Call it bittersweet
Kapitel 11
Beschmutzt
Die Anspannung in ihm wuchs, kalter Schweiß stand auf seiner Stirn. Seine Atmung kam in schnellen Zügen. Für Hermine war es nur ein weiteres Zeichen, dass er kurz davor stand, den Höhepunkt zu erreichen. Dann passierte es. Snape streckte den Kopf nach hinten, ließ die Augen in den Schädel zurückrollen und löste sich in ihr los.
Was dabei in ihr vorging, war ebenso sonderbar wie die Situation an sich. Zwar hatte sie ihn schon einmal so erlebt, doch diesmal hatte sie wesentlich mehr Zeit gehabt, sich auf ihn anstatt auf die Schmerzen zu konzentrieren, die sie damals heimgesucht hatten.
Irgendwo zwischen Abscheu und Faszination gefangen beobachtete sie jede seiner Regungen, hörte das tiefe Grollen seiner Stimme, die in seinem Schlafzimmer in den Kerkern widerhallte. Dann war es vorbei. Am ganzen Körper bebend zog er sich zurück und rollte sich von ihr. Neben ihr auf dem Bett blieb er liegen, klatschnass, die Hände wie zuletzt über dem Gesicht zusammengeschlagen, als könne er damit alles verbergen. Doch das konnte er nicht.
Hermine kam nicht umhin, ihm mit ihren Blicken zu folgen. Im Grunde genommen gab es nichts, was sie jetzt noch voreinander verbergen mussten, so zum Beispiel die Tatsache, dass sie nackt nebeneinander in seinem Bett lagen.
Nach einigen unangenehmen Minuten des Schweigens räusperte sie sich. „Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich Ihr Bad benutze?" Ihre Stimme kam lediglich einem Flüstern gleich.
Snape ließ die Hände sinken und sah sie mit einem wilden Ausdruck auf seinem zerfurchten Gesicht und starren Augen an.
„Nein. Es ist gleich da drüben."
Sie blinzelte verlegen. „Ich weiß."
Er nickte. Da sie nicht vorhatte, ihm freien Blick auf ihre nackte Rückseite zu gewähren, schnappte sie sich sein Hemd, das er zuvor auf dem Bett zurückgelassen hatte.
„Haben Sie was dagegen, wenn ich … wenn ich mir das borge?"
Er atmete aus. „Nur zu."
Von dem bedrückenden Gedanken begleitet, dass es so ziemlich das Letzte war, jetzt auch noch etwas von ihm auf ihrem Leib haben zu wollen, hüllte sie sich darin ein, während er sie kommentarlos, dafür aber mit einer hochgezogenen Braue musterte. Schnell wie der Wind eilte sie ins Bad und schloss sich darin ein.
Kaum war sie allein, riss sie sich sein Hemd vom Körper und schleuderte es angewidert auf den Boden.
Wie hatte es nur soweit kommen können? Wie sollte sie das ein weiteres Mal durchstehen?
Zitternd wackelte sie zur Dusche hinüber und drehte das warme Wasser auf. Dann, ohne weiter darüber nachzudenken, stieg sie hinein und schnappte sich die Seife, mit der sie wie wild ihren Körper abschrubbte. Minutenlang. Das heiße Wasser brannte auf ihrer Haut, der ganze Raum war erfüllt von Dampf. Doch so sehr sie sich auch abmühte, sich reinzuwaschen, das Gefühl, beschmutzt zu sein, wollte nicht weichen. Ebenso wenig wie der Gedanke an den schuldigen Ausdruck in seinen Augen.
Was hatte sie sich dabei nur gedacht, ihn da mit hineinzuziehen? Wie konnte sie ihn um Hilfe für etwas bitten, das er im Grunde genommen gar nicht hatte ausschlagen können? Er hatte recht gehabt: die Dementoren wären die bessere Wahl gewesen ... Vielleicht wäre es jetzt schon längst vorbei. Vielleicht wäre sie längst nicht mehr am Leben, wenn sie sich von Anfang an geweigert hätte, nach einem Ausweg aus dieser Misere zu suchen. Dann wäre wenigstens seine Seele nicht weiter in Gefahr gebracht worden. Doch er war ein Todesser. Snape wusste, was es hieß, Dinge zu tun, die normale Menschen nie in Kauf nehmen würden. Er wusste, wie es war, jemanden sterben zu lassen. Oder etwa nicht?
Starr vor Schreck schluchzte sie auf. Sie hatte nie mit ihm darüber gesprochen. Was hatte er getan und was nicht? Seine eigenen Worte kamen ihr in den Sinn. Vielleicht hatte er ja noch nie jemanden ermordet. Aber wenn doch, was dann? Was wusste sie überhaupt über ihn? Wieso machte sie sich Gedanken darüber, was sie ihm zugemutet hatte, wenn es doch nur Snape war?
Verstört drehte sie das Wasser ab und schnappte sich das erstbeste Handtuch, das sie finden konnte. Es roch dezent nach Waschmittel, weitaus mehr aber nach ihm. Dennoch hüllte sie sich darin ein und verließ mit glasigen Augen das Bad.
