Der Zaubertranksaal in Hogwarts war menschenleer.

Niemand hörte, wie sich ein unheimliches Geräusch erhob, und dann ein Riss im Nirgendwo auftauchte.

Durch diesen Riss taumelten zwei Gestalten, sich gegenseitig festhaltend. Eine dritte, sehr kleine Gestalt sprang ebenfalls hindurch, und kurz danach schloss sich der Spalt, als hätte er nie existiert.

„Hogwarts." Dracos Stimme hallte in dem leeren Saal, während er sich bemühte, das gesamte Gewicht auf das nichtverletzte Bein zu verlagern.

„Hoffentlich hat uns Jelin nicht zu weit in die Zukunft geschickt." Ginny konnte das Zittern in ihrer Stimme nicht unterdrücken.

„Wir werden es herausfinden, oder?"

Blossom sprang neugierig herum und schnüffelte.

„Und was machen wir jetzt? Willst du hier bleiben, und ich hole Madam Pomfrey?" Irgendwie klang das falsch in Ginnys Ohren, aber etwas mussten sie schließlich tun.

„Wie wäre es, du benützt deinen Zauberstab, Scrawny, damit ich wenigstens ohne Schmerzen laufen kann?" Draco klang, als müsste er sich mit Mühe ein Lachen verbeißen. „Du weißt schon, das Ding aus Holz, mit dem man wahre Wunder wirken kann!"

Ginny starrte ihn nur einen Moment an, dann begann sie auch zu lachen.

„Stimmt. Nach all der Zeit habe ich fast vergessen, dass ich eine Hexe bin. Aber wieso benutzt du nicht deinen eigenen?"

„Würde ich ja, aber dann lege ich mich auf die Nase", kam die trockene Antwort zurück. „und zu allem anderen muss das ja nicht auch noch sein."

Ginny zog ihren Zauberstab und sah ihn an, als hätte sie ihn noch nie vorher zu Gesicht bekommen.

Sanara", flüsterte sie.

Draco setzte den Fuß vorsichtig auf den Boden, und nickte dann anerkennend.

„Nicht schlecht, Scrawny. Das sollte erst mal reichen." Er drehte sich um und ging behutsam zur Tür. Er hinkte immer noch, aber die Schmerzen waren nun auszuhalten. „Was ist, kommst du nicht mit?"

Ginny blieb stehen, wo sie war.

„Was werden wir ihnen erzählen? Und du – was wirst du tun?"

Draco wurde sich jetzt erst bewusst, dass die Entscheidung sehr nahe stand. Noch konnte er zurück. Aber wollte er das auch?

Einen ganz kurzen Moment war er versucht, der Verlockung nachzugeben. Die Stimme Lucius' in ihm, die immer so übermächtig gewesen war, befahl ihm, den Weg zu gehen, der ihm von Geburt an bestimmt war. Doch entschlossen schüttelte er den Gedanken ab, und erstaunlicherweise konnte er die Stimme energisch und ohne Probleme aus seinem Kopf verbannen.

„Die Wahrheit, Ginny. Nichts als die Wahrheit. Und ich werde nie wieder in meinem Leben meinem Vater gehorchen, das ist ein für allemal vorbei."

„Unsere Schwierigkeiten fangen gerade erst an, habe ich recht?"

Draco hinkte zu ihr zurück und nahm ihr Gesicht in beide Hände. Dann küsste er sie einfach, und Ginny schlang ihm die Arme um den Hals.

Blossom quietschte begeistert, doch die beiden nahmen keine Notiz von ihr.

Vielleicht. Wer weiß, was uns die Zukunft noch bringt. Vielleicht schaufeln wir uns unser eigenes Grab. Aber wenn wir es nicht wenigstens versuchen, dann werden wir es nie wissen.

Und vielleicht lohnt es sich mehr, als wir denken.

ENDE