- 38 Jahre später -
Fluchend verließ der junge Dunkelelf das „Haus" in dem er, sein Bruder, Anidia und zu guter letzt ihr Cousin Anirion wohnten.
Wieso wurde gerade er ausgewählt? Konnte das nicht Calaghar erledigen?
Er war ja schon in Menzoberranzan gewesen, war dort groß geworden. Aber nein, sie mussten ihn wählen.
Nun gut er war der einzige andere Dunkelelf der in den Diensten Corellon Larethians stand, doch er hatte keinerlei Umgang mit anderen Dunkelelfen, abgesehen von seinem Bruder.
Er konnte ihre Sprache, sogar die Zeichensprache, aber nachdem was er immer von den Drow gehört hatte, wollte er nicht tausende Fuß unter die Erde und das nur für ein paar Informationen. Sharrak ignorierte den wütenden Ruf seines Bruders, der ihm befahl wieder zurück zu kommen. Stattdessen wurde er nur noch schneller. Er ignorierte auch die Blicke der anderen Elfen die ihm folgten.
Erst einmal wollte er hier weg, brauchte Ruhe.
Er musste sich das durch den Kopf gehen lassen.
Die kleine Siedlung, in der sie lebten, ließ er hinter sich, er ging tiefer in den Mondwald zu seinem Lieblinsplatz. Einen kleinen abgeschotteten See. Hier hatte er bis jetzt immer Ruhe gefunden.
Seufzend ließ er sich auf ein mit Moos bewachsenes Fleckchen fallen. Sein Blick wanderte über die schimmernde, sich leicht kräuselnde, türkise Oberfläche des Sees. Über die Baume die sich darum herum leicht im Wind wiegten.
Seine Gedanken wollten einfach keine Ruhe geben. Der junge Elf konnte sich nicht vorstellen diese ganze Natur gegen Stein einzutauschen und das für eine unbestimmte Zeit.
Die Anderen sahen es als Prüfung für seine Loyalität gegenüber dem Höchsten der Seldarine, er jedoch als Qual. Er kannte das Unterreich nicht und wollte es auch nicht kennen lernen. Ihm gefiel es hier sehr gut. Doch tief in seinem Inneren wollte er schon wissen wie es dort unten zuging. „Wie wäre es wenn man nicht mehr auffallen würde?", fragte er sich leise. Hier war er, neben seinem Bruder, der einzige andere Dunkelelf und dem entsprechend ziemlich bekannt. Er ließ sich nun nach hinten fallen und sah nach oben in den wolkenlosen Himmel. Nicht einmal eine Wahl wurde ihm gelassen. Sharrak krallte eine Hand in das Moos und riss es aus. Es war ein Befehl gewesen, dem er zu gehorchen hatte. Was er wollte, spielte wie so oft keine Rolle.
Hatte sein Bruder denn kein Verständnis dafür?
Wie hatte er sich das eigentlich vorgestellt? Wie sollte er unbemerkt da hinunter kommen?
Nach dem was er wusste wurde alles ziemlich gut bewacht…
Calaghar schüttelte den Kopf und schloss das Fenster hinter sich, was er geöffnet hatte um seinen Bruder zurück zu rufen.
Wie konnte er sich nur noch so unreif verhalten. Mit seinen 39 Jahren galt er nach dunkelelfischen Maßstäben schon längst als erwachsen.
Nicht so wie bei den anderen Elfenrassen die erst später, sehr viel später erwachsen wurden.
Er seufzte leise, wusste er doch woran das lag ….
Die Erziehung war hier längst nicht so straff wie er es kannte.
Im Unterreich tat man gut dran so schnell wie möglich erwachsen zu werden, doch hier wurde alles viel lockerer angegangen.
Vielleicht hätte er in der Erziehung doch härter vorgehen sollen.
Stumm schüttelte er den Kopf.
Nein, dann wäre es ihm hier oben auch nicht besser ergangen als im Unterreich und das wollte er doch. Er hatte es sich mehr oder weniger geschworen und seinem Bruder erging es besser!
Calaghar fand die Aufgabe die Sharrak übertragen wurde nicht sehr schön, doch davor zu flüchten war auch keine Lösung und sein Bruder war nun mal der Einzige der dazu in Frage kam. Er selbst fiel weg, bei ihm war die Gefahr größer erkannt zu werden …
Es ließen sich schon Mittel und Wege finden, ihn bei den Drow einzuschleusen.
In letzter Zeit nahmen die Drowüberfälle ab und Sharrak sollte herausfinden was da unten los war. Und er war nun mal derjenige der als absolut einziger in Frage kam.
Soweit er wusste waren sie beide die einzigen Dunkelelfen die Corellon dienten, was irgendwie logisch war. Wer von den Drow kam schon auf diesen Gedanken…. Er wäre auch nie von selbst darauf gekommen.
Seufzend ließ sich der Weißhaarige auf einen Stuhl sinken und vergrub sein Gesicht in den Händen.
So eine zur Schau Stellung von Ratlosigkeit hätte er früher nie zugelassen, besonders nicht in der Gesellschaft anderer Personen.
In dem Fall war es nur eine, diese näherte sich ihm langsam von hinten und schlang ihre Arme um den Hals des Dunkelelfen.
Er spürte die angenehme Wärme hinter sich, griff mit seiner Hand nach einer der Hände dieser Person und drückte sie leicht, bevor er noch einmal seufzte.
„Du machst dir zu viele Gedanken.", hauchte eine sanfte Stimme, nahe seinem Ohr.
Langsam drehte er sich um und sah in das ihm bekannte und doch immer wieder aufs neue faszinierende Gesicht.
„Er wird sich der Aufgabe stellen. Das hat er bis jetzt immer getan, ob diese ihm nun gepasst hat oder nicht.", erklang wieder diese melodische Stimme.
Sachte fuhren zarte Finger durch seine hüftlangen Haare, spielten damit, wie sie es öfters taten.
Wieder bahnte sich ein Seufzen aus seiner Kehle.
„Du hast schon recht, doch mir ist bei der ganzen Angelegenheit nicht wohl.", sagte er und schloss seine Augen.
Die Finger suchten sich einen Weg zu seinem Gesicht und die Hand die er festhielt entzog sich ihm.
Er spürte wie die geliebte Person um ihn herum kam und nun vor ihm war.
Diese berührte immer noch sein Gesicht und fuhr sachte die Konturen nach, bis die Finger an seinen Lippen hängen blieben.
Mit immer noch geschlossenen Augen ließ er sich die Berührungen gefallen und lächelte sachte.
„Lass ihm bis heute Abend Zeit, dann wird er sich beruhigt haben. Geliebter…", die Worte wurden immer leiser, dabei kamen sie aber aus immer weniger Entfernung.
Calaghar öffnete nun die Augen um in die Braunen seiner Geliebten zu sehen.
Er lächelte sachte und zog sie noch näher zu sich um ihre Lippen mit den seinen zu versiegeln.
Was würde er nur ohne sie tun, vermutlich wären er und Sharrak nicht einmal mehr am leben ….
Schritt für Schritt kam er dem Schein der Flammen näher.
Es wurde auch immer heller, was seinen Augen schon zu schaffen machte.
Er unternahm keinen einzigen Versuch leise zu sein. Eher das Gegenteil war der Fall.
Man sollte wissen, dass er da war, dass er auf die Elfen zukam, denn andere Wesen erwartete er nicht und das leise Flötenspiel was zu hören war, bestätigte dies nur.
Je näher er kam desto unruhiger wurde er.
Als das Flötenspiel plötzlich verstummte wusste er, dass er bemerkt worden war.
Er fackelte nicht lange und mit einem festen Schritt trat er aus dem Unterholz, auf die hell erleuchtete Lichtung.
Die Augen kniff er kurz zusammen, da das Licht schmerzte, öffnete sie aber sogleich wieder um sich nichts entgehen zu lassen, egal ob er nun bunte Pünktchen sah oder nicht.
Er wurde von vielen verschiedenen Augenpaaren erschrocken, zugleich aber auch misstrauisch und unverhohlen feindlich betrachtet.
Kaum einen Atemzug später sah er sich von Klingen umringt, während ein anderer Elf, ein blauhaariger Mondelf, die Umgebung absuchte.
Still blieb er stehen um nicht ausversehen mit einer der Klingen im Bauch zu enden.
Es vergingen Augenblicke in denen man offensichtlich auf die Rückkehr des Spähers wartete. Es bildete sich ein Traube Neugieriger um den Dunkelelfen und immer mehr Bewaffnete erschienen, da eine Alarmglocke zu hören war.
Calaghar, versuchte ruhig zu bleiben und drückte das Bündel etwas mehr an sich.
Das Einzige was er tat war sich zu beruhigen, ein: „Ich komme in friedlicher Absicht.", wäre mehr als unangebracht gewesen.
Er spürte deutlich die Aufregung die durch seine Adern wanderte.
Nach unendlich scheinenden Minuten kam der Späher, sichtlich ruhiger als zuvor, zurück und sagte etwas in einer ihm unbekannten Sprache.
Der Dunkelelf konnte deutlich spüren, wie etwas von der Anspannung der ihn umringenden sechs Elfen abfiel.
Diese musterten ihn nun genauer von oben bis unten.
Einer der sechs steckte sein Schwert ein und sagte etwas, zu Calaghar gerichtet.
Dieser hob nur leicht die Schultern und sagte in der Handelssprache: „Ich verstehe euch nicht."
Der Mondelf nickte leicht und wechselte auch in diese Sprache, die wohl fast jeder beherrschte.
„Was macht ein dreckiger Drow allein an der Oberfläche?", die Augen des schwarzhaarigen Elfen verengten sich.
„Ich folgte dem Ruf meines Gottes, bezeichnet mich nicht als Drow!", er spuckte das letzte Wort förmlich aus. „Ich bin ein Dunkelelf! Und allein bin ich auch nicht.", antwortete er wahrheitsgemäß und löste mit einer Handbewegung das Tuch was seinen Bruder bisher auf seinem Bauch gehalten hatte.
Dies löste bei den fünf anderen Elfen ein Zusammenzucken aus und einer schnitt ihm drohend in die Hand, die er bewegt hatte, er verkniff sich einen überraschten Schmerzenslaut und hielt lieber still.
„Beweg dich nicht, Abschaum!", zischte einer der anderen Elfen.
Calaghar spürte deutlich wie warmes Blut seine Hand hinab rann, in dem Ärmel seines Gewands lief und dort in dem Stoff versickerte.
Der anscheinende Anführer der Gruppe hob die Hand und gab somit dem Späher ein Zeichen. Dieser kam darauf hin zu dem Weißhaarigen und nahm ihm das Langschwert und den magischen Beutel ab, warf die Gegenstände einem anderen Elfen zu und wandte sich zu dem Bündel was Calaghar nun in den Händen hatte, dabei hielt der Mondelf inne und sagte wieder etwas in der fremden Sprache.
Man konnte deutlich sehen, dass ein Baby darin gewickelt war, was den Mondelfen nur neugierig musterte und mit einer Hand nach den langen blauen Haaren des fremden Elfen griff, der sich über das Bündel gebeugt hatte.
„Nehmt es ihm weg.", sagte der Anführer und der Späher gehorchte.
Der Weißhaarige tat nichts dagegen, hätte es die jetzige Situation sicher nur noch verschlimmert.
Der Kundschafter nahm ihm das zappelnde Bündel ab und gab es dem Anführer.
Dieser nahm es entgegen und musterte das Elfenkind.
„Wer ist dein Gott?", fragte er und wandte den Blick von dem Baby ab und richtete ihn wieder auf den Dunkelelfen.
„Corellon Larethian.", kurz zeichnete sich Verblüffung auf den Zügen des Oberflächenbewohners ab und leises Murmeln erwachte um ihn herum.
Der älter wirkende, schwarzhaarige Mondelf sah sich kurz suchend um bevor er sich wieder an den Späher wandte und sagte: „Hol Anidia.", der Angesprochene nickte und eilte davon.
Calaghar sah dem Spektakel schweigend zu.
Der Oberflächenelf drückte Sharrak in die Arme einer herumstehenden, blondhaarigen Elfe und sagte etwas in dieser unbekannten Sprache.
Sie verschwand mit dem Kleinen.
„Was habt ihr mit meinem Bruder vor?", fragte der Weißhaarige, man konnte Besorgnis aus seiner Stimme hören.
„Nichts … wir schlachten keine wehrlosen Kinder ab.", giftete der Dunkelhaarige.
Weiter sagte er nichts, er wartete anscheinend auf diese Anidia.
Calaghar verzog sein Gesicht und ballte eine Hand zur Faust. Nie hatte er ein Kind getötet! Er ließ seiner Wut auf seine eigene Rasse jedoch keinen freien Lauf.
Der Rotäugige wurde nur weiterhin feindlich, aber jetzt auch mit Interesse gemustert und einer der ihn umzingelnden Elfen fügte ihm einen weiteren Schnitt zu als er sich kurz bewegte, da das Blut langsam unangenehm wurde.
Er lies sich nichts anmerken, zuckte nicht einmal mit der Wimper, als weiteres Blut seinen Körper hinab lief.
Der Weißhaarige sah in die Richtung aus der man hastige Schritte vernahm.
Etwas später erschien wieder der Kundschafter im Lichtkegel, gefolgt von zwei ungewöhnlichen Erscheinungen.
Auch der Blick des Anführers ging in diese Richtung.
„Anidia, ist er das?", fragte er und beobachtete die auffallende Elfe die sich Calaghar näherte.
Die anmutige Gestalt mit langen, wallenden, türkisen Haaren kam immer weiter auf ihn zu und gab den fünf Elfen ein kurzes Zeichen, diese traten, zögernd, einen Schritt zurück
„Steckt die Waffen weg.", sagte sie eher leise, doch deutlich hörbar.
Die Elfen musterten ihn misstrauisch und wandten sich wieder zu der Elfe.
Sie war eindeutig Eine, das bewiesen ihre Gestalt und die spitzen Ohren, die man durch ihre leicht gewellten Haare ausmachen konnte.
„Seid ihr sicher?", fragt der Eine.
Man konnte deutlich hören, dass er dem Dunkelelfen kein Stück über den Weg traute, was nur zu verständlich war.
Anidia nickte selbstbewusst und lächelte sachte.
Calaghar musterte die ungewöhnliche Erscheinung. Er hatte noch nie eine Frau lächeln sehen, so ganz ohne Machtglanz und einem verräterischen Funkeln in den Augen, es wirkte frei und ungezwungen. Sie wirkte allgemein atemberaubend auf ihn, was nicht nur an dem schönen, hellblauen Kleid, aus Seide lag, was ihre olivfarbene Haut und ihre auffallende Haarfarbe nur hervorhob und den perfekten Körper betonte. Auch ihren halbwüchsigen, männlichen Begleiter, der kaum weniger exotisch aussah, musterte er. Exotisch war das richtige Wort. Solchen Elfen war er bisher noch nie begegnet. Sein Hauptaugenmerk lag aber auf dieser Anidia.
Sein Blick blieb an den glitzernden, braunen Augen hängen, die in einem wunderschönen Gesicht lagen.
Auch sie musterte ihn, aber vor allem studierte sie sein verblüfftes Gesicht.
Dabei kam sie näher zu ihm, da die Wachen nun auch ihre Waffen weggesteckt hatten, jedoch die Hände auf den Griffen liegen ließen.
Er konnte sich einfach nicht rühren. Vollkommen gebannt von dem Anblick.
Anidia strich ihm eine der weißen Strähnen aus dem Gesicht bevor sie sachte nickte, sich zu dem Anführer drehte und laut sagte: „Ja! Das ist der Dunkelelf aus meinem Traum. Calaghar Auvryndar."
Eben genannter zuckte kurz zusammen, konnte es nicht unterdrücken, als sie seinen Namen erwähnte. Er hatte ihn doch gar nicht genannt. Irgendwie kam ihm die emotionslose Maske abhanden. Die Situation war einfach vollkommen ungewohnt.
Der Schwarzhaarige nickte daraufhin nachdenklich und seufzte leise.
„Ich glaube dir…", sagte der Mondelf nach einigem Überlegen zaghaft.
„Calaghar…", sagte er und automatisch richtete sich der Blick des Dunkelelfen auf den Anderen, suchte sich aber immer wieder einen Weg zurück zu der außergewöhnlichen Elfe, die er immer wieder unverhohlen betrachtete.
„Sie ist eine Frau.", rief er sich ins Gedächtnis und senkte den Blick.
„Gut, es scheint so als wäre dies wirklich dein Name…", wieder seufzte der Mondelf, dann musterte er den Weißhaarigen eingehend, aus gefährlich blitzenden Augen.
„Wir werden dich beobachten. Mindestens zwei meiner besten Krieger werden dich ständig begleiten, vorerst. Wenn du einmal auch nur etwas Falsches sagst kannst du dir sicher sein, dass es Konsequenzen nach sich ziehen wird…, Celorfin, Rarendin, es wird eure Aufgabe sein ihn zu bewachen."
Die beiden Angesprochenen lösten sich aus der Menge und traten neben den Dunkelelfen der alles nur still beobachtete.
Die Elfe drehte sich wieder zu Calaghar und lächelte sachte.
„Corellon offenbarte mir das du kommen würdest …. Es wird eine Weile dauern, bis sie sich an dich gewöhnt haben…. Wo ist der andere Dunkelelf der dich begleiten sollte."
Der Weißhaarige sah sie nur kurz verwirrt an, bevor er wieder den Blick senkte.
Das sollte es gewesen sein … Irgendwie hatte er sich das schwieriger vorgestellt, sehr viel schwieriger…
War es an der Oberfläche so viel einfacher?
„Eine blondhaarige Elfe ist mit Sharrak verschwunden.", nuschelte er leise immer noch fasziniert von ihrem Anblick und verwirrt von seinen Gedanken.
„Man wird uns doch nichts tun?", fragte er misstrauisch und gleichzeitig unterwürfig. Immerhin sprach er mit einer Frau. Er wusste zwar, dass es hier oben anderes war aber so einfach ließen sich jahrelang eingeprügelte Unterwürfigkeit und Demut nicht abschalten.
Und falls sie seinem Bruder und ihm doch etwas antaten… er war keineswegs wehrlos.
Immerhin war er bis vor wenigen Stunden noch Hausmagier gewesen.
„Nein ihr Beiden steht unter meinem Schutz, solange ihr euch nichts zu Schulden lassen kommt."
Sie lächelte bei den Worten. Freundlich, ja das war es was er nicht kannte und nie wirklich gesehen hatte. Sie winkte kurz zu dem Halbwüchsigen der sofort näher trat.
„Anirion suche den kleinen Dunkelelfen und bring ihn zu unserer Wohnstätte.", sagte sie zu ihm und lächelte dem, ebenso merkwürdigen, Elfen kurz zu.
Anirion wirkte verunsichert und stich sich ein paar Strähnen seines königsblauen Haares aus dem ebenso olivfarbenem Gesicht, aus dem hellgrüne Augen hervorblitzten.
Er nickte und ging davon, musterte den Dunkelelfen aber noch einmal schüchtern.
„Was seid ihr?", fragte Calaghar von Neugier gepackt, sah der Elfe aber nicht ins Gesicht sondern hielt seinen Kopf gesengt. Solche Wesen hatte er noch nie gesehen, obwohl sie eindeutig elfisch waren.
Anidia lachte leise.
„Das könnte ich dich auch fragen, wenn deine Rasse nicht so gefürchtet wäre… Mein Cousin und ich sind Waldelfen.", sie nahm seine Hand und zog ihn sachte mit sich.
„Komm ich zeig dir wo du die nächste Zeit wohnen wirst Dunkelalb."
Rarendin und Celorfin folgten ihm wie Schatten.
Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht als er daran zurück dachte.
Sie war damals schon einnehmend gewesen.
Er hatte nie etwas Schöneres gesehen, als sie, und er war froh, dass er bei ihr bleiben durfte.
Inzwischen war einige Zeit vergangen und man hatte ihm und seinem Bruder Vertrauen geschenkt, zumal sie beide oft genug Corellon die Treue bewiesen hatten.
Aber nun sollte Sharraks Loyalität hart auf die Probe gestellt werden.
Vorsichtig zog er die Waldelfe näher zu sich und seufzte wieder leise.
„Ich habe Angst um ihn. Was wenn es ihm dort unten gefällt?"
Braune Augen musterten ihn erschrocken.
„Nein das wird es ihm nicht. Wie kommst du nur auf diesen Gedanken?"
„Veranlagung?", nuschelte er und zuckte mit den Schultern.
„Ach was! Er ist hier aufgewachsen, das hat ihn verändert. Sharrak ist nicht so wie die Drow!", sagte sie überzeugt.
Calaghar nickte. Da hatte seine Schöne Recht, aber bei einem Dunkelelfen wusste man nie so recht woran man war.
Er schalt sich selbst für seine negativen Gedanken.
Sein Bruder war erwachsen. Er selbst übernahm fast die Rolle eines Vaters, wie konnte er da nur so an Sharrak zweifeln.
Er war stark und würde die ihm gestellte Aufgabe sicherlich bewältigen und zurückkehren.
„Du hast recht Liebste, er wird es schaffen.", sagte er und lächelte.
Anidia lächelte ebenfalls und zog ihn näher zu sich um ihn wieder zu küssen.
Calaghar bekam gar nicht genug von ihr.
Welch glückliche Fügung, dass ihre Herzen zueinander gefunden hatten.
Langsam strich er mit einer Hand ihren Rücken hinab und fuhr unter ihr Oberteil, um über die weiche, warme Haut zu streicheln.
Sie löste sich von ihm und lachte glockenhell.
„Willst du etwa schon wieder?", fragte sie neckisch.
„Hm... wenn du so direkt danach fragst….", erwiderte er bevor er sie wieder küsste.
Durch ein Räuspern wurden die Beiden unterbrochen.
Beide hoben den Blick und sahen zu Anirion der, schüchtern und leicht errötet, durch die halb geöffnete Tür zu ihnen sah.
„Was ist los Anirion?", fragte seine Geliebte und der blauhaarige Elf lächelte zaghaft.
„Wo ist Sharrak? Ich wollte mit ihm über seine Aufgabe reden, vielleicht kann ich etwas bewirken.", antwortete er und trat in den Raum.
Calaghar seufzte leise: „Er wird wohl an dem kleinen See sein. Da ist er immer wenn er Ruhe haben will."
Der Dunkelelf konnte sich nicht helfen. Anidias Cousin war sogar ein paar Jahre älter als er selbst und zeigte nur selten Selbstbewusstsein. So lange er ihn kannte, war Anirion schüchtern, still und zurückhaltend gewesen. Dabei war er vor kurzem als erwachsen erklärt worden, was für den Weißhaarigen sehr ungewohnt war. Immerhin war der Blauhaarige schon vierundneunzig, sechs Jahre älter als er. [1] Anirion lächelte leicht und nickte, bevor er die Tür hinter sich wieder schloss und zu Sharrak ging.
Calaghar lächelte.
„Ob es jemals besser mit ihm wird?", fragte er sie.
Die Waldelfe lächelte ebenfalls sachte.
„Wir werden sehen, vielleicht hilft ihm etwas auf die Sprünge.", sagte sie kryptisch und küsste ihn abermals…
Sharrak lag immer noch an dem kleinen See und versuchte seine Wut unter Kontrolle zu bekommen.
Er wollte einfach nicht da hinunter, auch wenn er wusste, dass sicherlich kein Weg darum herum führte.
Der junge Elf wusste selber, dass es notwendig war, auch um den andauernden Überfällen ein Ende zu bereiten.
Er richtete sich wieder auf und betrachtete noch einmal die einladende Oberfläche des Sees.
Der Weißhaarige beschloss eine Runde schwimmen zu gehen, vielleicht half ihm das einen klaren Kopf zu bekommen.
Schnell streifte er die leichte Kleidung ab die er trug und ging nackt in das angenehm kühle Wasser.
Es war wohltuend in der spätsommerlichen Hitze.
Als er bis zu den Oberschenkeln im Wasser war sprang er mit einem Satz in das Gewässer, was er mehr als gut genug kannte, sonst würde er dies nie wagen.
Das kühle Nass beruhigte sein Gemüt ungemein.
Es war angenehm berauschend und je tiefer er tauchte kälter, betäubender.
Still tauchte er wieder an der Oberfläche auf und atmete tief ein.
Jetzt ging es ihm viel besser.
Gedankenverloren legte er sich auf den Rücken und lies sich treiben. Seine langen weißen Haare trieben in einem Fächer um sein Gesicht und bewegten sich wie von selbst.
Hellgrüne Augen folgten dem ungewohnten, jedoch schönen Anblick…
_
[1] Ich halte mich bei den Altersangaben bei Mond-, Sonnen-, und Waldelfen eher an Herr der Ringe oder dergleichen, weil ich keine genaueren Angaben zu den Elfen auf Faerûn gefunden habe.
Ich weiß nur, dass Dunkelelfen schon mit 20 erwachsen sind und dass es bei ihnen sehr viel zeitiger der Fall ist als bei anderen Elfenrassen.
