Call it bittersweet

Kapitel 48

Hoffnung

In den darauffolgenden Wochen erschien Snape nur noch sehr sporadisch im Hauptquartier. Doch wann immer er dort auftauchte, war nicht zu übersehen, wie ihm das neue Regime in Hogwarts zu schaffen machte. Er sollte Recht behalten mit seiner Meinung über seinesgleichen: Todesser unter sich waren raue Gesellen, die nichts verziehen. Ganz besonders die Carrows hatten sich bereits jetzt einen Namen gemacht; Schwester und Bruder, die nicht davor zurückschreckten, unverzeihliche Flüche in Hogwarts zu gebrauchen. Wie es da erst werden würde, wenn das neue Schuljahr anfing, wollte sich lieber niemand vorstellen.

Übermüdet und sichtlich gestresst blieb der Professor wortkarg und begnügte sich die meiste Zeit damit, sein Wissen über die Horkruxe auszutauschen oder das weitere Vorgehen zu besprechen, das er mit dem Portrait des verstorbenen Albus Dumbledore geplant hatte. Wenigstens dahingehend hatte Harry seinen Widerstand aufgegeben, wie Hermine erleichtert zur Kenntnis nahm. Seine Bereitschaft, mit Snape zu kooperieren, war weitaus größer als angenommen.

Immer wieder hoffte sie darauf, mit ihrem Professor alleine sein zu können, was zumeist vergeblich war. Aber auch sonst hatte sie damit zu kämpfen, dass er sich so rar machte. Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte sie weitaus lieber über das in ihr heranwachsende Baby als über die Horkruxe gesprochen. Viel zu schnell musste sie erkennen, dass der Geburtstermin ins Haus stand, was ihr offengestanden ziemlich Angst einjagte. Doch der Gedanke, im Grimmauldplatz ein Kind zur Welt zu bringen, wurde immer realistischer, obwohl Hermine sich lange Zeit dagegen gewehrt hatte, ihn zuzulassen. Da Harry noch immer ein Geächteter war, hatte es ohnehin keinen Sinn, einen Krankenhausaufenthalt anzustreben. Außerdem würden die Malfoys mit Sicherheit alles in die Wege leiten, um an das Kind heranzukommen, das sie noch immer für Dracos Nachwuchs hielten.

Vom kaum nennenswerten Ziepen bis zu dem Moment, in dem der erste spürbare Schmerz einsetzte, hatte sie sich geweigert, ihren Glauben daran aufzugeben, dass Severus bei ihr sein würde, wenn es soweit wäre. Doch dann ging plötzlich alles drunter und drüber. Harry und Ron liefen kreidebleich an, als Hermine im Wohnzimmer erschien und verkündete, dass mit großer Wahrscheinlichkeit die Wehen einzusetzen drohten. Allem Anschein nach hatten auch sie den immer größer werdenden Bauch ihrer Freundin aus ihrem Bewusstsein verdrängt. Zum Glück war wenigstens auf Ginny Verlass. Blitzschnell warf sie die Jungs aus dem Raum und rannte nach nebenan in die Küche, um Lupin zu alarmieren. Kurz darauf erschien Molly Weasley und verwandelte das Wohnzimmer im Grimmauldplatz in einen provisorischen Geburtssaal. Nur wenig später kam Madam Pomfrey aus Hogwarts angereist und verteilte an alle Anwesenden des Hauses irgendwelche mehr oder weniger nützlichen Aufgaben, um sie abzulenken und zu beschäftigen.

Angestrengt bemühte Hermine sich, den Anweisungen der beiden Frauen Folge zu leisten, die sie im Zimmer auf- und abführten, um ihr die bevorstehende Geburt zu erleichtern. Doch das Gefühl, Severus nicht in ihrer Nähe zu haben, war alles andere als beruhigend. Sie hatten viel zu wenig Zeit füreinander gehabt und nicht einmal in Betracht gezogen, einen Namen für das Kind zu finden.

Wie erstarrt ließ ihr der Gedanke keine Ruhe mehr. Was für eine Mutter würde sie sein, die nicht einmal einen Namen für ihr Kind ausgesucht hatte? So plötzlich wie der Gedanke gekommen war, setzte eine schmerzvolle Wehe ein und verdrängte ihn wieder. Das Martyrium nahm seinen Lauf.

Inzwischen hatten ihre Beine nicht mehr die nötige Kraft, sie aufrecht zu halten, womit sie mehr schlecht als recht auf dem Sofa hockte. Der Druck in ihrem Körper war unbeschreiblich und mit nichts zu vergleichen, das sie kannte. Nicht einmal ihr erstes Mal mit dem Professor reichte annähernd an den Schmerz heran, der ihren Unterleib auseinanderzubrechen drohte. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Als sie dachte, die erste Hürde wäre überwunden, setzte auch schon die nächste Wehe ein. Hermine blieb kaum Zeit zum Atmen. Verbissen krallte sie ihre Hände in Mrs. Weasleys Arme und schrie aus Leibeskräften, dass den Jungs mitsamt Lupin in der Küche das Blut in den Adern gefror.

"Sie wird doch nicht sterben, oder?", fragte Harry verängstigt, was sie durch die Wände hindurch zum Glück nicht hören konnte. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, Madam Pomfrey zuzuhören, die beständig auf sie einredete. Doch dann, als die Schmerzen immer stärker wurden und sie kaum noch den Willen in sich hatte, sich dagegen zu wehren, dämmerte ihr selbst, dass sie nur ein menschliches Wesen war, das an seine Grenzen stieß.

Geplagt von dem Wunsch, es endlich hinter sich zu bringen, schloss sie die Augen. Ihr war gleich, was Snape sagen würde, wenn er sie so zu Gesicht bekommen würde. Sie wollte ihn bei sich haben, ihn spüren, seine Stimme hören.

Mit Tränen in den Augen fing sie die nächste Wehe ab, wartete schier endlos auf Erlösung, bis sie endlich wieder einen halbwegs klaren Gedanken formen konnte. „Wenn ich sterbe", hauchte sie mit einem flehentlichen Blick an Molly gewandt, die ihr geduldig den Schweiß von der Stirn tupfte, „muss sich jemand darum kümmern, dass der Vater dem Kind einen Namen gibt."

„Du wirst nicht sterben", antwortete Mrs. Weasley scharf.

„Wer weiß. Ich habe gelesen ..."

Molly schüttelte den Kopf. „Wenn es dich beruhigt, werde ich mit ihm reden. Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um ..."

„Oh Gott! Fangen Sie mir bloß nicht damit an. Der Zeitpunkt ist mir ehrlich gesagt scheißegal. Ich will wissen, wo er ist!"

Wie beiläufig zuckte Mrs. Weasley mit den Schultern. „In Hogwarts, nehme ich an."

„Dann soll er sich gefälligst auf den Weg machen!" Hermine spürte, wie ihr Puls vor Anstrengung zu rasen anfing. „Ich – ich möchte ihn hier haben. Er – er sollte hier sein!"

Eine weitere Welle des Schmerzes brach über sie herein und sie verstummte.

„Ich habe Minerva informiert, bevor ich das Schloss verlassen habe", sagte Poppy ruhig. „Er wird kommen, wenn er kann."

Mit ihren Nerven am Ende kreischte Hermine auf. „Sie wissen, wer der Vater ist?"

Madam Pomfrey nickte kurz angebunden, ohne erkennen zu lassen, was sie davon hielt. Vermutlich würde Snape ohnehin ihr Gedächtnis verändern, wenn er hier auftauchen würde...

Mit aller Kraft verdrängte sie den Gedanken wieder. „Woher wissen Sie es?"

„Minverva hat mich darauf vorbereitet."

Hermine presste die Zähne aufeinander. „Schön. Ich will ihn jetzt hier haben. Jetzt! Verstanden?"

Molly und Poppy tauschten einen eigenartigen Blick. „Ich wette, er ist bestimmt irgendwo aufzutreiben, Molly. Sende du einen Patronus an Minerva. Ich bleibe einstweilen hier. Wie es aussieht, werden wir noch ein Weilchen brauchen ..."

Schon war Mrs. Weasley zur Tür hinaus. In Hermine hingegen überschlug sich alles. Klar war, dass sie nicht noch länger brauchen wollte. Ihr genügte schon das, was sie hinter sich gebracht hatte.

„Ein schöner Professor ist er, wenn er zu feige ist, hier aufzutauchen!", heulte sie ungehalten los.

Madam Pomfrey lächelte verhalten. „Mach nur weiter so. Lass es raus."

Ungeduldig schnaubte Hermine zurück. „Wie viele Geburten haben Sie schon mitgemacht?"

„Mit dieser hier sind es drei."

„Was? Wie kommen Sie dann dazu, mir Ratschläge zu erteilen? Ich dachte, Sie selbst haben keine Kinder."

Gutmütig schüttelte Madam Pomfrey den Kopf. „Nein, ich habe keine Kinder. Zumindest keine eigenen. Dafür habe ich euch, Hermine. Ihr alle seid meine Kinder."

„Tja, scheint so", äußerte sie in einem flachen Lächeln.

Interessiert legte Poppy die Stirn in Falten. „Was hast du erwartet? Dachtest du vielleicht, so eine Geburt geschieht in Hogwarts öfter?"

„Natürlich nicht."

„Dann hör auf, dich zu beklagen. Es ist auch für mich schon ein Weilchen her, seit ich geholfen habe, ein Kind auf die Welt zu bringen. Streng genommen war ich sogar nur Zuschauer. Die Entbindungsstation im St. Mungo's gehörte zum Pflichtprogramm meiner Schwesternausbildung."

Am liebsten wäre Hermine in einem Loch im Erdboden verschwunden. Doch der Schmerz ließ ihr keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, in was für einer erbärmlichen Lage sie sich befand. Am Ende war ihr alles gleich. Sie musste nur noch atmen. Nichts sonst. Nicht denken, nicht reden, kein Mitleid für andere empfinden.

Und so krallte sie ihre Finger in das Sofa und ließ den Schmerz über sich ergehen. „Ich habe Angst", murmelte sie leise. „Ich will ihn sehen und ihm sagen, dass ..."

Der Druck kehrte zurück und mit ihm das Gefühl der Hilflosigkeit.

Blind vor Wut brüllte sie los: „Ich will ihm sagen, was für ein Arsch er ist, dass er das zugelassen hat!"

Madam Pomfrey nickte. „Das kann ich gut nachvollziehen."

„Ach ja? Sie haben keine Ahnung, wie oft ich versucht habe, dem ganzen einen Sinn zu geben. Aber jedes Mal wenn ich dachte, ich könnte ihn endlich aus meinem Leben verdrängen, musste ich erkennen, dass ich es nicht fertigbringe."

„Dann solltest du es tun, wenn er hier ist. Ich bin überzeugt davon, dass alles gut werden wird."

xxx

Snape fluchte innerlich. Er wollte das, was sich vor seinen Augen abspielte, nicht sehen. Schon gar nicht wollte er dabei sein. Er wollte überhaupt nichts von alldem wissen. Seine eigene Unfähigkeit, ihr das zu ersparen, jagte ihm Angst ein. Ihr schweißgebadetes Gesicht, der zum Platzen gespannte Bauch … Das alles war nicht seine Welt. Er kannte sich aus mit Schmerzen, mit dunklen Mächten und hartgesottenen Todessern. Doch das hier war etwas vollkommen anderes. Es war die Geburt eines neuen Lebens. Eines unschuldigen Kindes. Miss Grangers Kind. Sein Kind. Und von Kindern hatte er keine Ahnung. Erst recht nicht von Babys.

Mehr denn je fing er bei ihrem Anblick an, Dracos Tod zu bedauern. Wäre der Junge noch am Leben, müsste er sich an seiner statt damit auseinandersetzen, wie es sein würde, für ein Kind verantwortlich zu sein. Genau diese Verantwortung war es, die ihm die Luft abzuschnüren schien. Sie war so jung gewesen. So unsagbar jung! Und doch weitaus stärker als er, an jenem Tag, an dem sie zu ihm gekommen war. Jetzt sah sie so zerbrechlich aus, dass ihn eine eigenartige Mischung aus Schuldgefühlen und Wut auf sich selbst überkam. Wäre es nicht an ihm gewesen, eine Lösung zu finden? Sie davor zu bewahren? Sie wegzubringen? Was machte er hier nur?!

Sie schrie. Schrie seinen Namen, den sein verhasster Vater ihm gegeben hatte.

Ein Name! Das Kind brauchte einen Namen...

Er zuckte von einem eigenartigen Schmerz getroffen zusammen. Die Wunden, die sein Erzeuger in seinem Dasein hinterlassen hatte, fingen erneut zu bluten an. Seine Hände zitterten. Dann, ganz langsam, ging er auf sie zu, kniete sich neben sie und umfasste intuitiv ihren Leib.

"Hier bin ich, Hermine." Und sie riss die Augen auf und lächelte ihn an. Schwach, doch unverkennbar, wie nur Miss Granger es vermochte.

Verbissen hielt er dem Drang, einfach wegzulaufen, stand. Hielt sie in seinen Armen und spürte, wie sie ihre Nägel in seine Haut jagte.

"Ich wusste es, Severus. Ich wusste es ..."

Vorsichtig drückte er ihr einen Kuss aufs klatschnasse Haar. "Es tut mir leid. Ich hätte es nie soweit kommen lassen dürfen. Niemals."

Hermine rang nach Atem. "Ich wollte dir sagen, wie sehr ich dich dafür hasse ... Aber jetzt, wo du hier bist, ist mir alles gleich. Du bist das, was ich will."

Er spürte, wie sich ihr Körper versteifte, hörte, wie sie sich quälte.

"Gib ihm einen Namen, Severus." Ihre Stimme war zwar geschwächt, dennoch entging ihm nicht der fordernde Unterton darin.

In einem Anflug der Panik machte sein Herz einen Satz. Er starrte hilflos auf ihren Bauch, der ihr solche Schmerzen bereitete. Ihr gemeinsamer Sohn, der sie ihm wegzunehmen drohte - was, wenn sie das nicht überstehen würde?

"Ich habe kein Recht, das zu tun", sagte er monoton. "Ich habe meine Verantwortung dir gegenüber missbraucht. Ich habe versagt."

Sie stöhnte auf. "Unsinn! Hör auf, mit mir zu diskutieren und gib ihm einen verdammten Namen!"

Snape stockte. In ihm rebellierte es so gewaltig, dass er keine Antwort wusste. Er konnte Poppy hören, die irgendetwas zu Molly sagte, was jedoch in Hermines Schrei unterging. Zugleich fühlte er eine gewaltige Kraft, die durch ihren Körper strömte, während sie Stück für Stück das Kind aus sich herausschob.

Die immer wiederkehrenden Kontraktionen versetzten ihm einen eisiger Schauder. Seine Arme zitterten vor Anspannung. Es tat weh, sie so zu erleben. Am Rande des Wahnsinns, kaum den Kinderschuhen entwachsen und schon auf dem Weg, selbst eine Mutter zu werden.

Krampfhaft hielt er sie fest und wünschte sich, Voldemort hätte ihn getötet, bevor er dazu in der Lage gewesen wäre, ihr das anzutun. Er wünschte sich fort von hier. Wünschte sich, jeden nur erdenklichen Schmerz auf sich nehmen zu können, um ihr das zu ersparen, was sie seinetwegen erdulden musste. Er litt. Litt mit ihr, während sich all ihre Muskeln verkrampften. Verfluchte sich selbst für seine Dummheit, die ihn immer wieder einholte, seit er sich seinem Herrn angeschlossen hatte. Eine Entscheidung, die so vielen nichts als Elend gebracht hatte, den Tod der Potters miteinbezogen.

An diesem Punkt angelangt kam er nicht umhin, sich an das erinnert zu fühlen, was damals geschehen war, als er nach Lily gesucht hatte, nur um sie tot bei ihrem kleinen Sohn aufzufinden. Verzweifelt hatte er um sie getrauert, sich verschlossen und zurückgezogen in seine Einsamkeit. Und jetzt - jetzt war er erneut dabei, damit weiterzumachen, jemanden zu verletzen; der jungen Frau vor sich seelische und körperliche Qualen zuzufügen. Narben. Nicht einmal hatte er sich etwas aus seinen eigenen Narben gemacht. Sie störten ihn nicht. Nicht wirklich. Aber was hier geschah, ließ ihn an seine Grenzen stoßen. Es war nicht sein eigener Schmerz, den er spürte, als ihre Finger blutige Furchen in seine Haut rissen. Es war ihr Schmerz. Und der Schmerz des Kindes, das in ihr steckte und wohl am liebsten noch länger in der Geborgenheit seiner Mutter ausgeharrt hätte, wenn es nicht an der Zeit gewesen wäre, das Licht der Welt zu erblicken.

Verkrampft konzentrierte er sich darauf, beruhigend auf sie einzureden, ihr Halt zu geben. Was mehr konnte er schon tun, als hilflos und nutzlos wie ein kleiner Junge dabei zusehen?

Ein weiterer Schub erfasste sie, dann wurde ihr Körper schlaff. Mit einem Mal war sämtlicher Schmerz vergessen, jegliche Angst wie weggeschwemmt. Getüncht in eine Mischung aus verschiedenen Körpersäften kam das kleine Wesen zum Vorschein, das sie gemeinsam so qualvoll gezeugt hatten. Ein Baby. Sein Sohn.

Eifrig empfingen die beiden Geburtshelferinnen das Kind und klemmten die Nabelschnur ab. Der Kleine unterdes brüllte wie am Spieß.

Snape stand der Schweiß auf der Stirn. Sein Verstand war am Ende. Nie hatte er etwas Vergleichbares gesehen. Etwas Schöneres, etwas, das so rein gewesen wäre wie dieses Kind. Plötzlich wusste er, wie es war, Vater zu sein. Er verstand, dass James und Lily alles nur erdenkliche getan hatten, um Harry zu beschützen. Ihre Liebe hatte dem Jungen das Leben gerettet und Voldemort geschwächt.

Binnen Sekunden zog sein Leben an ihm vorüber. Er spürte alles und nichts. Gab es überhaupt etwas, das dieses Gefühl oder diesen Moment beschreiben konnte? Es war absurd. Auf der einen Seite stand eine Frau, die sich quälte. Auf der anderen ein Mann wie er, der so viel gesehen und erlebt hatte. Trotzdem ging er vor ihr in die Knie und wusste nicht weiter. Dann aber wich seine Hilflosigkeit der Friedfertigkeit. Alles war genauso, wie es sein sollte.

Zu Tränen gerührt kam ihm in den Sinn, dass es nur eine Hoffnung für sie alle gab: Lilys Sohn, der dazu bestimmt war, sich gegen den Dunklen Lord zu erheben. Harry, ihre Hoffnung. Und dabei spielte es keine Rolle mehr, wie sehr sie sich hassten, solange jeder von ihnen das tat, was er tun musste.

"Harrison", sagte er mit rauer Stimme. "Er wird Harrison heißen. Sohn von Severus und Hermine, nach dem Hoffnungsträger aller Verzweifelten benannt, die darauf zählen, dass dein Freund sie befreien wird."

"Das ist gut, Severus", flüsterte sie erschöpft. "So wie Harry unsere Hoffnung ist, wird er auch sein Pate sein."

Snape schluckte. Noch nie zuvor hatte er sich so befreit gefühlt. Er hatte die junge Frau, die sich so beharrlich in sein Leben geschlichen hatte, leiden sehen und selbst darunter gelitten, weil es sein Verschulden gewesen war; weil er zugelassen hatte, dass das mit ihr geschehen konnte. Er hatte die Angst gespürt, was es bedeuten würde, sie zu verlieren. Und plötzlich hatte alles andere aufgehört, zu existieren: Die Schule, sein neues Amt, Hogwarts und Voldemort. Sogar James Potter, sein größter Widersacher, war zum ersten Mal seit Jahrzehnten unwichtig geworden. Es zählte nur noch das Hoffen auf eine gemeinsame Zukunft mit der Frau, die er in seinen Armen hielt; mit seinem Sohn, den Poppy behutsam auf ihre Brust bettete.