Ein gewaltiges Trampeln ließ Ginny aus dem Schlaf hochfahren. Neben ihr sprang Draco hastig auf.
„Was ist das?" schrie Ginny.
„Woher soll ich das wissen?" schrie Draco zurück.
Blossom hockte zwischen ihnen und schniefte aufgeregt.
Der Boden bebte wie von heftigen Schritten, als würde etwas riesiges auf sie zukommen.
Ginny wich zurück und prallte rücklings mit Draco zusammen, der das Chakra vor sich hielt.
„Vorsicht, pass auf!" Beinahe hätte er ihr die scharfe Schneide in den Arm geschlagen, als sie so heftig mit ihm zusammenstieß.
„Es hört sich an wie ein Dinosaurier." Ginny war bleich.
„Mindestens. Wir müssen ..." Mit diesem Satz war er wie von Geisterhand verschwunden.
Ginny blinzelte ungläubig. Dann sah sie, dass er in einem der Sumpflöcher gelandet war und kontinuierlich tiefer sank. Das schmutzigtrübe Wasser ging ihm bereits bis zum Bauch.
„Ginny!" brüllte er aus Leibeskräften. „Hol mich hier raus, verdammt!"
Sie streckte beide Hände aus, und in seiner Panik begann er, sie auf das Loch zuzuziehen.
„Hör auf, du bringst uns noch beide um! Draco, hör auf zu ziehen!"
Mit vereinten Kräften schafften sie, Draco wieder auf festen Boden zu bringen. Der Slytherin, der während des Manövers einige Mundvoll Wasser geschluckt hatte, würgte und spuckte vor Lebensgewalt.
„Igitt, hoffentlich sind nicht auch noch Blutegel ..." Er verstummte mit offenem Mund.
„Draco? Was ist ..."
Ginny sah in die Richtung, in die er blickte, und vergaß ebenfalls, was sie hatte sagen wollen.
Ein riesiger Kopf war auf der Lichtung aufgetaucht, er ähnelte dem eines Drachen. Wie groß der Körper dahinter war, konnte man in dem schummrigen Licht nur ahnen.
Blossom quietschte und versteckte sich hinter Dracos Bein.
Der Slytherin blieb stocksteif stehen, während das Drachenwesen seinen Kopf weiter an ihn heranbrachte und dann schnüffelte.
„Ginny, tu doch was!"
„Und was?" fragte sie und schluckte.
„Irgendwas!" Eine Schweißperle lief über Dracos Gesicht.
Dann wandte sich der riesige Kopf Ginny zu und beschnüffelte sie ebenfalls. Die großen Augen sahen unverwandt in ihre Richtung.
Blossom verließ ihr Versteck und tappte vorsichtig in die Nähe. Ihr wurde die gleiche Behandlung zuteil wie Draco und Ginny.
Danach wandte es sich gemächlich ab, und trampelte in die entgegengesetzte Richtung davon. Wieder vibrierte der Boden heftig.
Draco starrte Ginny an, und die starrte zurück.
„Was war das?"
„Eine Begegnung der Drachenart", witzelte Draco, obwohl ihm immer noch das Herz bis zum Hals schlug.
„Hoffentlich passiert so was nicht öfter, das halten meine Nerven nicht aus." Ginny atmete auf.
„Meine auch nicht", stimmte Draco ihr zu. Dann sah er angewidert an sich herunter. „Pfui Teufel, die Klamotten kann man ja wegschmeißen."
Er zog sich das Oberteil über den Kopf und fing an, sich das Gesicht abzuwischen.
„Malfoy!" Ginny sah betont in eine andere Richtung.
„Was?" kam es unter dem Shirt dumpf hervor. „Meinst du, ich will hier herumlaufen wie ein Moormonster? Außerdem ist es nass und widerlich."
Er warf das Kleidungsstück auf die Erde, setzte sich dann hin und zerrte an seinen Stiefeln.
„Du willst doch nicht etwa ..."
Ginny hatte den Satz kaum ausgesprochen, als schon ein halbnackter Draco Malfoy vor ihr saß. Sie schluckte hörbar.
„Wenn du deine Augen wieder in den Kopf bekommen hast, könntest du mir dann wohl mal meine Tasche reichen?" Unverhohlener Spott klang in seiner Stimme mit.
Ginny wurde rot und drehte sich weg, um die verflixte Tasche an sich zu nehmen.
„Der verdammte Verband ist auch schon wieder hin", hörte sie ihn murmeln.
„Wie geht es deinem Arm?" fragte sie, ohne sich umzudrehen.
„Mäßig. Du musst mir helfen, die Bandagen wieder vernünftig anzulegen, mit einer Hand kann ich das nicht."
„Erst anziehen, dann helfe ich dir", antwortete Ginny knapp. „Und glaub ja nicht, dass du noch mal so was mit mir abziehen kannst wie gestern Nacht."
„Wie gestern Nacht?" wiederholte Draco verständnislos. Er konnte sich nur noch daran erinnern, den Heiltrank eingenommen zu haben, und danach hatte er geschlafen, oder? „Wieso? Habe ich noch was gesagt?"
„Gesagt?!" Ginny stemmte beide Arme in die Hüften und drehte sich in seine Richtung, um ihm einen drohenden Blick zuzuwerfen. „Erst versuchst du, mir deine Zunge in den Hals zu stecken, und dann spielst du wieder den Unschuldigen! Was willst du eigentlich, Malfoy?"
„Ich habe was?" Draco war der Unterkiefer heruntergeklappt. „Das musst du geträumt haben!"
Ginny knallte ihm heftig die Tasche vor die Brust und stampfte dann davon, während sie grimmig von sich hinmurmelte.
Das war's. Jelin, dein Trank ist Geschichte. Ich glaub's nicht – da habe ich tatsächlich einmal ... was zum Teufel denkst du da überhaupt, Draco?! Das Zeug muss dir echt das Gehirn vernebelt haben!
Ginny kam zurück, nachdem er sich die trockene Kleidung angezogen hatte.
„Her damit!" sagte sie kurz und ergriff dann seinen Arm. Sie war nicht übertrieben sanft, als sie die Bandagen neu darum wickelte.
„Autsch! Sei ein bisschen vorsichtiger!"
„Du wirst es überleben. Und ich will jetzt hören, was in Falínga wirklich passiert ist."
Die Tatsachen nahmen nicht viel Zeit in Anspruch. Ginnys Gesicht spiegelte eine Menge Emotionen wieder, während sie darüber nachdachte.
„Also ist uns Tanadryl wirklich auf den Fersen", kombinierte sie dann.
Draco nickte. Soweit war er auch schon gekommen.
„Glaubst du, Sandrine hat ihn mehr oder weniger auf unsere Spur geführt?" fragte sie dann geradeheraus. „Und was um Himmels willen will er von uns?"
„Was Sandrine betrifft, kann ich mir das durchaus vorstellen. Und Tanadryl? Ich weiß nicht so recht."
„Aber du hast eine Vermutung." Das war keine Frage.
„Schon möglich. Mal angenommen, Voldemort würde erfahren, dass jemand ein Portal zu einer anderen Welt geöffnet hat. Was würde er tun?"
„Versuchen, es unter Kontrolle zu bringen", sagte Ginny prompt, und dann wurden ihre Augen groß. „Du meinst ..."
„Ja. Sandrine sagte uns, noch nie hat ein Mensch die Totenstadt betreten und ist zurückgekehrt. Das heißt noch lange nicht, dass es nicht wieder jemand versucht, wenn er nur einen Grund dafür hat. Und er würde seine Armeen mitbringen wollen, wenn er auf die andere Seite überwechselt, immer vorausgesetzt, es funktioniert. Jetzt sieh dir wieder das imaginäre Schachbrett an. Sandrine schickt ihre Bauern, um den schwarzen König in eine Falle zu locken. Und dort schlägt die weiße Königin dann zurück. Ob die Bauern das Feld erreichen, ist ihr ziemlich gleichgültig. Tun sie es, kann sie sie erneut einsetzen. Tun sie es nicht – ist das durchaus zu verschmerzen, wie ich schon mal gesagt habe."
„Kann es nicht sein, dass du dich irrst?" Ginny glaubte selbst nicht so recht an ihre Worte.
Draco überraschte sie.
„Sicher. Das ist das Problem an einer Strategie – man geht einfach von bestimmten Voraussetzungen aus, in diesem Fall von einer verdammt schlechten Vorahnung."
Ginny schwieg einen Moment. Eine ganz andere Frage stellte sich ihr wieder, und diesmal nahm sie ihren Mut zusammen und sprach sie aus.
„Was ist mit dir?"
„Worauf willst du hinaus?"
„Wenn wir wieder zu Hause sind, kann man dann damit rechnen, dass ein nettes dunkles Mal auf deinem Arm auftaucht?" fragte sie grob.
Draco ließ sich einen Moment Zeit mit der Antwort.
„Ich wäre schön blöd, wenn ich dir das erzählen würde, oder?"
„Heißt das ja oder nein?"
Draco wollte ihr eine scharfe Antwort geben und sie darauf hinweisen, sich gefälligst um ihren eigenen Kram zu kümmern. Was als nächstes aus seinem Mund kam, überraschte ihn noch viel mehr als Ginny.
„Weasley ... das heißt einfach, dass ich es nicht weiß. Ich will keine Marionette des Dunklen Lords werden, aber genauso wenig das Lieblingsspielzeug eines alternden Zauberers. Den Job führt Potter doch schon ganz gut aus."
„Aha. Also ganz genau genommen heißt das, du willst dich überhaupt nicht entscheiden und hoffst, dass es dir jemand abnimmt. Ich verstehe dich einfach nicht. All diese Morde, die Voldemort verübt, die Qualen, die Leute erleiden, die Angst, die sich rasend schnell verbreitet – lässt dich das alles wirklich kalt?"
„Welche Lebenserwartung hätte ich, wenn es nicht so wäre?" Dracos Stimme war flach und ausdruckslos. „Du stellst dir das alles ganz schön einfach vor, Scrawny. Egal, wie ich mich entscheide, ich bin sowieso tot. Entweder, weil Voldemort mich zu Sachen zwingt, die ich nicht tun will, oder weil ich drei Fuß unter der Erde ruhe, weil mein Vater mich umgebracht hat, als ich die Seiten gewechselt habe."
Er starrte blicklos geradeaus.
Ginny sah ziemlich fassungslos drein. Sie hatte eine Menge Antworten erwartet, diese zählte mit Sicherheit nicht dazu. Insgeheim war sie überzeugt davon gewesen, dass er ihr eine höhnische Bemerkung ins Gesicht schleudern würde. Wie bald er sie und alle anderen terrorisieren wollte, sobald er das dunkle Mal angenommen hatte.
Sie hätte nie vermutet, dass er hin- und hergerissen war zwischen der Angst, seinem Vater Kontra geben zu müssen oder einfach zu tun, was von ihm verlangt wurde. Und sie konnte diese Angst durchaus verstehen – kannte sie doch die Bösartigkeit Lucius Malfoys persönlich.
Draco selbst hatte nun endgültig genug von der Versteckspielerei und beschloss, auch mit etwas anderem aufzuräumen – solange er noch den Mut dazu hatte. Viel schlimmer konnte es nicht mehr werden.
„Wenn wir schon gerade bei der Wahrheit sind", sagte er nach einiger Zeit, immer noch mit dieser merkwürdig flachen Stimme. „Maynew hatte recht."
„Maynew?" Ginny sah nun völlig verwirrt aus. „Was hat der denn jetzt damit zu tun?"
„Insofern, als er gesagt hat, dass ich eifersüchtig wäre." Allein dieser Satz kostete mehr Überwindung als alles andere. Die Stimme in seinem Kopf, die den Stolz ist der zweite Name eines jeden Malfoy Teil in ihm ausmachte, heulte dabei auf wie eine Hyäne, aber Draco war entschlossen, sie diesmal zu ignorieren.
„Eifersüchtig?" wiederholte Ginny. „Aber ... du meinst, du ... wegen mir?!"
Sie konnte geradezu kaltes Feuer in seinen Augen lodern sehen, als er in ihre Richtung sah.
„Ja, wegen dir", spie er dann förmlich aus. „Du hast eine ganze Menge an dir, was mich anmacht, Scrawny, trotz deines Talents, immer in Schwierigkeiten zu geraten. Und, willst du mich jetzt wieder anschreien?"
Ginny hatte nicht einmal die Möglichkeit, irgendetwas zu sagen, geschweige denn zu schreien. Sie starrte ihn mit offenem Mund an.
Draco Malfoy? Draco Malfoy hatte gerade offen zugegeben, dass er sich zu ihr hingezogen fühlte? Vielleicht lag sie immer noch im Fieberdelirium und hatte sich den weiteren Verlauf ihrer Reise einfach nur zusammenphantasiert?
„Du ... ich ..."
Dracos Gesicht verzerrte sich, als er ihren Blick sah, den er für höhnisch hielt. Er stand abrupt auf.
„Vergiss es. Du hast recht, Voldemort ist er einzige Weg, den ich gehen werde, und ich werde euch ins Gesicht spucken, wenn ihr im Staub vor mir liegt und um Gnade winselt!"
Seine Augen funkelten jetzt zornig.
Ginny fand ihre Stimme wieder.
„Malfoy, was soll das? Erst erzählst du mir, dass du nicht freiwillig auf seine Seite wechseln willst, und dann bedrohst du mich wieder. Ganz zu schweigen davon, dass ich dir nicht so gleichgültig bin, wie du immer getan hast."
Der vernünftige, nüchterne Tonfall bewirkte, dass Dracos Wut noch mehr entflammte.
„Ich sagte, vergiss es, Scrawny! Mal abgesehen davon, dass es dich einen Scheißdreck interessiert, wie ich mich fühle, für dich bin ich doch nur Abschaum, der irgendwo aus einem Loch gekrochen ist! Ich schwöre dir, sobald ich wieder zu Hause bin ... "
„Erstaunlich, dass ausgerechnet von dir zu hören", unterbrach ihn Ginny brüsk, und auch ihre Stimme wurde nun hart. „Und es interessiert mich sehr wohl einen Scheißdreck wie du dich fühlst. Aber in Wirklichkeit willst du das ja gar nicht – der arme, arme Draco muss immer leiden, und keiner versteht ihn. Und wenn es jemand versucht ... tja, dann schlägst du ihm die Zähne ein."
„Hör auf! Hör sofort auf damit!" brüllte Draco los.
„Aber es ist die Wahrheit!" brüllte Ginny zurück und sprang auch auf. „Wann geht das endlich mal in deinen Dickschädel rein! Es gibt Zeiten, da könnte ich dich ununterbrochen in den Hintern treten, auch wenn noch so sexy bist!"
Scheiße, was habe ich gerade gesa ...
Dracos Hand schnellte vor, und einen Moment dachte Ginny, er wollte anfangen sich mit ihr zu prügeln. Aber er packte nur ihre Schultern mit beiden Händen und zog sie so dicht an sich heran, dass ihre Gesichter sich fast berührten. Graue Augen starrten in braune. Dann senkte er den Kopf und küsste sie.
Einen Moment lang wollte Ginny sich wehren, aber als er mit der Zunge über ihre Lippen strich, öffnete sie ihren Mund, und der Kuss wurde noch intensiver. Er hatte eine Hand in ihren Haaren vergraben, und die andere legte sich auf ihren Rücken und zog sie enger an sich heran.
Ginny keuchte in seinen Mund, als Draco sie hochhob, und ihre Bein schlangen sich wie von selbst um seine Hüften. Einen Moment blieben sie so stehen, dann sank er auf die Knie und legte sie auf den Rücken.
Wie in der Nacht zuvor begann er, langsam ihr Oberteil aufzuknöpfen. Immer noch hielt sein Mund den ihren gefangen.
Ginny war zumute, als würde sie ertrinken. Maynews Küsse waren auch bis zu einem gewissen Grad erregend gewesen, aber das war nichts im Vergleich zu dem hier.
Dracos Lippen verließen ihre, und gleich darauf spürte sie, wie sich sein Mund um eine ihrer Brüste schloss und sacht zu saugen begann. Mit Zähnen und Zunge brachte er sie soweit, dass sie stöhnend den Kopf hin- und herwarf, dann nahm er sich die andere Seite vor. Gleichzeitig schob er eine seiner Hände zwischen ihre Beine und presste sie gegen den Schritt ihrer Hose.
Das war alles, was es noch benötigte, um Ginny über den Rand zu bringen, und sie schrie auf, als eine wahre Welle über sie kam und förmlich unter sich begrub. Danach lag sie mit halbgeschlossenen Augen auf dem weichen Untergrund und versuchte, wieder zu Atem zu kommen.
„Ginny?" Dracos Stimme klang amüsiert. „Hey, Weasley, fall mir jetzt nicht in Ohnmacht, das wäre kein großes Kompliment."
„Im Gegenteil", murmelte sie. „Das würde deinem Ego doch erst richtig schmeicheln." Dann riss sie sich zusammen, öffnete die Augen und richtete sich auf.
Draco hatte sich auf den rechten Arm gestützt und ließ seinen Blick unverhohlen über ihre nackte Brust wandern.
Ginny wurde verlegen.
„Was ist mit dir?" fragte sie, obwohl ihr Gesicht dabei die Farbe ihrer Haare annahm. „Wolltest du nicht ..."
„Ich komm schon klar. Du hast mir genug Anschauungsmaterial gegeben, damit ich mich heute nacht beschäftigen kann."
„Wie bitte?!" Sie wollte entrüstet auffahren.
„Das war ein Scherz, Weasley", sagte er trocken und wurde dann wieder ernst. „Ich will nicht, dass du etwas tust, was du nachher bereust, so einfach ist das."
„Soviel Rücksichtsnahme kommt mir aber bei dir ziemlich verdächtig vor." Ginny musterte ihn misstrauisch.
„Hör zu, wenn ich das für eine Ich-fick-dich-und-vergess-dich Beziehung halten würde, dann hätte ich mich nicht damit zufrieden gegeben, nur den Mond anzustarren, wenn du verstehst, was ich meine."
„Dann ist es dir tatsächlich ernst?" So ganz konnte Ginny immer noch nicht daran glauben.
„Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Tatsache ist, ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich will."
Ginny wollte darauf eine Antwort geben, als Blossom sich plötzlich aus dem Hintergrund meldete.
„Scrawny – Draco – Sexy!" piepste sie frech.
„Blossom!"
