The One/The Other
I just wanna die to be with you.
I want to feel your touch to be complete.
I wanna loose myself to be with you.
Just let me know that you'll be there...
(The One)
I heard him call my name.
I took back a step and felt the wall against my head.
A crack has torn my soul apart.
Since then I hate this man.
I've tried to write it down – a thousand times.
But nothing will change; and I will stay alone.
(The Other)
- houseghost -
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Call it bittersweet
Kapitel 5
Now and then
Wenn es jemals einen Grund gegeben hatte, ihn zu hassen, dann war nun der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Natürlich hatte sie auch Fehler gemacht, als sie ihm die pikanten Details über die Auflagen des Ministeriums verheimlicht hatte. Doch was konnte sie dafür, wenn sie gezwungen wurde, diesen Weg einzuschlagen?
"Ich verstehe, dass Sie wütend sind, Professor", sagte sie entschieden in die Stille hinein. "Glauben Sie mir, das tue ich wirklich. Aber denken Sie nicht, dass ich meine Gründe hatte, es Ihnen erst später zu sagen? Ich war mir nicht sicher, ob ich das tatsächlich durchziehen würde ... Es ist ja nicht gerade so, dass es mir leicht gefallen ist, damit überhaupt zu Ihnen zu kommen."
Ein Schnauben drang aus seiner Richtung hervor. "Wie außerordentlich rührend, Granger. Aber denken Sie ja nicht, dass die Sache damit erledigt wäre."
"Das tue ich nicht. Ich möchte nur, dass Sie wissen, dass es mir leid tut."
Vollkommen unerwartet gingen die Kerzen wieder an und Hermine suchte seinen Blick. Snape jedoch saß längst nicht mehr in seinem Sessel, sondern stand vor ihr, unmittelbar neben dem Bett.
"Was Sie nicht sagen", murmelte er zwischen eng zusammengepressten Kiefern hervor.
Hermine fühlte, dass ihr Puls raste. Seine schlanke, große Gestalt so nah bei sich zu haben, war beunruhigender als sie es nach dem sexuellen Erlebnis mit ihm in Erinnerung gehabt hatte.
"Ich bereue es wirklich", erklärte sie eilig. "Es war nicht richtig von mir, Ihnen das vorzuenthalten."
Snape kniff die Brauen zusammen. "Das war es ganz und gar nicht. Wenn man jemanden um Hilfe bittet, sollte man ihm offen und ehrlich gegenübertreten."
"Ich weiß", entgegnete sie schlicht. "Verzeihen Sie mir?"
Mit den Augen rollend drehte er sich zur Seite und schob seine langen Finger durch die Haare. "Was auch immer heute passiert ist, war zu viel, Granger. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das handhaben soll." Urplötzlich sah er sie wieder an. "Verstehen Sie mich?"
Hermine zuckte hilflos mit den Schultern. Sein trostloser Anblick war nicht gerade hilfreich in einer Situation wie dieser. "Ich glaube schon."
"Gut. Das heißt, wir müssen Vorkehrungen treffen."
"Vorkehrungen?"
"Allerdings. Ich möchte nicht zu verantworten haben, dass es noch einmal zu so einem ... Desaster kommt."
Verwundert schüttelte Hermine den Kopf. "Aber Sir, Sie wollen mich doch nicht wirklich den Dementoren in Askaben überlassen ..."
Snape funkelte sie mit seinen schwarzen Augen an. "Das kann ich wohl kaum zulassen. Es sei denn, ich überlasse Albus und Potter der Willkür und übergebe mich persönlich in die Fänge des Todes."
Erleichtert atmete sie durch. Trotzdem entging ihr nicht, wie erschöpft er wirkte.
"Was wir tun müssen, ist sehr ungewöhnlich für mich, da ich, wie Sie ja bereits bemerkten, eher zurückgezogen lebe."
Sie konnte kaum glauben, was sie da hörte, doch offensichtlich war er noch nicht fertig.
"Nun denn, wie dem auch sei ... ich denke, dass es - mit etwas Übung - machbar wäre, dass wir uns aufeinander zubewegen."
Entgeistert starrte sie ihn an. "Sie meinen, wir sollten uns miteinander vertraut machen? Ist es das?"
Er verzog sichtlich angewidert von der Vorstellung die Mundwinkel. "So in etwa, Miss Granger. Dabei bleibt natürlich zu hoffen, dass Sie die Gegebenheiten nicht ausnutzen. Wenn ich also bereit wäre, mich Ihnen zu öffnen, müssen Sie mir versichern, dass Sie mir in der Öffentlichkeit keinesfalls so begegnen, wie wir es hier in den Kerkern tun werden."
Hermines Herz schien einen Schlag auszusetzen. "Sie - Sie wollen sich mir tatsächlich öffnen?", fragte sie mit schwacher Stimme.
Er versteifte seine Haltung und reckte das Kinn in die Höhe. "In der Tat. Das körperliche Desaster von vorhin darf sich nicht wiederholen."
"Das sagten Sie bereits", gab sie mit geröteten Wangen zurück.
Snape zog wieder einmal die Brauen zusammen, ohne weiter auf sie einzugehen. Irgendwie jedoch wirkte er mit einem Mal furchtbar nervös. "Ich sehe, wir verstehen uns. Ich muss kurz ... Vergessen Sie es."
Damit machte er mit zittrigen Händen und vom Schweiß nasser Stirn kehrt und verschwand durch eine Tür in sein Badezimmer. Angespannt auf ihrer Lippe herumkauend blickte Hermine ihm nach. Das konnte ja heiter werden. Wenn jemand, der so steif und berechnend wie Snape es war, vorhatte, sich frei und ungezwungen zu geben, war die nächste Katastrophe vorprogrammiert.
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Draco hatte von den Vorfällen in den Kerkern natürlich nichts mitbekommen. Trotzdem ärgerte Hermine sich über sein Gehabe, denn als sie am nächsten Morgen auf den Tisch der Slytherins zusteuerte, konnte er es nicht lassen, wie üblich mit seiner großen Klappe zu prahlen, was für ein toller Hecht er war. Als er dann auch noch anfing, von erfundenen Bettgeschichten zu reden, konnte sie sich nicht länger zurückhalten und packte ihn im Vorbeigehen am Kragen.
"Dürfte ich dich mal kurz sprechen, Draco?", zischte sie ihm ins Ohr.
Im Eifer des Gefechts war ihr alles egal und so ignorierte sie die bitterbösen Blicke der um ihn versammelten Slytherins schlichtweg.
Crabbe und Goyle ließen die Knöchel knacken.
"Ich verspreche euch, dass ihr ihn gleich wiederbekommt", sagte Hermine ungerührt. "Es wird nicht lang dauern, nicht wahr, Draco?"
Betreten schluckte er und kletterte von der Bank. Hermine ließ von ihm ab und zwang sich zu einem strammen Lächeln.
"Dankeschön."
Damit schob sie ihren Gatten aus der Großen Halle. "Was fällt dir ein, so anzugeben? Wenn du dabei zukünftig auch nur ein Wort über mich verlierst, kannst du dir dein Grab schaufeln, du falsche Ratte!"
"Ich ..."
"Lass mich ausreden, Draco! Du hast keine Ahnung, was ich tun musste, um deinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Daher wäre es nur fair, wenn du aufhören könntest, den großen Macker zu spielen, wo wir doch beide wissen, dass das nicht der Fall ist."
"Dann hast du also eine Lösung gefunden?", fragte er ungläubig.
"Natürlich habe ich das. Sonst säßen wir jetzt beide in Askaban und würden uns die Seelen aus dem Leib saugen lassen."
Er schluckte. "Schon kapiert, Granger. Kein Grund, sich so aufzuregen. Das war doch nur Geschwätz ..."
"Was du nicht sagst. Doch lass es besser bleiben, auf meine Kosten damit anzugeben, was in dir steckt. Wir müssen vorsichtig sein, wenn wir das Ministerium nicht weiter auf uns aufmerksam machen wollen." Stinksauer kniff sie die Brauen zusammen. "Und jetzt geh gefälligst zurück und ..."
Hermine erstarrte mit bleichem Gesicht. Am anderen Ende des Gangs war Snape um die Ecke gebogen; und der zornige Ausdruck seiner Augen ließ keine Zweifel daran, dass er missbilligte, wie sie mit Draco umging.
"Ah, Mr. Malfoy", drang seine Stimme auch schon zu ihr durch. "Gibt es ein Problem?"
Draco schüttelte heftig den Kopf. "Kein Problem, Professor."
Über Snapes fahles Gesicht legte sich ein süffisantes Lächeln. "Schön. Wenn Sie dann die Freundlichkeit besäßen, Miss Granger und mich allein zu lassen, wäre ich Ihnen überaus dankbar. Wir haben etwas zu besprechen ..."
Draco nickte, drückte sich an Hermine vorbei und sauste davon, zurück in die Große Halle.
Mit offenem Mund starrte sie ihm nach. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Jetzt mit Snape zu reden, war das Letzte, was sie wollte. Er streckte jedoch schon den Arm aus und deutete in einen verlassenen Korridor. "Gehen wir ein Stück, Miss Granger."
Leise schnaubend gehorchte sie. "Sir, ich kann das erklären ..."
"Natürlich können Sie das. Doch seien Sie versichert, dass das in Ihrem Fall keine Rolle spielt. Sie wissen, wie sehr mir Dracos Wohl am Herzen liegt."
Hermine unterdrückte ein Augenrollen. "Das ist mir nicht entgangen. Sonst hätten Sie sich wohl kaum auf unsere kleine Liaison eingelassen."
Snapes Mundwinkel zuckten beunruhigend. "Nicht hier, Granger", knurrte er. "Ich habe Ihnen gesagt, dass wir diese Angelegenheit in den Kerkern lassen müssen."
"Keine Sorge", antwortete sie kühl. "Ich pass schon auf. Oder denken Sie, ich will, dass jemand davon erfährt?"
Der Professor sah nicht gerade zufriedengestellt aus und machte vorsichtshalber einen Schritt zurück. "Sie sollten gehen. Wir wollen doch nicht riskieren, dass Sie Ihr Frühstück versäumen."
Verwundert sah sie ihn an. "Ich glaube nicht, dass ich jetzt was essen kann, Sir."
"Hmm. Wenn Sie vorhaben, sich zu Tode zu hungern, um von dieser Welt Abschied zu nehmen, könnte ich es sogar verstehen."
"Tatsächlich? Ha! Vermutlich würden Sie es sogar begrüßen, nicht wahr?"
Snape räusperte sich und senkte die Stimme. "So war das nicht gemeint, Granger, obwohl ich zugeben muss, dass damit einige meiner Probleme gelöst wären."
Hermine seufzte nachdenklich. In Anbetracht der Umstände konnte sie ihm diese Sichtweise nicht einmal verübeln. "Und was ist mit Ihnen? Ähm, ich meine, haben Sie heute schon was gegessen?"
Ihm zu sagen, dass er etwas mehr auf den Rippen vertragen konnte, brachte sie nicht übers Herz.
Snape aber schüttelte ohnehin den Kopf. "Ich fürchte, mir geht es wie Ihnen. Ich habe schlicht und ergreifend keinen Appetit."
"Ja dann ..." Verlegen biss sie sich auf die Zunge. "Haben Sie schon überlegt, wann wir ... Sie wissen schon ..."
Zwischen seinen Brauen tauchte die tiefe Falte auf, die stark in Kontrast mit seiner fahlen Gesichtsfarbe stand. "Nicht wirklich, Granger."
"Aber Ihnen ist doch bewusst, dass wir das nicht aufschieben können. Ich meine ..." Sie holte Luft. "Bitte, Sir, lassen Sie sich nicht zu lange Zeit. Ich drehe noch durch, wenn ich nicht weiß, wie es weitergehen soll!"
Nach Fassung ringend starrte sie auf seine Brust. Dabei entging ihr nicht, dass es ihm ähnlich zu gehen schien, denn wieder einmal waren seine Knöpfe beunruhigend schnell in Bewegung.
Aufgebracht rang er die Hände. "Würden Sie es bitte unterlassen, davon zu reden? Sehen Sie denn nicht, wie absurd das ist, Granger?"
"Natürlich tue ich das!"
"Dann hören Sie auf, mich daran zu erinnern."
"Aber - aber das kann ich nicht! Ich muss ständig daran denken. Ich weiß nicht, was ich tun soll, Professor!"
"Dann sind Sie genauso weit wie ich", sagte er mit brüchiger Stimme. "Ich dachte, ich könnte das tun. Aber ich ... ich kann nicht."
Hilflos suchte sie seinen Blick, doch irgendwann hatte er ihn abgewendet. Und so stand er bleich und nach Worten suchend vor ihr. In diesem Moment entschied Hermine, etwas tun zu müssen. Ihr Leben hing von ihm ab, solange sie keine weitere Alternative gefunden hatte, das Ministerium zufriedenzustellen.
Mit all der Kraft, die sie aufbringen konnte, wagte sie es, einen Schritt auf ihn zuzugehen. Dann nahm sie seine verkrampfte Hand in ihre und sah auf sein verzerrtes Gesicht.
"Sie können das tun, Professor. Sie – Sie müssen!"
Wortlos klappte er den Mund auf und starrte sie an. Hermine aber zwang sich zu einem Lächeln.
"Bitte."
Snape schluckte und zerrte an seiner Hand. Umgehend ließ sie von ihm ab. Dass er mehr als aufgewühlt war, war unschwer zu erkennen.
"Gehen Sie zurück, Granger", zischte er warnend. "Gehen Sie zu Ihren Freunden und lassen Sie mich in Frieden."
Bedröppelt blinzelte sie ihn an. "Sir?"
Er riss die Arme hoch und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare. "Nun machen Sie schon!"
Mit einem letzten Blick auf seine hagere schwarze Gestalt registrierte sie, dass er am ganzen Leib bebte, so wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Dann machte sie kehrt und eilte davon.
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"Ich will nicht sterben", sagte sie sich selbst immer wieder in Gedanken. "Ich will nicht sterben …"
Warum hatte Snape so panisch auf sie reagiert? Warum war sie immer noch bereit, ihm unter die Augen zu treten, obwohl das geschehen war? War es, weil sie ihn darum gebeten hatte? Er hatte sich schließlich nicht an ihr vergangen. Nicht im eigentlichen Sinn. Oder?
In Hermines Kopf überschlugen sich die Gedanken. Den ganzen Tag hatte sie über die Ereignisse in den Kerkern nachgedacht. Es war schrecklich! Alleine die Vorstellung, dass sie tatsächlich Sex mit ihm gehabt hatte, brachte sie schier um den Verstand. Kein vernünftig denkender Mensch wäre bereit gewesen, so etwas zu tun. Mindestens genauso aufwühlend jedoch war das letzte Aufeinandertreffen mit Snape gewesen. Sein Zustand hatte ihr Angst gemacht, schließlich hing alles Weitere von ihm ab. Doch warum hatte er selbst zur Sprache gebracht, dass er bereit wäre, auf sie zuzugehen, um die Sache angenehmer zu gestalten, wenn er am Ende nicht dazu in der Lage war?
Erschöpft rieb sie sich die Augen. Irgendetwas musste geschehen. Irgendwie musste sie ihn überzeugen, dass es ehrenwerter war, ihr zu helfen, anstatt sie in Askaban sterben zu lassen. Doch war das wirklich so? Hatten sie nicht bereits Grenzen zueinander übertreten, ohne dass sich eine Besserung eingestellt hatte? Hermine wusste es nicht. Sie war zwar am Leben, der Preis dafür aber war unermesslich hoch gewesen. Schon alleine das schlechte Gewissen, ihrem Professor körperlich so nahe gekommen zu sein, war unerträglich für den gesunden Menschenverstand. Doch wenigstens in einem Punkt war sie sich nun sicher: er hatte es ebenso wenig gebilligt wie sie.
