Call it bittersweet
Kapitel 9
Pflichterfüllung
Snape fuhr sich zum wiederholten Male mit den Händen durch die Haare und Hermine grübelte derweil im Stillen vor sich hin. Im Grunde genommen konnte ihr also egal sein, was mit ihm los war, solange er seine Pflicht gegenüber Draco erfüllte, was zugleich bedeutete, ihr aus der Klemme zu helfen.
Ermutigt durch diesen Gedanken reckte sie das Becken in die Höhe, was sich aufgrund seines Gewichts auf ihrem Körper als etwas schwierig erwies.
Sofort läuteten seine Alarmglocken und er zischte sie an: „Was haben Sie jetzt wieder vor?"
Hermine hielt inne. „Wenn Sie mich nicht anfassen wollen, lassen Sie es bleiben. Ich bin sicher, Sie finden auch einen anderen Weg, zu mir zu gelangen."
„Worauf Sie sich verlassen können!"
„Ha! Sehen Sie? Ihre Art ist nicht gerade sonderlich umgänglich. Kein Wunder, dass Sie so in Verruf geraten sind!"
„Das ist mir ehrlich gesagt scheißegal, Granger. Bei der Vielzahl an Problemen, die ich am Hals habe, ist das meine geringste Sorge. Außerdem sollten Sie sich um Ihren eigenen Kram kümmern, nicht wahr?"
Hermine schüttelte ungläubig den Kopf. „Was Sie da sagen, glauben Sie doch selbst nicht! Aber in einem Punkt muss ich Ihnen zustimmen: es sollte mich nicht weiter kümmern. Eigenartig ist nur, dass ich Ihnen deutlich mehr Courage zugetraut hätte, Professor. Doch wie es aussieht, habe ich mich erneut in Ihnen getäuscht."
„Ist das zu fassen? Das klang aber vorhin noch ganz anders", schnappte er zurück.
„Das ist richtig. Doch nun bin ich zu der Übereinstimmung gekommen, dass es durchaus Bereiche gibt, in denen Sie noch etwas lernen müssen."
Ein schiefes Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf. „Sie stecken wie immer voller Überraschungen, Granger. Aber bilden Sie sich ja nicht zu viel darauf ein. Mein Urteilsvermögen scheint in Anbetracht unserer Lage etwas getrübt zu sein."
Hermine rollte abwertend mit den Augen und reckte ein weiteres Mal das Becken in die Höhe, doch alles war vergeblich. Snape rührte sich nicht. Als er auch auf einen auffordernden Blick hin nicht reagierte, wurde es ihr zu bunt.
„Professor, wären Sie eventuell so nett, ein Stück nach unten zu rutschen, damit ich meine Hose aufmachen kann? Es sei denn, Sie legen es darauf an, da unten von mir befummelt zu werden."
So plötzlich wie er mit dem Unterleib in die Höhe schoss, schien ihm erst jetzt zu dämmern, dass er noch immer auf ihr hockte.
„Danke."
Hermine öffnete mit zittrigen Fingern den Knopf ihrer Jeans. Ganz so mutig, wie sie sein wollte, war sie nicht. Als sie daraufhin verunsichert aufblickte, sah sie, dass er sie mit hochgezogener Braue musterte.
„Müssen Sie mich immer so ansehen, Professor?"
Snape rollte die Mundwinkel zurück. „Ich glaube, das Licht auszumachen, war eine hervorragende Idee, Granger. Wie wäre es, wenn wir es noch einmal damit versuchen?"
Sie seufzte. „Um ehrlich zu sein, habe ich mich dabei nicht sonderlich wohl gefühlt. Die Vorstellung, im Dunkeln neben ihnen zu liegen, war beunruhigender als ich gedacht hätte. Ich glaube also nicht, dass ich das durchziehen kann, wenn Sie im Dunkeln auf mir liegen. Es gibt mir das eigenartige Gefühl, erdrückt zu werden."
„Erdrückt? Verzeihen Sie, aber meine körperliche Konstitution ist nun alles andere als erdrückend."
„Oh. Das meinte ich auch gar nicht. Es hat vielmehr damit zu tun, dass ich gern weiß, was um mich herum passiert."
Er schüttelte den Kopf. „Na schön. Wir machen das zusammen, Granger."
„Was meinen Sie?"
„Das Ausziehen."
Hermine spürte, dass sie knallrot anlief. Er hingegen schien immer farbloser zu werden.
„In Ordnung."
Mit deutlicher Zurückhaltung im Blick blinzelte er sie zwischen seinen Strähnen hindurch an. „Bereit?"
Sie nickte. Fast zeitgleich widmeten sie sich dann ihren Hosen und befreiten sich umständlich daraus, wobei jeder für sich peinlich genau darauf achtete, dem anderen nicht in die Augen zu sehen. Am Ende hatte Hermine nur noch ihren BH und ihr Höschen an. Snape kauerte in einer schwarzen Shorts über ihr.
Wenn Hermine gedacht hatte, dass er dürr war, hatte sie sich nicht getäuscht. Erst jetzt, als sie ihn verstohlen aus den Augenwinkeln betrachtete, wurde ihr bewusst, dass er ziemlich abgemagert aussah. Das Dunkle Mal, das sie bisher nicht weiter beachtet hatte, wirkte geradezu grotesk auf seinem sehnigen Arm.
„Sie sollten mehr essen, Professor", sagte sie vorsichtig.
Er stieß ein leises Schnauben aus. „Keinen Appetit, Granger."
Unbeholfen räusperte sie sich. „Und jetzt? Sollten wir den Rest nicht auch ausziehen?"
Der Gedanke, gänzlich nackt vor ihm zu liegen war mindestens genauso befremdlich für sie, wie der an das, was danach kommen würde. Sie erinnerte sich an die Schmerzen, die sie empfunden hatte, als er in sie eingedrungen war. Doch so sehr sie ihn dafür hassen und verurteilen wollte, konnte sie es nicht. Sie war zu ihm gekommen, hoffnungsvoll und verzweifelt. Was hatte sie da anders zu erwarten gehabt?
Mit jeder verstreichenden Sekunde stieg die Nervosität in ihr an. Umso dankbarer war sie, als er sich, ohne länger um den heißen Brei zu reden, aus seiner Shorts befreite. Und so tat sie es ihm gleich, bis sie hüllenlos vor ihm lag und er sich auf ihr platzierte.
Hermines Herz pochte ihr bis zum Hals. Seine Haut auf ihrer zu spüren, war so ganz anders als erwartet. Eigenartig, doch keinesfalls unangenehm. Außerdem musste sie ihm positiv anrechnen, dass er es vermieden hatte, auf ihre Brüste zu starren. Im Grunde genommen hatte jeder seinen Blick auf den des anderen fixiert, damit es nicht zu weiteren peinlichen Situationen kommen konnte.
"Versuchen Sie, sich zu beruhigen, Granger. Je mehr Sie sich verkrampfen, desto unangenehmer wird es werden."
Hermine schnaubte. "Sie sprechen wohl aus Erfahrung."
Er legte den Kopf schief. "Ich kann Ihnen versichern, dass diese Theorie auf allgemein bekannten Erfahrungswerten beruht."
Sie schloss kommentarlos die Augen und atmete durch. Dann sah sie ihn wieder an. "Also gut, Professor, tun Sie es."
Er presste seine ohnehin schon dünnen Lippen aufeinander und stützte sich mit einer Hand auf der Matratze ab. Hermine wusste kaum, wo sie hinsehen sollte. Sämtliche Muskeln seines dünnen Körpers wirkten angespannt. Doch das war nichts im Vergleich zu dem Ausdruck auf seinem Gesicht. Jede Falte und Pore seiner fahlen Haut stach ihr deutlicher als je zuvor ins Auge. Zumindest aus der Perspektive, in der sie sich befanden. Unterhalb seiner Nase glänzte Schweiß. Und das, obwohl sie erst am Anfang der Misere standen.
Erneut rief sie sich ins Bewusstsein, dass es auch für ihn alles andere als ein Vergnügen war, das mit ihr zu tun. Besonders hilfreich war der Gedanke aber nicht. Innigst wünschte sie sich, er hätte sie davor wenigstens irgendwo berührt, um endlich die Scheu voreinander zu verlieren, doch davon waren sie weit entfernt.
Seine Hand glitt zwischen ihre Körper - dass sein Unterleib hart und fordernd bereit war, war nun nicht mehr zu verleugnen. Es irritierte sie, wie er das trotz allem, was zwischen ihnen gesagt worden war, tun konnte. Kurz darauf spürte sie erneut den stechenden Schmerz, als er in sie eindrang. Ein beiderseitiges Aufstöhnen erfüllte den Raum. Doch anstatt sich weiter zu bewegen, hielt er schwer atmend inne und sah sie an.
"Es tut mir leid, Granger."
Hermine klemmte ihre Lippe zwischen die Zähne und blinzelte zu ihm hinauf. Das war in einem Moment wie diesem so ziemlich das Letzte, was sie erwartet hatte. Unweigerlich schossen ihr Tränen in die Augen.
"Sie müssen sich nicht dafür entschuldigen, Professor", sagte sie mit brüchiger Stimme. "Es ist nicht Ihre Schuld."
Er schauderte, wobei sich eine Gänsehaut über seinen vor Anspannung feuchten Körper legte. "Und Sie müssen nicht meinetwegen lügen."
"Das tue ich nicht", flüsterte sie leise.
"Warum weinen Sie dann?"
Ja, warum eigentlich? Sie wusste es selbst nicht. Doch dass es dabei nicht mehr nur um sie und ihre eigenen Opfer ging, war offensichtlich.
Ungläubig suchte sie nach Worten. Nicht einmal die Tatsache, dass seine Entschuldigung aufrichtig geklungen hatte, konnte den Fluss der Tränen stoppen, die sich so vehement einen Weg nach außen bahnen wollten.
Snape verlagerte sein Gewicht auf seinen Arm. Ein blitzartiges Zucken schoss durch ihren Unterleib, das den Schmerz für eine Sekunde wieder aufleben ließ, ehe er in ein erträgliches Maß abflaute. Seine andere Hand strich ihr eine Strähne zur Seite. "Wenn Sie mich bitten, damit aufzuhören, werde ich es tun, Granger."
"Ich weiß, dass Sie das würden."
"Wirklich? Was macht Sie da so sicher?"
"Ich sagte Ihnen, dass ich Ihnen vertraue. Wir ziehen das durch."
"Wie Sie meinen. Ich würde Sie jedoch für weitaus mutiger halten, sich den Dementoren auszuliefern, als das hier zu beenden."
Hermine schüttelte matt den Kopf. "Sie lügen, Professor. Außerdem ist das keine Option für mich, also machen Sie weiter."
Kaum hatte sie ausgesprochen, wendete er den Blick von ihr ab. Ruckartig zog er sich dann zurück und schob sich, begleitet von einem unterdrückten Grollen, in ihren Körper.
Hermine krallte die Hände in das Betttuch. Im Vergleich zum letzten Mal jedoch war der Schmerz zurückgegangen. Das Gefühl war dennoch eigenartig. Auch sein verhärmter Ausdruck war nicht gerade erbaulich. Gab es denn nicht irgendetwas, das sie tun konnten, um das hier angenehmer ablaufen zu lassen?
In dem Bemühen, keine weitere Verzögerung des Ablaufs hervorzurufen, schließlich wollten sie es beide hinter sich bringen, konzentrierte Hermine sich ganz auf das Geschehen; das schwere Geräusch seiner Atmung, jede seiner Bewegungen, das Rascheln des Bettzeugs unter ihren Körpern...
Erneut war sie eine Gefangene ihrer eigenen Gedanken. Doch im Prinzip tat jeder von ihnen, wozu er sich gezwungen sah, um sich das zu holen, was sie beide wie vereinbart ans Ziel bringen sollte.
