Die grelle Neonreklame von ‚Jimmi's Sportsbar' tauchte den vollen Parkplatz in ein rotes, wirres Licht. Der Club lag günstig, direkt an dem Zubringer zur Route 95 und griff damit fast allen anderen Lokalen der Stadt das überwiegend jungendliche Publikum ab. Es gab fast keinen Abend in der Woche, an dem der Club nicht gut gefüllt war.

„Da steht der Mustang!" Mit einer Handbewegung deutete B. A. auf das Auto rechts von ihnen. Er fuhr vorbei und parkte den Van in ausreichendem Abstand auf dem großen Parkplatz etwas abseits, in einer schlecht beleuchteten Nische. „Die Frau aus dem Laden hatte Recht. Sie sind hier."
Hannibal atmete auf: „Ich hatte schon befürchtet, daß wir sie so schnell nicht mehr finden, nachdem wir sie heute Morgen verpaßt haben – Reich mir doch bitte das Fernglas, Murdock"

„Yes, Sir!"

Hannibal drehte sich überrascht nach hinten: „Murdock – gibt es einen Grund, warum du eine Army-Uniform trägst?"
„Natürlich Sir."
„und der wäre?"
„Als Ersatz für Colonel Decker, Sir."
„Hannibal, der macht mich aggressiv, es fällt mir wirklich schwer sitzen zu bleiben!" B. A. warf Murdock einen drohenden Blick über die Schulter zu.
„Colonel Decker?"
„Ja Sir. Er kann doch nun nicht hier sein, weil er doch gar nicht weiß, wo wir hingefahren sind"
„Ah ja" Hannibal drehte sich wieder zurück, nahm das Fernglas und beobachtete den Haupteingang der Sportsbar. Sinnlos das weiter auszudiskutieren. „Ganz schön viel los, da geht's zu wie im Bienenstock. Am liebsten wäre mir, sie kämen raus und wir schnappen ihn uns einfach." Er stellte das Fernglas schärfer: „Allerdings wissen wir nicht, ob da noch andere Leute von Bogdanov drin sind. Dann könnten wir ein Problem kriegen." Er blickte kurz zu B. A.
„Ich will einen Sender an ihrem Wagen, für alle Fälle. - Murdock, zieh dich um, wir beide gehen rein!"
„Was ist, wenn dich einer erkennt, Hannibal? Bogdanov's Leute waren auch in der Miene."
„B. A.," Hannibal grinste selbstgefällig „Meine Perückensammlung…."
„…ist in der Pension, wie du es mir aufgetragen hattest."
„Verdammt. - Ok, Murdock, du gehst allein rein. Zieh dir eine Mütze tief ins Gesicht und halte Abstand, vor allem von Face. Nicht, daß der noch Alarm schlägt."
Murdock nickte und streifte seine olivfarbene Army-Jacke ab.
„Ich will wissen mit wem sie da sind und ob noch irgendwelche möglichen Aufpasser in dem Laden verteilt sind, wie schnell wir aus der Tür rauskommen und ob es einen zweiten Weg gibt. Du nimmst das Funkgerät mit. Bevor dich wieder einer k. o. schlagen will, gibst du bitte Meldung."
„Zu Befehl, Sir."
„Wenn die Gelegenheit es zuläßt, werden wir nicht zögern und holen ihn sofort raus. Wir werden spontan handeln und es wird schnell gehen müssen. – Fertig?"
Ein Nicken folgte von B. A. und Murdock
„Ok, dann los!"
Hannibal sah zu, wie sich Murdock in Windeseile umzog und B. A. nach dem kleinen Kästchen mit den Sendern griff
„Noch was: Wenn er sich irgendwie ziert, geht ihm das Licht aus, klar?"


„Auch Nummer Sechs folgt ihren Lieben,
genau wie Wodka Nummer Sieben.
Und ist der Siebte erst mal drin,
macht auch der Achte wieder Sinn.
Das ist mir neu und du bist nicht gescheit,
da sag ich lieber mal dem Hannibal Bescheid." Murdock schlängelte sich durch die volle Bar, bis er eine dunkle Nische neben den Toiletten fand, wo er unbemerkt das Funkgerät hervorholen konnte. Mit der freien Hand strich er über die kleine Army Anstecknadel, die er sich ohne Hannibals Wissen an seine Lederjacke gesteckt hatte, während er auf den Knopf des Funkgerätes drückte.

„Colonel?" Das Funkgerät knackte
„Ja Murdock, kommen"
„ähm"
„ Bericht Murdock?"
„Ich weiß nicht, wie ich sagen soll,
der Faceman, der ist ziemlich voll."
„Ich versteh nicht…?"
„Der ist sturzbetrunken! Die saufen einen Wodka nach dem anderen!"
„Face trinkt?"
„Ja."
„Das ist neu… Wie ist die Lage da drinnen?"
„Sie sind zu dritt, genau wie heute Morgen im Laden: Face, Viktor und der Dicke. Alle ziemlich angeheitert." Face gräbt die Weiber an und schleppt sie dann zum Tisch."
„Das ist vertraut" Hannibal grinste.
„Ich habe sonst niemanden erkennen können, der dazu passen könnte. Alles junge Leute."
„Ok, wir holen ihn da raus! Murdock, lass dir einen Vorwand einfallen, warum sie vor die Tür gehen müssen. Sobald er draußen ist, gehört er uns!"
„Roger".
Murdock stellte das das Funkgerät stumm und steckte es in seine Tasche. Ein Vorwand sollte leicht zu finden sein. Vielleicht würde er sagen, daß schöne der Mustang in Flammen aufgegangen war. Oder er würde eine Schlägerei anzetteln. Er berührte seine lädierte Nase. Oder lieber doch keine Schlägerei. Vielleicht wäre es besser, er würde gleich einen Feueralarm im Club auslösen, dann wäre auch das Chaos auf der Strasse vorteilhaft. Er zog die schwarze Wollmütze tiefer ins Gesicht und versuchte eine lässige Haltung anzunehmen, als ihn jemand anrempelte.

„Hey, bißchen langsamer, Kumpel!"
Der Rempler ignorierte ihn und wankte an ihm vorbei, direkt auf die Herrentoilette.
Murdock schaute ihm verdutzt nach „Nein, nein, nein, nein! Das ist doch die falsche Richtung Face!"
Er seufzte kurz, prüfte den Sitz der Mütze und folgte ihm schließlich in den hell gefliesten Raum.
Hinter einer hölzernen Trennwand unmittelbar am Eingangsbereich, die offenbar als Sichtschutz nachträglich eingebaut worden war, waren sechs Kabinen und gegenüber sechs Urinale zu sehen. . Erst, als er noch einen weiteren Schritt in die Mitte des Raumes machte, hinter die Trennwand, sah er die Waschbecken und Face. Er hatte sich an der Wand über den Waschbecken abgestützt und machte einen ziemlich erschöpften Eindruck.

„Geht es ihnen nicht gut, Sir?" Murdock versuchte seine Stimme tiefer klingen zu lassen und den direkten Blickkontakt zu vermeiden. Doch Face tat ihm den Gefallen und schaute ihn erst gar nicht an. Stattdessen drehte er den kleinen Wasserhahn auf und hielt eine Hand darunter.
„Sir? - Sie sollten an die frische Luft gehen….das hilft."
Face ignorierte Murdock, sammelte das Wasser in seinen Händen, kühlte sich dann damit das rote Gesicht.
„Das mit der frischen Luft klappt wirklich, ich helf ihnen nach draußen…." Etwas unsicher legte Murdock seine Hand auf Face' Schulter. Nur einen Wimpernschlag später, ohne seinen Blick vom Waschbecken zu lösen, schnellte Face' Hand zu Murdocks Hand auf seiner Schulter, griff dessen Handgelenk und drückte es so feste zu, bis es weh tat. Nach wenigen Sekunden ließ er es wieder los, machte sich erneut das Gesicht naß, ganz so, als wäre nichts geschehen.
Murdock war irritiert und rieb sein schmerzendes Handgelenk. „Ich meinte es ja nur gut. Kein Grund gleich wütend zu werden, Kumpel."
Man könnte in der Tat von einem gewissen Aggressionspotenzial sprechen, so hätte es jedenfalls Dr. Snider im Krankenhaus ausgedrückt. Jetzt nicht aufgeben, das siebte Nein ist ein Vielleicht - das hatte er in einer Zeitung gelesen.
„Ich kann ihnen ja auch ein Taxi holen, wenn sie das möchten? Man kann ruhig auch mal Hilfe annehmen, schließlich war jeder von uns mal betrunk….."
Face flog herum, packte rabiat Murdocks Kragen, in seinen Augen der blanke Zorn. Seine rechte Faust holte zum Zuschlagen aus, Murdock riß abwehrend die Hände vor und kniff die Augen zusammen.


„Murdock kommen!"
Rauschen
„Abbruch sofort, da ist Ärger im Anmarsch! Hier sind gerade Bogdanovs Leute vorgefahren. Murdock?"
Hannibal seufzte, ließ das Funkgerät in seinen Schoß sinken und blickte zu B. A. „Es ist zum verrückt werden!"
„Der Mann IST verrückt, Hannibal!"


Auf keinen Fall würde er sich mit Face schlagen, also wartete Murdock auf den Schmerz in seinem Gesicht. Doch es passierte überraschenderweise gar nichts! Es blieb still, seine Nase unangetastet…. Irgendetwas hatte Face offenbar mitten in der Bewegung stoppen lassen.

Murdock blinzelte vorsichtig, folgte dann Face' verwirrtem Blick, der an der kleinen Army Anstecknadel an seinem Revers hängen geblieben war. Die linke Hand immer noch fest an Murdocks Kragen, berührte er mit den Fingern der anderen Hand ganz langsam die Nadel und strich nahezu behutsam über das winzige Schwert mit den zwei Pfeilen darüber. Seine Finger glitten mehrmals über das Metall und bewegten es im grellen Neonlicht. Als er Murdock schließlich ansah, lag so etwas wie Fassungslosigkeit in seinen Augen, vielleicht war es auch Verwirrtheit oder Entsetzen - Murdock war sich nicht sicher. Ohne den Blickkontakt abzubrechen, lockerte Face seinen Griff an Murdocks Kragen, also setzte Murdock alles auf eine Karte:
„Du kannst sie haben, wenn sie dir gefällt…?" Er zögerte kurz, unsicher, ob Face nicht doch noch zuschlagen würde. Dann griff er mit beiden Händen zur Nadel und löste sie von seinem Kragen um sie Face zu geben. Fast benommen nahm Face die Anstecknadel, schaute dabei immer noch irritiert zu Murdock. Er schien zu versuchen wieder die Kontrolle über sich zu erlangen, aber auf irgendeine Weise lähmte ihn diese Situation völlig.

Er drehte die Anstecknadel in seiner Hand hin und her, sprach die eingravierten Worte nach
De oppresso liber Seine Stimme war leise und überraschend ruhig. „Was bedeutet das?"
„Freiheit den Unterdrückten"
„..den Unterdrückten?"
Murdock nickte und erhaschte einen weiteren verständnislosen Blick von seinem Freund.
„Woher ist das?"
Die Tür schlug auf.

„DANIL!?"

Face zuckte zusammen, zerrte dann Murdock ruckartig zur Seite und drängte ihn in eine der Kabinen
„He!" Murdock wehrte sich erfolglos.

„DANIL!?"

Mit einem beherzten Schubs stieß er Murdock so hart zurück, daß dieser das Gleichgewicht verlor und mit dem Kopf gegen die Wand der Kabine schlug. Er zog die Tür zu, blickte sich suchend um, nahm den Besen, der neben den Waschbecken an der Wand lehnte und verkantete ihn geschickt mit dem Türgriff. Murdock schlug mit der Faust gegen die Tür
„Hey, was soll der Scheiß?!"

„Danil! Wo zur Hölle bleibst du? Was machst du da?"
Danil schwieg und zuckte unschuldig mit den Schultern.
Viktors schaute auf den verkanteten Besenstiel und grinste: „Wäre schön, wenn du mich an deinem Spaß teilhaben läßt! Aber du solltest nicht übertreiben, sonst fällt es noch meinem Vater auf und wir kriegen Ärger. – apropos: Mein Vater…" Viktor rollte die Augen „Er ist hier, wenn wir uns beeilen, schaffen wir noch den Hinterausgang."
Murdock wollte wiederholt gegen die Tür poltern, aber als er die Eingangstür erneut hörte, riet ihm einer der vielen Kobolde in seinem Kopf, besser still zu sein.

„Viktor! Was für eine Überraschung." Alexejews Stimme klang emotionslos. Durch die geöffnete Tür sah Viktor, wie sich zwei Männer vor der Tür postierten, Wladimir und Dimitrij folgten seinem Vater in den Raum hinein.
„Vater."
„Ist es nicht so, mein lieber Sohn, daß du etwas Wichtiges für mich erledigen solltest?"
„Ich, ja, es war heute Mittag zu…"
„Viktor." Bogdanov wirkte beängstigend ruhig „Erspare uns deine kindischen Ausreden. Ich hatte wirklich gehofft, daß du nun alt genug bist…" Dann wurde er unerwartet laut „…EIN SIMPLES PAKET ABZUGEBEN!"
„Es tut mir leid, aber ich…"
„Dir fällt immer noch ein ABER ein! Wie kannst du nur mein Sohn sein? Ich frage mich, was ich in deiner Erziehung falsch gemacht habe, daß du selbst einfachste Aufgaben nicht erledigen kannst?"
Viktor schaute betreten zu Boden.
„Was wäre, wenn zum Beispiel ein Menschenleben von deinen Versäumnissen abhängig wäre?" Er zog seine Pistole aus dem Holster, Viktor schaute ihn fragend an.

„Nun Viktor, erwarte bitte nicht von mir, daß ich deine Unfähigkeit einfach so hinnehmen kann. Es wird Zeit, daß du lernst, was das Wort „wichtig" bedeutet." Ohne genau hinzuschauen, griff er neben sich, packte Danil an der Schulter, zerrte ihn vor sich, drückte ihm mit der anderen Hand die Pistole an die Schläfe und spannte den Abzug.
„Es könnte vielleicht Danil's Leben sein, welches von dir abhängt. Oder meines, oder vielleicht sogar auch dein eigenes. Hast du dir das schon einmal überlegt?"
Alexejew riss erneut an Danils Schulter, drückte ihn grob in gebeugter Haltung genau vor Viktor. „Möchtest du jemanden sterben sehen Viktor? Möchtest du die Verantwortung für seinen Tod übernehmen?"
Viktor wurde nervös, seine Stimme begann zu zittern: „Nein, er, warum er?" Seine Hände wurden schwitzig.
„Warum? Einer bezahlt immer für irgendwelche Versäumnisse." Er drehte die Pistole in der Hand und hielt sie Viktor hin „Vielleicht ist es lehrreicher für dich, wenn du selbst den Abzug drückst. Denn du allein trägst die Schuld an der Situation, dann sollte auch sein Blut an deinen Händen kleben!"
Viktor griff angespannt nach der Pistole und richtete sie zögernd auf Danil. Danil hatte die Augen geschlossen, verharrte still und wehrlos in seiner unglücklichen Position. Es verwunderte Viktor, wie ruhig Danil mit der Pistole an seinem Kopf vor ihm stand, er atmete nicht mal schneller. Ob er keine Angst hatte?

„Nun, was ist?"
„Vater, er hat doch gar keinen Fehler gemacht!" Viktors Stimme war aufgeregt
„Jemand hat etwas versäumt, jemand muß dafür bezahlen. So ist das Leben" Er griff nach Viktors Hand mit der Pistole, drehte sie samt seiner Hand um und richtete sie so auf Viktor selbst: „Du kannst allerdings auch gern selbst bezahlen…"
Viktor wich erschreckt zurück „Nein!"
„Nein? Du hast Glück, daß du mein eigen Fleisch und Blut bist, sonst wärst du jetzt tot!" Er sicherte die Pistole und nahm sie Viktor aus der Hand. Dann ließ er endlich Danil los, griff aber nun so fest nach Viktors Schulter, daß Viktor versuchte dem Griff nach unten auszuweichen:
„Danil, es tut mir leid, daß ich unhöflich zu dir sein mußte. Aber einer muß nun mal für Fehler gerade stehen. Ich setze auf dein Verständnis, ich kann schlecht meinen Sohn verletzen. Aber er muß nun mal lernen, wie es sich anfühlt, wenn man Fehler macht. – Wladimir!?"
Es kam unerwartet von der Seite. Wladimirs Schlag traf Danil empfindlich in die Magengrube und er taumelte sofort zurück. Noch ehe er schützend die Hände heben konnte, folgte der nächste Treffer ins Gesicht. Viktor zuckte zusammen. Es war nicht das erste Mal, daß er zusah, wie sein Vater jemanden verprügeln ließ. Doch diesmal fühlte es sich anders an und das nicht, weil er Danil mochte. Nein. Er fühlte sich tatsächlich so etwas wie schuldig. Mit verzerrtem Gesicht sah er zu, wie Danil strauchelte. Er versuchte sich am Waschbecken abzufangen, doch bekam keinen Halt, stürzte. Wladimir fing ihn ab, zerrte ihn hoch und drückte ihn mit voller Wucht gegen die Wand. Seine Schläge waren hart und schnell, Wladimirs Markenzeichen

„SIEH HIN VIKTOR! Das könntest auch jetzt du sein! Möchte wissen, wie Danil darüber denkt, daß er für deine Fehler bezahlen darf?
Viktor schwieg.
„Und weißt du was mich zusätzlich ärgert? Daß Danil morgen ausfällt und er nicht für mich arbeiten kann! Auch das ist deine Schuld. Du wirst morgen Danil's Arbeiten übernehmen. Und erlaube dir besser keine weiteren Fehler."
Bogdanov drehte sich zur Tür, zerrte dabei Viktor mit sich. „Wir fahren nach Hause, vorwärts!" Dimitrij öffnete ihm die Tür.
Beim Verlassen des Raumes drehte er sich noch einmal um, sein Blick verharrte für einige Sekunden auf Danil, der benommen am Boden lag: „Wladimir, ich glaube es ist genug."


B. A. beschleunigte den Van um die zwei schwarzen Limousinen vor ihnen nicht aus den Augen zu verlieren
„Murdock, was hast du solange da drin gemacht? Dein Funkgerät war aus." Hannibal drehte sich nach hinten.
„Ich bin auf der Herrentoilette eingesperrt gewesen - dank Face!" grummelte Murdock "Die Putzfrau hat mich raus gelassen."
„Wo ist Face?"
„Ich weiß nicht. Sie sind eben raus."
„Es kamen nur drei von Bogdanov's Leuten, Bogdanov selbst und sein Sohn. Einer der Wagen ist nach hinten gefahren, vermutlich sind sie dann hinten raus…".
„…Vielleicht keine schlechte Idee, mit Face wäre es wohl zu auffällig gewesen…."
Hannibal schaute ihn fragend an
„Wieso, was ist mit Face?"
„Einer der Affen hat ihn zusammengeschlagen. Es klang mir nicht so, als hätte Face da noch ohne Aufsehen zu erregen rausgehen können…"
„Was ist passiert?" Hannibal's Stirn legte sich in kleine, zornige Falten.
„Der Typ ist krank, Hannibal! Für 'ne Sekunde hab ich echt gedacht, der knallt ihn ab."
„Warum?"
„Sein Sohn hat irgendetwas vergessen und Bogdanov vertritt die Meinung, irgendjemand müsse eben für Versäumnisse bezahlen."

Hannibal rieb sich mit der Hand über das Gesicht: „Mit B. A.s Sendern wissen wir gleich, wo wir sie finden und dann bereiten wir der verdammten Scheiße ein Ende. Ich bin's leid."

„Ich verstehe nicht, warum er nicht einfach wegläuft! Er war ganz allein auf der Toilette, er hätte einfach gehen können." sagte Murdock und rutschte dabei in seinem Sitz in eine bequemere Position.
Für einen kurzen Moment starrte Hannibal schweigend auf die Strasse, beobachtete die zwei schwarzen Limousinen in einigen Metern vor ihnen.
„Genau das ist es, was mir Kopfzerbrechen bereitet, Murdock. Ihn da rauszuholen wird nicht das einzige Problem sein, was wir haben."

„Die werden langsamer."
„Ok, halte Abstand, B. A.. Ich will nicht, daß sie uns bemerken."


„Gib mir deine Hand! - jetzt sofort!"
Der Tonfall duldete keinen Widerspruch. Mühsam streckte Danil seine Hand aus, um dem Befehl Folge zu leisten. Die Bewegung schmerzte so stark, daß er laut aufstöhnen wollte, doch es kam kein Laut über seine Lippen. Irgendetwas drückte auf seine Lunge und nahm ihm die Atemluft. Es zwang ihn nur noch stärker einatmen zu wollen, er fühlte Panik. Als er schwerfällig die Augen öffnete, blickte er auf das schwarze Leder der Rückbank und entspannte sich ein wenig. Es roch nach Zigaretten und Wodka. Vielleicht war er es selbst, er war sich nicht ganz sicher. Er konnte Wladimir am Steuer sitzen sehen, Dimitrij auf der Beifahrerseite. Sie unterhielten sich auf Russisch, lachten ausgelassen. Danil zog seine Hand zurück, niemand hatte etwas zu ihm gesagt. Er spürte die kalte Fensterscheibe, gegen die sein Kopf lehnte und etwas tropfte auf Danils Hand. Es war warm.

Wladimir.
Die Erinnerung kam langsam wieder und gleichzeitig meldeten immer mehr Körperteile schmerzhafte Bereiche. Diesen Gorilla sollte man wirklich lieber im Zoo hinter Gittern halten. Seine raspelkurzen Haare, sein plattes Gesicht und diese riesige Nase ließen tatsächlich einen gewissen Vergleich zu einer größeren Affenart zu. Wie zur Hölle konnte ein Mensch nur so hart zuschlagen? Und er tat es mit einer Ruhe und Selbstverständlichkeit, die noch beängstigender war, wie die die Wucht seiner Schläge. Vor Wladimir hatten alle Angst - und Wladimir? Der fürchtete nur einen Mensch auf dieser Welt: Alexejew.

Danil versuchte sich in eine bessere Position zu bringen, doch er fühlte sich schwer wie Blei, jede Bewegung schmerzte. Baumwipfel rauschten am Fenster vorbei, er begann sie zu zählen. Er brauchte Ablenkung. Zum Glück schien der Wagen nach kurzer Zeit langsamer zu werden, mit Sicherheit waren sie bald zu Hause. Er hatte keine Ahnung, wie er ins Haus kommen sollte. Wenn er es auf seinen eigenen Füßen nicht schaffen würde, würde Wladimir ihm helfen….nachhelfen sozusagen. Vielleicht aber auch Dimitrij, eine deutlich bessere Vorstellung.
Für einen schmerzhaften Atemzug schloß er kurz die Augen, dann drehte er seine blutverschmierte Hand und öffnete sie: Darin hielt er noch immer die kleine Anstecknadel. Während Wladimir ihn verprügelt hatte, hatte sich ihre geöffnete Nadel in seine Handfläche gebohrt, er hatte sie nicht verlieren wollen. Er schloß die Hand wieder zu einer Faust und ertrug den stechenden Schmerz der Nadel. So wußte er wenigstens, daß sie da war.

Sein Blick schweifte wieder aus dem Fenster. Aufeinandergetürmte Autos tauchten in seinem Sichtbereich auf, also mußten sie beim Schrottplatz sein und seine Augen wanderten automatisch zum Außenspiegel auf der Beifahrerseite. Er war so verstellt, daß Danil einen kleinen Ausschnitt der Strasse hinter ihnen sehen konnte. Ein schwarzer Van folgte ihnen, doch so sehr er etwas sagen wollte - seine Lippen brachten keinen Ton hervor.