Call it bittersweet
Kapitel 56
Hörig
„Könntest du Snape bitte ausrichten, dass er das zukünftig unterlassen soll? Es ist so schon schwer genug, in diesem Haus seine Privatsphäre zu haben. Da hab ich wirklich keine Lust drauf, auch noch von ihm gestört zu werden, wenn ich mal mit Ginny alleine bin."
Hermine lachte auf. Das war ja wohl so ziemlich der Gipfel! Eigentlich waren Harry und Ginny ständig für sich, wenn das Trio nicht gerade Pläne schmiedete und Ginny sich um Harrison kümmerte. Seit Monaten saßen sie nun schon im Grimmauldplatz fest, was sich aller Voraussicht nach auch nicht so schnell ändern würde. Immerhin jedoch hatten sie ein ausgeprägtes Liebesleben, wovon man bei ihr und Severus nicht gerade reden konnte, schließlich war der zumeist anderweitig beschäftigt. Nur Ron hatte noch schlechtere Karten gezogen.
„Mal?", fragte sie bissig. „Harry, ihr seid ständig da oben und knutscht rum. Im Gegensatz zu mir hast du nämlich das Glück, dass Ginny rund um die Uhr bei dir sein kann."
Harry schien das anders zu sehen und schnaubte unzufrieden. „Trotzdem. Sag ihm, dass das so nicht geht. Ein paar Rechte wird man in seinem Haus ja wohl noch haben dürfen ..."
Entschieden schüttelte sie den Kopf. „Das wirst du ihm schön selber sagen. Ich sehe ihn nämlich auch nicht öfter als du."
Wütend stapfte sie davon und knallte die Küchentür hinter sich zu. Im Moment war ihr wirklich zum Heulen zumute. Begriff denn hier niemand, wie sehr sie darunter litt, dass Severus ständig zwischen Hogwarts und Voldemort hin- und hergerissen war und kaum noch bei ihr sein konnte? Glücklicherweise war Harry nicht näher auf den Patronus des Professors eingegangen, sonst wäre der Krach zwischen ihnen sicher ausgeartet. Nicht umsonst hatte Lupin sie davor gewarnt, die pikante Information, dass Snape in Lily verliebt gewesen war, mit Vorsicht zu behandeln. Alles in allem aber war es nach wie vor deprimierend, sich immer wieder bewusst machen zu müssen, dass sie streng genommen kein Anrecht darauf hatte, ihn an sich zu binden. Tief in ihrem Inneren aber wusste sie trotz aller Hürden und Komplikationen, dass er sie weitaus mehr mochte, als er bereit war, zuzugeben. Ihre Aufgabe war es nun, ihm den Rücken zu stärken und für ihn da zu sein. Von allen hatte es ihn im Moment am schwersten getroffen.
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Snape hasste es, dort oben zu stehen, wo jeder ihn anstarren konnte. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er nicht ein Wort zum Beginn des neuen Schuljahres gesagt. Alle in der Großen Halle befindlichen Personen, die halbwegs bei Verstand waren, ahnten, was auf sie zukommen würde. Mindestens die Hälfte der Schüler machte sich schon in die Hosen, wenn sie die Todesser nur erblickten. Wozu also mahnende Worte an sie richten? Da ihm jedoch sehr wohl bewusst war, wie wichtig es war, die Form zu wahren, kam er nicht umhin, ein paar Dinge loszuwerden. Vorsichtig und mit Bedacht ließ er jede einzelne Silbe über seine Lippen rollen. Ob die stumpfsinnigen Carrows überhaupt begriffen, worum es dabei ging, wagte er zu bezweifeln. Die Lehrer verstanden es dafür umso besser, einige der Schüler auch.
Im Anschluss an seine Rede nahm er zwischen Minerva und Filius Platz und wechselte einen verstohlenen Blick mit ihnen.
"Das war sehr, nun ja, es war aufschlussreich, Severus", murmelte McGonagall mit geschürzten Lippen. "Zwar etwas gewagt, aber in Anbetracht der Lage durchaus angemessen. Hätte ich dir gar nicht zugetraut."
Er zog finster die Brauen zusammen. Das Letzte, was er jetzt wollte, war eine Grundsatzdiskussion über seine moralischen Prinzipien.
"Sei froh, dass ich es wenigstens versuche. Du weißt, wie sehr ich diesen ganzen Zirkus hasse."
Sie legte die Stirn in Falten. "Du hasst es, dabei selbst im Mittelpunkt zu stehen", gab sie scharfsinnig zurück.
Snape lächelte verstohlen in sich hinein. Wenigstens auf Minerva war Verlass. Nicht auszudenken, wie er es anstellen sollte, das kommende Schuljahr ohne sie und ihre kleinen Sticheleien durchzustehen.
"Auch wieder wahr. Aber wenn du nichts dagegen hast, würde ich es vorerst dabei belassen. Wir wollen doch nicht unnötig Aufmerksamkeit auf uns ziehen."
McGonagall nickte verständnisvoll und ließ von ihm ab. Es war gefährlich, sich weiter darüber auszulassen, was richtig und was falsch war, solange die beiden Carrows mit ihnen im selben Raum waren. Genauso hatte es sich damals angefühlt, als Umbridge hier gewesen war und in einem schleichenden Prozess die Macht über die Schule übernommen hatte.
Für den Rest der Feierlichkeiten sagte am Tisch der Lehrer kaum mehr einer ein Wort, auch bei den Schülern blieb es verhältnismäßig still und Snape war froh, als er sich am Ende zurückziehen konnte, um noch einige Worte mit Dumbledore zu wechseln.
Wenig später in seinem Schlafzimmer angelangt, sackte er auf das Bett nieder und zog sich die Sachen aus. Zugegeben, das Festessen war weitaus geselliger und üppiger gewesen, als Albus noch das Sagen gehabt hatte. Dennoch war er erleichtert, als der erste Abend ohne Schwierigkeiten vergangen war. Es hätte weitaus schlimmer kommen können.
Erschöpft kroch er unter die Decke und dachte darüber nach, was er tun konnte, sobald einer der Schüler aus der Reihe tanzte. Früher hatte er klare Vorstellungen davon gehabt, wie es sein musste, jemanden für sein Fehlverhalten zu bestrafen. Mit Sicherheit war er dabei einer der Lehrer gewesen, die am härtesten vorgegangen waren. Doch niemals hatte er dabei seine Grenzen überschritten. Seit er Lehrer an Hogwarts gewesen war, hatte er seine Schüler beschützt und sie auf das Leben außerhalb dieser Mauern vorbereitet, wenn auch auf seine Weise. Jetzt, wo Alecto und Amycus mitmischten, war fraglich, wie weit die alten Methoden noch ausreichen würden, um zu verhindern, dass er sich verdächtig machte, denn wenn es nach ihnen ging, waren die unverzeihlichen Flüche ein angemessenes Strafmaß für nahezu alles, was bedeutete, dass sie bald an der Tagesordnung stehen würden.
Snape rieb sich die müden Augen. Vielleicht konnte ja endlich einmal Hagrid etwas Nützliches zum Geschehen beitragen. Die Idee schien ebenso simpel wie genial zu sein. Es war besser, die Schüler mit dem Halbriesen in den Wald zu schicken, wo sie Zutaten für das Labor sammeln konnten, als sie dem Wohlwollen der Carrows zu überlassen. Irgendeinen Weg musste es schließlich geben, seinen beiden Kameraden eins auszuwischen. Jeder Schlag, den er gegen sie oder den Dunklen Lord landete, war eine Genugtuung für all die Entbehrungen in seinem Leben.
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Die leidige Zusammenarbeit zwischen Harry und Snape nahm schon fast tragische Züge an. Immer wieder gerieten sie ein wenig aneinander, keinesfalls jedoch so, wie es all die Jahre zuvor gewesen war. Jedem im Haus war bewusst, dass Hermine und Harrison der Grund dafür waren, sonst hätten die beiden Männer wohl nicht gezögert, sich mit Flüchen zu überhäufen. Auch die Sache mit Georges verstümmeltem Ohr hatte für neuen Unmut gesorgt, nachdem sich allmählich herumgesprochen hatte, wer dafür verantwortlich gewesen war. Molly war so verstimmt gewesen, dass sie seither jede Begegnung mit dem Professor mied. Niemand konnte es ihr verdenken. Am allerwenigsten Snape. Dennoch rissen sich alle so gut es eben ging zusammen. Einander die Schuld zuzuschieben würde die Sache nicht besser machen, selbst Harry wusste das. Seit er den Unfall mit Draco gehabt hatte, hatte sich vieles für ihn verändert. Außerdem gestaltete sich die Suche nach den Verstecken der übrigen Horkruxe auch ohne die anderen Probleme schon schwer genug.
Hermine und Severus sahen einander immer seltener. Um genau zu sein, nur noch dann, wenn er in den Grimmauldplatz reiste, um sich mit Harry bezüglich der Horkruxe auszutauschen. Bis zum Ende des Monats konnte sie an den Fingern abzählen, wie oft sie ihn für sich alleine gehabt hatte. Es war sowohl emotional als auch körperlich unbefriedigend, denn in der Nacht konnte er kaum noch bei ihr bleiben. Und selbst dann, wenn sie zusammen waren, wurde ihre Zweisamkeit aufgrund all der Umstände getrübt. Die Ungereimtheiten in Hogwarts nahmen ihren Lauf und verlangten immer häufiger seine Anwesenheit - das brutale Regime der Carrows schien sich weitaus fester zu etablieren als angenommen.
Frustriert hing Hermine ihren sehnsüchtigen Gedanken nach. Der einzige Bewohner im Haus, der vollauf zufrieden mit sich und seiner Welt war, schien Harrison zu sein. Er wurde von allen Seiten geliebt und verhätschelt, dass es eine Freude war, seine Entwicklung zu verfolgen. Abgesehen davon gab es keine nennenswerten Veränderungen, womit Hermine sich damit begnügte, dem nächsten Wochenende entgegenzufiebern, um endlich wieder etwas mehr Zeit mit Severus verbringen zu können.
Am Freitagabend war es dann soweit und Snape erreichte den Grimmauldplatz. Total erledigt ließ er sich in der Küche auf einen Stuhl fallen und stützte den Kopf auf die Hände.
"Irgendwann bringe ich Longbottom eigenhändig um", knurrte er zwischen den Zähnen hervor.
Harry und Ron runzelten die Stirn, Hermine aber legte beruhigend ihre Hand auf seinen Arm.
"Was hat er denn nun schon wieder getan?"
Snape sah sie mit einer hochgezogenen Braue an. "Die Frage ist wohl eher, was er nicht getan hat."
"Und das wäre?"
"Er hat sich geweigert, den Cruciatus an seiner Kröte anzuwenden."
"Ist nicht dein Ernst! Die wollten, dass er sein Haustier foltert?"
Harry knirschte mit den Zähnen. "Diese Barbaren!"
"Und das war noch längst nicht alles", setzte der Professor nach.
"Jaah. Als ob Sie das kümmern würde, Snape", fuhr Harry ihm dazwischen.
Snape verzog warnend die Mundwinkel. "Ob Sie es glauben oder nicht, Potter, ich kann diese Methoden genauso wenig gutheißen wie Sie. Aber wenn er keine Wahl hat, finde ich, sollte er die Kröte nehmen, bevor er gezwungen wird, einen der Schüler anzugreifen."
Erschrocken kreischte Hermine auf, sodass Ron gegenüber von ihr zusammenzuckte.
"Du meinst, sie haben den Imperius auf ihn angewendet?"
"Genau das meine ich", sagte Snape tonlos.
"Und was genau hat das jetzt zu bedeuten?"
Snape straffte seine Haltung und machte damit unmissverständlich klar, wie ernst die Lage an Hogwarts war.
"Es bedeutet, dass wir heute gleich zwei Schüler hatten, die den unverzeihlichen Flüchen zum Opfer gefallen sind. Beide mussten ins St. Mungo's gebracht werden."
"Mein Gott!", stieß Hermine ungläubig aus.
Sie konnte nur erahnen, wie es für Neville sein musste, damit konfrontiert zu werden, den Fluch anzuwenden, der seine Eltern in den Wahnsinn getrieben hatte.
"Armer Neville! Das ist ja furchtbar, wo doch seine Eltern dem Cruciatus zum Opfer gefallen sind."
"Ja, das ist es. Und wenn er sich nicht zusammennimmt, gibt es nichts mehr, das ich beim nächsten Mal für ihn tun kann. Ich fürchte, bald werden sie ein Dreibettzimmer in der Nervenklinik benötigen."
Hermine schluckte. Seit sie erfahren hatte, wie schlimm sich der Folterfluch bei längerer Anwendung auswirken konnte, läuteten bei ihr jedes Mal die Alarmglocken, sobald Severus auch nur irgendwelche Symptome zeigte, die davon stammen konnten.
„Tun? Was tun Sie denn schon großartig, Snape?", fragte Harry plötzlich.
Seine Stimme war so gehässig, dass Hermine fürchtete, die Angelegenheit könnte langsam aber sicher aus den Fugen geraten. Beschwichtigend wollte sie einschreiten, Snape jedoch kam ihr zuvor. Mit zornigen Augen funkelte er Harry an.
„Ihr Einwand überrascht mich nicht im Geringsten, Potter, schließlich hätte Ihr Vater genauso unüberlegt gesprochen. Vielleicht glauben Sie mir nicht, aber es gefällt auch mir nicht, was da läuft. Der Vorfall ist äußerst bedauerlich. Ich kannte die Longbottoms. Es waren aufrichtige und mutige Menschen. Glauben Sie also ja nicht, ich sei wild darauf, dabei zuzusehen, wie meine Schüler gefoltert werden."
„Wieso nicht?", fragte Harry überheblich, dem die Gelegenheit, dem Professor einen Denkzettel zu verpassen, gerade recht kam. „Bei Hermine hat es ja auch funktioniert. Seit Sie sie um den Finger gewickelt haben, ist sie Ihnen hörig."
Hermine sackte die Kinnlade nach unten. Natürlich hatte sie nicht erwartet, dass Harry Severus verstehen würde. Doch das war nun wirklich zu viel des Guten.
„Ich bin was?"
„Ja, hörig", bestätigte er knallhart. „Egal was er tut, du findest es gut."
„Nun mach aber mal halblang, Harry! Ich sage nicht, dass ich auch nur irgendetwas gut finde. Aber Severus hat Recht. Wenn es um das Leben der Schüler geht, muss er sie allem anderen vorziehen."
„Ach ja? Und was war dann mit George? Er war auch mal sein Schüler."
Sie rollte mit den Augen. „Fang nicht schon wieder damit an."
Snape schüttelte den Kopf. „Ich habe getan, was ich konnte, Potter, um niemanden zu gefährden", sagte er resigniert. „Aber in dem ganzen Durcheinander war nichts zu machen. Der Fluch war nicht für Weasley bestimmt. Er sollte an jemand anderen gehen."
Im Raum wurde es totenstill.
„Also, wenn niemand was dagegen hat, würde ich jetzt gern über was anderes reden", setzte Hermine nach einer Weile nach.
Zum ersten Mal überhaupt konnte sie spüren, wie betroffen Harry wirkte. Dann stand er einfach auf und ging hinaus.
Ron kratzte sich verlegen am Kopf. „Ich glaub, ich werde dann besser mal ..."
Er schien es plötzlich sehr eilig zu haben und folgte Harry nach draußen.
Erst nach einigen Minuten wagte Hermine es, sich dem Professor zuzuwenden und ihn direkt anzusprechen.
„Du hast mir gar nicht erzählt, was es mit dem Fluch auf sich hatte", sagte sie sanft.
„Wozu auch? Dachtest du, ich hätte mit Absicht auf Weasley gezielt?"
„Nein", warf sie schnell ein. „Das habe ich nie geglaubt, Severus."
Snape atmete tief ein und wieder aus. „Es gibt viel, das ich dir nicht erzähle, Hermine."
„Das weiß ich. Und bestimmt hast du deine Gründe dafür. Aber manchmal wäre es vielleicht schon angebracht, mir mitzuteilen, was sich so abspielt. Wir sitzen alle hier fest, Severus. Und niemand von uns weiß, was vor sich geht. Wenn du nur ..."
Abgeschlagen stöhnte er auf. „Nein. Fang nicht damit an. Im Prinzip geht es doch um was ganz anderes. Es geht darum, dass ich nicht weiß, was kommt. Ich weiß nicht, was ich tun soll."
Zutiefst beschämt senkte sie den Blick auf seine Brust. „Dann rede mit mir darüber. Oder von mir aus auch mit Dumbledore. Aber hör auf, dir deswegen ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen, denn ich kann sehr wohl spüren, dass dem so ist."
„Dumbledore", murmelte er verbissen. „Was bringt uns das weiter? Er ist an sein Bild gefesselt. Er ist genauso machtlos wie ich. Sie werden so lange weitermachen, bis wir uns in Hogwarts gegenseitig die Köpfe einschlagen. Gleich ob Schüler oder Lehrer. Je weniger sie dagegen aufbegehren, umso größer sind die Chance, dass sie davonkommen. Aber sonst? Es ist aussichtslos, Hermine. Wir können vielleicht nicht jeden von ihnen vor einem so grauenhaften Schicksal bewahren, wie es die Longbottoms ereilt hat."
„Das weiß ich, Severus. Aber es sind unsere Freunde. Es sind Kinder ..."
Er nickte kurz angebunden. „Du weißt, dass ich Potter nicht leiden kann, aber er hat Recht. Ich bin es, der hier jemandem hörig ist. Und immer tue ich zu wenig, um es zu verhindern. Es wird nie genug sein."
Er sah sie an und sah, dass sie Tränen in den Augen hatte. Am Anfang hatte er es verabscheut, wenn sie geheult hatte, doch heute war es anders. Es berührte ihn, weil er wusste, dass es meistens seinetwegen geschah.
Langsam streckte er die Hand nach ihr aus und schob mit den Fingern ihr Kinn in die Höhe, bis sie ihm in die Augen sah. Am liebsten hätte er sie in die Arme genommen, sie Stück für Stück ausgezogen und an Ort und Stelle mit ihr geschlafen, so sehr sehnte er sich danach, etwas zu spüren, das ihn daran erinnerte, dass er noch immer ein Mensch war. Aber es ging nicht. Er musste zurück, um zu verhindern, dass noch etwas Schlimmeres geschehen konnte. Außerdem hatte er noch immer höllische Angst davor, dass sie erneut schwanger werden könnte. Zwar hatten sie gemeinsam über die Verhütung gesprochen und sich darin geeinigt, jedes Mal einen Zauber anzuwenden, doch nach allem, was im vergangenen Jahr geschehen war, war es nicht so, dass sie besonders erfolgreich darin waren, ihr Leben zu planen. Ein paar Mal hatte er sich ihr sogar entzogen, noch ehe er sich in ihr losgelöst hatte. Vielleicht waren es Hemmungen davor gewesen, ihr ein weiteres Kind zuzumuten, vielleicht auch einfach bloße Sentimentalität. Sie war noch immer so jung; viel zu jung, um das erdulden zu müssen, was sie bereits durchgestanden hatte und was noch vor ihr lag.
„Du siehst nicht so aus, als würdest du bleiben, oder?", fragte sie leise.
Aus seinen Gedanken gerissen seufzte er auf. „Nein. Ich muss wieder gehen. Minerva war so außer sich, dass ich schon fürchtete, sie könnte eine Dummheit begehen."
Hermine blinzelte. „McGonagall? Was für eine Dummheit denn?"
„Ich weiß auch nicht, vielleicht Alecto verhexen ... Es macht ihr sehr zu schaffen, zusehen zu müssen, ohne etwas tun zu können. Alle sind besorgt, auch die Schüler."
Traurig biss sie sich auf die Lippe. „Du hast Recht, Severus. Du musst bei ihnen sein. Dein Platz ist in Hogwarts, obwohl ich es hasse, dich gehen zu lassen."
Behutsam legte er die Arme um ihre Schultern, zog sie von ihrem Stuhl und zu sich auf den Schoß. Es war auch für ihn alles andere als leicht, sie hier zurückzulassen. Er wollte es nicht so, doch solange er an Voldemort gebunden war, sah er keinen anderen Ausweg, als das zu tun, was er von ihm verlangte.
