Call it bittersweet

Kapitel 32

Brennen

Das Eindringen des Professors in ihre Mitte zog etwas Schmerzvolles nach sich. Nicht wegen des körperlichen Aktes, sondern ganz einfach aufgrund rührseliger Sentimentalität. Im Laufe der Nacht hatte er seinen Widerstand aufgegeben und ihren unbeholfenen Versuchen, ihn dazu zu bringen, sich ihr zu nähern, nachgegeben. Nicht einmal er konnte länger leugnen, dass sie das Bedürfnis verspürte, ihn bei sich haben zu wollen, womit er sich kurzerhand auf sie gerollt und dem Drang nach Befriedigung nachgegeben hatte.

Hermine war gleich, dass sie keine zärtlichen Streicheleinheiten von ihm bekam. Auch die Tatsache, dass sie beide noch in ihren Klamotten steckten, interessierte sie nicht. In einer Situation wie dieser ging es lediglich um Besitztum und Sex. Sie wollte ihn haben, ihn spüren, ihn festhalten. Und das bekam sie. Das Verlangen, ihn an sich zu binden, war so stark wie nie zuvor. Wenn er sie hart und ungezügelt nehmen wollte, sollte er es tun, Hauptsache, sie waren zusammen.

Als er dann kam, wusste sie, wieso sie ihn dazu gedrängt und es zugelassen hatte, selbst wenn sie auf dem harten Boden vor dem Sofa lagen. Doch der Anblick, ihn so zu erleben, entschädigte einen Moment lang für den grausamen Gedanken, ihn daraufhin wieder freigeben zu müssen.

Der schwere Atem ihres Professors drang noch laut in ihr Ohr, als er sich von ihr rollte. Auch sein nur halb erschlaffter Penis ragte in die kühle Luft, als würde er damit andeuten wollen, dass er noch längst nicht genug hatte. Fest entschlossen, ihn jetzt nicht zum Nachdenken kommen zu lassen, schnappte sie sich seine Hand und hielt sie in ihrer.

Snape sah sie eindringlich mit seinen schwarzen Augen an.

Zaghaft schüttelte sie den Kopf und schaffte es kaum, seinem bohrenden Blick standzuhalten, der etliche Fragen darin widerspiegelte und trotzdem nach Antworten suchte. "Ich bin genauso wenig in der Lage, Ihnen eine Antwort auf alles zu geben, wie Sie mir."

Verwundert zog er die Brauen in die Höhe. "Ist das so?"

Hermine nickte. "Sie sagen das, was Sie meinen, voller Überzeugung. Trotzdem sind Sie verunsichert und innerlich zerrissen, was Sie tun sollen."

Sein Blick verfinsterte sich und Hermine beeilte sich, eine Erklärung zu finden.

"Sehen Sie", setzte sie vorsichtig nach, "manchmal erinnern Sie mich ein wenig an Harry. In Ihnen steckt so viel Ungeduld, obwohl Sie Ihr Bestes tun, um es vor anderen zu verbergen. Ich glaube, noch nie ist mir ein Mensch begegnet, der in sich so widersprüchlich ist."

Snape setzte ein mattes Grinsen auf. "Das kommt daher, dass Sie noch nicht allzu viele Bekanntschaften geschlossen haben, Miss Granger."

Obwohl Hermine einen Stich verspürte, bemühte sie sich, sich nichts anmerken zu lassen. "Ich denke, in dem Punkt haben wir mehr gemein, als uns lieb ist. Ehrlich gesagt fürchte ich, Sie sind nicht recht viel kontaktfreudiger als ich es bin."

Ein leises Schnauben entfuhr ihm, gefolgt von einem Augenrollen. „Und ich fürchte, es ist an der Zeit, die Karten offen auf den Tisch zu legen, Miss Granger. Sie können unmöglich von mir erwarten, dass ich Sie weiterhin hier empfange."

Angespannt biss sie sich auf die Lippe. "Streng genommen hatte ich gehofft, dass Sie genau das tun würden. Ich war wütend, Professor. Auf Sie und Ihre Gleichgültigkeit, die Sie mir zuvor entgegen gebracht haben. Ich bin es nicht mehr gewohnt, von Ihnen beiseite geschoben zu werden wie ein lästiges Anhängsel."

"Das ist der Grund, weshalb ich es vorziehe, für mich zu bleiben", sagte er hart, den Blick abwesend in den Raum gerichtet. "Komplizierte Beziehungen zwischen zwei so unterschiedlichen Menschen schaffen unweigerlich Probleme."

"Das glaube ich Ihnen nicht. Wir sind nicht in allen Dingen grundsätzlich verschieden."

"Nein?" Er seufzte theatralisch. "Miss Granger, Sie haben keine Ahnung. Vielleicht bilden Sie sich ein, etwas über mich zu wissen, was Ihren Ausbruch von vorhin erklären würde. Aber Sie irren sich."

"Vielleicht. Ich bin bereit, aus meinen Erfahrungen zu lernen. Ich denke sogar, Sie hatten recht, Professor. Von Anfang an."

Er drehte den Kopf in ihre Richtung und sah direkt in ihr Gesicht. "Womit?"

"Mit allem. Ich konnte die Tragweite dessen, was mir bevorstand, nicht begreifen. Aber das, was seither geschehen ist, lässt alles in einem anderen Licht erscheinen. Sie haben mir geholfen, indem Sie für mich da waren. Und Sie haben mir gezeigt, dass es auch anders sein kann. Es ist gut so, wie es ist. Vielleicht ist das ja das Abenteuer, von dem Sie geredet haben. Meine Reise, die ich antreten muss, um zukünftig die brave Ehefrau an Dracos Seite zu spielen. Sie wissen, alle Welt glaubt, dass er seinen Spaß mit mir hat, denn dazu wurde diese Ehe arrangiert, nicht wahr? In Wahrheit jedoch ist es anders. Und ich bin froh darüber. Ich brauche diese Erfahrungen mit Ihnen. Sie geben mir das Gefühl, lebendig zu sein. Denn sobald ich wieder in Malfoy Manor bin, ist es damit vorbei."

Ruckartig setzte er sich auf und brachte seine Kleidung in Ordnung, das Gesicht zu einer verzerrten Grimasse verhärtet. "Wollten Sie deshalb zu mir kommen und die Nacht bei mir verbringen, weil Sie Angst haben, etwas zu versäumen?"

Hermine zuckte mit den Schultern. Es war bewundernswert, dass er manchmal ebenso eingeschnappt sein konnte wie ein kleiner Junge. Sein Ausdruck sorgte unweigerlich dafür, dass sie sich hilflos und schuldig zugleich fühlte, denn obwohl sie wusste, dass es gefährlich war, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren, wollte sie ihm ihre Gedanken und Gefühle nicht länger vorenthalten.

"Versuchen Sie, das zu verstehen. Wenn das Kind erst da ist, wird sich alles für mich ändern."

„Ja, das wird es. Nicht jedoch für mich." Mit diesen Worten stand er auf und blickte kühl auf sie hinab. „Wenn Sie nicht wollen, dass ich Sie für das, was geschehen ist, bezahle, sollten Sie jetzt gehen."

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„Du machst alles nur noch komplizierter, Severus."

„Ja, ich weiß", schnappte Snape zurück. „Es ist eben nicht so leicht, sie zurückzuweisen wie ich dachte."

Dumbledore sah ihn prüfend von der Seite her an. Das markante Profil seines einstigen Schülers, der wie verloren am Fenster stand und in die klare winterliche Landschaft hinaus blickte, gab eindeutig Grund zur Sorge.

„Wir haben uns gestritten, Albus."

Der Schuleiter nickte. „Ah, verstehe. Du mochtest das keineswegs, richtig?"

Snape nahm den Blick vom Fenster und sah ihn an. „Nein. Ich mochte es nicht."

Nachdenklich strich Dumbledore über seinen Bart. „Du konntest noch nie damit umgehen. Mit Streit, meine ich."

Kaum merklich wippte der dunkle Zauberer mit dem Kopf. Dann löste er sich von seinem Platz los und kam mit langen Schritten auf den Schreibtisch zu, wo er sich gegenüber seines Mentors auf dem Stuhl niederließ.

Müde rieb er sich mit den Fingern die Schläfen. „Draco macht sich nichts aus ihr. Sie ist ihm gleichgültig. Aber sollte ein Mensch in ihrem Alter nicht glücklich sein?"

Dumbledore lugte scharfsinnig über den Rand seiner Brille. „Warst du es denn?"

Gemächlich schüttelte Snape den Kopf. „Nein. Doch ich stammte aus anderen Verhältnissen. Sie hingegen ..."

„Was, Severus? Denkst du, nur weil sie Eltern hatte, die sich um sie gesorgt haben, sollte sie es leichter haben?"

„Ich weiß es nicht. Sie sollte nach Hause gehen, dahin, wo sie hingehört."

„Dafür ist es zu spät. Sie hat sich entschieden, zu Harry zu halten. Außerdem wird Tom sie nicht gehen lassen."

Snape atmete tief und langanhaltend ein. „Ich habe darüber nachgedacht, sie wegzubringen, Albus. Ich weiß, es ist nicht richtig. Aber je mehr ich versuche, sie von mir zu schieben, umso mehr sucht sie meine Nähe."

Eine Weile sagte Dumbledore nichts. Er sah besorgt aus, was Snape dazu veranlasste, sich noch schlechter zu fühlen, als es ohnehin schon der Fall war.

„Es war dumm von mir, so etwas zu denken", bekannte Snape daraufhin abgeschlagen. „Einfältig und dumm."

Dumbledore räusperte sich. „Du wirkst verzweifelt, Severus. Sei vorsichtig mit dem, was du tust. Wenn Tom spürt, dass du abgelenkt bist, wirst du dir damit keinen Gefallen tun."

Snape nickte. Er wusste, dass er nur überleben konnte, wenn er bei klarem Verstand war. In Anbetracht der Umstände jedoch wurde es immer schwieriger für ihn, die Fassade zu wahren, die er sich in langwieriger Arbeit antrainiert hatte.

Doch nicht nur er hatte hart zu kämpfen. Auch für Hermine war es alles andere als leicht, mit den Gegebenheiten umzugehen, in die sie hineingeraten war. Außer sich vor Zorn wanderte sie spät in der Nacht noch durch den Gemeinschaftsraum in ihrem Turm.

Natürlich wusste sie, dass Snape sich nur so verhalten hatte, um sie auf Abstand zu bringen. Er würde wahrscheinlich jedes Mittel anwenden, ganz gleich, wie sehr er sie damit verletzen würde. Trotzdem hatte sein Verhalten sie schockiert.

Am nächsten Morgen beim Frühstück in der Großen Halle gab es keine Spur von ihm. Dafür konnte sie wieder einmal mit Harry und Ron die Köpfe zusammenstecken, obwohl sie insgeheim immer noch sauer war, wegen des Streits, den sie mit Harry gehabt hatte.

„Ich weiß, dass mit Malfoy was faul ist, Hermine. Snape bewacht ihn mehr denn je."

„Dann solltest du Draco in Frieden lassen. Es sei denn, du legst es darauf an, dir Ärger mit Snape einzuhandeln."

Harry sah sie abschätzig an. „Neulich, als ich nach Slughorn gesucht habe, hat Snape mich in den Kerkern erwischt."

Hermine blinzelte. „Und?"

„Und? Ich kann nicht glauben, dass du der Sache nicht auf die Schliche kommen willst."

Ron nickte zustimmend. „Dir muss doch irgendwas aufgefallen sein. Oder? Schließlich verbringst du immer wieder Zeit mit Draco."

Hermine wusste zuerst nicht so recht, was sie darauf sagen sollte, doch Harry offenbar schon. „Genau. Gestern Abend wollten wir mit dir reden. Aber da meinte Ginny, du wärst nicht da und bist bestimmt bei ihm."

Überrumpelt stieg ihr die Röte ins Gesicht. „Wisst ihr, selbst wenn dem so wäre, könnt ihr unmöglich von mir verlangen, dass ich ihn aushorche. Er würde mir sowieso nichts sagen."

Schnaubend lehnte Harry sich zurück. „Wunderbar. So kommen wir bestimmt weiter."

Interessiert legte sie den Kopf schief. "Wieso ist das, was Malfoy tut, plötzlich so wichtig für dich?"

"Weil ich neulich in den Kerkern war und dort eine seltsame Begegnung mit Snape hatte."

Mit einem komischen Gefühl in der Magengegend horchte Hermine auf. "Seltsam? In wiefern?"

"Mir kam es fast so vor, als würde er nicht wollen, dass ich mich in den Kerkern aufhalte. So, als hätte er Panik, dass ich dort was suche."

"Oder jemanden. Wie zum Beispiel Malfoy", warf Ron geistesgegenwärtig ein.

Harry grinste verschlagen. "Exakt."

Hermine hingegen runzelte nicht ganz so erfreut die Stirn. "Ich enttäusche euch ja nur ungern, aber streng genommen hast du außerhalb der Unterrichtszeiten tatsächlich nichts da unten zu suchen."

„Genauso wenig wie du, Hermine."

„Das ist jetzt wohl ein Scherz. Ich bin mit Draco verheiratet. Wir müssen die Form wahren, Harry."

„Dann wäre das zugleich die perfekte Gelegenheit, ihn für uns auszuhorchen."

"Ja, wieso eigentlich nicht?", hakte Ron nach.

Harry beugte sich zu ihr vor und senkte die Stimme. "Wenn du ehrlich bist, ist die Idee gar nicht so schlecht. Du hast die besten Chancen von uns allen, an ihn heranzukommen."

Sprachlos gaffte sie in die kleine Runde. Davon, dass sie mit Snape abgemacht hatte, sich nicht weiter einzumischen, konnten die Jungs natürlich nichts wissen. Trotzdem fand sie es ungeheuerlich, dass sie sie damit belangen wollten. "Na hört mal! Ihr wisst doch genau, dass Draco und ich uns nichts zu sagen haben."

Ron stöhnte auf. "Seit wann lässt du dich davon aufhalten, Mione? Ich kann mich erinnern, dass du schon ganz andere Dinge getan hast."

"Da waren die Umstände aber auch noch anders. Wir waren Kinder. Und neugierig waren wir auch."

"Wie auch immer. Mir ist egal, wenn du mich für verrückt hältst, Hermine", bemerkte Harry ernst. "Draco ist in Slytherin. Er ist ein Todesser. Und die machen bekanntlich nur Ärger."

Sie seufzte leise. Wenn er wüsste, wie recht er damit hatte.

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Snape stand über sein Waschbecken gebeugt und starrte auf sein Spiegelbild. Eigentlich war ihm klar gewesen, dass Dumbledore so reagieren würde. Warum er dennoch angefangen hatte, davon zu reden, konnte er selbst nicht nachvollziehen. Es stand ihm nicht zu, derartige Gedanken zu hegen. Noch schlimmer war es, sie vor dem einzigen Menschen zum Ausdruck zu bringen, der bereit gewesen war, ihm zu vertrauen, nachdem er sich Voldemort zugewendet hatte. Die Gewissheit, dass er eine Aufgabe zu erfüllen hatte, die ihn noch weiter ins gesellschaftliche Abseits drängen würde, erdrückte ihn schier. Wenn er nur einen Weg finden würde, zu Draco durchzudringen! Doch insgeheim war ihm bewusst, dass der Junge es nicht schaffen würde, den vom Dunklen Lord geforderten Auftrag auszuführen. Draco hatte sich zwar von seinem Vater beeinflussen lassen. Jetzt aber, wo er wusste, wie es tatsächlich war, so wie er zu sein, wollte er kaum noch etwas mit ihm zu tun haben. Er war verschlossen und unnahbar geworden. Genauso wie der Professor einst selbst.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn unsanft aus seinen Gedanken. Schnaubend vor Wut knöpfte er notdürftig sein Hemd zu und eilte aus dem Bad. Insgeheim hoffte er, dass es Draco sein würde, der ihn sehen wollte. Doch die Chancen dafür standen nicht gut. Seit langem schon hatte der Junge auf keine der Nachrichten mehr reagiert, die Snape ihm geschickt hatte. Wieso sollte er es also jetzt tun?

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Erst als Hermine an die Tür zu Snapes Wohnung geklopft hatte, kam ihr in den Sinn, wie verrückt es war, trotz allem, was er gesagt hatte, seine Nähe zu suchen. Sie wollte nicht so sein, dass sie sich ihm immerzu aufzwang. Dennoch war er der einzige Mensch, der von ihren Sorgen wusste. Der einzige, der an ihrer Misere beteiligt war, ob er nun davon wissen wollte oder nicht.

Betrübt lehnte sie den Kopf an den Türrahmen und wartete. Wenn er vorhatte, sie zu ignorieren, konnte sie ihm keinen Vorwurf machen. Oder? Ihre Abmachung hatte sich auf den sexuellen Part beschränkt, nicht aber darauf, dass er fortan für sie da sein würde.

Sie spürte Wut in sich aufkeimen. Wie seltsam das Leben manchmal sein konnte. Zuerst hatte sie sich gefragt, wie sie seine Gegenwart und die körperliche Nähe zu ihm aushalten sollte. Jetzt, wo sie angefangen hatte, ihn interessant zu finden, wollte sie einfach nur bei ihm sein.

Die Tür ging auf und Hermine schreckte zurück. "Gott. Sie haben mich eiskalt erwischt, Professor."

Snape stand mit finsterer Miene vor ihr. Die Strähnen auf seinem Kopf waren durcheinander, ein weißes Hemd hing ihm legere aus der Hose. "Ich kann mich nicht erinnern, sie zu mir gebeten zu haben", knurrte er steif.

Hermine biss sich auf die Lippe. Ein eigenartiges Kribbeln stieg ihr in die Nase. Verunsichert senkte sie den Blick auf seine vor ihr aufragende, halb entblößte Brust. Die dunklen Ringe unter seinen Augen waren ihr nicht entgangen. Und auch sonst hatte er eindeutig schon einmal frischer ausgesehen. Fast bereute sie es, zu ihm gekommen zu sein, um ihm die wenige, ihm verbleibende Zeit zu nehmen, die er sein Eigen nennen konnte.

"Ich muss gestehen, dass Ihre Worte mich getroffen haben. Ganz so, wie es Ihre Absicht war, nicht wahr? Trotzdem komme ich allem Anschein nach nicht von Ihnen los."

"Es scheint so", erwiderte er knapp.

Auf Hermines Gesicht breitete sich ein dünnes Lächeln aus. Sie sah ihn an und erkannte, dass seine Mundwinkel zuckten. "Ich hatte ganz offensichtlich Sehnsucht nach Ihnen."

Er zog die Brauen zusammen und nahm die Hände hoch, um sich damit durch die Haare zu fahren. "Und weiter, Granger? Was wollen Sie mir als Nächstes gestehen, das Sie noch nicht gesagt haben?"

Sie blinzelte. "Mir ist gleich, wofür Sie mich halten. Ich werde nicht aufhören, etwas für Sie zu empfinden, nur weil Sie sich etwas anderes wünschen. Denken Sie vielleicht, ich wollte, dass es so kommt?"

Endlich schien sie seine Aufmerksamkeit gewonnen zu haben, denn er machte einen Schritt zurück und hielt die Tür für sie auf. "Kommen Sie rein", sagte er leise. "Wir sollten nicht hier herumstehen, wo uns jemand sehen kann."

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Im Inneren seiner Wohnung, die sie inzwischen so gut kannte, dass sie ihr vertraut geworden war, lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Tür und verschränkte die Arme vor der Brust. "Also, Miss Granger, wenn Sie eine Entschuldigung von mir erwarten, sind Sie hier fehl am Platz."

Kaum merklich nickte sie. "Das weiß ich." Seine abwehrende Haltung ihr gegenüber verunsicherte sie und so überlegte sie, ob sie es wagen konnte, sich zu setzen. "Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich Platz nehme?"

Er steckte die Hände in die Hosentaschen und zuckte mit den Schultern. "Nur zu. Ich hingegen bevorzuge es, zu stehen, wenn es recht ist. Wir haben schließlich schon genug Ärger verursacht."

Wortlos steuerte Hermine auf das Sofa zu und setzte sich. Es war eigenartig, dass er es schaffte, sie durch seine unterkühlte Art soweit zu bringen, dass sie sich vorkam, als wäre sie zum ersten Mal mit ihm allein in seinen privaten Räumlichkeiten.

Angespannt schlug sie die Beine übereinander und räusperte sich. Snape für seinen Teil schien abschätzig darauf zu warten, was ihr diesmal im Kopf herumspukte.

Als Hermine nach etlichen Sekunden noch immer nichts gesagt hatte, drückte er sich von der Tür ab und kam auf sie zu. Vor ihr angelangt hockte er sich auf die Kante des Sofatischs, legte die Hände in den Schoß und sah ihr scharf in die Augen. Umgehend schlug ihr Herz schneller. Ihr ganzer Verstand war nur noch darauf ausgelegt, ihr zu sagen, wie sehr sie ihn haben wollte. Und das, obwohl sie wusste, dass es gefährlich war, es zu versuchen, ihn zu bekommen. Wenn sie ihn erneut reizen würde, würde das nur unweigerlich dazu führen, dass er sie ein weiteres Mal von sich stoßen würde. Sie wusste, dass er genug davon hatte, sich Vorschriften zu beugen und sich sagen zu lassen, was er zu tun und zu lassen hatte. Aber sie war nicht Dumbledore und auch nicht Voldemort. Soweit sie sagen konnte, war sie die einzige Person überhaupt, die ihm etwas geben konnte, das es schaffte, ihm und seinem Leben eine ganz andere Art der Abwechslung zu bereiten.

"Wieso sind Sie hier?", fragte er deutlich.

Hermine schluckte. Seine Nähe und sein unverwechselbarer Duft machten es nicht gerade leichter, eine Antwort darauf zu finden. "Können Sie sich das nicht denken?"

Snape schüttelte den Kopf und versuchte es erneut. "Wieso sind Sie zu mir gekommen? Macht es Ihnen Spaß, sich am Abend heimlich aus dem Schlafsaal zu schleichen, um einen Ihrer Professoren in den Wahnsinn zu treiben?"

Sie starrte ihn mit offenem Mund an. "Können Sie sich das wirklich nicht denken?", wiederholte sie wie mechanisch.

"Vielleicht kann ich das", äußerte er schnippisch in Bezug auf ihre Sturheit. "Aber was, wenn ich das nicht will? Was, wenn ich nicht begreifen kann oder mag, was Sie dazu treibt, so zu handeln? Was, wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass es auch nur etwas gibt, das Sie in meine Arme treibt? … Wie oft wollen Sie das eigentlich noch von mir hören, Granger?"

"Was denn? Dass Sie nicht an mir interessiert sind?"

Er presste seine dünnen Lippen aufeinander und zischte sie an. "Ich habe Ihnen gesagt, dass wir niemals in diese Lage gekommen wären, wenn das Ministerium nicht dieses Gesetz verabschiedet hätte, das Sie an Draco gebunden hat."

"Das Ministerium wird inzwischen von Voldemort kontrolliert", antwortete sie offen. "Wir beide wissen das."

"Ja, das ist wahr. Deshalb kann ich es mir nicht leisten, ihn auf mich aufmerksam zu machen, was unweigerlich geschehen könnte, wenn Sie sich nicht endlich in den Griff bekommen. Mein Leben hängt davon ab. Und noch etliches mehr. Dumbledore vertraut mir. Ich darf ihn nicht enttäuschen. Das bedeutet, wir müssen aufhören, uns zu sehen. Jeglicher Kontakt mit Ihnen versetzt mich in eine noch schwierigere Lage. Ihre Forderungen an mich sind aufwühlend und verstörend, Miss Granger. Nicht zuletzt, weil ich Ihnen im Unterricht gegenüberstehen muss."

Hermine blinzelte. "Wo waren Sie heute Morgen, als alle anderen beim Frühstück saßen?"

Fassungslos sah er sie an, als würde er nicht verstehen, was sie sich von dieser Frage erhoffte. "Was?"

"Ich habe in der Großen Halle gesessen und dort auf Sie gewartet. Sagen Sie mir nicht, dass Sie meinetwegen nicht zum Essen gekommen sind. Es ist doch keine Lösung, mir aus dem Weg zu gehen, Professor."

Snape stöhnte auf. Dann nahm er die Hände hoch und raufte sich die Haare. "Es ist die einzige Lösung, die einen Sinn macht."

Hermine schüttelte enttäuscht den Kopf. Dass sie davon nichts hören wollte, war unschwer zu erkennen. "Der große Professor Snape gibt also auf", murmelte sie in Gedanken.

Er legte sichtlich erregt den Kopf schief. "Wie war das?"

"Nichts. Es ist nur so, dass ich nicht erwartet hätte, dass Sie so leicht in die Knie zu zwingen sind. Haben nicht Sie selbst uns Schüler immer wieder gedemütigt, damit wir stärker werden und an unseren Aufgaben wachsen?"

Sie beugte sich zu ihm vor, bis sie mit der Nase nur noch wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war. Jede seiner Poren und Furchen, die das Leben in seine Haut geprägt hatte, stach ihr förmlich entgegen. Sein abstrus von Narben gezeichneter Körper, der ihr bei ihrem ersten Kontakt mit seiner bloßen Haut fast Angst eingejagt hatte, war unter dem durchscheinenden weißen Hemd zum Greifen nah. Dennoch wirkte er anziehend und erotisch auf sie, wie er ihr ungebrochen mit seinen schwarzen Augen ins Gesicht sah, die in diesem Moment so ratlos wie selten zuvor zu sein schienen. Aus den Augenwinkeln nahm sie jedes noch so kleine Detail an ihm war. Die langen Strähnen, das Gesicht, seinen Körper und die Hände mit den eleganten Fingern. Alleine der Gedanke an seine Hände, die in seinem Büro über die weiche Haut an der Innenseite ihrer Schenkel geglitten waren, ließ sie von innen heraus schaudern. Unbewusst leckte sie sich mit der Zunge über die Lippen.

"Ich weiß, dass Sie es wollen, Professor. Und Sie wissen es auch. Ihr Duft verrät Sie, genauso wie Ihre lauernde Haltung. Sie rätseln, was ich tun werde. Aber das kann ich Ihnen nicht sagen. Es hängt von Ihnen ab. Sie warten nur darauf, es mit mir zu tun. Mich zu vögeln. Mich willenlos vor sich zu haben, um mich bis zur Besinnungslosigkeit zu ficken. Ich bin hier. Also, worauf warten Sie noch?"

Vollkommen überraschend ging sie vor ihm auf die Knie und schob seine Hände auseinander, die wieder in seinem Schoß ruhten.

Snape ließ sie gewähren. Er war angespannt und wartete ab, was geschehen würde, genau wie sie es vermutet hatte.

Ermutigt schob sie sein Hemd bis zur Brust nach oben. Dann, als sie freien Blick auf seine Hose hatte, sah sie die unmissverständliche Wölbung, die ihr entgegen ragte.

Hermine senkte den Kopf und drückte ihm einen Kuss auf die Stelle unterhalb seines Nabels, die nur spärlich mit dunklen Härchen bewachsen war. Augenblicklich spannte er sämtliche Muskeln an. Sie konnte hören, wie er hart schluckte. Was auch immer in ihm vorging, dass sie so dreist sein würde, ihn so direkt mit ihrer sexuellen Lust zu konfrontieren, hatte er nicht erwartet.

Langsam fing sie an, ihn mit der Hand durch die Hose hindurch zu streicheln, sodass er leise aufstöhnte. Zutiefst ergriffen von seinen Regungen fuhr sie fort. Es war nicht länger zu leugnen, dass sie obgleich ihrer Unerfahrenheit sehr wohl imstande war, ihm Vergnügen zu bereiten. Auch dann, wenn er sich aus verschiedenen Gründen dagegen sträubte, stellte sich ein kleiner Triumph für Hermine ein. Sie hatte das einzig ihr zur Verfügung stehende Mittel gewählt, ihn an sich zu fesseln. Seinen Prinzipien und moralischen Grundsätzen zum Trotz hatte er schließlich nicht zum ersten Mal nachgegeben, sich mit ihr einzulassen. Die Einsamkeit, die er so qualvoll mit sich herumschleppte, war ihr größter Verbündeter geworden. Nicht einmal ein Mann wie er konnte sich der Freuden des Fleisches verwehren, nachdem er unter der Darbietung ihres Opfers davon gekostet hatte.

Inzwischen stand ihr eigener Körper so in Flammen, dass sie mit der anderen Hand begierig seinen Gürtel lockerte, doch noch ehe sie einen Schritt weitergehen und die Hose öffnen konnte, versenkte er seine Hand in ihren wirren Locken und riss ihren Kopf zurück. Irritiert fand sie sich mit seinen glühenden schwarzen Augen konfrontiert.

"Das haben Sie sich so gedacht, Granger, nicht wahr", raspelte er mit rauer Stimme hervor.

Die tiefe Furche zwischen seinen Brauen bebte mindestens genauso angespannt wie sein ganzer Brustkorb. Ruckartig zog er sie am Handgelenk auf die Beine und drückte sie auf das Sofa nieder, wo er sich auf sie legte. Sie konnte die Erregung spüren, die heiß und brennend in seinem ganzen Körper zirkulierte, als würde er ihren Leib jeden Moment samt Geist und Seele verzehren wollen.

Sein aufgewühlter Atem prallte ungestüm auf ihr Gesicht und seine Hand umfing fest ihre Brust, während er mit der anderen ihren Unterleib und seine Männlichkeit befreite.

Kaum lag sie halbwegs nackt unter ihm, drang er in sie ein. Obwohl er es eilig zu haben schien, immerhin hatte sie nicht gezögert, ihn zu reizen, geschah es genauso, wie sie es beabsichtigt hatte. Snape wusste, was auf dem Spiel stand und sie vertraute darauf, dass er genau berechnet hatte, wie viel er ihr und ihrem Körper zumuten konnte, ohne ihr zu schaden. Das gegenseitige Geben und Nehmen in der absonderlichen Beziehung, die sie zueinander entwickelt hatten, hatte von vorne begonnen.