30 Minuten später

Harms Apartment

Nördlich der Union Station, Washington D.C.

Nachdem auf ihr Klopfen keine Antwort erfolgt war, holte Mac den Ersatzschlüssel aus dem Versteck und öffnete die Tür. „Harm?" Das Apartment lag völlig im Dunkeln. ›Und wenn er gar nicht nach Hause gefahren ist?‹ Sie tastete nach dem Schalter und machte Licht.

Harm saß auf der Couch, vor ihm auf dem Tisch ein leeres Glas und eine nur noch zur Hälfte gefüllte Flasche Bourbon. Er sah nicht auf. Nicht, als sie das Licht einschaltete und auch nicht, als sie zu ihm ging.

„Hey Sailor." Sie setzte sich neben ihn und wartete vergeblich auf eine Reaktion von ihm. Einige Minuten saßen sie stumm nebeneinander.

„Ich kann nicht mehr, Mac", flüsterte er plötzlich mit tonloser Stimme. „Ich kann einfach nicht mehr." Zu ihrer Erleichterung konnte Mac keinen Alkohol in seinem Atem feststellen.

Jetzt sah sie auch, dass das Glas auf dem Tisch noch unbenutzt war. „Ich weiß, Harm." Beruhigend strich sie ihm über den Rücken. „Sandy hat mir von der Sache mit dem SecNav erzählt."

Er machte eine abfällige Geste. „Wen interessiert schon der SecNav? Chegwidden hat mich vorhin angerufen. Er denkt nicht daran, sich von einem Politiker vorschreiben zu lassen, wem er Urlaub geben darf und wem nicht. Aber er hat schon recht."

„Chegwidden?"

„Nelson. Belle kann noch wochenlang im Koma liegen oder… noch länger. Ich kann nicht so lange vom Dienst freigestellt werden, das könnte selbst Chegwidden nicht verantworten."

Mac wusste nicht, was sie darauf antworten sollte. Das Schlimme war ja, dass er recht hatte. Irgendwann würde Harm seinen Dienst wieder aufnehmen müssen. „Aber vielleicht geht es ihr bis dahin wieder gut", sagte sie hilflos. „Die Ärzte sagen, dass sie jederzeit aufwachen kann."

„Die Ärzte!" Harm versetzte dem Glas vor sich einen Schubs, so dass es quer über die Tischplatte rutschte und auf der anderen Seite herunterfiel. Mit einem Klirren zersprang es auf dem Parkettboden. „Die Ärzte sagen, sie kann möglicherweise aufwachen, fünf Minuten später sagen sie, sie kann möglicherweise für den Rest ihres Lebens im Koma liegen. Und ich soll Geduld haben. Geduld! Ich hab aber keine Geduld mehr!" Den letzten Satz schrie er fast.

Seine Hände umfassten die Whiskeyflasche. Um noch mehr Scherben zu verhindern, griff Mac ein. Mit einer Hand entwand sie ihm die Flasche, die andere legte sie um seine Schultern und zog ihn an sich.

„Ist ja gut", tröstete sie, als Harm eine Träne über die Wange lief.

„Ich halte das einfach nicht mehr aus", wisperte er. Mac hatte die Flasche zurück auf den Tisch gestellt und legte auch den anderen Arm um ihren Kollegen.

Verzweifelt klammerte er sich an sie. „Sie schafft es nicht, sie wacht nicht wieder auf."

Mac versuchte, sich aus seiner Umklammerung zu lösen. Sie legte ihm eine Hand an die Wange und zwang ihn, sie anzusehen. „So etwas darfst du nicht sagen, hast du mich verstanden? So etwas darfst du nie sagen!" Zu ihrem Entsetzen hatte ihre Stimme einen leicht hysterischen Tonfall angenommen und sie musste selber mit den Tränen kämpfen.

Harms Gesicht war plötzlich nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Wie in Zeitlupe bewegten sie sich aufeinander zu. Eine Sekunde lang sahen sie sich in die Augen, dann trafen sich ihre Lippen in einem verzweifelten Kuss.

Für einen kurzen Moment blinkte ein Warnlicht in Macs Kopf auf. Sie sollte das hier nicht tun, sie würde es später garantiert bereuen, sie sollte wirklich nicht… Aber als sie Harms Zunge an ihren Lippen spürte, schaltete sich ihr Verstand schlagartig aus.

Sie öffnete bereitwillig ihren Mund, um seiner Zunge mit ihrer zu begegnen. Harm zog Mac an sich, seine Hände glitten ihren Körper hinunter, über ihren Po bis an den Saum ihres Rocks. Mac stöhnte auf, als sie eine Hand unter dem Stoff spürte, die zielstrebig nach oben wanderte und sich gegen ihren Slip presste. Blind tastete sie nach Harms Gürtel, nicht bereit den Kuss auch nur für einen Augenblick zu unterbrechen. Ungeduldig zerrte sie Hemd und T-Shirt aus seiner Jeans. Harm eilte ihr zur Hilfe, indem er beides mit einer einzigen Bewegung über den Kopf zog und zu Boden fallen ließ. Fordernd zupfte er an ihrer grünen Uniformjacke, und während Mac noch damit beschäftigt war sie abzustreifen, waren Harms Finger schon dazu übergegangen, die Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen. Immer noch fochten ihre Zungen einen wilden Kampf aus, nur durch unbedingt notwendige Pausen zum Atemholen unterbrochen. Der letzte Knopf wehrte sich, aber darauf nahm Harm jetzt keine Rücksicht mehr: mit einem Ruck riss er die Bluse auf, so dass der widerspenstige Knopf absprang und mit einem hellen Geräusch über das Parkett davonrollte. Ohne sich darum zu kümmern, öffnete er ihren BH und warf ihn achtlos an die Seite. Auch Mac war jetzt alles völlig gleichgültig. Sie wollte nur noch Harm spüren, die Realität wenigstens für kurze Zeit vergessen. Sie machte sich wieder an seiner Jeans zu schaffen und hob bereitwillig ihren Po an, als Harm ihr zusammen mit dem Rock auch die restliche Kleidung vom Körper streifte.

Sekunden später landeten auch seine Jeans und Boxershorts auf der Erde. Fieberhaft glitten Hände über den nackten Körper des anderen, so als müssten sie sich davon überzeugen, dass dies nicht alles nur eine Illusion war.

Mit einem weiteren harten Kuss drückte Harm Mac der Länge nach auf die Couch und legte sich über sie. Er schob ihre Beine auseinander und drang mit einem einzigen Stoß tief in sie ein. Macs Aufschrei wurde durch seinen Mund erstickt. Mit aller Kraft klammerte sie sich an ihn, wollte ihn so lange wie möglich in sich behalten. Doch er zog sich zurück und stieß erneut zu. Immer wieder rammte er sich in sie, den Kopf in den Nacken gelegt, bei jedem Stoß laut aufstöhnend. Die Fingernägel in seinen Rücken gekrallt, empfing Mac jede seiner Bewegungen mit einem heiseren Schrei. Dies war nicht jenes zärtliche, liebevolle erste Mal aus ihren Träumen, es war vielmehr ein Akt der Verzweiflung, in dem sich die Anspannung der letzten Tage entlud.

Mit einem letzten heftigen Stoß ergoss sich Harm in sie, direkt nachdem Mac von einer gewaltigen Orgasmuswelle erfasst worden war. Zitternd klammerten sie sich aneinander, bis auch das letzte Zucken verebbt war.

Eng umschlungen schliefen sie auf der schmalen Couch ein.