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Danke für die Frage. Hier die Antwort:

In Kapitel 59 war die Unterhaltung mit Hermine und Snape über Harrys 'Zukunft' zu finden. Sie ist also schon etwas vorgewarnt.

In Kapitel 60 (etwas weiter oben) erfuhr Harry von seinem Schicksal.

Liebe Grüße!

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Call it bittersweet

Kapitel 62

Ratlosigkeit

Snape stützte seine Hände gegen die Wand und schloss die Augen. Das heiße Wasser, das beständig auf seinen geschundenen Körper rieselte, war eine Wohltat. Sämtliche seiner Muskeln wirkten angespannt und überstrapaziert. Abgesehen davon jagten noch immer wie Blitze schauerliche Krämpfe durch seinen Körper. Er genoss jede Sekunde, die er unter der Dusche stehen konnte, um allen anderen Dingen für einen winzigen Moment auszukommen. Ferner konnte er sich nicht daran erinnern, wann er sich zuletzt so sehr danach gesehnt hatte, alleine zu sein. Zu viel war in den vergangenen Wochen und Monaten geschehen. Die jüngsten Ereignisse jedoch hatten ihm wieder einmal vor Augen geführt, wie gefährlich es war, dass Potter über alles Bescheid wusste. Eine winzige Information, ein Bruchstück hätte genügt, um dem Dunklen Lord etwas über Hermine und das Kind zu verraten. Immer noch fröstelnd drehte er schließlich das Wasser ab und rubbelte mit dem Handtuch über seine langen Strähnen. Nicht auszudenken, was er tun würde, wenn er gezwungen wäre, seinem Herrn in dieser Angelegenheit Rede und Antwort zu stehen.

Mit finsterer Miene wischte er das Kondenswasser des Spiegels beiseite und warf einen Blick auf sein Abbild. Dunkle Ringe um die Augen und tiefe Furchen kennzeichneten sein Gesicht. Dazu kam die grausame Kälte, die jedes Mal wieder auf den Cruciatus folgte und bis ins Mark drang. Am liebsten hätte er sich ins Bett gelegt und bis zum nächsten Morgen kein Auge mehr aufgetan. Dennoch wusste er nur zu gut, dass nicht der richtige Zeitpunkt war, um sich auszuruhen. Die anderen warteten bestimmt schon auf weitere Neuigkeiten. Aber auch sonst gab es jede Menge zu besprechen; des Weiteren musste ein Plan her, wie es denn jetzt weitergehen würde. Alles in seinem Kopf rotierte, seine Gedanken überschlugen sich. Vorbei war es mit der Ruhe und der Beschaulichkeit - soviel zu seiner Privatsphäre. Mehr würde er nicht bekommen.

Nachdem er sich eine Garnitur frischer Sachen angezogen hatte, verließ er das Bad und ging hinunter in die Küche, wo er schon von den anderen erwartet wurde. Auch Lupin und Tonks hatten sich um den Tisch versammelt, wobei jeder von ihnen an einem anderen Ende Platz genommen hatte, wie um zu demonstrieren, dass die zwischen ihnen aufgebauschten Wogen noch längst nicht geglättet waren.

Besorgt kam Hermine auf Snape zu und legte einen Arm um seine Hüfte. Er ließ es geschehen und setzte sich neben sie auf einen Stuhl.

Für etliche Sekunden herrschte eisiges Schweigen, bis er sich tief seufzend mit den Fingern durch die Haare fuhr. Es hatte keinen Sinn, diese unangenehme Sache aufzuschieben. Besser war es, sie gleich hinter sich zu bringen.

"Ich nehme nicht an, dass irgendeiner von euch den Anfang machen möchte", stellte er mit einem deutlichen Anflug von Sarkasmus in der Stimme fest.

Lupin rollte mit den Augen. "Den Ton kannst du dir sparen, Severus. Dadurch machst du es nicht besser."

Snape hob obligatorisch eine Braue an. "Nur zu. Wenn du einen Vorschlag hast, raus damit. Ich lasse dir gerne den Vortritt."

Hermine und Ron warfen sich verstohlene Blicke zu. Alle der Anwesenden wussten, dass kein Weg darum herum führte, Voldemort und Harry aufeinander treffen zu lassen. Seit er nach Hogwarts gegangen war, war alles darauf hinausgelaufen, dass sie sich früher oder später gegenüberstehen würden. Doch nur der Kern der kleinen Runde wusste von der Sache mit den Horkruxen. Lupin und Tonks hatten keine Ahnung, was wirklich geschah, geschweige denn, dass sie geahnt hätten, dass Harry sich opfern sollte, um Voldemort sterblich zu machen. Vermutlich war das auch der Grund für Harrys Zurückhaltung, denn obgleich seines Ausbruchs von zuvor sah er so aus, als würde er auf seinem Stuhl immer kleiner werden.

"Das ist doch verrückt", bemerkte Ron ärgerlich.

Seine Stimme durchbrach die nachdenkliche Atmosphäre so unerwartet, dass Hermine zusammenzuckte.

"Allerdings", erwiderte Lupin belustigt. "Sollen wir ihn einfach so da hinausschicken? Ist es das, was du willst, Severus? Es wäre reiner Selbstmord, das auch nur zu versuchen. Das ist dir doch klar, oder?"

Snape wippte kaum merklich mit dem Kopf, entgegnete aber nichts darauf. Lupin kannte eben nur die Hälfte der Geschichte.

Wieder wurde es still. Das Ticken der Wanduhr war zu hören und Hermine klemmte ihre Lippe zwischen die Zähne und versuchte, sich zu konzentrieren. Irgendetwas musste es doch geben, das sie tun konnten, um das Schlimmste zu verhindern. Sie brauchten nur eine Idee, einen Einfall ... Genauso hatte sie sich damals auch gefühlt, als das Ministerium sie in die vermeintliche Ehe mit Draco gezwungen hatte, die sich aufgrund des gegenseitigen Desinteresses als glatter Witz entpuppt hatte.

Hilflos sah sie zu Severus, doch der saß mit vor der Brust verschränkten Armen neben ihr und starrte auf einen Fleck an der gegenüberliegenden Wand.

"Und wenn wir alle zusammen gehen?", fragte Ron vollkommen unvermittelt. "Wir sollten alle Kräfte mobilisieren und ihn überraschen. Das ist immer noch besser, als sich ewig hier zu verstecken."

Ein leises Schnauben war von Harrys Seite zu hören. "Euer Vertrauen in mich scheint ja umwerfend zu sein."

Erwartungsvoll legte Snape den Kopf schief. "Vertrauen hin, vertrauen her, Potter. Was Sie auf Malfoy Manor gesehen haben, war nur ein Moment von vielen. Es wäre an der Zeit, das zu beenden."

Aufgebracht funkelte Lupin ihn an. "Dir ist doch hoffentlich klar, dass ich das nicht so hinnehmen kann. Auf gar keinen Fall werde ich ihn da raus schicken und ihm Voldemort oder seiner Schlange zum Fraß vorwerfen."

Snape kniff die Augen zu engen Schlitzen zusammen. "Es ist auch nicht deine Aufgabe, ihn davon abzuhalten", sagte er mit vorgetäuschter Ruhe.

Blitzschnell kam Lupin auf die Füße und beugte sich über den Tisch zu ihm vor. Snape stand ihm an Geschwindigkeit in nichts nach und begegnete ihm umgehend mit ausgestrecktem Zauberstab. Obwohl beide körperlich angeschlagen waren, hatten sie offenbar nichts von ihrer einstigen Vorliebe für kleine Rangeleien eingebüßt.

"Vorsicht, Remus", warnte Snape in einem scharfen Knurren. "Mach nicht denselben Fehler, den Sirius gemacht hat."

Lupin stöhnte auf. "Du und deine ewige Überheblichkeit! Lass die Hüllen fallen, Severus. Wir alle, die wir hier versammelt sind, werden gemeinsam untergehen."

Tonks schluchzte leise auf. Es war das erste Mal, dass sie in der versammelten Runde ein Lebenszeichen von sich gab.

"Mach nur so weiter, Remus", sagte sie niedergeschlagen. "Du weißt noch nicht einmal, ob unser Kind so wird wie du und kannst trotzdem nicht aufhören, alles schlecht zu machen."

Lupin schluckte hart und schien sich schwer zu tun, ihr in die Augen sehen zu können. Sein Gesicht war käseweiß. Langsam setzte er sich zurück auf seinen Stuhl und verbarg den Kopf in den Händen, als würde er sich für sein Verhalten schämen.

Snape ließ unbehelligt von allem den Zauberstab verschwinden und setzte sich ebenfalls.

"Was Sie gesagt haben, Weasley, war gar nicht so weit hergeholt", begann er an Ron gewandt. "Vielleicht sollten wir es versuchen. Wie es aussieht, haben wir keine andere Wahl."

"Er hat Recht", stimmte Harry zu und alle sahen ihn an. "Glaubt nicht, dass mir das leicht fällt. Zu viele sind schon meinetwegen gestorben. Aber alleine kann ich nicht viel gegen ihn ausrichten. Zusammen hingegen können wir ihm einen gehörigen Denkzettel verpassen. Und dann werdet ihr ihn und die Todesser erledigen. Wir müssen ihn ganz einfach vernichten, denn so kann es unmöglich weitergehen."

Keiner hatte dem besonders viel hinzuzufügen. Alle wussten, dass es sinnlos war, sich etwas vorzumachen. Seit Monaten saßen sie nun mehr oder weniger hier fest. Auch niemand sonst außerhalb ihrer verschworenen Gemeinschaft schien zu wissen, was zu tun war, sonst wäre schon längst etwas geschehen.

Vollkommen selbstverständlich rutschte Hermine mit ihrem Stuhl näher an Snape heran und lehnte den Kopf an seine Schulter. Die Stimmung in der Küche war so erdrückend, dass sie das Bedürfnis hatte, sich in seine Arme flüchten zu wollen, um wenigstens etwas Halt zu finden. Kurz darauf spürte sie, wie er sie erhörte und sie fest zu sich an seine Brust zog. Langsam strich er mit der Hand über ihren Rücken, dann drang seine Stimme durch den Raum.

"Augen auf, Phineas. Erzählen Sie Albus, was Sie gehört haben. Sobald ich im Schloss bin, müssen wir uns unterhalten."

Hermine lugte verstohlen unter ihren Locken hervor und sah das Bild gähnen. Sie hatte, ebenso wie Snape, offensichtliche Zweifel daran, dass das Portrait die ganze Zeit über geschlafen hatte.

"Sind Sie sicher, dass Sie das, was hier vor sich geht, für eine gute Idee halten, Severus?", fragte Phineas vorsichtig nach. Im Gegensatz zu sonst wirkte er keinesfalls stolz oder überheblich aufgrund seiner Herkunft, sondern einfach nur besorgt.

Snape brummte unbeeindruckt. "Sie sind tot. Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten."

Eingeschnappt zog sich das Antlitz des ehemaligen Schulleiters aus dem Portrait zurück und hinterließ einen nackten schwarzen Rahmen.