Call it bittersweet

Kapitel 38

Die Auswirkungen eines teuflischen Plans

Die Nachricht, dass Snape in Harrys Mutter verliebt gewesen war, traf Hermine ebenso hart wie unerwartet. Nur langsam schien sie zu begreifen, was das zu bedeuten hatte. Vor allem aber auch, warum Snape sich so in seine Einsamkeit zurückgezogen hatte. Es musste schrecklich sein, in jemanden verliebt zu sein, der diese Gefühle nicht erwidern konnte und obendrein noch einen anderen heiratete, so wie Lily James geheiratet hatte. Aber hatte Snape seither wirklich niemanden mehr an sich herangelassen? Es erschien ihr eigenartig, immerhin war Lily schon seit geraumer Zeit tot.

Nach dem enttäuschenden Gespräch mit Harry und Lupins überraschendem Geständnis über Snape zog Hermine es vor, erst einmal für sich zu bleiben. In ihrer Lage konnte sie sich kaum Hilfe von den anderen erwarten. Das einzige, was sie zu hoffen wagte, war, dass Harry sich tatsächlich irgendwann beruhigen würde. Vorerst aber sah es nicht danach aus, denn für den Rest des Tages redete er kein Wort mehr mit ihr. Schlimmer noch, wann immer sie sich zufällig über den Weg liefen, machte er leise vor sich hin grummelnd kehrt. Das ging am Ende sogar soweit, dass selbst Ron bemerkte, dass etwas zwischen ihnen vorgefallen sein musste. Sehr zu Hermines Erleichterung jedoch hielt er sich zurück, ohne sich in die Angelegenheit einzumischen.

Am Abend wurde Professor Lupin von Kingsley Shacklebolt abgelöst und brachte aufgrund seiner würdevollen Erscheinung frischen Wind in den Grimmauldplatz. Während Hermine und die anderen mit Remus weitestgehend locker umgehen konnten, nahmen sie sich in Kingsleys Gegenwart deutlich mehr zusammen. Auch Harry und Ron besannen sich beim gemeinsamen Abendessen in der Küche auf ihre guten Manieren. Besonders auffällig war dabei, dass Harry und Ginny weiter als gewöhnlich voneinander Abstand nahmen, als würden sie verhindern wollen, dass irgendjemand etwas von ihrem heimlichen Geturtel mitbekam. Dabei war nicht einmal Hermine entgangen, dass die beiden auf dem besten Wege waren, ihre Freundschaft zueinander zu vertiefen, nachdem sich Ginnys Beziehung zu Dean verflüchtigt hatte.

Wenig später zog Hermine sich in die Bibliothek zurück. Nur kurz darauf klopfte es an der Tür und Ginny lugte ins Innere.

"Ich hab mir schon gedacht, dass du hier bist, um etwas Abstand zu bekommen", bemerkte sie leise. "Kann ich trotzdem reinkommen?"

Hermine nickte abwesend und kuschelte sich tief in ihren Sessel hinein. "War ganz schön viel Aufregung die letzten beiden Tage."

Ginny drückte die Tür zu und setzte sich zu ihr. "Ich weiß, dass du mit Harry über Snape geredet hast", sagte sie offen heraus. "Zuerst war ich mir nicht sicher, ob ich dich überhaupt darauf ansprechen soll. Aber ehrlich gesagt wirkst du auf mich, als könntest du jemanden zum reden brauchen."

Trotz Ginnys offensichtlicher Besorgnis sträubte sich in Hermine alles gegen die Vorstellung, dass Harry sie verraten hatte. Andererseits war ihm und seiner Wut beinahe alles zuzutrauen.

"Harry also, ja? Was hat er dir gesagt?"

Ginny schüttelte gutmütig den Kopf. "Ich hab euch heute in aller Früh streiten hören."

Sofort lief Hermine rot an. "Dann weiß Ron es also auch?"

"Nein. Du kennst ihn ja. Er schläft wie ein Baby."

In Anbetracht ihrer Lage beachtete Hermine Ginnys Kommentar nicht weiter. "Und wie ist dein Urteil zu meiner Situation? Denkst du genauso darüber wie Harry?"

Ginny zuckte mit den Schultern. "Ich weiß selbst nicht, was ich davon halten soll, Hermine. Bestimmt ist dir die Entscheidung, dich an Snape zu wenden, nicht leicht gefallen. Aber jetzt ist es passiert. Und um es rückgängig zu machen, ist es zu spät. Aber so wie wir Snape kennengelernt haben, ist er kein einfacher Mensch ..."

„Das weiß ich selbst, Ginny. Und ich hätte auch nie gedacht, dass es mich kümmern würde, schließlich war er mir davor total egal. Ich hatte nicht mehr mit ihm zu schaffen als alle anderen. Aber dann gab es so gewisse Momente zwischen uns, die alles auf den Kopf gestellt haben. Plötzlich musste ich erkennen, dass er anders ist, als ich dachte. Da war er mir nicht mehr egal."

Vorsichtig blinzelte Ginny ihre Freundin an. „Magst du ihn denn?"

Hermine seufzte. „Ich habe keine Ahnung, wie ich es bezeichnen soll, Gin. Irgendwie geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Aber ich weiß nicht, was ich will oder wo das hinführen soll. Was soll ich überhaupt tun? Alles vergessen, was geschehen ist und ihn nicht weiter beachten?"

Ginny horchte auf. "Okay, lass uns das festhalten. So wie ich das verstanden habe, habt ihr euch nur zu dem Zweck miteinander eingelassen, das Ministerium zufriedenzustellen, richtig? Nun wäre es an der Zeit, es zu beenden, bevor du dich in etwas noch Größeres verrenst. Wieso hast du es dir überhaupt angetan, ihn vor Harry zu verteidigen? Du konntest Snape nie leiden."

"Es ist nicht so leicht, das zu erklären."

"Das sehe ich. Sag bloß, es ist wegen des Babys!"

"Nicht nur. Ich bin durcheinander. Ich brauche ihn nur zu sehen oder seine Stimme zu hören und mir wird ganz schummrig. Und wenn er mich ansieht, kommt es mir vor, als würde er mir den ganzen Verstand rauben. Meine Knie werden weich und dann gibt es nur noch ihn."

Ginny gaffte sie mit offenem Mund an. "Wow. Ich würde sagen, du hast ein Problem, Hermine."

Ein mattes Lächeln legte sich über Hermines Gesicht. "Ich weiß. Er ist mein Professor, Gin. Jedenfalls war er das, bevor wir Hogwarts verlassen haben. Was Schlimmeres hätte mir gar nicht passieren können, oder? Aber was soll ich machen? Seine ganze Art, sein Wesen, im Grunde genommen alles an ihm, ist so schwer zu begreifen, dass es mich teilweise selbst erschreckt. Mal ist er so unglaublich ruhig, dass er mich einfach nur in den Armen hält und die ganze Welt um uns herum zum Stillstand zu kommen scheint. Im nächsten Moment fängt es an, in ihm zu brodeln und alles, was wir miteinander hatten, bricht mit einem Schlag auseinander. Er ist einfach unberechenbar. Meistens weiß ich gar nicht, was in ihm vorgeht. Aber so ist das wohl, wenn man sich auf etwas einlässt, das aussichtslos ist. Ich selbst hätte am allerwenigsten geglaubt, dass er jemals mein Interesse wecken könnte. Ich meine, es ist ja auch nicht gerade typisch für mich, so zu reagieren."

Verunsichert biss Ginny sich auf die Lippe. "Und was ist mit dem Kind?"

"Ich weiß es nicht. Mir wird das alles langsam zu viel. Ich dachte, ich hätte noch jede Menge Zeit, mich darauf vorzubereiten. Aber so ist das nicht. Es geht mir zu schnell."

"Das glaube ich ja. Aber was sagt er dazu?"

"Nicht viel. Von Anfang an war klar, dass Draco die Rolle des Vaters übernehmen würde. Nur so einfach war es dann doch nicht. Selbst wenn er nicht gestorben wäre, hätte ich gewollt, dass Snape das Kind akzeptiert. Es ist immerhin von ihm. Aber sobald er von der Schwangerschaft wusste, wollte er wieder auf Distanz gehen. Ich kann ihm nicht mal einen Vorwurf dafür machen, Gin, schließlich hatten wir eine Abmachung."

"Hast du es denn zugelassen? Ich meine, hattet ihr abgesehen von euren Begegnungen im Unterricht noch Kontakt zueinander, nachdem du es ihm gesagt hast?"

"Ich habe versucht, mit ihm zu reden, was keinesfalls leicht war. Fakt ist, wir haben auch danach noch miteinander geschlafen, als er seinen Teil der Abmachung erfüllt hatte. Es war Sex, Gin. Bloßer Sex. Aber es war gut."

"Und was genau willst du damit sagen? Hat das zu bedeuten, dass ihr euch dabei näher gekommen seid?"

"Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht."

"Dann solltest du es herausfinden. Ihr müsst das klären."

"Und wie soll ich das anstellen? Du weißt selbst, wie abweisend er sein kann."

"Ja. Aber ich habe auch nicht mit ihm gevögelt, Hermine. Im Grunde genommen geht es mich gar nichts an."

"Stimmt. Vielleicht solltet du dann aufhören, mich mit Fragen zu löchern, auf die ich selbst keine Antwort weiß."

"Das würde ich nur zu gerne, glaub mir. Doch so wie du aussiehst, kann ich mir nicht vorstellen, dass du damit glücklich wirst, wenn du nicht weißt, woran du bei ihm bist. Du verdienst es, von ihm respektiert zu werden. Das bedeutet, er ist dir eine Erklärung schuldig. Oder zumindest eine Antwort."

Hermine schüttelte sich. Der Gedanke, die Sache erneut vor ihm zur Sprache zu bringen, war nicht gerade nach ihrem Geschmack. "Streng genommen schuldet er mir gar nichts. Wir hatten eine Abmachung und daran hat er sich gehalten. Dass nun alles so kompliziert geworden ist, ist nicht seine Schuld. Er wollte ganz sicher nicht, dass ich mich wie eine Klette an ihn hänge."

Ginny wollte davon nichts hören und wehrte energisch ab. "Hör ja auf, ihn zu verteidigen, Hermine. Er sollte zu seiner Verantwortung, die er dir und dem Baby gegenüber hat, stehen. Es ist nicht besonders fair von ihm, dich hängen zu lassen."

"Das hat er auch gar nicht. Obwohl es vielleicht komisch klingt, war er für mich da."

"Ja. Um dich flachzulegen. Bestimmt hat es ihn eine gehörige Portion Überwindung gekostet, das zu tun."

Verärgert über den sarkastischen Unterton in Ginnys Stimme schnaubte Hermine ihre Freundin an. "Wieso gehst du nicht lieber gleich zu Harry, wenn du schon dein Urteil über Snape gefällt hast? Gemeinsam könntet ihr wunderbar über mich herziehen. Egal was ich auch sage, du würdest es ja doch nicht verstehen."

"Nein, du hast Recht. So etwas kann man nicht verstehen. Ganz besonders dann nicht, wenn du ihn in Schutz nimmst. Aber ob du es glaubst oder nicht, ich sage das nicht, um dich zu ärgern, sondern weil ich mir Sorgen um dich mache."

"Dann gib ihm eine Chance. Vielleicht braucht er einfach nur Zeit, sich damit abzufinden."

"Zeit? Wozu? Um sich eine Ausrede zurechtzulegen?"

"Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen, dass Draco tot und unser Plan gescheitert ist. Die Situation ist auch für ihn nicht leicht."

Ginny wirkte so verblüfft, als hätte sie sich verhört. "Hattest du denn Zeit, damit klarzukommen, Hermine?"

Hermine seufzte. "Nicht viel mehr als er. Aber du weißt nicht, was er durchmacht. Jedes Mal, wenn er zu Voldemort geht, ist er in Gefahr. Vor allem dann, wenn er nicht bei der Sache ist. Jede Ablenkung könnte ihn verraten, genauso wie ihn jeder Gedanke an mich oder das Baby verwundbar machen könnte." Oder die Erinnerung an Harrys Mum, wie sie stillschweigend hinzufügte.

Insgeheim hatte Hermine schon vor einer Weile angefangen, sich mehr und mehr mit den Problemen auseinanderzusetzen, mit denen der Professor in seiner Position zu kämpfen hatte. Zuerst war es ein ziemlicher Schock für sie gewesen, als sie damals erfahren hatte, dass er ein Todesser war. Seit sie jedoch wusste, dass er für den Orden des Phönix arbeitete, hatte sie begonnen, alles in einem anderen Licht zu betrachten. Snape war nicht einfach zu durchschauen. Entscheidend war dabei aber, dass er zu Dumbledore gehörte und auf ihrer Seite war.

Obwohl ihr Schulleiter die Position des Professors im Orden wiederholt bekräftigt hatte, hatte Harry nie aufgehört, Snapes Motive anzuzweifeln, was vielleicht mit den Vorbehalten zu tun hatte, die Sirius in Bezug auf ihn gehabt hatte. Hermine hatte sich davon nicht beeindrucken lassen. Ganz besonders jetzt, da sie trotz der obskuren Situation angefangen hatte, sich zu ihrem Professor hingezogen zu fühlen, kam sie nicht mehr umhin, sich über seinen Lebenswandel Gedanken zu machen. Es war verstörend und beunruhigend gleichermaßen, denn je mehr sie versuchte, ihm auf den Grund zu kommen, desto mehr fing sie an, sich in etwas zu verstricken, das sie nicht kontrollieren konnte, genauso wie Ginny es gesagt hatte.

Das Leben im Grimmauldplatz pendelte sich im Gegensatz zu ihren früheren Aufenthalten in Sirius' einstigem Haus nur schleppend ein. Inzwischen waren etliche Tage und Wachablösungen vergangen, von Snape jedoch hatte es keine Spur mehr gegeben. Die Unbeschwertheit, die sie sonst im Beisein ihrer Freunde genossen hatte, war für Hermine nahezu gänzlich verschwunden. Dafür traten Spannungen bezüglich ihrer Offenbarungen über die Schwangerschaft und des Professors Beteiligung daran in den Vordergrund, die sie am liebsten einfach ausgeblendet hätte. Doch das war nicht möglich. Hermine gingen an die tausend Sachen durch den Kopf, auf die sie eine Antwort haben wollte. Wehmütig streifte sie durch das Haus und dachte an Hogwarts und daran, dass obgleich der Ferien das Leben für die anderen Schüler weiterging, während sie mit ihren Freunden hier ausharren musste und das sichere Versteck nicht verlassen durfte. Schon bald wurde jede Nachricht, die sie von Tonks, Lupin oder Molly Weasley über die Vorgänge von außerhalb erfuhr, zur willkommenen Abwechslung. Dumbledore und McGonagall hatten viel zu erklären gehabt, nachdem bekanntgeworden war, dass Draco gestorben war. Ähnlich musste es Snape ergangen sein, nur dass er eben vor Voldemort Rede und Antwort stehen musste. Wie üblich jedoch wurde lieber beharrlich über den Professor geschwiegen, als dass eines der Ordensmitglieder über ihn gesprochen hätte.

Auch im Haus selbst standen immer wieder eine Vielzahl an Debatten an, die Hermine zu schaffen machten. Während Ginny sich ihr gegenüber mit Anschuldigungen im Hintergrund hielt, brachten weder Harry noch Lupin Verständnis dafür auf, dass sie sich in ihrer Verzweiflung an den zwielichtigen Professor aus den Kerkern von Hogwarts gewendet hatte, anstatt bei Dumbledore um Rat zu suchen. Nachdem dann während eines weiteren Streits zwischen Hermine und Harry auch Ron von der Angelegenheit erfuhr, war das Chaos perfekt. Ron reagierte zuerst einmal mit Unverständnis und Wut, ehe er in tiefes Schweigen verfiel. Zu allem Überfluss hatte Hermine auch noch damit zu kämpfen, dass Harry und Remus eine verschworene Gemeinschaft gegen Snape zu bilden schienen und ihn nicht länger im Haus dulden wollten. Nur ein Machtwort Dumbledores konnte sie am Ende davon überzeugen, ihre Vorbehalte dem Professor gegenüber in den Hintergrund zu stellen, um Snapes Arbeit, die er für den Orden leistete, nicht weiter zu behindern.

Bei ihrer nächsten Begegnung mit Snape musste Hermine erkennen, dass die Feindseligkeiten zwischen den einzelnen Lagern keinesfalls harmlos waren. Im Gegensatz zu Snape, der es bei der Wachablösung vorgezogen hatte, Lupin aus dem Weg zu gehen, erweckte Remus den Eindruck, dass er es nur darauf anlegen würde, den Dunklen Zauberer auf direktem Wege zu konfrontieren. Verbissen harrte er am Esstisch aus und tauschte vielsagende Blicke mit Harry, bis es Ron und Ginny zu bunt wurde und sie nach nebenan gingen. Nur kurz nach Snapes Eintreffen standen sich die beiden Professoren dann in der Küche gegenüber und bedrohten sich gegenseitig mit den Zauberstäben, woraufhin eine Reihe an fiesen Anschuldigungen folgte.

Irgendwann im Laufe des Wortgeplänkels hatte Hermine genug. In ihrer Hilflosigkeit schob sie ihren Stuhl zurück und stand auf. Den Tränen nahe stürmte sie aus der Küche und suchte Zuflucht bei Ginny und Ron. Ihr war unbegreiflich, wie zwei erwachsene Menschen so handeln konnten. Außerdem hatte sie keine Lust darauf, weiter in den Mittelpunkt des Geschehens zu geraten, obwohl sie nicht einfach so tun konnte, als würde sie die Angelegenheit nichts angehen. Ihr angreifbarer Körper machte es ihr schon schwer genug, mit all den bevorstehenden Veränderungen zurechtzukommen, die sie früher oder später einholen würden.

Erst als Lupin gegangen war und sich die aufgeheizten Gemüter halbwegs beruhigt hatten, wagte Hermine es wieder, die Küche zu betreten. Harry hatte sich inzwischen ebenfalls zurückgezogen und so fand sie Snape alleine am Fenster stehend vor, den Blick nachdenklich in die Ferne gerichtet. So sehr sie sich auch gewünscht hatte, offen mit ihm über alles reden zu können, was sie bewegte, musste sie einsehen, dass es unter den gegebenen Umständen keinen Sinn hatte, den Professor mit seiner Rolle als Vater zu konfrontieren. Stattdessen begnügten sich beide erst einmal damit, sich schweigend anzusehen, was keinesfalls leicht für Hermine war, wenn er sie so wie jetzt mit seinen schwarzen Augen in Grund und Boden starrte.

„Sind Sie jetzt zufrieden?", fragte er plötzlich und fuhr sich in langen Bahnen mit den Händen durch die Strähnen. „Es wäre klüger gewesen, Lupin die Angelegenheit nicht so voreilig unter die Nase zu reiben."

Blitzartig fiel auf seinen Wink hin die Tür ins Schloss, sodass sie mit ihm alleine war. Hermine zuckte zusammen. Sie wusste nicht, was sie von diesem Kommentar halten sollte. Es wirkte surreal, dass er ihr Vorschriften machen wollte, wo er doch bis jetzt ohnehin kaum etwas dazu zu sagen gehabt hatte, wie er sich ihr künftiges Vorgehen vorstellte.

„Dann ist es Ihnen wohl lieber, wenn ich alleine damit dastehe?", fragte sie verletzt.

Snape kam langsam auf den Tisch zu, zog einen Stuhl zu sich heran und bedeutete ihr, sich zu setzen.

"Wieso sollte ich das tun?", fragte sie skeptisch. "Damit Sie mir wieder einmal vor Augen führen können, dass Sie das Sagen haben?"

"Keineswegs."

"Nein? Seit Tagen habe ich darauf gewartet, mit Ihnen reden zu können. Doch Sie vergeuden keine Zeit, mit Lupin zu streiten, sobald Sie hier sind."

Snape versteifte sich. "Bitte, Miss Granger, tun Sie, was ich sage. Ihr unkonventionelles Verhalten erfordert unkonventionelle Maßnahmen."

Seine tiefe Stimme ließ sie frösteln. Widerstrebend gehorchte sie, obwohl ihr keineswegs danach war, sich jetzt von ihm herumkommandieren zu lassen. Jedenfalls nicht, bevor sie eine zufriedenstellende Antwort von ihm erhalten hatte.

"Gut, ich sitze. Und nun sagen Sie mir, was Sie von mir wollen."

Unbehelligt von allem holte er einen weiteren Stuhl herbei und ließ sich darauf nieder, sodass sie unmittelbar nebeneinander saßen.

„Bestimmt können Sie sich vorstellen, dass ich es bevorzuge, alleine zu arbeiten", sagte er ohne Umschweife. „Aufgrund der dramatischen Vorkommnisse jedoch gibt es für den Orden eine Vielzahl an Aufgaben zu bewältigen, die wir nur gemeinsam erledigen können."

„Das verstehe ich. Ich bin mir nur nicht sicher, was ich damit zu tun haben soll."

Snape verschränkte gelassen die Arme vor der Brust und fasste sie mit eng zusammengekniffenen Brauen ins Visier. „Dann werde ich Ihnen auf die Sprünge helfen, Miss Granger. Wenn Sie es darauf anlegen, mir das Leben schwer zu machen, fahren Sie fort, allen davon zu erzählen, dass ich es war, der Sie geschwängert hat. Ich bin sicher, das Thema dürfte für reichlich Unterhaltung sorgen."

„Oh bitte! Sie haben ja vielleicht Nerven", entgegnete sie unbeeindruckt. „Professor Lupin ist ein Freund für uns. Er gehört zum Orden und ich vertraue ihm."

„Das mag durchaus so sein. Aufgrund meiner Erfahrungen mit ihm muss ich jedoch betonen, dass es unklug war, ihm die Sache anzuvertrauen. Der Zeitpunkt hätte nicht unpassender sein können."

Sie schnaubte leise. „Ach ja? Ich habe seit etlichen Tagen nichts mehr von Ihnen gehört. Wo haben Sie gesteckt? Was haben Sie getan?"

„Das geht Sie nichts an", sagte er wie beiläufig.

Hermine traute ihren Ohren kaum. „Sehen Sie? Genau dieses Verhalten an Ihnen macht mich wahnsinnig. Neulich waren Sie bereit, es darauf ankommen zu lassen, Harry alles zu offenbaren. Dann tauchen Sie ohne eine Nachricht klammheimlich wieder unter. Und jetzt, wo ich mich in meiner Einsamkeit meinen Freunden anvertraut habe, wundern Sie sich darüber, dass es dazu gekommen ist. Dabei wollen wir alle im Grunde genommen nur wissen, woran wir sind."

„Was genau wollen Sie mir damit sagen?", fragte er mit bis zum Anschlag erhobenen Brauen, ein deutliches Zeichen dafür, dass er sie nicht sonderlich ernst zu nehmen schien. „Dass Sie und Ihre Freunde über die Entwicklung der Situation unzufrieden sind?"

Hermine holte Luft. „Seit gut zwei Wochen sitzen wir hier herum und haben das Haus nicht ein einziges Mal verlassen. Die Stimmung zwischen uns allen ist gereizt und kaum zu ertragen. Ganz besonders, da Harry wie ein Irrer gegen Sie wettert."

„Sagen Sie bloß, Sie hätten etwas anderes erwartet, Granger."

„Nein. Aber um es nicht noch schlimmer werden zu lassen, sollten wir etwas tun. Wir können nicht ewig tatenlos hier herumsitzen und abwarten, was für Neuigkeiten die anderen mitbringen, wenn Sie uns besuchen kommen. Wir brauchen eine Aufgabe. Außerdem möchte ich wissen, wie es weitergehen wird. Was hat Dumbledore geplant? Wie lange werden wir hier noch festsitzen? Wie stehen Sie zu dieser ganzen Entwicklung?"

Snape schüttelte energisch den Kopf. „Ich bin nicht Ihr Babysitter, Miss Granger. Wenn Sie sich langweilen, ist das nicht mein Problem."

„Vielleicht könnten Sie uns trotzdem irgendwie miteinbeziehen. Geben Sie uns eine Aufgabe."

„Jeder wird seine Aufgabe dann erhalten, wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, glauben Sie mir", antwortete er kühl. „Konzentrieren Sie sich lieber darauf, Ihren Pflichten als Mutter nachzukommen, wenn es soweit ist. Sie lesen doch gerne. Lassen Sie sich ein paar Bücher über die Geburt und Babys kommen. Molly wird Ihnen bestimmt gerne aushelfen."

Hermines Augen blitzten geradezu mörderisch auf. Weder sein Ton, noch sein abfälliger Kommentar fanden Anklang bei ihr. „Hat diese verhärmte Seite an Ihnen etwas mit Harrys Mum zu tun? Kein Wunder, dass sie sich gegen Sie und für James entschieden hat."

Noch ehe sie sich in ihrem Zorn zurücknehmen konnte, hatte sie es auch schon ausgesprochen. Sehr zum Ärger des Professors, der sie entgeistert anstarrte.

„Woher wissen Sie davon?"

Hermine biss sich unsanft auf die Zunge. „Das ist nicht wichtig."

Snape verzog die Mundwinkel zu einer schiefen Grimasse. "Ich kann mir schon denken, wer es war. Glückwunsch, Granger. Sie scheinen sich mit Lupin besser zu verstehen, als ich angenommen hätte." Ruckartig beugte er sich zu ihr vor, wobei sein Blick eiskalt wurde. "Was hat er Ihnen noch erzählt?"

Durch die eigentümliche Nähe zu ihm eingeschüchtert, musste Hermine erst einmal schlucken. Es war ein Weilchen vergangen, seit er sie zuletzt so feindselig angesehen hatte.

"Dass Sie offensichtliche Gefühle für Lily gehegt haben, die sie nicht erwidert hat", murmelte sie kleinlaut.

Snape zuckte beim Klang des Namens zusammen als hätte Hermine von Voldemort gesprochen. Schnell ergriff sie die Gelegenheit und redete weiter. Es kam schließlich nicht allzu oft vor, dass es ihm die Sprache verschlug.

"Hören Sie, Professor, was ich vorhin gesagt habe, war falsch. Es war nicht richtig von mir, das gegen Sie zu verwenden. Aber manchmal schaffen Sie es einfach, dass ich mich in Ihrer Gegenwart wie ein Idiot fühle. Es muss nicht so sein, dass wir uns gegenseitig schwach anreden. Vielmehr sollten wir versuchen, an einem Strang zu ziehen, genauso wie es die Umstände erfordern."

Tief ausatmend setzte er sich auf und faltete die Hände vor dem Schoß ineinander. Hermine wartete indes gebannt darauf, was er zu sagen hatte. Sie konnte den Blick nicht von ihm nehmen. Seine ganze Erscheinung, so beunruhigend sie auch sein mochte, hatte etwas Tragisches an sich. Noch dazu, wenn man bedachte, dass das, was sie von Lupin erfahren hatte, der Grund für seine Einsamkeit sein sollte.

"Die Umstände erfordern, dass ich mich von Ihnen fernhalte", spuckte er gereizt zurück. "Seit Sie damals bei mir aufgetaucht sind und mich um Hilfe gebeten haben, bin ich sprichwörtlich vom Regen in die Traufe geraten."

"Das ist nicht meine Absicht gewesen, Professor."

"Nein?"

Sichtlich beklommen streckte Hermine die Hände nach ihm aus und legte sie auf seine. Snape jedoch versteifte sich umgehend und fuhr sie scharf an. "Glauben Sie ja nicht, dass Sie mich mit Ihren freizügigen Gesten um den Finger wickeln können. Was Sie auch sagen oder zu tun gedenken, bedeutet gar nichts."

"Denken Sie das wirklich? Wir haben uns geküsst", begann Hermine leise und senkte den Blick auf seine Brust. "Wir haben scheußlich miteinander gestritten und uns daraufhin in den Armen gelegen. Wir haben unter widrigen Umständen miteinander geschlafen und ein Kind gezeugt. Die wichtigsten Menschen in unserem Umfeld wissen von unserem teuflischen Plan. Wollen Sie mir da ernsthaft beibringen, das alles ließe Sie kalt? Draco ist nicht länger hier. Warum können Sie nicht über Ihren Schatten springen und Verantwortung für das Baby übernehmen?"

"Natürlich! Sie können es einfach nicht lassen, was?"

Auf der Suche nach Bestätigung sah sie ihn an. Snapes Atmung verriet deutlich, dass sie Gefahr lief, sich weiter in Schwierigkeiten zu bringen, wenn sie nicht bereit war, sich zurückzunehmen. Doch sie konnte es nicht. "Es ist in Ordnung, Gefühle zu zeigen, wirklich. Nur weil Sie Lily verloren haben, muss das nicht heißen, dass Sie nie wieder etwas fühlen werden, Professor."

Er entzog ihr unsanft seine Hände, schob den Stuhl zurück und stand auf. Mit nachdenklicher Miene wanderte er dann in der Küche auf und ab, stets von Hermines Blicken gefolgt.

Obwohl sie sehen konnte, dass es in ihm arbeitete, ließ er sich Zeit, sie mit seinen Gedanken zu konfrontieren. "Dank Ihrer unbefangenen Art leben Sie in einer Seifenblase, Miss Granger", sagte er vollkommen unerwartet und hielt vor ihr inne, um von oben auf sie hinabzublicken. "Sie glauben an das Gute im Menschen, nicht wahr? Sie hoffen, dass Ihr Freund Mr. Potter eines Tages die große ihm bevorstehende Schlacht gewinnen und siegreich als Held daraus hervorgehen wird. Aber haben Sie sich einmal gefragt, wie viele Opfer bis dahin noch gefordert werden? Wie viel Blut vergossen werden wird? Wie viele Ihrer Freunde und Kameraden vermutlich ihr Leben lassen werden, damit Sie am Ende in Freiheit da weitermachen können, wo Sie waren, bevor Sie sich entschlossen haben, Ihren Idealen zu folgen? Wie dem auch sei, bleiben Sie, wie Sie sind. Es ist vielleicht besser so. Andernfalls würden Sie nur daran zerbrechen."

Hermine runzelte die Stirn. "Wieso reden Sie so abfällig über mich?"

"Weil irgendjemand Ihnen die Augen öffnen muss. Ihnen steht keine leichte Aufgabe bevor. Wir befinden uns am Rande eines Krieges. Der Dunkle Lord scharrt alle nur erdenklichen Kräfte zusammen. Wir hingegen werden täglich weniger. Menschen verschwinden und tauchen nicht mehr auf. Wir beide wissen, wer dafür verantwortlich ist, geben Sie sich bloß keine Mühe, so zu tun, als wäre es Ihnen entgangen. Selbst wenn ich also Gefühle in Bezug auf Sie oder das Kind hegen sollte, wäre dies zweitrangig. Ich habe ein Versprechen gegeben und eine Aufgabe zu erfüllen. Ich werde da sein, wenn Albus schon längst nicht mehr unter uns weilt. Es sei denn, der Dunkle Lord entscheidet sich dazu, mich nicht länger zu gebrauchen. So oder so, machen Sie sich keine Hoffnungen, dass ich irgendwann einmal in absehbarer Zeit mit Ihnen gemeinsam an der Wiege unseres Sohnes sitzen werde."

Bleich vor Schreck starrte sie in sein zerfurchtes Gesicht. "Sie haben mit Madam Pomfrey geredet? Niemand sonst wusste davon!"

Er legte abwertend den Kopf schief und fletschte die Zähne. "So könnte man es ausdrücken, obwohl sie sich nicht daran erinnern wird. Überrascht Sie das? Ich muss zugeben, dass ich versucht war, das Geschlecht des Kindes herauszufinden. Rein interessehalber natürlich, nicht aus sentimentalen Gründen ..."

"Sie lügen", stieß Hermine aufgebracht aus. "Was für ein abscheulicher Heuchler Sie doch sind!"

Snape grinste verschlagen. "Wer kann das schon so genau wissen, nicht wahr?"

"Dazu hatten Sie kein Recht! Was haben Sie ihr getan?"

"Keine Sorge, es war zu ihrem eigenen Wohl. Madam Pomfrey erfreut sich bester Gesundheit. Lediglich ihre Erinnerung an meinen Besuch ist aus ihrem Gedächtnis verschwunden."

Langsam wanderte er zum Fenster hinüber und blickte hinaus. Hermine aber war zu schockiert um etwas zu tun.

"Es ist schon eigenartig, was so ein kleiner Gedächtniszauber bewirken kann. Manchmal wünscht man sich direkt, jemand würde einen damit belegen. Oder waren Sie etwa noch nie in einer Lage, die Sie dazu gebracht hat, so zu denken?"

Fröstelnd hielt Hermine die Augen auf seine schwarze Rückseite geheftet. "Es wäre gelogen, zu behaupten, ich hätte mir nicht gewünscht, das mit Ihnen vergessen zu können. Aber glauben Sie, dass Sie damit Ihre Probleme lösen werden, Professor? Es wird Sie nicht Ihrer Verantwortung entbinden, wenn Sie die Menschen um sich herum ihrer Erinnerungen berauben."

Energisch riss er den Kopf herum, schritt auf sie zu und beugte sich über sie, dass ihr Herz nur so pochte. "Ich bin nicht der, für den Sie mich halten, Miss Granger. Ich muss das tun, um nicht aufzufliegen. Albus vertraut mir. Das bedeutet, er zählt darauf, dass ich Potter auf seinem Weg begleiten werde. Mir bleibt also keine andere Wahl, als alle Verbindungen zu Ihnen zu kappen. Mein Leben hängt von dem bisschen Tarnung ab, das ich mir schmerzhaft erkauft habe. Es wissen ohnehin schon genug von unserem, wie Sie es nannten, teuflischen Plan. Ich haben Ihnen keine Versprechungen gemacht. Und trotzdem versuchen Sie so beharrlich, zu mir durchzudringen. Die Frage ist nur, wieso Sie das tun."

"Weil ich tatsächlich glaube, dass Sie ein anderer sind als der, den Sie verkörpern, um Ihre Pflicht zu erfüllen", sagte sie, so würdevoll sie es fertigbrachte. "Sie wollen, dass Harry diesen Krieg gewinnt? Sie wollen Voldemort zerstören? Das will ich auch. Ich war genauso bereit wie Sie, die Regeln zu brechen. Der einzige Unterschied zwischen uns ist der, dass ich Vertrauen in die Menschen habe. Ich vertraue Harry und Dumbledore. Und ich vertraue auf Sie."

„Dann werden Sie sicher auch Verständnis für die eine oder andere Ungereimtheit haben, nicht wahr? Denn das bedeutet es, diesen Weg zu beschreiten. Wir dürfen dabei nicht an uns denken. Besonders dann nicht, wenn es uns ablenkt. So leid es mir also tut, Ihnen das sagen zu müssen, Miss Granger, aber das Opfer, das Sie dargebracht haben, ist nur eines von vielen. Unzählige Menschen dort draußen erleiden ein ähnliches Schicksal."

Hermine schüttelte sich. Sie wollte nicht wahrhaben, was er gesagt hatte. „Wieso haben Sie dann zugelassen, dass wir dieses Kind zeugen? Wenn alles so aussichtslos ist, wie Sie es schildern, hätten Sie es verhindern müssen."

„Hätte ich das?", fragte er mit eng aufeinanderliegenden Lippen. „Hätte ich Sie und Draco und mich opfern sollen? Sie hingen so sehr an Ihrem Leben, dass Sie bereit waren, zu mir zu kommen. Sie haben mich angefleht, Ihnen zu helfen."

„Ja. Aber doch nur, weil ich Angst hatte."

Er schnaubte leise. „Wir alle haben von Zeit zu Zeit Angst, Miss Granger. Das ist eine seltsame Eigenart, die wie eine üble Laune der Natur auftritt. Entscheidend jedoch ist, diese Angst nicht gewinnen zu lassen."

Verunsichert blinzelte sie zu ihm hinauf. „Dann haben Sie auch Angst?"

Ohne zu antworten wendete er sich von ihr ab und lehnte sich gegen die Tischplatte, wo er sich mit den Händen durch die Haare fuhr. „Vielleicht habe ich das. Aber nicht so, wie Sie denken." Seine Brauen zogen sich zusammen, dennoch ließ er den Blick in ihre Augen gleiten und sah sie wie schon so oft zuvor auf seine durchdringende Art und Weise an. „Ich kann Ihnen keine Garantie geben, dass Ihr Traum von einem Leben in Freiheit Wirklichkeit wird. Ebenso wenig kann ich dafür Sorge tragen, da zu sein, wenn das Kind erst einmal geboren ist. Dass Draco tot ist, stellt uns nur vor neue Probleme. Wir wissen nicht, wie lange Sie hier ausharren müssen. Das Versteck zu verlassen, wäre zu gefährlich. Bedenken Sie, dass jeder, der Sie und das Kind in die Finger bekommt, es sofort als Dracos Sohn ansehen würde."

„Es sei denn, es sieht Ihnen mehr ähnlich als Draco", murmelte Hermine beflissen.

Snape rollte die Mundwinkel zurück. Dann legte er unglaublich sanftmütig seine Hand auf ihre Schulter. „Das wird sich herausstellen. Vorerst müssen wir unbedingt verhindern, dass sich das, was wir getan haben, herumspricht. Ich kann es mir nicht leisten, meine Tarnung auffliegen zu lassen."

Nachdenklich klemmte Hermine ihre Lippe zwischen die Zähne. Dass er ihr nicht sagen konnte, wie es weitergehen würde, war nachvollziehbar. Trotz allem hatte sie gehofft, etwas mehr Verständnis von ihm zu erhalten. Nachdem er aber so verloren wirkte, brachte sie es nicht über sich, ihm länger einen Vorwurf dafür zu machen. Nicht im Moment jedenfalls.

Von tiefer Traurigkeit erfasst beugte sie sich nach vorne und schmiegte ihren Kopf an seine Seite. „Ich glaube, Sie irren sich, Professor. Ich bin nicht so unbefangen wie Sie denken. Schon als ich klein war, habe ich mir Gedanken über Dinge gemacht, die ich nur schwer nachvollziehen konnte, bis ich ihnen auf die Schliche kam. Trotzdem bleiben Sie eine Herausforderung für mich."

Snape schüttelte matt den Kopf. „Ich habe nie behauptet, dass es irgendwann anders sein würde, Granger."

„Nein, haben Sie nicht", gab sie leise zu. Es war nur zu offensichtlich, dass sie ihn unterschätzt hatte. Genau davor aber hatte Lupin sie gewarnt.