EFw Teil 6
Kapitel 1
„So, Derek Reese. Wie kommt ein harter Widerstandskämpfer an den Rockzipfel einer Maschine?" Fragte Sarah den ihr im Wohnraum gegenüber sitzenden Derek.
Derek sah in Sarahs Augen. „Wahrscheinlich genau so wie der große ...ähm... kleine John Connor", antwortete Derek und grinste. „Ich kannte Sie, bevor ich wusste, dass sie eine Maschine ist. Ähnlich war das sicherlich bei John und Cameron". Er zögerte kurz und überlegte, was er erzählen durfte.
„Sie war in meiner Einheit und die Hölle von einem Kameraden. Ohne sie hätten die Maschinen mich und die Anderen mehr als ein Mal fertig gemacht.", sagte er. „Was ist mit Kyle passiert?" Fragte er unvermittelt.
Sarah sah ihn an, dann zu Boden. „Kyle Reese hat eine Rohrbombe in das Endoskelett des T800 geschoben, der mich 1984 angegriffen hatte. Er kam nicht mehr schnell genug weg".
Derek musste schlucken. „Typisch Kyle". Derek zögerte. „Ich habe ihn vor einem halben Jahr noch gesehen. Für Dich sind es aber fast 16 Jahre. Zeitreisen sind Scheiße", sagte Derek mit Nachdruck.
Sarah nickte nur, schüttelte dann aber den Kopf. „Was hätte Kyle nur gesagt wenn...", Sarah unterbrach den leisen Satz
Derek lachte leise. „...Wenn er wüsste, dass sein Sohn eine Maschine liebt", beendete Derek Sarahs Satz.
Sarahs Kopf ruckte hoch. „Wie...?" Fragte sie erstaunt.
„Ich habe gesehen wie mein Bruder die ältere Sarah angehimmelt hat und kann mir das bei der jüngeren vorstellen. Außerdem sehe ich ihn jedes mal wenn ich John ansehe", erklärte Derek.
Sarah nickte verstehend und lächelte bei dem Gedanken, dass der junge Kyle die 30 Jahre ältere Sarah anhimmelt.
„Was Cameron betrifft... Wenn ich bedenke, dass die Beiden sich umarmt haben als sie sich das letzte Mal sahen...". Derek sah die erstaunte Sarah lächelnd an.
„Sie kannten sich?" Fragte sie. „Sie mochten sich? Warum hat er dann aber so voller Hass von den Maschinen gesprochen?"
Derek erhob sich und lächelte. „Weil er Cameron nicht als Maschine sah. Für ihn war sie ein Freund", führte er aus, bevor er sich erhob. „Für die Connors gehörte sie zur Familie", fügte er hinzu bevor er Sarah mit ihren Gedanken alleine lies.
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-Für ihn war sie ein Freund...Für die Connors gehörte sie zur Familie-.
Es war jetzt fast eine Woche her, dass sie dieses Gespräch mit Derek Reese hatte. Noch immer hatten seine Worte etwas Surreales für Sarah. Viele Jahre lang hatte sie geglaubt, dass Kyle, als er von den Maschinen sprach, ALLE Maschinen gemeint hatte. Nun erfuhr sie, dass er mit einigen sogar befreundet gewesen war. Cameron musste etwas ganz ganz besonderes sein, wenn Kyle sie gemocht hatte.
Jedes mal, wenn Sarah John und Cameron zusammen sah fiel einTeil ihres eigenen Hasses von ihr ab. Mittlerweile dachte sie darüber nach Cameron völlig zu akzeptieren. Einzig ihre Sorge um Johns Wohlergehen hielt sie noch davon ab loszulassen. Immer noch war sie wachsam, achtete auf Jede Berührung zwischen den Beiden. Immer noch erwartete sie voller Sehnsucht seine Rückehr, ohne dass Cameron ihn verletzt hatte.
Als sie Cameron am Morgen hatte aus dem Pool steigen sehen, sah sie auch das Leuchten in Johns Augen. Diesen liebevollen Blick würde sie nie vergessen. Sie wusste, er würde Cameron auch so ansehen, sollte sie einmal eine Waffe auf ihn richten, um ihn zu töten.
Sarah wurde mit aller Deutlichkeit bewusst, dass sie ab Sofort nicht nur ihren Sohn schützen musste, nein auch Cameron musste beschützt werden.
Ab sofort wollte sie versuchen Cameron wie Johns Freundin vielleicht sogar wie ihre Tochter zu behandeln. Dann lächelte Sarah. Vielleicht war Shopping mit Cameron doch keine so schlechte Idee.
-Für ihn war sie ein Freund...Für die Connors gehörte sie zur Familie-.
Erneut kamen ihr diese Worte in den Sinn. Dann traf es sie wie ein Blitzschlag. -DIE Connors-, hatte Derek gesagt. Wen meinte er wohl damit. Nur sie und John oder gab es da noch mehr? Hatte John eine Frau? Wohlmöglich Kinder? Dann kam ihr wieder Cameron in den Sinn. Würde er Cameron...?
Unvermittelt griff sich Sarah an den Kopf. ‚Zeitreisen sind nicht nur Scheiße, sie machen auch Kopfschmerzen', dachte sie schließlich.
Kapitel 2
John sah entsetzt, wie das Mädchen stumm mit ausgebreiteten Armen nach vorne kippte.
Was dann passierte konnte hinterher niemand genau erklären. Das blonde Mädchen wurde während des Kippens nach hinten auf das Dach gerissen. Keiner der Anwesenden hatte genau gesehen, was oder wer das Mädchen gerettet hatte. Es war so schnell gegangen, dass Niemand Einzelheiten schildern konnte.
John hingegen wusste genau, wer die Cheerleaderin gerettet hatte. Nur eine Person war dafür stark und schnell genug. Nach einem letzten Blick zum Dach lief er schnell zum Eingang und dann zur Treppe. Im zweiten Stock kam ihm dann Cameron mit dem Mädchen auf dem Arm entgegen. „Was ist mit ihr?" Fragte John
„Bewusstlos", entgegnete Cameron. „Der Schock war wohl zuviel für sie".
„Wer ist sie?" Fragte John, während sie im zweiten Stock in einer Abstellkammer verschwanden.
„Meine neue Freundin", entgegnete Cameron.
John runzelte die Stirn. „Hast Du sie erschreckt, dass sie sich das Leben nehmen wollte?" Kein Vorwurf lag in seiner Stimme.
Cameron verzog das Gesicht. „Natürlich nicht. In der vorletzten Pause habe ich sie Weinend auf der Toilette gefunden. Sie war aufgeregt und erzählte etwas von einem Großen Ding. Meine Kalkulationen ergeben eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass sie dass Graffiti meint. Wenn ich die Bilder in Relation zu ihrer Reaktion setze, scheint es als wäre sie das Mädchen auf dem Bild, dass offenbar gerade einer sexuellen Aktivität nachgeht".
„Wie kommst Du auf -sexuelle Aktivität-?" Fragte John leicht verwirrt.
„Der BH am Türknauf impliziert, dass es sich nicht nur um Küssen handelte", erklärte Cameron.
In diesem Moment begann das Mädchen in Camerons Arm zu erwachen. „Was...?" sagte sie mit der Hand am Kopf und blickte verwirrt um sich. „Warum?" fragte sie aufgeregt und fing an zu zappeln, um sich aus Camerons Griff zu befreien.
„Beruhige Dich", sagte John ruhig. „Wir wollen Dir nichts tun", ergänzte er.
Das Mädchen sah ihn verständnislos an. Dann mischte sich Ärger in ihre Stimme. „Nichts tun?" Rief sie. „Sag mir lieber warum ich nicht tot bin?" Fragte sie weiter. „Meine Eltern werden mich umbringen".
Cameron runzelte die Stirn. „Das Ergebnis wäre das Selbe, warum also bist Du unzufrieden?" Fragte Cameron verwirrt.
Diese Bemerkung brachte das Mädchen so aus dem Konzept, dass sie den zum Sprechen geöffneten Mund schloss, ohne etwas zu sagen.
Als nächstes hörten sie, wie draußen Leute vorbeiliefen.
Cameron sah John an. „Was machen wir jetzt?"
„Das hängt von …..." Sagte John und lies dem Mädchen Zeit sich vorzustellen.
Sie sah zuerst John, dann Cameron an, dann wieder John. „Jordon", sagte sie und blickte wieder zu Cameron „Jordon Cowan", ergänzte sie.
„Nun Jordon, Jordon Cowan, wie solls jetzt weitergehen? Fragte John.
Wieder sah das Mädchen zwischen John und Cameron hin und her. „Das weiß ich doch nicht", sagte sie verstört.
„Cam, was schlägst Du vor?" Fragte John mit einem leichten Lächeln.
Cameron sah kurz auf Jordon hinunter, dann wieder auf John. „Ich könnte sie wieder aufs Dach bringen und runter schmeißen", deutete Cameron an.
„Na", meinte John. „Zu auffällig".
„Wie wäre es, wenn wir sie fesseln und knebeln und heute Abend kommen wir zurück und foltern sie?" Fragte Cameron mit einem sadistischen Lächeln. „Und dann bring ich sie hoch und schmeiße sie vom Dach", ergänzte Cameron
John schüttelte den Kopf und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken. „Welche Art Folter?", Fragte er.
„Bohrmaschine", meinte Cameron.
„Zu laut", entgegnete John
„Säure?" Fragte Cameron weiter.
„ Zu viel Sauerei", meinte John.
„Elektroschocks? Das blutet nicht mal", sagte Cameron.
„Das stinkt zu sehr", meinte daraufhin John, der immer mehr Mühe hatte, ein Lachen zu unterdrücken.
„Wie wäre es, wenn ich ihr das Genick...", begann Cameron wurde aber von der Blonden unterbrochen.
„Ihr seid komplett irre", sagte Jordon, deren Augen immer größer geworden waren.
„John hob die Brauen" Wer wollte denn hier sterben?" Fragte er neugierig.
„Sterben ja", sagte sie hastig, „Aber schnell und ohne Schmerzen", fügte sie hinzu.
„Wo bleibt da der Spaß?" Fragte John. „Du hättest lediglich alle Deine Mitschüler traumatisiert, ganz zu schweigen von den Menschen, die dich lieben. Und nicht zuletzt Deine Freunde."
Jordon senkte den Kopf. „Wer will den noch mein Freund sein, wenn sie raus finden, was passiert ist?" Fragte sie traurig.
„Wie wäre es mit uns?" Fragte Cameron aufrichtig. „Wir wissen, dass Du offenbar Sex hattest, wir wissen nur noch nicht mit wem. Das ist uns auch egal. Wir wollen in jedem Fall Deine Freunde sein." Sagte Cameron mit einem freundlichen Lächeln.
„Wirklich? Egal wer es ist?" Fragte Jordon.
„Völlig egal. Über eines kannst Du dir sicher sein", sagte John mit all seiner Überzeugungskraft. „Weder Cameron noch ich verurteilen irgend Jemanden dafür, wen er mag."
Jordon zog den Kopf zwischen die Schultern „Es ist der Vertrauenslehrer", sagte sie leise.
Kapitel 3
…... „Es ist der Vertrauenslehrer".
John und Cameron sahen sich verwundert an. Mit dem Vertrauenslehrer hatten sie noch nichts zu tun gehabt. Allerdings würde den Mann eine empfindliche Strafe erwarten.
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Plötzlich blickte Cameron auf. „Der Flur ist jetzt leer, wir sollten rausgehen, bevor wieder Jemand kommt", sagte sie schnell.
John nickte, drehte sich herum und öffnete die Tür.
Cameron verlies die Abstellkammer und ging schnell in Richtung Treppe.
John schloss hinter ihr die Tür. Er wollte ihr hinterher, als er abrupt stehen blieb. „Äh Cam?"
Cameron blieb stehen und drehte sich herum. „Ja John?"
John verschränkte die Arme. „Willst Du sie den ganzen Tag durch die Gegend tragen?" Fragte er.
Cameron blickte auf Jordon, die sie noch immer auf den Armen hatte.
Jordon sah Cameron in die Augen. „Wie machst Du das blos? Du trägst mich herum, als würde ich Nichts wiegen. Du..., du kannst nicht viel mehr wiegen als ich, wie kannst Du mich nur die ganze Zeit tragen?" Fragte sie verwirrt.
„Sie ist ziemlich kräftig", sagte John mit einem Lächeln.
Cameron setzte Jordon ab und legte eine Hand auf Johns Arm. „Wir sollten nach Unten gehen. Dann mischen wir uns unter die Anderen und gehen irgendwo Anders hin", sie wandte sich an Jordon. „Versprichst Du uns keinen Unsinn zu machen?" Fragte sie die Cheerleaderin.
Jordon sah von Cameron zu John und wieder zu Cameron. Dann nickte sie. „Okay, ich mache keinen Unsinn aber lasst uns woanders hingehen, ich will hier weg", sagte sie.
Cameron, deren Hand auf Jordons Nacken gelegen hatte sah John an und nickte.
„Gut, dann fahren wir ins Einkaufszentrum, ein Eis essen oder einen Smoothie trinken", schlug John vor.
Jordon nickte nur.
Auf der Treppe hielt John Cameron am Arm fest, damit sie ein wenig hinter Jordon zurückfielen. „Ich hoffe unser kleines Spiel hat gewirkt", sagte John leise.
„Spiel?" Fragte Cameron. „Welches Spiel?" Fragte sie mit emotionslosem Gesicht. Dann ging sie weiter die Treppe hinab und lies einen verblüfften John zurück, der sich fragte, ob Cameron an Folterungen Gefallen fand.
John sah nicht das Grinsen auf Camerons Gesicht.
Kurz vor dem Ausgang trafen Sie auf eine Gruppe Mitschüler, die Jordon kritisch musterten. Am Ausgang dann stand der Direktor und sprach mit zwei Polizisten, als er auf die Drei aufmerksam wurde. „Jordon Cowan?!" Rief er ihr zu.
Jordon zuckte zusammen, ging dann aber zu ihm. „Ja Herr Direktor?"
„Eben hat ein Mädchen versucht sich das Leben zu nehmen, wurde aber auf unerklärliche Weise daran gehindert. Einige Deiner Mitschüler haben gesagt, dass Du es es warst, die vom Dach springen wollte", erklärte er.
Jordon starrte den Direktor nur an, nicht fähig eine Antwort zu geben.
„Ich war mit Jordon die ganze Zeit über im Waschraum, unser Make Up bedurfte der Pflege", warf Cameron ein.
„Wie ist ihr Name junge Dame?" Fragte der Schuldirektor an Cameron gewandt.
„Cameron, Cameron Baum", antwortete Cameron.
Der Direktor sah Cameron zwei Sekunden lang an und wandte sich dann an John. „Und Sie junger Mann, was haben sie getan während die Damen im Waschraum waren.
John überlegte zwei Sekunden. „Ich habe nach meiner Cousine gesucht, damit wir nach Hause fahren können", sagte er dann.
„Cousine?" Fragte der Direktor.
„Cameron ist meine Cousine, ich bin John Baum. Sie hat die Autoschlüssel also...", ergänzte er und zuckte die Schultern.
Der Direktor sah John, Cameron und Jordon der Reihe nach an. „Nun gut, aber ich behalte sie Drei im Auge", sagte er und winkte den Dreien zu gehen. Dann wandte er sich wieder an die beiden Polizisten, die die Unterhaltung aufmerksam verfolgt hatten aber offenbar auch keinen Grund sahen noch weitere Fragen zu stellen.
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Sie erreichten die Saftbar und alle Drei bestellten sich einen Smoothie.
John und Cameron saßen Jordon gegenüber und warteten, dass diese anfangen würde zu erzählen.
Jordon nahm einen langen Schluck aus ihrem Glas. „Vor sechs Wochen hatte ich ein Problem mit den Cheerleader Kolleginnen. Ich ging zum Vertrauenslehrer, damit er vielleicht vermitteln konnte. Irgendwie brach ich beim Erzählen dann in Tränen aus. Er kam sofort um seinen Tisch herum, um mich zu trösten. Es war schön in seinen Armen zu liegen und er gab mir das Gefühl geborgen zu sein. Als ich den Kopf hob sah ich in seine schönen Augen. Schließlich habe ich ihn geküsst." Jordon zuckte mit den Schultern und wedelte mit den Händen.
„Und er?" Fragte John.
Jordon senkte den Kopf und starrte auf ihr Glas. „Zuerst ist er zurückgezuckt. Als ich dann aber erneut in Tränen ausgebrochen bin hat er mein Gesicht gestreichelt und mich dann geküsst." Sie zuckte mit den Schultern.
„Und die Graffitis?" Fragte John weiter.
Jordon zog den Kopf zwischen die Schultern. „Ein paar Wochen später habe ich das Cheerleader Training geschwänzt und bin zu ihm gegangen. Da ist es dann nicht beim Küssen geblieben. Die Tür war aber abgeschlossen, die Fenster verhangen. Niemand hätte uns sehen können." Sagte Jordon mit gequältem Gesichtsausdruck. Irgendjemand muss es aber mitbekommen haben. Erst hat er mir Zettel in meinen Spind gesteckt und dann die drei Grafittis.
„Zettel?" Fragte John neugierig.
„Zeichnungen", entgegnete Jordon.
„Hast Du die Zeichnungen noch?" Fragte Cameron.
„Ich habe sie sofort zerrissen und weggeworfen.
„Was war darauf gezeichnet?" Fragte Cameron weiter.
„Eigentlich das Selbe wie auf den Graffiti. Nur waren es mehr verschiedene Zeichnungen. Als letztes vor ein paar Tagen stand dann darunter -lass uns anfangen-."
„Was soll das bedeuten?" Fragte John und sah zuerst Jordon an, die mit dem Kopf schüttelte und dann Cameron, die keine Regung im Gesicht hatte.
„Was soll jetzt aus mir werden?" Fragte Jordon unvermittelt.
„Ich denke, es gibt zwei Möglichkeiten", sagte John. „Entweder der Künstler wird Dich outen oder nicht. Wenn er Dich nicht outet wird er wahrscheinlich irgendetwas wollen. Vielleicht Geld. Ich denke, wir haben es hier vielleicht mit einem Erpresser zu tun.
Jordon sah ihn mit großen Augen an. „Ein Erpresser? Meine Eltern...", sagte sie entsetzt. „Sie werden mich umbringen", sagte sie während Tränen in ihre Augen stiegen.
Cameron legte eine Hand tröstend auf Jordons auf dem Tisch verkrampften Hände. „Es ist nicht wahrscheinlich, dass Dir Deine Eltern etwas tun werden. Sollten sie aber doch eine Gefahr für Dich sein, dann rufst Du mich an und ich komme und werde sie termi..."
John hatte Cameron instinktiv einen Rippenstoß versetzt. Als sie ihn nun anblickte schüttelte er fast unmerklich den Kopf.
„Dann werde ich mit ihnen reden", korrigierte sich Cameron.
Jordon blickte noch einen Augenblick in Camerons Augen. „Okay", würgte sie hervor und brachte ein gequältes Lächeln zustande.
Kapitel 4
Sie hatten Jordon nach Hause gebracht. Jordons Eltern speziell ihr Vater waren John und Cameron gegenüber sehr misstrauisch. Die Schule hatte bereits angerufen und der Direktor hatte den Vorfall geschildert. Selbst nachdem Cameron Jordons nicht Beteiligung an dem Vorfall bekräftigt hatte, hatte ihr Vater sie angeschrien. Erst als Cameron eine Hand auf seine Schulter gelegt und ihn dann ohne sichtliche Anstrengung in einen Sessel gedrückt hatte war er verstummt. Entsetzt hatte er Cameron angesehen, bis sie und John sich verabschiedet hatten. Im Beisein der Eltern hatte Cameron noch einmal bekräftigt, dass Jordon sie anrufen sollte falls es Probleme gab. Bevor sie das Haus verließen warf Cameron Jordons Vater noch einen Blick zu, der diesen zu ängstigen schien. Statt einer Antwort hob dieser zum Abschied kurz die Hand.
Was John und Cameron nicht mehr sahen war wie sich Jordons Vater mit schmerzverzerrtem Gesicht an die Schulter griff, auf die Cameron ihre Hand gelegt gehabt hatte. Hätte Cameron das gesehen wäre ihr Grinsen nur noch breiter gewesen als es ohnehin schon war.
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„Bist du traurig?" Fragte das rothaarige Mädchen.
Riley blickte kurz rüber zu Savannah Weaver, dann wieder vor sich auf die Straße. „Ein wenig", antwortete sie dann.
„Warum", fragte die Sechsjährige gedehnt und traurig.
Riley sah wieder zu Savannah und streichelte ihr übers Haar. „Weil ich hier bin und nicht zu Hause", sagte sie mit einem traurigen Lächeln.
Savannah sagte eine Weile gar nichts. Schließlich blickte sie Riley wieder an. „Ist das meine Schuld?" Fragte sie mit Tränen in den Augen.
Riley brauchte einen Augenblick um den Sinn der Frage zu verstehen. Als sie sah, dass Savannah Tränen die Wange hinunterliefen fuhr sie rechts ran und stellte den Motor ab. Dann drehte sie sich zu Savannah und nahm das weinende Kind aus dem Kindersitz und zog sie in die Arme. „Schhhhhhh", sagte sie zu dem weinenden Kind. „Es ist nicht Deine Schuld".
Nach einiger zeit lies Savanahs Schluchtzen nach. Sie löste sich von Riley und sah ihr in die Augen. „Wirklich?" Fragte sie.
Riley lächelte und nickte dann. „Du bist hier noch das Beste", entgegnete sie und Küsste Savannah auf die Stirn. Dann setzte sie das jetzt lächelnde Mädchen zurück auf den Kindersitz und schnallte sie und dann sich selbst wieder an. Sie startete den Motor und setzte die Fahrt fort.
„Wo ist Dein Zuhause?" Fragte Savannah nach einer Weile.
Riley atmete tief durch. „Weit weit weg von hier", sagte sie.
Savannah sah Riley einen moment stumm an. „Weiter als bis zum Einkaufszentrum?" Fragte sie dann naiv.
„Viel weiter", entgegnete Riley.
„Weiter als bis zu Mommys Firma?" Stocherte sie weiter.
Riley musste lächeln „Viel viel viel weiter als bis zur Firma deiner Mommy", bekräftigte sie amüsiert.
„Oh", sagte Savannah und blickte traurig aus dem Fenster. „Das ist...", sie zögerte. „...Scheiße".
„Savannah!?" Rief Riley. „Wo hast Du denn dieses Wort her?" Fragte sie bestürzt.
Savannah rutschte unruhig im Kindersitz hin und her. „Von Derek", sagte sie dann leise. „Ist das ein böses Wort?" Fragte sie unschuldig.
„Wenn deine Mommy das hört müssen wir Beide ohne Abendessen ins Bett. Was Derek passiert, daran will ich gar nicht denken", sagte Riley ein Grinsen unterdrückend.
Savannah sah verschwörerisch grinsend zu Riley. „Ich sage Mommy nichts".
„Riley musste nun doch Lachen. „Gut, ich auch nicht".
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Trotz dieses kurzen Intermezzos verfiel Riley Minuten später wieder in ihre deprimierenden Grübeleien.
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Sarah saß am Pool und lies sich die Sonne auf den Körper scheinen, als ein Wagen vorfuhr. Automatisch griff sie in ihre Tasche nach der Waffe. Schließlich erkannte sie den Wagen und die blonde Riley am Steuer.
Riley stieg aus, ging zur Beifahrerseite, löste Savannahs Gurt und half dieser aus dem Wagen. „Savannah, gehst du bitte in dein Zimmer und machst Deinen Mittagsschlaf?"
Als Antwort gähnte Savannah herzhaft, nickte und lief mit ihrer Schultasche ins Haus.
Dann sah Sarah wie Riley mit gesenktem Kopf zum Pool ging offenbar ohne sie zu bemerken. Riley streifte die Schuhe ab, setzten sich an den Beckenrand und hängte die Füße ins Wasser. Dann krümmte sie sich zusammen und fing an zu weinen.
Sarah stand vom Liegestuhl auf und ging zu Riley. Sie setzte sich neben das Mädchen , legte den Arm um sie und zog sie zu sich heran. Wortlos Streichelte sie dem Mädchen über die Haare. „Schhhhh, was ist denn meine Kleine?" Fragte Sarah leise.
Riley hatte automatisch die Arme um Sarah geschlungen. Das hatte sie in der Zukunft auch schon getan. Sie war eine der Wenigen, die die Chance gehabt hatte, diese Seite von Sarah Connor kennenzulernen. Allerdings hätte sie niemals gedacht, dass auch die Sarah aus der Vergangenheit ein Herz hatte. Sie löste sich von Sarah und wischte sich mit der Handfläche durch das Gesicht. „Ich bin ganz alleine, hab Niemanden hier."
Sarah sah Riley kritisch an. „Wir sind doch hier alle Deine Freunde?"
Riley brachte ein verzweifeltes Auflachen zustande. „Das meinte ich nicht. …...Ich habe in der Zukunft jemanden zurückgelassen", erklärte Riley zögerlich.
Sarah legte eine Hand an Rileys Wange. „Erzähl mir von ihm", sagte sie sanft.
Riley blickte auf und lächelte. Dann schüttelte sie leicht den Kopf. „Sie heißt Riley-Sarah", sagte Riley sinnierend.
„Du bist...?" Sarah beendete den Satz nicht.
Riley sah erneut auf und nickte. „Tut mir leid wenn ich..."
„Kein Problem", unterbrach Sarah Riley. „Erzähl weiter", forderte sie auf.
Riley starrte in das Wasser des Pools. „Ich war eine Tunnelratte. Ich lebte von Abfällen und dem was die Soldaten da ließen. Wenn ich Glück hatte wars auch mal eine Ratte. Das war dann ein Festessen. Als Riley-Sarah mich fand köderte sie mich mit Schokolade. Ich hatte vorher immer nur wenig Schokolade gehabt, sie aber gab mir Tafel über Tafel." Jetzt lachte Riley kurz auf. „Ich hab ihr nie Gesagt, dass ich hinterher furchtbare Bauchschmerzen hatte.
Sarah musste ebenfalls lachen. „Was ist dann passiert?"
Riley atmete einmal tief durch. Sie hat mich mit genommen. Unterwegs hatten wir eine Begegnung mit einer Maschine."
„Oh, tut mir l..." Sagte Sarah mitfühlend wurde aber von Riley unterbrochen.
„nein, nein", sagte sie schnell. „Sie hat die Maschine mit einer Eisenstange angegriffen.
„Einer Eisenstange?" Fragte Sarah verwundert. „Das hat wohl nicht viel gebracht oder".
Riley lachte erneut. „Ganz im Gegenteil. Sie schlug so lange auf die Maschine ein, bis diese am Boden lag und der Chipport offen war. Dann war es nur noch ein Stoß mit der Eisenstange und der Chip war zerstört.
Sarah sah Riley einen Augenblick sprachlos an. „Diese Riley-Sarah war eine Maschine", stellte sie fest.
„Als ich das Einschussloch in ihrem Bein sah, dachte ich das auch. Dann...dann hat sie mich geküsst. Nur um mich zu überzeugen hat sie ihren Ekel überwunden. Ich muss fürchterlich gerochen haben. Ich war verdreckt und hatte mir seit ewigkeiten die Zähne nicht geputzt aber sie hat mich geküsst. Der Kuss war nur kurz aber etwas hat bei mir klick gemacht. Dann hat sie mich mit nach Hause genommen. Später habe ich dann erfahren, dass sie tatsächlich keine Maschine ist, sie ist nur...anders...", Riley zögerte kurz. „Als ein Wachsoldat mich am Bunkereingang nicht reinlassen wollte hat sie ihn mit einer Hand hochgestemmt und mich verteidigt. Später im Quartier ihrer Familie hat sie mich in die Dusche geschoben und mir ein Stück Seife in die Hand gedrückt. Als sie dann feststellte, dass ich mit der Seife nichts anzufangen wusste hat sie sich ausgezogen und ist zu mir in die Dusche, hat mir das Zähneputzen erklärt und hat mich dann gewaschen." Riley verstummte.
„Und?" Fragte Sarah neugierig.
Riley blickte Sarah verlegen an. „Ich habe sie an mich gezogen und geküsst. Zuerst hat sie sich gesträubt, dann hat sie sich darauf eingelassen. Zum Schluss ist sie geflohen. Schließlich habe ich sie im Wohnraum eingeholt. Ich zog sie an mich, wir küssten uns, dann plötzlich standen ihre Mutter und...Großmutter im Raum."
„Upps, das war sicherlich peinlich?" Fragte Sarah.
Riley nickte. „Ihre Großmutter war wütend aber ihre Mutter hatte Verständnis. Na ja, sie nahmen mich in ihre Familie auf. Wir hatten eine schöne Zeit. Dann sagte man mir, dass es wichtig für ihre Familie wäre, wenn ich hierher ginge."
„Und was ist daran wichtig?" Fragte Sarah.
Riley entrang ein Seufzer. „Das weiß ich nicht, das haben sie mir niemals gesagt. Ich bin mit Katie hierher gekommen. Dann später kamen Derek und seine Männer und schließlich ihr." Riley senkte wieder den Kopf, dann hob sie ihn und starrte wieder auf das Wasser. „Riley Sarah konnte nicht mitkommen, sie fehlt mir so sehr". Erneut stiegen Tränen in ihre Augen.
Sarah zog Riley wieder in ihre Arme und legte das Kinn auf den Kopf des blonden Mädchens. „Es tut mir Leid Kleines, es tut mir so Leid."
(ENDE)
