09:00 Uhr EST
Harms Apartment
Nördlich der Union Station, Washington D.C.
„Guten Morgen Mac, komm rein. Der Kaffee ist gleich fertig."
Harm hatte vorgeschlagen, dass Mac mit ihnen frühstücken sollte, damit sie sich ‚für ihre Niederlage stärken könne'.
Mac hatte sich mit der Erwiderung begnügt, dass sie nicht die geringsten Hemmungen habe, sich außer beim Abendessen auch noch zum Frühstück auf seine Kosten den Bauch vollzuschlagen.
Sie stellte ihre Tasche in die Ecke und begrüßte Belle.
Niemand hätte vermutet, dass dieses fröhlich spielende Kind vor noch nicht einmal drei Wochen im Koma gelegen hatte, und Mac jeden Tag dankbar dafür, dass Belle sich so gut erholt hatte.
„Hey, kleine Maus, hat Santa dir schöne Geschenke gebracht?"
Harm stellte die Kaffeekanne auf den bereits gedeckten Frühstückstisch.
„Die liegen noch unter dem Baum. Ich dachte, wir warten mit dem Auspacken, bis du hier bist. Schließlich gehörst du … Na ja, ich dachte, du wärst vielleicht gern dabei", verbesserte er sich. „So, meine Damen, das Frühstück ist fertig!"
Nach dem – für Harms Begriffe äußerst reichhaltigen, für Macs Begriffe lediglich normalen – Frühstück, versammelten sie sich vor dem Weihnachtsbaum, der neben der Couch seinen Platz gefunden hatte.
Macs Blick glitt über den buntgeschmückten Baum und die liebvoll aufgebauten Geschenke darunter. Ihre eigenen hatte sie vorhin noch dazu gelegt.
Belle schien sich fast mehr für das glitzernde Lametta und die – wie Harm versicherte – bruchfesten Christbaumkugeln als für ihre Geschenke zu interessieren.
„He, Belle, guck doch mal, was hier alles für dich liegt."
Harm hockte inmitten der zahlreichen buntverpackten Päckchen und versuchte, Belles Aufmerksamkeit darauf zu lenken.
Belustigt setzte sich Mac trotz ihrer eleganten Hose auf den Boden und tat so, als würde sie eins der Geschenke öffnen. Das funktionierte! Das Lametta fiel augenblicklich zu Boden und Belle stapfte eilig auf Mac zu, um bloß nichts zu verpassen. Es bereitete ihr einige Mühe, das mit Weihnachtsmotiven bedruckte Geschenkpapier aufzureißen, aber mit Macs tatkräftiger Unterstützung gelang es ihr schließlich.
Es klickte und ein Blitzlicht leuchtete auf, als Belle quietschend vor Begeisterung das erste Mal auf ihrem neuen Bobbycar Platz nahm. Harm legte den Fotoapparat wieder an die Seite und musste lachen, als er in die verschreckten Gesichter ‚seiner Frauen' blickte.
„Angst vor ein bisschen Blitzen? Was machst du denn bei Gewitter, Marine? Versteckst du dich dann im Kleiderschrank?"
„Keineswegs. Aber das scheint wohl dein bevorzugter Aufenthaltsort zu sein, wenn es donnert", konterte sie erfolgreich, denn Belle hatte gerade mithilfe des Bobbycars einen der Stühle zu Fall gebracht und das Gepolter hatte ihren Vater zusammenfahren lassen.
Harm erhob sich rasch und ging zu seiner Tochter, die mit weit aufgerissenen Augen dasaß und ihr Gesicht zum Weinen verzog. „Das war nur ein kleiner Verkehrsunfall, das kann schon mal vorkommen. Beim nächsten Mal fährst du einfach etwas langsamer, dann passiert auch nichts. Und jetzt musst du Mac beim Auspacken helfen, ich glaube nicht, dass sie das alleine schafft."
Schwungvoll hob er sie von dem Rutschauto, wirbelte sie einmal durch die Luft und setzte sie auf Macs Schoß ab.
„Wollen wir doch mal sehen, was Santa einem unartigen Marine gebracht hat." Zielsicher griff er in den Geschenkeberg und reichte seiner Kollegin ein flaches, rechteckiges Päckchen, das Geschenkpapier über und über mit bunten Rentieren bedruckt.
„Hm, was da wohl drin ist?" überlegte Mac laut und sah Belle fragend an.
„Aufmachen!", schlug diese vor und fing an, an dem Papier zu reißen. Schließlich wusste sie jetzt, wie es ging.
Die Erwachsenen sahen sich an und brachen in Lachen aus.
„Eins muss man ihr lassen, sie verschwendet keine Zeit", grinste Mac.
„Hey, sie will dir nur zeigen, wie es geht. Schließlich hast du sie gefragt, was drin ist", verteidigte Harm seine Tochter und nahm die Kamera wieder zur Hand.
Mac warf ihm einen misstrauischen Blick zu und entfernte das zerfetzte Geschenkpapier. Sprachlos sah sie auf den prächtigen Bildband über Saurierspuren in den USA. Als sie ihn aufschlug, fiel ihr eine Weihnachtskarte entgegen.
Liebe Mac,
Danke für alles, was Sie für Harm und Belle getan haben.
Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen
Trish & Frank
Mit Tränen in den Augen starrte sie auf die Karte. Sie hatte diese Menschen erst dreimal in ihrem Leben getroffen und trotzdem dachten sie zu Weihnachten an sie…
„Mac, ist alles in Ordnung?" Besorgnis war in Harms Stimme zu erkennen.
Sie blinzelte hastig die Tränen weg und sah auf.
Er hatte die Kamera wieder gesenkt und schaute sie beunruhigt an. „Stimmt etwas nicht?"
„Doch, es ist nur..." Sie ließ Belle los, die von ihrem Schoß geklettert war. „Deine Eltern müssen mir doch nichts schenken. Und erst recht nicht so etwas Wertvolles."
„Ich nehme an, dass meine Mutter dir nicht etwas geschenkt hat, weil sie musste, sondern weil sie es so wollte. Und wenn diese Frau etwas will, kann keine Macht der Welt sie davon abhalten. Überhaupt, wieso sollten sie dir nichts schenken? Sie haben dich sehr gerne."
Er merkte, dass Mac verlegen wurde, und versuchte das Ganze ins Humorvolle zu ziehen. „Allerdings wissen sie auch nicht, wie gemein und hinterhältig du ihren einzigen Sohn vor Gericht behandeln kannst."
Schon erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht, Harm war mit sich zufrieden.
Belle wollte mit dem Bildband in den Händen abziehen, aber Mac nahm ihn ihr vorsichtig weg. „Belle, das ist ein Bilderbuch für Erwachsene und nichts für deine Spielzeugkiste. Aber wir sehen es uns später gemeinsam an, wenn du möchtest. Jetzt muss Daddy erst ein Geschenk öffnen."
Sie schob die Karte der Burnetts wieder in das Buch und legte es außerhalb von Belles Reichweite auf das Regal.
„Ob hier auch ein Geschenk für deinen Daddy liegt?" Mac ging vor dem Weihnachtsbaum in die Hocke und untersuchte die Geschenke. Der Großteil war natürlich für Belle, aber sie entdeckte auch noch zwei für sich selbst.
„Nicht so neugierig, Marine. Du kommst noch früh genug wieder dran."
Ertappt ließ Mac das Päckchen mit ihrem Namen darauf wieder sinken und schob es zurück unter den Baum. Stattdessen zog sie ein Geschenk aus dem Stapel, auf dem Harms Name stand. „Glück gehabt, Sailor. Es ist doch eins für dich dabei gewesen."
„Wieso nur eins?", fragte Harm ganz entrüstet. „Dabei war ich so artig in letzter Zeit. Ich habe dich letzte Woche sogar vor Gericht gewinnen lassen."
„Gewinnen lassen? Ich hör wohl nicht richtig. Ich habe glasklar bewiesen, dass deine Mandantin schuldig ist. Du hattest überhaupt keine Chance gegen mich."
Harm zog es vor, nicht darauf zu antworten, denn Mac hatte völlig recht. Er hatte bei der Verteidigung von PO Janet Hauser von Anfang an auf verlorenem Posten gekämpft, aber wenigstens hatte er das Strafmaß ein wenig abmildern können.
„Bekomme ich jetzt mein Geschenk, oder muss ich erst anfangen zu betteln?" Er sah das Aufleuchten in Macs Augen. „Nichts da, das hättest du wohl gerne. Aber Navy-Piloten betteln nicht." Er beugte sich vor und nahm ihr das Paket weg.
Mit Belles Unterstützung wickelte er es aus und hielt einen nagelneuen Camcorder in den Händen.
„Wow!" Mit großen Augen studierte er die Beschreibung auf dem Karton, bevor er das Gerät vorsichtig auspackte. „Das war bestimmt Franks Idee. Er hat mir erzählt, dass er neulich auf einer Elektronikmesse in Las Vegas war." Er drückte die verschiedenen Knöpfe und warf einen flüchtigen Blick in die Bedienungsanleitung. „Wahnsinn!"
Über so viel Begeisterung musste Mac lächeln. ›Er freut sich wie ein kleines Kind!‹
„Sag mal, solltest du dafür nicht auch einen Fernseher haben?"
„Mmh", kam es bestätigend von Harm, während er die Karte von seinen Eltern las. „Er hat sogar schon einen der Akkus aufgeladen." Er wühlte in den Zubehörteilen herum, bis er die Schachtel mit dem entsprechenden Akku fand.
Belle begann sich zu langweilen und machte sich über die noch verpackten Geschenke her. Mac setzte sich neben sie und half ihr, einige der kleineren Geschenke für sie zu öffnen.
„Kannst du jetzt wieder am Geschehen teilnehmen?" Mit diesen Worten drehte Mac sich zu Harm um und musste feststellen, dass dieser die Videokamera auf sie und Belle gerichtet hielt.
„Tue ich doch schon die ganze Zeit", antwortete er grinsend und filmte sie von Kopf bis Fuß.
„Harmon Rabb, lass das gefälligst!" Mit einem Gesichtsausdruck, der Unbehagen erkennen ließ, wandte sie sich ab.
Sofort hörte Harm auf und richtete den Camcorder stattdessen auf seine Tochter.
Eine Weile sahen sie einfach nur zu, wie Belle mit ihren Geschenken spielte.
„Wer um alles in der Welt hat ihr bloß dieses entsetzliche Keyboard geschenkt?"
Belle probierte das bunte Instrument mit großer Begeisterung und noch größerer Lautstärke aus, sehr zum Missfallen ihres Vaters, der schmerzlich das Gesicht verzog. „Ich muss ihr noch beibringen, was Dissonanzen sind und warum man sie besser vermeiden sollte."
Mac hatte ein schadenfrohes Grinsen aufgesetzt. „Das war ihre liebe Urgroßmutter." Sie reichte ihm den Briefumschlag, der in dem Geschenk gelegen hatte.
Augenrollend las Harm den Inhalt vor:
Liebe Belle,
als Dein Vater elf Jahre alt war, wünschte er sich ein Schlagzeug. Deine Grandma erfüllte ihm diesen Wunsch sofort, allerdings unter der Bedingung, dass es bei seiner Großmutter in Belleville bleiben müsse.
Ich wünsche Dir, dass Du mit diesem Instrument genauso viel Spaß haben wirst wie er damals und dass er genauso gute Nerven beweisen wird wie ich zu jener Zeit.
Ich wünsche Euch ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Deine Urgroßmutter Sarah
Mac schüttete sich aus vor Lachen. „Die späte Rache einer Großmutter. Sie muss wirklich sehr unter deinem Schlagzeug gelitten haben, wenn sie jetzt noch daran denkt."
Harm grinste bestätigend. „Ich erinnere mich noch an ihre Worte, dass ich irgendwann auch einmal Kinder haben würde. Aber dass sie so nachtragend ist…"
Er zuckte zusammen, als Belle wieder alle Tasten gleichzeitig drückte. „Guck doch mal nach, ob das Ding nur mit Batterien funktioniert.", bat er Mac.
Sie nickte. Das war das erste gewesen, was sie getan hatte. „Allerdings hat sie eine große Packung mit Ersatzbatterien beigelegt."
„Und nach dieser Frau habe ich mein Flugzeug benannt!" Harm schüttelte verzweifelt grinsend den Kopf. „Dann ist wohl bald ein Besuch in Belleville fällig, damit du deiner Urgroßmutter zeigen kannst, wie musikalisch du bist, Belle."
Harm packte ein winzigkleines Päckchen aus, das seinen Namen trug.
„Oh, immerhin! Etwas Mitleid scheint sie mit mir zu haben." Er hielt die Packung mit den Ohrstöpseln in die Höhe, die sich in dem Geschenk befunden hatte.
„So, wer ist jetzt dran?" Harm zog ein weiteres Päckchen unter dem Baum hervor und las den Namen auf dem Geschenkanhänger vor. „Sarah MacKenzie – Ist die hier irgendwo?"
„Da!" Belle unterbrach ihre musikalische Darbietung – oder wie auch immer man den grauenhaften Lärm nennen wollte - und zeigte auf Mac. „Sarah Mac!"
Erstaunt blickte Mac erst Belle, dann Harm an. „Wieso weiß sie, dass ich Sarah heiße? Hast du ihr das gesagt?"
Harm wurde leicht verlegen. „Schon möglich, dass ich deinen Vornamen ein- oder zweimal erwähnt habe."
Er hatte Belle tatsächlich hin und wieder von ihr erzählt und dabei gerade in letzter Zeit häufiger statt des kumpelhaften ‚Mac' den schönen Vornamen seiner Kollegin verwendet.
›Ich sollte künftig darauf achten, was ich in Belles Gegenwart rede. Allmählich erzählt sie immer mehr und das könnte äußerst peinlich werden.‹
„Willst du dein Geschenk jetzt oder nicht?", lenkte er lieber ab.
Mac sah ihn prüfend an, wandte sich dann aber zu seiner Tochter um. „Willst du mir beim Auspacken helfen?"
Belle sah abwechselnd zwischen ihrem Keyboard und dem bunten Päckchen hin und her, ließ sich dann aber doch dazu herab, das Musikinstrument beiseite zu legen, um ihrer Aufgabe als Chef-Auspackerin nachzukommen.
„Oh, mein Lieblingsparfum. Danke, Harm!" Sie lächelte ihn an, als sie den Flakon erkannte.
Die nächsten Geschenke waren wieder für Belle bestimmt, dann reichte Mac Harm ein riesengroßes flaches Geschenk.
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Harm sie an. „Ein Brett?"
„Zusätzlich zu dem vor deinem Kopf?" Mac schüttelte grinsend den Kopf. „Nein, das eine muss reichen."
„Vorsicht, Marine. Du weißt, dass wir nachher noch nach draußen gehen. Es wäre doch zu schade, wenn du versehentlich eine Ladung Schnee in den Nacken bekommen würdest."
Neugierig begann er das Papier abzulösen. Ein überdimensionaler Wandkalender kam zum Vorschein, auf jedem Blatt ein anderes Oldtimer-Flugzeug und gleich vorne drauf eine gelbe Stearman.
„Hey, klasse! Wo hast du den denn gefunden?" Beim Durchblättern fiel ihm ein blauer Umschlag entgegen. Er zog die innenliegende Karte heraus und las sie durch.
„Ein Gutschein über zwei freie Wochenenden für dich", erläuterte Mac, während sie ihn etwas nervös beobachte. „Dann kannst du mal wieder mit deiner geliebten Sarah los. Belle bleibt bei mir und du musst dir keine Sorgen machen."
Er sah auf und richtete seine blauen Augen auf sie. „Danke Mac! Das ist ein tolles Geschenk."
Unter seinem intensiven Blick wurde sie noch nervöser. „Ach was, purer Eigennutz", schwächte sie ab. „Dann habe ich Belle endlich mal für mich."
Harm lächelte und legte das Geschenkpapier zusammen.
„Oh, da liegt ja noch was!" Er hob ein weiteres Geschenk hoch. „Belle, bringst du das mal zu Mac?"
Belle ließ Bobo und den neuen Stoffhund fallen, den sie von Mac bekommen hatte und trug gehorsam das Päckchen in beiden Händen zu Mac.
Durch das Papier befühlte Mac das Geschenk. „Noch ein Buch?", spekulierte sie und löste die goldene Schleife, die um das grüne Geschenkpapier gewickelt war. Da Belle zu ihren Stofftieren zurückgekehrt war, blieb es Mac dieses Mal überlassen, selbst auszupacken.
„Oh, mein Gott!" Mac schlug sich mit der linken Hand vor den Mund, als sie ein Fotoalbum erkannte.
Sie schlug die ersten Seiten auf:
Jemand – Harm, wer wohl sonst? – hatte sämtliche Fotos von Belle eingeklebt, versehen mit kleinen, humorvollen Kommentaren.
Bilder von dem Zoobesuch, die vom gemeinsamen Ausflug mit Harms Eltern, die von Thanksgiving. Sogar Abzüge der Fotos aus San Antonio, die Harm in Belles persönlichen Sachen entdeckt hatte, waren dabei.
Das bisher letzte Bild war eine Aufnahme, die Sandy heimlich gemacht hatte: Mac und Harm saßen nebeneinander auf der Couch und lasen Belle, die zwischen ihnen saß, ein Bilderbuch vor.
Das Bild verschwamm vor Macs Augen, eine Träne kullerte über ihre Wange. Verlegen wischte sie sie weg.
„Wunderschön! Das ist das beste Weihnachtsgeschenk, das ich je bekommen habe. Danke, Harm!"
Sie hielt den Blick weiterhin auf das Fotoalbum gesenkt, weil sie sich nicht sicher war, ob sie nicht gleich vor Rührung richtig in Tränen ausbrechen würde.
„Moment, das Geschenk ist nicht von mir", stellte Harm sofort klar und kam näher, um in dem Geschenkpapier nach etwas zu suchen. „Ich habe doch eben noch eine Karte gesehen… Da ist sie ja." Er legte die Karte auf das aufgeschlagene Album.
Alles Liebe zu Weihnachten.
Danke, dass du immer für mich da bist!
stand da in Harms ordentlicher Handschrift, darunter war noch ein wildes Gekrakel, offenbar mit Buntstiften gemalt.
„Wenn es nach ihrer Unterschrift geht, wird meine Tochter entweder Ärztin oder Anwältin", prophezeite Harm und stand auf. „Möchtest du noch einen Kaffee?"
Mac nickte stumm und drückte Belle kurz an sich, die sie anlachte, sich dann aber wieder ihren Spielsachen zuwandte.
Harm setzte frischen Kaffee auf und beobachtete aus den Augenwinkeln, wie Mac mit den Fingerspitzen über das Album strich. Er war sich erst nicht sicher gewesen, ob er ihr das Album wirklich schenken sollte. Nicht nach der Nacht, über die sie, von dem einen Mal abgesehen, nie wieder gesprochen hatten. Sie sollte nicht das Gefühl bekommen, dass er ihr wieder zu nah käme oder sie bedrängen würde. Schließlich war sie erst gestern auf der Weihnachtsfeier zurückgewichen, als sie den Mistelzweig über der Wohnungstür der Roberts erblickt hatte, und unter einer fadenscheinigen Entschuldigung im Bad verschwunden. Auch wenn er es verstehen konnte, es hatte Harm doch einen kleinen Stich versetzt, die Panik in ihren Augen zu sehen.
›Ob sie wirklich Angst hat, dass ich mich vor allen Kollegen auf sie stürzen würde?‹
Überhaupt zeigten die Fotos ja in erster Linie Belle. Er hatte schon überlegt, ob er die Bilder, auf denen er ebenfalls war, einfach weglassen sollte, aber das wäre auch albern gewesen.
›Schließlich sind wir weiterhin Freunde.‹
Außerdem es hatte ihm viel Spaß gemacht, das Album zu gestalten und sich dabei vorzustellen, wie Mac reagieren würde. Wie er an ihrem Gesichtsausdruck erkennen konnte, zumindest bevor sie den Kopf gesenkt hatte, freute sie sich tatsächlich so darüber, wie er es sich erhofft hatte.
Geräuschvoll klapperte er mit den Tassen.
Mac wischte sich noch einmal über die Augen und sah wieder auf.
„Danke!" Sie wollte nach der Tasse greifen, aber Harm stellte sie auf dem Couchtisch ab.
„Du musst bei mir nicht auf dem Fußboden sitzen, Marine. Ich bin ein erfolgreicher Anwalt und kann mir sogar Couch und Sessel leisten."
Mac lachte und griff fast ohne zu zögern nach seiner Hand, die er ihr entgegenstreckte.
„Uff, man merkt, dass du vorhin gut gefrühstückt hast", lästerte Harm, nachdem er sie hochgezogen hatte. Das trug ihm einen gespielt bösen Blick ein, den er mit seinem üblichen Flyboy-Grinsen beantwortete.
