13. April 2014 houseghost burdenofimpurity

Call it bittersweet

Kapitel 27

In schlechter Gesellschaft

Bis zum bevorstehenden Abend hatte Hermine sich in ihrem Zimmer verkrochen und überlegt, was sie tun konnte, um diese Begegnung zu vermeiden, doch so sehr sie sich auch damit auseinandersetzte, es hatte keinen Zweck. Voldemort zu erklären, dass sie sich unwohl fühlte und deshalb nicht an einem Treffen mit ihm teilnehmen konnte, wäre sinnlos.

Nervös schlüpfte sie in das Kleid, das Narcissa eigens für ihren großen Auftritt für sie besorgt hatte. Dann stieg sie die breite Marmortreppe hinunter, die sie in die Empfangshalle von Malfoy Manor führte, wo sie auch schon von ihrer Schwiegermutter erwartet wurde.

"Wo hast du nur so lange gesteckt, Kind? Der Dunkle Lord wird jeden Augenblick hier sein ..."

"Lass gut sein, Narcissa. Er ist bereits hier."

Hermine stockte der Atem, als sie Voldemorts kalte Stimme hörte. Vollkommen gebannt starrte sie auf sein Gesicht und bemühte sich dabei, seinen unmenschlichen Augen auszuweichen, während Narcissa eine unbeholfene Verbeugung andeutete.

"Mein Herr ..."

Voldemort hob die Hand und winkte sie mit seinen knochigen Fingern beiseite, damit er ungebrochen auf die junge Frau sehen konnte, die den hoffnungsvollen Erben der Malfoys in sich trug.

Hermines Herz pochte ihr bis zum Hals. Was, wenn Snape sich irrte? Wie wichtig konnte sie schon für Voldemorts Pläne sein? Wenn das stimmte, was sie in all den Jahren über ihn in Erfahrung gebracht hatte, würde ein winziger Moment des Zweifels genügen und ihre Lüge enttarnen. Und was dann passieren würde, wollte sie sich lieber nicht vorstellen, schließlich stand nicht mehr nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel.

Zum Glück blieb ihr keine Zeit, um lange darüber nachzusinnen, denn Voldemort schien anderes im Sinn zu haben, als sich mit ihrer unwürdigen Gegenwart abzugeben, womit er kurzerhand ins Esszimmer hinüberglitt.

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„Es wird Zeit, den Mitarbeitern des Ministeriums genauer auf die Finger zu sehen", verkündete der Dunkle Lord würdevoll. „Das wird deine Aufgabe sein, Pius."

Thicknesse nickte beklommen. "Ja, mein Herr."

Voldemorts Kopf zuckte zur Seite, als Zeichen dessen, dass er noch längst nicht fertig war. "Gewiss wirst du dabei nicht alleine vorgehen. Yaxley wird dir seine Unterstützung anbieten, damit wir sichergehen können, dass niemand unsere Absichten infrage stellt. Sollten also besagte Muggelfreunde aus den niederen Abteilungen nicht mit uns kooperieren und die Durchsetzung unserer Reformen behindern wollen, sehe ich mich leider gezwungen, sie zu entlassen."

Thicknesse setzte ein schmales Lächeln auf. „Es ist beinahe ein Jammer, dass heute niemand mehr Traditionen pflegt. Ich bin sicher, die Betroffenen werden ein Einsehen haben."

„Ah. Gut, dass du das sagst. Fragen wir doch in unseren eigenen Reihen nach, was beispielsweise der gute Severus dazu zu sagen hat. Ich kann mich erinnern, dass auch er einen Moment lang versucht war, vom rechten Weg abzukommen."

Voldemort ließ seine Augen zu Snape hinübergleiten, der ihn mit einem emotionslosen Ausdruck ansah.

„Mein Lord?"

Hermine hielt den Atem an, während sie die beiden vorsichtig taxierte. Dass sie selbst muggelgeboren war, war allen Anwesenden bewusst. Doch wieso war es so wichtig für Voldemort, dass ausgerechnet sie das Kind eines reinblütigen Zauberers gebären sollte? Ihre Herkunft stand im direkten Widerspruch zu seinem Hintergedanken, eine traditionsbewusste Gesellschaft aus reinblütigen Zauberern hervorzubringen.

„War da nicht diese Schlammblüterin, um deren Leben du mich angefleht hast?"

Snape nickte knapp, ließ jedoch immer noch keine Regung auf seinem starren Gesicht erkennen.

„Es war ein Irrtum, mein Lord."

Zutiefst schockiert versuchte Hermine, aus dem Ausdruck ihres Professors schlau zu werden. Doch da war nichts. Keine Regung, keine Schwankung in seiner Stimme. Nur abweisende Kälte, die besagte, dass ihm das Muggel-Thema zuwider war.

Unweigerlich keimte Wut in ihr auf. Dennoch sagte ihr irgendetwas, dass das, was er geäußert hatte, nicht das war, was er in Wahrheit von sich geben wollte.

Voldemort wirkte zufriedengestellt. „Wir wissen ja alle, wie die Geschichte ausgegangen ist."

Verhaltenes Gelächter machte sich im Esszimmer breit. Zugleich lief Hermine ein eisiger Schauder den Rücken hinunter, denn obwohl sie nicht wusste, von wem die Rede war, war ihr doch sehr wohl bewusst, dass die betroffene Person höchst wahrscheinlich nicht mehr am Leben war.

In ihrem Inneren regte sich ein kaum noch zu unterdrückender Widerstand. Und das nicht nur, weil sie das Gefühl hatte, dass Snape diese Demütigung in ihrem Beisein wesentlich schlimmer zu ertragen fand, als wenn sie nicht hier gewesen wäre. Wenn das stimmte, was er gesagt hatte, war das Leben dieser Frau für ihn ohne Bedeutung gewesen. Aber was sollte sie tun? Weder sich selbst noch jemand anderem würde es helfen, ihren Unmut kundzutun. Sie wusste, dass sie tot wäre, bevor sie zu Ende gesprochen hätte. Das Einzige, was sie tun konnte, war, Mr. Weasley bei der erstbesten Gelegenheit eine Warnung zukommen zu lassen. Er war auf seine Stelle angewiesen. Außerdem wollte sie besser nicht darüber nachdenken, was geschehen würde, wenn niemand mehr im Ministerium sich für die Belange muggelstämmiger Zauberer einsetzte.

„Nun denn", fuhr Voldemort genüsslich fort, „die Angelegenheit liegt einige Jahre zurück. Ich bin froh, dass du deinen Fehler erkannt hast, Severus. Es wäre wirklich bedauernswert gewesen, dich nicht mehr an meiner Seite zu wissen." Urplötzlich verstummte er und erhob sich. "Komm mit mir, Severus. Wir haben etwas zu besprechen."

Bellatrix Lestrange starrte ihren Herrn mit großen Augen an. "Seid Ihr sicher, mein Lord, dass Ihr ihn in Euer Vertrauen ziehen wollt? Draco hat bisher nicht unbedingt Fortschritte gemacht."

Voldemort setzte ein unheimliches Grinsen auf, das Hermine die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Beinahe hatte sie Mitleid mit Draco, der ebenso wie sie den ganzen Abend über kein Wort gesagt hatte.

"Kümmere du dich um deine Angelegenheiten, Bellatrix", zischelte Voldemort ungerührt.

Sofort senkte sie beleidigt knurrend den Blick auf die blank polierte Tischplatte, woraufhin Voldemort sich erhob und Snape ihm mit lautlosen Schritten aus dem Esszimmer folgte.

Was auch immer hier vor sich ging, behagte Hermine ganz und gar nicht. Das Gefühl, den Professor in der Gegenwart dieses Psychopathen zu wissen, war mehr als eigenartig. Immerhin hatte er sie für einige Jahre unterrichtet. Doch seine Worte gingen ihr nicht mehr aus dem Sinn. Wie konnte er nur so kalt über ein Menschenleben reden?

Alles in ihr war komplett auf den Kopf gestellt. Sie wusste zwar, dass das Haus voller Todesser war, dennoch verspürte sie den unbändigen Drang, mit jemandem zu reden. Jemandem, der über ihre Lage Bescheid wusste, jemandem, von dem sie immer noch verzweifelt hoffte, dass sie ihm vertrauen konnte. So wie Snape. Er und Voldemort waren vor etwa zwanzig Minuten in einem der Nebenräume verschwunden. Ihr jedoch kam es wie eine gefühlte Ewigkeit vor. Am Tisch herrschte eine angespannte Atmosphäre, dennoch fanden offenbar einige der Todesser Gefallen daran, über das, was zwischen Snape und ihrem Herren im Gange war, zu spekulieren. Was sie zu hören bekam, war grausam. Aber so war es nun einmal in diesen Kreisen; und so fasste sie einen Entschluss. Noch länger hier auszuharren, hätte keinen Sinn. Sie wollte unbedingt ihren Professor sehen und es wenn nötig riskieren, darauf zu warten, ihn alleine anzutreffen.

Hilfesuchend wandte sie sich an Narcissa. Dass die beiden einander nicht leiden konnten, war kein Geheimnis. Trotzdem war sie die Einzige im ganzen Haus, die Erfahrung damit gemacht hatte, was es hieß, schwanger zu sein. Umso erleichterter war Hermine, als ihre Bitte, sich zurückziehen zu dürfen, Gehör fand. Natürlich war Bella nicht angetan davon, doch Narcissas Beharrlichkeit, für das Wohl des ungeborenen Nachwuchses zu sorgen, setzte sich am Ende durch. Und so verließ Hermine die versammelte Gesellschaft.

Ihr ganzer Körper fühlte sich wie gelähmt an aufgrund der Anspannung. Doch es war ihr gleich. Wenn sie nicht bald die Gelegenheit bekäme, mit Snape darüber zu sprechen, was er gesagt hatte, konnte sie für nichts mehr garantieren.

Unbemerkt schnappte sie sich ihren Wintermantel, schlich aus dem Haus und hinaus in die Dunkelheit. Dort versteckte sie sich in der Nähe des Gartenhäuschens und wartete.