Call it bittersweet
Kapitel 29
Fortschritte
Bei all den Problemen, die sie umgaben, wurde Hermine bewusst, dass sie sich auf die kleinen Fortschritte konzentrieren musste, die sie im gemeinsamen Umgang mit ihm erzielte. So wie in dieser Nacht. Zum ersten Mal verspürte sie den Drang, ihn innig bei sich haben zu wollen.
Ohne viele Worte befreiten sie sich aus ihren Sachen, standen nackt voreinander und betrachteten sich gegenseitig. Ihre Hände glitten interessiert über seinen Körper und erkundeten Zentimeter für Zentimeter seine Haut.
Eine sanfte Erregung machte sich in seinem Unterleib bemerkbar und Hermine drückte sich an ihn und fand sich in seinen Armen wieder. Genauso wie sie es sich vorgestellt hatte.
Ermutigt griff sie nach seiner Hand und zog ihn mit sich auf das Bett nieder. Dort lagen sie und sahen sich an.
„Ich glaube nicht, dass Sie so kalt sind, wie Sie in Voldemorts Beisein getan haben, Professor", bemerkte sie vorsichtig. Der Drang, dahinter zu kommen, was sein Verhalten zu bedeuten hatte, war nach wie vor ungebrochen, schließlich wollte sie ihm vertrauen, bevor sie es wagen konnte, sich noch tiefer auf ihn einzulassen.
Er stützte den Kopf auf die Hand und legte seinen Zeigefinger auf ihre Lippen. „Trotzdem kann ich Ihnen nicht sagen, worum es ging. Bitte akzeptieren Sie das. Es hat nichts mit Ihnen zu tun, Granger."
Hermine nickte abwesend. „Das habe ich mir schon gedacht. Doch ich hatte gehofft, Sie würden in Anbetracht der Umstände eine Ausnahme machen."
Snape seufzte tief. „Ich habe schon zu viele Ausnahmen gemacht. Und jede Einzelne davon hat uns nur noch mehr in Schwierigkeiten gebracht."
Sie stutzte. Es hatte wohl keinen Sinn, weiter nachzuforschen, wenn er nicht bereit war, auf sie zuzugehen.
„Professor, was glauben Sie, wieso Voldemort unbedingt mich als Dracos Frau haben wollte?"
„Weil Sie klug und begabt sind."
Irritiert blinzelte sie ihn an. „Ist das alles?"
„Es genügt."
„So einfach ist das?"
„In Wahrheit ist es viel komplizierter, Granger. Viele der ältesten Zaubererfamilien sind dem Wahnsinn verfallen, reines Blut in ihren Adern haben zu wollen. Einige von ihnen sind ausgestorben, weil sie keinen Nachwuchs hatten, andere haben sich schlichtweg geweigert, sich mit ihrer Ansicht nach unwürdigen Vertretern der Gesellschaft einzulassen. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass es sowohl moralisch als auch erblich gesehen nicht gerade förderlich ist, über Generationen hinweg immer wieder die gleichen Familien miteinander in Verbindung zu bringen."
Sie schluckte. „Ich hab mal was darüber gelesen. Aber dass es mich selbst in diesem Maße betreffen würde, hätte ich nie für möglich gehalten."
„Niemand konnte das wissen. Sie sind eine außergewöhnliche Hexe. Das ist der Grund, warum Sie sein Interesse geweckt haben."
„Und wenn ich seinen Erwartungen nicht entspreche? Was dann?"
„Dann wird er auf einem anderen Weg versuchen, sein Ziel zu erreichen. Er wird ein neues Paar finden, dessen Leben er ruinieren kann."
„Sie meinen, er würde Draco und mich beseitigen. Ist es das?"
Er zuckte mit den Schultern. „Vermutlich."
Hermine starrte ihn an. „Das ist alles so unwirklich, Professor! Gibt es denn nichts, das ihn aufhalten kann?"
„Er ist unsterblich", antwortete er trocken. „Und solange er das ist, liegt der Vorteil auf seiner Hand. Wir hingegen sind nur dazu da, ihm zu dienen und ihn zu unterhalten."
„Denken Sie das wirklich?"
„Was ich denke, spielt keine Rolle, Granger", murmelte er gelangweilt. „Das habe ich Ihnen schon einmal gesagt."
„Aber dennoch versuchen Sie, ihn zu bekämpfen."
„Darüber möchte ich nicht reden."
„Warum nicht?"
„Weil ich es mir nicht leisten kann, mich noch tiefer in diese Sache zu verrennen."
Hermine runzelte skeptisch die Stirn. „Welche Sache?"
Er sah sie eindringlich an. „Die Tatsache beispielsweise, dass Sie nackt in meinem Bett liegen."
Ohne Vorwarnung beugte er sich über sie und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. Mindestens genauso schnell ließ er wieder von ihr ab und legte sich auf das Bett nieder.
„Stellen Sie keine weiteren Fragen, Granger. Mir ist nicht danach zumute, das zu vertiefen."
Enttäuscht schüttelte sie den Kopf. „War das alles? Nur ein Kuss, mehr nicht? Sie können einen wirklich eiskalt in der Luft hängen lassen, Professor."
Ein schmales Grinsen tauchte auf seinem Gesicht auf. „Das gehört dazu, wenn man in meiner Position ist."
„Dann nehmen Sie also mit, was geht, während alle anderen im Ungewissen bleiben", bemerkte sie leicht gekränkt.
Seine Brauen rutschten in die Höhe. „Sie klingen ganz so, als wären Sie eifersüchtig."
Hermine schnaubte. „Vielleicht bin ich das ja. Woher soll ich wissen, was Sie so treiben, während ich fast vor Sorge umkomme, weil in meinem Bauch ein Baby von Ihnen heranwächst."
Snape stöhnte leise auf. „Hören Sie zu, Granger, was auch immer Sie jetzt wieder vorhaben, lassen Sie es, in Ordnung? Ich habe Ihnen keine Versprechungen gemacht, für Sie da zu sein. Trotzdem bemühe ich mich, Sie nicht einfach zu ignorieren, obwohl ich das am liebsten täte, weil es sehr gefährlich für mich ist, mich auf Sie zuzubewegen."
Sie rollte überzogen mit den Augen. „Oh, aber natürlich! Ich habe ganz vergessen, dass Sie nicht auf Risiken stehen."
Er schüttelte den Kopf. „Sie haben ja keine Ahnung. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich sofort alles aufgeben und mich zurückziehen."
„Aber die haben Sie nicht", bemerkte sie kleinlaut. Auch ihretwegen.
„Ganz recht."
Hermine richtete sich auf und beugte sich über ihn. Innig sah sie ihm in seine schwarzen Augen.
„Tut mir leid. Ich wollte bestimmt nicht undankbar sein. Sie haben weitaus mehr für mich getan, als ich je zu hoffen gewagt hätte. Aber trotz allem bin ich immer noch sehr verunsichert, wie es weitergehen wird."
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare. „Damit sind Sie nicht allein. Ich habe keine Ahnung, wohin das führen soll, Granger."
Hermine legte ihren Kopf auf seine Brust und kuschelte sich an ihn. „Vielleicht sollten wir es langsamer angehen lassen. Ich meine, es ist eher unüblich, zuerst ein Kind zu zeugen und sich dann kennenzulernen. In den meisten Fällen läuft es anders."
Ein amüsiertes Schnauben entfuhr ihm. Zugleich legte er den Arm um sie.
„Was Sie nicht sagen."
Sie drehte den Kopf und blickte ihn an. „Wenn wir so wie jetzt weiter machen, sind wir auf dem besten Weg, uns nicht dauernd zu streiten."
„Das wäre ein glattes Wunder."
„Ich denke, dass es machbar ist."
Langsam rollte sie sich mit ihrem nackten Körper auf ihn, während er sie abschätzig musterte.
„Was soll das werden, Granger?"
Ein schelmisches Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Ich würde gerne herausfinden, ob ich recht hatte."
Er zog die Brauen hoch. „Womit?"
„Mit meiner Vermutung von neulich."
Leise schnaubend verdrehte er die Augen. „Ich will es vermutlich gar nicht wissen."
„Es ist nur logisch, dass Sie so reagieren, schließlich sind Sie immer noch mein Professor. Doch ich wette, in Wahrheit stehen Sie anders dazu. Im Grunde genommen tun das doch alle Männer."
Noch während er sie mit einem strengen Blick betrachtete, nahm er seine Hände und umfasste damit ihr Gesicht, bis sie sich ungebrochen ansahen.
„Bilden Sie sich ja nicht ein, dass Sie mit dieser Tour bei mir Erfolg haben werden, Granger. Ich arbeite schon zu lange in diesem Gewerbe, als dass ich mich von den Reizen junger Frauen dazu hinreißen lassen würde, meine Prinzipien über den Haufen zu werfen."
Hermine lachte leise auf. „Das mag ja sein. Aber wie es aussieht, hat Ihr kleiner Freund da unten eine andere Einstellung als Ihr Kopf."
Ohne Vorwarnung packte er sie an den Hüften und rollte sich mit ihr herum, sodass er auf ihr lag.
Hermine schauderte. Sein von den langen Strähnen verhangenes Gesicht war nur noch wenige Zentimeter von ihrem entfernt. Ein unbeschreibliches Feuer loderte in seinen schwarzen Augen, das ihr das Gefühl vermittelte, weiter zu ihm durchdringen zu wollen, um das, was in diesem Moment unmittelbar vor ihnen lag, nicht zu versäumen. Noch dazu kam, dass sie deutlich spürte, wie sehr er selbst darauf brennen musste, es mit ihr zu tun, obwohl er natürlich das Gegenteil behauptete.
„Wenn Sie anderer Ansicht sind, brauchen Sie es nur zu sagen, Professor", flüsterte sie sanft. „Doch an Ihrer Stelle würde ich das hier nicht ruinieren. Nicht jetzt, wo wir so weit gekommen sind."
Er schluckte. Kurz darauf senkte er den Kopf und drückte seine Lippen begierig auf ihre.
In Hermine überschlug sich alles. Sie erinnerte sich an den Kuss, den er ihr auf Malfoy Manor gegeben hatte, sowie daran, wie sehr sie sich insgeheim danach gesehnt hatte, dass es wieder so sein würde.
Inniglich flehend kam sie ihm entgegen und nahm ihn voll und ganz in sich auf. Seine dünnen Lippen, seinen vertrauten Atem, seine wilde Zunge; ihr ganzer Körper war bereit, ihm zu gehören. Und als er sich dann auf ihr positionierte und mit einem tiefen Grollen in sie eindrang, war ihr, als hätte es schon früher genau so sein sollen.
