Call it bittersweet
Kapitel 50
Verwundbarkeit
Wieder nahm Hermine einen eigenartigen Geruch war. Diesmal jedoch nicht den von Pergament und Tinte, wie sie es eben in Snapes Büro registriert hatte. Es war ein anderer Geruch. Einer, der unweigerlich Übelkeit erregte, weil er an das erinnerte, was man für gewöhnlich in Krankenhäusern vorfand: Der Geruch nach Blut, Schweiß und anderen Dingen, die sie am liebsten verdrängt hätte. Doch sie konnte es nicht. Was sie zu sehen bekam, war besorgniserregend und bestätigte ihre Vermutungen, dass er nicht ansprechbar war und unter den Folgen eines abscheulichen Fluchs litt, der seinen ganzen Körper beben ließ. Genauer genommen hätte man den Mann mit der fahlen Haut auf den ersten Blick für tot halten können, wenn er nicht so eigenartige Zuckungen von sich gegeben hätte.
Nur unterschwellig achtete sie auf Madam Pomfrey, die damit beschäftigt war, den Zustand des Patienten zu stabilisieren. Verängstigt und wütend zugleich stellte Hermine sich an sein Bett und strich mit der Hand über seine Stirn. Er war so kalt, dass sie bei der Berührung fast zurückschreckte. Seine Haut war mehr als gewöhnlich blass, obendrein klebten klatschnass die schwarzen Strähnen an seinem Kopf. Wie es aussah, befand er sich in einem künstlichen Erholungsschlaf. Dennoch bebte in regelmäßigen Abständen auf beängstigende Weise sein ganzer Körper und Hermine fragte sich, wie viel von dem, was um ihn herum geschah, er mitbekam.
Zuerst machte Poppy ein unglückliches Gesicht, als sie Hermine erblickte und Hermine ertappte sich dabei, mindestens genauso elend zurückzublicken. Dann aber konnte sie sich nicht länger zurückhalten und fragte einfach drauflos was ihr in den Sinn kam.
„Wie schlimm ist es? Hat er schon etwas gesagt, seit Sie bei ihm sind?"
„Nein. Minerva war vor mir bei ihm. Aber soweit ich weiß, war er die ganze Zeit über nicht ansprechbar. Er war bis zur Erschöpfung ausgelaugt und brauchte Ruhe. Deshalb war es wichtig, dafür zu sorgen, dass er erst einmal ruhiggestellt ist."
„Das ist ein Scherz, oder? Er zittert wie Espenlaub."
„Das ist durchaus richtig, ja."
Mehr sollte sie nicht erfahren. Fröstelnd wunderte Hermine sich, ob Madam Pomfrey ihretwegen so wortkarg war oder aus Sorge um ihren Patienten. „Wissen Sie denn, was passiert ist?", versuchte sie es erneut. „Ich meine, ist es wahr, dass Voldemort den Cruciatus angewendet hat?"
Poppy nickte knapp und wischte mit einem feuchten Tuch über Snapes Stirn. „Ja."
Eine eisige Kälte machte sich in Hermines Gliedern breit. Es war verboten, so etwas zu tun! Und das nicht grundlos. Der Cruciatus-Fluch gehörte mit zu den schlimmsten Flüchen überhaupt, was die Notwendigkeit, ihn für unverzeihlich zu erklären, durchaus berechtigte. Traurige Wahrheit war aber auch, dass sich Voldemort und die Todesser nichts daraus zu machen schienen.
Entsetzt starrte Hermine auf die vibrierenden Züge ihres Professors, unfähig auszumachen, wie schlimm der Schaden war, den er davongetragen hatte. Es dauerte nicht lange und erneut kamen ihr die Tränen. Mit größter Anstrengung aber schaffte sie es, sie hinunterzuschlucken. Jetzt Schwäche zu zeigen, würde ihm bestimmt nicht gefallen.
„Was glauben Sie, wann es ihm wieder besser geht?"
Madam Pomfrey zuckte mit den Schultern. „Willst du wirklich die Wahrheit wissen?"
„Ja. Deshalb bin ich hier." Nicht nur, erinnerte sie sich mahnend. Severus war kein Objekt, das sie begaffen wollte. Sie wollte einfach nur Gewissheit haben, dass es ihm den Umständen entsprechend gut ging.
„Das ist schwer zu sagen", setzte Poppy milde an. „Nicht immer hatte er es mit derart gravierenden Nachwirkungen zu tun. Niemand würde es überleben, regelmäßig so bestraft zu werden." Bestraft. Genau das machte Hermine Angst. Poppy aber fuhr unbeirrt fort. „Der menschliche Organismus ist schlichtweg nicht darauf ausgerichtet, der Belastung, die aufgrund dieser Flüche auftritt, standzuhalten. Gehirn- und Nervenzellen können sich nur bis zu einem gewissen Grad regenerieren. Sind sie erst einmal geschädigt, ist es meist zu spät, etwas daran zu ändern. Bestes Beispiel ist der Missbrauch von Alkohol und Drogen. Bestimmt habt ihr in Zaubertränke schon einmal über die Auswirkungen gesprochen. Aber lassen wir das besser. Du siehst aus, als könntest du etwas Ablenkung vertragen."
Entschieden schüttelte Hermine den Kopf. „Ich bin froh, wenn ich mit jemandem reden kann. Im letzten Schuljahr hatte ich kaum die Gelegenheit, das zu tun, wenn Sie verstehen."
„Das tue ich. Obwohl es mir anfangs nicht leicht gefallen ist."
Aha, daher wehte also der Wind.
„Was wissen Sie noch darüber?", fragte Hermine ausweichend. „Ich hatte immer schon reges Interesse am Fach Zaubertränke, obwohl ich ehrlich gesagt nicht glaube, dass das eine mit dem anderen viel zu tun hat."
„Das würde ich so nicht sagen", warf Poppy ernst ein. „Die meisten Wirkstoffe, die heute in den Medikamenten der Muggelmedizin verwendet werden, stammten aus der Natur, ehe die Wissenschaftler begannen, sie in chemische Keulen zu verwandeln. Auch ich habe aus akademischen Gründen meine Fühler schon in die Welt der Muggel ausgestreckt. Sie sind schließlich nicht die einzigen Menschen, die mit den Folgen des Missbrauchs von Suchtstoffen zu kämpfen haben. "
Niedergeschlagen setzte Hermine sich zu ihm an den Bettrand. Obwohl es schmerzte, ihn so zu sehen, war sie unfähig, ihren Blick von ihm zu nehmen. Zwar hatte sie von Harry erfahren, wie es war, einen Cruciatus zu spüren zu bekommen, doch dass es sich hierbei um eine ganz andere Härte handelte, war nicht zu übersehen. „Denken Sie denn, er wird bleibende Schäden davontragen?"
„Um das mit Sicherheit zu sagen, müssten wir eine Reihe an professionellen Ärzten hinzuziehen. Nur leider können wir es nicht riskieren, das zu versuchen. Die traurige Wahrheit ist die, dass wir nicht wissen, in wessen Obhut wir ihn geben können. Bis dahin müssen wir warten, bis die Medikamente, die ich ihm verabreicht habe, um ihn ruhigzustellen, ihre Wirkung verlieren."
„Wie lange wird das dauern?"
„In ein paar Stunden dürfte er aufwachen, dann wissen wir mehr. Wenn du mich fragst, wird er sich vollständig erholen. Aber das könnte durchaus seine Zeit brauchen."
Zeit, die wir nicht haben, dachte Hermine verbissen. Es war schon kompliziert genug, Hogwarts zu führen, wenn die Todesser nur vor den Toren lauerten. Jetzt, wo sie unmittelbar hier im Schloss hausten, mussten sie noch um einiges gewitzter sein als zuvor, wenn sie verhindern wollten, dass die Lehrer und Schüler den von Voldemort gesandten Todessern hilflos ausgeliefert waren.
„Was sagt Professor McGonagall zu dem Vorfall? Wie geht es ihr? Ich habe sie schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen."
Sanftmütig holte Poppy einen Stuhl herbei und setzte sich neben sie. „Es war ein Schock für sie. Offengestanden glaube ich nicht, dass sie die Sache leichtfertig wegstecken wird. Die Last, die nun auf ihren Schultern liegt, ist schon groß genug. Immerhin muss sie zur Stelle sein, wenn Severus das Schloss verlässt. Sie nimmt ihre Aufgabe, die Schüler zu schützen, sehr ernst. Todesser in Hogwarts hat es noch nie gegeben. Alles hat sich verändert. Vermutlich würdest du das Schloss nicht wiedererkennen, wenn du hindurchläufst. Du siehst also, das kommende Schuljahr dürfte alles andere als ein Vergnügen werden."
Genau das hatte Hermine befürchtet. Erschöpft rieb sie sich die Augen. Die Geburt lag erst ein paar Tage zurück. Außerdem war es das erste Mal seit Monaten, dass sie den Grimmauldplatz verlassen hatte.
„Denken Sie, es war dumm von mir, hier herzukommen? Die anderen waren der Meinung, ich sollte besser bei Harrison bleiben."
Madam Pomfrey schmunzelte verhalten. „Versuch bloß nicht, dir ein schlechtes Gewissen einzureden. Du kannst genauso wenig etwas dafür wie er, dass es so gekommen ist."
Betreten senkte Hermine den Blick auf die Gestalt ihres Professors, dessen bebender Körper endlich etwas zur Ruhe zu kommen schien. „Er hat mich nie leiden können", murmelte sie leise. „Und doch … Es ist absurd, so etwas zu denken, aber er war auf eine verklärte Art und Weise immer für mich da. Das Gefühl, jetzt nichts für ihn tun zu können, ist schrecklich."
Erwartungsvoll sah sie auf und hoffte, dass Madam Pomfrey irgendetwas sagen würde, das ihr Gewissen beruhigen würde. Etwas, das ihr helfen konnte, alles zu verstehen. Denn im Grunde genommen verstand sie gar nichts mehr. So wie sich die Dinge entwickelt hatten, fühlte es sich an, als wäre alles nur ein Traum. Immer wieder hatte sie ihre Zweifel gehabt, ob es tatsächlich sein konnte, dass er ihr Zuneigung entgegenbringen würde. Spätestens die letzten Wochen im Grimmauldplatz hatten sie eines Besseren belehrt. Ganz besonders die Geburt ihres gemeinsamen Sohnes. Wie sollte sie also jetzt damit umgehen, dass er hier lag und um sein Leben kämpfte, das ihm so offensichtlich nie etwas bedeutet hatte?
„Ich glaube nicht, dass es einen Sinn hätte, dir etwas vorzumachen", hörte sie Madam Pomfrey aufrichtig sagen, die sie mit einem Schlag in die Gegenwart zurückholte.
„Nein, vermutlich nicht", entgegnete Hermine sarkastisch. „Selbst bei der Geburt haben Sie nicht davor zurückgescheut, mir die Wahrheit zu sagen."
Madam Pomfrey seufzte leise, ging aber nicht näher darauf ein. Was geschehen war, war geschehen. Sie selbst hatte große moralische Bedenken gehabt, ob es richtig war, dem Orden des Phönix unter den gegebenen Voraussetzungen weiterhin zu dienen. Es war nicht leicht gewesen, den Schock zu verdauen, dass Snape der Vater des Babys war. Vermutlich ging es jedem so, der sich nicht in einer Lage wie dieser befand. Dennoch hatte sie sich verpflichtet gefühlt, ihrer Berufung Folge zu leisten, als Minerva sie in das Geheimnis eingeweiht hatte, dass nicht Draco sondern der Professor der Vater des Babys war. „Im Moment können wir nichts für ihn tun. Er ist nicht er selbst, Hermine", sagte sie ernst. „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er dich hören kann. Sein Organismus wird von so vielen Medikamenten beeinflusst, dass schwer zu sagen ist, ob er überhaupt spürt, was hier geschieht. Dennoch möchte ein Teil von mir daran glauben, dass er deine Gegenwart wahrnimmt. Weißt du, wenn jemand es schaffen kann, ihm Kraft zu geben, dann du. Als das Baby geboren wurde, hast du ihn erkennen lassen, dass das Leben aus weit mehr besteht als den Dingen, die er kannte. Wir haben beinahe sechzehn Jahre zusammen in Hogwarts gearbeitet. Da ist es kein Geheimnis geblieben, dass er einsam war. Obwohl ich gestehen muss, dass er nicht besonders gesprächig war."
Irritiert biss Hermine sich auf die Lippe. Das war eine lange Zeit, wenn man bedachte, wie alt sie war. Es war so viel in seinem Leben passiert. Wie sollte sie je damit zurechtkommen?
„Er war die meiste Zeit lieber für sich, nicht wahr? Mit Menschen umzugehen, ist nicht gerade seine Stärke."
„Allerdings. Aber das hat in deinem Fall nichts zu bedeuten. Er ist Teil von etwas geworden, das er vermutlich selbst nie für möglich gehalten hätte. Das Kind hat einen gewissen Stolz in ihm geweckt. Einen Überlebenswillen. Nur die Tatsache, wie es dazu kam, ist und bleibt verwerflich. Immerhin hast du ihn dazu gebracht, mit seinen Prinzipien zu brechen, die er als Lehrer hatte."
„Oh", warf sie mit geröteten Wangen ein, ohne das Thema weiter vertiefen zu wollen. „Ich bin sicher, dass er ziemlich wütend wäre, wenn er wüsste, was hier vor sich geht. Alleine die Tatsache, dass ich hier bin und mit Ihnen über ihn spreche, würde ihm gar nicht gefallen."
Poppy setzte ein dünnes Lächeln auf. „Dann lass dich nicht aufhalten. Mir ist beinahe jedes Mittel recht, das ihn wieder in Fahrt bringt. Er braucht diese Energie, die in ihm steckt. Sie treibt ihn an."
Nachdenklich wippte Hermine mit dem Kopf. Zu gerne hätte sie etwas Zeit mit ihm alleine gehabt. Es gab so viel, das sie ihm sagen wollte. So viel, das sie immer für sich behalten hatte, weil es ihr absurd erschienen war, ihn damit zu belasten, wo sie doch sowieso schon so viel von ihm verlangt hatte.
Sehnsüchtig sah sie ihn an, ohne den Blick von ihm nehmen zu wollen. „Wäre es möglich, dass Sie mich kurz mit ihm alleine lassen?", fragte sie vorsichtig.
Madam Pomfrey legte beruhigend ihre Hand auf ihre Schulter. „Ich dachte schon, du fragst nie. Minerva hat mich gebeten, bei ihm zu bleiben. Aber da du es bist, werde ich eine Ausnahme machen. Ich warte draußen vor der Tür auf dich, wenn du etwas brauchst. Lass dir Zeit."
Dankbar nickte Hermine. Dann hörte sie, wie die Tür ins Schloss fiel. Im selben Augenblick konnte sie spüren, wie die ersten Tränen über ihre Wangen liefen. Leise begann sie, ihm davon zu erzählen, wie sehr sie ihn brauchte und dass er unbedingt zu ihr zurückkehren musste. Aber erst etwa vier Stunden später wachte er auf und öffnete träge seine Augen. Für Hermine kam es einem Wunder gleich, wie er schläfrig in den Raum hinein blinzelte und versuchte, sich zu orientieren.
Schniefend wischte sie ihre Tränen beiseite und setzte ein Lächeln auf. „Hi."
„Hi."
Seine Stimme klang so rau, dass sie dadurch ganz verunsichert wurde und nicht so recht wusste, was sie tun sollte. Vorsichtig streckte sie ihre Hand nach ihm aus und legte sie auf seine. „Wie fühlst du dich?"
Eine kleine Pause trat ein, ehe er mit deutlicher Zurückhaltung antwortete. „Das wird sich erst noch zeigen."
Offengestanden hatte sie keine besonders ausführliche Antwort erwartet. Dennoch war es eigenartig, ihn dabei zu ertappen, wie er nach Worten suchte; es kam nicht oft vor, dass so etwas geschah.
"Brauchst du irgendetwas? Soll ich Madam Pomfrey rufen?"
Er schüttelte den Kopf. "Nein."
"Wenn du willst, gehe ich. Du solltest dich ausruhen."
Obwohl sie inständig hoffte, dass er sie nicht fortschicken würde, musste sie doch einsehen, dass es besser war, ihn rasten zu lassen, solange er die Gelegenheit dazu hatte.
Er presste die Kiefer aufeinander und sah sie an. "Was tust du nur hier, Hermine? Es war verantwortungslos von dir, hier herzukommen. Du hättest das sichere Versteck nicht verlassen sollen."
Überrascht von der Härte, die in seiner gebrochenen Stimme lag, runzelte sie die Stirn. "Verantwortungslos? Ich wollte dich sehen. Ist das so ungewöhnlich, nachdem das passiert ist? Ich dachte, mein Herz setzt aus, als ich davon erfuhr."
Er zog die Brauen zusammen und Hermine kam nicht umhin, sich zu fragen, was in ihm vorgehen mochte. Langsam und angespannt begann er zu sprechen. "Du solltest nicht hier sein. Ich meine das ernst. Hogwarts ist längst kein sicherer Ort mehr. Wenn dich jemand hier findet, kann ich nichts für dich tun."
"Das weiß ich", sagte sie milde. "Aber ich konnte nicht anders. Was ist überhaupt passiert? Und was meint Dumbledore zu dem, was geschehen ist? Ich habe mich so schnell wieder von ihm verabschiedet, dass ich gar nicht dazu gekommen bin, ihm all die Fragen zu stellen, die mir durch den Kopf gingen."
"Nicht viel", brummte er kühl. "Ich war selbst kaum imstande, mich mit ihm zu unterhalten, bevor ich zusammengebrochen bin. Trotzdem vermute ich, dass er erleichtert war, als ich ihm erzählte, dass ich noch vor den anderen entlassen wurde."
Hermine unterdrückte ein Schaudern. "Glaubst du denn, dass es inzwischen vorbei ist? Wenn ja, haben deine Freunde heute Nacht etwas Besseres zu tun, als sich darum zu scheren, was hier im Schloss vor sich geht."
"Es sind nicht meine Freunde", gab er bitter von sich.
Sie schnaubte leise. "Etwas anderes habe ich auch nicht erwartet. Ich wollte dir damit nur sagen, dass es richtig ist, dass ich hier bin. Du musst dir keine Gedanken um mich oder Harrison machen. Uns geht es gut. Mit Ausnahme davon, dass du mir einen riesigen Schrecken eingejagt hast. Ich glaube, noch nie zuvor hatte ich solch Angst um dich."
Er schluckte mit trockener Kehle. "Ich bin glimpflich davongekommen, wenn man bedenkt, dass zwei von uns ums Leben gekommen sind. Er hat sie so lange gefoltert, bis sie tot waren."
"Sag das nicht, Severus", warf sie schockiert dazwischen. Der Sarkasmus in seiner Stimme gefiel ihr in Hinsicht auf den ernsten Vorfall überhaupt nicht. "Warum hat er das nur getan?"
Snape wendete unbeeindruckt von ihrer Fürsorge den Blick ab. "Ich wusste nicht, was der Grund war. Er hat nichts weiter erwähnt."
"Dann müssen wir zusehen, dass wir schnell handeln. Wer weiß, wie weit er beim nächsten Mal gehen wird."
"Du hast Recht. Sobald ich aus dem Schloss kann, werde ich Potter das Schwert geben. Wir sollten wenigstens einen der Horkruxe zerstören."
Hermine verspürte eine ungeheure Erleichterung in sich hochkommen. Oftmals war sie aufgrund seiner Sturheit aufgelaufen. Diesmal jedoch schien ihm selbst bewusst geworden zu sein, dass sein Leben an einem seidenen Faden hing.
"Ich bin froh, dass du mir nicht widersprochen hast", sagte sie aufrichtig. Dann lehnte sie sich nach vorne und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. "Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dich zu verlieren. Du hast mich zu Tode erschreckt."
Er verdrehte die Augen. "Das hast du bereits erwähnt, Hermine."
"Ja. Und ich werde es wieder und wieder tun, bis du verstehst, wie viel du mir bedeutest."
Langsam setzte er sich auf und nahm sie in die Arme. Am liebsten hätte sie dagegen aufbegehrt, um ihm noch etwas Erholung zu gönnen. Doch die Sehnsucht, von ihm gehalten zu werden, siegte. Außerdem war sie sich fast sicher, dass es nicht lange dauern würde, ehe er wieder auf den Beinen wäre. Angeschlagen oder nicht, er war niemand, der sich gehen ließ.
"Ob du es glaubst oder nicht, obwohl es unverantwortlich von dir war, danke ich dir sehr, dass du gekommen bist. In meiner Vergangenheit hat sich niemand darum gesorgt, was mit mir ist. Trotzdem musst du zurück."
Hermine biss sich auf die Lippe. "Und was ist mit dir? Was wird jetzt mit dir geschehen?"
Er zuckte mit den Achseln. "Mach dir darüber keine Sorgen. Die nächsten Tage in Hogwarts werden sehr ruhig werden. Bis die Schüler zurückkommen, dauert es noch eine Weile."
"Ich rede nicht von den Schülern, Severus. Ich rede von den Todessern."
"Nachdem wir diese Nacht mindestens zwei von uns verloren haben, wird keiner es wagen, so schnell aus der Reihe zu tanzen", sagte er trocken.
Hermine schüttelte den Kopf und drückte sich innig an ihn. Er hatte es so überzeugend gesagt, dass sie ihm fast glauben wollte. Wie immer hoffte sie darauf, dass er wusste, was er tat. Das Bedürfnis, sich auf ihn verlassen zu können, war nach wie vor ungebrochen und daran würde sich auch so schnell nichts ändern. Auch dann nicht, wenn sie lernen musste, loszulassen. Die Verantwortung, die damit einherging, ein Kind zu haben, konnte sie nicht davor bewahren, sich in seine Arme flüchten zu wollen, um selbst Halt zu finden.
