Call it bittersweet

Kapitel 31

Pain

"Sehnsucht, Granger?"

Sie setzte ein unschuldiges Grinsen auf. Der verruchte Unterton in seiner Stimme hatte etwas an sich, das ihre Knie weich werden ließ.

"Schon möglich, Professor."

Er zog die Brauen in die Höhe und Hermine räusperte sich.

"Und? Lassen Sie mich rein?"

Gelassen faltete er die Finger vor dem Körper ineinander, als würde er es genießen, sie warten zu lassen. "Das kommt ganz darauf an. Wieso sind Sie hier?"

"Ich möchte reden."

"Ah. Dann spricht wohl nichts dagegen."

Schon trat er beiseite und Hermine schlüpfte ins Innere seines Wohnzimmers. Ohne auf seine Aufforderung zu warten, setzte sie sich auf das Sofa und machte es sich mit angezogenen Beinen darauf bequem, während er sie abschätzig musterte.

"Wie ich sehe, fühlen Sie sich ganz wie zu Hause, Granger. Kann ich Ihnen vielleicht einen Kaffee anbieten?"

Der übertriebene Ausdruck auf seinem Gesicht amüsierte Hermine sichtlich, sodass sie lediglich den Kopf darüber schüttelte. "Nein danke. Ich verzichte lieber darauf. Sie wissen ja, das Baby …"

"Ein Schluck Kaffee wird Sie schon nicht umhauen."

"Trotzdem." Sie seufzte. "Es wäre leichter, sich zu unterhalten, wenn Sie sich setzen, meinen Sie nicht?"

Er rollte mit den Augen. "Ich bin mir nicht sicher. Wir wollen doch nicht, dass sich das Baby erschrickt."

"Unsinn, Professor. Sie sind der Vater. Es wird sich schon an Sie gewöhnen."

"Der Vater wird Draco sein, Miss Granger. Ich bin nur der Erzeuger. Das ist etwas ganz anderes."

Hermine klopfte auffordernd mit der Handfläche auf das Polster. "Seien Sie nicht albern. Setzen Sie sich zu mir."

Snape schwebte langsam zum Sofa und ließ sich darauf nieder. Dann holte er Luft. "Ich weiß nicht, wieso Sie heute so gut gelaunt sind. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten, von denen Sie mir berichten wollen? Zwillinge zum Beispiel?"

Sie schüttelte den Kopf. "Das müssen die Hormone sein. Sie wissen ja, ein ständiges Auf und Ab. Ich glaube, insgeheim wollte ich Sie einfach nur sehen und mich davon überzeugen, dass es Ihnen gut geht."

Langsam schob er seine Hände durch die Haare, als wüsste er nicht so recht, wie er darauf reagieren sollte. "Wie umsichtig von Ihnen."

Hermine nickte kommentarlos und wollte sich an seine Schulter lehnen, was nicht weiter ungewöhnlich war, wenn man bedachte, was sie zusammen schon alles durchgestanden hatten.

Sofort versteifte sich sein ganzer Körper. Obwohl unschwer zu übersehen war, dass sie über alle Maßen erschöpft wirkte, schien er nicht davon angetan zu sein, ihr zu nahe zu kommen.

"Was glauben Sie, was das wird? Ich denke, unter diesen Umständen wäre es das Beste, wenn Sie wieder gehen."

Überrumpelt von seinem unfreundlichen Tonfall blinzelte sie zu ihm hoch. "Mir ist keinesfalls nach einer Auseinandersetzung mit Ihnen zumute. Harry hat fürchterlich mit mir gestritten, Professor."

"Ah, deshalb kommen Sie zu mir", bemerkte er sarkastisch. "Dabei sollten Sie längst wissen, dass ich nicht als Seelentröster tauge."

"Wo soll ich sonst hin?", fragte sie vorwurfsvoll.

"Rein rechtlich gesehen gehören Sie an die Seite Ihres Mannes."

"Ja. Nur leider interessiert sich der kein Bisschen für mich."

"Haben Sie es denn versucht? Haben Sie in letzter Zeit mal eingängiger mit ihm gesprochen?"

Sie nickte. "Und wie ich es versucht habe. Aber sobald es um das Baby geht, will er nichts mehr davon wissen."

"Dann sollten Sie über etwas anderes mit ihm reden. Vielleicht ist das ja nicht das geeignete Gesprächsthema, um mit ihm warm zu werden."

"Es ist aber nun einmal das Thema, das mein Leben im Moment am meisten im Griff hat. Ich bin noch viel zu jung, um ein Kind zu bekommen."

Snape seufzte angestrengt. "Miss Granger, bedaure, doch auch ich kann nichts weiter für Sie tun."

"Natürlich können Sie das. Leisten Sie mir Beistand. Nehmen Sie mich in die Arme und sagen Sie mir, dass alles gut werden wird."

Mit hochgezogenen Brauen legte er seine Hände auf ihre Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen. "Es wird alles gut, Granger."

Hermine starrte ihn an. Dann, vollkommen aufgelöst, schüttelte sie den Kopf. "So wird das nichts. Sie müssen sich schon etwas mehr Mühe geben, Professor. Im Beisein von Voldemort hat es doch auch geklappt."

Ungläubig schüttelte er den Kopf. "Ihn habe ich ja auch nicht geschwängert."

"Genau das ist das, was ich gemeint habe. Sie schaffen es, ihn aufs Kreuz zu legen, wohingegen Sie bei mir kläglich versagen."

"Wie es aussieht, sind wir wieder einmal da angelangt, worüber ich keinesfalls mit Ihnen diskutieren möchte. Ist Ihnen noch nie in den Sinn gekommen, dass Ihre Erwartungen an mich zu hoch sind? Ich bin eben nicht dafür gemacht, mich mit Ihnen abzugeben. Sie sind viel zu jung. Ich hingegen bin fast zwanzig Jahre älter, Granger. Ganz abgesehen von dem Umstand, dass ich nie in diese Rolle gedrängt werden wollte."

"Was für eine Rolle? Wovon sprechen Sie überhaupt?"

"Von der Vaterrolle, die Sie mir aufzwängen wollen."

"Aber das tue ich doch gar nicht", wehrte sie energisch ab.

Er hob die Brauen an. "Nein? Warum sind Sie sonst hier? Ich habe mich bemüht, Ihnen so gut es ging entgegenzukommen. Aber es funktioniert nicht. Streng genommen ist es auch nicht meine Aufgabe, mich um Sie zu kümmern."

Entsetzt starrte sie ihn an. „Ist Ihnen klar, was Sie da sagen? Sie sind mein Professor. Und der Vater meines ungeborenen Kindes!"

Snape verzog die Mundwinkel, ohne darauf einzugehen. "Am besten, Sie gehen jetzt augenblicklich zurück in Ihren Turm. Von mir aus auch zu Draco, es ist mir gleich. Ich werde Sie nicht aufhalten, das zu tun, wonach Ihnen ist. Machen Sie das Beste daraus. Nur hören Sie auf, mich zu belästigen oder mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen."

Hermine sperrte den Mund auf. Eine Träne formte sich in ihren Augenwinkeln. "Wie können Sie nur so kalt sein?"

„Das ist die Realität", sagte er steif. „In Anbetracht Ihrer Zukunftsaussichten sollten Sie sie akzeptieren."

„So wie Sie das getan haben?", stieß sie wütend aus.

Snape stutzte verunsichert. „Pardon?"

„Tun Sie nicht so unschuldig! Was ist damals mit dieser Frau passiert, dass Sie so verbittert und zurückweisend geworden sind? Dass Sie so über Sie gesprochen haben, als hätte sie keine Bedeutung für Sie gehabt, obwohl ich spüren konnte, dass alles nur gelogen war. Wer war es? Wer hat Ihr Herz derart vereist, dass Sie nur noch existieren, um Voldemort zu zerstören, während das Leben an Ihnen und Ihrem Dasein in den Kerkern dieser Schule vorbeizieht?"

Mit zornigem Blick zischte er sie an, das Gesicht von etlichen langen Strähnen verhangen. "Sie haben kein Recht, so über mich zu reden, Granger. Das muss ich mir nicht von Ihnen bieten lassen."

Hermine schüttelte gekränkt den Kopf. "Genauso wenig, wie Sie das Recht haben, mich einfach fortzuschicken. Es geht hier um viel mehr als nur meine Angst. Sehen Sie denn nicht, dass ich Sie brauche? Ich habe mich lange dagegen gewehrt, es mir einzugestehen. Aber jetzt ist es zu spät, um noch etwas daran zu ändern. Meine Gefühle in Bezug auf Sie haben sich gewandelt. Ich will bei Ihnen sein, weil ich Sie schätze und weil ich Sie achte. Weil ich Sie auf eine verklärte Art lieben gelernt habe. Und weil Sie der rechtmäßige Vater für dieses Kind sind, das in mir heranwächst."

Eine eigenartige Stille breitete sich zwischen ihnen aus und Hermine senkte den Blick auf seine unruhig bebende Brust. Sie wusste nicht weiter. Ihr war klar, dass es falsch gewesen war, das zu sagen. Seine Worte jedoch hatten Panik in ihr ausgelöst, dass sie am Ende ganz alleine mit der Last zurechtkommen musste, die auf ihren Schultern ruhte.

Snape schluckte hart. "Sagen Sie nicht, Sie hätten gehofft, ich würde mich von Ihnen dazu überreden lassen, mit Ihnen zusammen zu sein", murmelte er zwischen eng aufeinander gepressten Kiefern hervor.

Sie nickte. "Doch. Genau das wollte ich damit andeuten. Was wir auf uns genommen haben, muss nicht umsonst gewesen sein. Ich habe noch nie zuvor so empfunden. Und ich bin nicht bereit, Sie aufzugeben, solange Sie mir nicht ausdrücklich gesagt haben, dass ich Sie für immer und alle Zeiten in Ruhe lassen soll."

Der Ausdruck auf seinem zerfurchten Gesicht wurde schlagartig unleserlich, sodass sie fröstelte. "Sie wollen das doch nicht, oder?", fragte sie mit schwacher Stimme. "Professor, bitte, antworten Sie."

Snape öffnete langsam den Mund. "Gehen Sie, Granger. Sie haben genug gesagt. Nicht nur, dass Sie mich und jemanden, der mir sehr nahe stand, beleidigt haben. Nein. Sie waren auch noch so dreist, mir Ihre Gefühle aufzuerlegen."

Er sah sie durchdringend und mit abwehrender Haltung an, sodass sie dadurch nur noch mehr verunsichert wurde.

„Sie wollen mich tatsächlich fallen lassen?"

„Wie Sie bereits bemerkt haben, existiere ich nur zu einem Zweck. Daher ist für derartige Ablenkungen, wie Sie sie mir dargeboten haben, kein Platz in meinem Leben, weshalb ich Sie ausdrücklich bitten muss, zukünftig davon Abstand zu nehmen, zu mir kommen. Sie sind meine Schülerin und haben hier nichts verloren. Vergeben Sie mir, dass ich so nachlässig war, Sie in meine Wohnung zu lassen. Etwas Derartiges wird nicht mehr vorkommen."

„Dann ist es Ihnen gleich, was ich fühle?", bemerkte sie ungläubig.

Blitzschnell kam er auf die Beine und sah mit einem Ausdruck purer Kälte auf sie hinab.

„Gefühle können uns in die Irre führen. Ich habe nicht gesagt, dass Sie sich dem erstbesten Freier an den Hals werfen sollen, der Ihren Weg kreuzt. Das war alleine Ihre Entscheidung, denn Sie kamen zu mir, wenn Sie sich erinnern. Abgesehen davon sollte sich niemand, der in einer Lage wie der unsrigen steckt, dazu hinreißen lassen, dem nachzugeben. Vor allem aber steht es Ihnen nicht zu, im Zusammenhang mit mir von derart tiefgründigen Dingen wie Liebe zu reden, Granger. Das, was Sie geäußert haben, ist in Bezug auf meine Person respektlos und dreist. Sie sind wohl durch die Schwangerschaft zu stark von Ihren Hormonen beeinflusst, um klar denken zu können. Daher werde ich für dieses eine Mal ein Nachsehen mit Ihnen und Ihren freizügigen Worten haben. Das nächste Mal sehe ich mich jedoch gezwungen, anders mit Ihnen zu verfahren."

„Sie halten mich für eine Hure?" In Hermine drehte sich alles. Selten hatte sie sich so kraftlos und bloßgestellt gefühlt. In einem Anflug blinder Wut kam sie auf die Beine und sah ihm in die Augen. Dann schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. „Das war für die Sache mit dem Freier, Professor."

Seine Brauen zogen sich zusammen, doch abgesehen davon regte er sich nicht. Die einzig nennenswerte Reaktion seinerseits war ein scharfes "Hinaus", das er mit nahezu unbeweglichen Lippen hervorbrachte.

Hermine aber achtete nicht weiter darauf. Sie konnte nicht glauben, dass sie das getan hatte und sackte fassungslos vor ihm auf das Sofa zurück. "Sie sind das herzloseste Wesen, dem ich je begegnet bin", wimmerte sie mit Tränen in den Augen. Ihr war unbegreiflich, wie er nur so kalt sein konnte. Doch um sich über die Konsequenzen ihrer Handlung im Klaren zu sein, war sie zu aufgewühlt.

Er presste hart die Kiefer aufeinander. "Erzählen Sie das jemand anderem."

Sie schüttelte kraftlos den Kopf. "Ich weiß nicht, was ich tun soll, Snape. Es ist alles weitaus komplizierter als es den Anschein hat."

"Das berechtigt Sie noch lange nicht dazu, Ihren Lehrer zu schlagen."

"Sehen Sie es denn nicht?", stieß sie kopfschüttelnd aus. "Sie sind mehr für mich als das."

Endlich schienen ihre Worte Gehör zu finden. Doch seine Reaktion war nicht das, was sie erwartet hatte. Blanker Hass durchzog seine schwarzen Augen, während er reglos vor ihr stand und die Hände fest an den Körper gedrückt hielt, um nicht auszurasten. Eine ganze Weile stand er so da und sah auf sie hinab.

"Sie sind ein bedauernswerter Lügner, Snape."

Seine Kiefermuskeln arbeiteten, dennoch sagte er kein Wort.

"Ich glaube Ihnen nicht, dass ich nur eine Ablenkung für Sie war. Hören Sie?"

Hilflos blickte sie auf und musste erkennen, dass seine Nasenflügel vor Zorn zitterten.

"Warum nicht?", fragte er mit brüchiger Stimme. "Haben Sie nicht selbst gesagt, ich hole mir das, was ich will?"

"Nein! Sie haben es bis zuletzt verabscheut, das mit mir zu tun. Nur ein einziges Mal wollten Sie, dass ich mit Ihnen schlafe. Und das war echt. Es war, wie es schon immer hätte sein sollen."

Hätte sie auch nur geahnt, was in ihm vorging, hätte sie begriffen, wie unerträglich es für ihn war, sie so flehentlich vor sich sitzen zu sehen. Genauso, wie er selbst damals vor dem Portrait der Fetten Dame gekauert und gehofft hatte, dass der einzige Mensch, der ihm je etwas bedeutet hatte, ihn erhören und ihm vergeben würde. Es quälte ihn. Zugleich konnte er nicht verstehen, wie sie es wagen konnte, ihn zu schlagen. Doch Hermine konnte all das nicht wissen. Sie sollte es auch nie erfahren. Er wollte nicht, dass jemand mitbekam, was vor so langer Zeit begonnen hatte, als er alles verloren hatte.

Ahnungslos wischte sie sich derweil mit dem Ärmel über das Gesicht, um die Tränen einzudämmen, die ihr in die Augen schossen. Doch es half nichts, sofort war ein neuer Schwall zur Stelle. "Sagen Sie mir eins, Professor. Diese Frau - was ist mit ihr passiert?"

In ihm arbeitete es. Und so sah er sie abschätzig an, ohne etwas darauf zu erwidern.

"Bitte behandeln Sie mich nicht wie eine Fremde. Sagen Sie was."

"Sie haben mich geschlagen, Granger. Was erwarten Sie da von mir?"

"Glauben Sie vielleicht, das war beabsichtigt? Sie haben mir bei lebendigem Leib das Herz heraus gerissen. Denken Sie, es ist mir leicht gefallen, mir das einzugestehen? Noch viel schwerer war es, es vor Ihnen zuzugeben."

"Dann hätten Sie es für sich behalten sollen."

"Ja, das hätte ich. Aber ich bin nicht wie Sie. Ich bin es leid, die Menschen um mich herum zu belügen. Ganz besonders Sie."

Er senkte den Blick, sodass ihm die langen Strähnen vors Gesicht fielen. "Sie ist tot."

Hermine fühlte sich, als würde ihr Verstand aussetzen, während sie seine desolate Gestalt betrachtete. Obwohl sie geahnt hatte, dass die unbekannte Frau, von der sie während des Aufeinandertreffens mit Voldemort in Malfoy Manor erfahren hatte, vermutlich nicht mehr am Leben war, versetzte es ihr einen Stich, dass der Professor sie verloren hatte.

In der plötzlich aufkommenden Stille sah er sie wieder an. "Na? Sind Sie jetzt zufrieden? War es das, was Sie hören wollten? Oder gibt es noch mehr, womit ich Ihre unersättliche Neugier befriedigen kann? Eine heitere Anekdote aus meinem verkorksten Leben vielleicht?"

Sie schüttelte gleichmütig den Kopf. "Danke für Ihre Ehrlichkeit. Ich wünschte nur, Sie wären schon eher so zu mir gewesen. Dann wäre uns dieses Drama erspart geblieben."

„Wie dem auch sei", begann er scheinbar ungerührt, „Sie haben kein Recht dazu, etwas über mein Leben zu erfahren. Nichts davon hat etwas mit Ihnen zu tun."

„Dann stimmt es also", stellte sie traurig fest. „Sie wollen mich lieber los haben, anstatt über Ihren Schatten zu springen und sich mir zu öffnen. Was ist aus Ihren Vorsätzen geworden? Bin ich jetzt, wo ich das Kind in mir trage, weniger wert, sodass Sie alle Bemühungen, aufeinander zuzugehen, für nichtig erklären?"

Er nahm die Hände hoch und fuhr sich in langen Bahnen damit durch die Haare, ein weiteres Zeichen für seine Ratlosigkeit. „Und wieder erwarten Sie zu viel von mir. Ich kann Ihnen nicht geben, wonach Sie suchen. Nicht bei dem Leben, das ich führe."

„Nicht, wenn Sie es nicht wollen", stellte sie klar. „Und auch dann nicht, wenn Sie nicht bereit sind, etwas zurückzugeben. Aber glauben Sie nicht, dass ich es verdiene, aufrichtig von Ihnen behandelt zu werden? Nach allem was war? Ist es Ihnen lieber, mich zu belügen, damit ich fortgehe und Sie nichts mehr mit mir zu tun haben müssen?"

Wortlos ging er vor ihr in die Knie und setzte sich mit dem Rücken an das Sofa gelehnt vor ihr auf den Boden.

„Ich bin genauso verloren wie Sie", sagte er dann. „Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Mit Ihnen und der ganzen Situation. Ebenso wie mit dem Kind."

Hermine beugte sich nach vorn, bis sie ihm ganz nahe war und stützte den Kopf auf die Hände. „Wenn Sie nichts für mich empfinden, kann ich Ihnen keinen Vorwurf machen", sagte sie leise in sein Ohr. „Ich hätte Sie nicht schlagen dürfen. Es tut mir leid. Aber lassen Sie das nicht an dem Kind aus, Professor. Sie dürfen es nicht im Stich lassen, weil ich nicht weiß, ob Draco dazu in der Lage sein wird, jemals etwas für es zu empfinden."

Er atmete laut hörbar aus. „Und wieso glauben Sie, dass ich anders bin?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber wenigstens denken Sie nicht nur an sich. Sie setzen Ihr Leben aufs Spiel, um für Dumbledore zu arbeiten. Das ist weitaus mehr, als Draco tut. Denn er tut gar nichts. Er sitzt nur herum und wartet ab."

Kaum merklich schüttelte er den Kopf. „Das ist nicht richtig. Er hat eine Aufgabe zu erfüllen. Genauso wie Sie."

Hermine horchte auf. „Eine Aufgabe?" Erst jetzt fiel ihr wieder ein, worüber am Tisch der Malfoys noch so geredet worden war. „Was muss er denn tun?"

Ein schmales Lächeln legte sich über seine dünnen Lippen, während er sie verhalten aus den Augenwinkeln betrachtete. „Hören Sie auf, mich so etwas zu fragen. Und unterlassen Sie es, danach zu forschen. Es würde alles nur noch schlimmer machen, wenn Sie sich da einmischen, glauben Sie mir."

Sie schnaubte leise. „Vielleicht haben Sie recht. Ich habe genug eigene Probleme am Hals, als dass ich mich auch noch darum kümmern sollte, nicht wahr?"

„So könnte man es ausdrücken, Granger."

Eine Weile sahen sie sich wortlos an, dann räusperte er sich.

„Tun Sie mir den Gefallen und versprechen Sie mir, dass Sie nicht weiter darauf herumreiten, in Ordnung?"

Noch während sie ihn mit wässrigen Augen anblickte, nahm er die Hände und umfasste damit ihr Gesicht.

„Ich werde Ihr Einsehen als Entschuldigung annehmen, wenn Sie zukünftig davon absehen, mich zu beschimpfen und zu schlagen. Einverstanden?"

Hermine nickte. Erleichtert legte sie von hinten die Arme um seinen Nacken und lehnte seitwärts den Kopf an seine Schläfe. „Es war nicht meine Absicht, so respektlos zu sein, Professor."

„Ich weiß. Aber danke, dass Sie es mir gesagt haben."

Vorsichtig brachte er sie auf Abstand zu sich und sah sie mit seinen schwarzen Augen an. Es war schwer zu beschreiben, was in ihm vorging. Auch wusste sie nicht, ob er ihr wirklich verziehen hatte, für den Moment jedoch wollte sie daran glauben.

Kurz darauf spürte Hermine, wie er sie zu sich auf seinen Schoß hinabzog und sie an seine Brust drückte.

„Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer sein kann, derart intensiv für jemanden zu empfinden", murmelte sie gedankenverloren. „Verstehen Sie das? Es ist wie eine unerträgliche Sehnsucht, darauf zu warten, Sie sehen zu können. Doch kaum sind wir zusammen, habe ich das Gefühl, dass ich Sie nie erreichen werde. Es tut weh. Ich möchte nicht, dass wir uns streiten. Aber Sie haben recht. Die Dinge, die zwischen uns liegen, lassen sich nicht überbrücken. Weder der Altersunterschied, noch alles andere. Das macht mir Angst. Doch zugleich zeigt es mir, wie sehr ich Sie brauche."

Snape seufzte. „Tun Sie mir den Gefallen und denken Sie nicht weiter darüber nach, denn wenn Sie so weitermachen, bereue ich vielleicht, dass ich Sie nicht hinausgeworfen habe."

Langsam sah sie ihn an, wie er den Blick starr in die Ferne gerichtet hatte. Nachdenklich und verunsichert.

„Ich möchte Sie küssen, Snape. Lassen Sie mich alles andere vergessen. Und wenn es nur für einen Augenblick ist."

Er senkte den Kopf, bis sich ungebrochen ihre Blicke trafen. „Erwarten Sie nicht, dass es hinterher leichter wird."

„Das tue ich nicht. Doch solange Sie da sind, ist es erträglich."

Vorsichtig näherten sie sich einander mit ihren Lippen und ein wohliges Gefühl suchte sie heim, genauso wie sie es in Erinnerung hatte. Alles war gut, wenn er sie nur nicht fortschickte, denn solange er ihr versprach, dass sie bleiben konnte, hatte sie Hoffnung.