Call it bittersweet
Kapitel 57
Artefakt
„Ich hoffe, es ist dringend, Potter. Andernfalls werde ich Phineas gehörig den Marsch blasen, wenn ich ihn in Hogwarts sehe."
Er warf einen finsteren Blick auf das verlassene Portrait des ehemaligen Schulleiters und setzte sich dann neben Hermine an den Tisch. Wie immer war der Zeitpunkt, die Schule für eine Weile zu verlassen, äußerst ungünstig gewesen.
„Also?", fragte er mit einer erhobenen Braue, ehe er steif die Hände vor der Brust ineinander faltete.
Harry nickte mit verhärmter Miene mit dem Kopf. „Es ist wichtig, Professor, das kann ich Ihnen versichern."
In Hermine machte sich eine eigenartige Nervosität breit, wie eigentlich immer, wenn sie alle zusammen um den Tisch in der Küche versammelt waren. Die Spannungen zwischen Harry und dem Professor sorgten förmlich für ein Knistern in der Luft. Zumeist gab es nur Ron, der sich im Hintergrund hielt, um den Streitigkeiten zwischen den beiden aus dem Weg zu gehen.
„Wir alle erinnern uns an den Tag, an dem Draco gestorben ist", begann Harry ohne langes Drumherum.
Auf Snapes Gesicht tauchte ein äußerst wehleidiger Blick auf. Der Tod des Schülers hatte auch sein Leben grundsätzlich verändert. Harry jedoch vermied es entschieden, ihn anzusehen und fuhr fort.
„Alle hier wissen, dass Draco und ich uns nicht leiden konnten, trotzdem war sein Tod auch für mich ein großer Schlag. Es ist tragisch und ich kann nur sagen, dass ich nicht gewollt habe, dass es dazu kommt. Aber deshalb sind wir nicht hier. An diesem Tag wollte ich nichts wie weg. Mir war so elend zumute, dass ich in einem tiefen Loch versinken wollte. Aus diesem Grund brauchte ich ein Versteck, in das ich mich zwängen konnte. Ein sehr gutes Versteck, das wahrscheinlich nur die wenigsten in Hogwarts kennen und das nur dann auffindbar ist, wenn man wirklich in Not ist -"
Schlagartig schien allen bewusst zu werden, worauf er hinauswollte, obwohl Snape sich nichts anmerken ließ. Lediglich die tiefe Furche zwischen seinen eng zusammengezogenen Brauen geriet in Bewegung.
„Soll das heißen, du warst im Raum der Wünsche?", fragte Hermine nervös.
Harry sah sie an. „Ja. Mir ist dort etwas aufgefallen, aber ich war zu durcheinander, um klar denken zu können. Ich habe meine Narbe gespürt, ohne es so richtig zu realisieren. Erst letzte Nacht im Traum ist mir wieder in den Sinn gekommen, was es damit auf sich hatte ..."
„Dunkle Magie", sagte Snape mit ruhiger, zugleich aber auch unendlich düsterer Stimme.
„Exakt."
Der Professor fuhr sich mit der Hand durch die Haare und seufzte.
„Wenn das so ist, habe ich auch eine Mitteilung zu machen. Es gibt einen weiteren Horkrux, der sich in Hogwarts befindet."
„Was?", fragten alle drei wie aus einem Munde.
„Er ist sozusagen in der Obhut unseres verstorbenen Schulleiters und wird sicher dort aufbewahrt."
In Hermine machte sich ein ungutes Gefühl breit. Noch mehr Geheimnisse und schlechte Nachrichten konnte sie nun wirklich nicht gebrauchen.
„Und wo kommt der so plötzlich her?", fragte sie vorsichtig.
„Aus dem Verlies von Bellatrix Lestrange. Ich habe ihn durch Zufall dort entdeckt, als ich die Kopie des Schwerts darin versteckt habe."
„Na toll", bemerkte Ron geistesgegenwärtig. „Wird sie ihn dann nicht früher oder später vermissen?"
Snape lächelte belustigt, was deutlich besagte, dass er noch mehr Überraschungen parat hatte.
„Natürlich, Weasley. Selbst dann, wenn sie nicht weiß, was es wirklich damit auf sich hat, würde sie ein so bedeutendes Artefakt ihres Herren mit ihrem Leben beschützen. Deshalb gibt es auch davon eine Kopie, die sich nun ebenfalls in dem Verlies befindet. Also. Wir wissen alle, was wir zu tun haben. Wir können nichts riskieren, deshalb ist es nach wie vor das Beste, wenn ihr alle hierbleibt, solange es geht. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werde ich mich in Hogwarts umsehen und den anderen Horkrux beschaffen."
„Wunderbar!", stöhnte Harry wenig begeistert auf. „Dann ist ja alles beim Alten. Wir sitzen hier herum und langweilen uns zu Tode, während Sie den Helden spielen."
Snape setzte ein fieses Grinsen auf. „Genauso soll es sein. Erinnert mich ein wenig an Sirius."
Hermine hielt vor Schreck die Luft an. Niemand konnte sich erlauben, in Harrys Gegenwart schlecht von Sirius zu reden. Severus jedoch schien sich nicht darum zu kümmern.
„Wagen Sie ja nicht, seinen Namen durch den Dreck zu ziehen!", rief Harry wütend aus.
„Dafür ist es zu spät. Ich wette, er würde dasselbe tun, wären die Verhältnisse umgekehrt. Trotzdem, Potter, muss ich Sie warnen, keine Dummheiten zu machen. Ich habe schon genug Schüler dort draußen, auf die ich aufpassen muss."
Harry schnaubte. „Ich bin aber nicht mehr Ihr Schüler, Snape! Ich hab die Schule auf Anraten aller hingeschmissen."
„Wenn Sie so wild darauf waren, in Hogwarts Ihren Abschluss zu machen, hätten Sie vielleicht nicht so wahllos irgendwelche Zaubersprüche an Ihren Mitschülern ausprobieren sollen."
Hermine rollte mit den Augen. Wenn das so weiterging, würde sie die beiden eigenhändig erwürgen. Doch dazu sollte es nicht kommen, denn Snape zog es vor, die kleine Runde zu verlassen.
Entgeistert starrte sie ihm nach, dann stand sie auf und funkelte Harry an.
„Was sollte das denn wieder, Harry? Du weißt genau, dass er nicht als Held aus der Sache hervorgehen möchte. Er möchte es nur einfach genauso beenden wie wir."
Harry schüttelte den Kopf und ging nicht darauf ein. „Warum hat er mir das mit dem Horkrux vorenthalten, Hermine?"
„Das fragst du noch?", wollte sie außer sich wissen. „Weil du ihm nicht traust!"
„Ach ja? Dann solltest du dich vielleicht mal fragen, ob er mir traut. Ich werde nämlich das eigenartige Gefühl nicht los, dass du etwas weißt, das ich nicht weiß."
Wie vor den Kopf geschlagen starrte sie ihn mit offenem Mund an. Was sollte sie darauf nur antworten? Zum Teil stimmte es vielleicht sogar. Immerhin kannte sie das Geheimnis, das Lupin ihr anvertraut hatte. Doch abgesehen davon war es auch für sie nicht leicht, damit umzugehen, dass Severus jede Menge vor ihr und allen anderen zu verbergen hatte. So oder so, sie wollte ihn keinesfalls verraten.
„Ich bin mir manchmal nicht sicher, worum es bei dieser ganzen Sache zwischen euch eigentlich geht", sagte sie entschieden. „Aber fest steht, dass ich ihm vertraue."
Damit ließ sie Harry stehen und folgte Severus nach draußen.
Snape stand vor dem Treppenaufgang und hatte sich mit dem Rücken ans Geländer gelehnt. Er sah sie nicht an und sagte auch kein Wort, als sie aus der Küche kam. Trotzdem fasste sie sich ein Herz und legte die Arme um seine Hüften, um sich an ihn zu drücken. Jede Minute, in der sie zusammen sein konnten, war eine Kostbarkeit.
„Bitte komm mit nach oben", sagte sie und sah flehentlich zu ihm auf. „Du fehlst mir so schrecklich, Severus."
Er erwiderte ihren Blick und seufzte leise. Dann, vollkommen unerwartet, nahm er ihre Hand in seine und führte sie die Treppe hinauf.
In Hermine überschlug sich alles. Die Sehnsucht, die sie nach ihm gehabt hatte, war so unendlich groß gewesen, dass sie kaum wahrhaben wollte, dass er tatsächlich bereit war, auf sie einzugehen. Doch das änderte sich schnell, denn sofort begriff sie, wie sehr sich ihr ganzer Körper danach ausrichtete, ihn spüren zu wollen. Ihr Puls raste förmlich vor Erwartung, das Verlangen in ihr nach ihrem Professor war unweigerlich zum Leben erwacht.
Oben angekommen verriegelte er die Tür und vergeudete keine Zeit, seine Zunge in ihrem Mund zu versenken. Seine Hände drückten sie an sich und schoben sie zugleich ungestüm zum Bett hinüber, wo er sich auf sie legte und ihren Unterleib aus ihren Sachen befreite.
Hermine stöhnte alleine bei dem Gedanken daran auf, ihn endlich wieder in sich zu haben und presste seinen Arsch an sich, in dem sie jeden Muskel arbeiten spüren konnte. Als er seine Hose geöffnet und seine Männlichkeit herausgeholt hatte, drang er auch schon in sie ein.
Beide stöhnten auf. Es spielte keine Rolle, dass sie nicht die Zeit vergeudeten, sich auszuziehen. In diesem Moment zählte nur die Lust, einander zu spüren. So vergänglich die erwartungsvollen Gefühle beim Sex auch waren, waren sich beide einig darin, dass es sie dennoch zueinander führen würde, einfach nur hart und ungezügelt miteinander zu schlafen.
Er schob sich mit solcher Wucht in sie, dass sie das Gefühl hatte, er würde sie quer über das ganze Bett schieben. Inniglich grub sie die Nägel in den schwarzen Stoff auf seinem Rücken und sagte sehnsüchtig immer wieder seinen Namen.
Anders Snape. Sein Atem ging schwer, seine Stirn glänzte vom Schweiß, doch kaum ein Ton kam über seine vibrierenden Lippen. Er brauchte sie und ihren Körper, obwohl er nicht ausdrücken konnte, was in ihm vorging. Er begriff es ja selbst kaum. Das Einzige, was er wusste, war, wie sehr er sie wollte, wie sehr er sie brauchte. Jede Bewegung, jeder Atemzug galt nur dem Zweck, sie beide zu befriedigen. Doch dann, als er sie für einen Moment lang ansah, schien etwas mit ihm zu geschehen. Es waren ihre vertrauten braunen Augen, in die er blickte. Wie ein kostbares Artefakt sah er sie an und konnte sich nicht von ihr loslösen. Es waren ihre Hände, die ihn immer fester an sich zu drücken schienen, um ihm alles zu nehmen, was er ihr geben konnte. Wollüstig spürte er ihre Muskeln, die sich um seinen Schaft zusammenzogen, bis sie sich das geholt hatte, was sie wollte und lauthals kam. Er bewunderte sie; bewunderte ihren Mut, ihre Beharrlichkeit. Ganz besonders aber bewunderte er sie dafür, dass sie bereit war, sich ihm derart hinzugeben.
Am Ende überkam es ihn selbst. Befreit stemmte er sich auf die Arme, legte den Kopf in den Nacken und sagte tief und kehlig ihren Namen, während er sich in ihr ergoss.
