Teil 3


Nach einiger Zeit des unkontrollierten durch-die-Gegend-geschleudert-werden verließ die TARDIS den Zeitvortex wieder und erreichte ihre Zielkoordinaten.

„Okay, hier wären wir also", meinte Jack, „Wo auch immer hier ist. Ich würde dir ja vorschlagen auf eine Bruchlandung mitten ins Hauptquartier der Zeitterroristen zu verzichten, aber ich befürchte dafür ist es etwas zu spät, oder?"

Das Licht flackerte zweimal kurz auf, aber das war auch schon alles. Jetzt ist sie vermutlich auch noch beleidigt.

Sich einfach so hier zu materialisieren war vermutlich keine gute Idee. Ob blaue Telefonzelle oder nicht, die Zeitterroristen waren paranoid genug ein Raumvehikel zu erkennen, egal als was es sich tarnte. Ganz abgesehen davon, dass sie nicht einmal wussten, ob das Signal, das Jacks Armband entdeckt hatte, überhaupt das richtige war.

Die Zeitterroristen besaßen vermutlich mehrere Stützpunkte in den verschiedensten Zeitperioden. Es war nicht gesagt, dass diejenigen, die dieses Signal gesendet hatten, dieselben waren, die den Doctor und Rose entführt hatten. Aber zumindest dürften sich die Chancen die beiden Vermissten zu finden durch sie erhöhen.

„Na gut, ich nehme nicht an, dass es hier Waffen an Bord gibt?", fragte Jack als nächstes, „Nein, hatte ich auch nicht erwartet."

Der Doctor führte eine strenge „Keine Waffen"-Politik, sein blöder Schraubenzieher war alles, was er einsetzte, um sich zu verteidigen. Dass ihn das bisher noch nicht den Kopf gekostet hatte, war ein Wunder, sonic oder nicht – ein Schraubenzieher war kein Ersatz für eine gute alte Pistole. Zum Glück war Jack immer noch in Besitz seiner Laserpistole. Er hatte ja fast damit gerechnet, dass der Doctor ihn dazu zwingen würde, sie abzugeben, aber zumindest persönlichen Besitz schien der Time-Lord zu respektieren (wenn auch sonst nicht viel).

Nun gut, er hatte einen ehemalige Zeitagenten und erfahrenen Betrüger, eine Laserpistole und eine nicht-kooperierende TARDIS. Das war besser als gar nichts. Damit sollte sich etwas anfangen lassen.

Auf jeden Fall blieb ihm keine andere Wahl als nachzusehen, wo sie gelandet waren und was dort los war. So schlimm konnte es eigentlich gar nicht werden, oder? Egal, was ihn dort draußen erwartete, er würde damit klar kommen.

In dieser Annahme verließ Jack also das Transportmittel des Doctors, um sich den Zeitterroristen zu stellen.

Die TARDIS war mitten in einem Schlammloch gelandet. Jacks Stiefel bedankten sich nicht gerade für diese Tatsache. Ob sie das absichtlich getan hat? Ach was, jetzt werde ich schon paranoid. Das war reiner Zufall. Immerhin hat sie sich selbst gesteuert, da sollte es eigentlich nicht verwundern, wenn nicht alles glattgeht.

Nachdem der ehemalige Zeitagent das Schlammloch hinter sich gelassen, seine Stiefel ausgezogen und ausgeleert hatte, machte er sich auf in die Richtung des größten (und augenscheinlich einzigen) Gebäudes, das ihm ins Auge sprang. Es handelte sich um ein großes oranges unförmiges Ding, das einsam und verlassen mitten in der Sumpflandschaft stand und entfernt an eine Flugzeugsfabrikationshalle von der Erde des frühen 20. Jahrhunderts erinnerte. Wenn sich die Zeitterroristen irgendwo versteckten, dann mit Sicherheit an solch einem Ort mitten im Nichts, wo niemand jemand Lebendigen vermuten würde.

Damit sah es so aus, als wäre er doch am richtigen Ort gelandet.

Okay, dann mal los, dachte Jack, als er die unmittelbare Nähe des Gebäudes erreichte.

Direkt vor dem Gebäude stand ein einzelner Wachmann, der einen ziemlich gelangweilten Gesichtsausdruck zur Schau stellte, und Jack nicht zu bemerken schien. Offenbar nahm er seine Aufgabe die Halle zu bewachen nicht sehr ernst. Andererseits denke ich nicht, dass hier besonders oft jemand vorbei kommt. So gesehen hat er wahrscheinlich keinen Grund besonders aufmerksam Wache zu halten.

Allerdings sagte alleine die Tatsache, dass er überhaupt Wache hielt Jack bereits einiges, was gut zu wissen war: Offensichtlich befand sich in der Halle etwas, das wert war bewacht zu werden, was wiederum bedeutete, dass Jack hier auf diesem Planeten vermutlich doch etwas finden würde, das ihn zumindest weiterhelfen sollte. Möglicherweise keine Gefangenen, aber zumindest wohl doch mehr als einen einzelnen Kerl mit einer Menge veralteten Equipment (es lag ja immerhin auch im Bereich des Möglichen, dass er einen solchen Stützpunkt aufgespürt hatte).

Auf jeden Fall beschloss Jack aus der Existenz dieses Wachmannes einen Vorteil zu ziehen. Der Mann starrte unaufmerksam ins Leere, und Jack hielt noch einen Moment inne, um mit seinem Armband schnell festzustellen, ob es rund um die Halle herum auch wirklich keine Alarmtechnologie gab, die losgehen würde, sobald er sich ihr annäherte. Er konnte nichts registrieren, was die Existenz eines solchen Systems nicht vollkommen ausschloss, aber zumindest unwahrscheinlich genug machte, um es zu wagen sich dem gelangweilten unaufmerksamen Kerl anzunähern.

Er schlich sich seitlich an den Wachmann heran, immer bereit schnell auszuweichen oder zu schießen. Immerhin hatte der Kerl ein ziemlich großes Gewehr in seinen Händen, und wenn Jack einen Schuss von diesem abbekam, wäre er danach vermutlich entweder sehr tot oder würde sich wünschen genau das zu sein.

Als sich der Wachmann zu ihm umdrehte und seine Waffe hob, hielt Jack ihm bereits seine Laserwaffe unter die Nase. „Keine Bewegung", warnte er den anderen Mann, „Mach keine Dummheiten und leg langsam dein Gewehr ab."

Der Mann reagierte im ersten Moment überhaupt nicht und riss seine Waffe dann plötzlich herum, um sie Jack ins Gesicht zu schlagen. Doch der ehemalige Zeitagent hatte mit einer Aktion dieser Art gerechnet und duckte sich unter dem Schlag weg, trat seinerseits nach dem rechten Knie des Anderen und hielt ihm seine eigene Waffe wenige Sekunden später an die Schläfe.

„Zweite und letzte Chance: Fallen lassen", knurrte er. Normalerweise hätte er einen kurzen Kampf mit einem unterlegenen Gegner genossen, doch heute war er nicht in Stimmung für solche Ablenkungen. Er war auf der Suche nach seinen Freunden (Okay, nach einer Freundin und deren Begleiter/Chef, was auch immer) und hatte es mit Zeitterroristen zu tun.

Der Überwältigte gab einen unwilligen Laut von sich und warf seine Waffe dann aber auf den Boden.

„Braver Junge", lobte ihn Jack und hob das Gewehr mit einer Hand auf, während er mit der anderen seine Pistole weiterhin auf den Wachmann gerichtet hielt. Das Gewehr war etwas schwerer als erwartet und weniger nützlich, als er sich erhofft hatte, wie ihm die Miene seines Besitzers verriet. „DNS gesichert, wie? Dann ist es nicht zu gebrauchen", stellte Jack fest und warf die Waffe achtlos weg. Auf diese Weise war sie zumindest keinem von ihnen von Nutzen.

„Du wirst mich in dieses Gebäude bringen", erklärte Jack seinem Gefangenen, „Wenn du es nicht tust, dann schieß ich dich auf der Stelle nieder und gehe alleine rein."

Er wusste, dass der Doctor so ein Vorgehen mit Sicherheit nicht gutheißen würde, doch dieser war nicht hier um sich zu beschweren, und wenn Jack ihn erst gerettet hätte, würde er ihm dafür hoffentlich zumindest ein bisschen dankbar sein, egal wie Jack dieses Ziel nun erreicht hatte. Wem mach ich was vor? Wenn ich den Kerl erschieße, werde ich das ewig zu hören kriegen. Zumindest ein bisschen weh tun, konnte er ihm aber auf jeden Fall.

Der Wachmann wusste offensichtlich nichts von dem Doctor und dessen Anti-Gewalt-Politik und nahm die Drohung so ernst, wie sie eigentlich gemeint war. Seine Miene sah inzwischen äußerst besorgt aus und er nickte.

„Guter Junge." Jack packte seinen Gefangenen und drehte diesen in Richtung Halleneingang. „Du gehst vor. Und keine Tricks, sonst könnte ich mich dazu hinreißen lassen ein paar Löcher in deinen hübschen Körper zu brennen, und das wollen wir doch nicht, oder?"

Jack gab dem Mann einen auffordernden Stoß, hoffte, dass der wirklich nichts Dummes versuchen würde, und folgte ihm dann in das Innere der Halle hinein.

In dem Gebäude befanden sich eine Gruppe Männer, sowie viele technische Geräte in allen möglichen Größen und ein tigerähnliches Wesen, das gerade an einem Knochen nagte.

Die Männer waren zu fünft, bewaffnet, hielten ihre Waffen aber nicht in den Händen. Das Tigerwesen hob zwar den Kopf und warf Jack und seiner Geisel einen kurzen Blick zu, widmete sich dann aber wieder dem Knochen in seinen Pranken und ignorierte die Situation vollkommen.

Das war Jack nur Recht. Er deutete mit seiner Waffe auf den Kopf seines Gefangenen und verkündete dann laut: „Ich würde euch raten keine Dummheiten zu machen, wenn euch sein Leben hier lieb ist."

Die verblüfften Gesichtsausdrücke der Zeitterroristen hätten ihm unter anderen Umständen Freude bereitet, doch im Augenblick sagten sie ihm nur, dass er vermutlich die falsche Gruppe aufgespürt hatte. Von entführten Zeitreisenden gab es auf jeden Fall auf den ersten Blick keine Spur.

„Wer sind Sie und was wollen Sie?", fragte einer der Zeitterroristen schließlich nachdem er offenbar seine Sprache wiedergefunden hatte.

„Wer ich bin, ist nicht wichtig. Sagen wir einfach, ich war einmal Mitglied der Zeitagentur und weiß deswegen genau mit wem ich es in euren Fall zu tun habe", erwiderte Jack, „Und was ich möchte, ist ganz einfach: Mir sind ein paar meiner Freunde abhanden gekommen, und das einzige, was mir hinterlassen wurde, war das Zeichen von eurer … Organisation. Ich will sie zurück. So schnell wie möglich."

Die Zeitterroristen tauschten ein paar Blicke aus.

Dann meinte derjenige, der schon zuvor gesprochen hatte: „Wie Sie vermutlich wissen, ist unsere … Organisation sehr weitläufig. Wir operieren auf verschiedenen Zeitebenen mit unterschiedlichen Mitarbeitern auf unterschiedliche Weisen und mit unterschiedlicher konkreter Zielsetzung. Und wir stehen nicht alle miteinander in Kontakt. Ich kann Ihnen versicher, dass wir hier Ihre Freunde nicht entführt haben."

Nun, das war die Antwort gewesen, die er erwartet hatte. Und auch die, mit der er nichts anfangen konnte. Zeitterroristen neigten zu blumigen Reden, aber geizten mit brauchbaren Informationen.

„Hören Sie, ich werde langsam ungeduldig, und ich neige zu nervösen Zuckungen, also….", meinte Jack und deutete mit dem Kopf auf seine Geisel.

Der Sprecher der Gruppe hob beschwichtigend den Arm. „Tun Sie ihm nichts", bat er, „Er hat Ihnen nichts getan, und ihn zu töten, wird Ihre Freunde auch nicht zurückbringen."

„Wahrscheinlich nicht, aber vielleicht fühle ich mich danach besser", gab Jack zurück, „Ihr wollt mir doch nicht ernsthaft einreden, dass ihr ein derartig unorganisierter Haufen seid, dass ihr nicht einmal wisst, was eure unterschiedlichen Zellen so treiben, und keine Möglichkeit habt miteinander in Kontakt zu treten, oder? Ich finde das sehr unglaubwürdig."

„Möglicherweise….", begann der Zeitterrorist, „Möglicherweise gibt es einen Weg Ihnen zu helfen Ihre Freunde zu finden, aber wenn Sie unsere Hilfe wollen, dann müssen Sie unseren Freund freilassen."

Jack verdrehte die Augen. Hielten die ihn wirklich für dumm genug seinen einzigen Trumpf aufzugeben? „Klar. Ich tue das, und ihr setzt mich in der nächstbesten Zeitperiode, die euch einfällt, aus", spottete er, „Nein, danke."

Plötzlich hob das Tigerwesen seinen Kopf und starrte in Jacks Richtung. Und im nächsten Moment erklang eine weibliche Stimme hinter dem ehemaligen Zeitagenten: „Was ist denn hier los?"

Soviel zu Jacks Trumpf.


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