Bitte lasst mich wissen, was ihr denkt. So viele Aufrufe jeden Tag und nur so wenig Feedback ... das lässt mich ernsthaft an meinem Verstand zweifeln.
Lg houseghost
xxx
Call it bittersweet
Kapitel 7
Eigeninitiative
Im Schlafzimmer gingen die Kerzen an. Snape ließ von ihrer Hand ab und drückte die Tür hinter ihnen zu. Dann, nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit, in der sie sich verhalten gegenüber gestanden und angestarrt hatten, seufzte er und schob mit den Fingern seine langen Strähnen zurück.
"Ich denke nicht, dass es leichter wird, Professor."
Er zog die Brauen zusammen. "In der Tat."
Hermine machte einen beherzten Schritt auf ihn zu. Unsicher blinzelte sie zu ihm hinauf und deutete mit der Hand auf seinen Umhang. "Darf ich?"
Wie sie den Mut dazu aufbrachte, das zu wagen, wusste sie selbst nicht. Vielleicht hing es damit zusammen, dass sich alles umso mehr zu verkomplizieren schien, je länger sie versuchten, es hinauszuzögern.
Snape nickte kaum merklich. Auch er tat lediglich seine Pflicht und ergab sich in sein Schicksal.
Hermine senkte den Blick und widmete sich seinen Schultern. Snape war immer schon groß und schlank gewesen. In diesem Moment jedoch wurde sie den Eindruck nicht los, dass er weitaus übermächtiger als je zuvor auf sie wirkte. Konnte sie das tatsächlich tun? Es war verrückt, trotzdem griff sie mit zittrigen Fingern nach seinem Umhang und streifte ihn von seinen Schultern. Er nahm die Arme hoch und kam ihr zu Hilfe.
Etwas unbeholfen hielt sie dann das Kleidungsstück in den Händen und betrachtete es. Der Stoff war weitaus schwerer als sie gedacht hätte.
"Warum tragen Sie immerzu schwarz?", fragte sie vorsichtig.
Snape legte den Kopf schief und beäugte sie kritisch. "Warum sollte ich es nicht tun, Granger?"
Hermine musste unwillkürlich lächeln und reichte ihm den Umhang. Die Vorstellung, ihn in etwas anderem zu sehen, war fast undenkbar. "Sie haben recht. Es steht Ihnen."
Noch ehe sie sich auf die Zunge biss, schließlich stand es ihr nicht zu, so etwas zu sagen, drehte er sich um, glitt zu seinem Sessel hinüber und legte den Umhang über die Lehne. Dann kam er zu ihr zurück.
Interessiert ließ Hermine ihren Blick über seinen dünnen, langen Körper gleiten und beobachtete auch sonst jede seiner Bewegungen, was ihm keinesfalls entging. Ein leises Schnauben entfuhr ihm.
"Kommen Sie ja nicht auf dumme Gedanken, Granger."
Knallrot klemmte sie ihre Lippe zwischen die Zähne. "Woher wollen Sie wissen, was in mir vorgeht, Professor? Ich habe nichts Schlechtes über Sie gedacht."
Er reckte das Kinn in die Höhe. "Angenommen, ich hätte Sie auf dieselbe Weise betrachtet, würden Sie dann auch so denken?"
Beschämt senkte sie dem Blick auf seine Brust. Doch gleich darauf sah sie ihn wieder an.
"Sie haben recht. Hilft es vielleicht, wenn ich Ihnen versichere, dass ich nie etwas anderes als meinen Professor in Ihnen gesehen habe?"
„Ich denke nicht, dass das vollkommen der Wahrheit entspräche, Miss Granger."
Hermine blinzelte verstört. „Was?"
„Sie sahen mich als Ausweg aus Ihrer Misere. Als Option, am Leben zu bleiben."
„Das – das ist richtig", gab sie geknickt zu. „Doch ich verstehe nicht, wie das miteinander im Zusammenhang stehen soll."
„Wirklich? Vielleicht wollen Sie es nicht verstehen. Oder Sie wollen es verdrängen. Aber wenn ich in Ihren Augen ausschließlich ein Professor wäre, wären Sie wohl kaum zu mir gekommen."
Sie schluckte. Snape jedoch wendete sich ungerührt von ihr ab und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür.
„Lassen wir das Granger." Er seufzte und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Haben Sie irgendeinen Hinweis für mich, der mir helfen könnte, Sie zu verstehen?"
„Was meinen Sie?"
„Sie sind eine junge Frau, Miss Granger. Ich bin ein Mann. Und wir stecken beide in einer sehr misslichen Lage. Erkennen Sie das Problem?"
Sie nickte. „Ich glaube schon."
Er zog die Brauen hoch. „Sie glauben?"
„Na ja, im Grunde genommen sind es sogar eine ganze Menge Probleme, die zwischen uns liegen."
Ein leises Schnauben entfuhr ihm. „Wenigstens darin sind wir uns einig."
Hermine seufzte und machte einen Schritt auf ihn zu, was ihm nicht sonderlich zu behagen schien, denn sofort löste er sich von der Tür los und richtete sich kerzengerade vor ihr auf.
„Was haben Sie vor, Granger?", fragte er alarmiert.
Sie nahm ihre Hände hoch und legte sie behutsam auf seine Brust. „Das weiß ich nicht", gab sie ernst zurück, wobei ihr nicht entging, dass sich sein Herzschlag ruckartig beschleunigte. „Jedenfalls haben Sie mir gesagt, ich kann das tun, was ich möchte. Im Moment glaube ich einfach, sollte einer von uns den Anfang machen. Und da Sie es nicht tun, muss ich es sein."
Entsetzt riss er die Augen auf und umschloss mit seinen Fingern ihre Handgelenke. „Ich glaube nicht, dass ich das zulassen kann!", dröhnte es aus seinem Inneren hervor.
Hermine verdrehte die Augen. „Müssen wir das wirklich noch einmal durchkauen, Professor? Sie sind meine einzige Alternative zu Askaban. Wenn Sie mir nicht helfen wollen, kann keiner es tun. Sagen Sie mir also nicht, Sie könnten das nicht tun, denn Sie haben es bereits getan und werden es wieder tun."
„Das hat damit nichts zu tun!", zischte er zurück.
„Ach ja? So was Ähnliches hat Draco auch behauptet ..."
Snape sperrte entrüstet den Mund auf, als hätte sie ihn zutiefst verletzt. „Würden Sie mich bitte nicht mit Mr. Malfoy vergleichen?"
„Wieso nicht?"
„Weil das hier etwas völlig anderes ist."
„Wie meinen Sie das?"
„Ich kann schon ... Aber – aber ich will nicht."
Hermine zog die Stirn kraus. „Sie meinen … Sie können nicht, weil Sie nicht wollen?"
„So etwas in der Art."
„Das klingt verrückt, wissen Sie das?"
Er rollte schmerzverzerrt die Mundwinkel zurück. „Die ganze Situation ist verrückt, Granger."
Hermine nickte in Gedanken. „Vielleicht hilft es ja, wenn wir das Licht ausmachen. Stellen Sie sich einfach vor, ich wäre jemand anders."
Snape schnaubte leise und drückte sich an ihr vorbei in Richtung Bett. Dort angekommen kroch er über die Matratze, ließ sich der Länge nach mit unter dem Kopf verschränkten Händen darauf nieder und warf ihr einen eigenartigen Blick zu, der irgendwo zwischen Abscheu und der Aufforderung lag, es ihm gleichzutun.
Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend folgte Hermine und legte sich mit etwas Abstand zu ihm, während er sie ungläubig und mit hochgezogener Augenbraue betrachtete. Dann löschte er leise vor sich hinmurmelnd die Kerzen und Hermine fand sich in fast gänzlicher Dunkelheit wieder.
„Besser so, Granger?", fragte er sarkastisch, was ihr das Gefühl vermittelte, dass er eingeschnappt war.
„Keine Ahnung."
Es wurde still und Hermine klemmte die Lippe zwischen die Zähne. Das Gefühl, so im Dunkeln neben ihm zu liegen, war weitaus unangenehmer, als sie gedacht hätte. Sie spürte seine Präsenz, hörte seinen Atem, konnte ihn jedoch nicht sehen.
Nicht lange darauf reckte sie den Oberkörper empor und stützte sich in seine Richtung gewandt auf den Ellenbogen.
„Professor? Würde es Ihnen etwas ausmachen, das Licht wieder anzumachen? Ich glaube nicht, dass das eine meiner brillantesten Ideen war."
„Warum nicht, Granger?", fragte er mit öliger Stimme. „Es hätte den Vorteil, dass Sie mich nicht sehen müssten."
Etwas Irritiert hakte sie nach. „Glauben Sie, dass sich dadurch eine Verbesserung unserer Situation einstellen würde?"
„Sagen Sie es mir, Granger. Wäre es von Vorteil für Sie, mich nicht sehen zu müssen?'"
Wumm! Richtig geraten. Er schien doch tatsächlich zu glauben, dass sie es darauf angelegt hatte, sie wollte das Licht aus haben, um dabei nicht in seine Visage blicken zu müssen.
Hermine räusperte sich. „Ich glaube nicht. Um ehrlich zu sein, möchte ich es nicht mit jemand Unbekanntem tun."
„Aber genau darum geht es, Granger. Sie kennen mich nicht."
„Das ist nicht wahr, Professor. Natürlich gibt es Dinge über Sie, die ich nicht weiß. Aber im Grunde genommen sind Sie kein Fremder für mich."
„Wie überaus erbaulich", schnappte er zurück.
Hermine fischte unbeholfen nach ihrem Zauberstab und zündete die Kerzen wieder an. Dann blinzelte sie zu ihm hinunter, wie er immer noch reglos neben ihr lag und die Zimmerdecke anstarrte.
„Es ist wahr, Professor. Als ich davon erfuhr, was auf mich zukommen sollte, wusste ich schon eine ganze Weile, dass das Ministerium von Voldemorts Anhängern infiltriert war. Und als dann auch noch das Problem mit Draco auftauchte, waren Sie der erste Todesser, der mir in den Sinn kam."
Erst jetzt drehte er den Kopf in ihre Richtung und sah sie an. „Wie überaus schmeichelhaft."
Hermine legte den Zauberstab weg und rückte mit einem unsicheren Lächeln auf den Lippen ein Stück näher an ihn heran. „Das sollte eigentlich ein Kompliment sein."
Seine Brauen zogen sich zusammen. „Was bringt Sie nur immer wieder auf diese Ideen, Granger? Sie haben wirklich was im Kopf. Doch manchmal schaffen Sie es auf einen Schlag, dass ich Ihren Verstand anzweifle. Oder glauben Sie wirklich, dass ich stolz darauf bin, zu dem geworden zu sein, was ich bin?"
„Nein", sagte sie ernst. „Das glaube ich ganz und gar nicht. Sonst würden Sie wohl kaum zu Dumbledore halten."
Er schnaubte leise und wendete seinen Blick wieder der Zimmerdecke zu.
Nachdenklich streckte Hermine die Hand und ließ ihre Finger über die Knöpfe auf seiner Brust wandern.
„Sollten wir nicht langsam zur Sache kommen, Professor?"
Mit funkelnden schwarzen Augen sah er sie an. „Wie Sie wünschen, Miss."
Ohne lange zu fackeln, nahm er sie bei den Schultern und drückte sie auf das Bett nieder. Dann legte er sich auf sie und blickte ihr tief in die Augen.
„Ist es so genehm, Granger?"
Hermine hielt verschreckt den Atem an. „So habe ich das nicht gemeint, Professor."
Ein kaum merkliches, leicht sarkastisches Lächeln umspielte seine dünnen Lippen.
„Wie hätten Sie es denn gerne?"
Sie schluckte. „Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung."
Er rollte mit den Augen. „Das dachte ich mir."
Für etliche Sekunden sahen sie sich lediglich an. Dann entschied Hermine, aufs Ganze zu gehen. Irgendwann mussten sie die Sache ja hinter sich bringen. Und wenn sie in dem Tempo weitermachten, war das Ministerium schneller zur Stelle, als es ihr lieb war.
Erneut streckte sie zaghaft die Hand nach ihm aus und legte sie auf seine Brust. Snapes Nasenflügel erzitterten. Sonst regte er sich nicht. Ermutigt wagte sie es, den ersten Knopf seines Fracks unterhalb seines Halses zu öffnen.
Wie erstarrt betrachtete er sie, doch abgesehen davon geschah nichts. Und so setzte sie ihre Arbeit fort und widmete sich Knopf für Knopf seiner Brust.
Als sie dann oberhalb seiner Taille angelangt war, zog sie die Hand zurück und lächelte verunsichert zu ihm hinauf.
„Jetzt sind Sie dran, Professor."
Snape schüttelte kaum merklich den Kopf. Dann setzte er sich auf und legte seine Hände zu beiden Seiten ihrer Hüften auf ihren Sweater. Doch kaum hatte er sie dort berührt, zog er seine Hände wieder zurück.
„Das ist verrückt", hörte sie ihn mit rauer Stimme sagen.
„Ich weiß."
„Wieso … Was denken Sie sich eigentlich dabei, Granger? Glauben Sie wirklich, ich würde das tun?"
Sie zuckte wie gleichgültig mit den Schultern. „Es war Ihre Idee, dass wir uns miteinander vertraut machen."
„Gewiss", zischelte er zwischen eng aufeinanderliegenden Lippen hervor. „Doch keineswegs so."
Sie legte die Stirn in Falten und sah ihn durchdringend an. „Wie dann, Professor?"
Snape nahm die Hände hoch und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.
Hermine musste unwillkürlich lächeln. „Sie haben Angst, ist es das? Sie haben Angst, die Sache könnte außer Kontrolle geraten ... Dass ich das nicht gleich gemerkt habe! Deshalb wollten Sie mich beim letzten Mal nicht ausziehen. Oh mein Gott! Ich war ja so naiv!"
Sichtlich aufgebrachte fuhr er sie an: „Was faseln Sie da?"
Hermine lachte auf. „Sie sind ein großer Mann, Snape. Sie spionieren für Dumbledore Voldemort aus, aber Sie haben Angst, Sie könnten sich in irgendetwas verrennen, das Sie nicht kontrollieren können."
Er klappte den Mund auf. „Das ist nicht wahr!"
Siegessicher nickte sie. „Doch, ist es. Vielleicht kann Voldemort Sie nicht durchschauen. Ich bezweifle sogar, dass Dumbledore es voll und ganz kann. Aber ich bin eine Frau. Ihre Augen, Ihre zurückweisende Haltung … Sie haben Angst, Gefallen daran zu finden."
„Was?"
„Sie verraten sich selbst. Und obendrein belügen Sie sich noch, wenn Sie es abstreiten."
„Das ist wohl der Gipfel!"
Hermine schüttelte sanft den Kopf. „Nein. Es ist die Wahrheit. Sie ziehen sich zurück, damit niemand hinter Ihr Geheimnis kommen kann. Im Grunde genommen aber sind Sie lediglich ein einsamer, eigenbrötlerischer Kauz."
Ohne auf eine Antwort von ihm zu warten, reckte sie ihren Oberkörper empor und zog sich den Sweater über den Kopf.
Snape starrte sie mit geweiteten Augen und einem verzerrten Ausdruck auf dem Gesicht an. „Was tun Sie da, Granger?"
„Irgendjemand sollte den Anfang machen, Professor. Die Zeit läuft uns davon."
Noch während er offenbar nach Worten suchend auf ihr hockte, schnappte sie sich schon ihr T-Shirt und riss es sich vom Leib.
„Wir haben nur noch ein paar Stunden", fuhr sie energisch fort. „Wenn Sie also heute nichts Besseres mehr vorhaben, wäre es angebracht, nicht noch länger zu warten."
Als er immer noch nicht auf sie reagierte, griff Hermine nach den restlichen Knöpfen, die seinen Körper vor ihr verhüllten, um sie zu öffnen. Erst jetzt kehrte scheinbar das Leben in ihn zurück. Blitzartig griff er nach ihrer Hand und hielt sie davon ab.
„Lassen Sie mich das machen. Sie sollten das nicht tun müssen."
Hermine rang nach Atem, als sie zu ihm aufblickte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht wirkte nicht mehr nur verzerrt, sondern vielmehr besorgt.
Unbedacht benetzte sie ihre Lippen und nickte. Er hatte recht. Was sie hier taten, war falsch.
Dann legte sie sich auf das Bett zurück und sah dabei zu, wie er mit flinken Fingern die restlichen Knöpfe seines schwarzen Gewands öffnete und sich daraus befreite.
Für einen winzigen Moment war sie sich nicht sicher, was sie überkommen hatte, als sie die Initiative ergriffen hatte, es selbst zu tun. Jetzt, als er wie üblich mit energischem Ausdruck in den Augen vor ihr aufragte, wirkte alles wieder wie es zuvor gewesen war. Die Welt jedoch, in der sie lebten, war nicht mehr dieselbe.
