Spoiler-Warnung: Ein kleiner indirekter Spoiler für die 5. Staffel von „Doctor Who" ist im folgenden Kapitel enthalten.
Teil 2
Zehn Minuten schienen auszureichen, um spurlos zu verschwinden. Nach zwei Stunde Suche und einigen sinnlosen Versuchen seine aufsteigende Panik in den Griff zu bekommen, musste Jack sich eingestehen, dass er Rose verloren hatte.
Wo auch immer sie war, er konnte ihr dorthin nicht folgen, und keiner wollte sie gesehen haben. Den Doctor hatte auch keiner gesehen. Es war als wären die beiden vom Boden verschluckt worden.
Das einzige, was Jack gefunden hatte, was Roses TARDIS-Schlüssel. Offensichtlich hatte sie ihn verloren und in der Bar, in der sie gestern gewesen waren, war er abgegeben worden. Jack war durch ein wenig Flirten sehr schnell in den Besitz des Schlüssels gekommen und machte sich jetzt nur noch größere Sorgen um Rose als vorher. Freiwillig würde sie den Schlüssel niemals aus der Hand geben, und er konnte sich auch nicht vorstellen, dass sie ihn aus Unvorsichtigkeit verloren hatte. Sein Instinkt sagte ihm, dass ihr etwas angetan worden war, und dem Doctor auch.
Aber wie sollte er ihnen helfen, wenn er nicht einmal wusste, wo sie waren? Vielleicht lebten sie ja überhaupt nicht mehr.
Schließlich als er kurz davor war die Suche aufzugeben und endgültig zu verzweifeln, fand er endlich einen Hinweis auf das Schicksal von Rose Tyler und dem Doctor, auch wenn dieser Hinweis alles andere als beruhigend war.
Er fand die Signatur :::: relativ frisch in den Boden gemeißelt vor. Leider erkannte er die Signatur sofort wieder. Es handelte sich um die Botschaft einer bekannten Gruppen Zeitterroristen mit denen Jack es zu tun gehabt hatte, als er selbst noch Zeitagent gewesen war.
Und er wusste, dass mit ihnen nicht zu spaßen war, und dass Rose und der Doctor in großer Gefahr waren. Und dass er sie retten musste.
Captain Jack beschloss also den Helden zu spielen. Er würde Rose und ihren Doctor retten – er wusste zwar noch nicht wie, aber er würde es tun. Und zu allererst, musste er die TARDIS überreden ihm zu helfen (Was schwer werden würde, denn immerhin war es ihm bisher verboten gewesen auch nur irgendetwas darin anzufassen).
Roses Schlüssel half ihm dabei in die TARDIS zu gelangen. Soweit so gut.
„Hallo, altes Mädchen", murmelte Jack, „Rose und der Doctor sind verschwunden. Es liegt an uns beiden sie zu retten."
Die TARDIS zeigte auf diese Worte keine Reaktion. Jack wusste, dass sie eine eigene Intelligenz besaß, aber vermutlich war sie ihm gegenüber ähnlich misstrauisch eingestellt wie der Doctor. (Vielleicht nicht ganz zu Unrecht, immerhin war Jacks Vergangenheit kein unbeschriebenes Blatt). Allerdings brauchte Jack die Hilfe des Gefährts, wenn er den Doctor und Rose retten wollte, also musste er das Schiff irgendwie dazu bringen mit ihm zu kooperieren. Doch wie sollte er das anstellen?
Wenn er ein rein biologisches Wesen vor sich gehabt hätte, dann hätte ihm sein Charme vermutlich weiter geholfen, doch würde der auch bei einer künstlich-biologischen Mischintelligenz, die ein Schiff, das durch Raum und Zeit reisen konnte, betrieb weiterbringen? Vermutlich nicht. Aber ein Versuch konnte nicht schaden.
Er räusperte sich und setzte ein strahlendes Grinsen auf, bevor er verkündete: „Damit sind wir beide wohl zum ersten Mal alleine, meine Hübsche, nicht wahr? Vielleicht ist das die perfekte Chance dazu uns näher kennenzulernen, was meinst du?"
Es erfolgte keine Reaktion irgendeiner Art. Die TARDIS wartete offensichtlich ab, worauf er damit hinauswollte. Wenn ich das nur selber wüsste. Dieses Stück Technologie stammt von Gallifrey und ist damit so gut wie allem, was ich jemals gesehen habe, überlegen. Und es ist intelligent genug, um sich gegen mich zu wenden, wenn es nicht mit meinen Taten einverstanden ist, denn ich bin kein Bewohner von Gallifrey und das weiß es ganz genau.
„Da ich trotz unserer bisherigen gemeinsamen Zeit noch kaum etwas über dich weiß, meine Liebe, werde ich den Versuch, dich besser kennenzulernen, damit beginnen dich etwas auseinanderzunehmen. Nur die zentrale Konsole hier, keine Sorge, und ich setzte sie auch nachher wieder zusammen, genauso wie sie zuvor war, versprochen. Aber ich muss wissen, wie du funktionierst, wenn wir beide gemeinsam losziehen möchten. Also sieh bitte davon ab, mich mit einem elektrischen Schlag ins Jenseits zu befördern, wenn ich jetzt mit meiner Arbeit beginne, ja? Haben wir einen Deal?", verkündete Jack und sah sich abwartend um. Wieder erfolgte überhaupt keine Reaktion. Langsam aber sicher komme ich mir dabei ein wenig blöd vor.
Nun, auf jeden Fall würde es nichts bringen weiterhin auf eine Antwort zu warten, die offensichtlich nicht kommen würde. Also machte sich Jack daran die zentrale Konsole der TARDIS auseinander zu nehmen – und betete, dass er diese Tat überleben würde.
Wenig später war er noch am Leben und sogar ein bisschen schlauer als zuvor. Inzwischen hatte er sogar einige Ideen darüber entwickelt, wie die TARDIS eigentlich funktionierte.
„Das sollte funktionieren. Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, dich mit meinem Vortexmanipulator zu verbinden, dann können wir nach temporalen Signalen suchen, die denen der Zeitterroristen gleichen. Was uns danach hoffentlich zu dem Doctor und Rose führen wird", meinte Jack schließlich.
Diesmal hatte er das Gefühl sogar eine Antwort zu bekommen, wenn sie auch nur im Flackern des Lichts im Kontrollraum bestand. Ob das ein zustimmendes oder ein ablehnendes Flackern war, konnte er allerdings nicht sagen.
Die notwendigen Ersatzteile, die er brauchen würde, um seinen Vortexmanipulator mit der TARDIS zu verbinden, sollte er eigentlich hier auf Luunapera bekommen.
Also schnappte Jack sich den TARDIS-Schlüssel und machte sich auf zum Einkaufen.
Diese Gelegenheit konnte er auch gleich nutzen um herauszufinden, ob eine Lösegeldforderung eingetroffen war. Immerhin bestand immer noch die Chance, dass es nicht um die wirklichen Zeitterroristen handelte, mit denen Jack es in der Vergangenheit bereits zu tun gehabt hatte, sondern um Nachahmungstäter, die nur das Zeichen der anderen Gruppe benutzten, um so für maximale Panik und maximale Entlohnung in Wertgegenständen zu sorgen. Auch das war ihm in der Vergangenheit schon unter gekommen, allerdings deutete das spurlose Verschwinden seiner beiden Begleiter darauf hin, dass hier doch die echte Gruppe am Werk war.
Doch weder der Barkeeper aus der Bar noch die Betreiber der anderen Vergnügungsetablissements in der Umgebung nahe der Signatur (die übrigens immer noch da war) hatte eine Lösegeldforderung irgendeiner Art erhalten.
Jack nutzte die Gelegenheit auch gleich, um sich bei den Hotelbetreibern, die er befragte, auch nach verschollenen Gästen zu erkundigen. Doch niemand schien etwas darüber zu wissen. Die meisten schienen sehr verwundert über Jacks seltsame Fragen zu sein und auch die in den Boden gemeißelte Signatur schien niemanden sonderlich zu beunruhigen. Das war allerdings auch nicht erstaunlich, da die Zeitagentur stets ihr Bestes gegeben hatte, um zu verhindern, dass linear-realzeitliche Bürger von der Existenz der Zeitterroristen erfuhren.
Dass nur Rose und der Doctor verschwunden waren, bewies auch nicht, dass sie gezielt ausgewählt worden waren.
Der gewöhnliche Modus Operandi dieser Gruppe von Zeitterroristen bestand daraus, aus den verschiedensten Zeitperioden willkürlich Individuen zu entfernen. Es musste sich dabei nicht einmal um für die Geschichte wichtige Individuen handeln, (obwohl Jack und sein ehemaliger Partner damals bei der Zeitagentur einmal eine Gruppe Geiseln gerettet hatten, zu denen auch Wolfgang Amadeus Mozart und Winston Churchill gehörten, aber das war nichts, was sich mit ein wenig Amnesiepille nicht in Ordnung hatte bringen lassen; Churchill war übrigens erstaunlich gefasst gewesen, als er gerettet worden war, und hatte sich nach einem gewissen Doctor erkundigt. Erst nachdem er Rose kennengelernt hatte, hatte Jack begonnen zu verstehen, nach wem Churchill damals eigentlich gefragt hatte).
Soweit es Jack möglich war ein Urteil darüber zu fällen, wurden die Entführten tatsächlich nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und entstammten stets sehr unterschiedlichen Zeitperioden. Den Zeitterroristen ging es immerhin auch nicht um Geld, nicht einmal um Anerkennung und Ruhm, es ging ihnen darum den Zeitstrom durcheinander zu wirbeln. Zu welchem Ziel wusste Jack nicht.
So ganz klar war ihm nie geworden, was sich die Zeitterroristen eigentlich von ihren Aktionen versprachen. Individuen aus dem Zeitstrom zu entfernen war etwas, das auf die Zeitlinie sehr große oder so gut wie gar keine Auswirkungen haben konnte. Um aber auf jeden Fall etwas zu erreichen, versetzten die Zeitterroristen ihre Opfer deswegen immer in einen anderen Zeitrahmen als jenen aus dem diese ursprünglich stammten, wo sie die Entführten nach einiger Zeit alleine zurückließen. Damit standen die Chancen, dass sich irgendetwas veränderte zumindest besser, als wenn sie ihre Opfer nur umgebracht hätten.
Nach dem Chaosprinzip, dem die Zeitterroristen offensichtlich anhingen, sorgten verschwundene Elemente für weit weniger Ärger als neu hinzugefügte. Hinzu kam, dass die Zeitterroristen ihre Opfer manchmal nach einigen Jahren zurück in ihre eigene Zeitperiode versetzten.
Die Betroffenen waren danach natürlich nicht mehr dieselben Menschen, die sie vor ihrem Trip durch die Zeit gewesen waren. Vor allem auch deswegen, weil die Zeitperioden, in denen sie zurückgelassen wurden, meistens nicht besonders freundlich waren (um es vorsichtig auszudrücken).
Deswegen war also klar, dass die Zeitagentur ihr möglichstes tat, um die Tätigkeiten dieser speziellen Gruppe von Zeitterroristen zu unterbinden. Es gab noch andere Zeitterroristen, doch diese Gruppe war es, an die man bei dem Wort „Zeitterroristen" dachte, diese Individuen waren das, was man am ehesten noch als Erzfeinde der Zeitagentur bezeichnen konnte.
Niemand wusste, woher diese Leute die Fähigkeit durch die Zeit zu reisen hatten. Jacks ehemaliger Partner hatte einmal spekuliert, ob es sich nicht in Wahrheit um ehemalige Zeitagenten handelte, die bei einem Einsatz den Verstand verloren hatten und seit dem versuchten die Zeitlinie nach ihren Wünschen zu Recht zu biegen.
Auf jeden Fall waren sie gefährlich, und Jack wollte sich lieber nicht vorstellen, in welcher grauenhaften Zeitperiode die Terroristen Rose und den Doctor abgesetzt hatten. Hoffentlich waren die beiden wenigstens zusammen, aber darauf wollte sich Jack lieber nicht verlassen.
Vielleicht schaffte er es ja die Zeitterroristen aufzuspüren, bevor sie die Gelegenheit dazu bekamen Rose und den Doctor auszusetzen. Ansonsten stand ihm eine möglicherweise endlose Suche bevor.
Es sei denn, die TARDIS erweist sich doch noch als kooperatives Wunderding, das auf nahezu magische Weise mit dem Doctor verbunden ist und durch alle Zeitebenen hinweg immer in der Lage ist, den Doctor aufzuspüren. Oder ich finde denjenigen, der die Opfer entführt hat, der sollte wissen, wo er sie hingeschickt hat.
Doch im Augenblick war das alles noch Zukunftsmusik. Zuerst musste Jack überhaupt irgendeine Spur von den Zeitterroristen finden.
Mit einigen Kabeln und einem altmodischen Computerkeyboard kehrte Jack zurück zur TARDIS. Das Licht flackerte verdächtig als er mit seinen Einkäufen den Kontrollraum betrat.
„Mir gefällt das genauso wenig wir dir", meinte Jack, „Ich weiß noch sehr gut, was das letzte Mal passiert ist, als ich versucht habe, meinen Vortexmanipulator mit außerirdischer Technologie zu verbinden. Ich war danach recht lange im Krankenhaus. Seit dem tue ich das eigentlich nicht mehr. Aber es muss sein. Du möchtest den Doctor doch auch zurück, oder?"
Das Flackern hörte auf, was Jack als Zustimmung interpretierte.
„Okay, dann an die Arbeit", seufzte er. Ich hoffe, du weißt, was du tust, hörte er eine imaginäre Stimme, die sich verdächtig nach seinem ehemaligen Partner anhörte. Er tat sein Bestes um die Stimme zu ignorieren.
Natürlich wusste er, was er tat. Die Frage war nur, ob es klappen würde oder nicht.
Diesmal lief der Versuch zwei fremde Technologien zu verbinden bedeutend besser als bei seinem letzten Versuch. Es gab keine Explosion, nur ein paar elektrische Funken, und diesmal hatte Jack daran gedacht, den Manipulator von seinem Handgelenk zu nehmen, so dass ihm das mögliche Feedback (zu dem es gottlob sowieso nicht kam) nicht direkt erwischen konnte.
Okay, soweit so gut.
Nachdem es bisher noch nicht zur Katastrophe gekommen war, begann Jack nun also damit nach der Signatur der Zeitterroristen zu scannen.
„Okay, ich glaube, ich hab was", verkündete er als er den ersten Treffer landete, „Wir sollten-"
Weiter kam er nicht, da die TARDIS in diesem Moment erzitterte, und er sah, wie sich der Hebel, der den zentralen Zeitvortex kontrollierte, wie von Geisterhand nach unten bewegte und dann ging der Trip durch die Zeit auch schon los.
„Warte! Was tust du da!", beschwerte sich Jack lautstark, doch natürlich bekam er keine Antwort. Vermutlich steuerte sie die Koordinaten von seinem Vortexmanipulator an.
Und da heißt es immer, ich würde handeln, ohne vorher nachzudenken. Nichts gegen ein lebendes Zeitschiff!
Jetzt blieb nur noch zu hoffen, dass sie lebendig an ihren Zielort ankommen würden (nun ja Jack lebendig und die TARDIS in einem Stück) und es stellte sich die Frage, was Jack tun sollte, wenn sie erst einmal dort waren.
Und ich sollte mir lieber schnell etwas einfallen lassen.
A/N: Nach langer Zeit ist hier also der zweite Teil. So richtig weiß ich noch nicht, in welche Richtung diese Geschichte noch gehen wird. Vielleicht wird es auch mehr in die neue Who-Geschichte gehen. Mal sehen.
Reviews sind erwünscht (und wären ein guter Hinweis darauf, ob das hier überhaupt jemand liest).
