Call it bittersweet

Kapitel 2

Die Alternative

"Verzeihen Sie die Frage, Granger", äußerte Snape säuselnd und mit eng aufeinander gepressten Lippen, als sie an dem Tisch in seinem Büro saßen und die delikate Angelegenheit zur Sprache brachten, über die sie sich seit ihrer Rückkehr nach Hogwarts so schmerzlich den Kopf zerbrochen hatte, "aber warum ausgerechnet ich?"

"Weil es jemand sein muss, der das Dunkle Mal hat. Das Ministerium ist in der Lage, mithilfe bestimmter Aufspürzauber einen Betrug festzustellen. Harry oder Ron kämen somit nicht infrage. Nur jemand mit dem Dunklen Mal ist befleckt und kann auch einen Abdruck seiner Dunklen Magie in meinem Organismus hinterlassen."

"Verstehe."

"Sehen Sie? Wenn ich jemand anders fragen würde, wäre es zwecklos. Außerdem sind Sie für Draco eingetreten und haben diesen Schwur abgelegt, ihn zu beschützen."

Er runzelte die Stirn. "Selbst wenn dem so wäre …"

"Ich weiß, dass es so ist!", rief sie energisch aus. Ihre Nerven lagen wirklich mehr als blank. "Okay? Trotzdem arbeiten Sie für Dumbledore. Er selbst hat es bei unserem letzten Treffen im Grimmauldplatz bestätigt. Rein zufällig haben wir das Gespräch mitverfolgt."

Snapes Blick verfinsterte sich dadurch nur noch mehr. "Dazu hatten Sie kein Recht! Sie und Ihre Freunde werden noch alles gefährden!"

"Das glaube ich kaum. Harry ist der Auserwählte. Er ist unsere größte Hoffnung im Kampf gegen Voldemort."

"Woher wollen Sie so sicher sein, dass ich ihn überhaupt bekämpfen will? Sie wissen, was ich bin, Granger."

"Das ist richtig. Aber Sie sind nicht nur ein Todesser, sondern auch ein Spion. Ich vertraue Dumbledore. Also bitte ich Sie, mir zu helfen."

"Und wie stellen Sie sich das vor? Mal abgesehen von der Tatsache, dass ich Ihr Lehrer bin, was schon alleine eine unüberwindbare Hürde zu Ihnen darstellt, gibt es noch etliche weitere Gründe, die dagegen sprechen, mich mit Ihnen einzulassen."

"Sir, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber ich glaube nicht, dass Ihnen das Ausmaß der Lage bewusst ist. Ich fürchte, Draco ist Impotent. Bestimmt können Sie sich vorstellen, was für Auswirkungen das nach sich ziehen wird. Wenn Sie also Draco beschützen wollen, müssen Sie zugleich mich in Kauf nehmen. Wir stecken in ernsthaften Schwierigkeiten, wenn wir den Akt nicht vollziehen, was aufgrund Dracos vermeintlicher Impotenz nicht möglich sein wird."

Snape verzog leidig zischelnd das Gesicht, als hätte sie von ihm selbst geredet.

"Ich möchte, dass Sie für ihn einspringen. Bitte."

Es wurde still.

"Sir?"

Er hob die Hand und Hermine biss sich gebannt auf die Lippe.

"Verstehe ich das richtig? Ich meine, nur um das festzuhalten, Sie bitten mich doch tatsächlich, mit Ihnen zu schlafen?"

Mit inzwischen knallrotem Kopf nickte sie. "Ja, das tue ich, Sir."

Snape fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. "Also gut, Miss Granger. Ich werde es tun."

Entgeistert blinzelte sie ihn an. Dass er so schnell darauf eingehen würde, hatte sie nicht erwartet. Noch viel irritierender als seine plötzliche Zustimmung aber war der pflichtbewusste Unterton in seiner Stimme.

"Wirklich?"

Sein zerfurchtes, von etlichen seiner ungepflegten Strähnen verhangenes Gesicht wurde blitzartig zu einer hämischen Grimasse.

"Wie Sie so schön bemerkt haben, bleibt mir keine andere Wahl, nicht wahr?"

Hermine witterte, dass irgendetwas faul daran sein musste. Snape war für sie immer der Inbegriff der Enthaltsamkeit gewesen. Kein Wunder, schließlich erschien ihr die Vorstellung, dass jemand mit ihm Sex haben wollte, geradewegs absurd. Verlegen räusperte sie sich.

"Also schön. Ähm, wann wollen wir ... es tun?"

Seine Augen blitzten auf. "Nicht jetzt. Ich habe zu arbeiten."

Natürlich. Das war ja so was von klar!

"Kommen Sie heute Abend um acht Uhr in mein Büro", setzte er ungehalten nach.

"In Ihr Büro?"

Snape legte den Kopf schief. "Würden Sie es bevorzugen, wenn ich in Ihren Schlafsaal komme?"

"Natürlich nicht!", schnaubte sie entrüstet.

"Gut. Alles Weitere werden wir dann hier besprechen. Es gibt noch einiges zu klären, ehe wir dazu übergehen können, diesen Schritt zu wagen."

Oh Gott! Das konnte ihr nur mit Snape passieren. Dagegen kam ihr Draco ja geradewegs wie ein Sexgott vor.

"Besprechen?", fragte sie mit zittriger Stimme. "Zu klären?"

Er versteifte sich. "In der Tat. Was Sie von mir verlangen, muss wohl durchdacht sein."

"Ach ja?", entfuhr es ihr wenig begeistert. Genügte es denn nicht, diese grausame Sache überhaupt zur Sprache zu bringen? Musste er jetzt auch noch darauf herumreiten?

"Ob es Ihnen im zarten Alter von noch nicht ganz 17 Jahren bewusst ist oder nicht, es könnten sich Komplikationen ergeben, Granger."

Hermine würgte ungewollt. "Komplikationen?"

Snape verdrehte die Augen. „Früher oder später wird von Ihnen erwartet, dass Sie ein Kind in die Welt setzen, das eigentlich Dracos Kind sein sollte." Hermine riss die Augen auf, doch Snape redete einfach weiter. „Nur einmal angenommen, es wird mit meinen Äußeren gesegnet, Granger, was wir nicht hoffen wollen, was dann? Wie wollen Sie in diesem Fall Narcissa und Lucius erklären, dass das Kind so gar keine Ähnlichkeit mit ihrem blonden Sprössling hat?"

"Nun machen Sie aber mal halblang! Wenn Sie mir jetzt zusätzlich Angst einjagen wollen, um mich zu demütigen, ist Ihnen das gelungen. Wir sollten das Vorhaben lieber gleich bleiben lassen. Ich glaube nicht, dass ich das unter diesen Voraussetzungen durchziehen kann, Professor. Danke für Ihre Zeit, aber mein Bedarf an Schreckensnachrichten ist vorerst einmal gedeckt. Es muss einfach noch einen anderen Weg geben, die Sache zu regeln ... Guten Tag."

Hermine wollte aufstehen und den Raum so schnell wie möglich verlassen, doch Snape schnellte aus seinem Stuhl hervor und beugte sich bedrohlich über sie.

"Einen Moment noch", zischte er sie an. "Machen Sie sich nichts vor. Je länger Sie es hinauszögern, umso mehr verlieren Sie wertvolle Zeit."

Sie schluckte. Die verstörende Nähe zu ihm war ihr nicht sonderlich geheuer. "Was schlagen Sie also vor?"

Snape sank langsam wieder auf seinen Platz nieder. Dort angekommen schob er seine dürren Finger durch die Haare und senkte den Blick auf die Tischplatte, als könne er es ebenso wenig ertragen, sie anzusehen, wie sie ihn.

"Der Weg ist der, dass Sie nach Askaban gehen und ich sterben werde, wenn wir es nicht tun. Sie hatten völlig recht! Es gibt keine Alternative, Granger. Es sei denn, Sie vollbringen ein Wunder und lassen Dracos Manneskraft wieder auferstehen."

Kaum war er fertig, sah er sie mit demselben leidigen Ausdruck an wie zuvor.

"So sehr ich es mir wünschen würde, um Ihnen und Ihren Reizen auszukommen, gibt es auch mithilfe der Zauberei kein Mittel, das ihm helfen wird. Ich war damals zufällig im Krankenflügel, als er nach dem Unfall mit seinem Besen von Madam Pomfrey untersucht wurde, wo ich einen Teil des Gesprächs zwischen ihnen belauschen konnte. Draco hat vermutlich sein Möglichstes getan, um die ebenso bittere wie grausame Wahrheit zu verdrängen, doch, glauben Sie mir, der Schaden ist irreparabel."

"Und das sagen Sie mir erst jetzt?", fragte sie entsetzt.

"Verzeihen Sie, Miss Granger, aber es stand mir nicht zu, Ihnen Vorschriften darüber zu machen, wen Sie ehelichen. Außerdem hätte es in Bezug auf die Gesetzeslage wohl kaum einen Unterschied gemacht. Das Ministerium hat entschieden. Basta."

Basta? Sie schüttelte sich vor Eiseskälte, die plötzlich in ihre Glieder kroch.

"Wie können Sie nur so berechnend sein? Sie wussten, dass ich gezwungen werde, ihn zu heiraten und haben nichts unternommen, um mir diese Demütigung zu ersparen? Ein feiner Lehrer sind Sie!"

Snapes Augen wurden zu engen Schlitzen, seine Nasenflügel bebten. "Vorsicht", murmelte er mit vorgetäuschter Ruhe. "Geben Sie nicht mir die Schuld daran, dass Sie in dieser Lage stecken."

"Mir ist egal, wie Sie das sehen, Professor. Sie hätten doch wissen müssen, dass es dazu kommt, wenn Sie von Dracos Leiden wussten."

"Was wollen Sie damit sagen?"

"Vermutlich haben Sie es genau darauf angelegt."

"Unterstehen Sie sich! Was fällt Ihnen ein?"

"Wie konnten Sie nur so selbstsüchtig sein, mich derart auflaufen zu lassen? Das ist ... Mir fehlen die Worte!"

"Damit sind Sie nicht allein. Was Sie mir hier unterstellen, ist sehr gravierend."

Mit zittriger Hand wischte Hermine sich die Tränen aus den Augen. „Sollte ich je dahinter kommen, dass Sie das mit Absicht getan haben, um mich ins Bett zu bekommen, können Sie sich auf was gefasst machen!"

Snape starrte sie mit bleichem Gesicht an. "Ich kann Ihnen versichern, dass das keinesfalls meine Absicht war, Granger. Wenn Sie sich erinnern, sind Sie zu mir gekommen und nicht umgekehrt. Und jetzt hinaus! Ich bin fertig mit Ihnen!"

Zutiefst geknickt erhob sie sich von ihrem Stuhl. "Dann wollen Sie also tatsächlich unser aller Todesurteil unterzeichnen? Ich bin zu jung, um zu sterben!"

"Das liegt ganz bei Ihnen", erwiderte er kühl. "Sie haben soeben meine Ehre infrage gestellt, Granger. Und solange Sie glauben, dass ich Sie vorsätzlich in diese Lage gebracht habe, sehe ich keinen Weg, die Sache zu bereinigen."

Hermine schluckte. "Das war nicht meine Absicht. Ich wollte lediglich wissen, na ja, ich wollte sichergehen, dass Sie mich nicht hintergangen haben." Snape schnaubte wortlos und Sie senkte den Blick auf seine sich vor Aufregung unruhig hebende und senkende Brust mit all den Knöpfen darauf. "Bitte, Professor, sagen Sie mir ernsthaft, dass das nicht Ihre Absicht war. Dann werde ich Ihnen glauben."

Er wippte nachdenklich mit dem Kopf. Dann sah er sie mit seinen durchdringenden schwarzen Augen an. "Es war nie meine Absicht, das zu tun, Granger."

Hermine biss sich auf die Lippe. Der Kerl ist gut, dachte sie verbissen. Nichts an ihm ließ darauf hindeuten, dass alles nur gespielt war.

„In Ordnung," gab sie wie geschlagen zurück. „Wir sehen uns heute Abend um acht."

Snape nickte ihr zu, das Gesicht noch immer ernst und unergründlich, bevor sie sich umdrehte und mit wässrigen Augen in ihren Turm zurückkehrte.