Alexa- Wesker: Ich habe Albert Wesker einen Tod gegeben, den er verdient hat, nicht das, was CAPCOM gemacht hat. Aber ich weiß, traurig ist es alle mal. :( Ich hoffe für das nächste Spiel auch, dass Jake und Alex einen Auftritt haben werden, wir werden sehen. :)
Leon S. Kennedy 1977: Ich hab nicht an Star Wars gedacht und es ist keine Anlehnung daran. :) Aber du hast Recht, irgendwie ist es sehr ähnlich. Wie ich Alexa schon geschrieben habe, war es ein Tod, der einem so großartigem Charakter wie Albert Wesker würdiger war, als der Tod, den er in den Spielen hatte. Faiths Auftritt markiert sozusagen den Neuanfang. Ein Leben geht zu Ende, ein anderes beginnt. Sehr philosophisch. :)
Das war sie nun, meine FF „The War Ends Now". Einerseits ist es schade, dass es jetzt zu Ende ist, andererseits bin ich auch froh, dass ich dieses Mammutprojekt geschafft habe. Über ein Jahr habe ich daran gearbeitet! Ich bedanke mich ganz herzlich bei all meinen Lesern und natürlich ganz besonders bei Alexa- Wesker und Leon S. Kenndy 1977 für die vielen tollen Reviews. :)
Viel Spaß mit dem letzten Kapitel und liebe Grüße, Snowi. :)
6 Monate später…
Auch nach einem halben Jahr war es für Claire immer noch schwer, das Grab zu besuchen. Ein kühler Herbstwind wirbelte braunes Laub durch die Luft, als sie vorsichtig über den Friedhof schritt. In der Hand trug sie einen Strauß Blumen. Sie atmete tief durch, aber zögerte. Ihr Bruder legte ihr eine Hand auf die Schulter und nickte ihr ermunternd zu.
Aus der Ferne sahen sie, dass ein junger Mann an einem Grab stand.
„Chris, das ist ja…"
Jake Muller stand am Grab seines Vaters und war tief in Gedanken versunken. Eine Kerze brannte in einer kleinen Lampe. Jemand hatte weiße Lilien in einer Vase vor den Grabstein gestellt.
Jake wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Claire links neben ihn trat. Sie lächelte ihn an.
„Hi", sagte sie freundlich.
Jake nickte nur.
Claire ging an Alex´ Grab in die Hocke und legte zuerst ihren Blumenstrauß ab, dann holte sie eine Kerze aus ihrer Tasche und tauschte sie gegen die abgebrannte aus. Sie konnte die Tränen nicht zurückhalten.
Links neben Alex lag das Grab von Laura Yamamoto. Chris trat ebenfalls neben Jake, aber sein Blick fiel auf das Grab, das rechts von Albert Wesker lag.
„Anna Muller. Dann haben die Behörden also die Überführung genehmigt?", fragte er.
„Ja. War nicht so einfach, aber… nachdem ich ja nachweisen konnte, dass ich Amerikaner bin und dass es immer Mums Traum war, hier zu leben, haben sie schließlich eingewilligt. Luise hat mir geholfen. Ich wollte, dass sie bei meinem Dad ist."
„Verstehe."
Jake seufzte.
„Wie geht es dir?", fragte Chris.
„Naja, was soll ich sagen? Mein ganzes Leben war er nicht da und… ich dachte eigentlich, ich würde am besten ohne ihn auskommen. Wir kannten uns jetzt ein paar Monate und… wirklich nahe sind wir uns nie gekommen. Trotzdem… Jetzt, wo er nicht mehr da ist… geht er mir irgendwie schon ab", sagte Jake nachdenklich. „Trotz allem war es… irgendwie ein gutes Gefühl, zu wissen, dass… ich einen Vater hatte und dass er da war…"
„Es tut mir wirklich Leid, Jake", sagte Chris ehrlich und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
Jake nickte. „Danke."
„Ich habe vor sehr vielen Jahren etwas über deinen Vater gesagt", sagte Chris ernst. „Ich sagte, dass er sich nur um sich selbst und sonst um niemand anderen etwas schert." Er holte tief Luft. „Aber das muss ich heute zurücknehmen. Dein Vater hat sich sehr viel um deine Mutter und um dich geschert."
Jake schnaubte leise. „Was nutzt mir das heute? Er ist tot."
„Jake, dein Vater ist gestorben, um dich zu beschützen, damit zu weitermachen kannst. Weil es wichtiger war, dass du lebst."
Jake wollte das nicht hören, aber tief in seinem Inneren wusste er, dass Chris Recht hatte. Claire richtete sich auf und wischte sich die Tränen weg.
„Wie geht es Faith?", fragte Jake an Claire gewandt.
„Ganz gut, denke ich. Sie tut sich immer noch schwer, aber… mittlerweile geht sie wieder zur Schule. Sie hat sich ganz gut eingelebt. Es wird schon irgendwie." Eine erneute Welle Tränen rann über ihre Wangen. „Tut mir Leid", hauchte sie und wandte sich ab. „Ich wünschte nur, dass Alex… hier wäre und es sehen könnte."
Ein betretenes Schweigen entstand zwischen ihnen. Auch nach Monaten war der Schmerz noch allgegenwärtig.
„Helena war auch hier", sagte Chris und deutete auf das Grab von Deborah Harper eine Reihe vor ihnen.
„Ja, sie hat Blumen gebracht", sagte Jake, froh, nicht mehr über seinen Vater sprechen zu müssen. Schließlich wandte er sich ab und schritt über die Wiese davon und ließ die Geschwister allein zurück.
Claire und Chris sahen sich an, dann liefen sie Jake nach. Als sie ihn an der Schulter fassten, verdrehte er die Augen. Als er sich zu ihnen umdrehte, grinsten sie ihn beide an.
„Was ist?", fragte er scheinheilig.
„Oh, Jake!", sagte Claire. „Tu nicht so! Ist doch klar, dass wir wissen wollen, wie es euch geht! Den frisch gebackenen Eltern!"
Jake grinste verlegen. „Was wollt ihr hören? Dass Sherry und ich nicht mehr richtig zum Schlafen und Duschen kommen oder…", er zuckte mit den Achseln, „… dass unsere einzige Beschäftigung darin besteht, Windeln zu wechseln und Fläschchen zu geben?"
Claire legte den Kopf zur Seite. „Ernsthaft! Wie geht es euch? Wie geht es Sherry? Hat sie alles gut überstanden?"
Jake nickte. „Es geht ihr gut. Und den Kleinen auch. Rebecca hat darauf bestanden, die beiden obergenau unter die Lupe zu nehmen. Was soll ich sagen? Elliot hatte Recht. Die beiden sind wirklich besonders."
„Inwiefern?", fragte Chris.
„Naja, sie sind schon jetzt genau wie ich gegen alle möglichen Viren immun und sie haben Sherrys Heilkräfte geerbt."
„Wahnsinn!", staunte Claire.
„Welches Geschlecht haben die beiden?", wollte Chris wissen.
„Ein Junge und ein Mädchen", erklärte Jake.
„Und? Habt ihr schon Namen?"
„Jep. Das Mädchen haben wir Susan Annette genannt und der Junge heißt Michael Albert. Wir wollten unsere Eltern… ein bisschen verewigen."
Jake wandte sich ab und ging zu seinem Motorrad.
„Wir freuen uns sehr für euch beide", sagte Chris. „Glückwunsch."
Jake grinste. „Was ist denn mit dir und Jill? Wie ich hörte, habt ihr…"
Chris lachte laut auf. „Ja. Jill Valentine heißt jetzt offiziell Jill Redfield, allerdings geht's bei uns nicht so schnell wie bei euch. Wir sind noch am üben."
„Na, dann streng dich an." Jake startete seine Maschine und der Motor heulte auf. Er wollte schon Gas geben und wegfahren, als Chris ihn zurückhielt.
„Warte noch, Jake. Ich muss dir von Jill noch was ausrichten. Du musst demnächst mal in die B.S.A.A.- Zentrale kommen, sie sagt, dass sie eine Überraschung für dich hat."
„´Ne Überraschung? Für mich?", fragte Jake erstaunt. „Um was geht's?"
„Sie wollte mir nichts sagen. Sie hat die letzten Wochen nur in ihrem Büro verbracht und war total geheimniskrämerisch. Keine Ahnung. Aber sie sagt, es ist sehr wichtig, also…"
„Werde sehen, ob ich es einrichten kann", sagte Jake, dann hob er zum Abschied die Hand und fuhr davon.
„Ich kann mich noch gut an unsere erste Begegnung in Edonien damals erinnern. Jake war damals ein vom Leben schwer gezeichneter und verbitterter Mensch. Es ist… erstaunlich, wie sehr er sich verändert hat. Das hätte ich nicht erwartet", meinte Chris und er und seine Schwester gingen langsam zum Auto zurück.
„Ich weiß gar nicht, wie ich das nachfolgende richtig in Worte fassen soll", sagte Ingrid Hunnigan und rückte ihre Brille zurecht. „Die Welt ist Ihnen allen, der B.S.A.A. und natürlich auch Albert und Alex Wesker, zu großem Dank verpflichtet. Durch Ihren unermüdlichen Einsatz konnte eine Katstrophe verhindert werden. Der Präsident spricht Ihnen allen seinen persönlichen Dank aus."
Sie waren alle im Konferenzraum um den großen Tisch herum versammelt. Hunnigan hob ihr Glas und prostete ihnen zu. Sie taten es ihr gleich.
„Wie wird es jetzt weitergehen? Ich meine mit AquaSystemTex", fragte Leon.
Hunnigan stellte ihr Glas ab. „Dank der Daten über Elliot Spencers Pläne, die Sie erbeuten konnten, und den vielen persönlichen Aufzeichnungen von Elliot, die wir in dem Spencer- Haus sicherstellen konnten, waren wir endlich in der Lage, AquaSystemTex ihre kriminellen Machenschaften nachzuweisen. Wir haben alles an das FBI weitergeleitet. Sie kooperieren mit den Behörden in anderen Ländern und es gab eine ganze Reihe von Razzien und Durchsuchungen. Was einst mit einer noblen Idee begann ist leider Geschichte. AquaSystemTex gibt es nicht mehr. Die Firma wurde dichtgemacht."
Chris nickte. „Das heißt, die Welt ist außer Gefahr."
„Ja. Wir haben den Virus in den Geheimlaboren sichergestellt. Damit war der Tatbestand des Bioterrorismus voll erfüllt. Die Verantwortlichen, Sheila Yamamoto und Elliot Spencer, können natürlich nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden, aber gegen die gesamte Führungsetage und die Wissenschaftler, die für Spencer gearbeitet haben, wurden Ermittlungen und Verfahren eingeleitet."
„Dann brauchen wir uns darüber wenigstens keine Gedanken mehr machen", sagte Jill erleichtert. „Endlich kann ein bisschen Frieden einkehren."
„Was ist mit dem Mädchen passiert?", fragte Sheva.
„Meinst du mit Faith?", sagte Claire.
„Nein, mit dem anderen Mädchen, das Spencer gefangen gehalten hat."
„Ich darf mit Freuden vermelden, dass wir ein Zuhause für sie gefunden haben. Sie lebt jetzt in einem Betreuten Wohnen und bekommt die Hilfe, die sie braucht", erklärte Hunnigan.
„Faith besucht sie manchmal", sagte Claire stolz. „Die beiden verstehen sich richtig gut."
„Rebecca ist gar nicht da", bemerkte Leon verwundert. „Wo ist sie?"
Piers grinste. „Ich denke, sie und Billy sind… sehr beschäftigt."
„Die B.S.A.A. sollte eine Partnervermittlung eröffnen", meinte Chris und alle lachten.
„Was ist mit HUNK?"
„Er ist vollständig genesen und wird in den Dienst des D.S.O. gestellt. Aber viel wichtiger ist, wie ist es Jake Muller in der Zwischenzeit ergangen? Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, ihm mein Beileid aussprechen zu können", sagte Hunnigan. „Wie ich hörte, sind er und Sherry Birkin endlich Eltern geworden. Da ist eine Glückwunschbekundung angebracht."
„Sie wissen es schon?", fragte Jill.
„Sherry hat mit mir telefoniert. Sie sagt, die beiden haben alle Hände voll zu tun."
„Ja, das stimmt."
„Glaubst du, er wird kommen?", fragte Jill an Chris gewandt.
„Ich hab ihm gesagt, dass er kommen soll, weil du eine Überraschung für ihn hast", sagte Chris.
„Und die Überraschung will ich mir ja nicht entgehen lassen", sagte plötzlich eine Stimme und alle Köpfe wandten sich Richtung Tür.
Jake Muller trat herein. Er trug lederne Motorradkleidung und hatte seinen Helm unter dem Arm. „Hab ich was verpasst?"
„Wir haben gerade von Ihnen gesprochen, Mr. Muller", sagte Ingrid Hunnigan. „Offenbar wurden Sie schon erwartet."
Auf das Stichwort erhob sich Jill von ihrem Stuhl und eilte hinaus. Jake ließ sich auf einem freien Platz nieder und legte seinen Helm auf dem Tisch ab. Bis Jill ein paar Minuten später mit ihrem Laptop und zusammen mit Clive O´Brian zurückkehrte, musste Jake peinlich berührt die vielen Glückwünsche über sich ergehen lassen. Er war erleichtert, als sich Jill räusperte und das Wort ergreifen wollte.
Alle verstummten und wandten ihr ihre Aufmerksamkeit zu.
„Also", begann sie. „Ich hab dich hierher gebeten, Jake, weil… ich eine Überraschung für dich habe. Zuerst aber muss ich ein bisschen ausholen und ein paar Dinge erklären."
„Denk an die Zeit, mein Flugzeug Richtung Heimat geht doch bald", warf Sheva mit einem Grinsen ein.
„Keine Sorge." Jill fuhr ihr Laptop hoch und schloss es an den Fernsehbildschirm.
„Also, zuerst einmal, muss ich mich bei euch entschuldigen, ganz besonders eigentlich bei Alex und Albert. Chris und ich waren nicht ganz ehrlich zu euch."
„Inwiefern?"
„Als wir nach Italien geflogen sind und Spencers Haus durchsucht haben, sind wir tatsächlich auf etwas Interessantes gestoßen. Es hatte allerdings nichts mit Elliot und unserem Fall zu tun und… Ich wollte das ganze erst richtig untersuchen, wenn wir Elliot ausgeschaltet haben. Ich habe die letzten Monate keine Mühen gescheut. Es war ein Haufen Arbeit, aber… es hat sich gelohnt."
„Hat es etwas damit zu tun, dass dein Büro die letzten Monate praktisch nicht begehbar war, weil es voller Kartons mit Akten stand?", fragte O´Brian vielsagend.
„Ja. Allerdings", sagte Jill. „Der Schlüssel, den Albert Wesker uns gegeben hatte, er gehörte tatsächlich in dieses Anwesen."
„Was?!"
Jill nickte. „Er öffnete eine Geheimtür, die hinter einem Schrank verborgen war. Dahinter war ein sehr kleiner Raum, der bis an die Decke vollgestellt war mit allen möglichen Kartons und Akten. Chris und ich haben das Zeug mitgebracht und… ja… Ich hab alles durchgearbeitet."
„Und was waren das für Akten?", fragte Jake.
„Sehr geheime Umbrella- Akten, zum Teil von Oswell E. Spencer persönlich. Akten über das Projekt Wesker."
Plötzlich schlug die ausgelassene Stimmung am Tisch merklich um- in Anspannung. Alle waren wachsamer und aufmerksamer geworden.
„Das Wesker- Projekt? Chris hat das damals erwähnt, als wir gesprochen haben", sagte Jake.
„Ja. Chris und ich haben Spencer 2006 in Europa ausfindig gemacht. In seinem Anwesen haben wir Tagebuchaufzeichnungen und sonstige Unterlagen gefunden. Unter anderem das hier."
Sie rief eine Namensliste mit 13 Personen, darunter Alex und Albert Wesker, und Spencers Notizen auf, in denen er Alex´ Arbeit in der Südsee erwähnte.
„Spencer schrieb damals etwas von den Wesker- Kindern. Wir konnten uns nur so viel daraus zusammenreimen, dass dein Vater, Alex und 11 weitere Kinder von Umbrella für ein Experiment benutzt wurden. Was es genau damit auf sich hatte, das blieb im Dunkeln. Bis jetzt. Die Akten, die wir vor ein paar Monaten gefunden haben, haben endlich Licht ins Dunkel gebracht."
Jeder lauschte ihr nun gebannt.
„Spencer ließ weltweit hunderte Kinder entführen, um sie für ein Experiment zu missbrauchen. Er verabreichte ihnen den Progenitor- Virus, den ersten Virus, den er, Dr. Ashford und Dr. Markus aus der Blume in Afrika entwickelt haben. Sein Plan war, eine neue Rasse von… Supermenschen zu erschaffen. Er selbst wollte, wenn er Unsterblichkeit erreicht hatte, als ein Gott über diese neuen Menschen herrschen."
„Das ist… verabscheuungswürdig und krank", sagte Hunnigan betroffen. „Was geschah mit all den Kindern?"
„Das ist es. Das Experiment wurde durchgeführt, als Albert und Alex beide neun Jahre alt waren. Es ging fürchterlich schief. Von den mehreren hundert Kindern überlebten nur 13. Diese erhielten alle den Namen Wesker zu Ehren des Leiters des Projektes, Dr. William Wesker. Laut Spencers Aufzeichnungen zufolge haben sie nach der Katastrophe die ganzen Akten nach Italien gebracht, damit ihnen niemand auf die Schliche kommt. Kurz darauf beendete Spencer die Zusammenarbeit mit Wesker. Er bekam eine hohe Abfindungssumme und ein Schweigegeld."
„Albert hat mir erzählt, warum", sagte Helena. „Dr. Wesker hat die Kinder misshandelt. Ich vermute, dass Spencer dahinterkam."
„Das ist gut möglich. Als es nur noch die 13 Kinder gab, war Spencer kurz davor, das Experiment einzustellen. Die Niederlage war ein herber Rückschlag für seinen Plan. Er machte aber trotzdem weiter, mit den 13, die ihm noch geblieben sind. Sie bekamen wie gesagt, alle den Namen Wesker."
„Wie ging es mit meinem Dad weiter?", fragte Jake.
„Dein Vater, Alex und die anderen wurden mit einer… Art Hypnose bzw. einer starken Suggestionsbehandlung dazu gebracht, alles, was vor ihrem zehnten Geburtstag passiert ist, zu vergessen. Danach wurden sie getrennt und wuchsen alle an anderen Orten auf. Dein Vater kam in ein Wohnheim für begabte Jugendliche, wo er bis er 16 war auch lebte. Er studierte und machte seinen Doktor. Danach, mit knapp 17, kontaktierte Spencer ihn, um für Umbrella zu arbeiten. So kam er in die Arklay Mountains nach Raccoon City. Alex erging es ähnlich. Er wuchs ebenfalls in so einer Einrichtung auf, studierte Medizin und wurde von Spencer für die medizinische Forschung zu Umbrella gebracht. Beide wussten nicht, dass Spencer das von langer Hand geplant hatte. Er finanzierte ihre Ausbildung. Weil sie von allen Wesker- Kindern die besten waren, rekrutierte er sie für seine Pläne. Das aber nur am Rande. Die Unterlagen über das Wesker- Projekt waren nämlich nicht das Einzige, was wir gefunden haben."
„Jill, mach es doch nicht so spannend!", forderte Claire.
„In dem geheimen Raum befanden sich auch Akten über alle Kinder, die für das Projekt entführt wurden, mitsamt allen persönlichen Informationen, wie ihren richtigen Namen und den Familien, aus denen man sie entführt hat."
Alle starrten Jill fassungslos an. Leon und Ada wechselten einen Blick miteinander. Jake wirkte völlig durcheinander von dieser Nachricht.
„Moment mal", sagte er. „Soll das heißen, dass…"
„Ja, Jake!", sagte Jill begeistert. „Wir kennen die Herkunft von Alex und deinem Vater! Wir wissen endlich, wer sie sind!"
„Wirklich?!"
„Erzähl! Was… Was hast du rausgefunden?!", fragte Claire aufgeregt.
„Ich werde am besten mit Alex anfangen", sagte Jill. Sie tippte auf ihrem Laptop und rief die Akte über Alex Wesker auf. Es war ein Dokument, das Ergebnisse von Untersuchungen, ein psychologisches Profil und ein Foto von ihm enthielt. „Allein seine Akte enthielt 100 Seiten. Man hat die Kinder sehr, sehr oft körperlich untersucht, hat Intelligenztests mit ihnen gemacht, Beobachtungsstudien durchgeführt."
Claires Magen zog sich unangenehm zusammen, als sie das Foto des vierjährigen Alex sah. Sein Gesicht war dem seiner Tochter sehr ähnlich.
„Alex heißt mit richtigem Namen Alexander Smith. Schon als Kind war er sehr intelligent. Seine Eltern, Charles und Rachel Smith, waren zwei bekannte Agrarwissenschaftler, die in Afrika gearbeitet haben." Sie zeigte ihnen ein altes Schwarz- Weiß- Foto aus einem Zeitungsartikel, das drei Personen, einen Mann, eine Frau und einen kleinen Jungen zeigte. Zusammen mit einem afrikanischen Stammeskrieger waren sie vor einer einfachen Hütte aufgenommen worden. Die Überschrift zu dem Bild lautete „Bekannte Forscher starten Entwicklungshilfeprojekt in Kenia".
Shevas Miene hellte sich sofort auf. „Sie haben dort mit der Bevölkerung Programme zur Ernährungssicherung gemacht, sogar bei kleinen Stämmen."
„Deshalb konnte Alex den Stammesdialekt sprechen!", warf Claire ein.
„Ja. Er selber ist auch in Nairobi geboren", fuhr Jill fort. „Als er vier Jahre alt war, haben unbekannte eine Entführung gestartet, die allerdings misslang. Seine Eltern sind daraufhin in den Busch geflüchtet, um sich bei den Stämmen zu verstecken. Leider wurden sie gefunden und ermordet."
„Seine Eltern wurden ermordet?"
„Ja. In Alex psychologischem Profil wird erwähnt, dass er traumatisiert war, man konnte aber nicht aus ihm herausbekommen, was passiert war, weil er eine Amnesie hatte. Vielleicht wurde er ja Zeuge des Mordes an seinen Eltern. Der Stamm, bei dem sie sich versteckt haben, ist tatsächlich ausgestorben. Das Internet hat mir hier weitergeholfen. Ende der 60er Jahre fielen alle hundert Angehörige einer Seuche zum Opfer."
Ein betretenes Schweigen entstand. Sie alle waren betroffen. Hunnigan schüttelte den Kopf. Claire wirkte traurig. Jake lehnte sich in seinem Stuhl nach vorne.
„Was ist mit meinem Vater?", fragte er.
„Dein Vater heißt Albert McGregory. Seine Eltern, Nathaniel und Agatha, also deine Großeltern, Jake, waren beide Professoren für Chemie an einer Universität. Sie haben gelehrt und geforscht. Albert wurde in San Francisco geboren. Er wurde entführt, als er vier Jahre alt war." Sie zeigte ihnen Alberts Persönlichkeitsprofil mit seinem Foto.
„Auch er zeigte schon als Kind ziemlich erstaunliche intellektuelle Fähigkeiten, deshalb wurde Spencer schnell auf ihn aufmerksam. Er und Alex haben sich schnell miteinander angefreundet und für ziemlich viel Wirbel gesorgt. Bis zu dem Experiment wuchsen beide bei Spencer auf. Den Rest kennen wir ja."
„Mein Dad…" Jake betrachtete das Foto eingehend. Es war eigenartig seinen Vater als Kind zu sehen. Andererseits entzauberte es das Mysterium, das sich jahrelang um den Mann mit der Sonnenbrille gerankt hatte. Auch er hatte eine Kindheit gehabt, er hatte Eltern gehabt. Jake fühlte sich besser. Sein ganzes Leben lang hatte er nur die Familie seiner Mutter gekannt, hatte immer das Gefühl gehabt, ein Teil von ihm fehle. Langsam nahm dieser Teil, der im Verborgenen gelegen hatte, eine Form an. Er fühlte sich zugehörig, als hätte er endlich eine richtige Herkunft, wie jeder andere auch.
„Nachdem ich ja alle Namen habe", fuhr Jill fort. „Konnte ich mich natürlich auf die Suche nach den Familien machen. Allerdings… habe ich keine guten Nachrichten. Alex muss man ausklammern, weil seine Eltern ja damals ermordet wurden, aber… Die Eltern der restlichen 12 Wesker- Kinder sind leider alle verstorben."
Eine leise Hoffnung, die in Jake gekeimt war, löste sich auf.
„Die letzte war Alberts Mutter Agatha. Sie starb vor drei Monaten in einem Pflegeheim. Sie war 79 Jahre alt."
„Das ist… bescheiden", sagte Jake missmutig. „Mein Dad hätte sie doch… besuchen können."
„Tut mir Leid", sagte Claire mitfühlend.
„Ich glaube, das wäre keine gute Idee gewesen", entgegnete Helena. „Albert hat immer betont, dass er mit seiner Vergangenheit nichts zu tun haben wollte. Er hatte nie das Bedürfnis, seine Familie zu sehen. Ich glaube, es war besser so."
„Das denke ich auch", sagte Jill. „Die Heimleitung hat mir gesagt, dass… Alberts Mutter an sehr schlimmer Alzheimer- Demenz litt. Sie hielt sich selbst zum Schluss für ein kleines Mädchen. Das heißt, es wäre sehr unwahrscheinlich gewesen, dass sie Albert wiedererkannt hätte."
„Was passiert jetzt?", wollte Ada wissen. „Nachdem ja dieses Rätsel gelöst wurde, sollte dieses Wissen denn nicht an die Öffentlichkeit gebracht werden?"
„Ich habe mir darüber Gedanken gemacht", sagte Jill. „Als ich alle diese Akten gesehen habe, all die Namen und Gesichter plötzlich vor Augen hatte, da… Eigentlich könnte man es als Pflicht bezeichnen, die wir jetzt haben, die Sache publik zu machen. Andererseits… Umbrella existiert seit sehr vielen Jahren nicht mehr. Spencer ist tot. Dr. Wesker ist tot. Alle Wesker- Kinder sind tot. Ich finde, die Sache sollte nicht noch mal wieder aufgewühlt werden."
„Das klingt vernünftig", pflichtete Hunnigan bei. „Die Vorfälle liegen sehr lange zurück, ich schätze, dass aus juristischer Sicht ohnehin niemand mehr belangt werden könnte, zumal viele Verantwortliche verstorben sind. Was wir aber tun können, ist, die Hinterbliebenen ausfindig zu machen, die noch da sind, und ihnen die Geschichte zu erzählen. Damit sie wissen, was mit den Kindern passiert ist."
„Albert erzählte mir einmal, dass er sich an seine Tante erinnern konnte", meinte Helena. „Vielleicht lebt sie noch?"
Auf Jills Gesicht trat ein Grinsen. „Tja. Als ich mit dem Pflegeheim telefoniert habe, da haben die mir die Kontaktdaten der Person gegeben, die sich um Agatha die letzten Jahre gekümmert hat. Und jetzt kommen wir endlich zur Überraschung, Jake, die ich dir nicht länger vorenthalten möchte. Sie müsste inzwischen da sein."
Alle tauschten fragende Blicke miteinander. Jake hatte plötzlich Herzrasen, obwohl er ruhig auf seinem Stuhl saß. Jill ging zur Tür und wechselte ein paar Worte mit jemandem draußen auf dem Gang. Ein paar Augenblicke später trat eine Frau in den Raum.
Sie war groß, schlank und hatte langes, hellblondes Haar. Sie trug einen Rock, Stiefel und einen dünnen Pullover. Über ihrem Arm hing eine Jacke und über der rechten Schulter trug sie eine Tasche. Sie mochte vielleicht Mitte oder Ende 40 sein. Sie lächelte und grüßte sie freundlich.
Jake erhob sich wie mechanisch. Der Anblick der Frau hatte ihn völlig gefangen. Niemand sagte etwas. Die unbekannte Frau schritt vorsichtig, aber zielsicher auf Jake zu, so als kenne sie ihn bereits.
„Hallo", sagte sie. „Du musst Jake Muller sein, richtig?"
Sie schüttelten sich die Hände.
„Ähm…" Jake war für einen Moment perplex, doch fing sich schnell wieder. „Kennen wir uns?"
„Mrs. Redfield hat mir schon viel von dir erzählt und mir ein Foto von dir gezeigt. Mein Name ist Ariana. Ich bin die Cousine deines Vaters."
Nicht nur Jake, bis auf Jill waren alle von dieser Nachricht völlig vor den Kopf gestoßen und fassungslos.
„Die… die Cousine… von meinem Dad?", fragte Jake ungläubig, so als hätte er sich verhört.
„Ja. Hast du Lust, dass wir uns… ein bisschen unterhalten und… kennenlernen? Ich denke, du… wirst viele Fragen haben und für mich… kam das alles auch ziemlich plötzlich. Was hältst du davon?"
Und ob Jake wollte. Da bedurfte es keiner Frage.
The End
