie hat mich diese Situation an etwas erinnert. Ich stand über dir. Es hat stark geregnet. Du lagst in Wasser und Schlamm, warst schmutzig und stark verletzt. Ich sah auf dich herunter und fühlte mich an das alte Herrenhaus erinnert, als du am Boden lagst, nachdem die Schlange dich vergiftet hatte. Ich war beeindruckt, dass du den Sturz überlebt hattest und so entschied ich mich, dich mitzunehmen."

Jills Augen weiteten sich. „Was soll das bedeuten, das Herrenhaus und die Schlange und du hast mich da gesehen?! Hast du…"

„Ich habe dich gerettet, ja", sagte Wesker grinsend und amüsiert über ihren geschockten Gesichtsausdruck.

„Ich dachte, Barry…"

„Barry?" Wesker musste sich das Lachen verkneifen. „Glaubst du, Barry hätte dir die Injektion geben können? Ich habe dir geholfen, dich vom Dachboden in den Lagerraum getragen und dir das Gegengift gegeben."

„Das erklärt, warum ich allein aufgewacht bin. Barry wäre bei mir geblieben", sagte Jill. „Warum hast du das gemacht?"

„Du warst soweit gekommen und ich wollte einfach nicht, dass du so enden musst. Du solltest natürlich noch die anderen B.O.W.s und den Tyrant kennenlernen. Natürlich hatte ich nicht mit dem Nachfolgenden gerechnet."

„Wow, das hätte ich nicht gedacht", musste Jill verlegen zugeben. „Danke." Sie lächelte sanft. „Ich hätte nie gedacht, wie sich alle Dinge entwickeln würden. Als ich zu den S.T.A.R.S. kam, habe ich sogar ein bisschen für dich geschwärmt. Nach dem Sommer 1998 habe ich mich dafür geschämt. Du hast uns allen etwas Schlimmes angetan. Und damit meine ich nicht nur die vielen Toten. Du hast unser Vertrauen missbraucht. Wir alle, aber besonders Chris, haben dir vertraut. Er hat zu dir aufgesehen und dich sehr bewundert. Er wäre dir in die Hölle gefolgt und prompt hast du uns da auch hingeführt. Aber du hast uns dort zurückgelassen. Alles, was du getan hast, war schon schlimm genug, aber den größten Schaden hat es in uns angerichtet."

Wesker nickte nur.

„Ich denke, ich werde dann mal nach Hause gehen", meinte Jill. „Es ist spät und ich bin müde. Und ich möchte nicht, dass Chris sich sorgt. Viel Spaß noch und gute Nacht."

Wesker wünschte ihr ebenfalls eine gute Nacht. Er wartete, bis sie den Trainingsraum verlassen hatte, dann widmete er sich dem Sport. Er trainierte, bis seine Muskeln schmerzten und sein Kopf leer war. Als er in sein Zimmer zurückkehrte, wurde es bereits hell. Er stieg unter die Dusche. Als das heiße Wasser auf seinem Körper prasselte, wurde der Duschvorhang beiseitegeschoben und Helena stieg zu ihm.


Ihr Flugzeug stand abflugbereit. Leon begleitete Ada, als das Team mit der Ausrüstung im Gepäck zur Maschine ging. Helena hatte sich ihnen ebenfalls angeschlossen und Leon vermutete, dass sie es gegen Hunnigans Befehl tat. Er hatte sie nicht darauf angesprochen, weil er sich nicht auf Diskussionen mit ihr einlassen wollte. Er respektierte sie als seine Partnerin und er respektierte ihre Entscheidungen. Dennoch wäre es ihm lieber gewesen, die Personen, die ihm nahestanden, nicht auf der gefährlichen Mission zu wissen. Er verfluchte seine Schussverletzung. Er wäre am liebsten mitgeflogen. Es behagte ihm nicht, Ada allein gehen zu lassen.

„Mach dir doch nicht so viele Sorgen", sagte Ada sanft und riss ihn aus seinen Gedanken. „Ich werde schon heil wieder kommen."

Er ließ sich zu einem schwachen Lächeln hinreißen. „Ich will dich einfach nicht verlieren, das weißt du."

Bevor Ada die Treppe nach oben ins Flugzeug erklomm, wandte sie sich an Leon und küsste ihn auf die Wange. „Warte auf mich. Wir werden bald zurücksein. Wir heizen Elliot Spencer mächtig ein."

„Pass bitte auf dich auf", raunte Leon. Er hatte seine Arme um sie gelegt und wollte sie nicht loslassen. Nur widerwillig ließ er sie gehen.

„Glaubst du, ich lasse mir das entgehen?", sagte Ada und hielt ihre Hand hoch, an der sie ihren Verlobungsring trug, dann wandte sie sich um und betrat als Letzte das Flugzeug.

Auf der einen Seite saßen Chris Redfield, seine Verlobte Jill, Piers Nivans, Jake Muller und Sheva Alomar. Ihnen gegenüber saßen die beiden Wesker, sowie Claire Redfield und Helena Harper. Ada entschied sich für den freien Platz neben Albert Wesker.

„Du hast nichts dagegen, hoffe ich?", fragte sie süffisant grinsend.

„Nicht im Geringsten", sagte Wesker gelassen. Sein Blick fiel auf ihre Hand. Er nahm sie vorsichtig und betrachtete den Ring an ihrem Finger.

„Wie ich sehe, darf man gratulieren. Es hat erstaunlich lange gedauert. Aber es war vorherzusehen."

Ada erwiderte nichts auf seinen Kommentar hin, aber die nächste Zeit, bis sich das Flugzeug in den Himmel erhob und sie New York hinter sich ließen, war ihre Verlobung mit Leon das Gesprächsthema Nummer 1.


Durch die Zeitverschiebung war es bereits später Abend, als sie den Atlantik überquert hatten und den afrikanischen Kontinent überflogen. Chris und Jill hatten beide die Augen geschlossen. Auch Helena schlief an Weskers Schulter gelehnt.

Claire fiel auf, dass Alex gedankenverloren aus dem Fenster sah und die Landschaft beobachtete, die unten vorbeizog. Dort, wo sich eine Stadt befand, leuchteten viele kleine Lichter.

„Mir gefällt Afrika. Die Landschaft ist schön", sagte Claire leise, um die anderen nicht zu wecken. „Ich wünschte, wir müssten nicht aus diesen Gründen hierher reisen."

Alex nickte zustimmend.

„Ich war noch nie in Afrika", sagte Claire. „Ich würde gerne mal einige Länder bereisen."

„Ich habe mich Afrika irgendwie immer verbunden gefühlt", sagte Alex nachdenklich. „Ich kann es nicht erklären. Ich war während meiner Studienzeit einmal hier, etwas später bin ich auf Reisen hier gewesen."

„Ehrlich? Könnte es nicht sein, dass du während deiner Kindheit mal hier gewesen bist?", vermutete Claire.

„Ich weiß es nicht", sagte Alex. „Es könnte gut sein. Vielleicht erklärt das die enge Verbindung, die ich zu diesem Teil der Welt habe."

„Erzähl von deinen Fähigkeiten, Alex", sagte plötzlich Albert und grinste vielsagend.

„Was hast du für Fähigkeiten, Alex?", wollte Claire interessiert wissen. Alex wirkte für einen Moment verlegen. Er warf Albert einen leicht erbosten Blick zu.

„Ich kann seit meiner Kindheit eine afrikanische Sprache. Ich weiß allerdings nicht, woher ich sie kann. Das hat mich mein ganzes Leben lang begleitet."

Sheva Alomar wurde hellhörig. „Was für eine Sprache beherrschen Sie, Alex? Sagen Sie etwas."

Alex formte ein paar einfache Sätze. Shevas Augen weiteten sich.

„Ich verstehe die Sprache zwar nicht, aber sie ist mir bekannt. Das ist eine seltene Sprache, irgendein Stammesdialekt, der bereits ausgestorben ist. Das ist erstaunlich, dass Sie das beherrschen."

„Wirklich? Wow, das ist ja der Wahnsinn!", meinte Claire ehrfurchtsvoll. „Wenn sie bereits ausgestorben ist, dann muss du sie ja in deiner Kindheit in Afrika gelernt haben! Das heißt, du musst einmal hier gewesen sein!"

Alex nickte nur. Er wirkte peinlich berührt.

Jill streckte sich und richtete sich langsam auf. Sie rieb sich verschlafen die Augen und gähnte. Auch Chris erwachte.

„Ich glaube, wir sind bald da", raunte Jill verschlafen. „Was glaubst du, erwartet uns dort?", fragte sie leise an Chris gewandt. Dieser massierte sich den Nacken.

„Ich weiß es nicht, aber wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", sagte Chris sehr ernst. „Elliot Spencer ist alles zuzutrauen. Mit Sicherheit wird er es uns nicht leicht machen, in die Anlage hineinzukommen. Unser Problem ist, dass wir eigentlich blind hineinlaufen. Wir wissen nicht, was dort sein wird."

„Was sollen wir tun, wenn sich uns Elliot in den Weg stellt?", fragte Sheva verunsichert. „Offenbar haben nicht einmal die beiden Wesker mit ihren Kräften eine Chance gegen ihn."

„Haltet euch aus Konfrontationen mit ihm heraus", sagte Alex sehr ernst. „Albert und ich sind die einzigen, die in einem möglichen Kampf wenigstens den Hauch einer Chance gegen ihn haben könnten."

„Aber Alex", warf Claire ein. „Das letzte Mal hat er euch schwer zugesetzt und ihr konntet im Kampf nichts gegen ihn ausrichten. Wie wollt ihr…?"

„Wir werden nur den Kampf suchen, wenn es absolut notwendig ist", unterbrach Albert sie. „Wir werden zusehen, dass wir ihm aus dem Weg gehen. Das scheint mir im Moment das Vernünftigste zu sein. Wir haben noch keine Möglichkeit gefunden, ihn effektiv zu bekämpfen. Solange wir nicht seinen Schwachpunkt kennen, sollten wir etwaige Konfrontationen mit ihm auf ein Minimum begrenzen."

Helena regte sich ebenfalls und setzte sich aufrecht. Sie ließ ihren Kopf kreisen und gähnte ausgiebig.

„Habt ihr eigentlich mittlerweile eine Idee, wie er überhaupt so stark werden konnte?", fragte Jill. „Ich meine, er kann Uroborus und den C- Virus kontrollieren. Meint ihr, dass er vielleicht auch so ein Immunsystem hat wie ihre beide und Jake?"

„Das glaube ich nicht", sagte Alex. „Albert und ich haben bereits darüber gesprochen." Albert nickte zustimmend. „Unsere Mutation betrifft nur 2% der gesamten Weltbevölkerung, also ist es sehr unwahrscheinlich, dass Elliot sie ebenfalls besitzt. Ich habe eine Hypothese und Alberts stimmt mit mir darin überein."

„Und was ist eure Vermutung?", fragte Chris.

„Wir glauben, dass er das Mädchen dafür benutzt", sagte Albert. „Das Hormon aus ihrem Gehirn bewirkt, dass man die Mutationen der Viren kontrollieren kann. Es wäre gut möglich, dass er sich das Hormon als eine Art Serum verabreicht. Das könnte auch erklären, warum er das Mädchen unbedingt braucht."

„Nachdem wir sie befreit haben, müssen wir ja damit rechnen, dass er sie sich zurückholen will", meinte Piers. „Er könnte die Zentrale ein zweites Mal angreifen."

„Das wird er tun, wahrscheinlich wenn sein Plan in Afrika aufgegangen ist. Wir müssen schnell handeln und sein Vorhaben unbedingt verhindern. Ich denke, dass wir ihm durch unsere letzte Aktion einigen Schaden zufügen konnten, aber vermutlich war das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein", sagte Chris nachdenklich.

„Wie genau wollen wir vorgehen, wenn wir dort sind?", fragte Jill. „Nach den Satellitenaufnahmen befindet sich die Firmenzentrale mitten im Nirgendwo. Sie ist nur von einem Zaun umgeben, aber sonst ist dort gar nichts, nur Steppe und flaches Land. Unbemerkt können wir da niemals reinspazieren. Selbst jetzt im Schutz der Dunkelheit werden sie uns schon von weitem kommen sehen und wahrscheinlich angreifen."

„Wir müssen uns mit Josh und seinem Team noch genau absprechen", sagte Chris. „Aber ich denke, wir sollten vielleicht den Angriff als beste Verteidigung nutzen. Wir müssen sofort rein, koste es, was es wolle. Du hast Recht, heimlich wird es nicht gehen."

„Wir müssen sofort mit voller Kraft zuschlagen", sagte Alex zustimmend. „Aber natürlich müssen wir dann mit heftiger Gegenwehr rechnen. Nachdem sie laut ihren Plänen von dort aus die Verbreitung des Virus in Afrika steuern, wir die Anlage ein Hochsicherheitstrakt sein. Dementsprechend viele Feinde werden sich uns entgegenstellen. Elliot wird nicht nochmal zulassen, dass wir ihn so zum Narren halten wie beim letzten Mal. Den Teilerfolg mag er uns gegönnt haben, aber er wird kein zweites Mal so nachsichtig mit uns sein."

„Das denke ich auch", meinte Claire beunruhigt.


Trotz der späten Abendstunde war es angenehm warm, als sie aus der Maschine stiegen und auf das Rollfeld traten. Sie sahen bereits Josh und sein Team, die auf sie warteten. Josh salutierte vor Chris und sie schüttelten sich die Hände.

„Es ist gut Sie wiederzusehen", sagte Josh. „Ich wünschte nur, der Anlass wäre nicht so ernst."

„Ja, ich wünschte auch, wir würden uns unter anderen Umständen wiedersehen", sagte Chris ernst. „Wie sieht die Lage aus?"

„Unsere Leute sind auf ihren Posten und haben die Anlage die letzten 24 Stunden überwacht. Sie haben alle Bewegungen um die Anlage beobachtet. Bis auf ein Fahrzeug, das auf das Firmengelände fuhr, ist nichts passiert. Alles war ruhig."

Joshs Blick fiel auf die beiden Wesker, die als letzte die Treppe nach unten stiegen, und seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Seine rechte Hand wanderte an seinen Gürtel, wo er seine Pistole trug.

„Schon gut, sie arbeiten mit uns zusammen", sagte Chris sofort, um die angespannte Situation zu entschärfen.

Josh wirkte skeptisch. „Können wir ihnen vertrauen?"

Chris antwortete nicht gleich. Er warf den beiden Weskern einen Blick zu und wählte seine Worte gut aus. „Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, ob wir ihnen wirklich vertrauen können, aber sie haben durch ihre Taten bewiesen, dass sie auf unserer Seite gegen denselben Feind kämpfen. Taten zählen für mich. Und ihre Taten sprechen für sich."

Albert und Alex nickten.

„Gut, damit muss ich wohl leben", sagte Josh.

„Gehen wir", sagte Chris.


Patrick Marius Simmons sah mit Abscheu auf das große Reptil hinab, dass sich unter ihm in seinem engen Gefängnis hin und her wandte und mit seinem kräftigen Schwanz gegen die Wand schlug. Es fauchte und brüllte vor Wut auf. Es fletschte seine scharfen Fangzähne und sah immer wieder nach oben zu Simmons. Es war fast, als werfe es ihm einen bösartigen Blick zu.

„Stellt es ruhig", befahl Simmons einem Mann im Laborkittel, der neben ihm stand.

„Meinen Sie, dass das…"

„Tun Sie es! Es soll ruhig sein!"

Der Wissenschaftler schritt widerwillig zu einer Konsole und drückte einen Schalter. Strom wurde durch den Käfig geleitet. Der B.O.W. schrie vor Schmerz auf und brach schließlich auf dem Boden zusammen. Sein Körper zuckte unkontrolliert, dann erschlaffte es. Es gab winselnde Laute von sich.

„Endlich", sagte Simmons hart und mit Verachtung in der Stimme und wandte sich ab.

„Weißt du, Patrick, das Wesen eines Menschen kann man sehr gut daran erkennen, wie er die behandelt, die unter ihm stehen oder die er als unter ihm stehend ansieht", sagte Elliot Spencer amüsiert. „Mit so einer Einstellung sollte man allerdings sehr vorsichtig sein."

Spencer trat in den Raum. Er hatte die Hände hinter dem Rücken verschränkt.

„Spencer", Simmons fuhr etwas zusammen. „Was wollen Sie hier?"

„Ich wollte nur sicherstellen, dass Sie nicht die Nerven verloren haben", sagte Spencer und grinste schelmisch. „Kommen Sie. Die Tanks sind fertig."

Sie verließen dem Raum und schritten einen Gang entlang. An einer Sicherheitstür musste Spencer seinen Handabdruck einscannen, um ihnen Zutritt zu verschaffen. Als sie nach innen traten, schloss sich die Tür sofort hinter ihnen.

Vor ihnen aufgereiht befanden sich große Tanks, auf denen das Biologische Gefahren- Symbol abgebildet war.

„Wird alles nach Plan verlaufen?", fragte Simmons. „Nach dem Ärger in der anderen Anlage…"

„Wir mussten ein paar Rückschläge hinnehmen, das ist wahr, aber unsere Operation wird dennoch wie vorgesehen durchgeführt. Es gibt keinen Grund, warum wir warten sollten. Der Virus ist bereit. In ein paar Tagen wird es soweit sein. Die Tanks werden an die Anlagen in ganz Afrika geliefert."

Simmons ließ sich seinen Unmut nicht anmerken. Er wollte widersprechen, hielt sich aber zurück.

„Sprechen Sie Ihre Bedenken ruhig laut aus, Simmons", sagte Spencer. „Wenn Sie etwas zu sagen haben, dann sagen Sie es."

„Ich…" Simmons wirkte für einen Moment durch Spencers gelassene Art verunsichert, er fing sich aber schnell wieder. „Ich habe ein schlechtes Gefühl wegen des Datendiebstahls. Sie haben unserem System großen Schaden zugefügt und alle wichtigen Pläne dabei erbeutet. Sie dürften inzwischen Bescheid wissen. Mit Sicherheit sind sie auf dem Weg hierher. Was sollen wir tun?"

„Ich gehe davon aus, dass sie kommen werden", sagte Spencer ruhig. „Wir werden ihnen einen angemessenen Empfang bescheren. Ich freue mich schon darauf, ihre Gesichter zu sehen, wenn sie erkennen, dass sie unser Vorhaben nicht verhindern können."

„Was ist mit den beiden Weskern?", fragte Simmons beunruhigt. „Und mit Weskers Sohn?"

Spencer lachte leise und grinste höhnisch. „Um die beiden werden wir uns persönlich kümmern, nicht wahr? Und was Jake Muller angeht… Ich habe Sherry, also brauche ich den Jungen nicht mehr."

„Machen Sie sich keine Sorgen wegen dem Mädchen? Es ist der B.S.A.A. gelungen, sie zu befreien. Aber wir brauchen sie…"

„Um das Mädchen werde ich mich später kümmern", sagte Spencer leicht ungeduldig.

„Müssen Sie denn nicht…"

„Ich habe genug davon", sagte Spencer jetzt erbost. „Kümmern Sie sich um die Dinge, die Sie betreffen. Ich werde das Mädchen zurückholen, sobald der Plan vollendet ist."

„Was werden wir tun, wenn die B.S.A.A. und die beiden Wesker hier auftauchen? Sollen wir unsere Leute abstellen?"

„Ja. Bereiten wir ihnen einen Empfang, der ihrer würdig ist", sagte Elliot, ohne seinen Blick von den Tanks zu nehmen. „Wie steht es um die Vorbereitungen für die Lieferungen?"

„Es läuft alles nach Plan. In vier Tagen werden wir die Tanks an die Anlagen liefern. Dann kann die Verbreitung über das Trinkwasser pünktlich in einer Woche beginnen", sagte Simmons.

„Gut. Sorgen Sie dafür, dass auch weiter alles nach Plan läuft", sagte Elliot.

Sie verließen den Raum und kehrten ins Labor zurück.

„Master Spencer?"

Eine junge Frau in Soldatenkluft kam ihnen entgegen.

„Ja?"

„Wir bekommen Besuch."

„Was soll das heißen?!"

Sie folgten der Sicherheitsbeamtin in den Überwachungsraum, wo auf zahlreichen Bildschirmen die Bilder der Überwachungskameras von außen übertragen wurden. Ein Mann saß auf einem Stuhl davor und beobachtete, was draußen vor sich ging.

„Wir haben Probleme, Master Spencer!", sagte die Frau besorgt. Der Mann tippte auf einer Tastatur und rief die Bilder einer bestimmten Kamera auf.

Spencer trat näher heran und betrachtete die Vorkommnisse. Seine Wachposten, die auf dem Gelände patrouillierten waren unter Beschuss geraten. Dunkle Gestalten waren nur schwach zu erkennen. Plötzlich wurde ein Körper gegen die Kamera geschleudert und sie sahen nur noch Schnee auf dem Bildschirm.

„Was geht da oben vor?!", fragte Spencer verärgert.

„Wir glauben, die B.S.A.A. greift uns an!", sagte der Mann verunsichert. „Was sollen wir machen?"

„Was schon?!", giftete Spencer wütend. „Schicken Sie die Soldaten rauf! Machen Sie Ihren Job!"

Spencer wandte sich um und stürmte aus dem Raum.


Albert Wesker schoss nach vorne und schleuderte einen Soldaten in die Luft. Der Mann krachte gegen eine Mauer und zerstörte dabei eine Kamera. Alex entwaffnete einen weiteren Mann und schickte ihn mit einem gezielten Schlag gegen den hohen Zaun. Er riss den Zaun ein und blieb leblos am Boden liegen. Alex und Albert gaben den anderen mit ihren Taschenlampen ein Zeichen, dass sie auf das Gelände kommen konnten.

In einiger Entfernung setzten sich Fahrzeuge in Bewegung. Die B.S.A.A. kam ihnen entgegen. Sobald die Geländewägen zum Stehen kamen, sprangen Chris, Jill und die anderen mit gezückten Waffen heraus. Josh und sein Team verteilten sich sofort auf dem Gelände rund um den Gebäudekomplex.

„Wir sichern erst mal die Umgebung. Wir stoßen dann zu euch!", rief Josh ihnen zu, kurz darauf wurde er bereits in einen Schusswechsel mit einem Soldaten verwickelt. Ein ganzer Trupp bewaffneter Männer stürmte aus dem Gebäude und eröffnete das Feuer auf sie.

„Nutzen wir die Chance!", rief Chris den anderen zu. Angeführt von den beiden Weskern schossen sie sich den Weg nach drinnen frei. Sie brachen durch eine verschlossene Seitentür, verbarrikadierten sie von innen und eilten einen Gang entlang.

„OK", sagte Chris. „Josh und seine Leute halten die Soldaten draußen in Schach. Jetzt sind wir auf uns allein gestellt."

„Nach was suchen wir?", fragte Sheva. „Wir haben nicht mal einen groben Plan dieser Anlage. Wir agieren völlig blind."

„Wir zerstören alles, was wir finden. Vor allem, wenn es mit Computern oder Labormaterialien zu tun hat", sagte Alex. „Sie müssen die Operation irgendwie koordinieren, also müssen wir sie empfindlich treffen."

In ihrer Nähe waren schnelle Schritte zu hören. „Achtung!", rief Jake.

Sie gingen in Deckung und erwiderten das Feuer.

„Ich muss an einen Computer!", rief Alex über die Schüsse hinweg.

Sie erledigten die fünf Soldaten und drangen weiter ins Gebäude vor.

„Wir sind in der Technik gelandet!", sagte Jake mit Hinweis auf ein Schild, das zu einem Generatorraum wies. Sie luden ihre Waffen nach.

„Das könnte uns weiterhelfen", sagte Chris.

Sie tasteten sich weiter vor und schossen sich den Weg zu einem Büro frei. Sie stürmten hinein und Alex wandte sich sofort dem Computer zu, knackte das Passwort und verschaffte sich Zugang zu einem Lageplan des Gebäudes.

„Dachte ich es mir doch", sagte er, während er auf der Tastatur tippte. Auf der Karte war deutlich zu erkennen, dass sich unter dem Firmengelände eine riesige unterirdische Anlage befand. „Wir müssen nach unten."

„Wie kommen wir da runter?", fragte Claire.

„Der Sicherheitsbereich, von wo aus man in die Forschungsanlage nach unten kommt, befindet sich im hinteren Teil des Gebäudes. Hinter der Rezeption in der Haupthalle", erklärte Alex. „Wir brauchen wahrscheinlich eine Sicherheitskarte, um uns Zugang zu verschaffen."

„Das dürfte nicht schwer werden", sagte Albert. „Einer der Angestellten wird uns seine Karte leihen."

„Dort unten befinden sich Labors. In einen Raum wird besonders viel Energie geleitet." Alex markierte ihn auf der Karte und vergrößerte die grafische Darstellung.

„Das ist auf der Ostseite des Gebäudes", sagte Albert, der sich sofort Überblick auf der Karte verschafft hatte. „Da werden wir fündig werden."


Die Rezeptionistin, eine junge Frau Mitte zwanzig mit kurzen blonden Haaren und einem schwarzen Kostüm, schrak von ihrem Platz hinter dem Tresen hoch und hob ängstlich die Hände, als eine Gruppe bewaffneter Leute auf sie zukam. Die Soldaten, die zur Bewachung des geheimen Eingangs beordert worden waren, lagen tot am Boden. Sie wimmerte eingeschüchtert, als Chris und Albert Wesker sie mit ihren Pistolen zwangen, von ihrem Stuhl aufzustehen und zur Seite zu gehen. Sie nahmen ihr ihren Ausweis und ihre Sicherheitskarte ab, um damit die Tür hinter der Rezeption öffnen zu können.

Die elektronische Tür glitt zur Seite und gab einen Gang nach hinten frei. Er war hellblau erleuchtet. Am anderen Ende befand sich eine weitere Tür. Josh und sein Team hatten sich ihren Weg nach drinnen erkämpft und stießen in der Haupthalle zu ihnen.

„Alles in Ordnung, Josh?", fragte Sheva besorgt.

„Ja, alles OK", sagte Josh beunruhigt und gehetzt. „Aber wir müssen uns beeilen. Noch mehr Truppen sind auf dem Weg. Die Anlage ist eine Hochsicherheitsfestung."

Auf das Stichwort stürmten mehr bewaffnete Soldaten die Halle und eröffneten das Feuer auf die B.S.A.A.

„Wir kümmern uns um die. Geht weiter!", rief ihnen Josh zu, ehe er sich wieder in den Kampf stürzte.

Sheva nickte und betrat als letzte den hell erleuchteten Gang. Die Tür schloss sich automatisch hinter ihnen. Die Schüsse und das Kampfgeschehen erstarben augenblicklich.

„Gehen wir. Warum wartet ihr?", fragte Jake und wollte bereits losstürmen. Sein Vater packte ihn am Ellbogen und zog ihn zurück. Gerade noch rechtzeitig, als ein roter dünner Laserstrahl hüfthoch durch den Gang schoss und kurz vor ihnen verschwand. Jake wäre in der Mitte entzwei geschnitten worden.

„Deswegen", meinte Albert. „Eine Falle."

„Kannst du was tun, Alex?", fragte Claire.

Alex hatte sich einer Art Sicherungskasten zugewandt, der sich unmittelbar neben der Tür befand. „Vielleicht kann man den Mechanismus hier deaktivieren. Sieht aber schlecht aus. Ich komme nicht ins System."

„Können wir es nicht so probieren? Unter dem Laser können wir theoretisch hindurchkriechen", meinte Claire, aber sonderlich überzeugt war sie nicht von ihrem Vorschlag.

„Wartet hier", sagte Alex. „Ich werde mich vorsichtig nach vorne tasten."

Alex tat langsam ein paar vorsichtige Schritte nach vorne. Als er die Hälfte der Strecke zur anderen Seite absolviert hatte, gab er den anderen ein Handzeichen. Einer nach dem anderen tat es ihm zögerlich gleich. Albert und Jake bildeten das Schlusslicht.

„Scheint ruhig zu sein", bemerkte Chris und warf einen Blick über seine Schulter. Alex erreichte als Erster die Tür auf der anderen Seite. Sie war durch einen Erkennungsscanner für zwei Handabdrücke gesichert. „Wir müssen sie aufbrechen", sagte Alex und seufzte.

Sie zielten mit ihren Waffen auf das Türschloss, als plötzlich der Laser hinter ihnen losging. Alex, Chris, Jill, Claire, Helena, Sheva, Piers und Ada wirbelten herum. Der Laser hatte sich von einem einfachen Strich zu einem Gitter geformt, das die ganze Höhe des Flures einnahm, und trennte Albert und Jake von ihnen. Sie mussten zurück Richtung Eingang weichen.

„Shit!", rief Jake.

Der Laser beschleunigte sich und raste immer schneller auf sie zu. Sie hatten keine Chance auszuweichen.

„Da oben!" Albert Wesker deutete an die Decke, wo sich eine Luke zu einem Lüftungsschacht befand. Mit einem Satz war er nach oben gesprungen und hatte mit den Armen Öffnung durchstoßen. Sobald er oben war fasste er sofort nach unten, um Jake nach zu helfen. Dieser sprang nach oben, ergriff den ausgestreckten Arm seines Vaters und zog sich in den Schacht. Das Gitter aus tödlichen Laserstrahlen verfehlte seinen Fuß nur um Millimeter. Sobald Vater und Sohn außer Sichtweite waren, verschwand der Laser wieder.

„Verdammt nochmal!", fluchte Chris. „Wir müssen hier raus!"

„Seht mal da!", sagte Helena und deutete auf die andere Seite. Das Lasergitter kam zurück und näherte sich mit zunehmender Geschwindigkeit.

„Schießen!", rief Jill und sie feuerten alle gleichzeitig auf das Schloss an der Tür. Metallsplitter flogen umher. Über ihnen ging der Alarm los und der Gang wurde in rotes Licht getaucht. Der Laser verfärbte sich blau.

„Zurück!", schrie Alex über die Sirene hinweg und warf sich mit vollem Körpergewicht gegen die Tür. Er schaffte es, sie einzudellen. Chris und Ada Wong kamen ihm zu Hilfe und zu dritt traten sie die Sicherheitstür ein, sodass sie nach hinten aus den Angeln gerissen wurde. Mit einem Hechtsprung retteten sich alle durch die Tür in den angrenzenden Raum. Claire spürte noch die Hitze des Lasers hinter sich, der sie um Haaresbreite verfehlt hatte.

Schweratmend rappelten sie sich auf.

„Verdammter Mist!", fluchte Chris.

„Wo sind Jake und Albert?", fragte Helena besorgt.

„Wir können nicht zurück und sie suchen", sagte Alex. „Die Luftschächte führen durch den gesamten Komplex. Sie werden früher oder später zu uns stoßen. Sie wissen ja, was wir und sie zu tun haben. Wir müssen weiter."

„Eindringliche in Sektor 4", verkündete eine Frauenstimme über ihnen, begleitet von einer lauten Sirene, die ihnen in den Ohren dröhnte, doch plötzlich wurde der Alarm abgewürgt. Jemand musste ihn deaktiviert haben.

„Weiter. Suchen wir die Labors."


„Jesus Christ!", fluchte Jake laut. „Was zum Teufel war das denn?!"

„Bist du in Ordnung?", fragte Wesker. „Hat dich der Laser erwischt?"

„Glaube nicht", sagte Jake und sah prüfend an sich herunter. „Alles noch dran."

„Gut, gehen wir", sagte sein Vater entschieden.

„Was?! Wieder da runter?!", fragte Jake ungläubig. „Das ist ´ne miese Idee."

„Nein, nicht da runter", sagte Wesker leicht ungeduldig. „Wir werden durch die Luftschächte weitergehen."

„Und wie sollen wir die anderen finden?"

„Wir haben dasselbe Ziel. Wir müssen Labors finden und alles zerstören, was mit ihrem Plan zu tun hat. Wir werden die anderen im Ostflügel des Komplexes finden."


Sie befanden sich in einem kurzen Gang, der sie in einen breiten, hohen Raum führte. Es war ein großer Konferenzraum, an dessen Kopfende sich ein langer Holztisch und zahlreiche Stühle befanden. Davor war das Symbol der Firma AquaSystemTex in den steinernen Boden eingelassen. Das Firmenemblem bestand aus einem blauen Wassertropfen und einem grünen Blatt, die von einem roten Kreis eingerahmt wurden.

Alex und Chris widmeten sich sofort der Untersuchung des Bodens.

„Laut dem Plan ist dies der Eingang zum unterirdischen Komplex", sagte Alex.

Sie wurden unterbrochen, als weitere Soldaten in den Raum gestürmt kamen.


Immer wieder warf Albert einen prüfenden Blick nach unten, um sicherzustellen, dass sie nicht gesehen wurden und auf dem richtigen Weg waren. Der Weg durch die engen Luftschächte war für die beiden großgewachsenen Männer beschwerlich und sie kamen nur langsam voran. Durch die Gitter unten konnten sie sehen, wie sich mehr bewaffnete Truppen zusammentaten und durch die Gänge liefen.

„Dad, hast du eine Ahnung, wo wir sind?", fragte Jake leise.

„Wir sind immer noch auf der Westseite", sagte Wesker. „Wir müssen aber nach drüben."

„Wie sollen wir da hinkommen?"

„Die Lüftungsschächte führen mit Sicherheit zu einer Luftaufbereitungsanlage", mutmaßte Wesker. „Ein unterirdischer Komplex unter einer Wüste braucht Frischluftzufuhr. Wir sollten irgendwann in einen Tunnel kommen."

Sie krochen weiter und irgendwann endeten die Metallschächte und mündeten in Stein. Sie erreichten plötzlich ein jähes Ende. Albert steckte den Kopf durch eine Öffnung und sah nach oben. Helles Tageslicht blendete ihn. Sie befanden sich in einem großen runden, senkrechten Schacht, der nach oben an die Oberfläche führte. Am oberen Ende befand sich ein großer Ventilator, der sich unablässig drehte. Frische Luft wehte ihnen entgegen.

Tritte, die in den Stein eingelassen waren, führten nach unten. Albert und Jake zogen sich vorsichtig aus dem engen Lüftungsschacht und stiegen die Stufen hinunter. Es ging mindestens dreißig Meter in die Tiefe unter die Erde.

Es wurde kühl, als sie unten angekommen waren. Der steinerne Schacht kehrte zurück in die Horizontale. Wesker war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Er wartete auf Jake, bis dieser von der Leiter sprang.

„Wo sind wir?", fragte Jake.

„Wir sind auf jeden Fall nicht mehr im Gebäudekomplex. Wir dürften mittlerweile in den unterirdischen Labors sein. Da drüben!" Wesker deutete auf eine Tür, die in die Rundung des Schachts eingelassen war.

Die Tür war nicht verschlossen. Wesker und Jake zogen ihre Waffen und betraten die technische Abteilung. Weskers Vermutung war richtig gewesen. Sie fanden eine Aufbereitungsanlage für Frischluft, sowie Tanks zur Wasserversorgung, die die Anlage mit sauberem Wasser versorgten. Ein großer Generator lieferte Strom. Sie passierten einen Raum mit Reinigungsmitteln und Chemikalien.

Es war weitestgehend ruhig. Sie trafen niemanden. Die technischen Angestellten schienen aufgrund des Zwischenfalls evakuiert worden zu sein. Wesker, der den Umriss der Anlage ungefähr im Gedächtnis hatte, wusste, dass sie bald die Labors erreichen würden. Eine Sicherheitstür versperrte ihnen den Weg in den anderen Teil des Komplexes. Während Wesker sie untersuchte und versuchte, sie manuell zu öffnen und den Identifikationsprozess mit Fingerabdruck zu umgehen, hielt Jake die Gänge im Auge.

Albert war erfolgreich. Er konnte den Schaltmechanismus deaktivieren und die Tür mit den Händen aufschieben.

„Jake, hilf mir."

Zusammen schoben sie die elektronische Tür auf und gingen hindurch. Sie glitt hinter ihnen zu und rastete wieder ein. Sie befanden sich erneut in einem Netz aus Gängen, die sie zu allen Seiten in verschiedene, kleinere Labors führten. Durch große Fensterscheiben konnten sie nach drinnen sehen. Alles war in höchster Eile verlassen worden. Papiere lagen verstreut umher. Die Dokumente auf den Labortischen zogen Alberts Aufmerksamkeit auf sich. Er deutete Jake, dass er sich näher umsehen wollte.

„Dafür haben wir keine Zeit!", widersprach Jake energisch. „Wir müssen die anderen finden!"

„Gleich, ich will mir nur die Untersuchungsberichte ansehen", sagte Albert. Jake hob resignierend die Arme und folgte ihm genervt.

Wesker betrat, gefolgt von seinem Sohn, das Labor und klaubte die Papiere zu einem Stapel zusammen. Als er das Geschrieben überflog, zogen sich seine Augenbrauen hinter seiner Sonnenbrille zusammen und sein Gesicht verfinsterte sich. Er warf die Papiere wieder zurück auf den Tisch und ging zielstrebig auf eine Tür am anderen Ende des Labors zu.

„Könntest du mal mit mir reden?!", fragte Jake ungeduldig und eilte seinem Vater nach.

Wesker brach die Tür ohne Umschweife auf und sprengte sie mit einem kräftigen Fußtritt aus den Angeln.

Sie erreichten eine große Halle, an deren Ende sich mehrere Tanks befanden. Einer davon enthielt eine Probe von Uroborus.

„Verdammter Mistkerl!", schimpfte Albert leise vor sich hin.

„Dad, schau mal da drüben", sagte Jake und riss ihn aus seinen Gedanken. Der Junge deutete auf eine Treppe, die an der rechten Seite nach oben zu einer Tür führte. „Sehen wir uns das mal an?"

Wesker wollte gerade antworten, als sie durch Schüsse aufgeschreckt wurden.


„Sheva!" Chris zog seine Kollegin blitzschnell beiseite, bevor sich ein J´avo auf sie stürzen konnte. Jill, Claire, Helena, Alex, Piers und Ada feuerten unentwegt, doch die Übermacht an Gegnern zwang sie immer mehr in die Defensive.

Sie hatten den geheimen Eingang im Boden geöffnet und waren in die Labors vorgedrungen, wo sie jedoch bereits von einer Armada von feindlichen Truppen erwartet worden waren. Sie waren hoffnungslos in der Unterzahl und ihre Munition ging rasch zur Neige.

„Wir müssen zurück!", befahl Chris seinen Leuten und sie zogen sich in eines der Labors zurück. Sie schoben einen Schrank vor die Tür, doch die J´avo versuchten sogleich, von der anderen Seite durchzubrechen.

Alle atmeten schwer. Helena hatte einen Streifschuss am Oberschenkel davongetragen. Sie humpelte leicht und verzog vor Schmerz das Gesicht. Jill band ihr auf Alex´ Anraten ein Halstuch um ihr Bein, damit die Blutung gestoppt wurde.

„Wir haben keine Chance! Die haben uns eingekesselt!", sagte Jill.

Die Tür splitterte und ein mutierter J´avo streckte seinen Arm hindurch. Ada schoss. Das Monster schrie auf und zog sich zurück. „Ich würde sagen, wir sitzen in der Falle."

Sie wirbelten herum, als die Tür auf der anderen Seite plötzlich aufgebrochen wurde. Sie hatten ihre Finger am Abzug und waren bereit zum Schuss, als sie erkannten, dass es Jake war, der versuchte, zu ihnen durchzudringen.

„Hier lang!", rief er und winkte sie zu sich.

Sie eilten Jake nach, bis sie in das große Labor kamen, das er und sein Vater zuvor entdeckt hatten. Sie verschlossen die Tür hinter sich und schoben einen Tisch davor.

„Seid ihr in Ordnung?", fragte Chris sogleich.

„Ja."

„Wie seid ihr hier runter gekommen?"

„Durch die Luftschächte und den Wartungstunnel", erklärte Albert.

„Was ist das hier?", fragte Alex sofort mit Blick auf Uroborus. Die schwarzen Tentakeln schwebten mit sanfter Bewegung in der Flüssigkeit.

„Uninteressant", sagte Albert sofort. „Wir müssen da rauf!" Er deutete auf die Treppe. „Wir müssen uns beeilen!"

Angeführt von Vater und Sohn eilte die Gruppe nach oben durch die Tür. Sie befanden sich in einer Art Kontrollraum. Durch eine Scheibe konnten sie nach unten in einen runden Käfig sehen, in dem…

„Oh nein", meinte Jill. „Nicht schon wieder eines dieser Viecher!"

Das große Reptil lag erschöpft am Boden. Es hatte die Augen leicht geöffnet und atmete unregelmäßig. Seine Flanken hoben und senkten sich mit jedem Atemzug. Albert trat an die Scheibe und sah nachdenklich hinunter. Durch den D- Virus in seinem Körper fühlte er immer noch enge Verbindung mit den B.O.W.s und er empfang beinahe Mitleid mit dem Geschöpf. Er wusste, dass das Weibchen Schmerzen hatte und man sie gequält hatte. Er würde denjenigen zur Rechenschaft ziehen.

„Man hat sie mit Elektroschocks traktiert", bemerkte Ada mit Hinweis auf die Konsole.

„Kommt mal hierher!", riefen plötzlich Claire und Alex, die durch einen kurzen Gang zu einer Sicherheitstür gelangt waren.

„Das ist der Raum", sagte Alex. „In diesen wird die Energie geleitet. Da muss irgendetwas drin sein, was uns helfen könnte! Albert!"

Die beiden Wesker positionierten sich vor der Tür und nickten sich zu, dann traten sie mit voller Wucht zu. Sie schafften es, eine deutliche Delle in die Tür zu schlagen. Zwei weitere Tritte konnten die Tür aus ihrer Fassung heben. Sie fiel verbeult nach innen. Mit ihren Waffen im Anschlag betraten sie das Labor.

Alex erstarrte sofort und ließ seine Waffe sinken. „Albert… Sieh dir das mal an!"

Die beiden Wesker untersuchten die Tanks mit dem Symbol für biologische Gefahr. Alex wandte sich dem Computer zu. „Albert, das sind…"

„Ja. Hast du gezählt? Es sind 24, für jede Anlage in Afrika einen."

„Ist da der neue Virus drin?", fragte Jill alarmiert.

„Ja. Er wird darin in Lösung gehalten bei einer konstanten Temperatur. Deshalb wird so viel Strom hierher geleitet. Die Viren müssen stabil gehalten werden", erklärte Alex, während er versuchte, sich in das Programm einzuhacken. „Ach, verdammt!", fluchte er ungeduldig. „Spencer ist der Einzige, der den Computer bedienen darf. Man braucht seine Stimme dazu."

„Können wir die Dinger nicht einfach ausleeren?", fragte Jake.

„Nein, wir müssen die Viren vernichten", sagte Albert und schüttelte den Kopf. „Ada, Helena, Jake und ich haben vorhin in der technischen Abteilung einen Raum mit Chemikalien gesehen. Geht dorthin und holt alles, was ihr an giftigem Zeug finden könnt. Wir werden die Flüssigkeit verunreinigen. Aber seid vorsichtig, da draußen wird es nur so von Soldaten und J´avos wimmeln."

„OK."

„Ich gehe mit", sagte Piers entschlossen.

Die beiden Frauen und der junge Soldat eilten nach draußen. Alex stieg auf eine kleine Leiter, öffnete eine Luke an einem der Tanks und sah hinein. Die Flüssigkeit wurde in langsamer Bewegung gehalten. Alex nahm mit einem Röhrchen eine Probe, stieg von der Leiter und untersuchte sie unter einem Mikroskop, das neben dem Computer stand.

„Das ist der Virus, kein Zweifel."

Sie fuhren zusammen, als von draußen Schüsse ertönten. Augenblicklich eilten sie mit gezogenen Pistolen zurück in die Halle. Ada, Piers und Helena waren nicht weit gekommen. Sie standen einer mindestens zwanzig Mann starken Gruppe Soldaten gegenüber. Dazwischen…

„Simmons!"

„Spencer!"

Elliot lachte leise auf. „Willkommen, meine Freude. Ich hatte euch schon erwartet. Habt ihr wirklich geglaubt, ich lasse euch ein zweites Mal gewähren? Wie ich sehe, habt ihr die Tanks gefunden. Alle Achtung. Aber eure Reise wird hier leider zu Ende sein."

„Wir sitzen in der Falle!", raunte Sheva den anderen zu. „Was sollen wir tun?"

„Bislang war ich etwas nachsichtig mit euch, aber das wird sich jetzt ändern", sagte Elliot.

Die Soldaten machten sich schussbereit.

„Tötet sie!", befahl Simmons gelassen und siegessicher.

Chris, Jill und die anderen warfen sich zur Seite, als ein Kugelhagel auf sie niederregnete. Panik überkam Chris. Sie waren ausgeliefert und hatten keine Möglichkeit in Deckung zu gehen. Seine Gedanken rasten. Er wollte gerade das Feuer eröffnen, als Spencer das Feuer einstellen ließ.

„Was zum…?!", fragte Simmons entgeistert. „Was soll das? Wir haben doch endlich die Gelegenheit…"

„In der Tat Simmons", sagte Spencer amüsiert, dann flog etwas blitzschnell durch die Luft.

Die Soldaten wichen vor Simmons zurück. Chris musste zweimal hinsehen, um zu erkennen, was gerade passiert war. Patrick Simmons verzerrte das Gesicht und knurrte verärgert.

„Was… soll das?!", presste er mit zusammengebissenen Zähnen hervor.

„Nun, Simmons, jetzt ist endlich Ihr großer Auftritt gekommen", sagte Elliot feierlich, als kündige er einen Star auf der Bühne an. „Endlich können Sie beweisen, was in Ihnen steckt und dass Sie besser sind als Ihr Bruder. Grüßen Sie ihn von mir." Spencer lachte.

Simmons zog mit zittrigen Fingern die Spritze aus seinem Hals. Er sah Elliot verwirrt und ungläubig an.

„Wieso…?", fragte er.

Elliot sah mit Verachtung auf Simmons herab. „Du bist ein Nichts, Simmons. Du warst nur Mittel zum Zweck. Und jetzt hast du endlich die Chance, deinen Zweck zu erfüllen."

Simmons´ Gesicht verzerrte sich vor Schmerz und er sank auf die Knie. Von der Einstichstelle breitete sich ein schwarzes Netz durch seine Blutgefäße in seinen Körper aus. Er schrie auf. Chris begriff sofort. Elliot hatte Simmons eine Spritze mit einem Virus in den Hals gerammt. Die Mutation begann in Sekundenschnelle fortzuschreiten.

Alle zogen ihre Pistolen und wichen vor dem sich am Boden windenden Mann zurück. Simmons krampfte sich vor Schmerz.

„Spen…cer!", rief er. Seine Stimme verzerrte sich seltsam metallisch. Seine Muskeln verdickten sich und er riss sich seine Kleidung vom Oberkörper. Der Virus verwandelte Simmons´ Körper und schien ihn in seine einzelnen Strukturen zu zerlegen, als bestünde er aus einzelnen, zusammengesetzten Teilen. Seine Knochen verformten sich und er schoss in die Höhe. Er brüllte vor Wut und Schmerz auf.

Er transformierte sich in ein vierbeiniges, dinosaurierähnliches Tier mit einem gepanzerten Außenskelett. Aus seinem Rücken schossen zwei Scherenarme, die sich sofort zwei der Soldaten griffen und sie durch den Raum schleuderten. Die anderen schossen, doch Simmons fegte sie mit Leichtigkeit zur Seite. Elliot stand in einiger Entfernung nahe der Tür und sah belustigt auf das Schauspiel.

Zwischen den kräftigen Schultern des Monsters formte sich ein kurzer Hals und ein Kopf, der entfernt Simmons Gesichtszüge trug. Auf seiner Brust zwischen den dicken Vorderbeinen leuchtete ein oranger Augapfel.

„Also dann, erweisen Sie sich als nützlich, Simmons!", spöttelte Elliot.

Das Monster preschte nach vorne auf die Chris und die anderen zu. Sie sprangen instinktiv zur Seite und wichen dem Angriff aus.

„Habe ich doch schon mal gesehen. Denen fällt nichts Neues ein", bemerkte Ada gelassen sarkastisch und feuerte.

Die Schüsse aus ihren Waffen konnten nichts ausrichten. Das Exoskelett wehrte ihre Kugeln ab. Simmons lachte höhnisch, als er sie alle zur Seite gestoßen hatte.

Die beiden Wesker schossen nach vorne, packten die Scherenarme auf Simmons Rücken und warfen ihn zur Seite um.

„Schießt!"

Helena reagierte sofort. Sie zielte auf das orange Herz und traf. Simmons tobte vor Wut. Er packte Alex und Albert und schleuderte sie gegen die Wand. Mit Schwung richtete er sich wieder auf, um nur gleich darauf einzuknicken. Plötzlich verwandelte er sich zurück in einen Menschen. Er sank auf dem Boden zusammen. Sie ergriffen die Chance und eröffneten das Feuer auf den Mann.

Seine Haut, die durch die Mutation widerstandsfähig geworden war, wehrte die meisten Kugeln ab. Er geriet lediglich ins Taumeln, richtete sich aber bald wieder auf und verwandelte sich erneut. Er öffnete seine Scherenarme und schoss mit scharfen Splittern auf sie. Chris, Jill, Sheva, Piers, Ada, Claire und Jake wurden getroffen. Ihre Kleidung wurde überall, wo die spitzen Geschosse sie streiften, zerrissen. Sie trugen blutige Schrammen davon und die Wucht riss sie nach hinten von den Füßen. Nur Alex und Albert reagierten schnell genug und wichen aus. Sie rollten sich zur Seite weg und eröffneten von der Seite das Feuer auf Simmons. Sie trafen die Enden der Scherenarme und sie zogen sich ein Stück zurück. Simmons wurde nur wütender. Trotz seines massigen Körpers bewegte er sich auf seinen vier kräftigen Beinen äußerst schnell und wendig. Er stürmte auf Albert zu und warf ihn um. Er rollte über den Boden und seine Pistole schlitterte davon.

„Albert!", rief Alex.

Albert zog sein Kampfmesser, doch Simmons hatte ihn bereits gepackt und wollte ihn zerquetschen. Er spürte seine Knochen knacken. Er konnte die Arme nicht bewegen, weil Simmons ihn zu fest zusammendrückte und das Messer fiel nutzlos zu Boden. Er hatte nur die Füße frei und holte zu einem Tritt in Simmons´ Gesicht aus. In dem Moment wurde das Monster von einer Ladung Schrot getroffen und warf Albert zur Seite. Simmons wandte sich den anderen zu.

Albert rappelte sich unter Mühen hoch. Er sah für einen Moment Doppelbilder, weil er auf den Hinterkopf gefallen war. Er nahm seine Sonnenbrille ab. Auf einmal fuhr ein stechender Schmerz durch seinen Körper und er sank auf die Knie. Seine Knochen schienen in Flammen zu stehen. Es war derselbe Schmerz, den er immer vor einem weiteren Fieberschub gespürt hatte, aber diesmal war der Schmerz stärker. Und er hatte sein Herz erfasst. Er war wie gelähmt und griff sich an die Seite. Seine Hand wurde nass. Er blutete. Offenbar hatte Simmons ihn doch erwischt.

Seine Beine schienen ihm nicht mehr zu gehorchen. Sie waren schwer, wie mit Blei gefüllt und es schien, als könne er sich nur noch in Zeitlupe bewegen.

„Nein, nicht jetzt!", fluchte er.

Er sah, dass die anderen es in der Zwischenzeit geschafft hatten, Simmons in seine menschliche Form zurückzuzwingen. Einen Vorteil hatten sie dadurch nicht. Sie alle waren schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Jill und Sheva lagen regungslos am Boden und versuchten, sich mit zittrigen Gliedern hochzustemmen. Sie alle waren verletzt. Nur Jake schien sich aufrecht halten zu können. Er war nicht so stark wie die beiden Wesker, aber er hielt sich wacker. Zusammen mit Alex schlug er auf Simmons ein. Dieser ließ sich davon wenig beeindrucken. Er packte die beiden an der Kehle und warf sie zur Seite, dann transformierte er sich erneut. Tentakelartige Greifarme schossen aus seinem Körper, wickelten sich um die Leichen der toten Soldaten und zogen sie zu ihm heran. Sie wurden ebenfalls in ihre Strukturen zerlegt und in seine Mutation integriert.

Diesmal verwandelte er sich in ein zweibeiniges Wesen. Die Greifarme verlängerten sich, seine Hinterbeine wurden kräftiger und an seinen Vorderarmen wuchsen lange Klauen. Seine Wirbelsäule verlängerte sich in einen Schwanz. Das orange Auge wanderte auf seinen Rücken und wurde jetzt von dicken Panzerplatten geschützt.

Er lachte siegessicher. „Ihr armseligen Kreaturen!", verhöhnte er sie.

Er holte mit seinem Schwanz aus und fegte alle von den Füßen, die in seiner Reichweite standen. Bis auf Jake und Alex schaffte es niemand mehr, sich aufzurichten. Alle atmeten schwer und rangen nach Luft. Chris fasste sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Brustkorb. Er spürte, dass eine Rippe gebrochen war. Jill und Sheva bluteten beide, Claire konnte ihr Bein kaum noch bewegen. Helenas Arm war aufgerissen. Blut tropfte auf den Boden. Piers zog sich eines der Splittergeschosse aus der Schulter.

„Ihr könnt mich nicht besiegen!"

„Das wollen wir sehen!", entgegnete Jake laut und stürmte nach vorne. Mit einem Sprungkick traf er Simmons Gesicht. Er wurde zur Seite gerissen. Jake landete unsanft auf der Schulter. Alex schoss als einziger noch. Simmons holte mit seinen Klauen nach ihm aus. Alex wich aus und Simmons riss stattdessen ein Loch in den Steinboden.

Albert wusste, dass sie keine Chance hatten. Simmons war zu stark. Es gab nur eine Möglichkeit: Er musste die Leiter erreichen und zurück in den Kontrollraum gelangen. Alex hielt Simmons so gut es ging in Schach, während Albert sich unbemerkt, die Leiter hinaufschleppte. Seine Gliedmaßen schmerzten und er bekam nur schwer Luft. Er wusste, dass er nur wenig Zeit hatte.

Er durchquerte die Tür und stürzte zur Konsole, wo er sich abstützte und durchatmete. Ein brauchte ein paar Augenblicke Pause. Als er einen Blick hinunter in den Käfig war, sah er, dass das große Reptil aufgestanden war und unruhig hin und her schlich. Wahrscheinlich war es durch den Kampf draußen aufgeschreckt worden. Es fauchte und brüllte aufgeregt. Als es ihn oben stehen sah, hielt es inne und fixierte ihn mit seinen schwarzen Augen. Wesker untersuchte die Steuerung und fand bald den Schalter für das Tor. Er konnte gerade noch den Mechanismus aktivieren, da wurde er bereits von Elliot Spencer gepackt und durch die Glasscheibe geschleudert.

„Was glaubst du, was du hier tust?"

Er fiel einige Meter tief und krachte mit den Scherben auf den Boden in den Käfig.

Der große B.O.W. sah abwechselnd auf Wesker und auf das Tor, das sich langsam öffnete und ihm den Weg in die Freiheit ermöglichte. Wesker hustete und spuckte Blut. Er war auf den Rücken gefallen und ein brennender Schmerz, als hätte man seine Wirbelsäule durchtrennt, durchfuhr ihn. Er war wie paralysiert. Er konnte von Glück reden, dass er überlebt hatte. Seine Kräfte hatten ihn vor dem sicheren Tod bewahrt. Als er die Augen öffnete, sah er über sich das Maul des B.O.W.s. Das Weibchen beschnupperte ihn. Das Tor war fast vollständig nach oben gefahren.

„Geh raus und zahl ihm heim, was er dir angetan hatte", sagte Wesker und er war sich absolut sicher, dass das Tier ihn genau verstehen konnte.

Das Reptil reckte seinen Kopf aus dem Tor und tastete sich vorsichtig nach draußen vor. Wahrscheinlich fürchtete es, erneut mit Stromschlägen traktiert zu werden, wenn es sein Gefängnis unerlaubt verließ.

„Geh schon!", befahl Albert.

Alex wurde von Simmons durch den Raum geschleudert und landete nahe der Eingangstür zum Labor. Vom Boden aus richtete er eine Maschinenpistole auf Simmons, die er wohl von Ada genommen hatte, und entleerte den Rest des Magazins in das Monster.

Simmons wich etwas zurück und schüttelte den Kopf. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Der Virus versuchte, ihn erneut zu mutieren. Noch mehr Greifarme wuchsen aus seinem Rücken, doch sofort darauf verwandelte er sich zurück in seine menschliche Gestalt. Er verlor zunehmend die Kontrolle über sich. Er verkrampfte und sein Körper wurde hin und her gerissen. Mittlerweile hatte er einige Schusswunden davongetragen.

Als er sich wieder gefangen hatte, richtete er sich zu seiner vollen Größe auf und schritt höhnisch lachend auf Alex zu.

„Mach dich bereit für dein Ende!", sagte er, als ein erneuter Ruck durch seinen Körper ging.

Alex zielte mit seiner Pistole auf ihn, schoss aber nicht. Er ließ seine Waffe sinken.

Simmons lachte wie ein Wahnsinniger. „Gib auf, es ist zwecklos. Du kannst mich nicht töten!"

„Das hatte ich auch nicht vor", sagte Alex und grinste plötzlich. Er deutete auf etwas hinter Simmons.

Ein Schatten erschien hinter ihnen. Entgeistert blickte sich Simmons um und blickte direkt in das Gesicht des B.O.W. Das Reptil fletschte seine Zähne und fauchte wütend. Simmons´ Augen weiteten sich. Er konnte nichts mehr tun, da durchbohrte ihn der spitze Schwanz des Monsters. Sein Körper versuchte noch, sich erneut zu verwandeln, doch er konnte sich nur noch in seine einzelnen Strukturen zerteilen, da vergrub der B.O.W. seine Zähne in ihm und Patrick Marius Simmons wurde in der Mitte auseinandergerissen.

Das Reptil machte sich über das Fleisch her, während Alex, Albert, Chris und die anderen zusammentrafen.

„Bist du OK?", fragte Alex Albert, der sich die Seite halten musste. Von den Scherben hatte er überall Schnitte und blutete. Er konnte nicht mehr richtig aufrecht laufen, weil sein Rücken schmerzte und seine Hüfte geprellt war. Claire humpelte und wurde von Ada gestützt. Helena versuchte, den Blutfluss an ihrem Arm zu stoppen. Jill und Sheva halfen sich gegenseitig auf. Jake hatte einen tiefen Kratzer auf der Brust. Piers stützte sich an der Wand ab.

„Habt ihr noch Munition?", fragte Chris in die Runde. „Ich habe noch genau fünf Kugeln."

Die meisten verneinten. „Ich habe noch ein halbes Magazin voll", sagte Albert.

„Chris, wir müssen hier raus", sagte Jill flehend. „Wir müssen den Einsatz abbrechen! Die Mission ist gescheitert."

„Ihr werdet nirgendwo hingehen", sagte Elliot Spencer. Sie wirbelten herum.

Elliot kam langsam die Treppe herunter und zum ersten Mal lag Ärger auf seinem Gesicht.

„Tja, ich würde sagen Elliot, dein Plan ist nicht ganz aufgegangen", sagte Albert ruhig. „Simmons ist und bleibt ein Versager. Mit den eigenen Waffen geschlagen."

Elliot knurrte verächtlich. „Bislang wart ihr nur ein störendes Übel, das sich immer und überall eingemischt hat. Ich muss zugeben, ich habe einen Fehler begangen. Ich habe eure Frechheiten zulange zugelassen. Aber meine Freundlichkeit und Großzügigkeit hat jetzt endgültig ein Ende erreicht. Ich werde keine Milde, keine Gnade mehr walten lassen."

Er brauchte nur einen Sekundenbruchteil, bis er den B.O.W. erreichte hatte, der sich immer noch an Simmons Überresten gütlich tat, und ihm mit einem gezielten Schlag die empfindlichen Wirbel im Genick durchtrennt hatte. Das Tier fiel leblos zu Boden.

Er hob seine beide Arme und transformierte sie in Uroborus und Piers´ Mutation. Die schwarzen Tentakeln formten sich zur einer Schlange und fauchten. Er setzte zum Sprung an. Er schoss durch die Luft und stand augenblicklich dicht vor ihnen.

„Achtung!", rief Chris. Sie stoben auseinander und konnten nur knapp dem Parasit entgehen. Uroborus schlug in den Boden ein, wo sie nur einen Sekundenbruchteil vorher gestanden hatten, und hinterließ ein tiefes Loch. Gesteinsbrocken flogen umher. Albert feuerte seine letzten Kugeln auf Elliot, doch dieser bewegte sich blitzschnell zur Seite und versetzte Albert einen Schlag gegen die Brust. Er wurde nach hinten geworfen und konnte nicht mehr aufstehen.

Elliot wirbelte herum und formte mit seinem anderen Arm einen Stromstoß. Der Raum wurde kurz in blaues, leuchtendes Licht getaucht. Chris, Jill, Claire, Sheva, Ada, Piers, Jake und Alex wurden nach hinten gerissen und landeten bewegungsunfähig am Boden. Ihre Muskeln verkrampften und zuckten unkontrolliert. Alex sah für einen Moment verschwommen. Er war der einzige, der sich nach diesem vernichtenden Schlag wieder aufrichten konnte. Er spürte, wie der Virus in seinem Körper auf Hochtouren arbeitete, um seine Verletzungen zu heilen. Sein Herz raste und das Adrenalin rauschte durch seinen Körper. Als er den Kopf zur Seite drehte, sah er, dass er direkt vor dem Tank gelandet war, in dem Uroborus in der Flüssigkeit ruhte.

Elliot lachte wahnsinnig. „Ihr seid Schwächlinge. Ich werde euch zeigen, wo ihr hingehört. Macht euch bereit zu sterben!"

Albert bekam kaum Luft, als er sich mit letzter Kraft hochstemmte. Elliot hatte ihm den Rücken zugedreht und schritt auf Helena zu, die ihm am nächsten war. Sie versuchte, von ihm wegzukriechen, aber ihre Arme zitterten so stark, dass sie zusammenbrach.

„Du bist die Erste, die dran glauben wird", sagte Elliot. Sein Arm formte einen weiteren Stromstoß und er war kurz davor, Helena den Todesstoß zu versetzen. Er hielt inne, als er aus dem Augenwinkel einen Schatten auf sich zukommen sah. Er schoss herum und versetzte Albert Wesker mit Uroborus einen Schlag in die Seite. Er heulte vor Schmerz auf und fiel erneut zu Boden. Er schlitterte einige Meter über den Stein und kam unweit von Alex zum Stillstand. Diesmal konnte er nicht mehr aufstehen. Er war geschlagen.

In diesem Moment stürmte eine weitere Gruppe von Soldaten den Raum.

„Master Spencer!", riefen sie.

Alex stemmte sich auf alle viere.

„Alex…", hörte er aus weiter Ferne. Jemand schleppte sich langsam in seine Richtung.

Eine bittere Erkenntnis traf Alex wie ein schwerer Schlag in den Magen. Elliot hatte gewonnen. Sie konnten ihn niemals im Kampf besiegen. Sie hatten verloren und konnten seinen Plan nicht verhindern. Nicht einmal Albert und er hatten eine Chance. Ihre Kräfte reichten nicht aus. Wenn sie jetzt ihr Ende fanden, dann war alles aus. Dann wäre die Welt dem Untergang geweiht. All ihre Mühen der letzten Monate wären umsonst gewesen. Solange hatten sie gekämpft, doch es war aussichtslos.

Faith…

Alex ballte seine Hände zu Fäusten. Seine Tochter. Er wandte den Kopf zur Seite und sah auf Uroborus. Die Tentakeln wanden sich im Tank hin und her und es schien, als spürten sie, was um sie herum vorging. Der Progenitor- Virus war zu schwach, um gegen Elliots gewaltige Kräfte etwas ausrichten zu können. Sie brauchten mehr Kraft, um Elliot zu vernichten. Er wusste, was er zu tun hatte.

Albert sah Alex´ Gesicht, sah die Entschlossenheit, die darin lag und augenblicklich wusste er, was Alex vorhatte. Er durfte es nicht zulassen. Mit neugewonnener Kraft stemmte er sich auf die Knie. Er musste Alex erreichen, ehe es zu spät war. Nur ein paar Meter trennten sie voneinander.

„Alex! Nein! Tu es nicht!", rief Albert schwach.

Doch Alex hörte nicht. Er ignorierte Alberts Rufe. Er stemmte sich an der Konsole hoch und stellte sich aufrecht vor den gläsernen Tank. Uroborus im Inneren wand sich hin und her, als spüre es den neuen, willigen Wirt, der vor ihm stand.

„Nein, Alex!", rief Claire und humpelte auf ihn zu.

Alex zog sein schwarzes Oberteil aus und ließ es zu Boden fallen. Er riss das kleine Gerät, das er immer am Arm trug ab und warf es weg. Claire hob beides auf und rüttelte ihn an der Schulter. „Alex! Was hast du vor?! Tu das nicht!"

„Tut mir Leid, Claire", sagte Alex entschieden, dann stieß er Claire mit einem kräftigen Schlag zur Seite. Claire geriet ins Straucheln und fiel zu Boden.

„Alex, nein!"

„Es ist die einzige Möglichkeit, Elliot zu vernichten. Ich tue das für dich, Albert, und für meine Familie. Für dich, Faith."

Alex stieß mit der Faust durch das Glas in den Wassertank. Er verzerrte das Gesicht vor Schmerzen, als sich das zersprungene Glas in seinen Arm schnitt. Das Wasser verfärbte sich augenblicklich rot von seinem Blut.

Der Parasit reagierte sofort und schlang sich um Alex´ Arm. Er taumelte zurück. Etwas dickes, schwarzes kroch seinen Arm nach oben und wurde größer.

„Alex!"

Albert rappelte sich hoch und ignorierte das Pochen in seinen Schläfen und den Schwindel. Er eilte taumelnd zu Alex. Er packte ihn an den Schultern und versuchte ihn dazu zubringen, ihn anzusehen. „Alex, sieh mich an! Sieh mich an!"

Alex hatte Schmerzen. Uroborus begann, seinen Körper einzuwickeln. „Alex! Wehr dich dagegen! Lass es nicht zu!"

Alex öffnete für einen kurzen Moment die Augen und ihre Blicke kreuzten sich. „Tut mir Leid", raunte er leise, dann entfuhr ihm ein Schmerzensschrei. Albert wich von ihm zurück. Uroborus hatte Alex´ Körper fast vollständig umschlossen. Die Tentakeln wanden sich hin und her und zogen sich immer enger um Alex zusammen. Irgendwann sank er auf die Knie und war nicht mehr zu sehen.

„Nein, Alex!", rief Claire verzweifelt.

Elliot Spencer lachte höhnisch. „Du Narr, du weißt nicht, was du getan hast."

„Wir müssen ihn da rausholen!", meinte Chris. Er und der Rest der Gruppe eilten zu Claire und Albert. „Wir müssen irgendetwas tun!"

„Wir können nichts mehr tun", sagte Albert. „Es ist zu spät!"

Die schwarze Substanz um Alex´ Körper begann langsam auszuhärten. Sie sahen wie Alex seinen Arm nach ihnen ausstreckte. Nach wenigen Augenblicken hatte sich eine schwarze Kruste um ihn herum ausgebildet. Er war in einer Art Kokon gefangen.

Claire näherte sich vorsichtig. „Alex? Hörst du mich?!", fragte sie ängstlich und tastete das schwarze Gebilde ab.

Plötzlich war ein Knacken zu hören. Die Hülle begann an der Oberseite aufzubrechen. Erschrocken wich Claire ein paar Schritte zurück. „Alex?"

Eine Blase, fast wie ein Dottersack, erhob sich aus dem schwarzen Gebilde.

„Was zum Teufel…?", murmelte Chris. Alle, bis auf Albert und Claire, zogen sicherheitshalber ihre Pistolen.

Irgendetwas bewegte sich im Inneren des Kokons. Sie fuhren zusammen, als die schleimige Masse zerplatzte und Alex bewusstlos zur Seite kippte. Er war mit einer durchsichtigen, zähen Flüssigkeit überzogen. Seine Haut hatte eine dunkle, graue Farbe angenommen.

„Alex!" Claire eilte sofort zu ihm und wollte sehen, was mit ihm war. Sie nahm sein Gesicht in ihre Hände und redete auf ihn ein. „Alex, bitte wach auf!", flehte sie.

Alex´ Körper zuckte kurz und er hustete. Er musste sich zur Seite drehen und würgte durchsichtigen Schleim aus.

„Alex? Alles OK?", fragte Claire.

Alex rollte sich auf den Bauch und stemmte sich mit den Armen hoch. Er atmete schwer.

„Alex?" Claire streckte ihre Hand nach seiner Schulter aus, um ihn zu berühren.

„Claire, geh weg von ihm", sagte die Stimme von Albert Wesker hinter ihr. Entgeistert sah sie hinter sich. „Wieso…?"

Plötzlich ergriff etwas ihren Hals und drückte zu. Claire rang nach Luft.

„Claire!", rief Chris.

Ihr Hals wurde so stark zugedrückt, dass sie kein Wort sagen konnte. Sie starrte Alex an, dessen Hand ihr die Luftröhre abdrückte. Er hob sie hoch, sodass ihre Beine in der Luft baumelten und sie den Halt verlor. Er hatte die Augen geschlossen.

„Alex!"

Auf Alberts Warnung hin, öffnete Alex die Augen. Claire erschrak. Seine Augen waren pechschwarz. Sein Gesicht verfinsterte sich. Er war bösartig.

Claire strampelte verzweifelt, um sich zu befreien, doch sie hatte keine Chance. Er hob seinen anderen Arm, aus dem schwarze Uroborus- Tentakeln hervorbrachen, und wollte Claire durchbohren. Sie sah bereits ihrem Tod ins Auge und wartete auf den Schmerz, doch in diesem Moment wurde sie ruckartig zur Seite gerissen und landete auf dem Boden in einigen Metern Entfernung. Sie schnappte nach Luft.

Albert Wesker war dazwischen gegangen. Er rang mit Alex.

„Alex! Du musst dagegen ankämpfen!"

Alex befreite sich aus Alberts Griff und versetzte ihm einen Schlag, sodass er auf die Konsole krachte. Er wollte sich ihm gerade nähern, als ihn von hinten Schüsse in den Rücken trafen. Er fauchte vor Wut und sprang in die Luft. Chris hatte sein Magazin in ihn entleert.

„Nein, Chris!", schrie Claire sofort. „Ihr dürft nicht schießen! Das ist Alex! Ihr dürft ihn nicht verletzen!"

Alex machte in der Luft eine Schraube und auf einmal schossen aus seinem Rücken schwarze Tentakeln hervor. Sie formten sich zu netzartigen Flügeln. Er holte mit einem kräftigen Flügelschlag Schwung und landete durch den Auftrieb an der Decke.

„Alex!", rief Albert. „Du musst zu dir kommen! Lass es nicht die Kontrolle über dich gewinnen!"

Alex musterte Albert mit seinen schwarzen Augen, dann wanderte sein Blick über die anderen. Als er Elliot Spencer erblickte, brüllte er vor Wut auf und schwang sich Richtung Boden. Er glitt blitzschnell auf Spencer zu. Dieser wich rechtzeitig aus. Alex landete an der Wand und startete sofort einen neuen Angriff. Er stürzte sich auf Elliot und riss ihn zu Boden.

Mit dem spitzen Ende eines Flügels durchbohrte er seine Schulter. Elliot verwandelte seinen Arm in Piers´ Mutation und versetzte Alex einen starken Stromstoß in die Seite. Alex bäumte sich auf und ließ von Elliot ab, sodass dieser ihn von sich stoßen konnte.

Alex taumelte zurück und fasste sich mit beiden Händen an den Kopf. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Er atmete schwer und schien gegen etwas in sich zu kämpfen.

„Alex!" Albert eilte herbei und versuchte, auf Alex einzureden. „Alex, sieh mich an! Sieh mich an!"

Alex schüttelte den Kopf. Mehr schwarze Tentakeln brachen aus seinem Rücken hervor und die Flügel wurden breiter. Sein rechter Arm wurde völlig umschlossen.

„Alex! Hörst du mich?!"

Alex funkelte Albert böse an, dann stürzte er sich auf ihn. Er riss ihn um und wollte auf ihn einschlagen. Albert drehte geistesgegenwärtig seinen Kopf zur Seite, bevor Uroborus in den Boden einschlug. Schüsse waren zu hören. Spencers Soldaten eröffneten das Feuer auf Alex. Wo die Kugeln ihn trafen, trat schwarze Substanz aus den Wunden. Er ließ von Albert ab und das Netz aus Uroborus auf seinem Rücken fegte über uniformierten Männer hinweg. Sie stoben auseinander und retteten sich zur Seite, indem sie sich über den Boden abrollten. Sie schossen weiter auf Alex, der wieder an die Wand gesprungen war. Sie feuerten ununterbrochen, doch Alex bewegte sich so schnell durch den Raum, dass sie ihn nicht trafen. Er nutzte die erste Gelegenheit und stürzte sich wieder auf Spencer.

Er schleuderte Spencer quer durch den Raum und knallte ihn in die Wand. Spencers Truppen feuerten zur Verteidigung ihres Herren, doch Chris und die anderen waren zur Stelle und nahmen ihnen die Waffen ab. Alex reagierte sofort, sprang vor sie und schlug mit seinem mutierten Arm nach ihnen aus. Er warf die Soldaten mit Leichtigkeit durch den Raum, als wären sie Puppen. Sie blieben verletzt liegen. Elliot hatte sich von seinem letzten Angriff erholt und schoss nach vorne auf Alex. Er packte einen von Alex´ Flügeln und brach ihn. Alex brüllte wütend auf und taumelte in die Mitte des Raumes. Schwarze Flüssigkeit ergoss sich auf den Boden. Der Parasit reagierte augenblicklich und ersetzte den fehlenden Körperteil, doch die Mutation verlief zunehmend unkontrollierter. Alex wand sich unter Schmerzen hin und her. Er fiel nach hinten und rollte sich krampfend auf dem Boden umher.

„Alex!", flehte Claire verzweifelt. „Komm wieder zu dir!"

Uroborus wurde größer. Alex stürzte sich wieder auf Elliot und begann, ihn mit den schwarzen Tentakeln einzuwickeln. Dieser wehrte sich mit einem weiteren Stromstoß, packte Alex und warf ihn von sich. Er landete in den Wassertanks, die klirrend zerbrachen. Flüssigkeit ergoss sich über den Boden. Alex sprang erneut an die Wand und dann an die Decke, anschließend startete er einen weiteren Angriff auf Elliot.

Chris, Jill und die anderen zielten mit ihren Waffen, aber niemand wagte es, auf Alex zu schießen. Sie blickten gebannt auf das Geschehen und bemerkten nicht, dass sich zwei der Soldaten am Boden regten.

Alex setzte Elliot schwer zu. War er zuvor noch unterlegen gewesen, verlieh ihm Uroborus jetzt so viel Macht, dass er Spencer ebenbürtig war.

Elliot hatte bereits zahlreiche Schläge einstecken müssen und wurde zunehmend wütender, da er mit Alex nicht mehr so leichtes Spiel hatte wie zuvor.

„Du bist ein Narr! Du hast dein Schicksal besiegelt!", spottete er und richtete seinen mutierten Arm auf Claire.

„Alex!"

Der Wesker schoss nach vorne und drückte Elliot tief in den steinernen Boden.

Plötzlich meldete sich Chris´ Funkgerät. Er erkannte schwach die Stimme von Josh, dazwischen immer wieder Störgeräusche.

„Captain Redfield!"

„Josh, wo seid ihr? Wir brauchen Hilfe! Dringend!"

Doch Chris konnte nicht weitersprechen, denn er musste zur Seite springen. Elliot hatte Alex´ Flügel ergriffen und schlug ihn an die Wand. In dem Moment sah er es. Die noch lebenden Soldaten hatten Handgranaten gezogen und sie entsichert. Sie warfen sie auf das kämpfende Paar.

Als Elliot die Gefahr erkannte, ließ er sofort von Alex ab und zog sich zurück Richtung Tür.

„Ihr Dummköpfe!", fluchte er. „Was habt ihr getan?!" Er floh aus dem Raum. „Ihr werdet alle hier unten zugrunde gehen!", waren seine letzten Worte, die sie vernehmen konnten.

„In Deckung!", schrie Chris laut. Die Granaten schienen eine Ewigkeit in der Luft zu verharren. Sie drehten sich ein paar Mal um sich selbst, dann schlugen sie mit einem leisen `Klonk´ auf dem Boden auf.

Claire schrie. Sie spürte, wie sie von den Füßen gerissen wurde. Um sie herum brach alles zusammen. Die Explosion dröhnte in ihren Ohren. Mauerteile und Staub ergossen sich wie eine Flut über sie. Sie fiel, sie fiel ins Dunkel. Irgendetwas schlang sich um ihren Körper und sie sah für den Bruchteil einer Sekunde Alex´ Gesicht.

Aus weiter Ferne drangen die Schreie ihres Bruders zu ihr. „Claire!"

Sie schien eine Ewigkeit zu fliegen, alle Ereignisse schienen wie in Zeitlupe abzulaufen. Dann schlug sie mit voller Wucht hart auf dem Boden auf. Sie schrie vor Schmerz. Ihr gesamter Körper schien auseinandergerissen zu werden. Sie hatte Staub in den Augen und bekam keine Luft mehr. Ihre Gliedmaßen waren wie mit Blei gefüllt, sie war bewegungsunfähig. Sie hustete und schnappte nach Luft.

„Claire! CLAIRE!", rief Chris.

Claire war wie von einem Schleier umhüllt. Ihre Sinne waren vernebelt. Es dauerte, bis sich der Schleier um sie herum lichtete und die Umgebung wieder klare Formen annahm. Sie wollte ihrem Bruder antworten, aber ihre Stimme war zu schwach. Die Zeit um sie herum schien zum Stillstand gekommen zu sein. Immer noch sah sie, wie kleine Gesteinsstücke auf sie niederrieselten.

Mit gewaltiger Anstrengung rollte sich Claire herum um sich schweratmend auf alle Viere zu stemmen. „Alex…", presste sie mühevoll hervor. „Alex…"

Ein Stöhnen ertönte in ihrer unmittelbaren Nähe. Claire hob den Kopf und sah sich um. „Alex…"

Alex Weskers Körper bäumte sich auf und Uroborus versuchte erneut, zu mutieren, doch Alex´ Körper erschlaffte sofort wieder und die schwarzen Tentakeln fielen leblos zu Boden. Seine Augen nahmen wieder ihre normale Form an.

„Alex…" Claire kroch nach vorne zu Alex und fuhr mit ihren Händen über seine Brust. „Nein…", wimmerte sie und Tränen stiegen in ihre Augen. Sie fühlte das warme Blut auf ihrer Haut.

Ein dicker Eisenträger hatte Alex´ Oberkörper durchbohrt. Er musste bei ihrem Sturz in die Trümmer gefallen sein. Erst jetzt merkte Claire, dass sie nur wenige Meter von ihm entfernt gelandet war. Sie hätte jetzt an seiner Stelle sein können.

„Alex, hörst du mich?", sagte sie mit zittriger Stimme.

Er war bei Bewusstsein und einige Uroborus- Tentakeln bewegten sich noch. Er wandte den Kopf zu ihr und sah sie an.

„Du musst durchhalten", sagte Claire hilflos und fuhr mit zittrigen Fingern über die klaffende Wunde in seinem Bauch, aus der unablässig Blut strömte. Eine schwarze, schmierige Substanz mischte sich darunter. Der Parasit schien sich auszulösen und abzusterben.

„Claire…"

„Was ist passiert, Alex?", fragte Claire, zu erschüttert von der Situation, um einen klaren Gedanken fassen zu können. „Wie ist das…?!"

Claire konnte nicht weitersprechen. Ein dicker Kloß hatte sich in ihrem Hals gebildet. Sie schluchzte.

„Claire…", sagte Alex leise. „Ich… habe versagt. Ich habe… es nicht geschafft."

„Alex…"

„Ich… habe es nicht… geschafft, Faith zu beschützen. Ich… habe… alles falsch gemacht. Ich bin schuld."

„Nein, Alex", sagte Claire und schüttelte vehement den Kopf. „Du bist an nichts schuld", versuchte sie ihm klarzumachen.

„Es ist… vorbei", sagte Alex.

„Nein, Alex!", protestierte Claire vehement. „Wir kriegen das wieder hin!", sagte sie entschieden. Sie konnte und wollte das nicht zulassen. „Wir beide kommen hier raus, OK? Du musst nur durchhalten, halte durch!", flehte sie und versuchte verzweifelt, die Blutung zu stoppen.

Alex hob vorsichtig seinen Arm und fuhr unter ihr Kinn. Er zwang sie, ihn anzusehen. Ihre Augen waren völlig verweint. Er konnte die Verzweiflung darin sehen und den Protest.

„Claire, hör mir zu", sagte er leise. Seine Stimme wurde schwächer. Sie schniefte. „Meine Zeit ist gekommen. Ich habe alles… alles Erdenkliche… getan, um alles wieder… gut zu machen und… Elliot aufzuhalten. Aber es ist mir nicht gelungen. Ich habe… versagt. Aber du… du darfst es nicht. Du musst… weitermachen."

Claire wollte innerlich schreien. Sie wollte ihn anschreien, dass er Unsinn sprach, dass gleich Hilfe kommen würde und sie zusammen nach Hause fliegen würden, dass alles wieder gut werden würde.

Sie schüttelte den Kopf.

„Nein, das darf nicht sein!", widersprach sie. „Das kann nicht sein! Du darfst mich nicht verlassen! Ich hab dich doch gerade erst gefunden!"

„Claire…"

„Alex… Ich… Ich liebe dich", sagte Claire und schluchzte heftig. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. Es war alles so ungerecht.

„Claire", presste Alex mühevoll hervor. „Claire, bitte… tu mir… einen Gefallen."

„Was?"

„Claire, pass bitte gut auf Faith auf."

Claire nickte. „Mach ich. Das mache ich, Alex."

Um sie herum waren Explosionen zu hören, der Boden bebte, die Wände erzittern und begannen zu bröckeln. Die Alarmstimme meldete sich erneut und kündigte die baldige Selbstzerstörung der Anlage an.

„Claire, komm! Wir müssen hier raus!", rief ihr Bruder aus weiter Ferne. Claires spürte, wie sie an der Hand genommen und hochgerissen wurde. Sie ließ es geschehen. Ihr Körper wurde von Taubheit erfasst. Sie sah auf Alex wie er sich immer weiter von ihr entfernte. Steine fielen herab und versperrten ihr die Sicht. Sie streckte eine Hand nach ihm aus.

„Alex!", schrie sie, dann versank alles in Dunkelheit.