Entgegen aller romantischen Vorstellungen und Erwartungen wird es in diesem Kapitel gewisse Opfer geben, was ich der Realität entsprechend in Bezug auf dieses Pairing angemessen finde. Ihr kennt das ja bereits aus meinen anderen Storys.
- houseghost -
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Call it bittersweet
Kapitel 3
Sacrifice
„Ist dir was darüber bekannt, dass Draco einen Unfall mit seinem Besen hatte?"
„Soll das eine rhetorische Frage sein? Ich mein ja nur. Dass der Kerl einen an der Waffel hat, wissen wir nicht erst seit gestern."
Hermine seufzte und machte es sich neben Harry auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum bequem.
„Ich meine das Ernst, Harry. Frag mich bitte nicht, woher ich das weiß. Ich werde es dir nicht sagen, okay? Aber ich bin mir hundertprozentig sicher, dass es stimmt. Jedenfalls hat er dabei seine Potenz eingebüßt."
„Ouch!" Harry zerwuschelte sich verlegen mit der Hand die Haare. „Kein Wunder, dass er kein Interesse mehr daran hat, Quidditch zu spielen. Die Vorstellung, dass ihm dabei was zugestoßen ist, ist schon irgendwie schräg."
Hermine zuckte mit den Schultern. „Das mag ja sein. Aber weiterhelfen wird mir diese Erkenntnis auch nicht gerade."
Er wippte abwesend mit dem Kopf. „Entschuldige. Daran hab ich im Moment gar nicht gedacht."
Sie seufzte. „Mach dir nichts daraus. Du kannst ja nichts dafür."
„Trotzdem würde ich dir gern helfen, wenn ich könnte."
„Das weiß ich, Harry. Und ob du es glaubst oder nicht, ich habe einen Plan."
Interessiert setzte er sich auf. „Einen Plan?"
Sie nickte zustimmend. „Ja. Aber auch der ist geheim. Versuch also erst gar nicht, was rauszubekommen. Ich werd nichts verraten."
Er lugte sie von der Seite her an. „Ich hoffe nur, du weißt, was du tust, denn wenn ich dich so ansehe, werde ich das Gefühl nicht los, dass du irgendwas Dummes vorhast."
Hermine biss sich auf die Lippe. Wenn er nur wüsste!
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„Was ist denn mit dir los, Granger?", fragte Draco schadenfroh, als er am Ende der Zaubertrankstunde aus Slughorns Labor stürmte und dabei fast mit Hermine kollidierte, die schon den ganzen Tag sichtlich neben sich gestanden hatte. „Du siehst fix und fertig aus."
Hermine reckte ihr Kinn in die Höhe und baute sich mit dem Körper vor ihm auf, sodass er unweigerlich einen Schritt zurück machte. „Danke, Draco. Aber während du den Kopf in den Sand steckst, habe ich versucht, eine Lösung für unser Problem zu finden."
Er blinzelte verunsichert. „Unser Problem?"
„Allerdings. Ist dir denn nicht klar, was die mit uns machen werden, wenn wir die Forderungen, die uns das Ministerium auferlegt hat, nicht erfüllen?"
„Ich bin mir nicht sicher, was sie mit dir machen werden. Mir jedenfalls werden sie kaum etwas anhaben ..."
Wütend über seine Einstellung fuhr sie herum und ballte die Hände an den Seiten zu Fäusten. Draco hatte zwar eine große Klappe, seit sie ihm aber damals im dritten Schuljahr einen Kinnhaken verpasst hatte, hatte sie jegliche Angst vor ihm verloren. Selbst in Gegenwart seiner Freunde und Beschützer Crabbe und Goyle wusste sie, dass er nicht den Mut hatte, ihr etwas anzutun. Womit sie jedoch überhaupt nicht klarkommen konnte, war seine Gleichgültigkeit.
„Mach die Augen auf, Draco! Du sitzt genauso in der Tinte wie ich. Die Zeiten, in denen du auf deinen Vater zählen konntest, sind vorbei. Er hatte Glück, dass er sich rauswinden konnte. Aber du, mein Lieber", sie nahm den Zeigefinger hoch und setzte ihn auf seine Brust, „steckst gewaltig in Schwierigkeiten."
Draco schluckte. „Is ja gut, Granger. Das is noch lang kein Grund, hier einen Aufstand zu machen."
Hermine klappte den Mund auf und wieder zu. Dann ließ sie ihre Hand sinken und schüttelte den Kopf. Tränen formten sich in ihren Augen, woraufhin sie ihn einfach stehenließ und davon stürmte.
Wie sollte sie das, was ihr bevorstand, nur durchstehen, wenn sie mit so einem Waschlappen von Mann an ihrer Seite verheiratet war?
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„Granger."
Es war lediglich eine Feststellung, dass Snape ihre Anwesenheit zur Kenntnis genommen hatte, was in Anbetracht der Situation nicht gerade förderlich war, um ihre ohnehin schon angespannte Stimmung aufzulockern.
„Kommen Sie rein."
Damit trat er beiseite, um sie einzulassen, ohne sie dabei eines weiteren Blickes zu würdigen. Mit einem gekonnten Schlenker seines Handgelenks verriegelte er hinter ihr die Tür. Mindestens ebenso unauffällig, wie er den Zauberstab gezückt hatte, verschwand er wieder in seinem Ärmel.
Ein eisiger Schauder streifte Hermine, während sie ihn beobachtete. Der Umstand, mit ihm in seinem Büro eingesperrt zu sein, war alles andere als verlockend. Vor allem, da sie im Grunde genommen keine Ahnung hatte, was sie erwarten würde. Hoffentlich hatte er wenigstens soviel Anstand, sie nicht auf seinem Tisch flachzulegen...
Snape hingegen schien sich darüber keine Gedanken zu machen. Er wirkte, als sei er ganz er selbst, wie er mit energischen Schritten sein Büro durchquerte. An seinem Schreibtisch angekommen lehnte er sich dagegen und verschränkte die Arme vor der Brust. Entweder war er total abgebrüht oder er tat einfach so, als würde ihn das, was ihnen bevorstand, nicht weiter kümmern.
Hermine folgte ihm langsam und hielt in gebührendem Abstand zu ihm inne.
„Also?", fragte sie nervös. „Was gibt es noch zu besprechen?"
Snape verzog die Mundwinkel, was ihm einen überaus gequälten Ausdruck verlieh. Doch das war nicht alles, was sie beunruhigte. Seine ganze unterkühlte Art versetzte ihr einen schmerzlichen Stich.
„Ah, das."
Er nahm die Hände hoch und fuhr sich damit durch die Haare. Zum ersten Mal kam es ihr dabei so vor, als wäre auch er beunruhigt.
„Vermutlich hatten Sie recht, Granger. Es ist wohl am besten, wenn wir die Angelegenheit einfach hinter uns bringen."
Hermine schluckte in Anbetracht seiner Wortwahl.
„Nun denn, gleich, was auch immer für eine Vorstellung Sie davon hatten, es dürfte klar sein, dass das hier für keinen von uns beiden ein Vergnügen werden wird. Es gibt genug Gerüchte über meine Person, Miss Granger, doch lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich es keinesfalls bevorzuge, Menschen in die Kerker zu schleifen, um mich ihrer zu bemächtigen. Streng genommen dürften Sie gar nicht einmal hier sein. Wenn Sie also vorhaben, mich zu benutzen, um Draco oder sonst wem eins auszuwischen, muss ich Ihnen dringend davon abraten."
Entrüstet starrte sie ihn an. „Na hören Sie mal! Es ist ja nicht gerade so, dass ich darum gebeten habe, mit ihm verheiratet zu werden."
„Gut. Dann hätten wir das geklärt. Wie Sie ihm beibringen, was Sie getan haben, um ihn aus dieser misslichen Lage zu befreien, ist Ihre Sache."
„Machen Sie sich darüber keine Gedanken, Professor. Wir beide kennen Draco. Er würde nicht wagen, irgendjemandem von seinen Schwächen zu erzählen."
Snape sah sie mit erhobenen Brauen an und Hermine räusperte sich.
„Ich wollte das nur festhalten, bevor Sie auf den Gedanken kommen, meine Absichten falsch zu interpretieren."
„Was Sie hiermit getan haben", gab er fast schon eingeschnappt zurück. „Ich bin lediglich der Notnagel, der für ihn einspringt." Schlagartig zogen sich seine Brauen zusammen. „Ich habe es nicht vergessen, Granger."
„Ähm, richtig."
Für eine Weile sahen sie sich an und keiner wagte es, den nächsten Schritt zu tun, bis es Hermine zu bunt wurde.
„Also? Wie geht es jetzt weiter? Sollen wir nicht langsam zur Sache kommen?"
Snape stöhnte leise auf. „Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Es ist nicht gerade so, dass ich besonders oft in der Lage stecke, meine eigene Schülerin ins Bett zu zerren ..."
Hermine rollte mit den Augen. „Ihren Sarkasmus können Sie sich sparen, Professor. Lassen Sie uns lieber anfangen. Ich habe schließlich nicht vor, die ganze Nacht in Ihrem Beisein zu verbringen."
Seine dünnen Lippen vibrierten. „Darf ich Sie daran erinnern, dass ich Ihnen einen Gefallen tue, Miss Granger? Wenn Sie also so freundlich wären, nicht mir die Schuld daran zu geben, wäre ich Ihnen sehr dankbar."
Betreten nickte sie. „Das ist durchaus fair."
Snape legte abschätzig den Kopf schief und deutete dann mit ausgestrecktem Arm und überaus zweideutigem Ausdruck auf dem Gesicht zu einer Tür. „Wollen wir?"
Hermine setzte sich schnurstracks in Bewegung und kam seiner Aufforderung nach, ohne sein süffisantes Grinsen weiter zu beachten; wie sie ihm in der Öffentlichkeit jemals wieder unter die Augen treten sollte, war ihr bereits jetzt ein Rätsel.
Hermine hatte kaum Zeit gehabt, sich das Schlafzimmer zu besehen, das für ihren Geschmack viel zu spärlich eingerichtet war, als auch schon mit einem Krachen die Tür hinter ihm ins Schloss fiel.
Erschrocken fuhr sie herum und blickte mit ihren großen braunen Augen zwischen ihrem Professor und seinem Bett umher.
Oh. Mein. Gott. Was hatte sie sich da nur eingebrockt? Natürlich hatte sie keine besonders romantischen Illusionen gehabt, als sie auf ihn zugekommen war, um ihn um Hilfe zu bitten. Doch etwas mehr als diesen kargen, schlecht beheizten Raum hatte sie ursprünglich schon im Sinn gehabt.
Snape fackelte nicht lange, nahm seinen Umhang ab und warf ihn über einen alten Sessel, der einsam in einer Ecke des Raumes platziert war. Dann stand er vor ihr und sah sie so durchdringend an, dass ihr Herz zu zerspringen drohte.
Hermine wusste nicht weiter. Am liebsten wäre sie wieder umgekehrt. Doch ihre Beine versagten ihren Dienst. Wie angewurzelt stand sie da und starrte sein zerfurchtes Gesicht an.
„Wenn Sie gehen wollen, sollten Sie es jetzt tun, Granger", drang seine Stimme wie aus weiter Ferne zu ihr vor.
Natürlich wollte sie das, da sie aber innerlich so zerrissen war, konnte sie es nicht. Und so schüttelte sie den Kopf.
„Nein. Wir ziehen das durch."
Snape atmete tief und langanhaltend aus. „Um ehrlich zu sein, hatte ich nichts anderes von Ihnen erwartet. Sie würden alles tun, um vorwärts zu kommen, nicht wahr?"
Sie biss sich auf die Lippe. „Ich möchte nur nicht sterben, Professor."
Snape machte einen Schritt auf sie zu und erneut war ihr, als würde ihr Herz jeden Moment auseinander bersten. Er stand jetzt so nah bei ihr, dass sie seinen warmen Atem auf ihrem Gesicht spüren und den für ihn charakteristischen Duft riechen konnte, der sie selbst jetzt, wo er schon längst nicht mehr Zaubertränke unterrichtete, an das Labor in den Kerkern erinnerte.
„Sind Sie sicher?"
Hermine nickte. „Ja. Ich bin noch nicht bereit dazu, einfach aufzugeben."
Kaum merklich schüttelte er den Kopf und etliche seiner ungepflegten schwarzen Strähnen fielen ihm vor die Augen.
„An Ihrer Stelle hätte ich mich für den Tod entschieden, Granger."
Sie blinzelte verunsichert zu ihm hinauf. „Warum sind Sie dann hier?"
„Weil ich eine Aufgabe zu erfüllen habe."
„Und Sie denken, ich hätte das nicht? Mein ganzes Leben liegt noch vor mir."
Er zuckte wie gleichgültig mit den Schultern. „Vielleicht. Dumbledore ist jedenfalls der Meinung, dass Sie ihm sehr wohl nützlich sein könnten. Aber das liegt wie immer im Auge des Betrachters, nicht wahr?"
Hermine schluckte. Einerseits lag es ihr fern, Zeit zu schinden. Andererseits jedoch wusste sie schlicht und ergreifend nicht weiter. Snape war zum Anfassen nah. Und andersherum genauso. Sie konnte sich nicht erinnern, jemals so innig bei ihm gestanden zu haben. Selbst als er in den vergangenen Jahren unzählige Male während des Unterrichts den Inhalt ihres Kessels mit seiner Nase inspiziert hatte, waren sie sich nicht so intensiv auf den Leib gerückt. Es war verstörend. Eigenartig. Vor allem, da auch er es nicht eilig zu haben schien, sich über sie herzumachen, denn noch immer hielt er sich zurück, sie berühren zu wollen.
Sichtlich durcheinander nahm sie ihre Hand und legte sie auf seine Brust - irgendjemand musste ja den Anfang machen und die zahlreichen Knöpfe vor ihren Augen hatten zugegebenermaßen etwas Faszinierendes an sich, obwohl sie nicht wild darauf war, das, was dahinter lag, kennenzulernen.
Kaum hatte sie ihn dort berührt, griff er auch schon nach ihrem Arm und hielt sie fest.
„Lassen Sie das, Granger. Glauben Sie mir, es ist besser so."
Bedröppelt nickte sie. Vielleicht hatte er recht. Wenn sie sich schon unfreiwillig füreinander aufopfern mussten, dann lieber ohne langes Gezeter.
„Ich schlage vor, Sie legen sich hin und wir … tun es einfach. In Anbetracht der Umstände reicht es, wenn Sie die Jeans öffnen. Ich weiß ja nicht, wie es mit Ihnen ist, aber ich für meinen Teil lege keinen Wert darauf, mich nackt vor Ihnen auszuziehen, Granger."
Das hatte sie nun nicht erwartet. Fragend sah sie ihn an und Snape verzog wieder einmal die Mundwinkel, als würde ihm langsam dämmern, dass sie keine Ahnung von dem hatte, was er von ihr verlangte.
„Wollen Sie damit sagen, dass Sie noch nie … Sie hatten noch nie Sex?"
Hermine schüttelte peinlich berührt den Kopf. Was erwartete der Kerl denn von ihr? Hatte er nicht selbst erst bemerkt, dass sie noch nicht mal siebzehn war?
„Nicht jedes Mädchen steigt gleich mit dem erstbesten Typen ins Bett."
„Das verkompliziert die Sache etwas", bemerkte er leise vor sich hinmurmelnd, ohne sie weiter zu beachten.
Hermine beobachtete ihn stirnrunzelnd. Ob er ihr überhaupt zugehört hatte, bezweifelte sie.
Etwas verunsichert machte er einen Schritt zurück und sank auf die Bettkante nieder. „Kommen Sie her."
Hermine tat, wie ihr geheißen und setzte sich mit hochrotem Kopf neben ihn.
„Ich hätte das wissen müssen", faselte er ungerührt, während er sich mit den Fingern durch die Haare fuhr. „Warum haben Sie mir das nicht gesagt?"
Seine schwarzen Augen bohrten sich schier erbarmungslos in ihre und Hermine wollte am liebsten im Erdboden versinken.
„Wieso hätte ich das tun sollen?"
„Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass wir vor diesem Problem stehen, Miss Granger."
„Problem?"
„Ja. Das Erste Mal ist immer etwas heikel, wenn Sie verstehen."
„Na wunderbar! Müssen Sie jetzt auch noch darauf herumreiten?"
Snape schnaubte leise. „Sagen Sie es mir. Die Lage ist schon kompliziert genug ..."
„Ach ja? Was Sie nicht sagen!"
„Miss Granger. Ich denke nicht, dass Sie auch nur eine Ahnung davon haben, was auf Sie zukommt. Wenn Sie also auch nur einen Funken Verstand in sich haben, sollten Sie das hier vergessen und wieder in Ihren Turm zurückkehren."
Alarmiert klappte sie den Mund auf. „Was? Aber das geht nicht! Ich habe Ihnen doch erklärt, dass es keine Alternativen gibt! Sie sind meine einzige Hoffnung. Und ich vertraue Ihnen, Professor."
Snape verdrehte die Augen. „Schön. Und wie stellen Sie sich das jetzt vor?"
Sie senkte den Blick auf seine Brust. „Wir machen das, was Sie gesagt haben. Nur hören Sie auf, darüber zu reden."
Entgeistert schüttelte er den Kopf. „Ich glaube nicht, dass ich das unter diesen Umständen tun kann."
Hermine kniff wütend die Augen zusammen. „Doch, das können Sie!", sagte sie bestimmt. „Tun Sie es für Draco."
Er antwortete nicht, sondern starrte stur geradeaus ins Nichts hinein. Hermine aber nahm ihre Hand und legte sie auf seine. Sofort zuckte er zusammen, doch sie ließ nicht locker und hielt ihn fest.
„Sehen Sie mich an, Professor. Bitte."
Snape gehorchte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht jedoch wirkte alles andere als zuversichtlich.
„Ich möchte, dass Sie das tun", sagte sie mit all dem Mut, den sie aufbringen konnte. „Sie können mich nicht im Stich lassen. Tun Sie, was immer Sie tun müssen, wie vereinbart. Ich werde dasselbe tun. Nur lassen Sie uns endlich damit anfangen, damit es bald vorbei ist."
Sein Blick verfinsterte sich, seine Nasenflügel bebten. Im nächsten Moment nahm er sie bei den Schultern und drückte sie langsam und beständig auf das Bett nieder.
„Sie haben keine Vorstellung davon, worauf Sie sich einlassen, Granger", hörte sie ihn sagen. „Ihre erste sexuelle Erfahrung sollte keinesfalls so ablaufen."
Hermine klemmte ihre Lippe zwischen die Zähne, ohne etwas darauf zu entgegnen. Sie wusste selbst, wie recht er hatte. Zum Glück jedoch blieb ihr keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn das Nächste, was sie spürte, waren seine Finger, die sich an ihrer Jeans zu schaffen machten.
Snape bäumte sich auf. Mit einem Ruck riss er ihre Hose auf und zog sie mitsamt dem Höschen nach unten. Ohne sich länger mit ihrem entblößten Unterleib zu befassen, widmete er sich seiner eigenen Kleidung. Sie hörte, wie er seinen schwarzen Frack beiseite schob, sein Gürtel geöffnet wurde, dann folgte das leise Ratschen seines Reißverschlusses. Nicht lang darauf legte er sich auf sie und spreizte mit seiner Hand ihre Beine.
„Das wird jetzt vermutlich etwas wehtun."
Hermine bearbeitete weiterhin ohne Unterlass mit den Zähnen ihre Lippe und beobachtete aus den Augenwinkeln Snapes angespanntes Gesicht. Sie fühlte, wie er mit der Hand zwischen ihre Körper griff und zwei Finger sich ihrer Körpermitte näherten. Schon war er mit ihnen in ihr. Es war befremdlich, ihn so zu spüren, wie er sie abtastete, um ihren Unterleib in Wallung zu versetzen, was natürlich vollkommen vergeblich war. Es dauerte auch gar nicht lang, dann positionierte er sich auf ihr und drang mit seinem harten Glied in sie ein.
Im ersten Augenblick wollte sie aufschreien. Ihr ganzer Körper verkrampfte sich schlagartig und so schlug sie die Nägel in seine Arme. Snape selbst gab ein unterdrücktes Stöhnen von sich, das ihr einen eisigen Schauder den Rücken hinunter jagte. Genau das hatte er allem Anschein nach erwartet.
Hermine rang nach Atem. Wenngleich er ihr offenbart hatte, dass es für beide kein vergnügliches Unterfangen werden würde, so kam sie dennoch nicht umhin, sich zu fragen, was in ihm vorging. Alleine der Ausdruck seiner zusammengekniffenen Brauen wirkte grotesk und verzerrt, während er sich zielgerichtet vorwärts schob. Jede seiner Bewegungen kam ihr so vor, als würde er unsagbare Schmerzen erdulden, was in Anbetracht ihres eigenen Leidens einer Farce glich.
Als er dann anfing, sich rhythmisch auf ihr zu bewegen, wurde sie das Gefühl nicht los, dass er wieder einmal recht gehabt hatte: sie hatte keine Vorstellung davon gehabt, was sie erwarten würde.
Nur langsam begriff sie, dass ihr erstes Mal keinesfalls so hätte ablaufen sollen. Doch sie bezweifelte stark, dass es mit Draco recht viel anders gewesen wäre, wenn er in der Lage dazu gewesen wäre, das mit ihr zu tun, schließlich hegte sie für keinen der beiden sonderlich romantische Gefühle. Von Liebe ganz zu schweigen.
Mit Tränen in den Augen versuchte sie, seinen Blick zu erhaschen, doch Snape wich ihr zumeist aus, in dem Bemühen, die Sache nicht zu unangenehm werden zu lassen, denn je mehr sie sich aufeinander einlassen würden, umso komplizierter würde es im Nachhinein werden.
Nach ein paar Stößen wurde er schneller und Hermine ahnte, dass er sich dem Höhepunkt näherte. Kurz darauf löste er sich in ihr los und brach ermattet auf ihr zusammen.
Sein Brustkorb hob und senkte sich schnell. Etliche seiner schwarzen Strähnen hingen ihm ins Gesicht; und auch sonst wirkte er ziemlich aufgewühlt. Trotzdem bäumte er sich auf und rollte sich von ihr. Dann lag er schwer atmend neben ihr und vergrub das Gesicht unter seinen Händen.
Erleichtert darüber, dass es vorbei war, richtete sie sich auf, um ihre Kleidung in Ordnung zu bringen, dabei erhaschte sie einen Blick auf Snapes noch immer halbwegs erigierten Penis.
Irritiert ließ sie sich aufs Bett zurückfallen. Die ganze Situation kam ihr vor wie ein einziger Albtraum.
Was sollte sie tun? Einfach aufspringen und davon stürmen? Es schien nur wenig Sinn zu machen, wo doch Snape der einzige Hoffnungsschimmer gewesen war, den sie in ihrer Verzweiflung gesehen hatte. Von Draco konnte sie sich jedenfalls keine Hilfe erwarten.
Leise räusperte sie sich. Erst jetzt ließ Snape die Hände sinken und sah sie verhalten zwischen seinen Strähnen hindurch an.
„Wenn jemals jemand davon erfährt ..."
Sie schüttelte rasch den Kopf, als sie seine raue Stimme hörte, die deutlich besagte, wie sehr er das Geschehene verabscheuen musste. „Das wird nicht passieren."
Er schluckte. „Gut."
Ohne ein weiteres Wort reckte er sein Becken in die Höhe und verstaute seine Männlichkeit in seiner Hose.
Hermine biss sich auf die Lippe und beobachtete ihn verhalten aus den Augenwinkeln, wie er alles an Ort und Stelle rückte, obwohl sie wusste, dass es falsch war, das zu tun. In diesem Moment jedoch, in dem alles so absonderlich war, scherte sie sich nicht weiter darum. Die Situation war so absurd, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.
Dann, als er sich aufsetzte, richtete sie den Blick auf seine Brust, um ihm nicht in die Augen sehen zu müssen, während er, wie sie wusste, mit einem seiner üblichen Vorträge beginnen würde. Wenigstens, so dachte sie mit etwas Erleichterung im Unterbewusstsein, wusste er, was zu tun war.
„Ihnen ist bewusst, dass wir dadurch lediglich Zeit gewinnen können, Granger", sagte er ernst.
Nie zuvor hatte sie ihn so zermürbt gehört. Es erschreckte sie beinahe.
Verunsichert lugte sie in sein Gesicht. „Sir?"
„Es gibt keine Garantie dafür, dass es in Zukunft keine weiteren Komplikationen geben wird."
Sie nickte. „Das weiß ich durchaus."
Snape seufzte tief und langanhaltend und robbte an die Bettkante.
„Geht es Ihnen gut?"
Überrascht zuckte sie mit den Schultern. „Keine Ahnung." Erst jetzt, als sie seinen Blick auf sich fühlte, spürte sie ein eigenartiges Brennen in den Augen und schüttelte den Kopf. „Nein, wohl eher nicht."
Kaum merklich wippte er mit dem Kopf, wobei ihr nicht entging, dass auch er Schwierigkeiten damit zu haben schien, sie anzusehen. „Sie sollten eine Dusche nehmen und Ihren Kopf klären, Granger."
Sie zog die Nase hoch. „Ich kann nicht glauben, dass ich das zugelassen habe ..."
Snape rückte näher an sie heran und nahm Sie bei den Schultern. „Sehen Sie mich an."
Mit klopfendem Herzen gehorchte sie. Obwohl sie ihn dafür hassen wollte, ihr jetzt auch noch Befehle zu erteilen, war es beruhigend, seine Stimme zu hören.
„Es ist nicht Ihre Schuld, Granger. Manchmal erfordert das Leben gewisse Opfer von uns. Ich weiß, dass es unter anderen Umständen nie dazu gekommen wäre. Versuchen Sie, es genauso zu sehen."
Sie holte Luft. „Glauben Sie, dass ich das kann?", fragte sie anschuldigend. „Warum haben Sie das getan?"
Er neigte ernst den Kopf zur Seite. „Sagen Sie es mir."
Beschämt schüttelte sie sich. Ihre Lippen vibrierten. „Das kann ich nicht."
„Nein? Dann werde ich es Ihnen sagen: Sie wollten leben!"
„Wollte ich das?", fragte sie geknickt.
Er nickte. „Sie sind stark, Granger. Stärker, als Sie vielleicht denken ..."
„Bin ich das? Woher wollen Sie das wissen? Woher nehmen Sie sich die Freiheit heraus, so zu tun, als wüssten Sie nur irgendetwas über mich?"
Snape zog wortlos die Brauen in die Höhe.
Hermine schüttelte sich. Vollkommen kraftlos sackte sie nach vorne und verbarg ihren Kopf an seiner Brust, woraufhin er sich umgehend versteifte. Alleine die Vorstellung von körperlicher Nähe zwischen ihnen war für beide erschreckend. Hermine aber war es gleich.
„Sie müssen zurück", sagte Snape leise.
Sie schnaubte entgeistert. „Ich will da nicht raus! Ich kann so nicht vor die Tür gehen ..."
Zaghaft brachte er sie auf Abstand zu sich.
„Sie können. Sie müssen."
Hermine schüttelte den Kopf. Sie wagte es nicht länger, ihn anzusehen und starrte stattdessen verbissen auf ihre Hände, die zitternd und kraftlos in ihrem Schoß lagen.
„Doch, Granger, glauben Sie mir", hörte sie ihn sagen. „Sie werden jetzt in Ihren Turm zurückkehren und morgen mit Draco reden."
Draco? Den hatte sie in all der Aufregung ganz vergessen.
Leise schluchzte sie auf. Die Vorstellung, sich mit ihm auseinandersetzten zu müssen, machte ihr Angst.
„Kann ich – kann ich nicht hierbleiben?"
Er blinzelte. „Wie meinen Sie das?"
„Bei Ihnen. Noch schlimmer kann es wohl kaum kommen ..."
„Oh doch! Das wird es, wenn Sie jetzt nicht bald Vernunft annehmen ..."
„Vielleicht will ich aber genau das verdrängen. Ich brauche etwas, das mich auf andere Gedanken bringt. Etwas, das mich von der Realität ablenkt."
„Und was sollte das sein?", fragte er kühl.
Hermine klemmte ihre Lippe zwischen die Zähne. „Lassen Sie mich bei Ihnen schlafen. Bitte."
Snape sah aus, als würde er die Luft anhalten. „Aber das - das ist ausgeschlossen, Granger. Wie stellen Sie sich das vor?"
„So wie ich es gesagt habe. Vor allem, was für einen Unterschied macht das jetzt noch?"
Er räusperte sich und fuhr sich aufgebracht mit den Händen durch die Haare. „Das kann unmöglich Ihr Ernst sein! Wir stecken ohnehin schon in gewaltigen Schwierigkeiten."
„Ja. Aber Draco wird sie nicht lösen können. Er ist zu schwach, um sich gewissen Aufgaben zu stellen ..."
„Ha! Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht so bin? Vielleicht habe ich keine Lust mehr, mich noch tiefer in die Sache zu verstricken."
Hermine blinzelte ihn an. „Das glaube ich nicht, Professor. Sie sind anders als er. Sie scheuen nicht vor Gefahren zurück."
Abschätzig kniff er die Brauen zusammen. „Trotzdem müssen Sie zurück. Ich kann es mir nicht leisten, in Verruf zu geraten."
„Niemand wird davon erfahren. Ich möchte lediglich hier bei Ihnen bleiben. Und morgen früh werde ich gehen."
Snape räusperte sich erneut. „Warum wollen Sie sich das antun?"
Hermine zuckte hilflos mit den Schultern. „Weil ich mich hier sicher fühle. Weil weder Harry, noch Draco mir helfen können. Niemand kann das."
Es wurde still. Totenstill. Hermine senkte den Blick und starrte auf das zerwühlte Bett. Ihr war gleich, was richtig und was falsch war. In der Lage, in der sie steckte, gab es keine Vernunft mehr.
Erst dann, nach etlichen Sekunden, hörte sie das sanfte Rascheln seiner Kleidung. Snape erhob sich und sie blickte auf, sah erst in sein Gesicht, dann in seine schwarzen Augen.
„Sie können bleiben, Granger", murmelte er leise zwischen seinen dünnen Lippen hervor. „Aber ich werde nicht zusammen mit Ihnen in einem Bett schlafen."
Damit wandte er sich von ihr ab und steuerte auf den alten Sessel zu, der einsam und verlassen in der anderen Ecke des Raumes ausharrte. Kraftlos ließ er sich darin nieder, verschränkte die Arme vor der Brust und klappte ohne langes Gerede die Augendeckel zu.
