08:12 Uhr EST
Harms Apartment
Nördlich der Union Station, Washington D.C.
„Guck nicht so ängstlich. Mehr als den Kopf abreißen kann er uns schließlich nicht", scherzte Harm beim Frühstück, als er Macs nervösen Gesichtsausdruck sah.
„Ich möchte aber, dass dein Kopf da bleibt, wo er hingehört und der Rest von dir auch: in der Navy!" Mac graute vor dem Gedanken, dass Harm JAG ihretwegen möglicherweise verlassen musste.
„Ich könnte stattdessen das Corps verlassen", schlug sie vor. „Immerhin bin ich schon mal in einer Zivilkanzlei tätig gewesen."
„Und, hat es dir gefallen?"
„Nein, nicht besonders", musste sie ehrlicherweise zugeben.
„Wir warten erst einmal ab, was Chegwidden sagt, bevor irgendeiner von uns sein Entlassungsgesuch schreibt", beendete Harm das Thema und hob Belle aus ihrem Stuhl.
xxx
09:05 Uhr EST
JAG-Hauptquartier
Falls Church, Virginia
„Sir, Commander Rabb und Major MacKenzie möchten Sie sprechen."
„Schicken Sie sie rein."
Admiral Chegwidden musterte die beiden Anwälte und ganz speziell Harm interessiert. „Commander, wenn ich mich nicht irre, hatten Sie darum gebeten, während der Sorgerechtsverhandlung Urlaub zu erhalten. Ist die Verhandlung bereits beendet?"
Vorschriftsmäßig sah Harm unbewegt geradeaus. „Nein, Sir."
„Nehmen Sie Platz. Also, weshalb sind Sie hier?"
Harm bemühte sich, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Auch wenn er bereit war, die Navy für seine neue Familie aufzugeben, leicht würde ihm dieser Schritt nicht fallen. Aber vielleicht würde es sich doch umgehen lassen. „Admiral, ich bin Ihnen für die sehr positive Beurteilung meines Charakters vor dem Richter äußerst dankbar." Der Admiral murmelte etwas Unverständliches vor sich hin, doch Harm redete gleich weiter. „Allerdings meint meine Anwältin, dass es trotzdem nicht gut für mich aussieht. Möglicherweise werde ich Belle verlieren."
Er machte eine Pause, um die Worte richtig wirken zu lassen. Es war sicher nicht verkehrt, seinen CO in eine mitfühlende Stimmung zu versetzen.
Admiral Chegwidden lehnte sich zurück und betrachtete erst Harm, dann Mac, die bis jetzt nur unbeteiligt dabei saß. Ihm entging keineswegs, dass Rabb ihn zu manipulieren versuchte, jetzt war er nur gespannt, was er damit erreichen wollte.
„Ich glaube, Sie haben mir immer noch nicht verraten, weshalb Sie hier sind, Commander."
Das war zwar nicht ganz die gewünschte Reaktion, aber Harm beschloss, den einmal eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
„Sir, Sie sagten neulich, dass Sie alles tun würden, um mir und meiner Tochter zu helfen."
Chegwidden verschränkte die Arme vor der Brust. „So, habe ich das gesagt?"
Harm nickte beklommen. Das gestaltete sich weitaus schwieriger, als er es sich vorgestellt hatte.
Chegwidden bedeutete ihm weiterzusprechen.
„Das Problem besteht darin, dass Belles Tante damit argumentiert hat, dass sie eine Familie hat, die immer für Belle da wäre, während ich alleinstehend bin. Der Richter würde bestimmt zu meinen Gunsten entscheiden, wenn ich eine Ehefrau hätte."
›Jetzt wird es endlich interessant!‹ Chegwidden bemühte sich, sein Pokerface trotzdem zu bewahren. „Ich verstehe. Allerdings sehe ich nicht, wie ich Ihnen dabei weiterhelfen kann."
„Ich, also besser gesagt, der Major und ich…"
Sie hatten ausgemacht, dass Mac das Geständnis Harm überlassen sollte, aber jetzt riss ihr der Geduldsfaden.
„Admiral, Commander Rabb und ich werden heiraten." Sofort zog sie den Kopf ein, um das drohende Donnerwetter abzuwarten.
Der Admiral schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an und zog dann eine Schublade auf. „Wann?"
Harm starrte verblüfft seine Verlobte, dann seinen CO an. „Was wann, Sir?"
Der Admiral holte einen Terminplaner hervor und schlug ihn auf. „Der Major hat doch eben gesagt, dass Sie heiraten werden. Und ich würde gern den Termin erfahren." Er blätterte in seinem Planer. „An den nächsten drei Wochenenden sieht es schlecht aus, aber danach ist noch alles frei." Er sah auf. Harm und Mac saßen mit offenen Mündern vor ihm. „Gibt es ein Problem?"
Mac konnte es nicht fassen. „Sie haben nichts dagegen?"
Chegwidden zuckte mit den Schultern. „Ich muss doch nicht den Rest meines Lebens mit Rabb verbringen. Gestritten haben Sie zwei sich schon immer im Büro, ich kann mir nicht vorstellen, dass das durch eine Heirat noch schlimmer werden kann."
Er unterdrückte einen aufkommenden Lachanfall. Die verdutzten Gesichter der beiden waren zu komisch.
„Also, Major, wenn das schon alles war…" Mac nickte stumm. „Dann gehen Sie wieder an Ihre Arbeit, und Sie, Commander, kümmern sich um Ihre Verhandlung."
„Ach, und was ich noch sagen wollte", rief er ihnen nach, als sie bereits an der Tür waren. „Ich freue mich, dass Sie endlich gemerkt haben, dass Sie zusammengehören. Noch etwas länger und ich hätte Ihnen den Befehl gegeben, sich auszusprechen." Und er lachte, bis ihm die Tränen kamen.
Stumm gingen die beiden zu Macs Büro. Erst Sandy, jetzt der Admiral…
„Sir, Ma'am, guten Morgen!" Harriet begegnete ihnen vor der Tür. „Ich dachte, Sie wären heute nicht im Dienst, Commander."
Harm blickte Mac fragend an, sie nickte unmerklich.
„Ich bin nur hier, damit Major MacKenzie und ich gemeinsam dem Admiral unsere Verlobung mitteilen konnten." Gespannt warteten sie auf die Reaktion.
„Oh, wie schön!", freute sich Harriet. „Ich hatte eigentlich schon letzten Herbst damit gerechnet, da hätte ich noch in mein Kleid gepasst." Frustriert blickte sie an ihrem schon sehr stark gewölbten Bauch herunter. „Machen Sie sich nichts draus", tröstete sie Harm und Mac, als sie ihre betretenden Mienen bemerkte. „Ich werde bestimmt etwas finden." Schon machte sie sich auf, um die gute Nachricht weiterzuverbreiten.
„Ich werde jetzt sofort meine Mutter anrufen und ihr von uns erzählen", beschloss Harm spontan. „Sie wird bestimmt überrascht sein."
Da war sich Mac nicht so sicher. Es schien, als hätte jeder damit gerechnet, dass sie eine Beziehung beginnen würden und ausgerechnet Trish sollte eine Ausnahme sein?
Abwartend setzte sie sich auf den Besucherstuhl und sah zu, wie Harm die Nummer wählte. „Ich stelle auf Lautsprecher, damit du mithören kannst", teilte er noch mit.
„Hallo?"
„Hi, Mum!" Erst in dem Moment, als er die Panik in der Stimme seiner Mutter hörte, fiel ihm ein, wie früh es in Kalifornien noch war.
„Harm! Ist etwas passiert, dass du uns um diese Zeit schon anrufst? Geht es euch gut? Wie lief es gestern? Ist Belle gesund?"
„Eins nach dem anderen. Nein, es ist nichts Schlimmes passiert. Ich habe einfach auf die Uhrzeit geachtet, entschuldige. Belle ist gesund und uns geht es gut, sehr gut sogar." Mit einer Hand ergriff er Macs rechte und drückte sie.
„Und die Verhandlung?"
„Das erklär ich dir später, Mum. Übrigens, ich habe das Gespräch auf Lautsprecher gestellt, Mac ist bei mir."
„Hallo Mac!"
„Hallo Trish", grüßte Mac zurück.
„Mum, wir haben eine Neuigkeit für euch", kündigte Harm mit bedeutender Stimme an. „Mac und ich -"
„Seid ihr endlich zusammen?", fiel ihm seine Mutter jubelnd ins Wort. „Oh mein Gott, Frank hatte recht. Wenn man euch nur lange genug Zeit lässt, merkt ihr selber, dass ihr füreinander bestimmt seid."
Die Freisprechanlage hatte einen entscheidenden Vorteil: es gab keinen Hörer, der Harm aus der Hand fallen konnte.
Mac hatte ihr Gesicht mit den Händen bedeckt und blinzelte vorsichtig durch die gespreizten Finger zu ihrem Verlobten herüber. Den intelligentesten Anblick bot er in diesem Augenblick nicht gerade und der offene Mund stand ihm auch nicht wirklich. Sie stieß ihn an, damit er seiner Mutter antwortete.
Er räusperte sich mühsam. „Okay, Mum, wie lange rechnest du schon damit?"
„Erinnerst du dich noch, wie du mir von diesem Colonel erzählt hast, der die Unabhängigkeitserklärung gestohlen hat?"
„Mum, da hatte ich Mac gerade erst kennengelernt. Weißt du, wie lange das schon her ist?", stöhnte Harm auf.
„Was kann ich dafür, dass du so lange brauchst?"
Das war eine Diskussion, die er am frühen Morgen nicht haben musste, und schon gar nicht mit seiner Mutter.
„Ich ruf dich später noch mal an, okay? Ich muss jetzt meiner Anwältin mitteilen, dass ich bald eine Ehefrau haben werde und dass ich dadurch noch viel besser geeignet bin, Belle aufzuziehen."
„Oh, verlobt habt ihr euch auch schon? Gibt es schon einen Termin für die Hochzeit? Hat Mac sich schon Brautjungfern ausgesucht? Heiratet ihr in -"
„Bis später, Mum!", würgte Harm das Gespräch rücksichtslos ab.
Eine Weile sagte niemand etwas.
„Sind wir eigentlich die einzigen, die nichts davon gewusst haben?", wollte Harm schließlich wissen.
„Scheint so." Mac schüttelte fassungslos den Kopf, doch dann lächelte sie. „Seit Onkel Matt die Unabhängigkeitserklärung gestohlen hat?", wiederholte sie, was Trish gesagt hatte.
„Wenn meine Mutter es behauptet…", grinste Harm und zog Mac in seine Arme. „Ist dir schon klar geworden, dass wir beide hierbleiben dürfen?"
Mac sah ihn überrascht an. Sie war so geschockt gewesen, dass jedermann ihre Verlobung für selbstverständlich hielt, dass sie daran noch gar nicht gedacht hatte.
„Du hast recht, du darfst in der Navy bleiben und ich im Marine Corps…"
„…und wir beide bei JAG", beendete Harm den Satz für sie. Er küsste sie leicht auf die Nasenspitze. „Ich werde jetzt von meinem Büro aus Carrie anrufen. Aus irgendeinem unverständlichen Grund will sie stets über alles informiert werden, was eventuell bei der Verhandlung zur Sprache kommen könnte. Und sie hasst Überraschungen."
„Anwälte!", grinste Mac und versetzte ihm einen Klaps auf den Hintern. „Mach, dass du rüberkommst und halte mich nicht länger von der Arbeit ab. Einer von uns muss schließlich das Geld verdienen."
„Ich werde nachher auf dem Weg vom Gericht für heute Abend einkaufen. Einer von uns muss schließlich dafür sorgen, dass wir etwas Vernünftiges zu Essen bekommen."
Mit einem Augenzwinkern verließ Harm Macs Büro.
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11:15 Uhr EST, einen Tag später
Familiengericht, Washington D.C.
„…aus diesem Grunde bin ich zu der Ansicht gelangt, dass es für Isabelle das Beste sein wird, wenn sie bei ihrem Vater aufwächst."
Überglücklich schloss Harm die Augen. Er hatte – nein - sie hatten es geschafft! Belle würde bei ihnen bleiben dürfen und sie würden endlich eine richtige Familie sein.
Er drehte sich zu der Bank hinter ihm, auf der Sandy mit Belle saß – und Mac.
Admiral Chegwidden hatte am Morgen gebrummelt, dass Macs Anwesenheit im Hauptquartier an diesem Vormittag nicht zwingend notwendig sei. Falls sie also woanders dringender benötigt würde…
„Hey Sailor, herzlichen Glückwunsch zum Sieg!" Mac küsste ihren Verlobten, als sie den Verhandlungsraum verließen. „Mir ist übrigens noch jemand eingefallen, den wir mit unserer Verlobung tatsächlich überraschen werden."
„Da bin ich aber gespannt." Harm legte seinen linken Arm um sie, auf dem anderen trug er Belle.
„Keeter", verkündete Mac stolz.
Harm begann zu lachen.
„Was ist?" Misstrauisch sah Mac ihn an.
„Das habe ich in der Aufregung ganz vergessen zu erzählen. Keeter hat mir gestern Vormittag auf den Anrufbeantworter gesprochen. Warte mal." Er reichte Belle an Mac und zückte sein Handy.
„Ich habe es extra noch nicht gelöscht, damit du es dir anhören kannst", erklärte er, als er den Code der Fernabfrage eingab, und reichte ihr das Mobiltelefon.
„Hi Kumpel, hier ist Keeter", hörte Mac die Stimme seines Freundes. „Ich bin nächsten Monat in der Gegend und dachte mir, wir beiden Junggesellen könnten wieder einen Männerabend machen. Oder hast du deiner hübschen Kollegin in der Zwischenzeit endlich einen Heiratsantrag gemacht…?"
ENDE
Das war es. Ich hoffe, ihr hattet Spaß an meiner FanFiction. Über Feedback würde ich mich sehr freuen.
Kalimera
