Call it bittersweet
Kapitel 25
Confession
Als sie auf seine schwarze Rückseite starrte, die sich in Richtung Tür wegbewegte, wollte sie nicht glauben, dass das alles gewesen sein sollte. Mit ihrem ganzen Mut zwang sie sich dazu, etwas zu unternehmen, doch der Versuch, ihm zu sagen, wie bedeutsam er für sie geworden war, war eher kläglich, ihre Stimme viel zu schwach.
„Ich habe Sie vermisst, Professor."
Snape hielt inne und drehte den Kopf in ihre Richtung.
"Sagen Sie das nicht."
Hermine schüttelte sich. Alles fühlte sich plötzlich eiskalt und abweisend an.
„Ich kann nicht anders", gestand sie aufrichtig. „Ich will nicht länger mit dieser Ungewissheit leben. Es tut weh. Ich gehöre nicht hier her. Man hätte mich nie dazu zwingen dürfen, jemanden zu heiraten, für den ich nichts empfinde. Und auch dann, wenn ich das vielleicht nicht sagen sollte, weiß ich jetzt, dass in Wahrheit Sie derjenige sind, zu dem ich gehöre."
Er hob die Hand und Hermine verstummte.
"Machen Sie es nicht noch schwerer als es ohnehin schon ist. Sie haben recht. Sie gehören nicht hier her. Doch genauso wenig ist Ihr Platz bei mir, Granger. Ich kann verstehen, dass Sie durcheinander sind. Die Situation ist keinesfalls leicht."
Sie lachte bitter auf. "Ich bin nicht einfach nur durcheinander. Ich bin mit meinen Nerven am Ende."
Er räusperte sich. "Wie dem auch sei, es geht nicht anders."
Ungläubig sah sie ihn an. "Dann war es das jetzt? Sie wollen tatsächlich gehen und mich hier zurücklassen?"
Er stutzte mit hochgezogenen Brauen. "Was haben Sie erwartet? Dass ich Sie mit mir nehme? Sehen Sie sich um, Granger. Das hier ist jetzt Ihr Zuhause. Und wenn das Kind erst da ist, werden Sie nicht nach Hogwarts zurückkehren können. Machen Sie sich also mit der Tatsache vertraut, hier Ihr Leben zu verbringen."
Hermine starrte ihn wie geohrfeigt an. "Aber genau davor habe ich Angst, Professor."
Fest entschlossen, zu ihm durchdringen zu wollen, ging sie auf ihn zu und legte ihre Hand auf seinen Arm.
"Ich brauche Sie. Sie sind der Einzige, der mich verstehen kann. Draco denkt nur an sich selbst. Das Kind interessiert ihn gar nicht. Ihm geht es nur darum, nach außen hin nicht als Versager dazustehen. Der einzige Grund, warum er das durchziehen wird, ist also der, dass er Angst davor hat, jemand könnte diese Lüge enttarnen."
Snape legte den Kopf schief und sah abschätzig auf sie herab. "Wollen Sie ihm das verübeln? Es ist nicht sein Kind. Doch er wird tun, was er tun muss."
"Genau so ist es. Es ist Ihr Kind, Professor."
Sein Blick verhärtete sich. "Und was soll ich nun Ihrer Meinung nach tun?"
"Gehen Sie nicht so. Bitte. Seien Sie für mich da."
Er machte alarmiert einen Schritt zurück und Hermine ließ die Hand sinken. Die Enttäuschung über seine Reaktion stand ihr ins Gesicht geschrieben.
"Das ist unmöglich, Granger. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich nicht mehr für Sie tun kann. Haben Sie endlich ein Einsehen."
Sie rang nach Fassung. Wieder einmal ließ nichts an ihm darauf hindeuten, was tatsächlich in ihm vorging. Wie sehr sie es hasste, wenn er das tat.
„Ich habe es versucht", sagte sie leise. „Glauben Sie mir. Aber dafür ist es zu spät. Begreifen Sie denn nicht, was hier los ist? Ich hatte solche Sehnsucht nach Ihnen, dass es weh tat. Ich wollte Sie nicht nur treffen, um Sie wegen dieses Abends mit Voldemort um Hilfe zu bitten. Ich wollte Sie sehen, weil ich gehofft hatte, Sie würden dasselbe wie ich fühlen."
Snape erstarrte und Hermine setzte ein unglückliches Gesicht auf, als er nicht weiter auf ihre Worte reagierte.
"Verstehen Sie das denn nicht? Dieser Kuss zwischen uns hatte eine Bedeutung. Es musste so kommen."
Es wurde still. Langsam fuhr er sich mit den Fingern durch die Haare. Erst nach einer schieren Ewigkeit antwortete er.
"Sie können das nicht so meinen. Sie müssen sich irren."
Entschieden schüttelte sie den Kopf. "Nein. Ich war mir noch nie so sicher. Die letzten Tage habe ich ohne Unterlass an Sie gedacht. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was das zu bedeuten hat. Und dann kam mir endlich in den Sinn, warum ich mich so verloren fühle ... Warum ich Sie unbedingt sehen wollte."
"Aber das ist unmöglich, Granger. Sie und ich, das ist ... Das kann nicht funktionieren."
Sie schlang die Arme um den Leib und wendete den Blick aus dem Fenster. "Glauben Sie vielleicht, das wüsste ich nicht selbst? Weder Sie noch Draco waren je vorhergesehen, mein Leben derart durcheinander zu bringen. Aber es ist nun einmal alles anders gekommen. In einer Welt wie dieser gibt es keine Vernunft mehr. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Fest steht nur, dass sich die Dinge vollkommen anders entwickelt haben, als ich es mir je zu träumen gewagt hätte."
Urplötzlich verstummte sie wieder und er stand einfach nur stocksteif da und sah sie von der Seite her an. Hermine wagte nicht, ihm in die Augen zu blicken.
"Ich weiß, das ist kaum das, was Sie erwartet haben ..."
"Warum tun Sie sich das an, Granger?", unterbrach er sie ernst.
"Weil es die Wahrheit ist und ich es auf ewig bereuen werde, wenn ich es nicht tue. Ich fühle mich stärker zu Ihnen hingezogen, als ich es je für möglich gehalten hätte. Deshalb wollte ich Sie sehen."
Noch während sie darauf wartete, dass er irgendetwas sagen würde, spürte sie, dass sich von hinten seine Hand um ihre Hüfte legte. Mit einem Ruck zog er sie zu sich heran, sodass sie gegen seine Brust prallte und unmittelbar vor ihm zum Stehen kam. Einen Moment lang wollte sie sich von ihm losmachen, doch er hielt sie so fest in seinem Griff, dass sie unweigerlich gezwungen war, ihn anzusehen.
„Ich glaube nicht, dass Sie sich auch nur ansatzweise das Ausmaß dessen vorstellen können, was passieren würde, wenn das, was Sie sich wünschen, wahr wäre. Die Welt würde eine Beziehung wie diese niemals akzeptieren. Selbst dann nicht, wenn wir einen körperlichen Kontakt zueinander ausschließen."
Hermine sah gebannt auf sein Gesicht. Die Vielzahl an Emotionen, die sich nun darauf widerspiegelte, besagte nur zu deutlich, wie aufgewühlt er war.
„Und was denken Sie darüber?", fragte sie vorsichtig. „Denken Sie etwa genauso wie der Rest der Gesellschaft? Dass wir keine Chance haben? Dass wir nichts tun können, um uns aufeinander zuzubewegen, obwohl wir es gewagt haben, alle anderen zu hintergehen und ihnen diese Lüge aufzutischen? Obwohl wir zusammen ein Kind gezeugt haben? Was auch immer in Ihnen vorgeht, Snape, ich denke nicht, dass Sie derart abgebrüht sind, wie Sie es vorgeben."
Er presste die dünnen Lippen aufeinander. Auch seine Kiefermuskulatur arbeitete ersichtlich. „Ich denke, es wäre sehr dumm, ein derart unüberschaubares Risiko einzugehen", murmelte er angestrengt hervor.
Ein ungeahnter Triumph machte sich in ihrem Inneren breit. Sanft schüttelte sie den Kopf. „Sie spionieren für Dumbledore den gefährlichsten Psychopathen unserer Zeit aus und wollen mir erzählen, Sie stehen nicht auf Risiko? Ich glaube Ihnen kein Wort, Professor."
„Das müssen Sie auch gar nicht, Granger, denn ich kann nicht verantworten, dass Sie sich noch tiefer in diese Sache verstricken."
„Mein Leben ist so oder so schon ruiniert."
„Mag sein. Aber es ist Ihre Pflicht, an die Zukunft Ihres Kindes zu denken." Er ließ von ihr ab. „Denken Sie darüber nach, Miss Granger. Guten Tag."
Mit schnellen Schritten entfernte er sich von ihr und ließ sie stehen, während sie ihm verdutzt nachblickte.
Zugegeben, so hatte sie sich das Gespräch mit ihm nicht vorgestellt. Was auch immer das zu bedeuten hatte, Hermine konnte sich kaum vorstellen, dass das wirklich das war, was er wollte. Doch was konnte sie anderes von ihm erwarten? Seine Worte klangen rationell und berechnend, nicht mehr, nicht weniger.
Fieberhaft zerbrach sie sich den Kopf darüber, ohne zu einen Ergebnis zu kommen. Hinzu kam die unheimliche Angst davor, wie sie es schaffen sollte, einen ganzen Abend lang inmitten Voldemorts Gesellschaft und der seiner Todesser durchzustehen.
