...Indizien...


...Bruchstücke...


...Vage Vermutungen...


...Spekulationen...


...Glaube...


und 8 verdammte Monate später…

Die Faust traf ihn wie ein Blitzschlag, hart, schmerzhaft. Er verlor den Halt unter seinen Füßen, taumelte, stürzte Rückwärts in den weißen Kieß. Die kleinen, runden Steine bohrten sich in die Haut. Kein einziges Wort über das Warum. Eine Sekunde später war der mächtige Körper über ihm, packte ihn am Kragen, zerrte an ihm, dann sah er die riesige Faust, wie sie ausholte und nach ihm zielte.

Wladimir würde ihn nicht bewußtlos schlagen, den Gefallen tat er ihm nicht.

Niemals.

.


Feiern.
Mindestens drei Mal die Woche. Manchmal auch häufiger. Viktor liebte ausgelassene Partys, laute Musik, Alkohol. Wie alle Jugendlichen - nur mit dem Unterschied, daß Viktor das nötige Kleingeld dazu besaß.
Er schenkte Danil und Boris ein neues Glas Wodka ein und hielt es schwankend in die Luft:
„Sa sdorowje, ihr zwei Penner!" Er lachte laut und setzte das Glas zum Trinken an.

„Und nun Danil, wo sind die Weiber? Besorg uns welche! Los!" Er trat Danil mit dem Stiefel gegen das Schienbein und Danil erhob sich schwankend von dem runden Tisch. Zwei leere Gläser fielen um, ungeschickt versuchte er sie wieder gerade aufstellen, kaum schaffbar, wenn sich das Lokal keine waagrecht gebauten Tische leisten konnte. Er kapitulierte, ließ die beiden Gläser liegen, hielt einen Zeigefinger in die Luft, um für einen kurzen Moment Geduld zu bitten, dann strich er eine blonde Haarsträhne aud dem Gesicht und torkelte hinüber zur Theke. Er hatte Mühe, die Richtung zu halten und hielt sich an der nächstbesten Blondine fest.

Viktor und Boris schauten ihm amüsiert zu „Wann lernt der Idiot endlich sprechen?"
„Kann nicht, Viktor, trinkt zu viel einfach!" Beide lachten laut
„Der spricht ja auch ohne Alkohol kein Wort. Das nervt…." Viktor goß sich neuen Wodka in sein Glas „Ob ich meinem Vater sage, daß Danil Alkoholiker ist?"
„Ímmer du gibst Alkohol, ist deine Schuld! "
„Er muß es ja nicht trinken!" Viktor tat empört und strich sich die schwarzen, kurzen Haare nach hinten.
„Ja, aber immer du sagst, daß du Vater sagen wirst, wenn nicht trinkt."
„Hmmm ja, du hast Recht. Es ist wohl doch meine Schuld." Viktor setzte ein schelmisches Grinsen auf „Aber ich glaube, ich sage meinem Vater trotzdem, daß er Alkoholiker ist! Mir ist mal danach."
Boris begann laut zu lachen „Ist nicht gut Alkohol für Körper. Tut weh manchmal." Sie lachten ausgelassen.
Viktor goß wieder neuen Wodka in die Gläser, und hob sein Glas:
„Ja, du Idiot, aber paß auf, daß ich nicht meinem Vater sage, daß du ihm den Alkohol gibst!"
Boris verschluckte sich am Wodka, schaute ihn ernst an „Ist Spaß das?"

Viktor antwortete mit einem Grinsen und rief über den Tisch
„Hey Danil, warum dauert das so lange? Brauchst du mehr Geld oder hast du es wieder versaut? Vielleicht geht es leichter, wenn du mal die Zähne auseinander kriegst?!"
Danil drehte sich um, schüttelte mit dem Kopf und zwinkerte ihnen zu. Er legte den Arm um eine der Blondinen und nach wenigen Sekunden folgte sie ihm mit ihrer Freundin zu den beiden Jungs an den Tisch.

Viktor lehnte sich entspannt gegen die Lehne der runden Sitzbank: „Danil, auf dich ist Verlass! Auf Danil!" Er trank ein neues Glas Wodka in einem Zug aus und schenkte sich sofort wieder ein. Kaum noch fähig, seine Hände zu kontrollieren, schütterte er einen großen Teil daneben: „Ach hier ist es einfach zu schmuddelig. Meine Damen…" Er verneigte sich und berührte dabei fast mit dem Kopf sein Wodkaglas „…darf ich sie bitten, wir fahren am besten zu mir! Ich hoffe, eine kleine, private Poolparty ist genehm?" Viktor schubste Boris von dem einzigen Stuhl und quälte sich auf seine Füße: „Los Boris, willst du hier bleiben?" Auch Boris mühte sich nach oben, stieß dabei ein Dutzend Gläser um, die bereits auf dem Tisch standen.

„Ladys?" Boris legte den Arm um eines der Mädchen und stützte sich mit der anderen Hand an Danil ab.
„Ich fahre!" rief Viktor, der seine Füße nicht mehr unter seiner vollen Kontrolle hatte. Danil fing ihn gerade noch auf, bevor er über einen Stuhl zu stolpern drohte.

„Ich fahre, Danil, wehe du fährst wieder! Diesmal fahre ich, klar?!"

Danil sagte kein Wort, mit dem Blick auf den schwankenden Fußboden versuchte er selbst das Gleichgewicht auf dem Weg nach draußen zu halten. Im betrunkenen Zustand war es nicht einfach, durch die überfüllte Sportsbar zu gelangen. Es kostete ihn Einiges an Konzentration, nicht selbst zu stolpern und die beiden irgendwie nach draußen zu manövrieren. Die kichernden Mädels waren dabei keine große Hilfe.
Sie brauchten eine gefühlte Ewigkeit bis sie endlich draußen den Wagen erreichten. Danil atmete durch, hoffte, daß der Sauerstoff nicht die Wirkung des Alkohols verstärkte. Mit einem winzigen Lächeln sah er zu, wie Viktor vor dem Auto auf die Knie stürzte. „Mir ist schlecht, verdammte scheiße. Mir ist echt schlecht." Doch nach einem kurzen Moment raffte er sich wieder auf und griff eines der Mädchen am Arm: „Los ihr Puppen, wir fahren!"

Danil hielt bereits die hintere Wagentür auf und schob Viktor fast beiläufig auf die Rückbank des Fords Mustangs, während Boris von der anderen Seite unbeholfen einstieg. Die beiden Mädchen quetschten sich dazu und Danil lächelte zufrieden: Keine Diskussion um den Fahrersitz, sehr gut! Die Chancen bald zu Hause anzukommen erhöhten sich. Er stieg ein, startete den Wagen und atmete wenige Male tief durch. Irgendwie mußte er versuchen einigermaßen vernünftig Auto zu fahren. Sein Blick wanderte über das rote Leder der Sitze, zum Seitenfenster nach draußen, blieb auf dem Eingang des Clubs hängen. Obwohl es so spät war, standen noch immer junge Leute vor der Tür und warteten auf Einlass. Eine Sache, die sie bisher immer umgehen konnten: Viktor erschien und alle Türen öffneten sich. Wie angenehm. Er blickte in den Rückspiegel zu seinen kichernden Fahrgästen, dann atmete er nochmals tief ein, wendete den Wagen und fuhr von dem großen Parkplatz auf die Hauptstrasse.

Er war noch nicht lange gefahren, als er erneut in den Rückspiegel blickte, dann scharf abbremste: Viktor und Boris waren eingeschlafen.
„Hey, was machst du?" Unsicherheit lag in der Stimme des Mädchens, als er das Auto am Straßenrand zum Stehen brachte, ausstieg und die hintere Wagentür öffnete. Er griff ohne Erklärung ihren Arm und zerrte sie auf die verlassene Strasse.
„Heee! Was soll das, du blöder Idiot? Du kannst uns doch nicht hier auf die Strasse setzen?!"
Ihre Freundin versuchte ihr nachzukommen, doch noch bevor sie ausgestiegen war, griff er auch ihren Arm und beschleunigte ihr Vorhaben.
„Spinnst du? Meine Handtasche ist da noch drin, du Arschloch!" Ihre Stimmen wurden grell und aufgeregt. Er griff erneut auf die Rückbank zwischen Viktor und Boris, angelte die beiden Handtaschen heraus und warf sie den Mädchen vor die Füße. Ohne sie nur eines Blickes zu würdigen, oder auf ihren Protest einzugehen, stieg er wieder in den Wagen und fuhr los. Er seufzte. Es war doch jedesmal das Gleiche! Als ob die ernsthaft glauben würden, daß sie mit Viktor nach Hause fahren könnten! Zumal sie das mit Sicherheit auch nicht wollten, wenn sie wüßten, daß sie am nächsten Morgen ohne Frühstück das Haus verlassen würden. Es gab keinen freundlichen Fahrdienst und kein Taxi. Viktors Vater setzte die Mädchen für gewöhnlich in ein Auto, ließ sie bis zur nächsten vernünftigen Strasse fahren und dort rauswerfen. 12 Meilen von der Stadt entfernt. Er bog auf die „Route 95" Richtung Heimat und beschleunigte. Nein, das wollten sie ganz sicher nicht. Genaugenommen tat er ihnen also doch einen Gefallen.

Er fuhr den Wagen gern. Sportlich, schnell und eigentlich viel zu gut für Viktor, der nichts dieser Dinge in seinem Leben zu schätzen wußte.
Die schwarzgefärbten Bäume und Sträucher rauschten an ihm vorbei, während sich seine Gedanken verselbstständigten. Es erstaunte ihn immer wieder selbst, wie gut er noch fahren konnte, wenn er getrunken hatte, es kostete ihn kaum Mühe den Wagen ruhig und gerade zu halten. Der Alkohol schmeckte ihm nicht sonderlich, dennoch trank er mit den beiden. Es gab nur eine Sache von Bedeutung: Viktor mußte unbeschadet und ohne größeren Ärger zuhause ankommen, alles andere geschah, wie Viktor es wollte.
Er fuhr schnell und so brauchte er für die Strecke bis zur Abzweigung am Schrottplatz kaum länger wie 15 min. Es war kein Auto hinter ihm, also bog er beruhigt in die Nebenstraße ein. Ein merkwürdiger Automatismus zwang ihn jedesmal einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, bevor er die Abzweigung nach Hause nahm.

Die schmale Strasse machte einen scharfen Knick und führte den Wagen fast um einmal vollständig um den Schrottplatz herum. Für einen Moment blieben seine Augen auf einem alten Panzer haften, der das Ende des Geländes markierte. Danil zwang seinen Blick wieder auf die Straße und beugte sich hinüber zum Handschuhfach. Es mußten noch Kopfschmerztabletten darin sein. Er würde sie brauchen, denn für ihn gab es kein Ausschlafen. Während sein Blick auf der Strasse blieb, öffnete er es und kramte darin. Er ertastete die Pistole, die Viktors Vater für alle Fälle mitgegeben hatte, die restlichen Geldscheine, den kleinen Flachmann, den Viktor als zwingend notwendig erachtete. Ja, die Bogdanovs hatten einige merkwürdige Angewohnheiten, aber so war das nun mal mit der Familie. Man konnte sie sich nicht aussuchen. Er schaute in den Rückspiegel und sah zu, wie der Panzer in der Dunkelheit verschwand.


****„Lieutenant, schneller! Beweg' dich! "***
„Hey!"
Jemand drückte sich auf ihn und Danil riß erschreckt die Augen auf. Er blickte direkt in Alexejew Bogdanovs Gesicht, dessen Arm sich unangenehm auf seinen Hals drückte, seine Pistole an Danils Kopf.
„Guten Morgen, junger Freund. Ich hoffe, ich habe dich nicht so arg erschreckt?"
Danil schüttelte den Kopf. Aus den Augenwinkeln sah er Wladimir und Dimitrij an der Tür stehen und sein Puls beschleunigte sich.

„Gut. Ist gestern wohl etwas spät geworden, ich habe euch heute Nacht um 4 Uhr heim kommen gehört. Hat sich Viktor benommen?"
„Ja" Danil räusperte sich:. „Wir waren Tanzen"
Alexejew nahm den Arm zurück und begann zu lachen: „Tanzen? Das kann nur eine Lüge sein! Ich kann mir meinen Sohn gar nicht beim Tanzen vorstellen. Schade, daß Väter dabei nie willkommen sind" Er klopfte Danil freundschaftlich auf die Brust und zog die Bettdecke gerade.
„Danil, " er machte eine kurze Sprechpause „Warum ich eigentlich hier bin….Du weißt, daß ich sehr viel für dich getan habe?"
Danil nickte. Es war unnötig das zu erwähnen. Er wußte, daß er ohne Alexejew vermutlich nicht mehr leben würde. Aber Alexejew sprach es gern in regelmäßigen Abständen aus, meistens, wenn er einen besonderen Job für Danil hatte.
„Und," grinsend zielte er wieder mit der Pistole auf Danils Kopf „Du bist ein Familienmitglied, Danil"
Danil nickte erneut. Er spürte keine Angst. Eine Pistole an seinem Kopf löste in ihm vielleicht Unbehagen aus, aber keine Angst. Es gab Schlimmeres. Wladimir zum Beispiel.
„Und wir Familienmitglieder, wir beschützen uns gegenseitig, wir passen auf einander auf und kümmern uns, aber das weißt du ja." Er richtete sich auf, setzte sich bequem auf die Bettkante, die Pistole nun locker in seiner Hand.

„Du hilfst viel im Haus und machst deine Arbeit sehr gut, Danil. Ich habe das Gefühl, daß du mich nicht enttäuschen wirst…. Das wirst du doch nicht, oder?"
Danil schüttelte den Kopf. Keine Ahnung, wo das Gespräch hingehen würde. Ein Blick zu Wladimir. Hämisches Grinsen zurück.
„Sehr gut, das wußte ich. Ich wollte nur noch mal drüber gesprochen haben" Mit der Hand, in der er die Pistole hielt, wuschelte er durch Danils Haare. Er nahm Danils Hand und drückte ihm den kleinen Schlüssel hinein.
„Hier. Sieh zu, daß du in einer halben Stunde fertig bist, du fährst mit Viktor in die Stadt. Er muß ein paar besondere Erledigungen für mich machen. Der Junge muß langsam mal erwachsen werden und ich möchte, daß du ihn begleitest." Bogdanov stand auf und ging zur Tür, drehte sich aber vor Verlassen des Zimmers noch einmal um:
„Enttäusch mich niemals Danil!" Er wartete keine Antwort ab und verließ das kleine Zimmer. Wladimir zwinkerte ihm noch einmal schelmisch zu, bevor er auch mit Dimitrij den Raum verließ.

Das Zimmer, gerade groß genug, daß nur ein Bett und eine kleine Kommode darin Platz fanden, war im unteren Stockwerk. Vielleicht sollte man lieber Keller dazu sagen, doch es war viel angenehmer, wie man Räume im Keller vermutete. Es war in einer blass gelblichen Farbe gestrichen, die so etwas wie Freundlichkeit ausstrahlten sollte. Es reichte ihm aus. Danil besaß ohnehin nichts, also brauchte er auch keinen Stauraum. Über der Holzkommode war ein kleines Fenster, schwarze Gitterstäbe waren davor und erinnerten ihn nur daran, daß es keinen Grund für ihn gab, irgendwo hinzugehen.

Er richtete sich auf und öffnete das Schloss, welches sein Handgelenk mit der Kette an der Wand verband. Dort festgehalten zu sein störte ihn nicht, er stellte es auch nicht in Frage. Wie jeden Morgen legte er den kleinen Schlüssel auf die Kommode, um sich abends selbst wieder an die Wand zu fesseln. Häufig kontrollierte Alexejew selbst, ob Danil seiner Pflicht nachgekommen war. Einmal war er mit Viktor so betrunken in der Nacht nach Hause gekommen, daß er es vergessen hatte. Als Alexejew den Schlüssel holen wollte, hatte er das Versäumnis bemerkt. Zur Strafe hatte er ihn noch in der Nacht von Wladimir so übel zusammenschlagen lassen, daß er sich kaum mehr bewegen konnte und den ganzen Tag auf dem Fußboden neben seinem Bett liegen blieb. Er würde es nicht noch einmal vergessen. Nicht, weil er sich fürchtete - sondern weil er Alexejew nicht noch einmal enttäuschen wollte.

Eilig schlüpfte er in seine Anziehsachen und lief die schmale Kellertreppe hinauf zum Badezimmer im Erdgeschoss. Er hörte Emma in der Küche mit dem Geschirr klappern, also gab es gleich Frühstück. Emma zauberte die besten Rühreier der ganzen Welt - Er wußte zwar nicht, wie Rühreier wo anders schmeckten, aber Emmas waren einfach fantastisch. Er lächelte bei dem Gedanken daran und beeilte sich etwas mehr.


„Die Eier schmecken zum kotzen!"
„Es ist zu früh, um schlechte Laune zu verbreiten, B.A.! Du mußt ganz klar etwas an deiner Aura arbeiten. Sonst geht es dir so wie Hannibal und du kriegst schlechtes Karma"
Hannibal schaute kurz von seiner Zeitung auf. Sein Blick ließ darauf schließen, daß er über diesen Witz nicht sonderlich lachen konnte.
„Tut mir leid" Murdock spielte verlegen in seinen Frühstückseiern. „ich versuche einfach nur … naja ich weiß ja auch nicht." Er seufzte schwer.

„Hey Hannibal. Für wie wahrscheinlich hältst du es, daß sich ein russischer Drogenhändler wie Bogdanov ausgerechnet in einem Langweiler - Staat wie Idaho niederlässt?"
„Warum, glaubst du, sind wir hier, B. A.?" Hannibal starrte weiter in die Zeitung.
„Also ich weiß nicht, ob Amy da diesmal nicht am Ziel vorbei recherchiert hat... Wir hätten runter nach Süden fahren sollen, an die Grenze. Das ist doch viel logischer"
„Fliegen."
„Was?" Er blickte zu Murdock, nicht sicher ob er richtig verstanden hatte.
„Fliegen. Kein Mensch würde von Idaho runter nach Mexico fahren. Wir hätten fliegen sollen."
„Du fliegst gleich Murdock!" Er griff an Murdocks Kragen und zog ihn zu sich.
„Sergeant, jetzt nicht." Hannibals Stimme war ruhig und bestimmt, während sein Blick weiter über die lokalen Nachrichtenmeldungen glitt.
„Jetzt nicht? JETZT nicht? Heißt das er darf später?" Murdock zog die Augenbrauen hoch und sah B. A.s diabolisches Grinsen.

Hannibal faltete die Zeitung zusammen und griff nach der Kaffeetasse: „Viele Möglichkeiten bleiben uns nicht.…. Und ich hasse es wirklich, das zuzugeben. Wir haben ohnehin schon zu viel Zeit verloren."
„Ich meine ja nur, daß die Polizei doch längst selbst auf die Idee gekommen sein sollte, wo Bogdanov sich aufhält. Die hätten ihn doch schon längst hoch genommen?"
Hannibal seufzte: „Es ist doch immer das Gleiche, B. A.. Jeder kennt den Bösewicht, aber er trägt immer eine weiße Weste."
„Hubschrauber?" Murdock lächelte beim Gedanken daran.
„Ja. Wir schauen uns erst mal die Stadt an und dann brauchen wir einen Hubschrauber. Zu viele einzelne Siedlungen und abgelegene Häuser. Wir haben also einiges zu tun. Sollte Bogdanov tatsächlich hier sein, wird er keine Visitenkarten im Supermarkt ausgelegt haben"

Die Pensionsbetreiberin, eine ältere Dame mit hellgrauen, hochgesteckten Haaren, faltigem Gesicht, blauen Lidschatten und knallrotem Lippenstift, stellte neuen Kaffee auf den Tisch
"Junger Mann, benötigen Sie oder ihre Freunde noch etwas?" Sie schaute Hannibal forsch an.
"Junger...?" Er zog die Augenbrauen hoch "ähm nein, aber ich hätte da eine Frage: Wir suchen einen Freund von mir. Alex. schwarze Haare, groß, lang und dürr, bißchen auffällig in Benehmen und Optik, Mitte vierzig."
Die Dame runzelte die Stirn "Hör'n Sie mal, wir haben fast 20.000 Einwohner…!
"Er heißt Alex Bogdanov und..."
Sie ließ ihn nicht ausreden, drehte sich abrupt um und fügte im Weggehen mit schroffer Stimme hinzu "Ich hab zu arbeiten!".

Hannibal schaute ihr verdutzt nach und blickte dann wieder zu Murdock und B. A. "Etwas Freundlichkeit würde sicher nicht …"
"HOPPLA!" Die junge Kellnerin hinter Hannibal kam ins Straucheln, das Glas Wasser auf ihrem Tablett schwankte bedrohlich, gab schließlich der Schwerkraft nach und fiel unglücklich auf Hannibals Hosenbein
Er sprang erschreckt zurück „HEY!"
"Oh verdammt, entschuldigen Sie bitte, das tut mir schrecklich leid!" Hektisch begann sie mit einem Tuch Hannibals Hose abzutupfen. "Das ist mir furchtbar peinlich..."
"Schon gut Miss, kein Problem. Es war ja nur Wasser. Das trocknet ja schnell." Er versuchte etwas zurück zu rutschen, doch sie ließ sich nicht beirren und tupfte weiter an seiner Hose herum.
"Schon gut. Nicht so schlimm."
"Wirklich, es tut mir wirklich leid"
"Schon gut, Miss!" Seine Stimme wurde eindringlicher
Sie angelte nach dem Glas auf dem Boden und senkte ihre Stimme "Ihr Freund... der ist hier ziemlich bekannt...dem gehört die halbe Stadt... Sie sollten wirklich vorsichtiger sein, wenn sie nach ihm fragen. Das ist kein freundlicher Zeitgenosse." Sie wischte über den Tisch, obwohl dort gar kein Wasser war.
"Danke für die Information. Wissen sie auch wo wir ihn finden?"
"Jenny! Wir brauchen neuen Kaffee, aber ein bißchen plötzlich!"
Unsicher blickte sie nach hinten "Ich muß gehen, tut mir leid!" Sie wandte sich ab und eilte in die Küche.


Viktor stand schlaftrunken im Türrahmen. Seine Haare waren wirr durcheinander, er sah ziemlich verkatert aus. Das ließ schlechte Laune vermuten und Danil stand von seinem Platz auf um ihn Viktor anzubieten. Er nahm seinen Frühstücksteller und stützte sich mit der Hüfte gegen die Arbeitsplatte, um im Stehen weiter zu essen.

„Danil, wie machst du das immer?" Viktor raufte sich die Haare, nahm Platz und starrte auf den Teller, den Emma vor ihm abstellte „Es kotzt mich an, daß du nie einen Kater hast!" Er stocherte in seinen Rühreiern und griff nach dem Kaffee. „Und wo sind eigentlich die beiden Weiber?"
„Welche Weiber?" Alexejew betrat die Küche und holte sich frischen Kaffee.
„Der Idiot da versaut mir jedesmal die Tour! Ich grab die Weiber an und dann versaut er es immer. Er stört mich. Ich will ihn nicht mehr dabei haben!"
Alexejew rollte mit den Augen und zwinkerte Danil zu. „Mach dir nichts drauß, der beruhigt sich gleich wieder."

„Nein mir reicht's, immer werde ich wie ein kleiner Junge behandelt. Ich hab die Schnauze voll!"
„Beruhige dich, ich habe heute einen Job für dich." Er nahm einen Schluck Kaffee „Du fährst zu Jimmi, und holst da etwas für mich ab. Ein besonderes Päckchen. Es wäre mir sehr gelegen, wenn du nicht der Polizei in die Arme laufen würdest"
„Haha. Sehr witzig. Die Polizei gehört dir. Das ist doch albern. Schick doch Danil oder Wladimir."
„Es reicht!" Bogdanov wurde sauer „Niemand muß wissen, welchen Geschäften wir nachgehen! Hab ich mich klar ausgedrückt?"
Viktor nickte mit zusammengekniffenen Lippen. Er ließ sein Besteck auf den Teller knallen und schob den Stuhl laut zurück. Mit finsterem Blick nahm er Danil den Teller aus der Hand: „Du hast genug gegessen!"