23:07 Uhr EST

Harms Apartment

Nördlich der Union Station, Washington D.C.

Leise schloss Harm die Tür auf. Es war ohne Zweifel ein netter Abend gewesen. Sie hatten Billard gespielt, einige Gläser Bier getrunken und sich unterhalten. Aber Harm musste zugeben, dass ihn der Gedanke, dass er künftig nicht mehr so häufig dazu kommen würde, nicht so sehr störte, wie er ursprünglich angenommen hatte.

Er hängte seine Lederjacke an die Garderobe und sah sich nach Mac um. Die Lampe auf seinem Schreibtisch war als einzige eingeschaltet, sie tauchte den Rest des Apartments in ein schummeriges Licht, doch Harm konnte problemlos erkennen, dass Mac nicht dort war. Er zog eine Augenbraue in die Höhe und ging zum Schlafzimmer, in dem er ebenfalls Licht sah. Vermutlich hatte Belle Probleme gemacht, so dass Mac an ihrem Bett saß.

„Mac", rief er im Flüsterton, als er die wenigen Stufen hinaufstieg, „ich bin wieder…"

Er brach ab, als er sie auf seinem Bett liegen sah. Mac hatte sich auf die Seite gerollt, den Kopf auf die Hände gebettet und schlief. Neben ihr lag ein zusammengeklappter Aktendeckel.

Behutsam trat Harm näher, warf einen prüfenden Blick auf das Kinderbett, in dem seine Tochter friedlich schlief, und hockte sich neben sein Bett. „Mac", flüsterte er, „wachen Sie auf!" Ein unwilliger Laut war die Antwort, für den Bruchteil einer Sekunde zuckten ihre Augenlider, dann entspannte sich Macs Gesicht wieder, während sie in tieferen Schlaf zurückglitt. Ratlos kniete Harm an ihrer Seite. Sollte er seine Kollegin tatsächlich wecken und nach Hause schicken? Müde, wie sie war, wollte er nicht, dass sie sich noch hinters Steuer setzte, und er durfte auf keinen Fall mehr fahren. Er könnte ihr natürlich ein Taxi rufen…

Im Schlaf drehte sich Mac auf den Bauch und seufzte zufrieden. ›Ach, was soll's. Dann bleibt sie eben hier und ich schlafe auf der Couch.‹

Aber anstatt sich zu erheben, blieb er wo er war. Er genoss es, Mac ungestört betrachten zu können, ohne befürchten zu müssen, dass sie es merken würde. Aufmerksam studierte er ihr Gesicht, ihre zarten Wangenknochen, die vollen Lippen, die im Schlaf leicht geöffnet waren. Eine dunkle Haarsträhne war ihr ins Gesicht gefallen, im Rhythmus ihres Atems bewegte sie sich sacht. Ganz automatisch streckte Harm seine Hand aus und strich sie ihr sanft aus dem Gesicht. Mac bewegte leicht den Kopf, Harms Hand verharrte in der Luft. Mit angehaltenem Atem wartete er, bis Mac sich wieder entspannte.

›Das war knapp. Was glaubst du, was sie dir erzählen wird, wenn sie dich dabei ertappt, wie du sie im Schlaf beobachtest und auch noch berührst, aus welchem Grund auch immer. Das gibt doch gleich wieder neue Missverständnisse! Leg dich lieber auf die Couch und versuch zu schlafen.‹ Mit einem letzten Blick auf seine schlafende Kollegin stand er auf und nahm ein Bettlaken und eine dünne Decke aus dem Schrank. Dann schaltete er die Nachttischlampe aus und ging leise ins Wohnzimmer hinüber.

Nachdem er das Laken über der Couch ausgebreitet hatte, zog er sich rasch bis auf die Boxershorts aus, löschte das Licht auf dem Schreibtisch und ließ sich auf der Couch nieder. Unruhig wälzte er sich von einer Seite auf die andere, um eine möglichst bequeme Schlafposition zu finden Vergebens!

›Ich möchte wissen, wie Mac darauf schlafen konnte und noch dazu mit Belle im Arm!‹ Missmutig legte er sich auf den Rücken und streckte die Beine aus. Jetzt ragten seine Füße über die Armlehne hinaus, Harm merkte, wie seine Zehen trotz der Decke kalt wurden. Er winkelte die Beine wieder an. Um sich von seiner unbequemen Lage abzulenken, dachte er an die letzten Tage zurück. Den Sonntag mit Belle und Keeter, den Zoobesuch am Tag vorher mit ihr und Mac. Bei dem Gedanken an Mac und Belle im Sandkasten dämmerte er langsam weg.


xxx


03:27 Uhr EST

Harms Apartment

Nördlich der Union Station, Washington D.C.

Mac drehte sich im Halbschlaf um und versuchte die Decke höher zu ziehen. Nur – da war keine Decke! Mit geschlossenen Augen tastete sie umher.

›Wieso habe ich eigentlich noch meine Jeans an?‹ Schlagartig setzte sie sich auf und sah sich irritiert um. Durch das schwache Licht der Straßenbeleuchtung, das hereinfiel, konnte sie erkennen, dass sie auf keinen Fall in ihrem eigenen Bett lag. Sie konnte die Umrisse eines Kinderbetts ausmachen. ›Belle! Ich muss in Harms Bett eingeschlafen sein.‹ Ein Check ihrer inneren Uhr sagte ihr, dass es bereits halb vier war. War Harm noch immer nicht zurück? Er musste doch genau wie sie am nächsten Morgen arbeiten. Um das schlafende Kind nicht zu wecken, schaltete sie das Licht nicht ein, als sie aufstand und ins Wohnzimmer ging. Auch dieser Teil des Apartments lag im Dunkeln. Während sie darauf wartete, dass sich ihre Augen an die Finsternis gewöhnten, hörte Mac ein undeutliches Grummeln aus der Sofaecke. Mit ausgestreckten Armen tastete sie sich durch den Raum, um nicht mit nackten Füßen gegen ein Möbelstück zu stoßen. Schließlich hatte ihr linker Fuß erst gerade wieder seinen normalen Farbton angenommen.

Als sie auf etwa einen Meter an die Couch herangekommen war, konnte sie die Quelle des merkwürdigen Geräuschs ausmachen: Harm lag auf der Couch und schlief unruhig.

Mac schaltete den in der Ecke stehenden Deckenfluter ein. Das gedämpfte Licht erhellte den Wohnbereich und ermöglichte ihr, ihren Kollegen genauer in Augenschein zu nehmen. Er lag seitlich auf der für ihn viel zu kurzen Couch, das linke Bein angewinkelt, das rechte auf dem Fußboden aufgestellt. Die Decke hatte sich um seine Hüfte gewickelt, so dass Beine und Oberkörper nicht bedeckt waren. Er sah aus wie ein überdimensionales Wickelbaby! Mac musste ein Kichern unterdrücken.

„He, Sailor, aufwachen!" Sie stupste ihn in die Seite, bis er stöhnend die Augen einen Spalt öffnete. „Ab ins Bett mit Ihnen!"

„Mac?" Harm fuhr sich über die Augen und blinzelte sie verwirrt an. Mühsam setzte er sich auf und versuchte sich aus der Decke zu befreien.

„Was machen Sie eigentlich, während Sie schlafen?", fragte Mac amüsiert und deutete auf die Decke und auf das Bettlaken, das zusammengeknuffelt am ‚Fußende' der Couch lag.

„Gute Frage…" Irritiert kratzte sich Harm am Hinterkopf, so richtig wach war er scheinbar nicht. Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er nur in Boxershorts vor seiner Kollegin saß. Hastig deckte er sich zu. „Wieso sind Sie überhaupt wach?", verlangte er dann zu wissen. „Gehen Sie wieder ins Bett und schlafen Sie weiter."

„Von wegen. Sie gehen in Ihr Bett und ich schlafe hier weiter", stellte Mac sich quer.

„Kommt nicht in Frage! Sie werden keine weitere Nacht auf meiner Couch verbringen müssen. Ich bleibe hier!" Demonstrativ streckte er sich wieder der Länge nach aus und schloss die Augen.

Mit gerunzelter Stirn betrachtete Mac ihren Kollegen von oben bis unten: Vom Kopf, der unbequem auf der Armlehne lag, bis zu den Füßen, die über das Couchende hinaus in die Luft ragten. „Das ist doch lächerlich!" Entschlossen zog sie ihm die Decke weg. Auf Harms entrüsteten Protest hin sagte sie: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder ich schlafe auf der Couch oder ich fahre nach Hause. Sie werden auf jeden Fall den Rest der Nacht im Bett verbringen! Suchen Sie sich aus, was Ihnen besser gefällt."

Harm grinste hinterhältig und verschränkte die Arme vor der nackten Brust. „Sie haben die dritte Möglichkeit vergessen, Marine: Wir schlafen beide in meinem Bett. Das würde mir am besten gefallen!"

Mac starrte ihn perplex an. Harm nutzte die Gelegenheit, entriss ihr seine Decke, breitete sie wieder über sich aus und sagte mit Genugtuung: „Da ich Möglichkeit eins und zwei ablehne und Sie offensichtlich nichts von Möglichkeit drei halten, schlage ich vor, dass Sie wieder ins Bett gehen und mich endlich weiterschlafen lassen."

›Na warte, du wirst dich wundern!‹, beschloss Mac. „Dann nehme ich Möglichkeit drei", erklärte sie mit gelassener Stimme und sah mit Befriedigung, dass diesmal Harm die Augen erstaunt aufriss. „Was denn, Sailor? Haben Sie Angst, dass ich Ihnen die Bettdecke klaue?"

Unsicher sah Harm sie an. „Mac…"

„Beruhigen Sie sich. Ich habe nicht die geringste Absicht, Ihnen zu nahe zu treten", sagte sie mit einem spöttischen Lächeln. „Ihr Bett ist breit genug und wir sind schließlich beide erwachsen." ›Hoffentlich glaubst du selbst, was du da sagst, Marine!‹ Sie drehte sich um und ging ins Schlafzimmer zurück. Zögernd folgte ihr Harm, die Decke unter den Arm geklemmt.

Mac stand bereits vor dem Bett, räumte die Akte beiseite und sah sich fragend nach Harm um, der etwas entfernt von ihr stehengeblieben war. „Links oder rechts?", fragte sie mit Rücksicht auf Belle im Flüsterton. Harm machte eine großzügige Handgeste. „Suchen Sie sich was aus."

Regungslos beobachtete er, wie Mac es sich auf ‚seiner' Seite des Bettes gemütlich machte, die Decke bis zum Hals hochzog und ihn leicht missbilligend ansah. „Sie haben das Licht angelassen." Richtig, das Licht des Deckenfluters fiel ins Schlafzimmer. Harm warf seine Decke auf die freie Bettseite und ging zurück, um die Lampe auszuschalten. Im Nu sprang Mac aus dem Bett, um sich wenigstens ihre Jeans auszuziehen und legte sich eilig wieder hin, bevor Harm zurückkam. Mittlerweile wusste sie selbst nicht mehr, was sie dazu gebracht hatte, Harm aufzufordern, das Bett mit ihr zu teilen. ›Wahrscheinlich war es sein unverschämtes Grinsen und die Selbstverständlichkeit, mit der er einfach vorausgesetzt hat, dass ich nicht auf seinen Vorschlag eingehen würde. Dabei sollte er eigentlich wissen, dass ich schon aus Prinzip widerspreche.‹ Harm kam zurück und legte sich wortlos ins Bett.

Umständlich breitete er seine Decke über sich aus und rückte ganz an den Bettrand, peinlich bemüht, Mac nicht zu nahe zu kommen. Diese registrierte genauestens jede seiner Bewegungen. Als er endlich ruhig dalag, drehte sie den Kopf zu ihm und raunte: „Gute Nacht, Flyboy!"

„Gute Nacht, Marine. Schlafen Sie gut!"

Eine halbe Stunde verging. An seinen gleichmäßigen Atemzügen konnte Mac erkennen, dass Harm endlich eingeschlafen war. Zufrieden kuschelte sie sich in ihre Bettdecke. Das Kissen unter ihrem Kopf duftete leicht nach Harms Aftershave. Die Nase tief in das Kissen gedrückt, um den Duft besser aufnehmen zu können, schloss Mac die Augen und döste auch ein.


xxx


06:03 Uhr EST

Harms Apartment

Nördlich der Union Station, Washington D.C.

„Daddy!"

Belles halblautes Rufen riss Mac aus ihren äußerst angenehmen Träumen. Sie schlug die Augen auf und realisierte, dass sie anscheinend nicht alles nur geträumt hatte.

Sowohl sie als auch Harm waren im Schlaf in die Mitte des Bettes gerollt und lagen jetzt eng aneinandergeschmiegt, wenn auch unter verschiedenen Decken. Harm hatte seinen Arm locker auf ihrer Hüfte liegen und schlief seelenruhig. ›Das kommt von deiner schwachsinnigen Idee, gemeinsam in einem Bett zu schlafen. Gut, dass du wenigstens vor Harm wach geworden bist!‹ Sie schloss noch einmal die Augen und genoss Harms wohltuende Nähe. Am liebsten wäre sie einfach so liegen geblieben mit Harms Hand auf ihrem Körper, doch die Angst vor seiner Reaktion, wenn er jetzt aufwachen würde, brachte sie dazu, sich aus seiner Umarmung zu lösen. Nicht ohne Bedauern schob sie seinen Arm sanft weg und schlüpfte aus dem Bett. Belle hatte aufgehört zu rufen, als sie die Geräusche gehört hatte. Aufrecht stand sie in ihrem Kinderbett und sah Mac erwartungsvoll an.

„Na, kleine Maus, bist du ausgeschlafen?" Mac beugte sich über das Gitter und hob Belle hoch.

„Guten Morgen", erklang eine verschlafene Stimme hinter ihr. Mit Belle auf dem Arm drehte sie sich um.

„Guten Morgen, Harm! - Ist etwas?", fragte sie irritiert nach, weil Harm zurückzuckte und sie, jetzt offenbar hellwach, mit zusammengekniffenen Augen verblüfft musterte.

„Äh, nein, alles in Ordnung!", sagte er und setzte ein freches Grinsen auf. „Nettes Höschen!"

Mac sah an sich herunter und merkte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss.

Außer ihrem kurzen T-Shirt trug sie nur einen Slip aus schwarzer Spitze. Sie hob den Blick und sah direkt in Harms funkelnde Augen. „Oh", meinte sie cool, um ihre Verlegenheit zu überspielen, „gefällt es Ihnen? Ich würde Ihnen ja auch noch den passenden BH zeigen, aber ich denke, in Gegenwart eines kleinen Kindes wäre das nicht angebracht." Herausfordernd blickte sie Harm ins Gesicht, während sie Belle auf seinem Bett absetzte. Dann griff sie nach ihrer Jeans und zog sie betont langsam an. Aus den Augenwinkeln sah sie, dass Harm sie fassungslos ansah und nur allmählich reagierte, als Belle auf seinen Schoß kletterte. ›Du hast doch nicht wirklich erwartet, dass sich ein Marine durch so eine Kleinigkeit aus der Fassung bringen lässt, oder, Flyboy?‹

„Wie war eigentlich Ihr Männerabend?", lenkte sie ab. „Keinen Erfolg gehabt? Ich konnte heute Nacht keine Blondine in Ihren Armen entdecken."

Harm hatte sich mittlerweile von der Überraschung erholt und ging auf ihren scherzhaften Tonfall ein. „Ich war der Meinung, dass mein Bett für drei Personen dann doch zu schmal ist. Außerdem reichen mir zwei dunkelhaarige Frauen in meinem Schlafzimmer, da brauche ich nicht noch eine Blondine." Er hob die zappelnde Belle von seinem Schoß und stand auf.

„Ich springe eben schnell unter die Dusche, dann mache ich Frühstück. Haben Sie irgendwelche speziellen Wünsche?"

„Hauptsache, es geht schnell. Ich muss noch nach Hause, mich umziehen."

Mac griff sich Belle, die gerade die Stufen zum Wohnzimmer hinunterklettern wollte, und setzte sie auf den Wickeltisch. Während sie sich mit ihr unterhielt, zog sie ihr den Strampelanzug aus und wechselte die Windel. Aus dem angrenzenden Bad konnte sie Harm vergnügt unter der Dusche pfeifen hören. Sie ertappte sich dabei, dass sie leise mitsummte.


Nach dem Frühstück stürmte Mac aus dem Haus.

Es war so gemütlich gewesen, dass sie viel länger als geplant am Frühstückstisch sitzen geblieben war und noch eine weitere Tasse Kaffee getrunken hatte. Jetzt musste sie sich wirklich beeilen, um sich noch zu Hause duschen und umziehen zu können. Bereits um 8.00 Uhr hatte sie einen Termin im Hauptquartier. Sie warf ihre Aktentasche auf den Beifahrersitz und ging gerade auf die Fahrerseite hinüber, als ein dunkelblauer, schon etwas älterer Ford auf den Hof fuhr und anhielt. Erst als die Fahrerin des Wagens ihr zuwinkte, erkannte Mac, dass es sich um Sandy handelte.

„Hallo Mac! Was machen Sie denn schon am frühen Morgen hier?" Sandy war aus dem Auto gestiegen und sah Mac neugierig an.

„Hey Sandy. Ich habe gestern Abend auf Belle aufgepasst, damit Harm mit einem Freund ausgehen konnte." Mac wurde mit Schrecken bewusst, wie spät es bereits war.

„Tut mir leid, Sandy, aber ich habe es wahnsinnig eilig. Ich muss noch nach Hause, meine Uniform anziehen. Bis bald!" Sie stieg in ihren Jeep, startete den Motor und fuhr zügig los.

Im Rückspiegel sah sie, wie Sandy ihr nachblickte.


Sandy stieg die Stufen zu Harms Apartment hoch und holte ihren Schlüssel aus der Tasche.

Ihre Gedanken waren noch bei der Szene eben vor dem Haus. Wenn Mac gestern Abend auf Belle aufgepasst hatte, warum war sie dann jetzt hier gewesen und sprach davon, sich noch umziehen zu müssen? Sie schloss die Tür auf und fand Harm dabei vor, den Geschirrspüler mit dem schmutzigen Geschirr zu füllen. „Guten Morgen, Harm", grüßte sie und hängte ihre Jacke und die Handtasche an die Garderobe. Harm schaltete den Geschirrspüler ein und richtete sich auf.

„Guten Morgen Sandy!"

Sandy begrüßte Belle, die in ihrer Spielzeugkiste wühlte, und wandte sich wieder an Harm. „Ich habe eben Mac getroffen, sie erzählte etwas von Babysitten."

Harm nickte. „Sie hat gestern auf Belle aufgepasst, da ein alter Freund von mir in der Stadt ist. Es ist etwas spät geworden, deshalb ist sie über Nacht geblieben." Er registrierte ihren erstaunten Blick und beeilte sich zu sagen: „Selbstverständlich habe ich auf der Couch geschlafen!"

„Selbstverständlich."

Sandy ging ins Bad. Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer fiel ihr Blick auf Harms noch ungemachtes Bett, auf dem zwei Decken lagen und es sah wirklich nicht so aus, als ob eine der Decken nur eben darauf geworfen worden wäre. ›Sieh an, er hat selbstverständlich auf der Couch geschlafen!‹ Sie grinste.

Harm kam ins Schlafzimmer, um sich seine Uniform anzuziehen. Nach dem ‚Nudel-Unfall' vom Vorabend hatte er beschlossen, die Mahlzeiten nur noch in Zivilkleidung einzunehmen. Er begegnete Sandys amüsierten Blick. „Was ist?", fragte er misstrauisch.

„Och, gar nichts", antwortete sie und sah wie zufällig auf die beiden Decken.

Harm folgte ihrem Blick und merkte, wie er errötete. „Ich kann das erklären", sagte er mit schwacher Stimme.

Selbstverständlich", kicherte Sandy. Als sie merkte, wie Harm sich vor Verlegenheit wand, riss sie sich zusammen. „Entschuldige. Es geht mich absolut nichts an, mit wem du dein Bett teilst."

„Es ist nicht das, was du denkst!" Harm rollte verzweifelt mit den Augen. Wieso wurde ihm eigentlich ständig ein Verhältnis mit seiner Kollegin unterstellt? „Ich habe wirklich erst auf der Couch gelegen. Aber sie ist einfach zu unbequem für meine Größe, deshalb haben wir dann beide nebeneinander im Bett geschlafen." „Ich glaube dir doch", beruhigte ihn Sandy. ›Allerdings glaube ich nicht, dass du etwas dagegen hättest, wenn es anders gewesen wäre.‹

Sie sah auf die Uhr. „Ich möchte dir ja keine Vorschriften machen, aber meinst du nicht, dass du langsam aus dem Haus solltest? Du sagtest etwas davon, dass du heute Vormittag in Norfolk sein musst." Harm unterdrückte den Fluch, der ihm auf den Lippen lag und griff nach seiner Morgen mit Mac hatte ihn völlig aus dem Konzept gebracht.

Sandy schmunzelte diskret und verließ das Schlafzimmer.