„DANIL!"

Danil fuhr herum und sah zu, wie sich Alexejew Bogdanov mit zwei Männern durch das Dickicht kämpfte

„Sehr gut, mein Freund." Sagte Bogdanov als er ihn erreichte, deutlich außer Atmen. Er legte kumpelhaft den Arm um Danil, während seine Männer die Waffen auf Hannibal richteten.
„Auf dich ist einfach immer Verlass." Er lächelte zufrieden und klopfte dabei noch einmal auf Danil's Schultern. Seine Mine verfinsterte sich, als er sich Hannibal zuwandte.
„Aber dich kenne ich doch irgendwoher…Mr Smith, stimmts?"
Danil zog überrascht die Augenbrauen hoch. Die beiden kannten sich?
„Ja genau, jetzt fällt es mir wieder ein! Bei Mario haben wir uns kennengelernt, nicht wahr? Da schau her, mit dir habe ich hier nun wirklich nicht gerechnet!"

Er schlenderte entspannt auf Hannibal zu und begann ihn zu umkreisen, wie ein Hund das unterlegene Beutetier. „Was treibt dich hier her, in mein Haus….?" Sein Blick wanderte von Hannibal auf Danil, der hinter Bogdanovs Männern stehen geblieben war.

„…Nein…!?" mit einem Lachen drehte er sich wieder zu Hannibal: „Du bist nicht wirklich wegen ihm gekommen?" Sein Lachen wurde laut und ausgelassener: „Sowas Irrsinniges hab ich auch noch nicht erlebt - unglaublich Smith! Das ist nicht zu fassen."
Er zog einen weiteren Kreis um Hannibal. „Ok, an dieser Stelle muß ich zugeben, der Fehler für den heutigen Tag liegt wohl dann bei mir: Ich hätte euch bei Mario direkt abknallen sollen…" für einen Moment schien er zu grübeln: „Wow Smith! Jetzt wo ich darüber nachdenke… ihr wart schon bei Mario wegen ihm?!"

„Wer… wer ist Mario?" Danil war verunsichert, zog verwirrt die Augenbrauen hoch. Er konnte sich an keinen Mario erinnern.
„Halt den Rand!" zischte Bogdanov ihn wütend an und beobachtete, wie Danil einen winzigen Schritt zurück machte.

„Du bist sowas wie ein Ratefuchs, nicht?" Die Arroganz in Hannibals Stimme war deutlich herauszuhören, als er Alexejews Aufmerksamkeit wieder zurückforderte. „Nun, du darfst dir ein Sternchen in deinem Ratebuch machen. Ich erinnere mich übrigens, daß mein Kumpel bei Mario zu dir sagte, daß du es noch bereuen wirst, wenn du ihn anfaßt…" Er blickte überlegen grinsend auf Danil „Und wie ich sehe, konntest du es nicht sein lassen."
„Du hast ein ganz schön vorlautes Maul, für deine unvorteilhafte Lage. Der einzige Grund, warum du noch atmest ist, weil ich nicht einsehe, dich einfach nur zu erschießen. Das wäre viel zu nett für dich. Für dich denke ich mir etwas Besonderes aus."
„Ach ja, dann lass mal raus, ich bin neugierig. Man will ja auch was geboten bekommen."
Bogdanov knurrte ihn an: „Du hast mein Auto zerstört und meinen Rasen."
„oh, um das Auto geht es dir, ich dachte wir reden hier über Danil?" Hannibal runzelte die Stirn und deutete erneut auf Danil.

Danil fühlt sich unbehaglich, am liebsten wäre er an einem anderen Ort aufgewacht. Warum zog dieser Typ ihn in solche Schwierigkeiten? Alexejew ärgerte sich über seinen Cadillac, das war bedeutend besser, als daß er sich über ihn ärgerte. Und es war leicht, Alexejew zu verärgern, er fand schnell Gründe, warum er außerordentlich wütend wurde. Und dann war man besser nicht beteiligt. Dieser Hannibal versuchte ihm das Leben zur Hölle zu machen, das war offensichtlich. Er wich noch einen weiteren Schritt zurück.

„Der da?" Alexejew lachte wieder. „Der ist ersetzbar, Smith, wie jeder andere auch. Er ist nicht mal eine Kugel wert. Aber mein Cadillac, das ist eine Sonderedition gewesen, die du da großzügig geschrottet hast. Es gibt nur ganze 10 Stück davon. 10 Stück auf der ganzen, verschissenen Welt!" Jetzt brüllte er.

Danil wußte was das bedeute. Er zuckte instinktiv zusammen. Wenn Alexejew die Beherrschung verlor, dann sollte man sein Testament gemacht haben, oder mindestens eine gute Pflegeversicherung haben.

„Face, hast du gehört, was du deiner Familie wert bist? Was sagst du dazu?" Hannibal sagte es so ruhig, als wäre der vor Wut schäumende Alexejew gar nicht da. Und wieder mußte er ihn mit reinziehen. Der Tag würde nicht gut enden. Sein Puls beschleunigte sich.

„Rede mir noch ein einziges Mal dazwischen, Danil, dann war das dein letzter Fehler für heute!" ging Bogdanov ihn an, bevor er überhaupt nur die Lippen bewegen konnte. Nicht, daß er es überhaupt vorgehabt hatte – wenn Alexejew sprach schwieg man lieber. Zum Wohle der eigenen Gesundheit.

„Weißt du, Alex, ein wirklich dummer Mann hat mal gesagt, ‚Irgendjemand muß für Fehler bezahlen'. Klingelt da was bei dir?"
Alexejew schaute ihn irritiert an.
„Nun, du hast also den ersten Fehler gemacht, mich nicht gleich umzulegen." Hannibal hob die Hand um seine Finger mitzählen zu lassen „Und wenn mein Freund – Face ist übrigens sein wirklicher Name – nun einen Fehler macht, dann könntest DU ja praktischerweise auch gleich dafür bezahlen. Das wäre ein Abwasch. Also Face, Alex schmeißt `ne Runde!" Großkotzig schaute er zu Alexejew und erhielt postwendend einen bösen Hieb in die Magengrube.

„Du blödes Arschloch, dir werden die großen Töne noch vergehen. Ich werde dich wimmern und weinen sehen, wie ein Baby!"
„Glaubst du?" Hannibal stöhnte. „Ich glaube Alex, du irrst dich. Womit wir bei deinem dritten Fehler wären, für den du bezahlen mußt."
„Mir kommt gerade eine bessere Idee, du mieser, kleiner Klugscheißer!" Er ging auf Danil zu und zerrte ihn vor, drückte ihn nach unten und hielt ihm die Pistole an die Schläfe. So, wie er es immer tat, wenn er wütend war und gerade niemand greifbar war, an dem er seinen Hass auslassen konnte. Danil hielt still. Erschreckt stellte er fest, daß er dieser Situation immer gelassener begegnete. Wladimir war nicht da. Es konnte also nicht so schlimm werden. Beinahe hätte er lächeln müssen.

„Das ist langweilig Alex, lass ihn in Ruhe. Das ist ein Ding zwischen dir und mir"
„Vielleicht. Aber weißt du, ich mag es einfach, dein Gesicht zu sehen, wenn ihm etwas zustößt."
Er hatte noch nicht ausgesprochen, da spürte Danil den Holm Alexejew's Waffe mit einer solchen Wucht in seinem Nacken, daß er ächzend zu Boden ging. Er kniff die Augen zusammen, spürte wie der Schmerz bis in seinen Kopf wanderte.

„Fehler Nummer vier. Du hast ihn schon wieder angefaßt." Hannibal schüttelte überlegen den Kopf, sein Blick war grimmig „Und du hast auch ein besonderes Talent, mich wirklich wütend zu machen."
„Woher nimmst du blöder Penner eigentlich deine Überzeugung?"
„Das ist ganz einfach, mein Freund." Hannibal ließ die Hände sinken „Von den zwei Maschinengewehren, die gerade auf euch zeigen…!"

Beep"


Alexejew und seine zwei Begleiter drehten sich entsetzt um die eigene Achse. Hinter ihnen standen B. A. und Murdock, die Waffen auf sie gerichtet.
„Beep Beep".
Hannibal grinste: „Das wurde ja auch mal Zeit. Ich dachte schon, ihr hättet euch aus dem Staub gemacht"
Beep"
„Gut, das verstehe ich, Captain. Verschnürt mir die Möchtegern-Mafiosos gut, ich will heim. Ich habe wirklich genug!"

Während B. A. mit sicherem Abstand die Situation bewachte, eilte Murdock, um dem Befehl nachzukommen. Gut vorbereitet, hatte er genug Seilmaterial in seinem Rucksack mitgenommen, um gleich mehrere Leute zu fesseln.

Hannibal griff unter Face' Arm und half ihm beim Aufstehen. „Alles ok?"
Ohne zu antworten wich Face seinem Blick aus und riss seinen Arm aus Hannibal's Umklammerung.
Innerlich seufzte Hannibal, dann drehte er sich zu Alexejew
„Weißt du Alex, eins mußt du mir noch verraten: Wie habt ihr uns finden können?"
Alexejew grinste hämisch und deutete auf die Bandage an Face' Handgelenk: „Glaubst du ich lasse ihn hier einfach so rumlaufen? Ich kenne jeden seiner Schritte." Er griff nach Face' Handgelenk, zerrte die schon gelockerte Bandage herunter und präsentierte, fast schon stolz, das metallene Armband, an dem ein kleiner Sender befestigt war.
„Zu seiner eigenen Sicherheit."


Hannibal schlug zu.
Es war ihm egal, was er traf und wo, und ob es vernünftig war, oder angemessen oder vielleicht nicht. Er wußte nicht mal genau, ob er wegen dem Armband zuschlug, oder dem Sender der daran war, oder für den verlorenen Freund, oder für das, was passiert war – Was auch immer, es war einfach genug. Er spürte den gleichen Hass in sich aufkochen, den er empfand, als er Face bei Monselan gefunden hatte und er sah keinen Grund, sich irgendwie zu bremsen.
„Hannibal!" hörte er Murdock im Hintergrund rufen, doch er wollte nicht darauf hören. Er schlug auf Bogdanov ein, wie er noch nie jemanden geschlagen hatte.
Er spürte Murdocks Hand an seinem Arm, doch es war nur kurz. Die beiden Gehilfen nutzten den überraschenden Moment und das Entsetzen von Murdock und B. A., und versuchten, die Kontrolle wieder zu erlangen.

Aus den Augenwinkeln sah Hannibal, wie Murdock zu Boden ging, und der Angreifer sich zusätzlich auf B. A. stürzte, der bereits in einen Kampf verwickelt war. Keine Zeit darüber nachzudenken, Bogdanov war ein guter Kämpfer. Es überraschte ihn, auf den ersten Blick wirkte Bogdanov, als habe er sich noch nie die Hände selbst schmutzig gemacht. Aber er war sportlich, hatte Ausdauer und Kondition, und er war schnell. Unglaublich schnell. Hannibal steckte einige harte Hiebe ein, doch er konterte jedesmal erfolgreich. Bogdanov war deutlich besser wie sein Kollege, den er eben mit wenigen Handgriffen ausknocken konnte. Es waren Kampfsportelemente zu erkennen. Er spürte wie seine Augenbraue aufplatzte, das Blut rann ihm über das Auge, doch wirklichen Schmerz empfand er nicht. Dazu war er zu wütend. Heute war Zahltag und Bogdanov würde bezahlen! Die beiden stürzten zu Boden. Bogdanov war über ihm, versuchte seinen Kopf gegen einen Stein zu schlagen. Hannibal drehte sich, streifte mit dem Ohr den Stein und schlug wieder zu, erwischte Bogdanov übel im Gesicht. Sie rutschten sie über den Boden, Bogdanov war schnell, drückte ihn mit dem Gesicht in den nassen Grund. Er bewegte sich zur Seite und griff mit der Hand zu seiner Jackentasche, als Hannibal in wieder zurückstieß. In der nächsten Sekunde sah Hannibal das Messer über sich und packte gerade noch rechtzeitig zu, um die Bewegung zu stoppen. Der Kampf war hart, es war nur eine Frage eines Muskelzuckens, bis einer der beiden das Messer in sich spüren würde. Es blieb keine Zeit für atmen, nur das Messer im Fokus und alle Kraft, die die Arme noch hergaben. Bogdanov war stark, und vor allem deutlich ausgeruhter wie Hannibal.

„Schieß!" brüllte Alexejew und Hannibal fragte sich, wen er meinte. Er erhaschte einen Blick zu Seite und sah Face, mit der Pistole auf sie gerichtet. Er stand steif da, bewegte sich nicht.
„Schieß endlich!"
„Du bist frei Face! Lauf weg!" Hannibal keuchte.
„Er ist mein Eigentum. Und er wird für mich alles tun, nicht wahr Danil!?"
Face antwortete nicht. Sein Gesicht war blass, er atmete schwer.
„Stimmt's Danil, du wirst mich nicht enttäuschen, du hast es versprochen!"
Face nickte langsam.
Die beiden Männer rangen um das Messer, ihre Kräfte neigten sich zum Ende.
„Ich habe dich gerettet Danil, du wärst tot ohne mich!"
„Face, geh endlich!" flehte Hannibal. Er spürte wie seine Hände zu zittern anfingen, das Messer kam bedrohlich näher.
„Schieß endlich, du verdammter Taugenichts!"
„Lieutenant." Hörte Hannibal sich sagen, doch es war nicht laut, er hatte keine Kraft mehr, um es zu rufen.
Face hob die Pistole an und zielte, B. As. Stimme schrie irgendetwas im Hintergrund.
Dann hörte Hannibal den Schuß.

Er war laut, es fühlte sich an, als würde er ihn mehrmals hintereinander hören. Die Luft blieb ihm weg und sein Brustkorb wurde auffallend warm.
Er hat geschossen. Der einzige Gedanke der in seinem Kopf aufkam. Er hat wirklich geschossen.
„HANNIBAL!" er hörte B. A. irgendwo schreien. „Hannibal!"
Er spürte eine Hand an seinem Arm
„Bist du verletzt?"
Seine Hände umklammerten noch immer das Messer. „Hannibal, bist du ok?"
„B. A."
Erst jetzt bemerkte er, daß Bogdanov mit aufgerissenen Augen auf ihm lag und nicht mehr gegen das Messer drückte. Als B. A. ihn berührte, rutschte er langsam von ihm hinunter. Sein Hemd war blutrot. Es war sein Blut. Es war Bogdanov. Bogdanov blutete. Nicht er. Er schloß die Augen. Er hatte auf Bogdanov geschossen, nicht auf ihn.

„Hannibal?"
„Ja. Mir geht es…was ist mit Murdock?"
„Alles ok, er hat was auf die Nuss gekriegt. Vielleicht hilft's ja diesmal. "
Hannibals Blick fiel auf Face, der noch immer mit der ausgestreckten Pistole vor ihnen stand. Sein Gesicht war merkwürdig verzerrt. Wie abwesend ließ er die Waffe sinken und starrte Hannibal an.
„Lieutenant. Danke."
Er antwortete nicht, stand einfach nur da.
„Hey Mann, ist alles ok, Faceman?"
Face drehte sich wortlos um, griff im Vorbeigehen Murdocks Rucksack und ging.
„Face?"
„Lass ihn B. A."
„Was hat er vor?"
„Ich weiß es nicht."
B. A. wollte aufspringen, doch Hannibal hielt ihn am Arm fest: „Lass ihn gehen."
B. A. biss die Zähne aufeinander.
„Den finden wir nie wieder!"
„Es ist seine Entscheidung, B. A.. Er ist frei."