Disclaimer:
Die Rechte an den Charakteren und der Serie haben Entertainment One und der kanadische TV Sender Space! Die Idee stammt von der Autorin Kelley Armstrong! Nichts davon gehört mir, aber ich leih sie mir gern noch mal aus!


Der helle Schein der Sonne, die sich über die Bäume geschoben hatte, weckte Clay sanft auf. Er lag auf der Seite an der Mauer mit Blick auf die Zufahrtsstraße und die Stadt! Die Wolldecke, die Elena ihm in der Nacht gebracht hatte, lag weich über ihm und hatte dem Wolf gute Dienste beschert. Zwar war die Nacht nicht gerade angenehm gewesen, doch er hatte überlebt oder?

Er öffnete ein Auge und musste sofort blinzeln, als ihn der Lichtschein traf. Noch immer müde, gähnte er in seine Hand, schlug die Decke weg und streckte sich ausgiebig, während er auf stand und einen prüfenden Blick auf den Wald warf. Als er nichts Ungewöhnliches entdeckte, drehte Clay sich herum und spähte über die Mauer hinüber auf den Vorplatz und das Haus.

Die Wagen standen noch alle da. Und vor dem Gebäude regte sich auch noch nichts.

Erst jetzt sah er auf die Armbanduhr ... 7 Uhr 51 Uhr. Kein Wunder, dass sein Magen knurrte.

Clay nahm die Decke hoch, schüttelte sie etwas aus, damit sie vom Gras und Dreck befreit war und legte sie über die Mauer, als er im Haus eine Bewegung wahr nahm. Konzentriert starrte er hinüber.

Bitte, bitte, bitte ... Natürlich betete der junge Mann, dass es Jeremy sein würde, der jetzt hinaus kam um ihn zu holen, doch es war leider nicht sein Vater, sondern Antonio Sorrentino, der jetzt angezogen vor das Haus trat.

Sie nahmen Blickkontakt auf, doch der andere Wolf sprach nicht mit ihm, sondern bückte sich an der Hauswand herunter, um einen Plastikeimer aufzunehmen.

"Habt ihr schon gegessen oder," fragte Clay hoffnungsvoll.

Er sah über die Mauer zu Antonio, der eine Ladung Sand auf das immer noch warme Feuer kippte. Auch wenn sie viele Meter voneinander entfernt waren, musste Clay die Frage nicht umherbrüllen. Antonio hatte ihn gehört und ließ den großen Eimer Sand in seinen Händen kurz sinken, während er zu dem Tor hinüber sah.

"Noch nicht," erwiderte er schnell. "Jeremy ist noch bei unserem neuen Rudelmitglied un-"

"Der Kerl wird doch nicht sofort Mitglied dieses Rudels, Antonio," knurrte Clayton wütend und warf frustriert die Hände in die Luft, während er dann doch durch das Steintor ging, nur um in dem anderen Teil seines Gefängnisses zu landen. "Er hat doch noch nicht mal einen Namen und spricht kein Wort!"

Sorrentino zuckte die Schultern. "Vielleicht findet Jeremy den jetzt gerade heraus?!"

"Ich habe Hunger," gab Clay mißmutig zurück und fügte dann sehr leise hinzu, so dass möglichst nur Antonio ihn hören konnte. "Alles nur weil er immer so eine Mutter-Theresa-Nummer abziehen muss! Mann!"

Der andere Wolf grinste leicht.

Clay schüttelte den Kopf. Er winkte mit einer Hand ab, als Antonio noch etwas sagen wollte und schlenderte wieder um die Mauer herum, wo er sich gegen das Stück Tor lehnte, was mit dem Wappen von Stonehaven verziert war und überlegte, wie er diesen Typ wieder vertreiben konnte, ohne dass Jeremy stinkwütend auf ihn werden würde.

Eine extrem lange, halbe Stunde verging ohne dass sich hier draußen in der Kälte etwas tat! Clay wartete geduldig und dann endlich wurde sein Flehen erhört und die Hintertür öffnete sich zum zweiten Mal an diesem noch jungen Tag!

Clay konnte seinen Adoptivvater riechen bevor er ihn sah! Der jüngere Wolf drehte sich um und sah Jeremy entgegen, der mit gemächlichen Schritten das große Haus hinter sich ließ und langsam auf ihn zu kam. Er trug wie immer Stoffhosen, blank geputzte schwarze Schuhe, dazu ein tiefblaues Hemd und darüber eine schwarze Weste. Die Hemdsärmel waren aufgeknöpft und bis über die Ellbogen gekrempelt. Jeremy sah eigentlich jeden Morgen so aus, als ob er schon etliche Stunden wach war.

Als Jeremy Danvers bei Clayton an kam, warf er kurz einen kritischen Blick auf sein riesiges Grundstück und wandte sich dann lächelnd an seinen Sohn.

"Hast du gut geschlafen?"

"Na, ja," gab Clay zurück. "Es war ziemlich ... frisch! Aber danke für die Decke! Die hat mich vor den größten Erfrierungen bewahrt!"

Jeremy grinste bei dem Witz etwas, während er mit dem rechten Schuh sanft einen der hellen Steine bis an die Mauer kickte und so die Tür für Clay wieder öffnete.

"Räum bitte die Steine weg und dann darfst du wieder ins Haus, " befahl der Alpha leise.

Während Clayton mit dem Stiefel jeden einzelnen Stein an die Vorderseite der Mauer trat, so dass sie wieder einen kleinen Haufen ergaben, nahm Jeremy die Decke an sich und spazierte langsam Richtung Haus. Nach nur wenigen Sekunden spürte er eine Bewegung und Clay hatte sich rechts neben seinem Vater eingereiht.

"Antonio hat erzählt, du hast mit dem Mutt heute geredet," fragte Clay, während sie auf das Haus zu liefen. "Hat er denn auch was gesagt, oder war das wieder ein einseitiges Gespräch wie gestern Abend?"

"Ethan," sagte der andere Mann.

"Was?"

Jeremy drehte seinen Kopf zu Clay herum. "Der Mutt ... heißt Ethan! Ethan Conway um genau zu sein! Heute Morgen war er etwas gesprächiger als gestern!"

"Er hat einen Namen?! ... Hast du ihn gefoltert, oder wie hast du das jetzt rausgekriegt, Jeremy?"

"Ich glaube, Elena hat da schon ein bißchen Vorarbeit geleistet, als sie ihm das Haus gezeigt hat," meinte der Rudelführer Schulter zuckend, als sie auf die Hintertür zu steuerten, wo sich die Küche befand. "Und zu deiner nächsten Frage ... Er wird erstmal hier bei uns bleiben, wo er vor weiteren Angriffen in Sicherheit ist!"

Und hier drehte Jeremy sich dann ganz zu Clay herum. "Okay?"

Clay seufzte innerlich auf. Und damit macht er 'uns' zur Zielscheibe! Super Lösung, Jeremy!

"Ja," gab Clay leise zurück. Er versuchte seine Verärgerung nicht all zu deutlich zu zeigen und nickte. "Ja! Es ist dein Haus, Dad!"

"Mhm! Das wollte ich hören!"

Mit der rechten Hand öffnete Clay seinem Adoptivvater die Tür und folgte ihm dann endlich in das warme Haus.


Als Clay in die Küche trat, war der lange Tisch für ihn immer noch reichlich gedeckt. Überall standen Teller mit Schinken, Käse, Roastbeef, dampfenden Eiern mit Speck und leckeren Pfannkuchen herum. Ein Korb mit Brötchen und Brot, Marmelade, Honig und Butter! Jeremy trat zum Kühlschrank, während Clayton sich auf seinen Stuhl setzte und dann wieder spürte, wie sein Magen knurrte. Er nahm das scharfe Messer und schnitt ein Brötchen auf.

Sein Adoptivvater füllte den Orangensaft in ein Glas, stellte es vor Clay auf den Tisch und befüllte dann noch zwei Tassen mit heißem Kaffee, von denen er eine in der Hand hielt und die andere ... bekam sein Junge!

"Ist es okay, wenn ich dich alleine essen lasse," fragte Jeremy vorsichtig und hob seine Tasse an die Lippen. Er trank einen kleinen Schluck und wärmte dann seine Hände an dem heißen Porzellan. "Ich muss noch ein paar Anrufe machen!"

Clay warf eine Scheibe Wurst auf das Brötchen und sah auf. "Wegen Ethan?"

Nicken.

"Ich dachte, es ... spricht jetzt mit uns?!"

Jeremy seufzte leise. "Ja! Das tut er auch! Aber leider nur sehr wenig und die richtigen Fragen, hat er mir auch noch nicht beantwortet!"

Clay kaute und schluckte dann den ersten Bissen herunter.

"Soll ich es mal mit Folter versuchen," fragte er Jeremy todernst. "Du hast bestimmt noch nicht die richtigen Knöpfe erwischt!"

"Clay," seufzte der Alpha.

"Okay, schon gut! Es war nur ein Vorschlag! ... Wo ist der Kleine denn jetzt?"

"So klein bin ich nicht mehr," sagte der Mutt plötzlich vom Flur aus und kam nur eine Sekunde später in die Küche spaziert.

Clay grinste wohlwissend, dass Ethan diese Provokation gehört haben musste, denn Clay hatte ihn vor ein paar Sekunden schon gerochen. Auch Jeremy hatte sich jetzt umgedreht und lächelte den Neuling an - ganz im Gegensatz zu seinem Sprößling, der zwar auch grinste, aber das nicht wirklich nett gemeint war.

"Da ist er ja," feixte Clayton Danvers belustigt weiter.

Während der braunhaarige Ethan, der immer noch die Klamotten von Nick am Leib trug, noch einen Schritt in die Küche machte und sich dann tatsächlich zu ihm an den Tisch setzte, trank Jeremy einen weiteren Schluck aus seiner Tasse und öffnete schließlich den Mund.

"Dann freundet euch mal an! Ich gehe telefonieren! ... Clay?"

"Ja," fragte der Angesprochene.

"Du fährst bitte nachher mit Elena und ihm in die Stadt und kauft ein paar Anziehsachen für ihn! Ich denke mal, dass Nick seine Klamotten selber braucht und du ... auch nicht teilen möchtest, hm?"

"Nein, mit dem ganz sicher nicht," hauchte Clay so leise wie möglich.

Jeremy legte fragend den Kopf schief. Natürlich hatte er das gehört. Der Mann hörte einfach Alles!

"Wie bitte, Clay," fragte er deshalb etwas irritiert noch mal nach. "War das ein Ja?"

Räuspern. "Ja, mach ich, Dad!"

Dann zeig ich ihm auch direkt mal wo die nächste Bushaltestelle ist, damit er sich wieder da hin verkrümeln kann wo der kleine Trottel hergekommen ist!

"Ich kann auch Nick schicken, falls diese Aufgabe zu schwierig für dich ist, dann-"

"Nein, nein! Ich fahre mit! Ist schon gut," erwiderte sein Sohn schnell und hob abwehrend die Hand mit dem Brötchen. "Wolltest du nicht telefonieren?"

"Danke, dass du mich daran erinnerst!"

Jeremy nickte, hielt die Tasse fest und drehte sich dann zur Seite um in den Flur zu gehen.

Als er die Küche verlassen hatte und Clay ihn im Salon herumlaufen hörte, seufzte der junge Werwolf dankbar auf und hob seine Gabel um sich über die Eier mit Speck her zu machen.

Plötzlich sah er aus dem Augenwinkel eine Hand, die sich dem Teller mit den duftenden Pancakes näherte - sie gehörte zu Ethan. Die Finger schoben sich zwischen die Pfannkuchen und Clay knurrte sofort energisch. Doch Ethan machte sich scheinbar einen Spass daraus, ihm sein Futter stehlen zu wollen, denn die Hand hob jetzt langsam den obersten Pancake an.

Blitzschnell warf Clay seine Gabel einmal in der Hand herum, so dass er sie von oben mit der Faust gepackt hatte und stieß sie brutal in das heiße und fettige Gebäck hinein!

"Wow," entfuhr es dem neuen Wolf panisch. "Vorsicht, Clay!"

Vor Schreck zog Ethan seine Hand schnell außer Stichweite und Clayton knurrte nur noch aggressiver!

"Lass. Deine. Finger. Von. Meinem. Essen. Ethan!"

"Es ist doch genug da," entgegnete der jüngere Wolf mit großen Augen. "Ist das jetzt ... Futterneid, oder was?"

Clay beugte sich ein Stück über den Tisch. "Du kannst es nennen wie du willst, aber wenn ich deine Pfoten noch mal an meinem Essen sehe, werde ich nicht mehr daneben stechen! Verstanden, Kleiner?!"

"Okay," erwiderte Ethan beschwichtigend. "Schon gut! ... Wo ist Elena?"

"Keine. Ahnung! Ich war die ganze Nacht da draußen. Verstehst du?!"

Der ältere Wolf zeigte mit dem Kopf Richtung Hintertür und Wald und schaufelte sich dann drei Pancakes auf seinen Teller. Er aß weiter und versuchte Ethan zu ignorieren.

Nur wenige Minuten später, hatte Clay fast die Hälfte der Pfannkuchen verspeist und ... sein Gegenüber war auch immer noch da!

"Hast du keine Hobbies, Ethan," fragte Jeremy's Adoptivsohn bissig.

Er war zwar gleich mit dem Frühstück fertig, doch er hatte nicht wirklich Lust, sich noch längere von diesem jungen Kerl anstarren zu lassen. Clay hob seine noch halb volle Tasse Kaffee hoch und nahm einen großen Schluck, während jetzt er Ethan über den Rand hinweg musterte.

"Warum gehe ich dir so auf die Nerven," fragte Ethan zurück.

"Weil du da bist," sagte jetzt Nick, der plötzlich am Türrahmen lehnte. "Clay mag Veränderungen nicht wirklich, musst du wissen!"

Jetzt drehte Ethan sich auf dem Stuhl nach hinten um, damit er Nick ansehen konnte.

"Aber es ist doch nicht meine Schuld, dass Jeremy mich unbedingt retten wollte!" Er sah wieder Clayton in die Augen, der seinen leeren Teller von sich weggeschoben hatte und aufstehen wollte. "Ich will doch in eurer-"

"Hierarchie," gab Clay ihm das gesuchte Wort vor, was er sehr genau betonte und erhob sich. "Es heißt Hierarchie! Jeremy ist der Alpha! ... Nick, Elena, Peter und ein paar andere, die diesem Rudel angehören sind Betas! ... Und du, Ethan ... bist ganz unten! ... Ein Omega! Das heisst wir anderen werden ganz sicher nicht nach deiner Pfeife tanzen und warten bis du uns den Platz streitig machst! Das kannst du vergessen, Kleiner!"

Ethan stand ebenfalls auf.

"Das-das will ich doch gar nicht, Mann! Das hier, das Rudel ist doch alles noch neu für mich!"

"Genau so sieht es aber aus," zischte Clayton wütend, aber leise, damit ihn Jeremy möglichst nicht hörte. "Verhalte dich wie ein Omega, dann werden deine Probleme nicht noch größer werden! Verstanden?"

Nick räusperte sich bei diesem Spruch und verschränkte die Arme vor der Brust. Eine sehr defensive und eher abwartende Haltung! Zwar stand er voll und ganz hinter Clay - seinem Bruder - doch den Neuen in irgendeiner Form angreifen, sei es verbal oder sogar körperlich und dabei Gefahr laufen, von Jeremy dafür bestraft zu werden, wollte der junge Mann dann auch nicht.

"Du," gab Ethan leise zurück. "Drohst mir ziemlich oft?"

"Gewöhn dich schon mal dran," erwiderte Clayton Danvers zischend.

Sorgfältig aber schnell, damit er diesen Raum verlassen konnte, räumte er sein Geschirr zusammen und steckte es in die Spülmaschine. Er räumte die Lebensmittel wieder in den gut sortierten Kühlschrank, während Ethan ihm dabei zu sah und verschwand dann in die Lobby und die Treppe hinauf, damit er endlich Duschen und sich umziehen konnte.

Tbc ...


AN: "Dann freundet euch mal an ..." Hmm, Jeremy? Ich glaube das erstmal wird nix ;) Aber ich mochte Nick's Haltung hier. Er stellt sich nicht direkt auf Clay's Seite, weil er keinen Ärger riskieren will, aber er hält natürlich zu Clay ;) Ethan wird es noch sehr schwer haben in dieser "Familie" ... Danke an Sunni und Ruby für die lieben Reviews. Freut mich, dass euch diese neue Reihe so gut gefällt! Bis dann! Eure Vanessa