Kapitel 2
Zum ersten Mal machten sie einen interkontinentalen Shuttleflug. Jonathan und Alexander hatten schon oft den kleinen Fluggeräten beim Starten und Landen zugesehen. Und jedesmal haben sie sich versucht vorzustellen, wie es wohl sein mag, mit Überschallgeschwindigkeit durch die Wolken zu fliegen. Für die längeren Strecken, die sie bisher zurückgelegt hatten, hatten sie stets den Transporter benutzt. Den beiden Jungs machte es nichts aus sich in sämtliche Atome zerlegen, diese hunderte oder tausende von Kilometern transferieren und dann wieder zusammensetzen zu lassen. Das globale Transporternetzwerk war eines der sichersten und meistgenutzten Transportmittel des Planeten. Doch heute benutzten sie mit Absicht ein Shuttle, da dieser dem Beamen gegenüber einen kleinen Vorteil bot. Man konnte mit eignen Augen das Ziel sehen, zu dem man sich begibt. Und der Anblick beim Anflug auf San Francisco war wohl einen der spektakulärsten.
John und Alex standen an einem der großen Sichtfenster, als sie unter sich die Golden Gate Bridge hinwegziehen sahen. Während des Dominion-Krieges hatte sie beträchtlichen Schaden genommen. Doch nun erstrahlte sie wieder im alten Glanz. Genauso wie das Hauptquartier der Sternenflotte, dem sie sich nun näherten.
"Ich hätte mir das alles nie so groß vorgestellt", sagte Alexander.
"Das ist ja auch nicht nur das Sternenflotten-Hauptquartier", erklärte John. "In diesem Komplex befinden sich auch die Botschaften sehr vieler Mitgliedswelten der Föderation."
"Außerdem die Zentralverwaltung der San Francisco-Flottenwerft, in der bereits die U.S.S. Enterprise NCC-1701 gebaut wurde", ergänzte Sevar, die hinter die beiden getreten war.
"Und auch die S.S. Enterprise NX-01", fügte Jonathan das Schiff hinzu, dessen Abenteuer er auswendig kannte.
Der Shuttle ging nun in eine Kurve, flog über die Bucht, die von der Stadt eingeschlossen wurde, und hielt nun auf das Gelände der Sternenflotten-Akademie zu. Das Hauptgebäude strahlte im Sonnenschein und die ausgedehnten Grünanlagen auf dem Campus waren mit einer feinen Schneeschicht bedeckt.
"Wow, was für ein Anblick", staunte Alexander.
"Du hast doch noch gar nichts gesehen", sagte Sevar.
Jonathan musste etwas schmunzeln, hatte die Vulkanierin doch eine recht menschliche Floskel benutzt. Die vielen Jahre unter Menschen konnten auch einen Vulkanier verändern.
"Im Winter hat Boothby wahrscheinlich nicht viel zu tun", meinte John, beim Anblick der weißen Landschaft. Er hatte schon viel von dem berühmtesten Gärtner der Akademie gehört.
"Oh, gewiss nicht", korrigierte ihn Sevar. "Im Winter muss er sich um die Pflanzen in den Gewächshäusern kümmern. Und was meinst du, wer sich darum kümmert, dass die Kadetten trockenen Fußes von ihren Quartieren zu den Hörsälen kommen?"
"Dann ist er wohl auch gleichzeitig noch Hausmeister?", fragte John zurück.
"Er ist der Gärtner, der Hausmeister, Ratgeber und Mentor für schwierige Kadetten..."
"Ich glaube, ich würde Boothby gerne einmal kennen lernen."
Als er dies sagte, glaubte John fast ein kleines Lächeln auf Sevars sonst so emotionslosem Gesicht gesehen zu haben.
