Eine Woche später saß Joe mit seiner Tequilaflasche abseits des Getümmels und grübelte vor sich hin. Dreizehn Jahre! Dreizehn Jahre war es jetzt her und doch kamen die Erinnerungen jedes Jahr automatisch wieder. Er lehnte sich gegen die Polster der Couch und atmete tief ein und aus.

"Hey Kumpel, alles klar bei dir? Warum feierst du nicht. Hey, du hast den Rumble gewonnen", rief Rami Sebei und ließ sich neben ihn fallen.

Jon setzte sich ihm gegenüber und hielt ihm seine Flasche entgegen. Er wusste genau, warum Joe so schlecht drauf war und seufzte leise auf.

"Mir ist nicht nach feiern zumute", antwortete Joe Anoa'i und stieß mit seiner Flasche gegen die seines Freundes.

"Du denkst wieder an sie, oder? Ich habe nicht vergessen, was für ein Datum heute ist." Jon klopfte ihm auf das Knie.

Joe lächelte ihn an. Sein bester Freund kannte ihn zu genau.

"Darf ich fragen was los ist? Oder möchtest du nicht drüber reden", kam von Rami.

Und natürlich wollte Joe drüber reden. Jedes Jahr redete er mit Jon oder Colby über sie. Über seine Kayla, die er wegen eines dämlichen Fehler vor langer Zeit verloren hatte. Seit dieser Zeit hatte er nie wieder eine Frau so lieben können. Und wenn er so nachdachte, hatte er eigentlich nie wieder jemanden geliebt. Ein paarmal hatte er versucht, eine Beziehung einzugehen, doch diese waren nach ein paar Wochen wieder gescheitert.

"Ich denke an meine erste Freundin Kayla. Kayla Zeller. Wir waren seit der Grundschule befreundet und ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich mich in sie verliebe. Sie war meine beste Freundin. In der High School ist es dann passiert. Das war eine Aktion" Joe's Augen strahlten, als er anfing zu erzählen und Rami entging dies nicht.

"Muss ja ein tolles Mädchen gewesen sein. Verdammt Joe, deine Augen leuchten."

Der Samoaner schmunzelte und nickte. "Ja, das war sie. Wir haben uns beide einfach ergänzt. Wir brauchten uns nur ansehen, brauchten keine Worte."

"Und wie seid ihr zusammen gekommen." Der Rothaarige hing gebannt an seinen Lippen.

FLASHBACK

"Hey, hast du schon gehört. Kay geht heute Abend mit Nicolas Fuller ins Golden", sagte Spencer Mitzky und warf seine Schultasche unter die Sportbank.

Digger warf seinem Freund Joe einen Blick zu.

"Kann sie doch, wenn sie Spass daran hat", antwortete Joe knapp.

Doch in seinem innersten brodelte es plötzlich. Seit einigen Monaten machte es ihn wahnsinnig, wenn sie mit einem anderen ausging. Einerseits liebte er es in ihrer Nähe zu sein, andererseits verfluchte er es, weil sein Körper plötzlich heftig auf sie reagierte. Wenn sie jetzt, wie fast an jedem Wochenende bei ihm zu Hause schlief, vermied er es, sich zu ihr zu drehen, weil er immer diesen Drang verspürte sie anzufassen. Sein Herz klopfte im Eiltempo, wenn sie den Raum betrat und ihr Lächeln nahm ihm sämtliche Luft zum Atmen.

"Joe, ich weiß genau, dass du auf sie stehst. Rede mit ihr." Spencer hutzte ihn gegen die Schulter.

"Da ist gar nichts", antwortete Joe schroff.

"Natürlich nicht", kam von Tyson Granger und verdrehte die Augen.

Joe nahm seine Tasche, verließ den Raum und machte sich auf Richtung Chemiesaal. Als er diesen betrat, sah er Kayla bei Nicolas stehen und wie automatisch ballte sich seine Hand zu einer Faust. Als die braunhaarige Junge Frau ihn sah, strahlte sie und kam sofort zu ihm rüber. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihrem besten Freund einen Kuss auf die Wange.

"Morgen Babe."

Schlagartig besserte sich seine Laune und er zog sie in seine Arme. "Morgen Panda. Und genug gepaukt für Chemie?"

"Ich hoffe", antwortete sie und ließ sich neben ihn auf den Stuhl fallen.

"Ich habe gehört du gehst heute mit Nic aus?"

"Hmmm. Irgendwann muss ich ja mal an den Mann gebracht werden oder?", kicherte sie.

"Aber Nic?" Joe zog die Nase kraus.

Er wollte noch etwas hinzufügen, aber Mrs. Poll, die Chemielehrerin betrat den Raum.

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"Joe, dein Bier! Hey, wo hast du deine Gedanken?", wollte Charles wissen, der ihm schon zum Dritten mal mit der Bierflasche gegen die Schulter schlug.

"Habt ihr Kay schon gesehen?", meinte er nur kurz und sah sich sofort wieder im Saal um.

"Die liegt bestimmt schon in Nics Karre", antwortete Charles und wich erschrocken zurück, als Joe ihm einen scharfen Blick zuwarf.

Er nahm sich schleunigst sein Bier und verzog sich zum DJ.

"Da drüben kommt sie", meinte Max und deutete auf die Türe.

Joe schluckte, als er sie sah. Sofort war da wieder dieses Kribbeln in der Magengegend und sein Herz pochte wie wild. Kurz winkte sie ihm zu setzte sich mit Nic in die Lounge, wo sie sofort die Köpfe zusammen steckten.

"Verdammt Anoai, ich seh dir doch an, dass du Nic am liebsten eine reinhauen willst. Unternimm endlich etwas", meinte Spencer.

"Quatsch, sie ist halt meine beste Freundin. Ich mache mir Sorgen. Wir alle kennen Nic", antwortete Joe trocken.

Spencer wollte gerade etwas erwidert, als Shirley an ihnen vorbei rannte. "Ich habe dir gesagt, dass du mich in Ruhe lassen sollst Charles, kapier das endlich."

Charles kam mit einer Tequilaflasche in der Hand grinsend neben die Jungs und nahm einen kräftigen Schluck.

"Was hast du wieder angestellt?, wollte Spencer wissen.

"Ach, die Schlampe. Zuerst macht sie mich heiß und dann lässt sie mich abblitzen."

"Das nennt man Taktik, Bro." Joe grinste ihn an.

"Arschloch. Wie ich sehe hat Kay Spass. Shit, vielleicht hätte ich sie um ein Date bitten sollen."

"Seid wann stehst du denn auf sie?", wollte Digger wissen.

"Seitdem sie verdammt heiße Titten und nen Knackarsch bekommen hat."

"Hey, du sprichst von meiner besten Freundin", zischte Joe ihn jetzt an.

"Dann seh es doch als Kompliment an deine beste Freundin. Es kann nicht jeder von sich behaupten, dass seine beste Freundin ein Top Schuss ist."

Kayla war mit Nic auf die Tanzfläche gegangen und lag jetzt eng in seinen Armen. Immer wieder strich der braungebrannte blonde Mann ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und flüsterte ihr leise etwas ins Ohr. Als er eine Hand auf ihren Po legte und sie noch enger an sich ran zog, sodass sie seine Erregung an ihrem Becken spürte, wollte sie sich sofort von ihm losreißen. Doch da wurde Nic schon von ihr weggezogen.

"Noch näher und du weißt morgen nicht mal mehr deinen Namen", zischte Joe und sah wütend auf den jungen Mann.

"Was geht denn mit dir ab?", fauchte der ihn an.

Kayla stellte sich sofort zwischen die beiden und drückte ihre kleine Hand gegen Joe's Brust. "Babe, es ist gut."

"Gar nichts ist gut", schrie Joe sie an, sodass sie erschrocken zurückwich.

Völlig konfus starrte sie ihn zuerst nur an, drehte sich dann um und lief Richtung Ausgang.

"Kayla, es tut mir leid", rief er und folgte ihr. Draußen angekommen packte er sie an den Schultern und drehte sie zu sich. "Sorry Panda."

"Was sollte das?", schrie sie.

Er fuhr sich mit der rechten Hand durch die Haare und senkte den Kopf. "Ich weiß es nicht."

Sie schnaubte kurz auf und schüttelte den Kopf. "Ich geh nach Hause. Hab keine Lust mehr auf Party. Wir sehen uns morgen."

"Ich will das nicht", murmelte Joe.

"Was?"

"Ich will nicht, dass dich jemand anfasst."

"Joe, ich entscheide, ob mich jemand anfasst oder nicht. Klar? Ich weiß echt nicht, was mit dir in letzter Zeit los ist. Egal, mit wem ich ausgehe, immer hast du was dran auszusetzen."

"Sie sind nichts für dich", zischte er.

"Achso. Na, vielleicht sollte ich mein Leben lang alleine bleiben und als alte Jungfer sterben. Euch Kerle soll einer verstehen", antwortete sie sarkastisch. Sie drehte sich um und ging einige Schritte von ihm weg.

"Ich liebe dich Panda", rief er.

Die junge Frau drehte sich um, kam wieder auf ihn zu und sah ihn an. Behutsam legte sie ihre rechte Hand an seine Wange. "Das weiß ich Babe. Aber so machst du unsere Freundschaft nur kaputt, wenn..."

"Nein, du verstehst mich nicht. Ich liebe dich wirklich. Nicht als besten Freund. Ich will dich Kayla. Scheiße verdammt." Er trat mit seinem Fuß gegen die Mülltonne, die an der Wand stand.

"Aha", kam nur leise von ihr.

Joe legte ihr seine Finger unter das Kinn und sah sie an. "Ich weiß selber nicht, was mit mir los ist. Hey, du bist Kayla, mein Panda. Ich muss auf dich aufpassen. Mehr wollte ich doch gar nicht. Aber seit ein paar Monaten kriege ich kaum noch Luft, wenn du in meiner Nähe bist. Ich will mein Gesicht in deinen Haaren vergraben, obwohl ich den Geruch von ihnen schon seit Jahren kenne. Wenn ich dich ansehe, werde ich wahnsinnig. Und wenn es jemand anderes tut, dann würde ich ihm am liebsten den Hals umdrehen. Scheiße, wie gerne würde ich dich jetzt einfach küssen."

"Dann tue es, verdammt noch mal", presste sie hervor.

Joe legte eine Hand auf ihre Hüfte, beugte sich zu ihr runter und presste seine Lippen auf ihre. Sofort schlangen ihre kleinen Arme sich um seinen Hals und ihre Zunge spielte an seiner Unterlippe. Joe knurrte leise auf, öffnete seinen Mund und ließ seine Zunge in ihren Mund tauchen.

"Wow", keuchte er nach einigen Minuten und lockerte den Griff um ihren Körper. Er legte seine Stirn gegen ihre und sah sie durchdringend an.

"Warum hast du mir nicht früher etwas gesagt?", wollte sie wissen.

"Weil ich ein Mann bin und..."

"Ok, das reicht als Antwort", lachte sie.

"Und warum hast du nichts gesagt?"

"Ich hatte Angst, dass unsere Freundschaft dadurch kaputt geht. Seit Wochen versuche ich schon Ausreden zu finden, dass ich nicht bei dir sein muss, geschweige den schlafen. Und jedes Mal, wenn ich eine Ausrede parat hatte und du mich gefragt hast, war das dann hinfällig. Es hat mir gereicht, einfach neben dir zu liegen."

"Mir nicht", grummelte er.

"Blödmann."

"Was die anderen wohl sagen werden?"

"Die werden schockiert und am Boden zerstört sein", antwortete sie theatralisch.

Joe nahm ihre Finger zwischen seine und zog sie wieder in den Saal.