Call it bittersweet

Kapitel 33

Geschenkt

Snape atmete schwer. Er schien ihren Körper so dringlich zu brauchen, dass sie ihre Hände über seinen Rücken hinabgleiten ließ und sie auf seinen Po legte, um ihn fest an sich zu drücken. Zeitgleich war sie so offen für ihn, dass sie sich zu fragen begann, ob er dem heranwachsenden Baby schaden konnte, wenn er sich noch tiefer in ihr begrub. Aber alles, was sie spürte, war gut. Es war kein Schmerz wie damals, als er zum ersten Mal mit ihr geschlafen hatte. Es war erfüllend, sich ihm zu schenken und obendrein das zu nehmen, was er bereit war, ihr zu geben. Es war das, was sie gewollt hatte; was sie sich herbeigesehnt hatte, um tief und innig mit ihm zu verschmelzen. Selbst dann, wenn er es aus einem anderen Grund tat als sie.

Nachdem er am Ende seiner körperlichen Anstrengungen den Höhepunkt erreichte, umfing sie mit den Händen sein Gesicht und küsste ihn. Sie kümmerte sich nicht darum, ob er es billigen würde oder nicht. Sie tat es einfach und er ließ es geschehen, genauso wie sie zugelassen hatte, dass er sie zu seinem Besitz erklären konnte. Doch dann, nachdem es vorbei war, zog er sich sogleich aus ihr zurück und Hermine wurde klar, dass sie nicht mehr von ihm zu erwarten hatte, um es nicht noch komplizierter zu machen.

Snape stand mit seinem sich stark hebenden und senkenden Brustkorb vor dem Sofa und brachte notdürftig seine Sachen in Ordnung. Die langen Strähnen hingen ihm wirr ins Gesicht, die Bewegungen seiner Hände wirkten fahrig und unkontrolliert, was besagte, wie aufgewühlt er in seinem Inneren war. „Gehen Sie, Granger. Und tun Sie es schnell."

Hermine betrachtete für einige Sekunden sein zerfurchtes Gesicht und seine hagere Gestalt. Dann richtete sie sich entgegen seiner harten Worte langsam auf und stand vor ihm. „Sie wollen tatsächlich, dass ich gehe?"

„Ja."

Sie legte den Kopf schief. „Gut. Aber ich werde wiederkommen."

Felsenfest überzeugt sah sie ihm in die Augen. Snape hingegen zog die Brauen zusammen. Zuerst musterte er sie abschätzig, nach einer Weile jedoch nickte er.

Eilig zog sie sich an und rannte dann mit einem siegessicheren Grinsen aus den Kerkern.

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Hermine kam in dieser Nacht nur schwer zur Ruhe. Einerseits genoss sie das Gefühl, über einen so mächtigen Zauberer wie Snape gesiegt zu haben, indem sie ihn dazu gebracht hatte, entgegen seiner Vorsätze mit ihr zu schlafen. Andererseits wusste sie aber auch, dass es ihr auf Dauer gesehen schwer fallen würde, nur das von ihm zu bekommen, was er bereit war, ihr zu geben.

Der nächste Tag in Hogwarts begann glücklicherweise ohne große Schwierigkeiten, obwohl sie so aufgewühlt und unausgeschlafen war.

Das Frühstück in der Großen Halle nahm sie wie gewohnt im Beisein ihrer Freunde ein. Von Snape gab es wieder keine Spur. Das einzig Merkwürdige, was ihr auffiel, war Draco Malfoy, der mit sorgenvoller Miene am Tisch der Slytherins saß und so wirkte, als hätte auch er schon einmal bessere Zeiten durchlebt. Abgesehen davon gab es jedoch keine weiteren ungewöhnlichen Vorkommnisse.

Am Abend, als im Gemeinschaftsraum der Gryffindors langsam Ruhe einkehrte, entschied Hermine sich erneut dazu, dass es soweit war, in die Kerker zu gehen, um Snape einen Besuch abzustatten.

Nachdem er sie wie erwartet mit einem unergründlichen Ausdruck im Gesicht eingelassen und hinter ihr die Tür geschlossen hatte, klopfte es draußen.

Snape erstarrte, als würde er befürchten, dass jemand ihr gefolgt war. Blitzschnell wies er sie an, im Schlafzimmer zu verschwinden. Da auch Hermine keine Lust darauf hatte, unerlaubterweise bei ihm erwischt zu werden, kam sie seiner Aufforderung nach und versteckte sich im Dunkeln. Lediglich einen kleinen Spalt der Tür ließ sie offenstehen, damit sie mitbekommen konnte, was sich vor ihr abspielte, während Snape öffnete, um nachzusehen, wer ihn um diese Zeit noch stören wollte.

Gebannt presste Hermine sich an die Tür. Zuerst hörte sie Snapes unfreundliches Zischen. Dann sah sie Draco neben ihm auftauchen.

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„Guten Abend, Draco. Sag bloß, du hast es dir am Ende doch noch überlegt?"

Draco verzog das Gesicht. „Ich bin nur hier, um dir die Glückwünsche meiner Eltern zum Geburtstag zu übermitteln, Professor."

Snape nickte steif und nahm eine in braunes Packpapier gewickelte Flasche entgegen. „Du weißt, dass ich es unter anderen Umständen nicht tolerieren könnte, dass du Alkohol in die Schule schmuggelst."

„Ach ja?", fragte Draco kühl. „Warst nicht du es, der vor Filch für mich gebürgt hat?"

Hermine hielt den Atem an. Sie konnte von ihrer Position aus Snapes Gesicht nur vage ausmachen, da seine Strähnen wie so oft alles verdeckten. Dennoch kam es ihr eigenartig vor, die beiden Männer, die ihr Leben derart auf den Kopf gestellt hatten, gemeinsam im Türrahmen stehen zu sehen. Draco war noch so jung im Vergleich zu Snape. Außerdem war Snape um einiges größer und wirkte mit seiner dunklen Erscheinung ziemlich eindrucksvoll im Gegensatz zu seinem blonden Schüler.

Genauso verwirrend wie die Begegnung der beiden war jedoch, wie herablassend Draco auf seinen früher so hochgeschätzten Lehrer reagierte. „Und? Wie fühlt es sich an, ein Jahr näher an der Vierzig zu sein?", bemerkte er süffisant.

Snape straffte unmissverständlich seine Haltung. „Deine Scherze lassen zu wünschen übrig, Draco. Aber in Anbetracht der Umstände kann ich deine Humorlosigkeit verstehen. Wie wäre es, wenn du morgen in mein Büro kommst? Wir sollten dringend miteinander reden."

Draco schüttelte vehement den Kopf. „Ich bin es leid, zu reden. Du kannst ja doch nichts für mich tun."

Wie von Schmerz durchzogen zuckte der Professor zusammen. „Das ist weder der richtige Zeitpunkt, noch der richtige Ort, um so etwas zu besprechen, Draco. Komm morgen zu mir ..."

Abwehrend hob der junge Mann die Hände. „Schon gut. Nur keine Umstände. Ich bin verschwunden, Professor. Einen schönen Abend noch."

Damit machte er kehrt und war nicht mehr zu sehen.

Die Tür fiel ins Schloss und Snape starrte mit steinernem Ausdruck auf Hermine, die zögerlich aus ihrem Versteck hervorkam.

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Mit zittrigen Beinen ging sie auf das Sofa zu und setzte sich darauf nieder. Sie war froh, dass alles so glimpflich ausgegangen war, denn wenn Draco sie entdeckt hätte, wäre alles aufgeflogen. Trotzdem machte ihr das, was sie mitbekommen hatte, zu schaffen.

„Was auch immer das zu bedeuten hatte, kann nichts Gutes sein, habe ich Recht?"

Snape stand mit seiner Flasche in der Hand vor ihr und schüttelte den Kopf. „Nein."

Fragend legte Hermine die Stirn in Falten. „Wollen Sie darüber reden?"

Er ließ die Mundwinkel spielen, stellte die Flasche auf den Tisch und seufzte tief. Dann fuhr er sich langsam mit den Fingern durch die Haare, ehe er sich wie erschlagen neben Hermine auf das Sofa fallen ließ.

„Ob ich darüber reden will?", fragte er sie abschätzig von der Seite her betrachtend.

Hermine zuckte mit den Schultern. „Ja. Wieso nicht?"

Kaum merklich schüttelte er den Kopf. „Und worüber genau sollte ich mit Ihnen reden wollen?"

Sie spürte einen Stich, denn so wie er sie betrachtete, vermittelte er ihr wieder einmal das Gefühl, eine Fremde für ihn zu sein.

„Sie könnten es ja einmal versuchen", bot sie offen an. „Was kann schon passieren?"

Er lachte bitter auf. „Alles Mögliche, Miss Granger. Doch das würde Ihre Vorstellungskraft vermutlich bei Weitem übersteigen."

Zutiefst getroffen blinzelte sie ihn an, woraufhin er den Blick abwendete und den Kopf in seinen Händen verbarg.

Die sich auf seinen Rückzug folgende, zwischen ihnen ausbreitende Stille war erdrückend und Hermine spielte schon mit dem Gedanken, ihn am besten alleine zu lassen, als er plötzlich die Hände sinken ließ und sie eindringlich mit seinen schwarzen Augen ansah. Dann richtete er das Wort an sie.

„Ich hoffe, Sie waren vorsichtig, Miss Granger. Denn sollte Draco gemerkt haben, dass Sie heute Abend zu mir gekommen sind, kann ich nicht länger für Ihre Sicherheit garantieren. Dass er den Bezug zu mir verloren hat, ist kein Geheimnis mehr. Ich denke, Sie wissen, was das bedeutet. Jedenfalls sollten Sie beten, dass er nichts von dem, was sich in diesen Räumlichkeiten zwischen Ihnen und mir abgespielt hat, mitbekommen hat."

Hermine schüttelte den Kopf. „Ich bin mir sicher, dass niemand mir gefolgt ist, Sir."

„Wie dem auch sei, sollte er erfahren, dass ich der Vater des Kindes bin, können Sie sich darauf gefasst machen, dass er Ihnen das Leben zur Hölle machen wird."