09:33 Uhr EST

JAG-Hauptquartier

Falls Church, Virginia

„Guten Morgen, Mac." Harm lehnte am Türrahmen zu Macs Büro, in dem seine Kollegin gerade ihren Computer einschaltete.

„Guten Morgen, Flyboy! Na, haben Sie heute schon etwas aus dem Fenster geworfen, um zu sehen, ob es fliegt?"

„Nein, aber ich kann gerne mit Ihnen anfangen, wenn Sie nicht bald aufhören, mich damit zu ärgern. Ich war damals zwei Jahre alt. Woher hätte ich denn wissen sollen, dass mein Holzflugzeug nicht fliegen kann?", verteidigte sich Harm und beschloss, sich beim nächsten Telefonat bei seiner Mutter zu bedanken, die beim gemeinsamen Abendessen nicht aufgehört hatte, sämtliche mehr oder weniger peinlichen Kindheitserlebnisse von ihm zum Besten zu geben. Vielleicht wäre ein Knebel das passende Geschenk zu ihrem nächsten Geburtstag…

„Die meisten Kinder brauchen aber nur ein oder zwei Versuche, um das zu verstehen. Sie hingegen haben es immer wieder probiert. Besonders lernfähig scheinen Sie demnach nicht zu sein." Mac genoss es, Harm damit aufzuziehen.

„Das hat nichts mit Lernfähigkeit zu tun. Aber vielleicht will ich mich nicht immer mit allem zufrieden geben. Deshalb gebe ich nie die Hoffnung auf, dass sich alles noch ändern kann." Während des letzten Satzes war seine Stimme ernster geworden, das Lachen war aus seinem Gesicht gewichen, als er Mac ansah.

Verlegen blickte sie zur Seite. ›Verdammt, Rabb, was redest du denn da für einen Blödsinn zusammen? Jetzt sieh zu, wie du da wieder rauskommst!‹ Er räusperte sich. „Aber mit meiner Mutter habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen! Mich so vor Ihnen bloßzustellen."

Erleichtert ging Mac darauf ein. „Wenn ich mich recht erinnere, haben Sie doch vorher behauptet, keine Geheimnisse vor mir zu haben. Wie kann Ihre Mutter Sie also bloßstellen? Außerdem fand ich es hochinteressant, besonders die Geschichte, wie Sie die Wasserschildkröte vor dem Ertrinken retten wollten."

„Genau, machen Sie sich ruhig über mich lustig!"

„Ich mache mich überhaupt nicht über Sie lustig", beteuerte Mac und meinte das völlig ehrlich. „Ich finde es rührend, dass Sie sich so um ein Tier gesorgt haben." Sie lächelte bei dem Gedanken an den kleinen Harmon, der, ohne selbst schwimmen zu können, ins Wasser gesprungen war, um der Schildkröte das Leben zu retten.

Harm verzog das Gesicht. „Meine Mutter fand das damals weniger rührend, als sie mich aus dem Teich unserer Nachbarn fischen musste. Ich habe ihre Strafpredigt heute noch im Ohr."

„Guten Morgen, Commander, Major!" Harriet trug einen Stapel Bücher unter dem Arm und senkte ihre Stimme etwas. „Weiß einer von Ihnen, was eigentlich mit Tiner los ist? Er wirkt schon seit einigen Tagen etwas bedrückt und jetzt hat er auch noch die Bücher für den Admiral in der Bibliothek liegenlassen." Drei Köpfe drehten sich Richtung Tiner, der einige Akten wegräumte und eine für ihn ungewohnt düstere Miene aufgesetzt hatte.

„Hmm", machte Harm schulternzuckend, „vielleicht hat er einfach schlechte Laune." Er nickte ihnen noch einmal zu und ging in sein Büro.

Er hatte an diesem Morgen einige Telefonate zu führen. Zwischendurch fiel sein Blick immer wieder auf Tiner, der tatsächlich einen geknickten Eindruck machte. Abwägend bewegte Harm seinen Kopf hin und her. Sollte er oder sollte er nicht? „Ach, was soll's!" Kurzentschlossen nahm er den Telefonhörer in die Hand und wählte eine Nummer. „Hallo Sandy! Ich fürchte, ich werde langsam senil. Ich habe schon wieder wichtige Papiere auf meinem Schreibtisch liegen lassen…"


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11:56 Uhr EST

JAG-Hauptquartier

Falls Church, Virginia

Mac verließ den Gerichtssaal mit dem guten Gefühl, dass alles nach Wunsch verlief. Commander Mattonis Mandantin hatte sich beim Kreuzverhör in mehrere Widersprüche verwickelt, so dass man sie aller Voraussicht nach für schuldig befinden würde.›Gut, dass Harm sie nicht verteidigt! Der würde es glatt fertig bringen und die Geschworenen doch noch von ihrer Unschuld überzeugen.‹

Vor dem Aufzug prallte sie beinahe mit Sandy zusammen, die Belle an der Hand hielt.

„Sandy! Was machen Sie denn hier?" Mac beugte sich hinunter, um auch Belle zu begrüßen.

„Harm hat mich gebeten, ihm eine Akte vorbeizubringen." Sandy unterdrückte vergeblich ein Grinsen. „Ganz schön vergesslich, der gute Mann."

„So? Ist mir noch nie aufgefallen…" Mac öffnete die Glastür zum Bullpen. Harm stand am Kopierer und unterhielt sich mit Tiner. Er winkte ihnen zu, als er sie sah und machte offensichtlich dem jungen Petty Officer gegenüber eine Bemerkung, woraufhin der sich zu ihnen umdrehte und leicht errötete. Mac ging augenblicklich ein ganzer Kronleuchter auf. ›Von wegen vergesslich! Er hat nur beschlossen, höchstpersönlich etwas gegen Tiners schlechte Laune zu unternehmen. Dieser … Kuppler!‹

Innerlich grinsend beobachtete sie, wie ihr Kollege ausführlich seine Tochter begrüßte, so dass Sandy und Tiner gar nichts anderes übrig blieb, als sich miteinander zu unterhalten.

›Als ob er so etwas schon tausendmal zuvor gemacht hätte!‹

Harm fing ihren Blick auf und blinzelte ihr verstohlen zu. „Sandy", wandte er sich dann an Belles Nanny, „habt ihr jetzt etwas Wichtiges vor? Sonst würde ich meine Mittagspause gern mit Belle verbringen. Du könntest dir in der Zwischenzeit die Gegend hier ansehen. Es gibt zum Beispiel einen schönen Park in der Nähe…"

Sandy schien etwas überrumpelt zu sein. Ihre linke Hand spielte mit dem Reißverschluss der großen Schultertasche, die sie bei sich hatte. „Wenn du meinst", sagte sie zögernd. „Wo genau ist dieser Park?"

Noch ehe Harm ihre Frage beantworten konnte, hatte sich Tiner in das Gespräch eingeschaltet. „Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen den Weg zeigen, Miss Johnson." Sandy richtete ihre blauen Augen auf Tiner, dessen Gesicht unter ihrem Blick nach und nach die Farbe einer reifen Tomate annahm. „Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben", stotterte er. Mac hatte genug gesehen. Sie ging in ihr Büro, um ihre Aktentasche abzustellen.

Eine knappe Minute später kam Harm mit Belle herein. „Haben Sie schon Pläne fürs Mittagessen? Wir suchen noch eine Begleitung."

„Oh, ich dachte, Sie wollten mit Belle allein sein." Harm zog erstaunt die Augenbrauen in die Höhe. „Wie kommen Sie denn darauf?"

„Na ja, Sie haben sich solche Mühe gegeben, Sandy loszuwerden, nachdem sie Ihnen freundlicherweise die vergessene Akte nachgebracht hat." Vielsagend lächelte sie ihn an.

Harm besaß zumindest den Anstand zu erröten. „Ich versuche nicht, die beiden zu verkuppeln, falls Sie darauf hinauswollen. Ich gebe ihnen nur die Gelegenheit sich zu unterhalten. Was die zwei daraus machen, ist allein ihre Angelegenheit." Er hielt Belle in letzter Minute davon ab, Macs Aktenschrank leerzuräumen. „Nein, Belle, in Macs Büro muss absolute Ordnung herrschen, sonst kann sie nicht arbeiten." Beiläufig ließ er seinen Blick über das Chaos auf Macs Schreibtisch gleiten.

„Wirklich witzig, Flyboy! Hören Sie auf, mein gut durchdachtes Ablagesystem zu kritisieren, bloß weil Sie es nicht verstehen. Sagten Sie vorhin nicht etwas von Mittagessen?"

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„Puh, bloß raus hier!" Harm hatte Belle auf den Arm genommen und verließ mit Mac das Gebäude, um noch etwas frische Luft zu schnappen. Beim Essen in der Kantine war er das Gefühl nicht losgeworden, dass er von allen Seiten beobachtet wurde. Besonders der weibliche Teil der Anwesenden schien jede seiner Bewegungen genauestens zu registrieren.

›Als ob sie noch nie einen Mann mit seiner Tochter gesehen hätten!‹

„Was denn, Harm? Ist es Ihnen etwa unangenehm, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen?", stichelte Mac und steuerte einen der leeren Tische an. „Die wollten nur sehen, ob Sie das Zeug zu einem treusorgenden Familienvater haben. Sie werden sich vor Verehrerinnen kaum retten können."

„Sie wollen doch nicht ernsthaft behaupten, dass meine Chancen bei einigen Frauen gestiegen sind, nur weil ich ein Kind habe?" Harm ließ sich auf einen Stuhl fallen und setzte Belle auf seinem Schoß ab.

„Selbstverständlich! Ein alleinerziehender Vater wirkt so hilflos, da wird der Mutterinstinkt in jeder Frau geweckt."

„Ich wirke nicht im geringsten hilflos", protestierte Harm völlig entrüstet. Fürsorglich legte er einen Arm um Belle, die sich an seine Brust geschmiegt hatte und eingeschlafen war. „Überhaupt, Sie sagen ‚in jeder Frau'. Wie sieht es denn mit Ihren Mutterinstinkten aus?" Er hatte einen scherzhaften Ton angeschlagen, um nicht zu zeigen, wie sehr ihn ihre Antwort interessierte.

„Sie vergessen, ich bin ein Marine." Mac hatte den Bruchteil einer Sekunde überlegt, ob sie ehrlich auf seine Frage antworten sollte, aber sie wusste ja, dass er sie nur aufziehen wollte. „Derartige Gefühle sind mir völlig fremd." ›Du hättest Schauspielerin werden sollen. Ein Oscar wäre dir sicher‹, ging es ihr durch den Kopf. „Außerdem kenne ich Sie gut genug, um zu wissen, dass Sie alles im Griff haben. Schließlich haben Sie genug Zeit, sich nebenbei auch noch um das Liebesleben Ihrer Nanny zu kümmern."

Grinsend deutete sie mit dem Kopf auf den schmalen Fußweg, auf dem Sandy und Tiner langsam angeschlendert kamen, offensichtlich in ein angeregtes Gespräch vertieft. Der Petty Officer hatte Sandy die Schultertasche abgenommen und trug sie in der rechten Hand. „Niedlich! Da haben sich wohl zwei gesucht und gefunden!"

„Sehen Sie, es war doch ein guter Einfall von mir, Sandy herzubestellen." Harm machte ein zufriedenes Gesicht. Auf seinem Schoß regte sich Belle langsam.

„Sie sollten eine Heiratsvermittlung aufmachen", bestätigte Mac spöttisch. „Das wäre genau das Richtige für einen Romantiker wie Sie."

„Was heißt hier Romantiker?" Harm, dessen Blick auf Sandy und Tiner gerichtet gewesen war, sah jetzt seine Kollegin mit großen Augen an. „Nur weil ich finde, dass zwei Menschen, die sich ganz offensichtlich mögen, auch zusammen sein sollten?"

Mac schlug das Herz bis zum Hals, als sie seinen Blick erwiderte, unsicher was sie darauf antworten sollte. Dann brach sie den Blickkontakt ab und nestelte verlegen am Verschluss ihrer Armbanduhr herum. ›Jetzt nicht nervös werden, Marine. Er hat von Sandy und Tiner gesprochen und nicht von euch beiden. Du musst endlich aufhören, in jeden Satz, den er sagt, etwas hineinzuinterpretieren!‹

„Ist sie kaputt?" Harms Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Verwirrt sah sie ihn an. „Na, die Uhr", erklärte er.

Erst jetzt merkte Mac, dass ihre Finger immer noch mit dem Lederarmband spielten. Hastig ließ sie es los. „Nein, das Armband saß nur zu eng." Erleichtert stellte sie fest, dass Sandy sich von Tiner verabschiedet hatte und jetzt auf sie zukam. „Hallo Sandy, wie gefällt Ihnen Falls Church?"

Harm musterte seine Kollegin unauffällig von der Seite. Ihr Benehmen war schon wieder von einer Sekunde auf die andere so merkwürdig geworden. Hatte er irgendetwas gesagt, was sie verärgert hatte? Im Geiste ging er die Unterhaltung von eben noch einmal durch: die Frauen, die ihn angeblich auf einmal interessanter fanden, Sandy und Tiner, von denen er glaubte, dass sie gut zueinander passten… ›Ihre Laune ist in dem Moment umgeschlagen, als du das von den ‚zwei Menschen, die sich mögen' gesagt hast. Wahrscheinlich befürchtet sie, dass du eure Freundschaft mit etwas Intensiverem verwechselst und will dir so zu verstehen geben, dass sie kein Interesse daran hat.‹ Er streichelte gedankenverloren Belle über die Locken und beobachtete, wie sich die beiden Frauen neben ihm unterhielten. ›Ihre Freundschaft ist schon tausendmal wertvoller als eine Beziehung zu den meisten anderen Frauen. Also sei damit zufrieden und versuch, sie nicht zu zerstören.‹

„Erde an Harm, Erde an Harm, bitte melden!" Harm zuckte zusammen, als Sandy mit einer Hand vor seinem Gesicht herumwedelte. Reflexartig drückte er Belle fester an sich, die dadurch endgültig aufwachte.„Mac meint, ihr solltet euch wieder an die Arbeit machen." Sandy streckte die Arme nach Belle aus, die sich die verschlafenen Augen rieb.

Harm reichte sie ihr und stand auf. „Meine reizende Kollegin hat wie immer Recht." Er grinste Mac an, die das ungewohnte Kompliment mit einem misstrauischen Blick zur Kenntnis nahm. „Marsch, marsch. Auf in den Kampf, Marine!" Er küsste Belle zum Abschied auf die Stirn, verabschiedete sich von Sandy und folgte Mac zum Gebäudeeingang.

Mac hatte gerade den Knopf am Aufzug gedrückt, als Sandy mit Belle zur Tür hereingestürmt kam. „Jetzt hätte ich Schussel doch fast vergessen, dir die Akte zu geben, wegen der du angerufen hast." Sie stellte Belle auf den Boden und wühlte hektisch in ihrer Umhängetasche, während Mac den Aufzug aufhielt, bemüht, eine ernste Miene zu bewahren. Harm warf ihr einen warnenden Blick zu, musste sich aber selbst auf die Lippe beißen, um nicht loszulachen.

„Hier ist sie." Aufatmend zog Sandy einen Aktendeckel aus der Tasche und hielt ihn Harm hin.

Ohne einen Blick darauf zu werfen, klemmte Harm ihn unter seinen Arm. „Danke, ich hatte auch nicht mehr daran gedacht. Bis heute Abend!" Er wuschelte seiner Tochter noch ein letztes Mal über den Kopf und stieg in den Aufzug.

Kaum dass die Türen sich geschlossen hatten, grabschte Mac nach der Akte. „Mal sehen, was daran so wichtig ist. Ah! Der Fall O'Leary! Na so was", sie schüttelte den Kopf, „und ich Dummerchen war der Meinung, der Fall wäre schon seit zwei Wochen abgeschlossen."

Mit großen unschuldigen Kulleraugen sah sie Harm an. Der stand mit verschränkten Armen vor ihr und hatte einen geringschätzigen Blick aufgesetzt. „Sind Sie jetzt fertig, Marine?"

Er bemühte sich, seine Stimme möglichst gelangweilt klingen zu lassen, was ihm nicht gerade leicht fiel, so wie sie ihn ansah.

„Ganz im Gegenteil: Ich laufe gerade erst warm", kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen und ein teuflisches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht.

Harm nahm ihr die Akte wieder ab. „In Ordnung", seufzte er mit gottergebener Miene. „Aber nicht hier im Büro. Ich möchte nicht, dass Tiner etwas mitbekommt. Quälen Sie mich heute Abend damit."

Das Grinsen verschwand und machte einem erstaunten Gesichtsausdruck Platz. „Heute Abend? Ich wusste gar nicht, dass wir uns heute Abend sehen?"

Die Tür des Aufzugs öffnete sich.

Harm gab Mac einen sanften Schubs, da sie ihn immer noch fragend ansah und keine Anstalten machte, sich in Bewegung zu setzen. „Wir sind da, Marine, oder möchten Sie noch weiter?" Er folgte ihr aus dem Aufzug und begleitete sie in ihr Büro.

„Ich dachte mir, ich versuche es mit Bestechung", setzte er nahtlos die Unterhaltung fort, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte. „Sie dürfen mich noch einen Abend lang mit allem ärgern, was meine Mutter so ausgeplaudert hat: der Schildkröte, dem Holzflugzeug und meinetwegen auch mit dem hier." Er wedelte mit dem Aktendeckel in seiner Hand. „Währenddessen dürfen Sie sich mit einem speziell für Sie gekochten Abendessen den Bauch voll schlagen", auf Macs Gesicht erschien ein zufriedenes Lächeln, „und dann werden Sie nie wieder etwas davon erwähnen."

Das Lächeln erlosch. „Nie wieder? Gar nichts davon?" Ihre Stimme klang richtig enttäuscht. „Nicht einmal, wie Sie genau wie ihr Spielkamerad von nebenan Disteln zertreten wollten, im Gegensatz zu ihm aber keine Schuhe anhatten und deshalb anschließend lauter Dornen im Fuß hatten?" Bittend sah sie ihn an.

„Wenn es unbedingt sein muss", gab er seufzend nach, diesen bettelnden Augen konnte er einfach nicht standhalten. ›Hoffentlich setzt sie diesen Blick nie ein, wenn sie einen Deal aushandeln will.‹ „Aber nur, wenn niemand dabei ist und auch dann nur manchmal. Abgemacht?"

„Abgemacht!"

Plötzlich fiel ihm ein, woran ihn ihr Blick erinnerte. „Wissen Sie eigentlich, dass Sie genauso gucken wie Belle, wenn sie in mein Bett will?", fragte er, ohne weiter darüber nachzudenken.

Erst als Mac ihn mit offenem Mund anstarrte, ging ihm auf, was er da gerade gesagt hatte. „Nein, ich meine, Sie gucken genauso wie Belle, wenn sie etwas will, was ich nicht möchte", erklärte er schleunigst. „Zum Beispiel wenn sie mitbekommt, dass ich ins Bett gehe. Sie stellt sich an das Gitter und sieht mich solange mit ihren großen Augen an, bis ich nachgebe und sie doch in meinem Bett schlafen lasse", sagte er mit einem schuldbewussten Grinsen. „Mrs Sayers hatte gleich gesagt, dass sie ihr eigenes Zimmer braucht."

Mac lächelte bei der Vorstellung an Harm, der sich von der Bettelei seiner kleinen Tochter erweichen ließ und gemeinsam mit ihr im Bett kuschelte. ›Kaum vorstellbar, wenn man ihn nur aus dem Büro kennt.‹ Aber in letzter Zeit hatte sie ja viele neue Seiten an ihrem Partner entdeckt. „Wann soll ich bei Ihnen sein?", kam sie wieder auf das ursprüngliche Thema zurück.

„Wie bitte? Sie wollen mich weiterhin damit ärgern und ich soll Sie zur Belohnung auch noch bekochen?" Entrüstet stemmte er die Hände in die Seite, aber seine blauen Augen funkelten vor Lachen.

„Wenn Sie nicht möchten, auch gut. Da fällt mir ein, ich wollte mich noch mit Harriet darüber unterhalten, was Kinder manchmal für drollige Sachen machen…" Unschuldig blickte sie ihn an.

Er seufzte theatralisch und hob abwehrend die Hände. „Okay, okay, Sie haben gewonnen. Abendessen um 1900. Einverstanden?" Mac nickte zufrieden.

Harm kniff die Augen zusammen. „Sie sind ein hinterhältiges Biest. Wissen Sie das eigentlich, Mac?" Sofort setzte sie wieder ihren Kulleraugen-Blick auf. ›Verdammt, jetzt hat sie gemerkt, dass ich bei dem Blick schwach werde! Nichts wie weg hier.‹ „Bis heute Abend!" Bevor sie noch etwas sagen konnte, flüchtete Harm aus dem Büro.

Grinsend sah ihm Mac hinterher.