Call it bittersweet

Kapitel 17

Disguised

Was geschehen war, war so unbeschreiblich, dass Hermine noch Minuten später auf seinem Tisch ausgebreitet lag und in den Wellen ihres Glücksgefühls schwelgte, als Snape sich längst von ihr losgelöst hatte.

Schwer atmend schlug sie die Augen auf und suchte seinen Blick. Er jedoch saß tief in sich selbst zurückgezogen vor ihr auf seinem Stuhl und hatte eng die Enden seines Umhangs um sich gewickelt, ebenso wie die Flügel einer Fledermaus, wenn sie ihren Körper verhüllten.

Langsam richtete sie sich auf und brachte ihre Kleidung in Ordnung. Als sie damit fertig war, machte sie es sich auf seinem Tisch bequem und blickte eindringlich auf ihn hinunter.

"Sie sehen wieder einmal so aus, als hätten Sie ein schlechtes Gewissen, Professor."

Er schnaubte leise und sah sie mit erhobenen Brauen an. "Tatsächlich, Granger?"

Hermine nickte. "Das, was Sie getan haben, war unglaublich! Warum haben Sie das nicht schon früher in Erwägung gezogen?"

Er blickte sie irritiert an. "Was glauben Sie?"

Sie zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Aber wenn ich gewusst hätte, dass es so atemberaubend schön sein kann, von Ihnen berührt zu werden, hätte ich mich wohl kaum dagegen gesträubt."

Er schüttelte langsam den Kopf. "Ihre Ausdrucksweise lässt keine Zweifel daran, dass Sie absolut unprofessionell mit der Angelegenheit umgehen. Dabei hatte ich gehofft, Sie würden es nicht weiter vertiefen."

„Was?", fragte sie empört. „Wie soll ich das anstellen?"

"Sie reden wie ein Teenager. Oberflächlich und naiv."

"Ich bin ein Teenager", antwortete sie und klang mit einem Mal ziemlich gereizt. Bis eben waren all ihre Emotionen auf den Augenblick konzentriert gewesen, indem sie alles um sich herum vergessen und sich ihm hingegeben hatte. Umso unbegreiflicher schien es ihr, dass er so kühl darauf reagierte.

"Richtig. Genau deshalb wollte ich vermeiden, dass es soweit kommt. Ich hätte es verhindern müssen."

Sie legte die Stirn in Falten. "Das verstehe ich nicht. Sie wollten verhindern, dass ich mich gut fühle?"

Er blinzelte. "Nein, Granger. Ich hätte verhindern müssen, Ihnen zu nahe zu kommen. Mein Alter verbietet es mir ebenso wie meine Position. Ich bin weit davon entfernt, ein Teenager zu sein. Das ist ein nicht unerheblicher Graben zwischen uns, der sich nicht überbrücken lässt."

"Das weiß ich. Aber es war schön, dass das passiert ist. Es war - es war einfach überwältigend."

"Mag sein", äußerte er abfällig. "Trotzdem ist es verboten."

Hermine schnaubte. "Und was wäre, wenn es plötzlich ein Gesetz gäbe, das es uns erlaubt, aufeinander zuzugehen? Was dann?"

Snape befreite seine Hände aus seinem Umhang und fuhr sich in langen Bahnen damit durch die Haare. "Das wird niemals passieren."

"Woher wollen Sie das wissen?"

"Sie sind mit Draco vermählt, Miss Granger. Ganz gleich also, was für Gesetze der Dunkle Lord oder das Ministerium zukünftig auf den Plan rufen mögen, es wird uns immer verboten sein, dass wir uns miteinander abgeben."

Enttäuscht senkte Hermine den Blick. Seine Worte klangen hart. Doch wieso trafen sie sie so plötzlich und unvorbereitet? Wieso verspürte sie dabei so einen eigenartigen Stich in der Brust, obwohl sie es gewohnt war, auf diese Art von ihm behandelt zu werden?

"Ich hatte ja nicht erwartet, dass in Ihnen ein verborgener Romantiker steckt, Professor. Aber was Sie sagen, ist grausam und herzlos. Es klingt endgültig. Hoffnungslos."

„Auch das mag in Ihren Augen wohl so aussehen ..." Er räusperte sich. „Wie dem auch sei, ich schlage vor, Sie gehen jetzt besser. Für heute habe ich genug von Ihrer Gesellschaft."

Hermine öffnete den Mund, um dagegen zu protestieren, Snape jedoch sah sie eindringlich an.

„Dies ist keine Bitte, Miss Granger. Es ist mein ausdrücklicher Wunsch."

"Wenn Sie es so wollen", sagte sie matt und stand auf.

All die schwärmerischen Gedanken an das Geschehene lösten sich umgehend in Luft auf. Zurück blieb ein eigenartiges Gefühl der Leere, für das er kein Verständnis aufbringen konnte. Der durchdringende Blick in seinen Augen verriet ihr nur zu deutlich, dass er nicht in Stimmung war, sich auf eine tiefgründigere Diskussion mit ihr einzulassen. Sichtlich bemüht, sich nichts anmerken zu lassen, rang sie nach Fassung. Wie konnte er nur immer wieder so hart sein?

"Sehen wir uns dann morgen Abend?", fragte sie vorsichtig, ohne näher auf ihre gemeinsame Abmachung eingehen zu wollen. Doch derart im Ungewissen gelassen zu werden, war nicht das, was sie jetzt gebrauchen konnte.

Er nickte. Dann wandte er den Blick von ihr ab und drehte sich dem zerknitterten Pergament auf seinem Schreibtisch zu.

Hermine biss sich auf die Lippe und ging. Als sie die Kerker verließ und in ihren Turm zurückkehrte, war sie mehr verwirrt denn je. Was hatte das, was geschehen war, zu bedeuten? Wieso hatte er sie so zurückweisend behandelt, obwohl er doch zuvor so sanft und zärtlich zu ihr gewesen war? Erneut fiel es ihr schwer, damit umzugehen. Seine verhaltene Reaktion gab ihr das ungute Gefühl, dass er sie nicht leiden konnte. Doch wieso beschäftigte sie dieser Gedanke so sehr?

Erschöpft legte sie sich ins Bett und fasste einen Entschluss. Sie hatte genug. Sie war es leid, zu bitten und zu flehen. Ihr Plan, sich mit Snapes Hilfe die gnadenlosen Gesetze des Ministeriums oder gar die Dementoren vom Leib zu halten, war nicht aufgegangen wie erhofft. Sie war an etwas gescheitert, das sie selbst für unmöglich gehalten hatte: die Tatsache, dass sie ihren Professor und seine Gesellschaft zu schätzen gelernt hatte.

Mit einem Schlag dämmerte ihr, wieso sie seiner Gegenwart den Vorzug gegenüber ihren Schulkameraden gab und weshalb sie die Nächte bei ihm verbringen wollte. Abgesehen davon, dass er der Einzige war, der gänzlich von ihren Sorgen wusste, hatte sie die Angst und ihre Scheu vor ihm verloren. Seine kühle, abweisende Zurückhaltung ihr gegenüber schien da mit einem Mal weitaus schlimmer zu sein, als die Tatsache, dass sie miteinander diesen gefährlichen Bund eingegangen waren.

Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr verletzte sie sein Verhalten. Wenn er sie nicht verstehen wollte, hatte sie kein Recht dazu, sich weiter auf ihn zu verlassen. Damit würde sie es nur noch schlimmer für alle beide machen, schließlich war sie nicht die Einzige, die ihn brauchte. Hogwarts brauchte ihn ebenso. Aus diesem Grund durfte sie nicht so weitermachen. Hermine würde morgen nicht in die Kerker zurückkehren.

xxx

Den ganzen Tag über hatte sie sich mit dem Gedanken befasst, sich Askaban und den Dementoren zu übergeben. Weder Harry, noch Ron, noch sonst wer musste davon erfahren. Was dann mit Draco geschah, wäre nicht länger ihre Sache. Der Kuss eines Dementors jedoch würde ihrem Leben ein schnelleres Ende setzen als dieses ausweglose Martyrium der Gefühle, die sie zu erdrücken schienen. Ein Ende der Schmerzen und vor allem der Hilflosigkeit.

Ein letztes Mal sprach sie vertraulich mit ihren engsten Freunden, zwang sich zu einem aufgesetzten Lächeln, ehe sie sich von ihnen verabschiedete, um ins Bett zu gehen. Für Hermine war es ein Abschied mit ungewissem Ausgang. Vielleicht sogar für immer. Doch keiner von ihnen konnte es erahnen. Ihr Geheimnis, das sie mit Snape geteilt hatte, würde sie mit ins Grab nehmen; sich womöglich sogar in den Wahnsinn treiben lassen, wenn sie dazu verdammt wäre, in einer Zelle dahinzuvegetieren.

Fest entschlossen legte sie sich auf ihre Matratze, deckte sich zu und nahm einen Schlaftrank, um nicht länger darüber nachdenken zu müssen, was geschehen würde, wenn sie bis morgen nicht ihren ehelichen Pflichten nachkäme … Sie wollte nicht schwach sein. Doch im Grunde genommen war es ihr mittlerweile gleich, was als Nächstes geschah. Sie wollte sich lediglich in etwas Vertrautes einhüllen und sich der Verantwortung entziehen, die man auf ihre Schultern geladen hatte. Sich selbst in einem warmen Umhang der Unsichtbarkeit verstecken und seine Berührung auf ihrer Haut spüren. Unbemerkt verschwinden und nie wieder zurückkommen. Am Ende friedfertig und gedankenlos sterben...

Da fühlte sie plötzlich, dass etwas anders war. Tief im Schlaf hörte sie eine Stimme, die ihren Namen rief.

"Ich kann Sie nicht den Dementoren überlassen."

Hermine wollte die Augen öffnen, doch sie konnte nicht. Die Müdigkeit, die Drogen hielten sie fest in ihrem Griff. Sie war es leid, zu weinen und gegen eine Übermacht anzukämpfen, die sie nicht besiegen konnte. Die Forderungen des Ministeriums waren unmenschlich und unbegreiflich. Wie sollte sie das je durchstehen können, ohne dabei verrückt zu werden? Wieso sollte sie in einer Welt leben wollen, die so unfreundlich auf das Leben reagierte? Und wozu sollte sie diesen Kampf überhaupt noch weiter führen, wenn es doch ohnehin keine Hoffnung gab?

"Warum nicht?", murmelte sie kaum hörbar und kuschelte sich in die Arme, die sie aus dem Bett hoben.

"Sie sind zu jung um zu sterben, Granger."

Hermine seufzte verträumt und ließ sich von ihm forttragen. Es war ihr gleich. Alles war ihr gleich.

xxx

Snape verzog unliebsam die Mundwinkel, als er sie auf sein Bett niederlegte. Nie hätte er gedacht dass er einmal so etwas tun würde.

"Wachen Sie auf, Granger."

Hermine schüttelte den Kopf.

"Doch. Sie müssen aufwachen."

"Wozu?"

Sie fühlte eine Hand auf ihrer Stirn. Eine warme, vertraute Hand.

"Was haben Sie genommen?"

Gleichgültig reckte sie den Kopf und rieb ihre Wange an seinem Arm.

"Warum wollen Sie das wissen?"

Er brummte unfreundlich und setzte sich zu ihr ans Bett.

„Hier", forderte er streng. So langsam war sie sich sicher, dass er stocksauer war. „Trinken Sie das."

Sie blinzelte. "Ich krieg die Augen nicht auf, Professor."

"Das ist kein Wunder."

Hermine lächelte verstohlen. "Lassen Sie mich schlafen, ja?"

Ein Schnauben war zu hören. "Das könnte Ihnen so passen!"

"Allerdings", stimmte sie gedankenlos zu. Schlaf war das Einzige, was sie wollte. Und nie wieder aufwachen...

Im nächsten Moment wurde ihr Oberkörper angehoben, doch sie kümmerte sich nicht weiter darum. Ihre Glieder waren schlapp, ihr Kopf wie benebelt. Snape bohrte unsanft seinen Zauberstab zwischen ihre Lippen und schob einen Löffel in ihrem Mund. Etwas grauenhaft Schmeckendes tropfte auf ihre Zunge.

"As is as?"

"Schlucken Sie es einfach runter."

Hermine tat wie ihr geheißen. Seine Stimmung war mal wieder zum Kotzen, ebenso wie das Zeug, das er ihr verabreichte. Wieso sollte sie da mit ihm diskutieren? Vielleicht war ja alles nur ein Traum...

„Besser?"

Sie nickte planlos - dafür, dass er so wütend war, klang seine Stimme einfach umwerfend männlich.

„Gut."

Träge sank sie in seinen Armen in sich zusammen und vergaß sämtliche Geschehnisse um sich herum. Alles - bis auf seinen charakteristischen Duft. Minutenlang spürte sie nichts als Wärme und Geborgenheit. Doch dann, ganz langsam, kam sie wieder zu sich und schlug die Augen auf.

Noch immer lag sie in seinen Armen und sah ihn an. Sah sein zerfurchtes Gesicht, die langen Strähnen, die es umrahmten.

"Ich dachte, das war nur ein Traum", faselte sie leise.

Er schüttelte den Kopf. "Weit gefehlt, Granger. Alleine für diesen elenden Versuch, sich umzubringen, könnte ich Gryffindor all seiner Punkte berauben.

Plötzlich hellwach fuhr sie auf, nur um im Moment darauf wieder zurückzufallen.

"Ouch!"

Snape schmunzelte. „Legen Sie sich auf das Bett und ruhen Sie sich aus, Granger."

Sie gehorchte schlaftrunken und rieb sich die Augen.

"Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte einfach nur tief und fest schlafen."

"Wozu?", fragte er mit gerunzelter Stirn.

"Um mich morgen meinem Schicksal zu stellen und den Dementoren auszuliefern."

"Was für ein dämlicher Plan soll das denn sein!", stieß er abwertend aus.

"Ach ja? Haben Sie vielleicht einen besseren auf Lager."

Er seufzte tief und langanhaltend. "Nein."

"Ha! Sehen Sie? Wieso zum Teufel haben Sie mich dann nicht in meinem Turm gelassen? Es geht Sie wohl kaum etwas an, was ich tue und was nicht. Oder?"

Seine Brauen zogen sich finster zusammen. "Wenn Sie sterben, wird das Ministerium nicht zögern, Draco mit jemand anderem zu vermählen, Granger. Die Absichten des Dunklen Lords, eine elitäre Gesellschaftsform aus Zauberern zu schaffen, sind offensichtlich. Ich wüsste also nicht, wie sich durch Ihr Dahinscheiden eine Verbesserung meiner Situation einstellen sollte. Außerdem ist es meine Pflicht als Ihr Professor, mich um Sie zu kümmern. Und da Sie nicht in meinem Büro erschienen sind, blieb mir nichts anderes übrig, als zu Ihnen zu kommen."

Hermine starrte ihn an. "Tatsächlich? Das klingt alles furchtbar übel … ähm, Sir."

"In der Tat."

Sie klemmte nachdenklich ihre Lippe zwischen die Zähne.

"Und was jetzt? Ich meine, wie soll es jetzt weitergehen? Wenn ich innerhalb weniger Stunden meine Aufgabe nicht erfülle ..."

"Ich kenne den Rest, Granger", unterbrach er sie trocken.

"Schön. Also?"

Er schüttelte den Kopf. „Rutschen Sie rüber."

Hermine beäugte ihn kritisch, ohne aus ihm schlau zu werden. „Sie haben doch nicht etwa vor, mich auszuziehen?"

Sein Blick verfinsterte sich. "Nun machen Sie schon. Ich werde nichts dergleichen tun. Ich will nur sichergehen, dass Sie nicht wieder versuchen, sich das Leben zu nehmen."

Sie rollte mit den Augen und rückte ans andere Ende des Bettes, damit er sich neben Sie legen konnte. Gebannt beobachtete sie ihn dabei, wie er aus seinen Schuhen schlüpfte und sich auf der Matratze niederließ.

"Schlafen Sie eigentlich nie?"

Mit einem Ruck drehte er sich ihr zu und bettete seinen Kopf auf seinen Arm. "Warum fragen Sie das?"

"Weil es schon sehr spät ist und Sie immer noch Ihre Sachen anhaben."

"Tut mit leid, Sie enttäuschen zu müssen. Ich kann Schlafanzüge nicht ausstehen. Außerdem war ich beim Schulleiter."

"Oh." Peinlich berührt versuchte Hermine, nicht an ihren geblümten Pyjama zu denken.

Er hingegen nickte ihr zu und schloss die Augen.

Hermine konnte sich kaum von ihm loslösen und betrachtete für eine ganze Weile sein Gesicht. Dass er bei all dem Stress mehr als unausgeschlafen auf sie wirkte, verstand sich von selbst. Trotzdem war sie froh, bei ihm zu sein.

"Wenn Sie vorhatten, mich zu retten, muss ich Ihnen sagen, dass Sie spätestens morgen versagt haben, wenn wir bis dahin nicht miteinander geschlafen haben."

Er sah sie an. "Das weiß ich, Granger."

"Ah. Gut. Ich wollte das nur festhalten."

Ein kaum merkliches Lächeln umspielte seine dünnen Lippen. "Eigentlich dachte ich, ich hätte meine längste Nacht mit Ihnen schon längst hinter mir. Doch wie es scheint, habe ich mich darin getäuscht."

Hermine wippte nachdenklich mit dem Kopf. "Sieht wohl so aus."

Schweigend sahen sie sich an, bis Hermine erneut das Wort ergriff. "Was würde geschehen, wenn ich Draco kaltmache?"

Ungläubig rutschten seine Brauen in die Höhe. "Ich weiß es nicht. Und ich glaube auch nicht, dass Sie das Zeug dazu haben, so etwas zu tun, Granger. Es wäre kaltblütiger Mord. Trauen Sie sich das zu?"

Betroffen von seiner Ehrlichkeit schüttelte sie den Kopf. "Nicht wirklich."

„Das hätte ich auch nicht anders von Ihnen erwartet."

Sie blinzelte. „Tatsächlich? Sie wissen es vielleicht nicht, aber ich hab ihm mal einen Haken verpasst."

„Das ist ja auch fast dasselbe", äußerte er in sarkastischem Ton.

Unbewusst musste sie darüber lächeln. „Na ja, vielleicht nicht ganz. Aber es war nahe dran."

Erneut wurde es still zwischen ihnen und Hermine wagte den Versuch, die Augen zu schließen. Doch wie sie befürchtet hatte, war sie nun überhaupt nicht mehr müde. Leise seufzend sah sie ihn wieder an und fand sich mit seinen schwarzen Augen konfrontiert, die sie eindringlich musterten.

Verstört blinzelte sie ihn an. „Sie können einem ganz schön Angst machen, wenn Sie einen so ansehen, wissen Sie das? Obwohl ich weit davon entfernt bin, mich vor Ihnen zu fürchten."

„Das haben Sie schon einmal bemerkt", antwortete er gelassen.

Sie nickte. „Es ist wahr. Früher hatte ich sehr wohl vor Ihnen Angst. Aber jetzt ist das anders. Es sei denn, Sie werfen mir diesen unheimlichen Blick zu."

Snape schüttelte den Kopf. „Vielleicht will ich genau das damit erreichen, Granger. Um Sie auf Abstand zu bringen."

Sie hob den Kopf und stützte ihn auf die Hand, ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Möglich. Doch Sie sollten sich keine Hoffnungen machen, Professor. Ich habe Sie längst durchschaut."

Ein leises Schnauben entfuhr ihm, doch noch ehe er antworten konnte, beugte sie sich zu ihm hinab und näherte sich ihm mit ihrem Gesicht, bis ihre Nasenspitzen nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren.

„Die Zeit läuft, Professor", sagte sie leise. „Wenn Ihre Mission, mich zu retten, Erfolg haben soll, sollten Sie sie nutzen."

Kaum hatte sie ausgesprochen, reckte er den Kopf empor. Seine dünnen Lippen drifteten langsam auseinander und drückten sich auf ihre.