"Warum zum Teufel sollte ich mir so etwas ausdenken?", schrie Kayla und sah Joe vorwurfsvoll an.
"Du konntest ihn doch noch nie ausstehen", antwortete er nur. Er nestelte an der Kordel seiner Jacke herum und vermied es sie anzusehen.
Kayla sprang vom Sessel auf stellte sich jetzt vor ihn.
"Und deswegen erfindet man eine Vergewaltigung? Das kann nicht dein ernst sein." Sie tippte mit den Fingern gegen ihre Stirn. "Du hast vollkommen den Verstand verloren."
"Charles würde keiner Fliege etwas zu leide tun. Ich kenne ihn seit dem Kindergarten."
Kaylas Wut stieg ins kannte fast genauso lange, doch gegen seinen besten Freund hatte sie keine Chance. Sie atmete einmal tief ein, hob ihren Kopf und sah ihn ernst an.
"Dann ist jetzt wohl alles geklärt. Scher dich mit deinem Freund zum Teufel. Ich möchte nichts mehr mit dir zu tun haben", zischte sie.
"Panda..." Joe fasste an ihre Schulter, doch sie wehrte ihn ab und drehte sich um.
Sie schluchzte auf und schüttelte ungläubig den Kopf. Matt war sofort bei ihr und zog sie in die Arme. Joe machte einen Schritt auf sie zu, doch sein Bruder gab ihm zu verstehen, dass er es lassen sollte.
"Ich glaube dir Kay. Ich komme nachher nochmal mit Summer bei dir vorbei. Und geht zur Polizei, hörst du", flüsterte er. Sie nickte und sah ihn dankbar an. Kurz küsste sie Joe's älteren Bruder auf die Wange, nahm dann ihre Handtasche und verließ den Raum.
Joe sah aus dem Fenster und sah ihr nach, bis sie nicht mehr zu sehen war.
"Glaub mir Bro, du machst da gerade einen riesigen Fehler", seufzte Matt und verließ den Raum.
Joe wälzte sich in seinem Bett unruhig hin und her. Schweißperlen liefen sein Gesicht entlang und immer wieder stöhnte er leicht auf.
"Panda", murmelte Joe immer wieder und vor seinem inneren Auge erschien der Strand seines Heimatortes.
Joe und seine Clique saßen um das Lagerfeuer der Abschlussparty des Colleges, als ihre Klassenkameradin Lindsay auf sie zugerannt kam.
"Joe, Spencer, ihr müsst sofort zu den Dünen. Er bringt ihn um", keuchte das zierliche Schwarzhaarige Mädchen. Sie stütze kurz ihr Hände auf die Knie und sah sich um.
"Wer bringt wen um?", fragte Digger.
"Ben...Charles", rief sie nur und lief an ihnen vorbei zum Schuldirektor.
Die Jungs sprangen auf und rannten in die Richtung, aus der Lindsay gekommen war. Von weitem hörten sie Ben wüste Beschimpfungen ausstoßen und seine Fäuste schlugen immer wieder in Charles Gesicht. Dieser saß auf seinen Knien und stöhnte nur noch auf. Joe's Schritte wurden schneller, als er sah, dass sein Bester Freund jetzt mit dem Gesicht auf den Boden fiel und riss Ben von ihm fort. "Was hast du für ein Problem?", brüllte er und schubste den hundert Kilo Mann zu Boden.
"Dieses dämlich Arschloch hat Courtney vergewaltigt", schluchzte Ben jetzt und zeigte auf eine Gruppe von Mädchen, die etwa zehn Meter weg im Sand saßen. Courtney war mit einer Decke umwickelt und schüttelte immer wieder unter Heulkrämpfen den Kopf.
"Charles, was ist hier passiert?", wollte Joe jetzt wissen.
"Ach, die Weiber. Sind doch alle gleich. Machen dich zuerst an und dann lassen sie dich abblitzen", lallte der Dunkelblonde, der aufstand und sich den Sand von den Knien klopfte.
"Das ist nicht dein Ernst? Charlie, sag mir das es nicht wahr ist."
"Hey, zuerst wollte sie", versuchte der sich zu rechtfertigen.
Joe packte ihn jetzt am Kragen und hob ihn mit einem Satz vom Boden. "Sag mir, dass das nicht wahr ist!" Immer wieder schüttelte er kräftig an Charles Armen.
Doch der sah nur stumm auf den Boden. In Joe's Gehirn herrschte Leere und er starrte seinen besten Freund nur fassungslos an.
"Tretet bitte alle zurück", rief Mr. Foltani, der Schuldirektor und bahnte sich seinen Weg durch die Menge.
Joe ballte die Faust zusammen und schlug sie Charles mit voller Wucht in den Magen, sodass dieser erneut zu Boden ging.
"Du dämlicher Wichser. Wie konntest du so etwas tun", schrie Joe. Hilflos nahm er beide Hände an den Kopf. Er konnte und wollte nicht glauben, was gerade hier passierte. Er dachte, dass er seinen besten Freund kennen würde.
"Beruhige dich Joe. Die Polizei kommt gleich und wird das klären." Mr. Foltani legte behutsam eine Hand auf die Schulter des Samoaners.
Langsam senkte der seine Arme und trat einen Schritt zurück. Stumme Tränen liefen seine Wangen hinab. Als er seinen Kopf nach links drehte, sah er Courtney mit einem Sanitäter zum Krankenwagen gehen. An ihrer Seite Kayla, die behutsam ihren Arm um sie gelegt hatte.
"Minimaus, es tut mir so leid", flüsterte Joe Ben's Schwester zu. Doch Courtney nahm ihn überhaupt nicht wahr. Er schluckte hart, als seine Exfreundin ihn jetzt vorwurfsvoll ansah.
"Aber er würde dich ja nie anlügen, nicht wahr Joe", presste sie durch ihre Lippen.
Sie hatte diese Worte leise gesagt, doch sofort brannten sie sich in Joe's Kopf. Bevor irgendeiner auch nur reagieren konnte, war er auf Charles zugestürmt und schlug immer wieder auf ihn ein.
"Kayla", schrie Joe.
"Joe, wach auf. Joe! Los komm schon", hörte er Colby und keuchend setzte er sich in seinem Bett auf. Sein Brustkorb ging in schnellem Tempo auf und ab und der Schweiß lief ihm die Stirn hinunter. Er lehnte sich zurück, fuhr mit der Hand durch seine Haare und schüttelte den Kopf.
"Panda?" Colby reichte ihm eine Flasche Wasser und setzte sich neben ihn.
Joe nickte, lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Sofort hatte er ihr Gesicht wieder vor sich.
