Teil 4


Jack machte nicht den Fehler sich umzudrehen, sondern hielt seiner Geisel erst einmal weiterhin die Waffe an den Kopf. Sein Plan war ziemlich danebengegangen, aber vielleicht konnte er die Situation immer noch retten. „Da wir uns nicht einigen können, bin ich bereit euren Freund gehen zu lassen, wenn ihr dafür mich gehen lasst", bot er schnell an und fragte sich, ob die Frau, die hinter ihm stand, wohl bewaffnet war oder nicht. Bisher spürte er keinen Waffenlauf, der sich in seinen Rücken bohrte, doch das hatte nicht zwangsläufig viel zu bedeuten. Es gab jede Menge Waffen, die auch auf größere Distanz hin präzise trafen und dann waren da noch all die Waffen, die keinen Lauf besaßen und trotzdem ziemlich tödlich sein konnten. Und Telepathie und Telekinese. Die gab es auch noch.

Das Tigerwesen hielt seine Augen auf die Person hinter Jack gerichtet und ließ seinen Schwanz auf und ab schlagen. „Oder", sagte die weibliche Stimme hinter ihm, „Ich reiße Ihnen Ihr Herz aus der Brust, bevor Sie dazu kommen abzudrücken, womit wir unseren Freund zurück haben und Sie los sind."

Genau mit so einer Aussage hatte Jack gerechnet. „Na gut", seufzte er und ließ seine Geisel los. Der Mann stolperte in Richtung seiner Freunde, während das Tigerwesen ihm dabei unbeeindruckt zusah. Jack seinerseits hob nun seine Hände und hielt seine Laserpistole nur noch locker in der rechten Hand. „Ihr habt gewonnen. Ich ergebe mich", verkündete er.

Schritte kündigten an, dass die Frau um ihn herum ging um ihn sich von vorne anzusehen.

„Wer ist das überhaupt und was will er hier?", wollte sie währenddessen wissen.

Der Sprecher der männlichen Zeitterroristen zuckte die Schultern. „Er sagt, er wäre ein ehemaliger Zeitagent, der auf der Suche nach seinen entführten Freunden ist", erklärte er.

Die Frau blieb vor Jack stehen, der ihr ein charmantes Lächeln schenkte. Da er einen Taktik-Wechsel für angebracht hielt, meinte er: „Hi, ich glaube, wir haben unsere Bekanntschaft auf dem falschen Fuß begonnen. Ich hoffe, wir können von vorne anfangen. Mein Name ist Jack. Und wie ist dein Namen, Schönheit?"

Die Schönheit war relativ klein gewachsen und hatte Hörner an ihrem Kopf, die aus ihrer Stirn wuchsen, sie hielt ein Gewehr in den Händen mit dem sie auf Jack zielte und wirkte nicht sehr erfreut über seinen Flirtversuch. „Was bitte wollen Sie von uns?!", verlangte sie zu etwas erstaunt klingend zu erfahren.

Ein erneuter Taktik-Wechsel erschien ihm angebracht. „Wie ich schon Ihren Kollegen erklärt habe, bin ich auf der Suche nach meinen Freunden, die von Ihrer Organisation entführt wurden", sagte er eindringlich, „Da ich nicht mehr bei der Zeitagentur bin, ist es mir ehrlich gesagt ziemlich egal, welche Art von Bombe ihr Leute hier gerade auch immer bastelt. Ich möchte nur meine Freunde zurück. Meine Suche nach ihnen hat mich hierher geführt, das ist alles. Und ich wäre natürlich für jeden Hinweis dankbar, der mir dabei helfen könnte, sie zu finden." (Der Doctor wäre wahrscheinlich alles andere als glücklich über den Teil mit der Bombe, gegen die Jack nichts getan hatte, aber nun ging es erst einmal darum hier mit heiler Haut wieder heraus zu kommen).

Ihr Kollegen, der zuvor mit Jack verhandelt hatte, quittierte dies nur mit einem erneuten Achselzucken. „Ich habe ihm schon erklärt, dass wir ihm nicht helfen können, aber er hat es mir nicht geglaubt", erklärte er.

Der überwältigte Wachmann schien sich langsam von seiner Gefangennahme zu erholen, da er anklagend auf Jack deutete und verkündete: „Wir sollten ihn einfach töten."

Alle anderen warfen ihm daraufhin einen entsetzten Blick zu, als hätte er gerade etwas überaus skandalöses von sich gegeben. „Wir töten nicht, wie du sehr genau weißt, Jimmy", belehrte ihn die kleine gehörnte Dame kühl.

Jack fand diese Behauptung angesichts der Bombe, die keiner abgestritten hatte zu bauen, der Drohung sein Herz aus seinem Körper zu entfernen, sowie seinen vergangenen Erfahrungen mit den Zeitterroristen überaus unglaubwürdig, aber er wusste es besser als sich zu diesem Thema zu Wort zu melden. Immerhin ging es hier gerade um sein Leben. „Nun, dann ist ja alles klar", meinte er, „Wenn Sie mich entschuldigen würden, ich muss los, um meine Freunde zu suchen…" Er machte Anstalten einfach davon zu gehen, auch wenn er seine Hände zur Sicherheit immer noch erhoben hielt.

„Stehen bleiben!", befahl die Frau. Jack hielt inne und wartete ab, was nun kommen würde.

„Sie haben zu viel gesehen, wir können Sie nicht einfach so gehen lassen", befand sie, „Haben wir noch Amnesie-Pillen da?"

Oh bitte, nicht schon wieder. Jack hatte keine Lust darauf, schon wieder sein Gedächtnis gelöscht zu bekommen. Allein die Drohung weckte böse Erinnerungen an die Zeitagentur in ihm. Vielleicht hatte sein ehemaliger Partner ja doch recht gehabt, und die Zeitterroristen hatten mehr mit der Zeitagentur zu tun als diese zugeben wollte.

Während die männlichen Zeitterroristen damit begannen ihre Ausrüstung nach Amnesie-Pillen zu durchsuchen, behielt die Frau Jack im Auge. „Das ist wirklich nicht nötig", meinte Jack, „Ich habe nicht vor irgendjemanden von euch und euren Plänen – die ich im Übrigen sowieso nicht kenne – zu erzählen. Lasst mich einfach gehen. Ihr werdet es nicht bereuen."

Doch die Gehörnte reagierte auf dieses Angebot gar nicht erst. „Könnte ich wenigstens meine Arme herunternehmen, während ihr sucht? Die werden langsam aber sicher wirklich schwer", bat Jack dann. Die Gehörnte warf ihm einen misstrauischen Blick zu, den er möglichst unschuldig dreinblickend beantwortete. „Na gut, aber begehen Sie keine Dummheit. Ich habe ein Auge auf Sie", meinte sie dann. Jack senkte seine Arme und steckte seine Laserpistole dann gut sichtbar für seine Wärterin in ihre Halterung zurück. Während er dies tat, berührte er zugleich ungesehen von der Dame mit dem Vortexmanipulator, der an seinem linken Handgelenkt befestigt war, vorsichtig seinen Hintern, den er ein wenig streckte. Hoffentlich hatte das gereicht. Er hatte keine Chance sich ungesehen von hier weg zu teleportieren, aber dieser Fluchtweg würde hoffentlich genauso gut funktionieren und das möglichst bevor er wieder einmal mit weiteren Gedächtnislücken zu sich kam.

„Wir haben noch welche gefunden!", verkündete einer der Zeitterroristen, „Das Ablaufdatum ist um drei Jahre überschritten, aber das ist doch kein Problem, oder?"

Jack fand, dass das sehr wohl ein Problem war, vielen Dank auch, aber da er so oder so nicht vorhatte das Zeug zu schlucken, konnte ihm das eigentlich egal sein. „Wir nehmen es", meinte die Frau und deutete Jack eine Pille, die ihm nun von dem Auffinder der abgelaufenen Pillendose hingehalten wurde, zu nehmen.

Genau in diesem Moment materialisierte sich die Tardis um Jack herum. „Prima Timing!", lobte Jack die Maschine, „Und jetzt nichts wie weg hier!" Er war sich nicht ganz sicher gewesen, ob die Tardis auf das Notsignal, das er ihr mit seinem Vortexmanipulator geschickt hatte, reagieren würde, und war mit diesem Fluchtplan in Wahrheit ein ziemliches Risiko eingegangen, doch sein Vertrauen hatte sich bezahlt gemacht; sie war gekommen und nun war sie dabei aus dem Lagerhaus zu verschwinden und sie beide an einen anderen Ort zu transportieren. „Gutes Mädchen", meinte Jack und warf einen Blick auf seinen Vortexmanipulator, „Ich denke, das war keine vollkommene Sackgasse. Ich habe eine ältere temporale Spur aufgezeichnet, die von diesem Lagerhaus ausgeht. Wenn wir der folgen, dann sollten wir zu einer anderen Zelle der Zeitterroristen gelangen. Vielleicht haben wir mit dieser mehr Glück. Ich schicke dir die Koordinaten rüber." Die Antwort der Tardis bestand in einem Flackern der Lichter.

Sie war zwar nicht sehr gesprächig, aber Jack hatte schon schlechtere Gesprächspartner kennen gelernt. Und immerhin war sie gekommen um ihn zu retten. Und er hatte das Gefühl, dass sie ihm inzwischen mehr zugetan war als zu Beginn ihrer gemeinsamen Odyssee. Natürlich konnte dieses Gefühl auch reine Einbildung sein, aber Jack zog es in diesem Fall vor optimistisch zu sein.

Nach einiger Zeit im Vortex landete die Tardis wieder. Jack studierte die Anzeigen auf seinem Manipulator. „Am richtigen Ort sind wir zumindest. Die Zeit, nun, die liegt etwas daneben, aber das ist vielleicht ganz gut so. Ich lege keinen besonderen Wert darauf, schon wieder mit Tod und Amnesie bedroht zu werden. Okay, machen wir's wie das letzte Mal. Ich gehe nachsehen, was los ist, und wenn ich dich brauche, schicke ich dir ein Signal. Einverstanden?"

Das Licht flackerte, was Jack für ein „ja" nahm. Vorsichtig verließ er das Zeitschiff und stellte fest, dass er sich wieder auf einem erdähnlichen Planeten mit orangem Bauwerk befand. Zumindest hatte sie ihn diesmal nicht mitten im Sumpf abgesetzt.

Jack steuerte auf das Gebäude zu und zog seine Waffe. Diesmal war weit und breit nichts von einer Wache zu sehen. Überhaupt schien das Gebäude verlassen zu sein, womit seine Chancen Rose und den Doctor hier zu finden ziemlich rapide gegen Null sanken. Immer wachsam und bereit sich im Notfall zu verteidigen, betrat Jack das Gebäude. Es war allem Anschein nach tatsächlich verlassen. Aber es war eindeutig einmal jemand hier gewesen und das vor gar nicht allzu langer Zeit.

Die Halle war voll von Gerätschaften, von denen die meisten nicht mehr zu funktionieren schienen, außerdem lagen Aufzeichnungen herum (was gut war, denn die würden Jack vielleicht dabei helfen den Doctor und Rose zu finden) und sogar eine Dose mit Amnesie-Pillen. Das kommt mir hier alles doch ein wenig zu vertraut vor. Soll ich wirklich glauben, dass seit neuesten alle Stützpunkte der Zeitterroristen genau gleich aussehen?

Jack sah ein Zeitparadoxon, das ihm gar nicht gefallen würde, auch sich zukommen.

Er beschloss kein unnötiges Risiko einzugehen und hier nicht länger zu bleiben als unbedingt nötig. Deswegen sammelte er alle Aufzeichnungen, die er finden konnte, ein und schleppte sie zurück zur Tardis um sie dort näher in Augenschein zu nehmen.

Diese wiederum war nicht sehr erfreut darüber, dass er einige der digitalen Daten, die er gefunden hatte, in ihren Computerkern hochladen wollte und drückte dies mit wild flackernden Lichtern aus.

„Reg dich ab, ich habe nicht vor dir einen Virus zu verpassen, ich brauche nur einen besseren Überblick über diese Blaupause von der Bombe und die ganzen damit zusammenhängenden Daten", versuchte Jack sie zu beruhigen, „Wenn diese Daten nicht sicher wären, dann würde ich dich nicht darum bitten sie dir näher anzusehen und für mich zu übersetzen. Als ich noch bei der Zeitagentur war, haben wir oft Daten der Zeitterroristen beschlagnahmt und in unsere Computer hochgeladen und dabei ist nie irgendetwas passiert. Die sind nicht so gewitzt wie man meinen möchte. Hier sind es keine Trojaner und keine Viren und auch keine Art von Spyware drauf – du hast mein Wort."

Genau genommen war diese Behauptung eine Lüge. Es hatte sehr wohl gewisse Zwischenfälle mit den beschlagnahmten Daten der Zeitterroristen gegeben, aber Jack war sich sicher, dass das diesmal nicht der Fall sein würde. Diese spezielle Untergruppierung war viel weniger fortschrittlich und organisiert als er es gewöhnt war. Immerhin hatten sie ihm abgelaufene Amnesie-Pillen einflößen wollen. Er traute ihnen eine elektronische Falle einfach nicht zu.

Die Tardis beruhigte sich wieder und ließ ihn machen. Was er fand war beunruhigend – gelinde gesagt. „Sieht so aus als würden wir unsere Suche nach dem Doctor und Rose kurz unterbrechen müssen, meine Hübsche", murmelte Jack geschockt, als er die Daten über die Bombe fertig studiert hatte, „Oder kommst du zu einem anderen Schluss als ich?"

Es flackerte erneut in der Tardis und plötzlich tauchte aus dem Nichts ein schwebendes Abbild von Rose im Union-Jack-Shirt vor ihm auf. Offenbar handelte es sich um ein Hologramm. „Diese Bombe hat das Potential dem Raum- und Zeitgefüge erheblichen Schaden zu zufügen", sagte das Hologramm mit Roses Stimme, „Die Chancen, dass die Zeitlinie im Falle einer Detonation korrumpiert wird, stehen bei 89%. Ein Einschreiten ist unbedingt erforderlich."

„Ja, das dachte ich mir schon", meinte Jack resignierend. Er hatte zwar darauf gehofft sich möglicherweise zu irren, aber es sah ganz und gar nicht danach aus. Sie mussten zurück an den Ort und die Zeit, von wo sie gerade gekommen waren, und verhindern, dass die Zeitterroristen dort ihre Bombe fertig bauten und detonierten. Wenn sie das nicht täten, dann wäre nicht nur der Doctor unglücklich mit ihnen, sondern vermutlich auch die gesamte Menschheit zum Aussterben verdammt. Und das konnten sie natürlich nicht zulassen.


A/N: Zuerst die guten Nachrichten: Ja, diese Fic lebt noch. Und sie wird auch in ein bis zwei Kapiteln fertig werden. Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass ich nicht vorhersagen kann, wann das nächste Update kommt. Da sich die Story aber ihren Ende zuneigt, hoffe, ich dass es eher früher als später soweit sein wird.

Und für die, die es interessiert, ja, ich habe auch meine TW-Fic „Heroes" nicht aufgegeben und plane nach wie vor sie upzudaten sobald sich Zeit und Inspiration dafür ergeben.

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