Call it bittersweet
Kapitel 44
Die letzte Reise
Snape hatte seit geraumer Zeit gewusst, dass der Tag irgendwann kommen würde, an dem er sich damit auseinandersetzen musste, gemeinsam mit Dumbledore die letzten Vorbereitungen zu treffen, um sicherzugehen, dass alles und jeder an seinem Platz war. Wenn sie nicht wollten, dass das Schloss und die Ländereien von Hogwarts im Chaos versanken, sobald die Todesser dort einziehen würden, war dieser Schritt unausweichlich. Dennoch entsprach es ganz und gar nicht den Vorstellungen des dunklen Zauberers, so etwas zu tun. In den vergangenen Jahren hatte er wohl oder übel lernen müssen, mit den Eigenarten seines Schulleiters zurechtzukommen. Wie es nun aber werden würde, wenn Dumbledore diese Reise tatsächlich nicht überstehen würde, wollte er am liebsten ausblenden. Ein Leben ohne seinen Vorgesetzten und Mentor an seiner Seite war selbst für einen so eigenbrötlerischen Menschen wie ihn kaum auszumalen. Der einzige Vertraute im Bunde, der damit keine Schwierigkeiten zu haben schien, war Dumbledore selbst. Für Snapes Geschmack den Umständen entsprechend etwas zu vergnügt saß der Schulleiter an seinem Schreibtisch und lächelte ihm entgegen.
"Wenn ich nicht zurückkomme, wirst du unverzüglich dafür sorgen, dass das Dunkle Mal über dem Schloss erscheint. Meine Todesursache dürfte zweitrangig sein. Wie ich ihn kenne, wird Tom sich nicht damit aufhalten, mein Dahinscheiden zu hinterfragen. Vielmehr dürfte es genau seinem Wunsch entsprechen, mich loszuhaben. Kurz gesagt, ich bin ein alter Mann, Severus. Tom sollte es genügen, wenn er erfährt, dass ich einen Schwächeanfall erlitten habe, der mich binnen kurzer Zeit dahingerafft hat."
Snape machte ein finsteres Gesicht. "Wollen Sie wirklich alleine mit Potter auf diese Reise gehen?" Dass er ein ungutes Gefühl dabei hatte, die beiden sich selbst zu überlassen, stand außer Frage. Überall wimmelte es nur so von feindlichen Geschöpfen, die in den unterschiedlichsten Gestalten auftraten. Ganz besonders beunruhigend war dabei, dass sie alle die Aufgabe hatten, Potter zu finden.
In den Augen Dumbledores tauchte ein Blitzen auf. "Dein Ausdruck gibt mir Anlass zur Sorge. Du wirst doch deine Maske am Ende nicht fallenlassen?"
Snape schnaubte bitter. "Erwarten Sie vielleicht von mir, dass ich zur Feier des Tages einen Freudentanz aufführe?"
"Deine Besorgnis ist rührend, jedoch nicht vonnöten. Ich versichere dir, dass alles so ist, wie es sein sollte."
"Sind das die Worte eines Helden oder die eines Narren, Albus? Ich frage mich manchmal, wo Sie Ihren eigenartigen Humor herhaben, denn wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich ein schwarzes Loch, dessen Ausgang nicht auszumachen ist."
"Selbst wenn ich dir versichere, dass ich mit meinem Ende durchaus zufrieden bin? Ich habe lange gelebt und viel gesehen. Es wird Zeit, für jemand anderen Platz zu machen."
"Wenn Sie damit mich meinen, ich verzichte gern darauf", schnappte Snape zurück.
"Das weiß ich doch. Genau deswegen bist du der Richtige."
Schon verzog Snape unliebsam die Mundwinkel. "Wohl eher, weil nicht allzu viele meiner Sorte dafür infrage kommen."
"Das auch", gab Dumbledore amüsiert zur Antwort. "Du kennst Hogwarts und weißt, wie es funktioniert. Ich für meinen Teil bin froh, dass du es bist. Die Vorstellung, einen anderen hier sitzen zu sehen, fällt mir schwer. Lucius wäre denkbar ungeeignet, eine Schule zu leiten. Und Bellatrix – es wäre mir lieber, sie würde nie einen Fuß in diese ehrwürdigen Mauern setzen. Aber genug der Rede. Es wird Zeit, die letzten Vorkehrungen zu treffen. Ich muss sichergehen, dass alles so geschieht, wie wir es beabsichtigen. Das Schwert von Gryffindor macht mir offengestanden am meisten Sorgen. Harry wird es brauchen. Aber sobald das Ministerium hier auftaucht, könnte es in die falschen Finger geraten."
Snape schüttelte den Kopf. "Das ist nichts, wofür es keine Lösung gibt."
Interessiert horchte Dumbledore auf. Nicht weit von ihnen auf seiner Stange sitzend fing Fawkes zu singen an. So schön seine Stimme auch war, entging den beiden Zauberern nicht die Wehmut, die darin verborgen lag. Es war ein Zeichen dafür, dass der Abschied nahte.
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Als Snape wenige Tage später im Grimmauldplatz erschien und verkündete, dass der Aufbruch von Dumbledore und Harry unmittelbar bevorstand, wurde Hermine erst so richtig bewusst, dass sie ihren Schulleiter vielleicht nie wieder sehen würde. Doch um lange Lebewohl zu sagen, blieb keine Zeit. Wie immer ging alles viel zu schnell, obwohl sie es kaum hatte erwarten können, dass Bewegung in den Alltag kam.
Nachdem Dumbledore Harry mit sich genommen hatte, zog sie sich gemeinsam mit Snape in die Küche zurück. Die Stimmung war wie im gesamten Haus auch hier zum Zerreißen gespannt und für eine ganze Weile sagte keiner von beiden ein Wort. Lediglich nebenan konnte man hören, wie Lupin und die Weasleys miteinander diskutierten, ob es auch wirklich richtig war, Harry das gefährliche Unterfangen durchmachen zu lassen, ungeschützt mit Dumbledore auf eine Reise zu gehen.
Indes hockte Hermine nachdenklich am Tisch und hatte den Kopf auf die Hände gestützt. "Was wird geschehen, wenn etwas schief geht?", fragte sie mehr zu sich selbst als an Snape gewandt. "Was, wenn Harry etwas zustößt, wo er doch unsere einzige Hoffnung ist, Voldemort zu besiegen?"
"Das wissen wir nicht", entgegnete Snape kühl.
Unzufrieden stöhnte Hermine auf und sah seine dunkle Gestalt tief in sich gekehrt an der Küchentür lehnen. "Was genau machen die beiden eigentlich?"
"Sie suchen Horkruxe."
"Und das soll Ihnen helfen, Voldemort zu zerstören?"
"Wir hoffen es jedenfalls."
Kritisch legte sie die Stirn in Falten. "Und wie genau läuft das ab? Verzeihen Sie, dass ich das sage, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das nicht gerade zuversichtlich klingt."
Snape straffte seine Haltung und fasste sie scharf ins Visier. "Wissen Sie denn, was ein Horkrux ist, Miss Granger?"
"Harry hat zwar mal etwas erwähnt, aber das war es dann auch schon", gestand sie betrübt. "Ich hatte andere Dinge im Kopf. Seither läuft es nicht so gut zwischen uns. Jedes Mal, wenn wir versuchen, miteinander zu reden, streiten wir uns. Dabei waren wir sonst immer unzertrennlich."
Er hob eine seiner Brauen an. "Das ist mir nicht entgangen", bemerkte er sarkastisch. "Dachten Sie deshalb, er würde das mit uns einfach so akzeptieren?"
Hermine zuckte mit den Schultern. Trotz ihrer Differenzen mit Harry weigerte sie sich, die Hoffnung aufzugeben, dass es zwischen ihnen eines fernen Tages so sein würde, wie es früher gewesen war.
Snape setzte sich in Bewegung und wanderte zum Fenster hinüber. Dort verschränkte er die Hände hinter dem Rücken und blickte in die aufziehende Dunkelheit hinaus. "Ein Horkrux ist ein Seelenbruchstück", begann er belehrend, "das demjenigen, der sich dazu entschlossen hat, seine Seele zu spalten, zur Unsterblichkeit verhelfen soll. Wenn man nun einen solchen Horkrux findet und es schafft, ihn zu zerstören, stirbt der Teil der Seele, der bei der Erschaffung abgespalten wurde."
"Das klingt ziemlich düster, wenn Sie mich fragen."
"Ist es auch. Es ist Magie von der dunkelsten Sorte."
Hermine fröstelte. "Wie ist Dumbledore denn überhaupt darauf gekommen, was genau er suchen muss?"
"Berechtigte Frage. Niemand erschafft leichtfertig einen Horkrux. Doch der Schulleiter war viel auf Reisen, um herauszufinden, was das Geheimnis des Dunklen Lords war, das ihm zur Unsterblichkeit verhalf. Irrtümlicherweise unterlag er dabei der Versuchung eines solchen Horkrux und steckte ihn sich an den Finger."
Beunruhigt starrte Hermine auf seine schwarze Rückseite. "Heißt das, Dumbledore ist selbst zu einem Horkrux geworden?"
"Nein. Der Horkrux ist beseitigt. Aber der Ring hatte einen tödlichen Fluch auf sich, der den Horkrux beschützen sollte. Mithilfe von etwas Magie ist es mir zwar gelungen, die Ausbreitung des Fluchs auf die betroffene Hand zu beschränken. Doch gänzlich verhindern konnte ich sie nicht."
"Dann gibt es also noch mehr Horkruxe", stellte Hermine nachdenklich fest. "Und wie viele sind es genau?"
Als hätte Snape ihre Blicke auf sich gespürt, fuhr er herum und sah sie an. "Insgesamt sollen es sieben sein."
"Sieben?"
"Ja, Miss Granger."
"Aber das ist ja furchtbar! Wo sollen die denn versteckt sein?"
"Das ist genauso ungewiss wie die Frage, was sie sind. Ein Horkrux könnte nahezu alles sein."
Mit einem mulmigen Gefühl in der Bauchgegend kam Hermine auf die Beine und steuerte auf ihn zu. Als sie vor ihm stand, schlang sie die Arme um den Leib und blickte zu ihm auf. "Ich würde Sie gerne etwas fragen, Professor."
Snape legte abschätzig den Kopf schief. "Nur zu, Granger. Wer weiß, wann wir wieder die Gelegenheit dazu bekommen. Vielleicht werde ich spätestens morgen schon der neue Schulleiter von Hogwarts sein. Das bedeutet, ich werde zukünftig jede Menge Verantwortung und jede Menge Pflichten mit mir herumschleppen."
Hermine spürte einen Schauder über ihren Rücken jagen, der seinem sarkastischen Unterton folgte. Die Vorstellung davon, wie er Dumbledores Posten einnahm, hatte etwas Unwirkliches an sich.
"Tatsächlich?", fragte sie mit vorgetäuschter Ahnungslosigkeit. "Und ich dachte immer, Sie seien all die Jahre über bereits ein vielbeschäftigter Mann gewesen."
Auf seinem zerfurchten Gesicht tauchte ein zaghaftes Lächeln auf. Im nächsten Moment machte er einen Schritt auf sie zu, legte die Arme um sie und zog sie zu sich heran. "Jedenfalls sieht es ganz so aus, als wäre ich nicht länger Ihr Professor, Granger."
Verunsichert blinzelte Hermine. Was auch immer das nun wieder zu bedeuten hatte, war ihr schleierhaft. "Worauf wollen Sie hinaus?"
Snape grinste. Die plötzliche Nähe zu ihm ließ ihr die Röte ins Gesicht steigen. Es war offensichtlich, dass ihr Puls aufgrund seiner Gegenwart schneller als gewöhnlich schlug. Er ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Langsam aber beständig senkte er den Kopf, bis er ihrem Gesicht ganz nahe war. "Würden Sie mir die Ehre erweisen, mich bei meinem Vornamen zu nennen?"
Schlagartig wurde es still und Hermine starrte ihn mit offenem Mund an. Sein Gesicht war so ernst, dass sie nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Natürlich kannte sie seinen Namen, ihn jedoch auszusprechen, war eine ganz andere Sache. Noch dazu vor ihm.
Verunsichert schluckte sie. "Kann ich - kann ich das denn wirklich tun?"
Er nickte. "Es gibt keinen Grund, das länger hinauszuzögern. In Anbetracht unserer Lage finde ich es sogar durchaus angemessen."
"Okay, Severus. Und du bist sicher, dass du das nicht nur sagst, um mich von meiner Frage abzulenken, die ich dir stellen wollte?"
"Vielleicht", sagte er mit einem verspielten Lächeln auf den dünnen Lippen, während Hermine noch immer damit beschäftigt war, den Klang seines Namens auf sich einwirken zu lassen.
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Hermine konnte sich nicht erinnern, je zuvor so glücklich gewesen zu sein. Als sie jedoch an diesem Abend mit Snape die Treppe hinauf ging, um gemeinsam mit ihm in ihrem Zimmer zu verschwinden, war ihr zum ersten Mal überhaupt, als würde sich alles so zusammenfügen, wie es sein sollte. Trotz der Sorge, die sie um Harry und Dumledore hatte, spürte sie, dass sie bereit war, Snapes Entgegenkommen anzunehmen. Voller Vorfreude darauf, endlich wieder in seine Armen zu liegen, hörte sie auf halber Höhe der Treppe angelangt in einem der Zimmer im Obergeschoss ein eigenartiges Poltern. Alarmiert hielt Hermine inne.
„Was war das, Severus?", fragte sie mit gesenkter Stimme.
„Wenn du mich fragst, klang es ganz danach, als würde jemand einen Schrank durchwühlen", murmelte er kühl.
Sie stutzte. „Aber das ist das alte Zimmer von Sirius' Bruder. Und die anderen sind im Wohnzimmer. Wer sonst könnte … Es sei denn – KREACHER!"
Ein Knall ertönte, der darauf schließen ließ, dass ihr Ruf nicht ungehört geblieben war. Snape jedoch lehnte sich gelassen mit dem Rücken an die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Jetzt hast du dir bestimmt einen Freund gemacht. Und wir werden vielleicht nie erfahren, wer es war."
Hermine war vor Aufregung so außer sich, dass sie ihn nicht weiter beachtete und die Treppe hinaufrannte. Konnte es tatsächlich sein, dass der Hauself, der einst der Familie Black gehört hatte, es wagen sollte, in Harrys Sachen herumzuwühlen, kaum dass sein neuer Herr den Grimmauldplatz verlassen hatte?
Inzwischen war das Poltern längst verstummt und Hermine starrte wie gelähmt durch die geöffnete Tür auf das Durcheinander, das sich vor ihren Augen erstreckte: Schranktüren waren aufgerissen und deren Inhalt wahllos auf den Boden geschleudert worden. Ebenso verhielt es sich mit den Regalen. Am liebsten hätte Hermine sich selbst für ihr überstürztes Handeln geohrfeigt. Wer auch immer hier sein Unwesen getrieben hatte, war vermutlich längst über alle Berge.
Unten wurde die Tür zum Wohnzimmer geöffnet und Lupin erschien am Treppengeländer. „Was ist denn da oben los?"
„Jemand war hier!", rief Hermine entrüstet. „Jemand, der es offensichtlich auf Harrys Sachen abgesehen hatte."
„Was?"
In Windeseile hatten sich alle Anwesenden im Obergeschoss eingefunden, wo sie beisammen standen und darüber rätselten, was geschehen war.
„Wenn du mich fragst, war das kein Elf", hörte Hermine Snape leise flüstern.
Überrascht drehte sie den Kopf in seine Richtung. „Wie kommst du darauf?"
„Elfenmagie ist um einiges raffinierter als die der Menschen. Es wäre leichtes Spiel für einen Elfen gewesen, alles wieder an seinen Platz zu schaffen, bevor du hier erscheinen konntest. Das war ein Mensch, Hermine, ein gewöhnlicher Dieb."
Hermine schüttelte ungläubig den Kopf. „Aber wer sollte so etwas tun? Der Besitz von Sirius gehört jetzt Harry. Wer von unseren Vertrauten wäre so fies, etwas davon stehlen zu wollen?"
Snape zuckte mit den Schultern. „Für jemanden, der knapp bei Kasse ist, würde das Tafelsilber, das in diesem Haus gebunkert ist, ausreichen, um ihm eine Weile über die Runden zu helfen."
Seine Worte versetzten ihr einen eigenartigen Stich. „Du glaubst doch nicht etwa, dass die Wealseys ..."
Snape nahm sie fest bei den Schultern und sah sie an. „Es war niemand, der unten im Wohnzimmer war, soviel steht fest. Aber das heißt nicht, dass nicht jemand anders vom Orden hier gewesen sein könnte."
Mit ernster Miene kam Ron zu ihnen herübergeschlendert. Snape ließ von Hermine ab und straffte seine Haltung.
„Ich kann nicht sagen, was fehlt", murmelte Ron ihnen wie beiläufig zu. „Genaueres werden wir wohl erst wissen, wenn Harry wieder hier ist."
Hermine nickte verständnisvoll und führte Snape nach draußen, wo sie ungestört sein konnten. „Das ist alles meine Schuld. Wenn ich nicht so überstürzt gehandelt hätte, hätten wir den Dieb erwischen können." Bedrückt senkte sie den Blick auf seine Brust. „Glaubst du, dieser Jemand hat etwas über uns mitbekommen?"
„Das denke ich nicht", antwortete Snape ruhig. „So oder so sollten wir sicherstellen, dass sich die Nachricht nicht weiter verbreitet."
Allmählich zerstreuten sich die Anwesenden wieder. Es gab nichts, das sie jetzt tun konnten, außer auf die Rückkehr der Reisenden zu warten. Dennoch ließ Snape es sich nicht nehmen, die Sicherheitsvorkehrungen im Grimmauldplatz noch einmal zu überprüfen, wobei sich schnell bestätigte, dass es nur ein Mitglied des Ordens gewesen sein konnte, das sich an Harrys Sachen vergreifen wollte.
Nachdem sie wenig später in Hermines Zimmer angelangt waren und die Tür sorgfältig von innen verriegelt hatten, schob Snape sie langsam zum Bett hinüber und drückte sie darauf nieder. Dann kniete er sich neben sie auf den Boden und betrachtete ihre Gestalt.
„Ich hoffe, er wird genauso aussehen wie du, Hermine Granger", sagte er leise.
Hermine musste lächeln und schob ihm mit der Hand eine Strähne hinters Ohr, um sein Gesicht besser betrachten zu können. Wie sie erwartet hatte, war sein Blick voller Bewunderung für ihren Bauch.
„Und ich hoffe, er wird deine Augen haben. Und deine Hände."
Überrascht sah er auf. „Meine Hände?"
Sie nickte. „Ja, deine Hände. Ich mag deine Hände. Ich liebe es, wenn du mich mit ihnen berührst, weil ich weiß, dass du mit ihnen die wundersame Gabe besitzt, dafür zu sorgen, dass ich mich rundum wohl fühle. Außerdem hat kein Mensch den ich kenne, diese einzigartig elegant geformten Finger."
„Verstehe", gab er schmunzelnd zurück und kletterte über sie hinweg aufs Bett. Kaum dass er neben ihr lag, drückte er ihr einen Kuss auf die Halsbeuge und Hermine grinste zufrieden in sich hinein. Es gab noch etliche Dinge mehr, die sie an ihm mochte. Doch sie sollte keine Zeit bekommen, sie aufzuzählen. „Was würdest du davon halten, wenn es diese Hände sind, die dich jetzt aus deinen Sachen befreien?", fragte er in einem verführerischen Tonfall, der ihr unweigerlich eine Gänsehaut versetzte.
Genüsslich atmete sie aus. Schon folgte ein weiterer Kuss auf ihre Schulter, dann versenkte sie ihre Finger in seinen Haaren, um ihn zu sich zu ziehen. „Das wäre wunderbar, Severus", sagte sie, ihn eindringlich betrachtend.
Je mehr sie sich mit seinem Vornamen vertraut machte, desto mehr wunderte sie sich, warum sie nicht von selbst auf den Gedanken gekommen war, ihn darauf anzusprechen. Doch irgendwie war es ihr bis zuletzt nicht passend erschienen. All die Jahre über war er ihr Professor gewesen, da würde es sicherlich noch ein Weilchen dauern, sich an den Umstand zu gewöhnen, dass plötzlich alles anders gekommen war.
Nachdem sie sich ausreichend Zeit genommen hatten, sich gegenseitig auszuziehen, lagen sie nackt auf dem Bett und betrachteten einander. Noch immer war es eigenartig, dass Harry und Dumbledore irgendwo dort draußen waren, um hoffentlich erfolgreich einen Schritt im Kampf gegen Voldemort zu tun.
Tief in Gedanken nahm Hermine ihre Hand und legte sie auf seine Wange. „Denkst du, es ist richtig, was wir hier tun? Ich meine, wir wissen nicht einmal, ob sie überhaupt zurückkommen werden ..."
Snape schüttelte sanft den Kopf. „Albus ist zwar geschwächt, trotzdem weiß er, was er tut. Ich habe mit ihm gesprochen und er klang sehr zuversichtlich."
Abwesend strich sie mit den Fingern über sein Gesicht. „Ich glaube, das wird mir am meisten fehlen, wenn er nicht mehr da ist. Obwohl ich nicht so viel mit ihm zu tun hatte, war es beruhigend, zu wissen, dass er da war."
„Ich denke, in einer abstrakten Form wird er immer da sein. Natürlich nicht so wie jetzt ..."
Er verstummte und Hermine streckte sich und machte Anstalten, sich auf ihn zu rollen. Bereitwillig kam er ihr entgegen und drehte sich mit ihrem Gewicht auf seinem Körper herum, sodass er auf dem Rücken lag.
Tief und innig sahen sie sich an. „Er wird dir ebenfalls fehlen", flüsterte sie leise. „Ist es das?"
Als er nicht darauf antwortete, setzte sie sich auf seine Schenkel und ließ in langen Bahnen ihre Hände über seinen Torso gleiten, sodass ihn ein Schauder durchfuhr.
„Du kannst es mir sagen, Severus. Ihr habt eng zusammengearbeitet. Da wäre es nur logisch, dass es dich beunruhigt, wenn er plötzlich fort ist. Ich bin sicher, jeder Mensch kennt dieses Gefühl auf seine Weise. Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste."
Nach Worten suchend öffnete er den Mund und Hermine wartete gebannt auf seine Antwort.
„Das mit Albus und mir ist nicht leicht zu erklären, Hermine", sagte er dann. „Er war für mich da, ja. Aber wir hatten oft sehr unterschiedliche Vorstellungen von den Dingen. Es waren nicht nur Meinungsverschiedenheiten, sondern auch richtige Streits darunter."
„Aber das ist ganz natürlich", erwiderte sie sanft.
Er zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Nur eben nicht für mich. Ich habe es gehasst, mit ihm zu streiten, weil ich wusste, dass er oft keine andere Wahl hatte. Außerdem hatte er meistens Recht."
Zielgerichtet legte sie ihre Hand auf seine erschlaffte Männlichkeit und genoss das Gefühl, ihn einfach nur berühren zu können, ohne dabei die Regungen auf seinem Gesicht aus den Augen zu lassen. „Spielt das denn eine Rolle? Streit ist niemals schön, Severus."
Abschätzig erwiderte er ihren Blick. „Ich weiß. Aber er war einer der wenigen Menschen, die mich in all meinen Facetten kannten. Es gab fast nichts, das er nicht über mich wusste. Er hat meine größten Fehler gekannt und sie in Stärken umgewandelt, damit ich weitermachen konnte. Und obwohl er wusste, wie ich war, hat er mir irgendwie vertraut."
Tief bewegt von seinem Eingeständnis senkte sie den Blick auf ihre Hand und spürte das Verlangen, ihn damit zu streicheln, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Zuerst waren ihre Bewegungen langsam und zärtlich, doch dann, als sein Penis sich aufgerichtet hatte, nahm sie ihn fest in ihre Faust, sodass er tief und kehlig aufstöhnte.
„Ich möchte, dass du für mich kommst, Severus", sagte sie mit eindringlicher Stimme und fuhr fort, womit sie begonnen hatte, bis er in einem dumpfen Grollen vor ihren Augen seinen Samen ausstieß.
