Die Tür wurde aufgeschoben und eine schwarz vermummte Gestalt schwebte vor der Tür. Die Fenster vereisten. Draco zitterte und wimmerte noch lauter. Der Dementor schaute sich im Abteil um. Obwohl, umschauen ist zu viel gesagt. Dementoren waren blind. Er erforschte die Gefühle um sich herum. Siri wurde kalt, sie konnte sich nicht mehr richtig konzentrieren. Dieses Monster schwebte auf die beiden Jugendlichen zu. Der Junge krallte sich bei Siri fest. Der Dementor sog an ihren Erinnerungen. Nur noch schreckliche Gefühle blieben. Siri bekam langsam Angst. Sie musste etwas tun.

„Expecto Patronum," rief Siri und legte ihre schönsten und glücklichsten Erinnerungen in diesen Zauber. Der Dementor wurde von einer in fast spektralblauem Licht umhüllten riesigen Fledermaus verjagt. Sie war zwar nicht so ganz perfekt, aber sie hatte Form und war deshalb stark. Aber darüber machte Siri sich keine großen Gedanken, denn sie musste sich auf den Patronus konzentrieren. Als der Dementor weg war, brach das Mädchen zusammen.

Draco schaute sich vollkommen verängstigt um. Das Mädchen, was so unfreundlich zu ihm war und auch überhaupt keinen Respekt vor ihm oder seinem Namen hatte, hatte ihn gerettet.

Zwar war ihm immer noch übel, kalt und er hatte ein wirklich komisches Gefühl, aber er griff nach Siri und legte sie auf die Bank im Abteil. Er musste Hilfe holen. Aber wen? Hier waren keine Erwachsenen. Es gab nur Schüler in dem Zug. Vielleicht konnte ein Siebtklässler helfen? Draco hastete schnell aus dem Abteil und suchte nach einigen älteren Schülern. Jetzt rannte er in eine Gestalt. Erst hatte Draco Angst, dass es wieder so ein Monster war. Ein Dementor. Sein Vater hatte ihm von diesen Monstern erzählt. Sie waren die Hüter Askabans. Böse Wesen.

„Junge, Vorsicht!" Draco hörte eine Stimme und schaute auf. Ein Mann, ziemlich abgehalftert. Dieser Mann sah aus wie ein Obdachloser. Aber egal.

„Ich suche jemanden, der dem Mädchen in Abteil 5 helfen kann." Der Mann schaute hellhörig auf. „Was ist mit dem Mädchen?" „Da war so ein Dementor und sie zauberte, er verschwand und sie kippte um!" Das war die Kurzversion. Aber Draco war in dem Moment zu sehr mit seiner eigenen Angst um sein Leben beschäftigt gewesen und da hatte er nicht auf das geachtet was das Mädchen tat.

Der Mann stürmte zu dem Abteil.

„Siri," japste er, „wach auf!" Er tätschelte sanft ihre Wange. Dieser Kerl kannte das Mädchen wohl. Draco hielt er nach einigen Sekunden ein Stück Schokolade hin. „Was soll das?" patzte dieser, „sehe ich aus, wie ein kleines Kind?"

„Remus?," Siri schlug die Augen auf, „was is los?" „Du bist ohnmächtig geworden." Der Mann, der Remus hieß, lachte erleichtert auf. „Nicht die erste heute," meinte er dann trocken. „Was?" „Ach nichts, nur dein Cousin ist auch Ohnmächtig geworden. Aber zu was anderem! Mr. Malfoy, Sie sagten, dass Siri gezaubert hätte?" Draco nickte. Remus hielt Siri ein Stück Schokolade hin, die es nahm und begann dran zu knabbern, während sie anfing zu erklären. „Da kam der Dementor. Es war schrecklich! Draco war auch da und irgendwie musste ich was tun. Mr Gilmore, mein ehemaliger Lehrer im Fortgeschrittenen Kurs Verteidigung hat uns beigebracht einen Patronus zu beschwören, solange bis wir einen mit Gestalt hatten. Erst konnte ich mich nicht an den Zauber erinnern, aber dann war alles wieder da und ich habe meine Patronus beschworen. Er hat den Dementor verjagt aber dann wurde alles schwarz. Jetzt bist du hier und ich hab Schoki." Siri holte tief Luft und knabberte weiter an ihrem Stück Schokolade.

Dann setzte sich der Zug endlich wieder in Bewegung. Remus verschwand mit den Worten: „Ich geh mal mit dem Zugführer sprechen."

Die beiden Jugendlichen waren nun wieder allein in dem Abteil.

„Danke," meinte Siri und schaute kurz in Dracos Gesicht. „Nicht dafür," gab der Junge zurück.

„Tut mir Leid, wie ich in der Einkaufsstraße zu dir war," Siri lächelte ihn ein bisschen betreten, „aber ich mag eigentlich gar nicht hier sein! Und das habe ich an dir ausgelassen!" „Schon ok! Ich war auch kein Gentleman. Wollen wir noch mal von vorn anfangen?" Das Mädchen lächelte Draco an und hielt dem Jungen ihre Hand entgegen. „Mein Name ist Siri Black, ich komme aus Amerika und finde England ziemlich rückständig!" „Ich bin Draco Malfoy, bin in Slytherin und denke dass du dich an Groß Britannien gewöhnen kannst! Es ist vielleicht ein wenig antiquiert, zu mindest im ersten Moment, aber wir sind gar nicht so schlecht!" Der Blonde lächelte. Es war eher eine Mischung aus hämischem Grinsen und überheblichem Lächeln, aber seine Augen sagten ihr, dass er es eigentlich als nett gemeintes Lächeln meinte.

„Du bist eine Black?" „Ja," antwortete Siri etwas genervt, „aber das ist doch vollkommen egal!" „Nein," kam es von Draco, „es ist nicht egal! Du bist eine Black, das heißt, dass du mit meiner Mutter verwandt bist! Meine Mutter ist eine geborene Black. Eine alte reinblütige Familie!" „Bitte lass mich mit diesem Reinblüter-Quatsch zu frieden! Ich habe nicht die Absicht in die Fußstapfen meiner Großeltern väterlicherseits zu treten!" Sie hatte wieder diesen Ton drauf, der keine Widerrede erlaubte.

Draco verließ kurz darauf das Abteil und begab sich zu seinen Freunden. Siri blieb allein zurück und hing ihren Gedanken nach. Sie dachte darüber nach, was sie erwarten würde, warum sie nicht einfach keine Streiche spielen konnte und was sie jetzt machen würde, wenn sie zu Hause in Amerika wäre und mit ihren Freunden schon dabei war in der Aula zu sitzen und das Abendessen zu genießen.

Draußen war es schon dunkel als der Zug in den Bahnhof von Hogsmeade einfuhr. Siri hatte sich umgezogen, wobei ihr die Schuluniform vollkommen zuwider war, und stieg mit ihrem Rucksack in der Hand aus dem Zug aus. Die Koffer sollten drin bleiben und würden zur Schule gebracht werden. Draußen wartete Draco auf sie.

„Komm mit, ich zeig dir, wo du lang musst!" mehr sagte er nicht und zog sie einfach hinter sich her in Richtung von einpaar Kutschen, wo keine Pferde vorgespannt waren.