Call it bittersweet
Kapitel 18
Feelings
Es war ein sanfter, unschuldiger Kuss. Ein bloßer Hauch von Wärme und verborgener Sehnsucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, als sie sich zum ersten Mal auf diese Art berührten.
Seine Zunge stieß gegen ihre Lippen und Hermine ließ ihn von schierer Neugierde erfasst ein. Seit dem Moment, indem er ihren Unterleib so unverhofft zärtlich liebkost hatte, war ihr, als hätte sich alles zwischen ihnen geändert. Snapes übliche Zurückhaltung ihr gegenüber verschwand und wich etwas Neuem. Etwas, das sie beide dazu ermutigte, diesen Schritt zu wagen. Unbewusst jagte der erste Kontakt, den ihr Kuss mit sich brachte, einen wohligen Schauder durch ihren Körper. Von irgendwoher kam seine Hand und umfasste Hermines Nacken. Bestimmt und vorsichtig zugleich zog er sie zu sich, was sie erwartungsvoll begrüßte. Ohne weiter darüber nachzudenken, drückte sie sich an ihn und drängte ihn aufs Bett nieder, bis sie plötzlich mit ihrem ganzen Körper auf ihm lag.
Ein sanftes Kribbeln legte sich über ihre Haut, als seine andere Hand ihre Wange berührte. Noch immer hielt das Spiel seiner Zunge in ihrem Mund, das so zaghaft begonnen hatte, an. Es wurde fordernder, seine Atmung unbeständiger. So, wie auch in ihrem Inneren alles in Aufruhr geriet.
Auf einmal hörte er auf und murmelte: "Es tut mir leid."
Hermine rang nach Atem. "Was ist los?"
Mit einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht nahm er sie bei den Schultern und sah sie an. "Entschuldigung, Miss Granger. Das war ... Es wird nicht wieder vorkommen."
Sie schüttelte sanft den Kopf. "Sie erröten, Professor. Wer hätte das gedacht?"
Seine Brauen zogen sich finster zusammen und ihr Lächeln erstarb.
"Habe ich was falsch gemacht?"
Er blinzelte, suchte offenbar nach Worten. "Wir sollten nicht zusammen in einem Bett liegen. Das ist - es gehört sich nicht."
Jetzt war Hermine es, die irritiert war. Energisch machte sie sich von ihm frei und setzte sich auf. "Dafür ist es etwas zu spät, finden Sie nicht?"
Er antwortete nicht, sondern senkte den Blick, sodass der Ausdruck auf seinem Gesicht von seinen langen Strähnen verdeckt wurde. Hermine fröstelte und schlang die Arme um den Leib. Seine plötzliche Zurückweisung nach diesem wunderbaren Erlebnis machte ihr schwer zu schaffen.
"Ob Sie es glauben oder nicht, das war das Einzige, was wir bisher richtig gemacht haben, Professor", sagte sie verteidigend.
Er jedoch sah sie an, als wäre sie nicht bei Sinnen. Dass er anderer Meinung war, war nicht länger zu übersehen, denn eine eigentümliche Kälte ging von seinen schwarzen Augen aus. "Glauben Sie das wirklich?"
Hermine nickte. "Ja, das tue ich. Ich habe es satt, ständig nur Vorschriften zu befolgen! Ich will endlich etwas tun, was sich gut anfühlt."
Er kniff die Augen zusammen. "Und?", fragte er hart. "Hat es sich gut angefühlt? War es schön, von Ihrem Professor geküsst zu werden?"
Wie geohrfeigt starrte sie ihn an. "Das war nicht das, was ich damit zum Ausdruck bringen wollte."
Er schnaubte. Dann richtete er sich auf, bis er mit dem Rücken am Kopfende des Bettes lehnte und die Arme fest vor der Brust verschränkt hielt. "Ganz recht! Denn das, was wir getan haben, war nicht richtig. Es war auch nicht gut. Es war falsch, Miss Granger. Ebenso wie alles andere auch."
"Aber ..."
Wütend schüttelte er den Kopf. "Nein. In diesen Dingen gibt es kein Aber."
Sie blinzelte ihn hilflos an. "Doch! Das gibt es. Wir können unsere Situation nicht ändern. Aber wir können versuchen, sie erträglicher zu machen, Professor. Sie und ich, wir sind gefangene. Wir haben uns das nicht ausgesucht, sondern wurden dazu gedrängt, es soweit kommen zu lassen. Ich weigere mich, unser Los einfach tatenlos stehenzulassen, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Es sei denn, Sie versagen mir Ihre Zustimmung. Denn dann will ich nicht mehr kämpfen. Nachdem Sie jedoch zu mir kamen, um mich davon abzuhalten, eine Dummheit zu begehen, kann ich nicht länger glauben, dass ich Ihnen gleichgültig bin. Irgendetwas muss dieser Kuss bedeutet haben. Und wenn es nur ein winziger Moment war, in dem sich Ihr Herz erwärmt hat, dann ist es mir recht. Es ist besser als alles andere gewesen, was wir je miteinander hatten."
Snape sah sie sprachlos an und Hermine stöhnte genervt auf.
"Was ist? Haben Sie nicht den Mut, mir zu antworten? Kommen Sie schon! Sie scheuen doch sonst nicht davor zurück, mir etwas an den Kopf zu werfen."
Seine Mundwinkel zuckten beunruhigt. Ganz langsam, als würde er genau abwägen, was zu tun sei, nahm er die Hände hoch und fuhr sich damit durch die Haare. "Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass es nicht erlaubt ist, was wir hier tun."
"Das weiß ich", entgegnete sie unterkühlt.
"Dann hören Sie endlich auf, Dinge von mir zu fordern, die ich nicht tun darf."
Hermine legte den Kopf schief und beäugte ihn skeptisch. "Auch ich bin ein Lebewesen. Ein Mensch. Nicht anders als Sie, Professor."
Er schluckte gequält, ohne etwas darauf zu sagen, was das Unverständnis in ihrem Inneren nur noch anstachelte.
"Antworten Sie, Snape!", forderte sie aufgebracht. "Ich habe es satt mit jemandem zu schlafen, der mich wie ein Mittel zum Zweck behandelt. Im Grunde genommen bin ich sogar noch weniger für Sie, habe ich recht? Sie haben mich weder angesehen, noch berührt. So, als wäre ich Luft für Sie. Aber ich will das nicht mehr! Ich will etwas spüren. Etwas Positives. Etwas Schönes. Und als Sie mich neulich gestreichelt haben, war es so. Genauso wie mit diesem Kuss eben."
Er zuckte wie von Schmerz durchzogen zusammen. "Das bilden Sie sich nur ein, Granger! Es war nicht richtig!"
"Nein, tue ich nicht! Ich weiß genau, was ich gefühlt habe."
Ein unheimliches Grinsen legte sich über sein Gesicht, das Hermine ganz und gar nicht gefiel. „Und was haben Sie gefühlt?", fragte er ölig.
Sie rang nach Fassung. Wenn er tatsächlich vorhatte, alles unter den Tisch zu kehren, war er ein noch größeres Scheusal, als sie es ihm zugetraut hätte.
„Dass Sie mich ebenso küssen wollten, wie ich Sie", sagte sie fest überzeugt.
Einen Augenblick war es still, ehe er antwortete. „Das ist richtig. Aber es war falsch. Und deshalb ist es jetzt vorbei und darf auch nie wieder geschehen. Am besten, Sie vergessen das Ganze."
Sie riss ungläubig die Augen auf. „WAS?"
Snape presste die Kiefer aufeinander. „Miss Granger, machen Sie es nicht noch schlimmer. Unsere Situation ist schon kompliziert genug."
Sie schnaubte bitter. „Allerdings. Und das nur, weil Sie zu stur sind, um sich etwas einzugestehen."
Er zog die Brauen in die Höhe. „Ich bin was?"
„Sie haben mich schon richtig verstanden. Ihr Verhalten bestätigt wieder einmal nur, was ich immer geglaubt habe, nämlich, dass Sie nicht damit umgehen können, wenn Ihnen und Ihrem geregelten Leben etwas in die Quere kommt."
„Tatsächlich?", fragte er süffisant. „Wie überaus informativ, von Ihnen etwas über mein Leben zu erfahren."
Hermine schoss ihm einen bösen Blick zu. „Machen Sie sich nur lustig darüber. Ich wette, tief in Ihrem Inneren wissen Sie, dass ich mit meiner Theorie recht habe."
„Und worauf bezieht sich Ihre Theorie?"
„Auf Gefühle."
Er rollte theatralisch mit den Augen. „Natürlich. Gefühle!"
„Ja. Nicht meine, Professor, sondern Ihre."
Kaum hatte sie ausgesprochen, wurde es endgültig still zwischen ihnen und Hermine holte erst einmal ausgiebig Luft, ehe sie sich auf das Bett zurücklegte und ihn mit zornigen Augen betrachtete.
„Ich glaube, wir haben genug gesagt, Professor."
Er nickte matt. „Allerdings."
Hermine rollte mit den Augen.
„Was, Granger?"
„Die Zeit läuft uns davon. Wie soll es jetzt weitergehen?"
Er raufte sich die Haare und knurrte: „Woher soll ich das wissen?"
„Dann wollen Sie es also nicht tun?"
„Nein, will ich nicht."
„Verstehe", murmelte sie abwesend. „Diesmal hätte es anders werden können, wenn Sie sich eingestanden hätten, dass dieser Kuss nicht umsonst war."
„Reden Sie nicht von Dingen, deren Tragweite Sie nicht begreifen."
„Ha! Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet Sie das sagen. Ich war bereit, mich Ihnen zu öffnen, Snape. Aber wie es aussieht, ist es Ihnen lieber, mich zu ficken, wenn ich es nicht will."
Snape erstarrte. Dann, in einem plötzlichen Anflug blinder Wut, beugte er sich über sie, ergriff mit seinen dünnen Fingern ihr Kinn und hielt sie fest, sodass sie sich ungebrochen in die Augen sahen. „Sagen Sie so etwas nie wieder, Granger! Haben Sie gehört?"
Hermine schauderte. So gereizt hatte sie ihn selten erlebt. Dennoch kam sie nicht umhin, ihm die Wahrheit zu sagen, also starrte sie ihn mit aller Kraft an.
„Aber es ist wahr, Professor", flüsterte sie mit Tränen in den Augen. „Sie haben es getan. Und jetzt, wo Gefühle im Spiel sind, wollen Sie es nicht tun."
