Call it bittersweet

Kapitel 41

Väter und Söhne

Natürlich hatte Hermine von der Auseinandersetzung in der Küche Wind bekommen. Trotzdem wollte sie nicht wissen, was geschehen war. Die traurige Realität darüber, dass zwei der bedeutendsten Menschen in ihrem Leben sich gegenseitig bekämpften, während Voldemort versuchte, sie alle zu zerstören, war zu grausam. Wenn nun einer der beiden zu weit gegangen oder einer von ihnen dabei gestorben wäre, wie es mit Draco geschehen war, was dann? Die Vorstellung war kaum auszuhalten, denn Hermine wollte weder Harry noch Snape verlieren. Andererseits wusste sie aber auch, dass sie ihm nun wirklich mehr als genug Chancen gegeben hatte, sein abstruses Verhalten ihr gegenüber in den Griff zu bekommen. Irgendwann musste Schluss sein. Irgendwann sollte man aufhören, den Dingen nachzulaufen, die man nicht haben konnte. So zumindest besagte es der gesunde Menschenverstand. Die Frage, die offen blieb, war lediglich, ob sie diesen Punkt nicht schon damals in seinem Büro überschritten hatte, als sie ihn um Hilfe gebeten hatte.

Stunde um Stunde lag sie wach in ihrem Bett und dachte nach, bis sie endlich eindöste. Erst der aromatische Geruch nach frischem Kaffee weckte sie am nächsten Morgen. Und der vertraute Duft Snapes, der eng an sie gedrückt neben ihr im Bett lag und sie ansah.

Ruckartig setzte Hermine sich auf, wobei sich ihre Befürchtung bestätigte, dass er nichts anhatte. Auch das noch, dachte sie entrüstet! Nicht nur die Tatsache, dass er sich heimlich zu ihr ins Zimmer geschlichen hatte, beunruhigte sie, sondern auch die, dass er es gewagt hatte, nackt zu ihr unter die Decke zu schlüpfen.

"Was zur Hölle ... Was glauben Sie, was Sie hier tun?", fragte sie vorwurfsvoll. Dass sie bereits oftmals mit ihm geschlafen hatte, musste ja nicht gleich ein Freifahrtschein dafür sein, ungeladen in ihrem Bett aufzutauchen. Ganz besonders, da sie so viele Meinungsverschiedenheiten miteinander gehabt hatten und er es obendrein verweigert hatte, ihr entgegenzukommen.

Snape stützte den Kopf auf die Hand und kniff abschätzig die Brauen zusammen. "Minerva hat entschieden, dass ich mich um Sie zu kümmern habe", entgegnete er schlicht. "Und um das Baby. Genau genommen, um Sie und das Baby."

Ihr gemeinsames Baby, wie es ihm schmerzhaft in den Kopf schoss.

Verwundert blinzelte Hermine. "Hat sie das? Was hat sie zu Ihnen gesagt? Ich meine, nicht dass mich ihre Meinung sonderlich kümmern würde. Das Gerede der Menschen über andere, und Dinge, die sie nichts angehen, wird im Allgemeinen viel zu sehr überbewertet."

Innerlich kochte sie fast vor Wut. War das zu fassen? Musste sich nun auch noch McGonagall einmischen? Seitdem sie die Erfahrung gemacht hatte, was Harry und Lupin von der Angelegenheit hielten, war sie vorsichtiger geworden, das mit dem Professor und ihr bekanntwerden zu lassen. Schließlich hatte auch Hermine einen Rest an Stolz.

Als er noch immer nicht bereit war, darauf einzugehen, seufzte sie. "Sie wollen nicht darüber reden? Schön, lassen wir das. Wieso sind Sie dann überhaupt hier? Wenn Harry wüsste, dass Sie in meinem Schlafzimmer sind, würde er ..."

Snape verzog die Mundwinkel zu einer unliebsamen Grimasse und fiel ihr ins Wort, noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte. "Er hat schon gestern kläglich dabei versagt, mich umzubringen. Warum sollte es jetzt anders sein?"

"Machen Sie bloß nicht den Fehler, ihn zu unterschätzen", schnaubte sie kühl.

Der Professor aber ließ sich davon nicht beeindrucken und zog sie zu sich zurück aufs Bett. Wortlos ließ er seine Hand unter ihr Nachthemd gleiten, strich damit über ihre Brüste und beobachtete, wie Hermines Augen immer größer wurden.

Sie schluckte. Obwohl seine Berührung genau das war, was sie sich aus tiefstem Herzen herbeigesehnt hatte, wusste sie nicht, ob sie das in Anbetracht der angespannten Lage, die nach wie vor zwischen ihnen herrschte, gutheißen konnte.

"Was soll das werden?" Ihr Herz klopfte so stark, dass sie sich fast sicher war, dass er es hören konnte.

"Was glauben Sie?", murmelte er zwischen nahezu unbeweglichen Lippen hervor.

Hermine wurde das Gefühl nicht los, dass er es genoss, sie überrumpelt zu haben. Gebannt starrte sie in seine schwarzen Augen, die sie unergründlich musterten, während seine Finger sanft von oben nach unten über ihre Haut glitten und ihren Körper in Wallung versetzten.

Obwohl es nach wie vor schwer war, aus seinem Blick schlau zu werden, kannte sie ihn inzwischen doch gut genug, um zu wissen, dass es nur eine Sache geben konnte, die ihn dazu gebracht hatte, sie aufzusuchen. "Also, ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob das, was Sie vorhaben, auch tatsächlich meinen Vorstellungen entspricht …"

Bei ihren Schenkeln angelangt hielt er inne und beugte sich zu ihr hinab. "Entspannen Sie sich, Miss Granger."

"Ich - ich glaube nicht, dass ich das tun kann", flüsterte sie leise. Dann, ehe sie ihre verworrenen Gedanken zügeln konnte, fing sie zu plappern an. "Sehen Sie, Professor, ich denke wirklich nicht, dass ich es bin, die Ihnen eine Erklärung schuldet. Vielmehr ist es andersrum. Sie haben es nicht einmal als nötig erachtet, mir in der Küche auf meine Frage zu antworten. Und nun sind Sie hier und behaupten doch tatsächlich, Professor McGonagall hätte …"

Schlagartig hielt sie inne, umfasste mit den Fingern sein Kinn und drehte seinen Kopf zur Seite. Snape protestierte nicht einmal. Er war offenbar viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, sich über sie zu amüsieren, als dass er damit gerechnet hätte, dass ausgerechnet sie ihn eiskalt erwischen würde.

„Sie sehen schrecklich aus, wissen Sie das? Übermüdet und unrasiert - nicht gerade vorteilhaft in Ihrem Alter."

Er legte abrupt die Stirn in Falten. Seine eben noch lüsternen Gedanken hatten sich einfach so in Luft aufgelöst. „Wie war das?"

„Wann haben Sie zuletzt geschlafen? Und was soll die Sache mit dem unrasierten Kinn? Ich denke nicht, dass Ihnen ein Bart steht, Professor."

Damit, dass sie ihn so schwach anreden würde, hatte er nun nicht gerechnet. Prüfend sah er sie an. Für gewöhnlich hatte sie den Mund nicht so voll genommen, es sei denn, sein Verhalten hatte sie provoziert. Im Moment jedoch war er sich nicht darüber im klaren, ob er es verdient hatte, von ihr zurückgewiesen zu werden; war nicht sie es gewesen, die ihn immer wieder verführt hatte, obwohl ihre Abmachung schon längst hinfällig gewesen war? Hätte sie nicht diese Beharrlichkeit besessen, hätte er schließlich nicht solchen Geschmack daran gefunden, sie sich zu eigen zu machen!

„Sie haben bestimmt eine Menge Talente, Miss Granger", entgegnete er prüde. „Aber Taktgefühl gehört eindeutig nicht dazu."

Hermine zuckte belanglos mit den Schultern. „Und wenn schon. Was geht Sie das an? Sollten Sie um diese Zeit nicht lieber in Hogwarts sein?"

„Vielleicht sollte ich das. Aber nachdem Samstag ist, dachte ich, ich mache eine Ausnahme."

„Samstag? Wirklich?", fragte sie verwundert. „Ich habe jegliches Zeitgefühl verloren, seit ich hier festsitze. Am Anfang dachte ich, wir könnten vielleicht doch noch das Schuljahr zu Ende machen. Aber dann wurde mir klar, dass das nicht funktionieren kann. In Anbetracht der Umstände ist es vermutlich ohnehin besser so. Ich hätte den Bauch ja nicht ewig verstecken können ..."

Unbeholfen lächelte sie ihn an, Snapes Blick hingegen verhärtete sich. Sogleich schob er die Decke beiseite und legte vollkommen unvermittelt seine Hand auf ihren Bauch, sodass sie vor Erstaunen zusammenzuckte.

„Hätten Sie das je für möglich gehalten?", murmelte er mit rauer Stimme hervor. „Ausgerechnet Sie werden mir ein Kind zur Welt bringen."

Hermine wusste nicht, was sie von seinem Vorhaben halten sollte und hielt den Atem an. Hatte er etwa erwartet, dass Lily das irgendwann einmal tun würde? Es war unmöglich, zu sagen, was in ihm vorging. Hochkonzentriert strich er mit der Handfläche über die Wölbung, während sie die Regungen auf seinem Gesicht betrachtete, ohne aus ihm schlau zu werden. Einerseits glaubte sie, Verwunderung zu erkennen. Andererseits seine altbekannte Unsicherheit.

„Wir wussten beide, wozu unsere Abmachung führen würde, Professor. Na ja, zumindest wusste ich es in der Theorie. Die Praxis war eine andere Sache."

Verlegen wartete sie auf eine Antwort, Snape jedoch schien so tief in seine Gedanken versunken zu sein, dass er sie gar nicht weiter beachtete.

Hermine schluckte. Es lag ihr zwar fern, ihn aus seiner Lethargie zu reißen, ihr Verlangen aber, sich jemandem anzuvertrauen, war nach wie vor ungebrochen. „Sobald ich an die Geburt denke, bekomme ich eine Höllenangst, das können Sie mir glauben", sagte sie leise.

Snapes Augen glitten abwechselnd zwischen ihrem Gesicht und ihrem Bauch umher. „Das kann ich Ihnen nicht einmal verdenken. Nach allem, was ich darüber weiß, wird das Ereignis nicht gerade ein Spaziergang werden."

Beunruhigt sah sie ihn an. „Ich schätze nicht, dass ich ins St. Mungo's gehen werde, wenn es soweit ist, oder?"

Er schüttelte den Kopf. „Wenn wir verhindern wollen, dass Sie Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wohl kaum. Aber machen Sie sich darüber keine Sorgen. Molly und Poppy sind vorbereitet. Sie wissen, was zu tun ist."

Hermine schnaubte bitter. „Das habe ich mir schon fast gedacht. Ich hätte nur nie damit gerechnet, dass es mir selbst mal so ergehen würde. Ich meine, früher war das was anderes. Hausgeburten standen ja quasi an der Tagesordnung."

Kaum merklich nickte er. „Sie werden es vielleicht nicht glauben, Granger, aber ich selbst wurde ebenfalls im Haus meiner Eltern geboren."

„Tatsächlich? Wer hätte das gedacht!"

Er lächelte matt. „Ja, das ist kaum vorstellbar, ich weiß. Und das hängt nicht einmal zwingend mit meinem Alter zusammen."

Hermine wurde rot. Sie sah ihn von der Seite her an und kam nicht von dem Gefühl los, dass das noch längst nicht alles war, was er bezüglich seiner Herkunft vor ihr verbergen wollte. Im Grunde genommen hatte sie Verständnis dafür, wenn jemand vermeiden wollte, dass andere in Dingen herumschnüffelten, die sie nichts angingen. Da sie jedoch schon so viel mit ihm durchgemacht hatte, fand sie es eigenartig, dass er nicht bereit war, näher darauf einzugehen.

„Sagen Sie mir eins, Professor", sagte sie ernst. „Wenn Sie angeblich kein Interesse an dem Kind haben, warum sind Sie dann hier? Und warum sind Sie zu Madam Pomfrey gegangen, um herauszufinden, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird? Sie hätten mich genauso gut fragen können."

Snape zog verärgert über ihre Neugier die Brauen zusammen. „Vielleicht kommt das daher, dass Sie dazu tendieren, immer noch mehr wissen zu wollen, sobald man Ihnen entgegenkommt. Außerdem denke ich nicht, dass Sie meine Motive wirklich begreifen würden, Miss Granger."

Hermine spürte dasselbe Unverständnis wie schon so oft zuvor in sich aufkeimen, wenn er wieder einmal dabei war, sich herauszureden. Energisch nahm sie ihre Hand und legte sie auf seine, die noch immer auf ihrem Bauch ruhte. „Sie haben ganz Recht. Obwohl ich Sie für einen klugen Mann halte, ergibt manches, was Sie tun, einfach keinen Sinn. Es wäre nur logisch gewesen, mich zu fragen. Immerhin habe ich Ihnen mein Leben anvertraut. Und mal ehrlich, was ist schon so schlimm daran, wenn Sie über Ihren Schatten springen und mir klar und deutlich die Wahrheit über das sagen, was Sie bewegt? Können Sie nicht einmal über Ihren verdammten Stolz hinwegsehen und mir etwas über sich erzählen, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss, weil ich etwas über Sie erfahren will? Ich werde deswegen ganz bestimmt nicht schlechter von Ihnen denken, Professor."

Er rollte wenig begeistert von ihrem Einwand die Mundwinkel zurück und entzog ihr seine Hand. „Es mag durchaus sein, dass Sie nicht so voreingenommen wie andere Menschen durchs Leben gehen", sagte er scharf. „Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, nicht jedem alles anzuvertrauen. Sie wissen, was ich Ihnen über meinen Vater erzählt habe. Das war nicht gelogen. Es hat mich geprägt. Erwarten Sie also nicht von mir, dass ich das Richtige tue."

„Sie fürchten sich doch nicht etwa davor, genauso zu werden, wie er es war?"

„Vielleicht. Denken Sie nach, Granger. Angenommen, Sie würden sich in meiner Lage befinden. Was würden Sie tun?"

Hermine zuckte mit den Schultern. „Ich glaube nicht, dass Sie sich mit Ihrem Vater gleichsetzen sollten."

Snape setzte ein süffisantes Grinsen auf. „Wie dem auch sei, Sie hätten mir genauso gut von sich aus sagen können, was es wird."

Es wurde still zwischen ihnen und Hermine ertrug es nicht länger, seinem bohrenden Blick standzuhalten. Ungläubig wendete sie sich von ihm ab und drehte sich auf die andere Seite. Es schmerzte zutiefst, dass er zwar von ihr erwartete, offen zu sein, im Gegenzug jedoch selbst nicht bereit war, auf sie zuzukommen.

„Was hat es wirklich mit Ihnen auf sich, Professor?", murmelte sie nachdenklich vor sich hin. „Wieso haben Sie angefangen, sich Voldemort zuzuwenden? Und wieso haben Sie so scheußliche Zauber ins Leben gerufen und sie in dem Buch, das Harry gefunden hat, aufgeschrieben? War ihr Vater etwa einer dieser Zauberer, die stolz auf ihre Blutlinie waren? Haben Sie deshalb begonnen, sich so für die Dunklen Künste zu interessieren?"

Angespannt wartete sie auf eine Antwort von ihm, dann hörte sie ihn seufzen. „Er war Muggel", sagte er abgeschlagen. „Einer dieser armseligen Versager, die kaum in der Lage waren, ihre Familie durchzubringen. Meine Mutter hingegen war eine Hexe, wenn Sie es genau wissen wollen. Wir waren arm und lebten in einem heruntergekommenen Industriegebiet. So ist das Leben nun mal, wenn man aus einfachen Verhältnissen kommt und der Vater keine Arbeit hat. Mehr gibt es nicht darüber zu erzählen."

Zutiefst getroffen drehte sie sich ihm zu und sah ihn an. „Das glaube ich nicht", flüsterte sie leise. „Bestimmt gäbe es da jede Menge zu erzählen. Sie wollen es mir nur nicht sagen, weil Sie Angst davor haben, ich würde es nicht verstehen."

Snape wendete den Blick von ihr ab und verschränkte die Arme vor der Brust. „Streng genommen ist mir gleich, was Sie von mir halten. Ich bin Ihnen keine Rechenschaft schuldig, ebenso wenig wie Sie mir, Granger. Wir sollten also aufhören, uns gegenseitig Vorwürfe zu machen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Aufgabe, ich werde mich auf meine konzentrieren."

Eigentümlicherweise glaubte Hermine, zwischen all der Abgeschlagenheit etwas Wehmütiges in seinem Ton zu hören. Kurz entschlossen, nicht so schnell aufzugeben, stützte sie den Oberkörper auf und sah ihm ins Gesicht. Vergeblich, denn Snape rührte sich nicht.

„Ich glaube nicht, dass ich dem zustimmen kann, Professor", begann sie ungehemmt.

„Das hätte mich auch gewundert", gab er trocken zurück, ohne seinen Blick von der Zimmerdecke zu nehmen.

„Sehen Sie, so leid es mir tut, Ihnen da einen Strich durch die Rechnung machen zu müssen, wird irgendwann einmal der Punkt in meinem Leben erreicht sein, an dem ich gezwungen bin, dem heranwachsenden Menschen, den ich geboren habe, Antworten zu geben. Jedes Kind stellt Fragen. Wieso sollte es da bei unserem anders sein? Und was soll ich ihm dann sagen? Dass ich seinen Vater nicht gekannt habe? Dass ich verzweifelt war und ihn nur als Notnagel verwendet habe, um nicht nach Askaban gehen zu müssen?"

„So war der Deal, Granger", brummte er unbeeindruckt.

Hermine rollte mit den Augen. „Schon möglich. Aber ehrlich gesagt, ist mir das egal. Ich scheiß auf unseren Deal! Der Deal ist geplatzt. Er ist nicht aufgegangen. Außerdem glaube ich nicht, dass ich einem Kind das antun sollte. Genauso wenig, wie ich es mir oder Ihnen antun möchte, so eine traurige Geschichte daraus werden zu lassen."

Wie schon so oft zuvor, zog er die Brauen zusammen und beäugte sie kritisch. „Und was möchten Sie ihm stattdessen erzählen? Dass Ihr Professor Sie geschwängert hat, weil der Mann, den Sie gezwungenermaßen ehelichen mussten, impotent war? Tun Sie sich keinen Zwang an, Granger. Aber ich denke kaum, dass das die bessere Wahl wäre."

„Ganz bestimmt nicht", antwortete sie beklommen. „Würden Sie nicht auch wollen, dass er etwas Schöneres zu hören bekommt?" Instinktiv wanderte ihre Hand zu ihrem Bauch und kam darauf zu liegen. „Sie irritieren mich, Professor. Jedes Mal, wenn ich versuche, mich von Ihnen loszulösen, muss ich feststellen, dass es nicht funktioniert. Warum ist das nur so? Warum kann ich nicht einfach entscheiden, ob ich das so will oder nicht?"

"Vielleicht versuchen Sie es nicht stark genug", murmelte er, den Blick abwesend auf die Wölbung gerichtet, die sich in dieser Position überdeutlich unter ihrer Hand auftat.

"Das glaube ich kaum. Ich mag es, mit Ihnen zusammen zu sein. Nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch auf körperlicher."

Snape wirkte überrascht. "Vielleicht fasziniert Sie die Vorstellung von einem geregelten Leben. Der Wunsch nach Sicherheit, der Gedanke, mich zu Fall zu bringen ..." Vollkommen unvermittelt beugte er sich über sie und sah sie an. "Ich glaube, dass Sie es mögen, wenn ich mit Ihnen schlafe, weil es Ihnen ein gewisses Maß an Kontrolle verleiht. Und das in einer Welt, die so unberechenbar ist."

Hermine dachte an die wunderbaren Momente, in denen sie mit ihm gemeinsam die sensibelsten Stellen ihres Körpers kennengelernt hatte und leckte sich dabei unbewusst über die Lippen. "Und? Hätten Sie etwas dagegen einzuwenden, wenn dem so wäre?"

Kaum merklich schüttelte er den Kopf. "Nein. Nicht mehr." Seine Hände umfingen ihr Gesicht, wodurch er sie dazu brachte, ihn ungebrochen anzusehen. "Ich bin bereit, mich Ihnen hinzugeben, wenn Sie darauf verzichten, ihm von mir zu erzählen. Er soll sich nicht meinetwegen schämen müssen, so wie ich das getan habe."

Zuerst versetzte ihr seine Aussage einen Stich. Doch dann, als er den Blick zu ihrem Bauch senkte, wurde ihr schlagartig bewusst, wie sehr er unter der abscheulichen Beziehung zu seinem Vater gelitten hatte, was es ihr schwer machte, ihre eigenen Gefühle unter Kontrolle zu halten.

"Der halbe Orden weiß inzwischen, dass Sie der Vater sind, Professor. Außerdem denke ich nicht, dass es einen Grund gibt, es vor ihm zu verheimlichen. Sie sind ein mutiger Mann. Bestimmt wäre er stolz auf Sie. Immerhin riskieren Sie Ihr Leben für das, was Sie für Dumbldeore und Harry tun."

Er schnaubte unbeeindruckt, Hermine aber ließ ihm keine Zeit, etwas dagegen einzuwenden.

„Bevor Sie anfangen, mich vom Gegenteil zu überzeugen, möchte ich, dass Sie wissen, dass ich ebenfalls stolz darauf bin", sagte sie ernst. „Harry würde mich zwar dafür umbringen, aber das ist nicht seine Angelegenheit. Es betrifft nur uns beide. Sie und mich."

Unbeholfen lächelte sie zu ihm hinauf und Snape schüttelte den Kopf. „Wenn Sie so weitermachen, fange ich noch an, den Schwachsinn zu glauben, den Sie erzählen, Granger."

Seine Hände drückten sie ohne weitere Umschweife auf das Bett nieder. Hermine war ohnehin zu gebannt von ihm, als dass sie den Versuch unternommen hätte, ihn aufzuhalten, womit sie ihn gewähren ließ. Dort angelangt schob er ihr Nachthemd nach oben und senkte den Blick wieder auf ihren Bauch. Unglaublich sanft glitten seine warmen Finger über die Wölbung, dann legte er den Kopf schief und drückte sein Ohr darauf.

Im ersten Moment war sie zu perplex, um darauf zu reagieren. Nie im Leben hätte sie ihm zugetraut, dass er sich tatsächlich für das Baby interessieren würde. Doch dann hörte sie seine Stimme und alle Zweifel wurden zerstreut.

„Wenn Sie ihm wirklich erzählen wollen, wer sein Vater war, sollten Sie ihm die Wahrheit sagen, Granger. Ich fürchte jedoch, wir haben noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor uns, wenn wir dafür sorgen wollen, dass ihm nicht die gleiche Enttäuschung widerfährt, wie ich sie erlebt habe."