Call it bittersweet

Kapitel 61

Begegnung mit Voldemort

In Hermine überschlugen sich die Eindrücke. Entgegen all seiner Vorsicht und trotz allem, was sie ihm über Tonks und Lupin gesagt hatte, wollte er mit ihr schlafen. Gerade das zeigte ihr, wie sehr er sie brauchte, vor allem auch, wie sehr er ihr vertraute. Sein Verstand mochte nach wie vor dagegen rebellieren, ihre Sinne jedoch belehrten sie eines Besseren. Unmissverständlich machten sie ihr klar, dass er bereit war, alles andere zu verdrängen, um bei ihr sein zu können.

Für eine ganze Weile harrte er bis zum Anschlag in ihr vergraben aus. Kein Wort drang über seine Lippen, lediglich das schwere Atmen in seiner Brust war zu hören. Bestärkend dazu sah sie das sich schnell wechselnde Heben und Senken seines angespannten Körpers über sich.

Hermine spannte ihre Muskeln an, fest und eng zogen sie sich um seinen Schaft zusammen. Sie liebte den Ausdruck auf seinem Gesicht, wenn sie das tat; liebte seinen Blick und wie er fast schon flehentlich darauf lauerte, sich endlich gehen zu lassen. Dennoch ließ er sich Zeit, beugte sich einmal mehr über sie und brachte seine Lippen auf ihre nieder. Seine Zunge schob sich in ihren Mund und schmeckte sie, ohne sie je gänzlich aus den Augen zu lassen. Sekunden verstrichen, schienen zu Minuten zu werden, von denen keiner wollte, dass sie je ein Ende nahmen. Erst als er dann plötzlich von ihren Lippen abließ und den Oberkörper aufrichtete, wusste sie, dass er genug gewartet hatte: Er wollte sie endlich besitzen.

Ergriffen von Lust hob sie ihr Becken an, um ihm entgegen zu kommen. Schon stieß er zu und sie schlug die Nägel in seinen bloßen Rücken. Beinahe war ihr, als würde er sie bis zum Ende des Bettes befördern, so fest tauchte er in sie ein.

Erneut erfüllte ihr beiderseitiges unterdrücktes Stöhnen den Raum, das gerade laut genug war, um bis hinunter in die Küche oder in die anderen Schlafzimmer dringen zu können; fast wollte Hermine darüber lachen. Warum sich die Mühe machen, die Vorgänge in ihrem Zimmer vor den anderen zu verbergen, wenn sie vermutlich ohnehin schon längst wussten, dass er wieder bei ihr war? Einerseits schien es falsch zu sein, sich gehen zu lassen, andererseits war es aber genau das, was sie brauchten ... Es war ja auch nicht fair, dass er bald wieder fortgehen musste. Wieso sich also zurückhalten?

Snape bewegte sich so gezielt und inbrünstig in ihr, dass es nicht lange dauerte, bis sie den nach Erlösung schreienden Rufen ihres Körpers erlag und den Höhepunkt erreichte. Wie von einer herannahenden Welle erfasst ließ sie sich fallen und gab sich ihm hin. Und noch während sie sich unter ihm wand, fühlte sie, dass es auch ihn überkam. Schwer atmend folgte er ihr und löste sich begleitet von seinen kehligen Tönen in ihr los. Es war einer dieser Momente in Hermines Leben, den sie für immer festhalten wollte, denn wann immer er sich so offen vor ihr zeigte, wusste sie, dass er ihr gehörte und niemand ihn ihr nehmen konnte - nicht einmal Voldemort.

Erst nachdem er erschlafft war, rollte er sich von ihr und schmiegte sich von hinten an sie, den kostbaren Moment der Zweisamkeit ausreizend, so lange es ihnen möglich war. Befreit nahm Hermine seine Hand in ihre und hielt sie fest. Kurz darauf schliefen beide ein.

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Harry fluchte innerlich vor Wut, als Bruchstücke von Snapes verzerrtem Gesicht seine Wahrnehmung zu trüben begannen. Zuerst zogen die Bilder nur langsam vorüber, dann wurden sie immer deutlicher, bis er schließlich zum Greifen nah seine verhasste Visage vor sich hatte. Ausgerechnet! Seit er ihn kannte, hatte er Snape nicht ausstehen können. Alleine die letzte Nacht war mehr als eigenartig gewesen, als er ihn mit Hermine zusammen in ihrem Zimmer im Grimmauldplatz beim Sex gehört hatte. Ja, was hätte er darum gegeben, das nicht erleben zu müssen! Es schien nicht richtig zu sein, was sich zwischen ihnen abspielte. Auch dann nicht, wenn sie alle inzwischen mehr oder weniger wie eine zusammengewürfelte Familie unter einem Dach leben mussten.

Verbissen klemmte er die Faust in den Mund und schlug die Zähne in das Fleisch seiner Hand. Er wusste, was jetzt kommen würde. Und obwohl er nicht genau sagen konnte, was geschehen war, begriff er genau, dass es nur einen Grund geben konnte, nämlich den, dass Voldemort wütend war.

Sein ganzer Körper versteifte sich, sogar sein Penis wurde hart, obwohl es sich bei den Vorgängen, die ihn heimsuchten, um alles andere als eine normale Erregung handelte. Vielmehr war es ein schmerzhaftes Ereignis, hervorgerufen durch nackte Angst. Woher sie genau kam, war ebenfalls schwer zu sagen. Teilweise vielleicht von den Empfindungen, die die Dementoren in ihm hervorgerufen hatten, vielleicht aber auch von den lieblosen Erlebnissen, die er in der Obhut der Dursleys durchgestanden hatte.

Er unterdrückte einen Schmerzensschrei und wollte davon kriechen, irgendwohin; sich an einem Ort verstecken, wo niemand ihn finden konnte. Doch es half alles nichts, der Schmerz war stärker und zwang ihn in die Knie. Niedergeschlagen musste er erkennen, dass es keinen Sinn hatte, gegen das anzukämpfen, was ihm bevorstand. Er kam nicht einen Meter weiter und sackte an der Wand des Badezimmers entlang nach unten, wo er auf dem kalten Boden hocken blieb. Verzweifelt vergrub er den Kopf in den verkrampften Händen und konzentrierte sich darauf, Luft in seine wild arbeitenden Lungen zu pumpen.

Da war es wieder, das Bild seines verhassten Professors. Und wieder fragte er sich: Warum musste es ausgerechnet Snape sein, den er zu sehen bekam? Nicht, dass er Mitleid mit ihm gehabt hätte, doch es gab keine Zweifel. Der Professor stand aufrecht wie eine undurchdringbare Mauer vor seinem vermeintlichen Herrn und wartete geduldig darauf, dessen Zorn zu spüren zu bekommen.

Harry fühlte, wie sich die bleiche Hand nach Snape streckte, in deren Griff ein Zauberstab steckte. Dann hörte er Voldemorts Stimme. Beinahe war ihm dabei, als würde er den Cruciatus selbst ausführen, geübt und locker aus dem Handgelenk.

Snapes Körper wurde von einem Beben erfasst, das ihn fast rückwärts von den Beinen riss. Im letzten Moment jedoch gelang es ihm, dagegenzuhalten. Sein Kopf schwankte eigenartig, die langen Strähnen schlugen ihm ins Gesicht, bis fast nur noch die Hakennase dahinter zum Vorschein kam. Dann hielt er wieder still.

„Was sagst du, Nagini?", fragte Voldemort liebevoll an seine Schlange gewandt, die unweit von ihm über den Boden kroch.

Harry bildete sich ein, dass sie zufrieden und gut genährt wirkte, soweit er das über eine Schlange sagen konnte. Einen Moment lang glaubte er sogar, frisches Blut auf der Unterseite ihres Kopfes zu erkennen, fast so, als ob sie eben erst gefüttert worden wäre.

Ohne den Gedanken weiter zu vertiefen, konzentrierte er sich wieder auf das Geschehen. Bestimmt war sie das einzige Lebewesen in Voldemorts Umfeld, dem so etwas wie Zuneigung zuteil wurde.

„Lucius möchte mir etwas sagen?"

Es war nicht mehr als ein Zischeln, Harry konnte trotzdem jede einzelne Silbe davon verstehen.

Voldemort lachte auf, ein hohles, fieses Lachen.

Hary hielt sich die Ohren zu; und doch half es nichts. Die Stimme war in seinem Kopf. Obendrein zwang ihn Voldemorts eigene Gestalt, haarklein das zu tun, was er von ihm wollte. Aber das konnte nicht sein! Er wusste, dass er es nicht selbst sein konnte...

Er sah nach oben und erkannte einen Mann, dessen vertrautes Gesicht nun, da er von Zauberhand gefesselt, gefoltert und geknebelt von der Decke hing, alles andere als überheblich wirkte.

Mit aller Macht zwang Harry sich dazu, dem blonden Todesser nicht ungebrochen in die ängstlich geweiteten Augen zu schauen, denn was auch immer hier vor sich ging, war gefährlich. Wenngleich er nicht einmal wusste, ob Lucius dazu imstande war, seine Gegenwart zu registrieren, so musste er doch alles tun, um das zu vermeiden. Stattdessen zwang er sich dazu, nichts zu denken, bis Voldemort wieder Snape ansah.

Schweiß glänzte auf seiner blassen Haut. Etwa im Sekundentakt ging ein rhythmisches Zucken durch seinen Körper, das deutlich verriet, dass der Cruciatus, den er zuvor empfangen hatte, nicht der erste in dieser Stunde gewesen war. Doch so eigenartig der Anblick auch sein mochte, war nicht im Geringsten zu erkennen, was in ihm vorging. Er harrte einfach aus und hielt der Demütigung und dem Schmerz stand, der zweifelsohne in ihm wallte; vielleicht kam Harry deshalb nicht umhin, ihm trotz seiner Abneigung in Bezug auf seine Person einen gewissen Grad der Bewunderung zukommen zu lassen. Nur zu gut wusste er, wie es war, den Folterfluch am eigenen Leib zu spüren zu bekommen...

Voldemort senkte den Blick. Erst Sekunden später jedoch erkannte Harry, dass der Boden zu seinen bloßen Füßen mit Blut überströmt war. Seine hagere, nahezu zerbrechliche Gestalt erweckte den fälschlichen Eindruck eines Kindes, das barfuß in einer Pfütze aus roter Farbe stand. Zweifelsohne hatte er irgendjemanden getötet, um seinen Blutdurst zu stillen.

Umgehend spürte Harry Übelkeit in sich aufsteigen. Alles, was hier geschah, war widerwärtig und grausam. Alleine der Gedanke, wie Nagini sich über einen Menschen hermachte, ließ ihn schaudern. Doch damit war dem Spektakel noch lange kein Ende gesetzt.

Noch mehr Gezischel folgte. Jeder, der nicht in der Lage war, einen Sinn darin zu entziffern, musste beim Anblick des seltsamen Schauspiels den Eindruck bekommen, dass die irre Gestalt Voldemorts dazu tendierte, Selbstgespräche zu führen.

„Einen weiteren Aufschub gewähren? Ich bin mir nicht sicher, Nagini. Ich werde das Gefühl nicht los, dass mir einer der hier Anwesenden etwas verschweigt. Vielleicht eine Falle, vielleicht Ungehorsam. Wir werden sehen ..."

Angewidert von der Vorstellung, hintergangen worden zu sein, blähte Voldemort die Nüstern und Harry war, als würde er das Blut riechen können, das langsam aus Snapes Nase strömte und über seine dünnen Lippen lief. Einen Moment lang ertappte er sich sogar dabei, so etwas wie Genugtuung für alles zu verspüren, was Snape ihm im Laufe der Jahre angetan hatte. Das Gefühl war jedoch nicht von langer Dauer. Es war auch jetzt, wo er seine Strafe für das erhielt, was er damals in seinem Eifer geworden war, nicht richtig, so zu denken ... Es war überhaupt nicht richtig, auch nur irgendetwas zu denken, solange diese Verbindung zwischen ihm und Voldemort bestand, schließlich hatte er nie gelernt, sie zu unterbinden...

„Ich verstehe eines nicht", sagte Voldemort wie in Gedanken. „Ihr alle hattet die Gelegenheit, den Jungen zu mir zu bringen, aber nichts Dergleichen ist geschehen. Fast könnte man meinen, ihr wollt ihn gar nicht finden."

Am anderen Ende des Raumes, vermutlich im hintersten Eck, dort, wo es zu dunkel war, um etwas zu erkennen, war ein leises Räuspern zu hören.

„Lasst mich gehen und ihn für Euch finden, mein Herr."

Eine Gestalt trat ins Licht und Harry erstarrte. Spätestens seit Bellatrix Lestrange Sirius getötet hatte, war sein Hass auf die Hexe noch weitaus größer angeschwollen als der auf Snape.

„Ich habe nicht die Absicht, mir noch mehr Heucheleien anzuhören, Bellatrix. Auch du hattest deine Chance."

Er streckte seine Zauberstabhand nach ihr aus und sprach den Folterfluch. Doch was geschah, war eigenartig. Sie zuckte und wankte, anders als Snape aber machte sie sich nicht die geringste Mühe, Beherrschung zu zeigen. Vielmehr fiel die Hexe zutiefst getroffen aufgrund seiner Anschuldigung auf die Knie und blickte leise wimmernd zu ihm empor. Beinahe wirkte sie angewidert aufgrund ihrer eigenen Unfähigkeit, ihren Herrn zufriedenzustellen. Harry hingegen verspürte nichts als Abscheu ihr gegenüber.

Hinter ihm waren Schritte zu hören und Voldemort fuhr herum.

„Verzeiht die Störung, mein Lord", sagte der eingetroffene Todesser mit gesenktem Haupt. „Aber ich denke, das dürfte Euch interessieren."

Aus einem ihm unerklärlichen Grund war Harry dankbar für die Unterbrechung. Selbst Voldemort wirkte neugierig, um nicht zu sagen, mit einem Mal freudig erregt.

„Ah, Pius. Du bringst Nachricht aus dem Ministerium?"

Der Todesser nickte und wagte einen Blick nach oben. Voldemort wurde ruhig, sodass Harry endlich aufatmen konnte. Er erkannte, dass die Bilder vor ihm verschwammen. Das Letzte, was er sah, war, wie er vollkommen gefasst Thicknesse zu sich winkte.

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„Was genau hast du gesehen, Harry?"

Er rieb sich die Stirn. Hätte Hermine ihn nicht im Badezimmer gefunden, wäre es ihm erspart geblieben, eine Erklärung zu suchen. So jedoch kam er nicht drum herum.

Unbeholfen nippte er an dem Tee, den sie ihm vor die Nase gestellt hatte.

„Ich hab Snape gesehen", sagte er dann wie beiläufig. „Bist du jetzt zufrieden?"

Entsetzt schlug Hermine die Hände vor den Mund.

„Und? Was ist passiert? Wie geht es ihm?"

Harry senkte den Blick. Fast bereute er es, so unfreundlich gewesen zu sein. Sie konnte ja nichts dafür, dass sie in dieser Lage steckte. Außerdem sagte eine Stimme in seinem Kopf, die er als sein Gewissen identifizierte, dass Snape standgehalten hatte.

Er musste sich schütteln. Was, wenn das, was er gesehen und durchlebt hatte, öfter geschah? Er hatte nie versucht, sich etwas wie das vorzustellen, um nicht verrückt zu werden. Sein Verstand warnte ihn nach wie vor davor, Snape zu trauen. All die Dinge, die zwischen ihnen geschehen waren, beruhten auf tiefer gegenseitiger Ablehnung. Aber wieso? Nur weil Snape und James verfeindet gewesen waren, musste das doch nicht automatisch heißen, dass es seine Pflicht war, die Tradition seines Vaters fortzusetzen. Im Gegenteil. Auch wenn er zutiefst wollte, dass sein Vater ein guter Mensch gewesen war, hatte er erkennen müssen, dass auch er seine Schwächen und Fehler gehabt hatte. Wäre es daher nicht langsam an der Zeit, Snape noch eine Chance zu geben?

Hermine sah ihn so eindringlich an, dass er ihre Blicke förmlich auf sich spüren konnte.

Langsam stellte er die Tasse ab und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Es machte ihn nervös, in dieser Zwickmühle zu stecken.

„Er hat ihn gefoltert, Hermine", sagte er leise. „Snape, Malfoy und Bellatrix Lestrange. Und er hat irgendwen getötet. Aber ich konnte nicht erkennen, wer es war."

Sie schluckte. Dennoch wirkte sie entgegen aller Erwartungen weitaus mehr gefasst, als er es ihr zugetraut hätte.

„Ich hatte befürchtet, dass es bald dazu kommt", erwiderte sie traurig. „Er weiß bestimmt, dass wir irgendwas planen, um ihn zu stürzen. Das macht ihn nervös."

Ungläubig schüttelte er den Kopf. „Wie kannst du dir da nur so sicher sein?"

„Severus hat mir gesagt, dass er immer ungeduldiger wird. Außerdem ist es logisch. Je weniger er erreicht, desto größer wird sich seine Wut über die Misserfolge seiner Gefolgsleute äußern."

„Du meinst also, er wird sie einen nach dem anderen abschlachten?"

Sie zuckte mit den Schultern. „Es wäre möglich."

Harry stockte. Zum ersten Mal seit langem war es nicht seine Wut auf Snape, die in ihm zum Vorschein kam. Vielmehr war es eine eigenartige Hilflosigkeit, die ihm unweigerlich die Frage aufdrängte, wie lange er sich noch hier verstecken sollte, während draußen Tag für Tag Menschen sterben mussten.

„Ich denke, es wäre an der Zeit, endlich etwas zu unternehmen, Hermine", sagte er entschieden.

„Und was willst du tun?"

„Mich ihm stellen. Wenn es tatsächlich nur noch zwei Horkruxe sind, dann ist doch vollkommen klar, dass er mich töten muss. Am Ende bleibt nur noch die Schlange. Ihr werdet sie finden und sie erledigen. Dann ist es ein für alle Mal vorbei."

Kaum dass er ausgesprochen hatte, rebellierte es in ihr. Die gesamte Temperatur in der Küche war mit einem Schlag auf Eiseskälte gesunken.

„Du kannst das nicht tun", brachte sie energisch hervor. „Ich kann nicht zulassen, dass das geschieht!"

„Warum nicht? Wir können nicht länger warten. Es sind nicht nur Todesser, die er quält. Auch Muggel sind darunter. Magische Wesen und Menschen, die wir nicht kennen, sogar Kinder ..."

Hermine sperrte den Mund auf. Bevor sie jedoch etwas erwidern konnte, war ein lauter Knall zu hören.

Erschrocken fuhren beide herum und sahen, wie sich vor ihnen Snapes finstere Gestalt formte. Das Gesicht blutüberströmt, den ausgestreckten Zeigefinger auf Harry gerichtet, machte er blitzschnell, kaum dass er im Raum erschienen war, einen Satz nach vorn auf Harry zu, beugte sich über ihn und packte ihn an der Kapuze seines Sweaters.

„Sie", stieß er mit gebrochener Stimme aus. „Sie ..."

Hermine starrte hilflos zwischen den beiden umher. Selbst Harry schien zu geschockt zu sein, um etwas zu erwidern.

Snape holte unbeeindruckt von allem Luft. „Ist Ihnen klar, dass mich Ihr kleiner Auftritt fast den Kopf gekostet hätte?"

Harry blinzelte. „Lassen Sie mich los! Ich weiß nicht, wovon Sie reden!"

Snape verzog das Gesicht zu einer schiefen Grimasse. „Natürlich", knurrte er unschön. „Dachten Sie vielleicht, ich merke es nicht, dass Sie wieder zu schwach waren, die Verbindung zu ihm zu unterbrechen, Potter? Dachten Sie wirklich, mir entgeht, wie Sie es genießen, mir meine Arbeit zu erschweren?"

In Harry überschlug sich alles. Zwar hatte er sich vorgenommen, seine persönlichen Gefühle zukünftig zurückzunehmen, um die Situation nicht noch schwieriger zu machen, im Moment jedoch waren alle guten Vorsätze wie weggeblasen.

„Ich bin nicht schwach", sagte er trotzig, die Augen schwer auf seinen ehemaligen Lehrer gerichtet.

Snape schnaubte bitter und ließ von ihm ab, um daraufhin auf einem Stuhl zusammenzusinken. Am ganzen Leib zitternd rieb er mit den Händen über seine Oberschenkel, als würde er dadurch das Blut entfernen können, das an ihm klebte.

„Er weiß, dass etwas faul ist", sagte er abgeschlagen. „Beten Sie, dass er nicht weiß, wonach wir suchen. Andernfalls wird es nicht mehr lange dauern, bis er der Schule einen Besuch abstattet, um sich zu vergewissern, dass das Diadem dort ist, wo er es versteckt hat."