Leon S. Kennedy 1977: RE Zero ist wirklich ein gutes Spiel. Ich mochte Billy darin sehr und fand den Charakter interessant, deshalb hab ich ihn noch eingebaut. :) Irgendwann muss leider jede FF mal zu Ende gehen. Natürlich nicht ohne ein spektakuläres Finale! :)

Alexa- Wesker: Ich kenne das Problem mit den gleichen Ideen auch. Aber es ist halt so, dass wenn man sich sehr an die Spiele als Vorlage hält, man unweigerlich auch auf dieselben Ideen kommt. Meine FFs enthalten auch mal Dinge, die auch schon andere verarbeitet haben. Ja, irgendwann muss die FF mal zu Ende gehen, aber natürlich bleibt es bis zum Ende spannend. :) Rebecca/Billy finde ich auch ein interessantes Pairing, mal sehen, ob sich da noch was ergibt. :)


„Wenn wir hier raus sind, funke ich sofort Hunnigan an", sagte Leon und hielt sein Handy über seinen Kopf. Er hatte im Kellergeschoss keinen Empfang.

Während sich Jake um die entkräftete Sherry kümmerte, nutzte Wesker die Gelegenheit, sich im Labor umzusehen. In einer verschlossenen Kiste- sie war schnell mit einem Metallwerkzeug aufgebrochen- fand er zwei Spritzen und mehrere leere Vertiefungen, wo zuvor Spritzen gelegen hatten. Er identifizierte den Inhalt schnell als eine hochkonzentrierte Lösung, die das Hormon des Mädchens enthielt. Alex, er und Rebecca hatten Recht gehabt. Elliot hatte die Substanz also tatsächlich genutzt, um Kontrolle über die Viren in seinem Körper zu erhalten. Er wusste nicht, ob es anderswo noch mehr Vorräte davon gab, aber er bezweifelte es stark, was bedeutete, dass Elliot das Mädchen möglichst schnell zurückholen musste, um für Nachschub zu sorgen.

Er legte die Sachen beiseite, als eine Welle von Schmerz durch seinen Körper fuhr. Es war, als stünden seine Eingeweide in Flammen. Er wusste, dass sein Virus dabei war, einen neuerlichen Krankheitsschub auszulösen und er verfluchte seinen Körper. Warum ausgerechnet jetzt?

„Was machen wir mit Faith?", fragte Claire. Sie war aufgebracht und durcheinander. Sie wollte Alex´ letzten Wunsch unbedingt erfüllen. Die Aussicht, seine Tochter jetzt zurückzulassen, nachdem sie nach Monaten endlich gefunden worden war, war für sie unerträglich.

„Wir werden sie hier rausholen, ich verspreche es dir", sagte Chris. „Aber wir haben jetzt keine Zeit. Wir bringen Sherry hier weg und kommen noch mal wieder, OK?"

Sie stimmte widerwillig zu.

Wesker nahm die Bewegungen um ihn herum kaum wahr. Er spürte wie sein Fieber stärker wurde und die Müdigkeit ihn überkam. Er hielt sich mit Mühe aufrecht. Helena stützte ihn und half ihm, die Treppen hinaufzusteigen. Jake trug Sherry, bei der Hälfte der Treppe nahm Chris sie ihm ab. Die anderen hielten ihre Waffen bereit, während sie vorsichtig nach oben stiegen. Chris bedachte Wesker mit einem seltsamen Blick, als ahne er, was in ihm vorging. Er sagte jedoch nichts.

Weskers Herz raste, genau wie seine Gedanken. Sie waren oben in der Halle angekommen und waren im Begriff, das Anwesen zu verlassen.

„Rebecca!", ertönte eine Stimme aus ihrem Funkgerät. Es war Coen. „Ihr müsste euch beeilen. Ihr müsst da raus."

„Danke. Roger und Over. Gehen wir!"

Sie eilten den Weg zurück, den sie gekommen waren, um nicht zu riskieren, draußen von den Soldaten erwischt zu werden.

„Geht's?", fragte Helena im Flüsterton, während sie neben ihm ging und ihn stützte.

Wesker traf binnen Sekundenbruchteilen eine Entscheidung. Er blieb stehen und löste sich von ihr.

„Was ist los?", fragte sie entsetzt. Auch den anderen fiel auf, dass Wesker zurückgefallen war. Sie blieben stehen.

„Ich werde hier bleiben", sagte Wesker entschieden.

„Bist du verrückt?!", fragte Helena entsetzt.

„Wesker dafür haben wir keine Zeit!", sagte Chris ungeduldig. Seine Miene verfinsterte sich, weil sie aufgehalten wurden, obwohl die Zeit so sehr drängte.

„Dad, was soll das?!", fragte Jake kopfschüttelnd. „Du wirst mitkommen!"

„Nein, das werde ich nicht", widersprach Wesker ruhig. Er hatte die Reaktion erwartet, aber er kümmert sich nicht darum.

„Wieso?! Nein, das lasse ich nicht zu!", protestierte Helena vehement.

„Vater, nein!" Jake baute sich vor ihm auf. „Wir haben keine Zeit für so einen Bullshit! Du wirst jetzt mit uns mitkommen! Ich werde dich nicht hier lassen!"

„Warum willst du hier bleiben?!", wollte Jill ungläubig wissen. „Wenn Elliot kommt, dann… Das ist doch falsches Heldentum!"

„Wir verschwenden nur kostbare Zeit!", drängte Leon wütend. „Sherry braucht Hilfe!"

„Geht", sagte Wesker. „Ich werde hierbleiben."

„Nein! Zu welchem Zweck?!"

„Das ist das Haus, in dem ich aufgewachsen bin", erklärte Wesker sachlich. „Ich möchte es mir ansehen."

„Bist du… komplett bescheuert?!" Jake war außer sich. „Ich werde dich nicht hier zurück lassen, Vater!"

„Für Nostalgie oder Sentimentalitäten haben wir keine Zeit!", mahnte Chris mit zusammengepressten Zähnen. Er war so wütend über Weskers Dummheit, dass seine Stimme zitterte.

„Jake, Sherry braucht dich jetzt. Ich kann… nicht mit euch gehen. Geht! Die Zeit drängt!"

„Dann lass mich mit dir hier bleiben!", sagte Helena, doch Wesker wiegelte ab.

„Nein, das ist allein meine Sache. Du gehst. Ihr alle geht."

Chris´ und Weskers Blick trafen sich. Auch wenn Weskers Augen wie üblich hinter seiner Sonnenbrille verborgen lagen, konnte Chris den Ausdruck darin gut deuten. Es war ein flehender Blick, den er noch nie bei Wesker gesehen hatte. Sein früherer Captain und Erzfeind meinte ernst, was er sagte. Auch wenn Chris sein Vorhaben als blanken Wahnsinn einstufte, wusste er, dass Wesker seine Gründe dafür hatte. Ob sie nun rational waren oder nicht. Außerdem kannte er Wesker zu gut. Es wäre sinnlos gewesen ihn von irgendetwas abzuhalten, was er sich in den Kopf gesetzt hatte.

„Gehen wir."

„Chris, das kann doch nicht…", versuchte Jill einzuwerfen, aber ihr Verlobter schüttelte nur den Kopf. Mit einem letzten Blick auf Wesker ging er voraus. Die anderen folgten ihm widerwillig. Niemand hatte Verständnis oder konnte Weskers Entscheidung nachvollziehen, doch ihnen blieb keine Wahl. Helena und Jake waren die letzten, die noch da waren.

„Albert, nein…"

„Dad, du wirst jetzt mitgehen. Ich werde dich nicht diesem Elliot Spencer überlassen…"

„Jake, ich weiß, was ich tue. Ich bitte dich, mir zu vertrauen", sagte Wesker. „Sherry braucht dich jetzt. Ich komme allein zurecht."

„Was hast du denn vor?", fragte Helena völlig außer sich.

„Vielleicht kann ich Elliot irgendwie aufhalten, wir werden sehen."

Helena trat stürmisch auf ihn zu und umarmte ihn. Sie küsste ihn auf den Mund. Dann eilte sie den anderen nach. Jake wollte sich nicht von der Stelle rühren.

„Ich habe Mum verloren und ich…"

„Jake, geh, schnell!", drängte Wesker. „Sherry braucht dich jetzt."

Es widerstrebte Jake zutiefst, aber schließlich siegte seine Sorge um Sherry und er schloss sich dem Rest der Gruppe an.


Wesker kehrte in die Eingangshalle zurück. Totenstille lag über dem Anwesen. Er atmete tief ein und aus. Es fiel ihm zunehmend schwerer, sich aufrecht zu halten. Er musste kämpfen. Er musste durchhalten. Er wusste, dass er nur wenig Zeit hatte.

Er ging zur Tür auf der linken Seite der Halle, von der er wusste, dass sie in einen Salon führte. Als er die Flügeltür aufstieß und sein Blick durch den Raum glitt, tauchten Erinnerungen vor seinem geistigen Auge auf.

Ein großer Konzertflügel stand nahe einer breiten Fensterfront. Spencer hatte darauf oft gespielt und er und Alex hatten dabei heimlich zu gesehen. So hatte er die ersten Griffe auf dem Klavier gelernt. Vorsichtig näherte er sich dem Instrument und drückte ein paar Tasten. Der Flügel klang genauso wie er ihn in Erinnerung hatte. Jemand, vielleicht ja Elliot selbst, musste ihn eingestimmt haben.

Sein weiterer Weg führte ihn über eine Treppe in den ersten Stock und er fand sich in einem langen Flur wieder. Offenbar war dieser Teil des Hauses bislang nicht genutzt worden, denn überall lag eine dicke Staubschicht. Der Teppich am Boden und die schweren Vorhänge vor den Fenstern waren schmutzig und es roch muffig, als wäre Feuchtigkeit ins Haus gekrochen. In den Ecken hatte sich Schimmel hinter der Tapete gebildet. Zu Weskers Rechten war eine Reihe von Türen, hinter denen kleine Schlafzimmer lagen. Bei den letzten beiden Räumen am Ende des Ganges hielt er inne.

Die Farbe an den Türen war teils abgesplittert, an einer war das Schloss kaputt. Wesker zögerte. Er befand sich genau an der Stelle, an der er vor mehreren Jahrzehnten Alex ohnmächtig gefunden hatte. Er stand vor ihren alten Zimmern.

Vorsichtig stieß er die Tür zu Alex´ Zimmer auf und trat über die Schwelle. Sein Magen zog sich unangenehm zusammen. Alles war noch genau wie damals. Das Bett, der Schreibtisch, der Schrank standen alle an derselben Stelle wie in ihrer Kindheit. Er konnte nicht sagen, woher er das wusste, aber er hatte es im Gefühl. Der Raum war nur spärlich beleuchtet, weil die Vorhänge zugezogen waren. Die Luft war abgestanden und stickig und alle Möbel waren von einer dicken Schicht aus Schmutz, Staub und Spinnweben überzogen. Auf dem Schreibtisch lagen sogar noch ein paar alte Papiere.

Er benutzt die Verbindungstür, um in sein Zimmer zu gelangen. Er wusste nicht, warum ihn Wehmut überkam, als sein Blick über den Raum schweifte. Er hatte keine konkrete Erinnerung an den Raum, aber er fühlte tiefe Verbundenheit und Vertrautheit, als er die Möbel und das Bett sah.

Vorsichtig schritt er zum Bett und ließ sich auf der alten Decke nieder. Mit den Fingern strich er über das weiche Material. Schmutz und Staub hatte sich über Jahrzehnte darauf abgelagert. Die Fasern der Decke fühlten sich vertraut unter seinen Fingern an und ein Gefühl, seit so langer Zeit tief verborgen in seinem Unterbewusstsein, kam wieder an die Oberfläche. Das Gefühl, ein Zuhause gehabt zu haben, zu wissen, wer er war und wo er hingehörte. Es war ein Gefühl aus einer Zeit, als er noch ein unschuldiges Kind gewesen war.

Er erhob sich und ging zum Schreibtisch. Ein paar alte Bücher über Biologie lagen dort. Als er sie durchblätterte, musste er schmunzeln. Die Seiten waren vergilbt und die Inhalte zum Teil veraltet und unvollständig. Die Auflage war von 1961. Wahrscheinlich war er vor sehr vielen Jahrzehnten hier an diesem Tisch gesessen und hatte gelesen.

Er durchsuchte die Schubladen. Die meisten waren leer, nur in einer fand er ein paar Papiere, die aus einem Schreibblock herausgerissen worden waren. Er verspürte einen Stich ins Herz, als er die Schrift als seine eigene erkannte. Das Datum stammte aus dem Jahr 1965. Er hatte auf kindliche Weise über sein neues Zuhause geschrieben.

Für einen kurzen Moment wollte er das Blatt einstecken und mitnehmen, doch er besann sich. Er wollte mit dieser Vergangenheit nichts mehr zu tun haben.

Wesker verließ sein Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Als die Tür knarzend ins Schloss fiel, empfand er es als Abschluss. Es war eine Tür, die nie wieder aufgestoßen werden würde.

Er ging nicht zurück in den Salon, sondern schlug einen anderen Weg in die große Eingangshalle ein. Er durchquerte einen Durchgang und stand jetzt auf der Galerie in der Halle. Zu seiner linken befand sich eine Flügeltür, die in eine hohe, runde Bibliothek führte. An den Wänden ringsum standen meterhohe Regale, die gefüllt waren mit allen Arten von Büchern. Die Auswahl trug Spencers Interessen Rechnung. Die meisten Bücher handelten über Wissenschaften, doch ein großer Teil war über Philosophie, Geschichte, Mythologie und Politik. Wesker konnte aus dem Stehgreif sagen, wo er welches Buch finden würde. Er vermutete, dass er und Alex als Kinder hier viel Zeit verbracht hatten. Eine Treppe führte nach oben auf eine Plattform.

Der Raum war sauber und neu hergerichtet worden. Einige Möbel waren neu. Auf einem großen Eichentisch lagen zahlreiche Bücher aufgeschlagen und Papiere, auf denen sich jemand Notizen gemacht hatte. Wesker zog sie heran und überflog das Geschriebene. Er erkannte sofort, dass es von Elliot stammte. Er hatte über Erbkrankheiten gelesen.

Im ersten Moment erschien dies einleuchtend, denn immerhin handelte sein Plan davon, mithilfe seines Virus das Genom eines Menschen so zu verändern, dass keine ungünstigen Gene mehr weitergegeben werden konnten. Als er jedoch Elliots Gedankengänge weiterverfolgte, stutzte er. Irgendetwas störte ihn. Es war ein Gedanke, der sich nicht das erste Mal in seinen Kopf schlich. Vielleicht…

Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als die Tür unten in der Eingangshalle aufgestoßen wurde. Wesker verließ die Bibliothek und trat langsam die Treppe hinunter.

Sein und Elliot Spencers Blick trafen sich.

„Albert", sagte Elliot gespielt freundlich. „Was für eine Überraschung. So allein? Wo hast du deine Freunde gelassen?"

„Ich bin allein", sagte Wesker ruhig. Langsam nahm er seine Pistole vom Gürtel und warf sie beiseite.

„Ich muss wohl nicht im Labor nachsehen, um zu wissen, was ihr getan habt", meinte Elliot ungewöhnlich gelassen.

„Wir haben Sherry", sagte Wesker. Elliot ging nicht weiter darauf ein, sondern musterte Wesker nur. Dieser hob die Hände. „Ich will nicht gegen dich kämpfen." Als er die letzten Stufen der Treppe hinunterstieg, schoss plötzlich ein stechender Schmerz durch seinen Oberkörper und krampfte unweigerlich zusammen. Nur mit Mühe konnte er sich aufrecht halten.

Elliot grinste spöttisch. „Das würde ich dir auch nicht raten, sofern du nicht einen sehr schmerzhaften Tod sterben möchtest. Du siehst nicht gut aus, Albert. Was ist denn los mit dir?"

Es war klar, dass Elliot es bemerkte. Albert war blass und der Schweiß stand ihm auf der Stirn. Es war offensichtlich, dass er krank und geschwächt war.

„Du musst äußerst mutig oder äußerst töricht sein, hierher zu kommen und dich mir in den Weg zu stellen. Was bewegt dich zu dieser… Handlung, wenn du nicht kämpfen willst?"

„Ich möchte reden", sagte Wesker.

„Reden? Das klingt so gar nicht nach dir, Albert."

„Nun ja, ich denke, dass… Wir in der Vergangenheit vielleicht zu wenig geredet haben", meinte Wesker. „Es gibt nämlich ein paar Dinge, die ich gerne von dir wissen würde."

„Nur zu. Du kannst mich alles fragen. Gegenüber jemandem, der mit einem Bein im Grab steht, will ich mal nicht so sein", sagte Elliot gehässig.

„Gut zu wissen." Wesker und Elliot standen sich jetzt gegenüber.

„Erkläre mir eines, Elliot", sagte Wesker ruhig und schritt vor Spencers Sohn langsam auf und ab. „Dein Vater und damit auch ich, weil ich unter ihm aufwuchs, wollten die Menschheit verändern, indem wir die Schwachen ausrotten. Nur die Stärksten sollten überleben. Der natürliche Lauf der Dinge, dem sich die Menschheit solange entzogen hatte, sollte wiederhergestellt werden. Eines der Gräuel, die wir damit bekämpfen wollten, war die stetig größer werdende Überbevölkerung. Unser Mittel der Wahl waren Viren. Du jedoch", er sah Elliot jetzt direkt an, „du willst genau das Gegenteil davon. Du willst, dass alle Menschen genetisch perfekt werden und damit die Natürliche Auslese entfällt. Ich habe lange darüber nachgedacht, was dich zu deinem Handeln bewogen haben mag. Ich… hatte keine Erklärung dafür, doch… als ich dieses Haus wieder betreten habe… da kam wir ein Gedanke."

Er wandte den Blick ab und verschränkte die Arme. „Als ich Spencer tötete, da war er ein… alter und kranker Mann. Sein Traum, ein Gott zu werden, sein Traum von der Unsterblichkeit, hatte sich in Luft aufgelöst. Seine Pläne waren gescheitert. Ich hielt das alles irgendwie für Zufall, habe mir nichts dabei gedacht, aber jetzt…"

Er sah nachdenklich auf den Boden, dann zu Elliot. „Spencer war krank und er sah einen Ausweg, sein Leben zu verlängern, indem er Alex auf die Suche nach der Formel zur Unsterblichkeit schickte. Viele alte Menschen sind krank, Spencer jedoch… war nicht zufällig krank."

Elliot sagte nichts, sondern starrte Wesker nur mit ausdrucklosem Gesicht an. „Es waren Spencers Gene, die ihn krank gemacht haben. Und deine Gene machen dich auch krank, habe ich Recht?"

Elliot ließ sich zu einem schwachen Lächeln hinreißen. Er schnaubte verächtlich.

„Wie lange hast du noch zu leben?"

„Lange genug. Der C- Virus und Uroborus halten mich sehr gut am Leben", sagte Elliot hart. Plötzlich lachte er. „Ja, mein Vater. Es war ja noch nicht genug, was er getan hat, nein! Zu allem Überfluss hat er mir noch ein Geschenk gemacht. Eine Geschenkbombe könnte man sagen. Ich habe seine Krankheit geerbt. Als ich es herausfand, hatte der Prozess der… Degeneration bereits eingesetzt. Ich wusste, dass ich etwas tun musste. Also entwickelte ich einen Plan. Du müsstest mich eigentlich am besten verstehen, Albert. Denn immerhin… waren deine Pläne doch ähnlich. Unser Ziel ist die Rettung der Menschheit vor ihrer Selbstvernichtung."

Wesker nickte. Er hatte also tatsächlich Recht gehabt. Er grinste.

„Die Menschheit steuert seit Jahrhunderten auf ihren Abgrund zu", sagte Elliot. „Damit meine ich nicht Kriege oder… negativen Einfluss auf die Umwelt. Nein!" Er hob die Arme zu einer theatralischen Geste, um seine Worte zu untermalen. „Es ist noch nicht einmal die Überbevölkerung, vor der alle so Angst haben. Sieh dich um! Dank intensiver Landwirtschaft können wir beinahe doppelt so viele Menschen ernähren, wie wir aktuell haben. Nicht mal die Ressourcen sind so endlich, wie man uns versprochen hat. Die Menschheit kann ihre Probleme lösen, durch Vernunft, Verstand und Technologie! Wissenschaft ist die Antwort auf die Probleme von Morgen, aber da erzähle ich dir als Biologen natürlich nichts Neues."

Elliot schritt jetzt durch den Raum.

„Als ich ein junger Student war, beschäftigte ich mich sehr viel mit… philosophischen Werken. Eines hat mich besonders beeindruckt. Ich bin mir sicher, du kennst es. Es heißt „Essay on the Principle of Population"."

Wesker nickte. Er hatte den Namen bereits gehört und kannte den Inhalt des Aufsatzes.

„Wir sind Wissenschaftler, Albert, deswegen werde ich ganz offen mit dir sprechen. Alle anderen Kleingeister, wie Christopher Redfield und der Rest dieser lachhaften Truppe, könnten meine Vision niemals verstehen. Ihre krude, gutmenschliche Moral würde ihnen im Wege stehen."

Elliot atmete tief durch. Während er vor Wesker auf und abschritt, hatte er die Arme hinter dem Rücken verschränkt.

„Der Autor wagte damals eine… provokante These aufzustellen. In seinen Augen stellte das unkontrollierte Bevölkerungswachstum der Menschen eine Bedrohung dar, die unweigerlich zur Katastrophe führen würde. Die Menschheit würde sich in ungeahnte Ausmaße vermehren, sodass irgendwann keine Ressourcen mehr zur Verfügung stehen würden, da Lebensmittel sich in ihrer Produktion natürlich nicht so einfach vervielfältigen lassen. Der einzige Schluss daraus sind Hunger, Armut und schließlich Tod, sodass sich die Zahl der Menschen auf ein gesundes Maß zurückreduziert."

Wesker musterte Elliot eindringlich und verfolgte jedes Wort genau, was er sagte.

„Ich war davon als Student sehr angetan. Ich war sehr lange Zeit ein eher pessimistischer Zeitgenosse, was die Zukunft der Welt anbelangt. Ich verfolgte die Vorkommnisse der letzten Jahre, die Virusausbrüche und bioterroristischen Anschläge mit Wohlwollen, weil ich es… für eine gute Wahl hielt, die Menschheit mit Viren zu dezimieren. Leider wurden alle Katastrophen von unseren Helden verhindert. Im Laufe der Jahre jedoch änderte ich meine Meinung."

Er blieb stehen und sah Wesker nun mit einem fast freundschaftlichen Lächeln an.

„Ich widerspreche der These von der Überbevölkerung heute vehement. Das größte Problem ist nicht, dass es viele Menschen gibt." Er machte eine kurze Pause. „Das größte Übel der Menschheit ist, dass es von den falschen zu viele gibt. Dass sich die Falschen fortpflanzen, nämlich die, die schlechte Voraussetzungen mitbringen, die das Wohlergehen der nächsten Generation gefährden." Sein Gesicht war eine steinharte Maske. Das, was er sagte, meinte er todernst.

Wesker dämmerte es langsam, worauf Elliot hinauswollte.

„Hast du gewusst, dass die meisten Schwangerschaften ungeplant sind? Du musst es ja wissen, immerhin war Jake ja auch ein… Unfall. Die Menschen vermehren sich, ohne an die Konsequenzen zu denken. Sie denken nicht darüber nach, was sie an ihre Kinder weitergeben, welche schlechten Gene. Die Konsequenzen sind verheerend, Albert! Ein Abfallen der Intelligenz, Krankheiten, Leid und Tod. Milliarden werden von dem schwarzen Loch namens Medizin und Gesundheitsfürsorge verschlungen, die irgendwie die Auswirkungen dieses Fehlverhaltens zu behandeln, abzufedern versuchen. Erfolglos natürlich, weil sie damit alles nur noch schlimmer machen! Den Menschen mit schlechtem Genom wird auch noch die Möglichkeit gegeben, ihren Kindern das gleiche Schicksal aufzuerlegen! Ich habe ein paar Jahre beobachtet, wie einfältige Leute versucht haben mit bioterroristischen Methoden Angst zu verbreiten. Menschen zu töten, um damit die Bevölkerungszahl auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, klingt vielleicht gut, funktioniert aber nicht. Denn zurück bleiben vielleicht weniger Menschen, aber die werden immer noch so weitermachen wie bisher. Die Katastrophe kann im besten Fall hinausgezögert werden. Eine andere Lösung musste also her."

„Du hast den Spieß umgedreht", bemerkte Wesker.

Elliot nickte. „Als Virologe weißt du mit Sicherheit, dass Viren die Fähigkeit besitzen, genetisches Material in Körper einzuschleusen."

„Natürlich. Das wird als viraler Vektor bezeichnet. Man benutzt das in der Gentechnik. Alex hat…"

„Genau. Der D- Virus von Alex basiert auf diesem Prinzip. Der Virus selbst ist nicht gefährlich, er bewirkt… schlichtweg gar nichts im Körper eines Gesunden. Bei einem Kranken jedoch… oder seiner toten Tochter Faith, tritt die Fähigkeit des Virus zutage. Er hat nur die Aufgabe, sein genetisches Material, auf das er von Alex programmiert wurde, in Körperzellen zu bringen. Das bewirkt dann, dass die Zellen wieder anfangen zu arbeiten. Sie teilen sich wieder, nehmen ihre Funktion im Stoffwechsel wieder auf, setzen die Regenerationsfähigkeit des Organismus wieder in Kraft. Ich nutzte dieses Prinzip. Ich experimentierte mit allen Viren, die ich hatte: dem T- Virus, dem G- Virus und dem C- Virus. Erst letzterer brachte mir die gewünschten Ergebnisse. Als ich den D-Virus in den Stoffwechsel des C- Virus einschleuste geschah etwas Seltsames. Der Virus verlieh den Versuchsobjekten, in meinem Fall Labormäusen, später menschlichen Objekte, erstaunliche Fähigkeiten, du kennst es sicher aus den Aufzeichnungen der B.S.A.A. Dabei blieben aber die Gehirnfunktionen vollständig in Takt. Es geschah aber noch etwas anderes. Mir fielen Mutationen am Erbgut auf. Schädliche Gene schienen zu verschwinden und zu äußerst wertvollen zu werden. Der erste Schritt war getan. Allerdings führte die Infektion mit dem neuen Virus unweigerlich zum Tod, was man nach dem Unfall, den Alex in Südamerika herbeigeführt hat, deutlich sehen konnte. Erst das Hormon des Mädchens brachte das gewünschte Ergebnis. Es mussten nur noch einige wenige Punkte bezüglich der praktischen Umsetzung gewährleistet werden. Die Firma war mein Werkzeug."

„Sehe ich es richtig, dass du das Erbgut der Menschen verändern willst, damit schlechte Gene und damit Krankheiten ausgerottet werden? Weil du selbst diese Erfahrung gemacht hast?", fragte Wesker vorsichtig.

„Ja. Als jemand, der selbst das Laster der Gene in sich trägt und der das Resultat von unkontrollierter Weitergabe von schlechtem Erbgut ist, war es mir ein besonderes Anliegen, die Menschheit davor zu schützen, dass ihr das gleiche wiederfährt. Ich will die Menschheit retten, ihr nicht schaden. Ich denke, du verstehst meine Beweggründe sehr gut."

„Ich verstehe dich", sagte Wesker. „In einem Punkt allerdings kann ich dir nicht ganz folgen. Du siehst zwar viele Menschen auf der Erde nicht als Problem an, aber… Wenn die Menschheit wirklich nur noch ein perfektes Genom besitzt und keine Krankheit, keine Seuche der Menschheit mehr etwas anhaben können… Dann würde es zu einem unkontrollierten Bevölkerungswachstum kommen, das den Planeten unweigerlich zerstören würde. Auch wenn dein Plan funktioniert, die Menschheit würde genauso weitermachen wie bisher. Du hättest also nichts verändert und würdest die Katastrophe nur befördern."

Elliot grinste. „Verstehst du es wirklich nicht? Du hast Recht, dass die Menschheit für kurze Zeit so weitermachen würde wie bisher. Aber nicht lange."

Wesker gefiel seine Siegessicherheit nicht.

„Das menschliche Genom macht uns einzigartig", sagte Elliot. „Besitze ich genetisches Material eines Menschen, dann kann ich ihn klar identifizieren. Jeder Mensch besitzt eine einzigartige Zusammensetzung von Genen. Das würde sich nicht ändern, wenn mein Virus die Menschheit auf eine neue Stufe der Evolution befördert hat. Jeder Mensch bleibt einzigartig."

Wesker schloss kurz die Augen und nickte. Er begriff. „Na klar, die natürliche Auslese kommt erst später."

„Glaubst du, ich würde dann einfach weiter zusehen?" Er lachte erneut. „Natürlich muss sichergestellt werden, dass sich nur die besten zusammen fortpflanzen. Die besten mit den besten Erbanlagen. Ihre Nachkommen und deren Nachkommen… Außerdem bleiben vorerst Krankheiten tatsächlich ein Problem. Erst, wenn gezielt gewisse Erbkomponenten an die Kinder weitergegeben wurden, werden sich Resistenzen dagegen einstellen."

Es bedarf keiner weiteren Erklärungen von Elliot, Wesker hatte es auch so verstanden. „Du bist deinem Vater ähnlicher als ich gedacht hatte."

„Er ist immerhin mein Vater, nicht wahr? Aber im Gegensatz zu ihm bin ich erfolgreicher. Mein Plan wird die Welt wirklich verändern und er wird wirklich die Menschheit retten."

„Weißt du Elliot, eigentlich bin ich tief beeindruckt. Du hast Recht, andere Kleingeister würden dich nicht verstehen, ich tue es aber. Du hast mich wirklich schwer beeindruckt", sagte Wesker ruhig. „Mein Plan, Uroborus über die Welt auszubreiten, der klingt neben dem, was du geschaffen hast, wie ein Witz. Ich komme mir neben dem Großmeister wie ein Schulkind vor. Besonders brillant finde ich das Firmennetzwerk, das du aufgebaut hast. Es gibt nur eine Sache."

„So und welche?"

„Es tut mir Leid, Elliot, aber ich muss die enttäuschen", sagte Wesker. „Alex und ich haben den Virus im Labor getestet. Er funktioniert nicht."

Elliot hatte nur Verachtung für Wesker übrig. „Tatsächlich? Du hast doch Mr. Nivans gesehen, oder? Wie kannst du behaupten, dass es nicht funktioniert?! Man muss blind und ignorant sein, so etwas zu behaupten!"

Wesker hatte das Treppengeländer erreicht und stützte sich darauf ab. Er zitterte vor Kälte und der Schweiß lief seinen Rücken hinab. Übelkeit stieg in ihm auf und er würgte etwas Blut in seine Hand.

„Wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige, der nicht mehr lange zu leben hat", bemerkte Elliot amüsiert. „Zu schade, dass du nicht mehr… Zeuge des Anbruchs eines neues Zeitalters werden kannst."

„Elliot, wir haben den Virus an Mäusen getestet. Wird man direkt mit ihm infiziert, dann tritt die beschriebene Wirkung ein. Sobald die Erbanlagen jedoch an die Folgegeneration weitergegeben werden, mündet es in eine Katastrophe. Die Mäuse waren nicht lebensfähig, sie sind alle jämmerlich gestorben. Ihr Genom war unkontrolliert mutiert. Ihre Körper waren von Krebstumoren zerfressen, ihre Blutplättchen und Körperzellen verkrüppelt und nicht funktionsfähig! Elliot", Wesker richtete sich auf und sah Spencers Sohn direkt ins Gesicht. „Ich weiß, dass du alles nur tust, weil dir die Menschheit am Herzen liegt, aber so ehrenvoll und lobenswert deine Ziele und Bestrebungen auch sind, du musst die Verbreitung des Virus stoppen. Du musst es aufhalten oder es wird zu einer Katastrophe kommen!"

Wut stand Elliot ins Gesicht geschrieben. „Du wagst es…" Blitzschnell schoss er nach vorne. Wesker hatte keine Zeit zu reagieren. Eine Faust traf ihn in den Magen und schleuderte ihn die Treppe nach oben. Er schlug auf einer Kante auf und rollte Stufe für Stufe nach unten. Am Fuß der Treppe blieb er liegen. Sterne tanzten vor seinen Augen und sein Kreislauf spielte verrückt.

„Elliot", presste er mühsam hervor. „Du darfst den Virus nicht ausbreiten!"

„Du bist ein Lügner!", schimpfte Elliot und stieg mit dem Fuß auf Weskers Rücken, um ihn nach unten zu drücken. Er erwischte Weskers verletzten Wirbel und er stöhnte vor Schmerz auf. „Was verstehst du denn schon davon?! Du bist erbärmlich! Weil du gescheitert bist, gönnst du anderen ihren Erfolg nicht?! Pah! Ich werde meinen Plan vollenden und ihr könnt nichts dagegen tun! Die Befehle stehen. Selbst wenn ihr mich besiegen solltet, werden andere für mich weitermachen!"

„Elliot…"

Elliot nahm en Fuß von Weskers Rücken, rollte ihn herum und packte ihn an der Kehle, sodass er ihn auf Augenhöhe hochheben konnte.

Sein freier Arm verwandelte sich in Uroborus und schlängelte sich um Weskers Körper. Die Tentakeln griffen jedoch nicht an. Wesker wurde schwarz vor Augen. Er bekam keine Luft. Elliot drückte seinen Hals so fest zu, dass er drohte, die Besinnung zu verlieren.

„Ich weiß, warum du mit mir plaudern wolltest. Du wolltest Zeit schinden, damit deine kleinen Freunde entkommen können, richtig? Daraus wird nichts werden, denn sie werden mit Sicherheit zurückkommen und dich retten. Außerdem sind meine Leute da draußen, die sie aufhalten werden."

Elliot ging mit Wesker die Treppe nach oben. Wesker nahm die Geräusche um sich herum nur noch dumpf, wie durch einen Schleier wahr. Elliots Stimme klang von weit her. Er spürte noch, wie er durch die Luft flog und sah verschwommen, wie die Tür zur Eingangshalle aufgestoßen wurde, dann umschloss ihn die Dunkelheit.

„Sir? Was tun Sie hier?", fragte einer der schwarzgekleideten Soldaten und sie erhoben ihre Waffen.

Elliot hob die Hände. „Keine Sorge, ich bin von der Firma." Er holte einen gefälschten Ausweis aus seiner Tasche und zeigte ihn den Männern.

„Sir, haben diese Kriminellen Sie verletzt?"

„Nein, nein. Sie sind geflohen", sagte Elliot. „Zum Glück ist nichts passiert? Konnten Sie sie dingfest machen?"

„Nein, leider nicht", sagte der Anführer der Truppe. „Sie sind in die Stadt entkommen, bevor wir sie erwischen konnten. Wir haben einen Verräter in unseren Reihen. Er hat ihnen geholfen ins Haus einzudringen und zu entkommen."

Zwei Soldaten zerrten einen Mann herbei, der die Hände auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt hatte. Sie zwangen ihn, vor Elliot auf die Knie zu gehen.

„Captain Charles Miller hat offenbar die Seiten gewechselt. Was sollen wir mit dem Verräter tun?"

„Keine Sorge, darum werde ich mich später kümmern", sagte Elliot. „Ich will, dass Sie mit den Eindringlingen sofort Kontakt aufnehmen."


Jake bettete Sherry vorsichtig auf die Trage. Die Rotorblätter des Hubschraubers setzten sich sofort in Gang. Zwei Sanitäter kümmerten sich sofort um die geschwächte Sherry.

„Jake", sagte Sherry leise und ergriff seine Hand.

„Sherry, die bringen dich nach Hause", erklärte Jake ruhig. „Aber ich hab noch was zu erledigen, OK? Du musst auf mich warten."

Sie wollte protestieren, aber hatte nicht die Kraft und in diesem Moment wurden die Türen des Helikopters bereits geschlossen. Jake konnte es kaum ertragen, sie allein wegfliegen zu sehen.

„Danke, Hunnigan", sagte Leon in sein Handy.

„Wir werden Sherry Birkin umgehend nach Washington zurückfliegen und ins Krankenhaus bringen", sagte Ingrid Hunnigan und auch ihr war die Erleichterung sichtlich anzumerken.

„Jake! Jake, warte!", forderte Chris und packte Weskers Sohn am Arm.

Jake schloss die Augen und atmete tief durch, um sich zu beherrschen. Er riss sich von Chris los.

„Was ist?"

„Jake, du kannst nicht allein gehen…"

„Ich muss meinen Vater da rausholen!"

„Jake…"

„Von mir aus, ihr könnt ja hier rumstehen und nichts tun, aber ich werde mit Sicherheit nicht tatenlos zusehen, wie Elliot meinen Vater tötet."

„Jake, dein Vater hat das getan, weil…" Helena wusste, dass es Zeit war, die Wahrheit auszusprechen. „… weil er stirbt. Er hat nicht mehr lange."

Alle starrten sie ungläubig an. „Was?!"

„Also habe ich es mir doch nicht eingebildet", sagte Chris. „Mit ihm stimmt etwas nicht, oder?"

„Sein Virus tötet ihn. Er hat nicht mehr lange. Deswegen macht er das. Deswegen opfert er sich, um Elliot aufzuhalten. Weil er weiß, dass es für ihn keine Hoffnung mehr gibt."

„Nein! Nein, das dürfen wir nicht zulassen! Nicht nochmal!", protestierte Claire. „Chris, wir müssen zurückgehen!"

„Hunnigan! Hunnigan!" Leons Display verschwamm und das Gesicht seiner Vorgesetzten verzerrte sich. Stattdessen erschien jemand anderes.

„Guten Abend", sagte Elliot Spencer.

„Du!"

„Wir haben eine Rechnung miteinander offen", sagte Elliot ernst und seine Augen glühten vor Wahnsinn. „Ihr habt meine Pläne in Afrika sabotiert und mich zweimal bestohlen! Und zufällig weiß ich, dass ihr mich ein drittes Mal bestehlen wollt. Dafür werdet ihr bezahlen!"

Das Bild schwenkte um auf einen großen Raum. Ringsum standen hohe Regale an den Wänden. In der Mitte knieten zwei Männer, beide hatten die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Elliot schritt um sie herum. Rebecca schlug entsetzt die Hände vor den Mund. Jake war wutentbrannt. Die beiden Männer waren Albert Wesker und Billy Coen.

„Ihr haltet euch wohl für sehr schlau, aber…"

Elliots Arm verwandelte sich und er versetzte Albert Wesker einen Stromschlag, sodass dieser aufschrie und sich am Boden krümmte. Er hustete etwas Blut.

„Wenn ihr eure Freunde lebend wiedersehen wollt, dann würde ich euch raten, euch nicht zu viel Zeit zu lassen."

Die Verbindung brach ab.

„Verdammter Mist!", fluchte Chris.

„Chris, wir müssen zurück und sie da rausholen!", sagte Jill. „Wir können sie Elliot nicht überlassen. Er wird sie töten."

„Billy ist unschuldig! Er hat damit nichts zu tun und wir haben ihn da mitreingezogen", wimmerte Rebecca, die den Tränen nah war.

Chris wollte gerade etwas darauf erwidern, als sie auch schon von einer Truppe schwarzgekleideter Soldaten umzingelt wurden.


„Mr. Spencer, Sir", wir haben die Eindringlinge gestellt. „Was sollen wir mit ihnen tun?"

„Überlasst das mir", sagte Elliot Spencer. „Geht jetzt. Wartet vor der Tür auf mich. Bezieht eure Posten."

„Jawohl, Sir."


„Albert! Wesker! Hörst du mich?", fragte eine Stimme über ihm, aber sie kam aus weiter Ferne. Jemand rüttelte an ihm. Er konnte die Augen kaum öffnen.

Die verschwommene Gestalt über ihm nahm nur langsam klare und deutliche Züge an. „Helena?"

„Ja, ich bin´s! Geht's dir gut?"

Wesker richtete sich langsam auf. Sein Kopf dröhnte und er hatte Schmerzen im ganzen Körper. Elliot hatte ihm schwer zugesetzt. Seine Gliedmaßen zitterten immer noch.

„Billy!" Rebecca eilte zu dem am Boden liegenden Soldaten und versuchte, seine Handschellen zu lösen. Als sie es nicht schaffte, half ihr Jill mit ihrem Dietrich.

„Oh, Billy, es tut mir so Leid!", sagte Rebecca schuldbewusst. „Wir wollten dich da nicht mit reinziehen! Hat Elliot dir etwas getan?!"

„Nein", sagte Billy und rieb sich die Handgelenke. „Aber dieser Elliot ist ziemlich… durchgedreht."

„Wo ist Elliot?", fragte Helena an Wesker gewandt.

„Er muss irgendwo hier sein", sagte Wesker. „Ihr hättet nicht kommen dürfen! Es ist eine Falle!"

Sie wirbelten herum und zogen ihre Waffen, als sich über ihnen etwas regte.

„Ich wusste, dass ihr kommen würdet", sagte Elliot. Er stand nahe der Treppe und stützte sich auf das Geländer, während er mit verachtendem Blick auf Chris und die anderen hinuntersah.

„Elliot! Das Spiel ist aus!", sagte Chris. „Wir werden dich jetzt ein für alle Mal ausschalten!"

Elliot entfuhr ein wahnsinniges Lachen. „Und wie wollt ihr das anstellen?! Ihr seid doch schon mehrfach grandios gescheitert. Gebt es endlich auf, ihr habt keine Chance gegen mich. Und Alex ist auch nicht mehr da, um euch zu retten!"

Claire packte die blanke Wut. Ihr Finger zitterte am Abzug. Plötzlich hallte ein Schuss durch die Bibliothek. Er traf das Geländer und zerschmetterte das Holz. Elliot sprang blitzschnell in die Höhe und landete in ihrer Mitte. Niemand von ihnen hatte Zeit zu reagieren oder auch nur einen Funken Widerstand zu leisten. Elliot brauchte nur Sekunden, um sie alle außer Gefecht zu setzen.

Er versetzte Piers einen harten Schlag gegen die Brust, sodass er nach hinten geschleudert wurde und gegen ein Bücherregal krachte. Eine Kaskade schwerer Bücher ergoss sich wie eine Flut über ihn und begrub ihn unter sich. Jake flog durch das Geländer der Treppe und rollte die Stufen hinunter. Chris, Jill und Sheva, die nebeneinander standen, wurden von den Füßen gerissen und schlugen hart mit dem Rücken auf dem Boden auf. Er transformierte seine beiden Arme und Uroborus packte Leon und Ada und warf beide nach oben, wo er zuvor gestanden hatte. Sie knallten gegen die Regale und wurden beinahe von ihnen begraben. Helena wurde von Wesker fortgerissen. Ein schwarzer Tentakel wickelt sich um ihren Hals und hielt sich ein paar Meter in der Luft. Rebecca schoss ein paar Mal, aber sie und Billy wurden ebenfalls von dem Parasit gepackt und hart auf den Boden geschlagen. Als Jake sich aufrappelte und schoss, erwischte ihn ein Stromschlag und er wurde erneut die Treppe hinaufkatapultiert.

Nur Claire und Wesker standen noch. Claire feuerte, doch Elliot wich den Kugeln mühelos aus. Mit einem gewaltigen Stoß gegen die Brust wurden die beiden nach hinten gestoßen, flogen durch die Tür der Bibliothek hinaus und landeten hart auf den Stufen der Treppe. Sie rollten nach unten und blieben schweratmend am Fuß der Treppe liegen. Irgendetwas klapperte auf dem Boden.

Claire schnappte nach Luft und hustete. Ihre Brust schmerzte. Neben ihr richtete sich Wesker röchelnd auf.

„Bist du OK?", fragte sie ihn und ihre Stimme zitterte.

Wesker nickte nur. Er stutzte und hob seine Hand. Er hatte sich auf eine Spritze gestützt.

„Was ist das?", fragte er irritiert und besah sich die Injektion.

Claire zog eine kleine Schachtel zu sich heran, die offen auf dem Boden lag. Plötzlich hellte sich ihre Miene auf. „Das sind Alex´ Spritzen! Ich… Ich habe seine Sachen mitgenommen, als… Ich hab die Schachtel wohl in meine Tasche gesteckt und vergessen."

Eine Spritze, die Alex´ Serum enthalten hatte, war zerbrochen. Nur seine Insulinspritzen waren noch übrig. Claire war schon im Begriff, alles zurück in die Schachtel zu verstauen, als sie mit der Spritze in der Hand innehielt. Sie erinnerte sich an ein Gespräch, das sie vor nicht allzu langer Zeit mit Alex geführt hatte:

„Nur so aus Neugierde, das spukt mir schon länger im Kopf rum… Wenn man jetzt keine Diabetes hat und sich das Zeug spritzen würde, was würde passieren?"

„Oh das würde ich dir nicht empfehlen, Claire. Prinzipiell kommt es auf die Menge an, aber… Wenn sich ein gesunder Mensch Insulin verabreicht, führt das zu einer lebensgefährlichen Unterzuckerung. Die Folgen sind Koma, Hirnschaden und Tod."

„Claire?"

Wesker riss sie aus ihren Gedanken.

„Mir ist was eingefallen!" Sie hielt die Spritze hoch. Wesker sah sie fragend an.

„Alex hat mir mal erklärt, dass man einem gesunden Mensch schwer schadet, wenn man ihm Insulin verabreicht! Verstehst du denn nicht?! Können wir das nicht gegen Elliot benutzen?!"

Wesker Gesicht hellte sich auf. Er hatte sofort begriffen.

„Könnten wir ihn damit schwächen?", fragte Claire hoffnungsvoll.

„Das müsste funktionieren, ja", sagte Wesker und zum ersten Mal seit Langem keimte auch in ihm Hoffnung auf.

„Aber wir müssen sehr nah an ihn ran", wandte Claire ein.

„Das dürfte kein Problem sein. Wie viele Spritzen haben wir?" Claire hielt ihre hoch, Wesker sah sich um, aber entdeckt keine weitere. Die Schachtel war leer. „Zwei. Aber das müsste reichen. Gehen wir."

Sie rannten die Treppe hoch und zurück in die Bibliothek. Wesker las seine Waffe von den Stufen auf, die er vor dem Gespräch mit Elliot abgelegt hatte. Sie hörten Schüsse und Schreie.

Elliot hatte die meisten aus ihrer Gruppe außer Gefecht gesetzt. Piers lag immer noch bewusstlos unter den Büchern, die ihn begraben hatte. Leon stützte sich auf das Geländer der Galerie und zielte unbeholfen mit seiner Waffe auf Elliot. Ada schoss mit ihrer Maschinenpistole. Als Elliot einen Stromstoß auf sie abfeuerte, rollte sie sich zur Seite. Das Holz der Balustrade zersplitterte laut krachend. Billy Coen, Rebecca und Helena waren immer von Uroborus gefangen.

Chris, Jill und Sheva feuerten so gut es ging, doch sie waren mehr damit beschäftigt, Elliots Schlägen auszuweichen. Ihre Kleidung war voller Staub und teilweise aufgerissen. Chris und Jill bluteten beide im Gesicht. Jake hatte sich weitestgehend erholt und hatte sich Piers´ Schrotflinte genommen. Er feuerte auf die Tentakeln, die Helena umwickelt hatten. Elliots Gesichtsausdruck war siegessicher. Er lachte höhnisch wie ein Wahnsinniger.

„Ihr seid erbärmliche Schwächlinge!", verspottete er sie. „Ihr habt nichts gelernt!"

„Was sollen wir machen?", fragte Claire.

„Ich lenke Elliot ab", sagte Wesker. „Dann kannst du an ihn ran!"

Sie nickte unsicher. „Los!"

Wesker eilte auf Elliot zu und schoss. Er entleerte sein gesamtes Magazin in Elliots Hals und Gesicht und lud schnell nach. Spencers Sohn schleuderte Rebecca, Billy und Helena zur Seite. Die drei schlugen hart auf dem Boden auf. Als er sich Wesker zuwandte hatte sich sein überhebliches Lachen in ein Zähnefletschen verwandelt.

Wesker schoss stur auf Elliots Oberkörper, von der anderen Seite des Raumes tat es Jake ihm gleich. Irgendwo rappelten sich Chris, Jill und Sheva hoch. Wesker wusste, dass er Claire nur genug Zeit verschaffen musste. Sie war zu Piers geeilt, um vorzugeben, nach ihm sehen zu wollen. Der B.S.A.A.- Agent erlangte langsam das Bewusstsein zurück. Elliots Aufmerksamkeit war jetzt voll und ganz bei Wesker.

Dieser schoss nicht mehr. Er hatte keine Munition mehr. Er warf seine nutzlose Waffe beiseite. Elliot packte ihn am Hals und würgte ihn erneut. Er röchelte und rang nach Luft. Aus dem Augenwinkel sah er Claire, wie sie sich Elliot von hinten näherte und ihren Arm hob.

Plötzlich wurde Wesker zu Boden geworfen und seine Lungen füllten sich schlagartig wieder mit Luft und Sauerstoff drang wieder in sein Gehirn. Elliot hatte ihn losgelassen und war so schnell herumgewirbelt, dass Claire sich nicht mehr zur Seite retten konnte. Er packte sie und sie stöhnte vor Schmerz auf.

„Was haben wir denn da?", fragte er scheinheilig. Er hob ihren Arm und zu Weskers Entsetzen nahm er ihr die Spritze ab. „Was wolltest du denn damit tun?" Uroborus zerbrach die Spritze. Die Scherben fielen zu Boden und die Flüssigkeit floss einfach davon. Wütend schleuderte er Claire gegen Wesker und die beiden rollten über den Boden.

Wesker hatte Schmerzen. Sein Fieber schwächte ihn. Er war sich nicht sicher, ob er noch lange durchhalten würde. Er fröstelte immer noch und war nass geschwitzt. Seine Eingeweide brannten und er würgte etwas Blut hervor.

„Es tut mir so Leid", wimmerte Clare und sie hatte Tränen in den Augen. Sie blutete am Kopf und hielt sich die Seite. „Ich habe es nicht geschafft."

Jake war der Einzige, der noch Widerstand leistete. Alle anderen waren erneut vernichtend von Elliot geschlagen worden. Wesker ballte seine Hand zur Faust und schlug auf den Boden. Seine Hilflosigkeit ließ gewaltigen Zorn und Aggression in ihm hochkochen.

Er musste zusehen, wie sich Elliot jetzt Jake zuwandte und bedrohlich auf ihn zuschritt. Jake feuerte die letzte Ladung Schrott ab, dann war das Gewehr leer. Er drückte ein paar Mal klickend den Abzug, dann warf er die Waffe zur Seite und hob die Fäuste, bereit zum Kampf.

„Ich werde dich bezahlen lassen, für das, was du Sherry angetan hast!", zischte er, was Elliot nur mit herablassendem Lachen kommentierte.

„Und wie willst du das tun?", fragte er. Seine Arme verwandelten sich zurück. „Willst du alleine gegen mich kämpfen?"

„Meinetwegen, ich kämpfe auch allein gegen dich. Und es ist mir egal, ob ich sterbe. Aufgeben gibt es bei mir nicht."

„Du bist tapfer, Jake, das muss ich sagen", sagte Elliot. „Aber das wird dir nichts nutzen."

„Jake…" Wesker konnte nichts tun. Er konnte sich kaum auf die Beine stemmen. Er konnte nur zusehen, wie sein Sohn durch seine Dummheit in den Tod gehen würde.

Jake holte zum Schlag gegen Elliot aus, doch dieser wich ihm problemlos aus. Er grinste, während Jake verzweifelt versuchte, ihn anzugreifen. Wesker wusste, was gleich folgen würde.

Elliot wehrte Jakes nächsten Schlag ab, indem er seinen Arm packte und ihn herumriss. Jake schrie auf, aber kämpfte verbissen und mit zusammengepressten Zähnen weiter gegen den festen Griff. Elliot schleuderte ihn herum, sodass er in der Mitte des Raumes landete.

„Jake!" Chris und die beiden Frauen wollten dem Jungen zu Hilfe eilen, doch Elliot packte den Tisch und warf ihn ihnen entgegen, sodass sie nicht eingreifen konnten.

„Ich habe zulange tatenlos zugesehen, aber damit ist Schluss", sagte Elliot giftig. „Du wirst der Erste sein."

Mit dem Fuß stieß er dem am Boden liegenden Jake grob in die Seite. Jake war wehrlos. Er konnte nichts tun. Elliot mutierte seinen Arm und versetzte Weskers Sohn einen starken Stromstoß. Jakes Körper bäumte sich auf und verkrampfte. Sein Gesicht war schmerzverzerrt.

„Jake…" Weskers Gedanken rasten. Ein Gefühl, dass er nicht kannte, keimte in ihm. Es war fast, als ob er selbst die Schmerzen ertragen würde, während er zusehen musste, wie sein Sohn, wie ein Teil von ihm, gequält wurde. Unglaubliche Wut und Hass auf Elliot krochen durch seine Adern wie Gift. Die Hilflosigkeit machte ihn wahnsinnig. Seine Finger krallten sich in den Teppich. Er musste etwas tun, er konnte nicht einfach untätig bleiben. Sein Sohn wurde gefoltert und er als sein Vater durfte dies nicht zulassen.

Elliots schallendes Gelächter erfüllte den Raum. Er wirbelte Jake herum und schlug ihn hart auf den Boden, sodass die Fliesen zerbrachen. Jake schrie vor Schmerzen. Jeglicher Widerstand war gebrochen.

Wesker stand mit zittrigen Gliedmaßen auf und stützte sich an der Wand ab.

Elliot packte Jake an der Kehle und hob ihn hoch, sodass er den Boden unter den Füßen verlor.

„Es ist Zeit für den Todesstoß."

Er warf Jake hart auf den Boden, wo er unfähig sich zu bewegen liegenblieb, dann transformierte er seinen Arm in Uroborus. Der Parasit verwandelte sich in ein lanzenartiges Gebilde mit scharfer Spitze.

„Jetzt beenden wir es."

Jake konnte nur zusehen. Er hatte keine Waffe und keine Kraft. Wie in Zeitlupe sah er, wie der spitze Dorn auf ihn niederfuhr. Er blickte dem Tod entgegen. In wenigen Augenblicken würde der Schmerz kommen, würde ihn die Dunkelheit umschlingen. Er würde Sherry nie wieder sehen. Er hatte verloren, er hatte es nicht geschafft.

Er kniff die Augen zu und drehte den Kopf zur Seite. Er konnte nur noch die Arme vor sein Gesicht heben. Er erwartete jeden Moment, den Schmerz zu spüren.

Doch es geschah nichts.

Jake spürte etwas Nasses auf seinem Gesicht. Aus weiter Ferne hörte er Stimmen durcheinander rufen. Jemand schrie verzweifelt und er war sich sicher, dass es Helena Harper war.

Als er die Augen öffnete, sah er Elliot vor sich. Doch jemand war zwischen sie gesprungen. Als er realisierte, was passiert war, war er vor Schock wie gelähmt. Taubheit erfasste seinen Körper.

„Nein!"

„Wesker!"

„Du Narr!", sagte Elliot und selbst er war überrascht von dem, was eben geschehen war.

Elliot hatte seinen Arm durch Weskers Oberkörper gerammt und unablässig strömte Blut aus der Wunde. Es tropfte auf den Boden und ein großer Fleck formte sich.

Wesker hatte sich zwischen Elliot und Jake geworfen, um seinen Sohn vor dem unvermeidlichen Todesstoß zu bewahren.

„Nein!", rief Helena von weitem.

Chris, Jill, Sheva, Leon, Ada, Piers und Claire konnten nichts tun. Das blanke Entsetzen hatte sie wie gefesselt.

„Wieso? Wieso hast du das getan?", fragte Elliot mit Unverständnis und zog seinen Arm näher an sich heran. Blut tropfte aus Weskers Mund, als er gezwungen war, ein paar Schritte nach vorne auf Elliot zuzumachen. Als er den Kopf hob, waren die beiden Männer auf Augenhöhe, nur Zentimeter voneinander entfernt. Wesker grinste er.

„Was ist?!", fragte Elliot außer sich vor Wut. „Wieso lachst du?!"

„Du bist… so dumm, Elliot."

Mit letzter Kraft schoss Weskers Arm nach oben und er rammte eine Spritze in Elliots Hals. Die Wirkung trat unmittelbar ein.

Elliot taumelte zurück und fasste sich an die Stelle an seinem Hals. Als er seinen Arm ruckartig aus Weskers Körper zurückzog, sank dieser langsam auf die Knie. Er zog sich verärgert die Spritze aus dem Hals und warf sie beiseite. Wesker hatte ihren gesamten Inhalt in Elliots Körper injiziert.

„Wesker!" Helena war sofort bei ihm, als Wesker langsam zur Seite kippte.

Elliot entfuhr ein Schrei der Wut. Jake stand nur da und konnte sich nicht rühren. Er hatte keine Kontrolle mehr über seine Gliedmaßen, sein Körper fühlte sie an wie aus Eis. Alles um ihn herum schien in Zeitlupe zu verlaufen. Es dauerte, bis zu ihm durchdrang, was gerade geschehen war. Sein Vater…

Er sah die anderen, die zu Wesker eilten, aber er selbst schaffte es erst, als ihn Claire Redfield an der Hand nahm und mit sich zog.

Sein Vater lag am Boden. An seinem Bauch klaffte eine große Wunde, aus der permanent große Mengen an Blut strömten. Helena Harper drückte verzweifelt ihre Jacke darauf, die sich binnen kurzer Zeit vollgesogen hatte. Ihre Hände waren mit Wesker Blut verschmiert. Sie zitterte und schluchzte.

„Jake…", brachte Wesker röchelnd hervor.

„Wieso?", fragte Jake, mehr brachte er nicht heraus.

„Du bist mein Sohn, ich muss dich… doch beschützen." Er hustete Blut auf den Teppich.

„Ihr! Ihr verdammten Idioten!", schimpfte Elliot, doch seine Siegessicherheit war nun blankem Zorn gewichen. Er schwankte hin und her und konnte sich nicht mehr gerade halten. Der Inhalt der Spritze wirkte. Er schritt rückwärts auf die Bücherregale zu, weg von den anderen.

„Halt! Stopp!", riefen Piers und Chris, doch Elliot hatte bereits einen geheimen Schalter gedrückt, der hinter den Büchern versteckt war und war durch eine Geheimtür in der Wand verschwunden. Sie konnten nur noch dagegen hämmern, als sie sich hinter ihm schloss.

„So ein Mist! Er darf nicht wieder entkommen!", schimpfte Chris laut.

„Albert, bitte halt durch!", flehte Helena.

„Sein Blutdruck fällt ab. Er verliert zu viel Blut", sagte Rebecca ernst.

„Kümmert euch nicht um mich", presste der verletzte Wesker hervor und stieß die Hand der Ärztin weg. „Ihr müsst Elliot vernichten. Unser Plan ist aufgegangen."

„Was hast du ihm gespritzt?", fragte Ada.

„Es war Alex´ Insulin", erklärte Claire. „Ich hab es zuerst versucht, aber… Er hat mich erwischt."

„Ich hab es geschafft. Geht! Elliot ist geschwächt. Ihr müsst ihn erwischen, bevor er etwas tun kann. Der Geheimgang führt in einen Keller unten dem Geräteschuppen im Garten", drängte Wesker sie.

„Vater." Jake war jetzt neben ihm. „Wir können dich nicht hier…"

„Geht! Ihr habt nur wenig Zeit!"

„Albert, bitte, du brauchst Hilfe!", widersprach Helena, aber Wesker appellierte weiter eindringlich an sie.

„Kümmert euch nicht um mich, ich komme allein zurecht. Ihr müsst Elliot aufhalten, es ist die einzige Chance!"

„Er hat Recht, gehen wir!", sagte Chris mit Bestimmtheit. „Wir haben keine Wahl! Kommt! Schnell!"

„Chris, wir können doch nicht…"

„Geht, wenn ihre diese Chance nicht nutzt, dann…" Wesker verzog vor Schmerz das Gesicht.

„Wir müssen gehen!"

Helena und Jake halfen Wesker auf und führten ihn zu einem Sofa, das den Verlauf des Kampfes unbeschadet überstanden hatte, und legten ihn darauf. Als er seinen Kopf auf eines der Kissen gebettet hatte, ging Helena neben ihm in die Hocke und hielt seine Hand fest.

„Wir kommen bald zurück, OK? Du musst durchhalten! Versprich mir das!"

Er nickte schwach.


Elliot hangelte sich mit einer Hand an der Wand entlang. Er hatte fast die Tür erreicht, die ihn nach draußen in den Garten führen sollte. Ihm war schwindelig und schwarz vor Augen. Seine Muskeln zitterten und er konnte sich kaum aufrecht halten. Übelkeit überkam ihn und schließlich musste er sich kurz vor der Treppe hinauf in den Keller unter dem Geräteschuppen übergeben.

Uroborus tobte in ihm und protestierte. Er konnte nicht mehr klar denken, sein Gehirn war wie von Watte umgeben und alle Empfindungen waren nur noch dumpf wie durch einen Schleier.

Er hatte natürlich sofort begriffen, was sie ihm verabreicht hatten und er verfluchte sie laut. Er musste… Er musste das irgendwie in Ordnung bringen. Der Parasit schrie nach Nahrung, hatte Hunger auf Fleisch, forderte ihn zum Töten auf. Elliot hatte keine Kraft zu widersprechen und die Kontrolle entglitt ihm wie trockener Sand, der durch seine Finger rann.

Es war ein Fehler, den alten Geheimgang zu nehmen. Er musste dringend ins Labor, denn dort war, was er jetzt brauchte. Aber er würde es niemals rechtzeitig dorthin schaffen. Die Kraft verließ ihn immer mehr. Als er die Tür zum Schuppen aufstieß, konnte er keinen Schritt mehr tun und brach auf dem Treppenabsatz zusammen. Er hörte Stimmen in seinem Kopf. Sie wurden lauter und fordernder. Er konnte ihnen nicht mehr antworten, bevor er in Dunkelheit abglitt.

Elliot Spencer sollte nie wieder die Kontrolle haben.


Captain Roberts und seine Männer vom Alpha- Team warteten wie angeordnet vor dem Anwesen. Sie hatten ihre Posten wieder eingenommen und warteten auf weitere Befehle. Einer der Soldaten, der einen Rundgang durch den Garten gemacht hatte und dabei am Geräteschuppen vorbeigekommen war, war durch ein merkwürdiges Geräusch aufmerksam geworden. Er funkte seinen Kameraden, dass er etwas entdeckt hatte und Verstärkung brauchte, doch in diesem Moment durchschnitt bereits sein markerschütternder Schrei die Stille des Waldes.


„Was war das?!", fragte Chris alarmiert. Sie waren alle zusammengefahren, weil ein gellender Schrei von irgendwo draußen bis zu ihnen in die Hall gedrungen war.

„Jemand hat geschrien!"

Ehe sie etwas tun konnte, ertönten Schüsse und die Tür wurde aufgestoßen. Die Soldaten stürmten herein und feuerten auf etwas, das sie in der Dunkelheit des Waldes nicht erkennen konnten.

Chris und die anderen zückten ihre Waffen und wichen zurück. Gespannt starrten sie auf die Tür, wo nun schwarze Tentakeln erschienen, die sich an den Türrahmen schlangen. Die Soldaten schossen, doch Kugeln konnten dem Monster keinen Schaden zufügen. Es wickelte einen nach dem anderen ein und verleibte sie sich ein. Blut spritzte auf den Boden. Der letzte Mann fiel direkt vor Chris auf den Boden, als sich Uroborus um sein Fußgelenk wickelte und ihn zurückzog. Billy stürmte nach vorne und versuchte, seinen Kollegen zurückzuziehen, doch gegen die Kraft des Monsters hatte er keine Chance. Schreiend wurde der Soldat in die Masse gezogen. Nur seine Waffe blieb zurück. Billy ergriff sie und überprüfte das Magazin.

„Was ist das?!", fragte Leon. „Ist das Elliot?!"

Das Monster kroch nach innen und wurde kleiner. Sein Körper nahm die Form einer Person an, die entfernt an Elliot Spencer erinnerte, doch seine Augen waren leer und seine Züge verzerrt. Seine Arme versuchten sich zu transformieren, doch die Mutation geriet außer Kontrolle.

„Ich werde ihn dafür bezahlen lassen, was er Sherry und meinem Vater angetan hat!", sagte Jake wütend und machte sich bereit zum Kampf.

Die Kreatur gab einen schrecklichen Schrei von sich und verwandelte sich. Sie wurde größer und wurde zu einem Wesen, das noch gewisse menschliche Züge hatte, doch vollständig aus schwarzen Tentakeln und einem schuppenartigen Panzer bestand. Es hatte einen Kopf, zwei Arme und stand auf zwei Beinen. Uroborus wand sich wie pulsierende Würmer. Ein paar schwarze Stücke tropften auf den Boden. Auf seiner Brust und auf seinem linken Schulterblatt glotzten sie zwei gigantische, orange Augäpfel an, die sich hin und her wanden. Sie wurden gut geschützt von den sich windenden Tentakeln.

Chris und die anderen sprangen zur Seite, als ein Arm auf sie niederschlug und ein Loch im Boden hinterließ. Die Kreatur stapfte auf sie zu. Sie eröffneten das Feuer. Elliot hob schützend die Arme, um die Kugeln abzuwehren. Ein paar weitere sich windende Würmer fielen aus seinem Körper auf den Boden, aber die Schüsse konnten ihm kaum Schaden zufügen.

„Achtung!" Chris zog seine Schwester beiseite.

„Wir müssen dieses Auge treffen!", rief Jill und deutete auf das leuchtende Etwas auf der Brust des Monsters.

Jake schoss und verfehlte das Auge nur knapp. Ada lud ihre Maschinenpistole nach und entleerte ihr gesamtes Magazin in den Oberkörper des Monsters in den Bereich um das Auge herum. Die Kreatur gab ein lautes Brüllen von sich und wich ein paar Schritte zurück. Sie ging auf die Knie und die Tentakeln zogen sich von dem Auge zurück.

„Das ist unsere Chance!", rief Chris.

Jake reagierte sofort. Er zog sein Kampfmesser und stürmte nach vorne. Er legte alle Kraft in den Sprung und stieß das Messer in das orange Auge. Das Monster schrie vor Schmerz auf und fiel zur Seite um. Die Tentakeln wanden sich wild durcheinander. Sie stießen Jake zur Seite, der über den Boden rollte, sich aber schnell fing und sich wieder auf die Beine schwang.

Uroborus richtete sich wieder auf. Das Messer steckte immer noch in seiner Brust und eine orange Substanz quoll aus der Einstichstelle. Es wirbelte hin und her und riss dabei die Lampen und Bilder von den Wänden.

„Chris! Wir müssen es mit Feuer bekämpfen!", rief Sheva. „Uroborus kann nur mit Feuer zerstört werden!"

„Ja, aber wo sollen wir etwas dergleichen herbekommen?"

„Unten im Labor!", sagte Rebecca. „Da gibt es jede Menge Chemikalien! Ich finde das Passende!"

Sie wollte schon losstürmen, als Leon sie zurückhielt.

„Nein, warte Rebecca. Chris, ich habe im Geräteschuppen Gasflaschen und einen Benzinkanister gesehen! Die können wir nutzen!", rief Leon. „Aber wir müssen es nach draußen locken!"

„OK! Geht! Holt das Zeug! Wir versuchen derweilen, es irgendwie in Schach zu halten und nach draußen auf eine freie Fläche zu locken!"

Sie trennten sich. Während Leon mit Rebecca, Piers und Billy Coen in den Garten eilte, versuchten Chris, Jill, Sheva, Jake, Helena und Claire das Monster mit ihren letzten verbliebenen Kugeln nach draußen zu drängen.

Die Kreatur wurde von blanker Wut gepackt und schlug nach ihnen aus. Dabei riss sie große Löcher in den Boden und zerstörte einen Teil des Treppengeländers. Sie handelte in blinder Zerstörungswut.

„Achtung!" Der Kronleuchter fiel krachend von der Decke und kleine Glassplitter schossen in alle Richtungen davon.

„Kommt! Da lang!"

Chris und die anderen liefen so schnell sie konnten nach draußen in den Wald. Elliot folgte ihnen. Er riss die Tür aus den Angeln und die Tentakeln bohrten sich in den Boden und rissen Bäume beiseite.

Im Laufen schossen sie nach hinten. Sie sprangen über die Leichen zweier Soldaten hinweg, die von dem Monster auseinandergerissen worden waren, und hasteten in den Garten des Anwesens. Eine Reihe verwilderter Hecken, die ein kleines Labyrinth bildeten, umrahmten eine Wiese und Beete, in denen jahrzehntelang Sträucher gewuchert waren. In der Mitte der Fläche stand ein alter Steinbrunnen. De Wege waren gepflastert oder von Kies bedeckt, der unter ihren Schuhen knirschte. Die Natur hatte sich den Großteil des Gartens zurückerobert.

Elliots Körper wand sich um die Steinfigur des Brunnen und zerdrückte sie mühelos zu Staub. Sie schossen unermüdlich und der Kugelhagel hielt das Monster zumindest auf Abstand. Jedes Mal, wenn sie eines der Augen trafen, zuckte es zusammen und seine Wut wurde durch den Schmerz nur noch weiter aufgestachelt. Es verformte sich und zerfloss immer mehr zu einer undefinierbaren Masse aus schwarzen Tentakeln, die sich über den gesamten Garten ausbreitete.

Chris stürzte, als Uroborus über ihn hinwegfegte, und seine Waffe glitt ihm aus der Hand. Elliot packte ihn und zog ihn zu sich.

„Chris!", schrie Jill und Panik und schoss. Die Kugeln schlugen in Elliots Arm ein und schwarze Flüssigkeit spritzte auf den steinernen Weg.

„Chris!" Verzweifelt ergriff Jill seine Hand und versuchte, ihn zurückzuziehen, bevor er in den Schund des Monsters gezogen werden konnte. Sie wurde auf dem Bauch über den Kiesboden gezogen.

„Jill!", schrie Claire. Sie drückte den Abzug, doch nur ein Klicken ertönte. „Chris!"

Vom Haus waren Stimmen zu hören. Plötzlich zuckte das Monster zusammen und fauchte vor Schmerz auf, als eine Stichflamme die Nacht erhellte.

Rebecca, Billy, Piers und Leon waren erschienen. Sie alle trugen große Flaschen mit sich, die sie über den Boden zogen.

Chris rappelte sich auf. Uroborus wand sich kreischend. Auf seinem Rücken loderten kleine Flammen, die die schwarze Masse versengten.

„Chris, wir haben sie!", rief Rebecca. Sie und die drei Männer rollten die Gasflaschen herbei. Die Gruppe trat zusammen.

„Was machen wir?", fragte Chris.

Rebecca drehte ihre Flasche auf, sodass das Gas austreten konnte, und wies die anderen an, es ihr gleichzutun. „Wir müssen das Ding dazu bringen, auf die Flaschen zu kriechen. Dann schießt ihr und wir werfen das!" Sie zeigte ihnen die Molotowcocktails, die aus dem Benzin gemischt hatten. „Dann wird's ein hübsches Feuerwerk geben."

„OK!"

Uroborus wuchs weiter, breitete sich weiter aus.

„Zurück!" Sie weichen weiter in den Garten, um nicht von den Tentakeln erfasst zu werden. Elliot kroch über den Brunnen und die Heckenreihen an der Seite hinweg. Er war nur noch wenige Meter von den Flaschen entfernt.

„Macht euch bereit!", sagte Chris. Jeder, der noch eine Waffe und Munition hatte, zielte. Rebecca hob ihren Arm, bereit zum Wurf. Sie hielten den Atem an.

Das Monster hatte die Flaschen erreicht und kroch über sie hinweg. Die Tentakeln wickelten sie ein und wollten sie zerdrücken. Es war nur noch einen knappen Meter von Chris und den anderen entfernt.

„Jetzt!"

Schüsse halten durch die Nacht. Die Wucht der Explosion entlud sich einer gewaltigen Druckwelle, die über sie hinwegfegte, sie von den Füßen riss und nach hinten schleuderte. Der Garten wurde völlig verwüstet, im Anwesen zerbrachen klirrend die Fensterscheiben. Brennende, schwarze Tentakeln regneten auf sie nieder. Bäume und Hecken in der Umgebung brannten.

Das Monster, das einst Elliot Spencer gewesen war, war zu einem kleinen Häufchen breiiger Masse verkommen, die sich noch zuckend am Boden hin und her wand und schließlich zerfloss.

Sie hatten es geschafft.


Helena wartete nicht mehr, bis das Monster seinen Todeskampf beendet hatte, sondern eilte sofort zurück zum Haus, die Treppe nach oben und in die Bibliothek.

Hände, sanfte Hände, berührten ihn und Wesker öffnete langsam die Augen. Er blickte in Helenas Gesicht, die ihn freundlich anlächelte.

„Hey, wir haben es geschafft", raunte sie. „Wir haben Elliot vernichtet."

„Das… ist gut", sagte Wesker leise.

„Bald kommt Hilfe, dann wird alles gut", sagte Helena. „Du musst noch ein bisschen durchhalten."

Wesker schüttelte den Kopf. „Nein. Keine Hilfe mehr."

„Was?!"

„Du weißt genau, dass mein Ende kurz bevorsteht. Meine… Kräfte… funktionieren nicht mehr. Ich werde sterben. Niemand kann mir mehr helfen."

Sie sah zur Seite und er bemerkte ein verräterisches Glitzern in ihren Augen. „Sag das nicht", entgegnete sie.

„Im… oberen Geschoss gibt es eine Terrasse. Ich würde gerne die Sonne sehen", sagte Wesker.

Sie nickte und half ihm hoch. Sie hatten die Bibliothek verlassen, als ihnen die anderen entgegenkamen.

„Vater!"

Jake kam Helena zur Hilfe und stützte Wesker auf der anderen Seite. Er wies ihnen den Weg durch die Flure und eine Treppe nach oben. Wesker musste mit sich kämpfen, um die Stufen zu erklimmen. Sein Atem wurde schwer.

Sie erreichten eine Tür, die sie auf eine breite Terrasse führte. Der Boden war mit schweren, steinernen Fliesen ausgelegt. Das eiserne Geländer war kunstvoll verziert. In den Ecken der Terrasse standen große schwere Steintöpfe mit Pflanzen. Wesker steuerte auf die rechte Seite zu, wo der Wald lichter war und man in die Ferne zum Horizont sehen konnte. Es dämmerte bereits. Der neue Tag brach an.

Wesker stützte sich am Geländer ab und nahm seine Sonnenbrille ab, doch sank sofort auf den Boden, weil ihn seine Kraft verließ.

„Albert!" Helena war sogleich wieder an seiner Seite. Jake zögerte, bevor er neben seinem Vater auf die Knie ging. Chris, Jill und die anderen hielten sich zurück. Sie blieben auf respektvoller Distanz.

„Dad…"

Wesker sah einige Zeit in die Ferne, wo die Sonne über den Horizont kam.

„Die Sonne ist schön", sagte er leise.

„Vater…"

Ihre Blicke trafen sich.

„Wesker, du bist ein… ein blöder Idiot", sagte Jake. „Warum hast du das getan? Du hättest nicht…" Jake Hände ballten sich zu Fäusten.

„Jake…" Weskers Stimme war schwach, er verlor an Kraft. „Du bist wichtiger als ich. Du hast… noch eine Aufgabe… vor dir."

„Aber du…"

„Jake, meine Zeit… ist gekommen. Es ist… unaufhaltsam."

„Nein, das darf nicht sein!", entgegnete Jake aufgebracht. „Das ist nicht fair!"

Helena sah zur Seite. Tränen rannen über ihre Wangen. Sie hielt Weskers Hand umklammert.

„Du darfst… nicht weinen", sagte Wesker zu ihr. Sie lächelte schwach, aber konnte nichts sagen.

„Es ist… vorbei. Simmons… und seine Familie ist… vernichtet… und durch Elliots Tod… ist… die Menschheit gerettet." Er hustete etwas Blut. Er spürte ein Stechen in der Brust. Sein Herz schlug unregelmäßig. Er spürte nichts mehr. Kälte breitete sich in ihm aus. „Elliot ist tot… Alex ist… tot und wenn ich… sterbe, dann… dann sind auch die… letzten… Überbleibsel von Umbrella… endgültig… zerstört."

„Vater… Nein!"

„Bitte… hör mir… zu", sagte Wesker. „Es gibt noch ein… paar Dinge, die… ich dir gerne sagen möchte."

Chris und die anderen waren tief betroffen, von dem, was sie sahen.

„Mein Leben… war eigentlich schon vor langer Zeit… zu Ende. Aber ich… bin sehr… glücklich darüber, dass ich… nochmal… die Chance bekommen habe… dich kennenlernen. Du bist mein Sohn, Jake. Und du bist… das einzige Gute, das ich… jemals… zustande gebracht habe."

Er schluckte hart. Die Schmerzen betäubten seinen Körper. „Du bist ein… wirklich großartiger Mensch, Jake. Genau wie deine Mutter. Ich bin… sehr stolz auf… dich. Und vor allem… vor allem bin ich… stolz darauf… dass du mein Sohn… bist."

Noch mehr Blut floss aus der Wunde und aus Weskers Mund. Seine Stimme wurde leiser, sein Körper schwächer. Er konnte kaum noch seine Augen geöffnet halten. Die Welt verschwamm und eine willkommene Dunkelheit breitete sich um ihn herum aus.

„Es… tut mir… Leid, Jake…"

In dem Moment, als die Sonne am Horizont erschien und den neuen Tag ankündigte, sie alle in gleißend helles, oranges Licht tauchte, schlossen sich seine Augen und sein Kopf glitt langsam zur Seite, als der letzte Rest Leben aus Albert Weskers Körper wich.

„Nein!" Jake konnte es nicht glauben, das durfte nicht wahr sein. Er schlug mit der Faust auf den Boden. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter.

„Es tut mir so Leid, Jake", sagte Chris ernst.

Leon nahm Helena in den Arm, die jetzt heftig weinte. Die anderen sahen sich hilflos an und wussten nicht, was sie tun sollten.

Claire wandte sich ab. Sie ertrug es kaum. All das erinnerte sie zu sehr an Alex.

Sie stutzte, als sie in der Terrassentür jemanden stehen sah. Es war ein kleines Mädchen mit langen schwarzen Haaren. Vorsichtig und mit unsicheren Schritten kam sie auf Claire zu.

Claire war starr und begriff für einen Moment nicht. Das konnte doch nicht…

„Chris, sieh mal da!", sagte Jill.

Alle wandten sich jetzt in Richtung des Mädchens.

„Das ist doch…"

„Ja, das ist sie."

Langsam ging Claire vor Faith in die Hocke und lächelte sie unsicher an. Etwas unbeholfen deutete sie ihr das, was Alex ihr beigebracht hatte.

„Hi, ich bin Claire."

„Du musst nicht… Zeichensprache machen. Ich kann dich verstehen."

Erstaunt starrte Claire Faith an. „Du kannst… du kannst sprechen? Und hören? Wie…"

„Ich weiß es nicht. Ich hab sehr lange geschlafen und immer geträumt. Ich hab die Menschen um mich herum sprechen hören…"

„Alex. Er hat es nicht nur geschafft, seine Tochter wieder zum Leben zu erwecken. Ihre Krankheit ist geheilt worden. Sie kann hören", sagte Chris.

„Wo sind meine Mum und mein Dad?", fragte Faith und sah Claire eindringlich an. Es versetzte ihr einen schmerzhaften Stich, denn sie hatte Alex´ Augen.

„Weiß du, Faith… Deine Mum und dein Dad haben alles getan, um dich zu beschützen, aber… Sie haben es leider nicht geschafft", sagte Claire ruhig und es zerbrach ihr das Herz, dem kleinen Mädchen diese Nachricht überbringen zu müssen.

„Mum und Dad sind… nicht mehr da?", fragte Faith traurig.

Claire stiegen Tränen in die Augen, als sie den Kopf schüttelte. „Nein. Böse Menschen haben ihnen sehr wehgetan. Sie haben nicht aufgegeben, dich wiederzubekommen, aber…"

„Kanntest du meine Eltern?"

„Ich kannte deinen Vater", antwortete Claire nickte. Sie weinte jetzt. „Er hat uns allen das Leben gerettet und vor seinem Tod, da hat er… Er hat mir gesagt, dass… ich auf dich aufpassen soll. Wenn du das möchtest…"

Sie streckte eine Hand aus und Faith ergriff sie. Claire warf einen Blick zurück auf ihren Bruder und die anderen. Chris lächelte und nickte ihr aufmunternd zu.

Ein neuer Tag war angebrochen.


Ja, das ist nun das letzte Kapitel meiner FF. Glaubt mir, ich hab geweint, wie ein Schlosshund, als ich das Ende geschrieben habe, weil es so traurig ist. :( Es ist allerdings noch nicht ganz zu Ende, weil es noch einen Epilog geben wird, also bleibt es noch spannend. :)