Teil 5


Wenn man bedachte wie schwierig und erfolglos die ganze Rettungsaktion bis jetzt abgelaufen war, dann könnte man schon schnell die Hoffnung, dass sie es ihnen gelingen würden Rose und den Doctor überhaupt jemals zu retten, aufgeben. Allerdings gab es zumindest einen eindeutig Fortschritt zu verzeichnen: Jack und die Tardis verstanden sich inzwischen eindeutig besser als zu Beginn ihrer gemeinsamen Odyssee.

Statt nur Lichtzeichen zu geben, kommunizierte die Tardis nun mittels des Rose-Hologramms mit ihm. Und das Raum-Zeitschiff war auch immer bereit seine Meinung zu gewissen Themen mit Jack zu teilen – und das ohne die Zurückhaltung, die man von einem rein biologischen Wesen erwarten würde.

„Ein Materialisieren mitten im Lager der Zeitterroristen würde mit einer Wahrscheinlichkeit von 78,9% Ihr unmittelbares Ableben wenige Sekunden nach dem Verlassen des Schiffes nach sich ziehen", erklärte das Rose-Hologramm Jack gerade emotionslos.

„Mir ist schon klar, dass dir dieser Plan nicht gefällt, aber nach dem letzten Mal werden sie auf jeden Fall aufmerksamer sein, und es wird mir nicht so einfach gelingen unbemerkt in die Lagerhalle einzudringen", erwiderte Jack darauf nur.

„Ein Materialisieren innerhalb der Lagerhalle wird von den Zeitterroristen mit einer Wahrscheinlichkeit von 65,6% erwartet werden", meinte das Rose-Hologramm ungerührt.

„Ich glaube nicht, dass sie damit rechnen, dass wir zurückkommen. Und außerdem bleibt uns keine Wahl, wenn wir verhindern wollen, dass sie diese Bombe fertig bauen und hochgehen lassen, dann müssen wir bereit sein ein gewisses Risiko einzugehen", widersprach Jack, „Ich weiß, du machst dir Sorgen um den Doctor und Rose – so wie ich ja auch – aber wo bleibt dein Sinn für Abenteuer? Immer nur auf Nummer Sicher zu gehen hat noch niemanden dabei geholfen Erfolg zu haben."

Das Rose-Hologramm flackerte kurz auf und Jack nahm an, dass er die Tardis mit dieser Bemerkung verärgert hatte. Fast erwartete er, dass sie ihm nun aufzählen würde, welche geschichtlichen Persönlichkeiten Erfolg in ihrem Leben gehabt hatte gerade weil sie immer auf Nummer Sicher gegangen waren, doch stattdessen meinte das Hologramm dann: „Ein Materialisieren auf dem Dach der Lagerhalle erhöht Ihre Überlebenschancen um 5%."

Das war zumindest schon etwas. Offenbar war die Tardis bereit einen Kompromiss einzugehen. Jack dachte über diesen Vorschlag nach. Wenn er schnell wäre, dann hätte dieser Plan sogar eine gewisse Aussicht auf Erfolg. Immer vorausgesetzt das Dach des Lagerhauses war nicht auf irgendeine Art und Weise gesichert. Er sah sich noch einmal alle Daten, die sie über die Basis der Zeitterroristen gesammelt hatten, an. Es wirkte nicht so, als würde das Lagerhaus von irgendeiner Art Kraftfeld oder dergleichen geschützt werden. Wenn er sich isolierende Kleidung anzog, dann sollte er auch einen Versuch der Terroristen das Dach zu schützen indem sie Strom darüber leiteten überleben. (Tatsächlich war es einmal einer Gruppe Zeitterroristen gelungen mit dieser Strategie einen übereifrigen Zeitagenten zu töten).

„Okay, dann machen wir es so. Du landest am Dach, und ich gehe von Oben rein und überwältige die Terroristen", meinte Jack, „Gibt es Fortschritte mit dem Laden des Zeittechnologie-EMP-Generators?"

Er warf selbst einen prüfenden Blick auf seinen Vortexmanipulator, bevor ihm die Tardis den derzeitigen Ladestatus des EMP-Generators mitteilte. Der Doctor würde darüber vermutlich nicht erfreut sein, aber Jack hatte in dem Raum der Tardis, den er für sich „Gerümpel-Raum" nannte, nach verwendbarer Technologie gesucht und schließlich ein Gerät gefunden, das er als EMP-Generator zweckentfremden konnte. Da die Technologie der Terroristen nicht nur auf Basis der üblichen Energiequellen, sondern auch auf der von Zeit arbeitete, würde ein gewöhnlicher EMP nicht ausreichen um diese lahm zu legen, deswegen hatte Jack seinen zusammengeschusterten Generator so umbauen müssen, dass er auch das Generieren von Zeitfeldern für längere Zeit unmöglich machen würde. Diese Modifikation wiederum barg ein gewisses Gefahrenpotential für die Tardis selbst in sich, da der EMP, wenn er sie erwischen würde, auch ihre Zeitreisefunktion lahmlegen würde. Deswegen hatte sie, wie es zu erwarten gewesen war, laute Einwände gegen Jacks Plan diese Strategie überhaupt erst benutzen zu wollen vorgebracht. Letztlich hatten sie sich darauf geeinigt, dass die Tardis Jack absetzen würde, dann in den Zeitvortex zurückkehren würde, und Jack erst danach den EMP aussenden würde. Dann musste die Tardis allerdings von selbst wieder auftauchen, da Jack nicht riskieren konnte seinen Vortexmanipulator auf diese Mission mitzunehmen, wenn er nicht in Kauf nehmen wollte, dass dieser vom EMP ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden würde. So oder so wäre Jack nicht in der Lage der Tardis ein Signal zu senden, was der Grund war, warum sie von selbst zurückkehren musste.

Bisher hatten sie sich noch auf kein Zeitfenster für ihre Rückkehr geeinigt, aber Jack nahm an, dass es für sie nach spätestens fünfzehn Minuten sicher sein sollte zurückzukehren. Der EMP-Generator würde nur zu einer Entladung fähig sein, und es war unwahrscheinlich, dass die Terroristen das Risiko eingingen eine ähnliche Maschine in der Nähe ihres empfindlichen Equipments aufzubewahren. All das sollte eigentlich als Sicherheitsvorkehrung ausreichen.

„Nun, dann los", meinte Jack einige Minuten später, nachdem er die letzten Vorbereitungen abgeschlossen hatte. Er schulterte den EMP-Generator und überprüfte noch einmal seine Waffen. Neben seiner Laserpistole hatte er diesmal auch einen guten alten Revolver mitgenommen – um sich nach dem Impuls noch weiterhin verteidigen zu können. Trotz all dem fühlte er sich ohne seinen Vortexmanipulator nackt und unvollständig. „Lass mich ja nicht im Stich, meine Süße, ich verlass mich auf dich", murmelte er noch, bevor er die Türen der Tardis zum Abschied noch einmal tätschelte und dann ausstieg.

Er fand sich wie ausgemacht am Dach der Halle wieder und sah zu wie sich die Tardis vor seinen Augen in Luft auflöste. Soweit so gut. Jack atmete tief durch und kletterte dann so leise er konnte am Hallendach entlang, während er sich nach einer Dachluke oder etwas ähnlichem umsah. Leider fand er nichts, das ihm den leichten Einstieg in die Haller ermöglichen würde.

Dann eben mit Gewalt. Jack aktivierte den Countdown des EMP-Generators, schoss dann ein Loch in das Dach und warf den Generator in das Gebäude. Hoffentlich habe ich das Teil jetzt nicht gerade jemand auf den Schädeln fallen lassen. Das würde dem Doctor gar nicht gefallen. Jack hörte erschrockene Rufe und wenig später war es vorbei.

Er zog seinen Revolver und sprang durch das Loch in die Halle. Um ihn herum rauchte und qualmte die Elektronik. Es gab sogar ein kleines Feuer, das gerade von einem der Terroristen mit einem ziemlich alt aussehenden Handfeuerlöscher gelöscht wurde. „Keine Bewegung, ihr seid umstellt!", verkündete Jack und fuchtelte mit seinem Revolver herum.

„Von wegen!", rief der Mann, der das letzte Mal Wache gestanden hatte, und wollte auf Jack schießen. Allerdings ohne großen Erfolg, da seine Waffe nicht auslöste. „Verdammt!", empörte er sich.

Jack grinste. „Sorry, Darling, deine Waffe ist zu modern. Im Gegensatz zu meinem edlen Teil hier. Ergebt euch!", meinte er.

„Der schon wieder!", stöhnte die Stimme der gehörnten Frau, „Was will er schon wieder hier?!"

„Raum und Zeit retten. Vor euch um genau zu sein. Eure tolle Bombe hätte nicht-wiedergutzumachenden Schaden im Raum- und Zeitgefüge verursacht, und euch alle dabei auch noch getötet, aber das nur so nebenbei. Also: Gern geschehen. Es war mir ein Vergnügen euch zu retten", erklärte Jack, „Und jetzt lasst die Pläne rüberwachsen. Und zwar alle. Ansonsten bin ich gezwungen einem von euch eine Kugel in den Kopf zu jagen, und das möchte ich eigentlich nicht."

„Tut, was er sagt. Er kann hier sowieso genauso wenig weg wie wir", meinte die gehörnte Anführerin, „Nicht nach dem Zeit-EMP."

Fluchend und Grummelnd wurden ihm analoge wie digitale Pläne von den Zeitterroristen zusammengesucht und vor die Füße geworfen. „Gut so", meinte Jack und begann damit in den Haufen zu schießen, der vor ihm lag.

„Dir ist schon klar, dass wir eine neue planen und bauen können, oder? Du hast gar nichts mit dieser Aktion erreicht!", meinte der Mann, mit dem Jack das letzte Mal verhandelt hat.

„Oh doch, das habe ich", widersprach Jack, „Ich habe eure gesamte Ausrüstung zerstört, das bedeutet ihr müsst wieder ganz von vorne beginnen. Und das kostet euch Zeit. Zeit, in der die Zeitagentur hier auftauchen und euch verhaften kann. Was sie tun wird, da ich ihr einen anonymen Tipp zukommen habe lassen, bevor ich hier aufgetaucht bin. Ich habe zwar so meine Probleme mit dieser Organisation, aber sie besitzt durchaus einen gewissen Nutzen. Natürlich könntet ihr versuchen zu fliehen. Ich werde euch nicht aufhalten, da ihr so oder so nicht weit kommen werdet, nicht nach dem Zeit-EMP."

Die gehörnte Frau baute sich wütend vor ihm auf. „Du denkst also, du hast an alles gedacht, ja?", wollte sie bedrohlich wissen. „Allerdings", erwiderte Jack und zielte zur Sicherheit mit seinem Revolver auf sie um sie auf Abstand zu halten. Er hatte nicht vergessen, dass sie ihm damit gedroht hatte sein Herz aus seiner Brust zu reißen, und wollte ihr keine Chance dazu geben diese Drohung nun doch noch wahr zu machen.

„Auch an deine eigene Flucht, wie?"

„Das könnte man so sagen, ja", gab Jack ihr recht, da er in diesem Moment ein ihm bekanntes Geräusch hörte, das darauf hin wies, dass die Tardis gerade eintraf.

„Er hat das Ding mit einer Zeitschaltung programmiert, verdammt!", schimpfte der nachtragende Wachmann, „Schnell tötet ihn und lasst ihn nicht rein!"

„Mit welchen Waffen, bitte schön?", maulte einer seiner Kollegen.

„Bleibt schön auf Abstand!", wies Jack die Gruppe an und ging dann rückwärts auf die Tardis zu und hoffte, dass diese von selbst die Türen für ihn öffnen würde, da sein eleganter Abgang ansonsten alles andere als elegant enden würde. Doch das Raum-Zeitschiff ließ ihn nicht im Stich und die Türen der Polizei-Notruf-Zelle öffneten sich für ihn und er trat immer noch rückwärtsgehend ein. „Au revoir, meine Hübsche, ich glaube, ich höre die Zeitagenten kommen", meinte Jack noch zum Abschied und schloss die Türen dann.

„Und jetzt nichts wie weg von hier, bevor uns noch jemand von der Zeitagentur sieht", meinte er zur Tardis.


„Es gibt einen möglichen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Doctors und Rose", erklärte ihm das Rose-Hologramm einige Zeit später.

Nachdem der Zeit-EMP sämtliche ältere Zeitsignaturen, die von der Lagerhalle wegführten, unbrauchbar gemacht hatte, blieben ihnen nur noch die Aufzeichnungen, die Jack aus der Lagerhauskopie aus der nun terminierten Zeitlinie nach der Explosion mitgenommen hatte, um Hinweise zu finden. Jack und die Tardis hatten sich beide sämtliche Daten angesehen, ob sie nun mit der Bombe zu tun hatten oder nicht, und bisher hatten sie nichts gefunden, mit dem sie etwas hätten anfangen können, was sich nun offenbar ändern würde.

„Lass hören."

Die Tardis projizierte für ihn die Abbildung von einigen Kaufbelegen in die Luft. Jack runzelte die Stirn. „Mhm, du könntest recht haben. Diese Zeitperiode wird gerne von Zeitterroristen frequentiert, wir könnten es hier mit einem Hinweis auf eine andere Zelle zu tun haben. Eine, die ihren Kameraden ziemlich viel für Schrottteile, die das Raum- und Zeitkontinuum vernichten könnten, abknöpft, wenn ich das mal anmerken darf. Also ich an deren Stelle hätte ihr Kollegen einfach verraten, aber bitte", überlegte er laut, „Nun, es kann nichts schaden sich das anzusehen."

Die Tardis hatte sich aber bereits auf den Weg dorthin gemacht. So wirklich hört sie nicht auf mich, aber immerhin lässt sie mich meine Meinung sagen. Ich komme jetzt schon besser mit ihr zu Recht als mit dem Doctor, stellte Jack nur halb-belustigt fest.

Wenig später kamen sie an. Die Sensoren der Tardis stellten fest, dass die Luft nicht atembar war. „Na toll, auch das noch", maulte Jack und suchte sich einen Sauerstoffspender, „Wo sind wir überhaupt?"

„Versmogtes London, 2132", erklärte das Rose-Hologramm.

„Tja, wenn das mal nicht eine meiner Lieblingszeitperioden ist", kommentierte Jack diese Information ohne allzu große Ironie – er hatte hier schon mal den einen oder anderen Zeitagenten umsonst nach einem Red Hering suchen lassen, nur um die Agentur zu ärgern. Aber meistens von seinem Chula-Kriegsschiff aus – also ohne Gefahr zu laufen am Smog zu ersticken.

„Nun, ich schätze, es ist Zeit für eine andere Art von Vulkan-Tag", seufzte er dann.


A/N: Das nächste Kapitel ist dann aber wirklich das letzte (denke ich zumindest).

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