Disclaimer:
Die Rechte an den Charakteren und der Serie haben Entertainment One und der kanadische TV Sender Space! Die Idee stammt von der Autorin Kelley Armstrong! Nichts davon gehört mir, aber ich leih sie mir gern noch mal aus!

AN: Hallo ihr Lieben :D Clay kommt endlich nach Stonehaven zurück und wird leider schon von seinem Vater erwartet. Das kann doch nicht gut enden, oder? Noch kein spanking hier, aber im nächsten Kapitel ;) Viel Spass beim Lesen und bis bald! Eure Vanessa


Fast genau eine halbe Stunde später trottete Clayton etwas müde und betrunken durch das Haupttor des Anwesens. Gut, er war nicht wirklich betrunken, aber auch nicht mehr nüchtern. Vorsichtig sah er über die Zufahrtsstrasse, aber konnte niemanden sehen.

Kurz vor dem Tor hatte er noch überlegt, ob er versuchen sollte sich ins Haus zu schleichen, doch das wäre mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gut gegangen.

Er ging weiter über die Strasse, kam dem Anwesen immer näher und konnte dann den Wagen seines Vaters zwischen den Bäumen hervor blitzen sehen, der auf seinem üblichen Platz stand. Jeremy war also da!

Clay rollte mit den Augen. Er hatte sicher eine riesige Fahne, die er nicht wirklich vor seinem Adoptivvater verheimlichen oder verstecken konnte, wenn dieser nur wenige Meter vor ihm stand.

Er wird mich umbringen! Er wird mich so was von umbringen ...

Ob Elena dem Rudelführer bereits gesagt hatte, dass sein Sohn verloren gegangen war?

Er seufzte tief.

Seine Füße trugen ihn unaufhaltsam weiter über die Erde und schließlich konnte er das Haus sehen. Clay verzog das Gesicht und spürte wie sich sein Magen verkrampfte.

Die Eingangstür stand offen und sein Vater stand auf der Treppe und ... sah zu ihm hinüber. Ja, er hatte auf ihn gewartet und stand nicht erst seit einer Minute hier draußen, das konnte der junge Mann deutlich sehen.

Nervosität überkam ihn! Clay wurde in seinem Gang jetzt noch langsamer. Er war noch schätzungsweise an die 150 Meter von Jeremy entfernt. Dieser stand fast regungslos wie eine Statur auf dem Absatz der Treppe! Die Arme vor der Brust verschränkt, schien er sich keinen Zentimeter zu bewegen, als Clay immer noch im Schneckentempo auf ihn zu lief.

Dann nur noch 100 Meter entfernt, hämmerte Clayton's Herz lautstark in seiner Brust und er blieb plötzlich mitten auf dem Weg stehen. Jeremy sah nicht gerade sehr freundlich und entspannt aus und Clay wollte so lange wie möglich aus seiner Reichweite bleiben.

Nach nur wenigen Sekunden des Zeitschindens seines Sohnes, stützte der Alphawolf seine Hände in die Hüften und maßregelte ihn mit einem strengen Blick!

"Kommst du bitte her, Clay? ... Oder muss ich wirklich zu dir rüber kommen und dich holen?!"

Ah, nein! Wenn der hier wirklich rüber kommen muss, dann wird er mir keine Chance mehr geben, irgendetwas zu sagen.

Also setzte sich Clay mit hängenden Schultern sofort wieder in Bewegung und stoppte keine fünfzehn Sekunden später vor der sacht ansteigenden Treppe und seinem Vater. Jeremy musterte ihn einmal von oben bis unten und machte einen Schritt die Stufe hinunter.

Er rümpfte die Nase. Dann noch einen weiteren Schritt und den nächsten bis er ebenerdig dicht vor Clay stand und ihm direkt in die Augen sehen konnte.

Hinter sich hörte Jeremy leise Schritte und roch dann Nick, der einen zaghaften Schritt aus dem Haus machte. Scheinbar um nachzusehen, ob Clay wieder da war und weshalb sie noch nicht hinein kamen.

Clay machte den minimalen Versuch an seinem Vater vorbei zu sehen und einen Blick auf Nick zu werfen, doch Jeremy Danvers setzte sofort den linken Schuh nach außen, bewegte sich dann in genau diese Richtung und versperrte seinem Sohn die Sicht auf das andere Rudelmitglied.

"Geh bitte wieder rein, Nick," forderte Jeremy ihn mit leiser Stimme auf ohne seine Augen von Clay abzuwenden. "Wir ... kommen gleich nach!"

Nick tat, was der andere Mann von ihm verlangte, ohne nach zu fragen und stolzierte wieder in das warme Haus zurück.

"Hast du dich betrunken," fragte Jeremy dann etwas fassungslos nach.

Sein Sohn schluckte schwer. Schnell drehte er seinen Kopf zur Seite um auszuatmen und Jeremy nicht seinen Alkoholatem ins Gesicht zu blasen. Doch dieser packte ihn am Kinn und drehte ihn etwas grob wieder in die andere Richtung zurück, so dass Clay keine andere Wahl hatte, als ihm in die hellblauen Augen zu blicken.

"Wag es ja nicht," zischte der Mann leise und stellte seine Frage dann noch einmal. "Warst du in einer Bar und hast dich betrunken, Clayton?"

Es war still für einen Moment.

Clay öffnete den Mund. "Ja, ich hab was getrunken! Er hat genervt! Und ich hatte keine Lust mehr den verdammten Babysi-"

"Hey," fauchte sein Vater jetzt laut.

Der andere Danvers' klappte seinen Mund wieder zu und Jeremy trat dicht vor ihn, während er mit den Fingern der rechten Hand an Clay's Shirtkragen herumfingerte, bis er ihn richtig zu fassen bekam und seine komplette Faust um den dünnen Stoff schloß. Er zog einmal fest daran und verhinderte so, dass sein Junge zurück weichen konnte.

Jeremy knurrte leise.

"Wenn ich dir etwas auftrage, Clayton, dann möchte ich, dass du es tust," maßregelte er ihn leise vor seinem Haus. "Ich möchte kein Nein und kein Vielleicht von dir hören, sondern vollste Kooperation von meinem Sohn! Ist das klar?"

"Ja ... Sir."

Dass Clay sich gerade etwas unwohl in seiner Haut fühlte, war eine maßlose Untertreibung!

Jeremy nahm die Hand wieder zurück. "Seit wann trinkst du schon mittags Alkohol und damit meine ich nicht nur ein Glas, sondern vier oder fünf Drinks? So wie du riechst?!"

Oh, man! "Es war nicht so viel ... Ich hatte doch nur ein Bier, Dad!"

"Clayton!"

Jeremy war fassungslos, dass sein Sohn es jetzt immer noch wagte, ihm dreist ins Gesicht zu lügen, obwohl er bereits wusste, wie tief er in der Scheiße steckte! Unfaßbar! Der Alpha schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der Hand durch das Haar.

"Mach dass du rein kommst und sieh dir an, was dein kleiner Ausflug in die Bar für Folgen hatte!"

Clay räusperte sich entschuldigend. Schnell sah er auf den Boden vor seine Schuhe, trat rechts an Jeremy vorbei und stolperte die Außentreppe nach oben. Sein Vater starrte einen Moment in den dichten Wald und wandte dann seinen Kopf herum, als ihm noch etwas ein fiel.

"Clay?"

Der jüngere Danvers' blieb stehen und sah jetzt hinter sich. "Ja?"

"Hast du nicht etwas vergessen?"

"Was ... denn?"

"Solltest du mir nicht etwas aus der Stadt mitbringen," fragte Jeremy leise. "Wo ist mein Päckchen?!"

Sein Sohn erstarrte augenblicklich! Er hatte es vergessen! Seine Wut und Verärgerung über den Babysitter-Job, dann das Einkaufen, Ethan der genervt hatte und die Bar, hatten ihn vergessen lassen, dass er Jeremy etwas wichtiges hatte besorgen sollen. Er wurde blass.

"Das- ... Es tut mir leid," sagte er schnell und wollte dann an ihm vorbei gehen. "I-ich hol mir die Schlüssel von Elena und dann fahr ich noch ma-"

"Du hast getrunken, Clay," erinnerte ihn der andere Danvers' leise.

"Ich kann es holen! Das geht schon!"

Doch sein Vater schüttelte den Kopf. "Nein! Du hast heute schon genug ... getan!"

"Wo ist der Zettel, den ich dir gegeben habe," fragte Jeremy nach und hielt die rechte Hand auf.

Clay tastete seine Jacke ab und fischte den zusammengefalteten Zettel heraus.

Mit einem traurigen Blick übergab er ihn seinem Vater, der dann seinen Kopf zur Seite legte und ins Haus ging. Sein Sohn folgte ihm sofort und sie kamen in der Lobby wieder zum Stehen. Jeremy sah in den kleinen Flur, der in die Küche führte.

"Peter," rief er leise. "Ich habe eine Aufgabe für dich!"

Sie hörten wie in der Küche Jemand von einem Stuhl aufstand und dann hastige Schritte. Keine zwei Sekunden später kam Peter Meyers auf Jeremy und Clayton zu und blieb vor seinem Alpha stehen.

"Was gibt's, Jeremy?"

Doch Clay kam ihm zuvor. Er war gewillt seinen Fehler - einen seiner Fehler von heute wieder auszubügeln!

"Ich kann es noch besorgen, bitte Jeremy ..."

"Ich sagte Nein," zischte der Ältere leise und sah von Clay wieder zu Peter, um ihm weitere Instruktionen zu geben. Jeremy überreichte ihm den Zettel. "Park direkt davor und hol es! Komm sofort und ohne Umwege wieder zurück, Peter! Und lass dich bitte auf keine Handgreiflichkeiten ein, falls dir ein Mutt begegnet."

Hier sah der Alpha seinen Sohn strafend an. "Ich brauche nicht noch mehr Verletzte! In Ordnung?"

Peter spürte die Spannungen zwischen den beiden Danvers' natürlich sofort und nickte schnell.

"Klar! Ich beeil mich!"

Der junge Mann nahm seine schwarze Lederjacke, zog sie an und steckte den Zettel in die Sicherheit der Innentasche. Er sah nach, ob er sein Handy dabei hatte und warf dann Jeremy noch einen fragenden Blick zu. Er räusperte sich.

"Darf ich deinen Wagen haben? Dad?!"

Clay, der neben Peter stand, rollte in Gedanken mit den Augen bei dieser kleinen Anspielung. Peter wusste, dass es noch sehr großen Ärger geben würde. Und das nicht nur, weil Clayton das Päckchen für Jeremy vergessen hatte.

Nachdem Jeremy ihm seine Schlüssel gegeben hatte, verschwand Peter aus dem Haus und Clay hörte, wie der Wagen angelassen wurde. Kurz darauf brauste der graue Pick-Up über den Kies und die Motorgeräusche wurden langsam leiser.

Jeremy schloss die Eingangstür und ging Richtung Salon.

"Komm mit," befahl er dann streng.

Mit hängendem Kopf folgte Clayton seinem Vater in das schönste Zimmer des ganzen Hauses.


Als Jeremy nach rechts ging und Clay um die Ecke sah, entdeckte er Ethan und Elena, die auf den Ledersesseln saßen. Etwas sprachlos blieb der junge Danvers' stehen.

In Ethan's Nasenlöchern steckte weiße Tamponade und er hielt sich mit einer Hand den Bauch. Wahrscheinlich fiel ihm das Atmen schwer. Der Junge starrte gedankenverloren auf seine Knie. Er wollte Clay nicht ansehen.

Auf der anderen Seite war Elena jetzt aus ihrem Sessel hochgeschossen! Mit blitzenden, blauen Augen fixierte sie ihren Verlobten wütend und deutete mit einem ausgestreckten Arm auf den armen Ethan.

"Das hast du wirklich gut hingekriegt," fauchte sie sauer. "Warst du vielleicht sogar froh, als du ihn los geworden bist?! Als du endlich allein warst in der- ... Wo warst du noch mal, als sich diese Typen auf ihn gestürzt haben?!"

Clayton sah kurz nach links, wo Jeremy sich mit dem Hintern an die Schreibtischkante gelehnt hatte und das Gespräch erstmal nur beobachtete.

Dann wieder ein Blick zu Elena ... "Ehm, in der Kneipe ..."

Fassungslos öffnete Elena den Mund und nahm den Arm herunter. Sie sah von Clay zu Ethan und dann zu Jeremy hinüber.

"Er war trinken?"

Der Rudelführer nickte knapp. "Ja, es sieht leider so aus!"

"Darum stinkst du wie eine Brauerei," sagte Elena Michaels, während sie das Gesicht verzog.

"Clay," sagte Jeremy leise, aber streng. "Ich möchte, dass du dich jetzt bei Ethan entschuldigst. Und bei Elena, die es wahrscheinlich ziemlich schwer hatte, sich und ihn zu verteidigen." Er sah Elena in die Augen. "Wieviele Mutts waren es noch gleich?"

Sie verdrehte die Augen. "Drei, Sir!"

"Drei," wiederholte Jeremy zischend und starrte seinen Sohn an. "Ich hoffe, du bist stolz auf dich! ... Entschuldige dich jetzt!"

Das war eigentlich das, was Clay in diesem Moment ganz und gar nicht tun wollte! Sich bei diesem Typen entschuldigen, der Elena angemacht hatte und sich einen Platz im Rudel sichern wollte. Er sah von Jeremy weg und auf Conway, der immer noch nicht den Kopf gehoben hatte. Er wollte Kontakt vermeiden.

"Sorry," sagte Clay leise.

Vorsichtig tippte Jeremy mit den Fingern auf das Holz seines Tisches, während er sich mit beiden Händen weiterhin abstützte und öffnete den Mund.

"Ich denke, das geht noch etwas freundlicher, mein Sohn, oder," beharrte er. "Ethan? Tust du mir den Gefallen und siehst Clayton bitte an?"

Der Angesprochene hob nervös den Blick!

Nachdem Clay sich dann netter und etwas respektvoller bei dem Jungen entschuldigt hatte, versuchte er es dann auch noch bei seiner Verlobten. Doch die Blonde verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn einfach nur mit einem kalten Blick an.

"Komm schon, Darling," versuchte er es leise.

Vorsichtig machte er einen Schritt auf Elena zu und breitete die Arme aus, um sie an sich zu ziehen und ihr einen Kuss zu geben, doch die Schöne stieß nur einen wütenden Wolfslaut aus und Clay blieb stehen.

Ethan musste unweigerlich grinsen. "Oh, oh ..."

Clay drehte sich sofort nach ihm um und fletschte die Zähne! "Halt den Mund, Ethan!"

Als er dann noch auf Ethan zu gehen und ihm wer-weiß-was antun wollte, griff Jeremy schließlich ein und packte ihn im Nacken. Als Clay zusammen zuckte und sogar einen leisen Aufschrei von sich gab, riss der Rudelführer ihn einmal herum und brachte ihn mit einer einzigen, fließenden Bewegung auf dem fast leeren Schreibtisch hinter sich zu Fall.

Nachdem Clay mit dem Oberkörper voraus auf dem blanken Holz gelandet war, brachte sich Jeremy mit nur einem Schritt direkt an seine Seite, während er ihn immer noch mit dem Dominanzgriff unten hielt. Clayton versuchte seine Hände auf die Platte zu bekommen, doch sein Vater ließ das nicht mehr zu!

Elena und auch Ethan sahen zu ihnen hinüber, während der Rudelführer sich mit dem Gesicht und Mund zu Clay hinunterbeugte und leise zu flüstern begann. Was Jeremy sagte, konnte Elena nicht hören. Und sie wollte es auch nicht!

Nur fünf Sekunden später tauchte Jeremy's Gesicht wieder auf, doch er hielt seinen Sohn immer noch fest.

"Hast du mich verstanden," fragte er streng.

"Ja, Dad," hauchte Clay in das dunkle Holz hinein, während er weiterhin versuchte, sich nicht zu wehren!

Jeremy ließ ihn langsam wieder hoch kommen. Clayton wiederstand dem Drang, sich in den Nacken zu fassen und den Griff seines Vaters abzuschütteln. Das wäre in diesem Moment der Machtdemonstration äußerst respektlos.

Stattdessen trat er einen vorsichtigen Schritt zurück und versuchte seinen Wut unter Kontrolle zu halten. Einen weiteren Ausraster durfte er sich jetzt partou nicht mehr leisten - das wusste Clay und das wusste Jeremy!

Der jüngere Danvers warf dem älteren einen prüfenden Blick zu. Er war noch immer nicht wirklich gewillt klein beizugeben und sich auf eine verdammte Stufe mit diesem Eindringling zu begeben, der scheinbar alles haben wollte, was ihm gehörte. Clay hob beide Hände und begann vorsichtig zu gestikulieren.

"Er ist 'n Omega! Das heisst, ich steh im Rang über ihm und kann ihm sagen, was er tun und was er lassen soll, oder?!"

"Aha!" Jeremy tat überrascht, zog eine Braue nach oben und stemmte die Hände in die Hüften. "Und was bin ich, Clayton?"

Clay schluckte, als er merkte, dass er sich gerade selbst ein Bein gestellt hatte.

"Du bist der ... Alpha, Dad!"

"Sehr richtig! Und das bedeutet, dass du gehorchst, wenn ich dir eine Anweisung gebe! ... Was habe ich zu dir gesagt, bevor du heute Mittag zu deinem Wagen gegangen bist und ihr in die Stadt gefahren seid, Clay? Hier an der Eingangstür?"

"Das war doch kein-"

"Was. Habe. Ich. Gesagt?"

Sein Sohn senkte nach zwei Sekunden reumütig den Kopf. "Wir sollten uns nicht ... trennen und ich sollte auf Ethan aufpassen."

"Moment," entfuhr es Elena jetzt laut. Sie blickte auf ihren Verlobten. Die Augen weit aufgerissen! "Das-das war ein direkter Befehl? An dich und an mich?! Und du hast es noch nicht mal für nötig gehalten, ihn vor mir zu ... wiederholen, Clay?!"

Sie sah ihn fassungslos an und wandte sich dann an ihren Alpha!

"Jeremy, es tut mir leid! Hätte ich das gewusst, dann hätte ich Ethan doch nicht rausgeschickt und-"

Der Rudelführer hob beschwichtigend eine Hand. "Elena, ist schon gut! Ich habe es ja Clay gesagt und war fälschlicherweise der Meinung, dass das ausreichen wird. Das ist nicht deine Schuld! Sondern seine! ... Geh bitte jetzt mit Ethan nach oben und bleibt dort, bis ich euch rufe!"

"Ja, Sir," nuschelte sie sauer. "Komm, Ethan! Hierbei willst du nicht wirklich zu hören!"

Ziemlich schnell verließen sie und er den Salon und waren innerhalb ein paar Sekunden nach oben in den ersten Stock gelangt.

Jeremy sah ihnen nach und als er sich sicher war, dass die Tür geschlossen war, ging er in die Küche, um auch dort die Tür zu schließen und so Antonio und Nick zu signalisieren, dass er etwas Privatsphäre mit seinem Sohn brauchte.

Clay zog seine Jacke aus und hängte sie in die Lobby an einen der Kleiderhaken. Dann kam er so langsam wie möglich wieder zurück in das Zimmer, wo sich Jeremy nur zwei Sekunden später zu ihm gesellte ...


Clayton's Herzschlag war innerhalb der letzten zehn Minuten kontinuierlich gestiegen. Und das nicht nur weil sein Adoptivvater wütend auf ihn war und ihm jede Sekunde eine Ohrfeige verpassen könnte, sondern auch weil Elena ihm gerade am Liebsten an den Hals gesprungen wär.

Er hasste es, wenn sie sauer auf ihn war! Doch sie hatte recht oder? Er hätte ihr schon im Wagen sagen müssen, dass sie auf Ethan aufpassen sollten und dass es ein Befehl gewesen war, den Jeremy ihm in der Tür gegeben hatte.

Doch Clay war zu sauer über diesen Babysitterjob gewesen! Punkt!

Er war doch ein erwachsener Mann? Und dieser erwachsene Mann hatte seinem Vater und Alpha nicht gehorcht und steckte jetzt etwas in der Klemme ...

Noch relativ ruhig betrachtete er den Parkettboden des Zimmers, während er Jeremy einfach nur zu hörte, wie er sich in einem gemäßigten Ton, mehr und mehr in Rage redete und hinter ihm auf und ab ging.

"Ich dachte, es wäre klar gewesen, dass du vor Elena diesen Befehl noch mal wiederholst," begann Jeremy. "Ihr seid Partner, Clay und ich habe euch als Team da rausgeschickt! Natürlich hätte Elena auch allein mit ihm einkaufen gehen können, aber wenn man bedenkt, dass er gestern Abend fast umgebracht worden war, hielt ich es doch für das Beste, dich mitzuschicken!"

Jeremy spazierte an ihm vorbei, so dass Clay spürte, dass er seitlich vor ihm war. Doch der junge Wolf sah immer noch nicht auf und fand den Fußboden viel interessanter als seinen Vater ...

"Außerdem hatte ich gehofft, dass ihr zwei euch ein bißchen unterhalten könnt und du deine anfängliche Skepsis ihm gegenüber verlierst," gab der Mann zu. Er schüttelte den Kopf und knirschte mit den Zähnen.

"Aber ich denke, dass das nicht funktionieren kann, wenn Ethan am Wagen steht und dort allein wartet und du ... in unserer Kneipe sitzt und trinkst! Korrigier mich bitte, wenn ich da falsch liege?"

Sein Beta hielt den Mund und bestätigte somit schweigend Jeremy's Annahme!

Kaum drei Sekunden später sah Clay die Schuhe seines Rudelführers auf dem Boden dicht vor sich - etwa einen halben Meter entfernt!

Und dann war Jeremy Danvers' leise, aber strenge Stimme zu hören.

"Blickkontakt," forderte er seinen Adoptivsohn auf. "Oder schaffst du das in dem Zustand in dem du dich gerade befindest ... auch nicht mehr?!"

Clay hob mit pochendem Herzen den Kopf an und sah Jeremy dann in die Augen.

"Doch, Sir!"

Jeremy verschränkte lässig die Arme vor der Brust und seiner schwarzen Weste, während er auf dem Fußballen herumwippte und nachdachte. Seinen Blick starr auf Clayton gerichtet, stellte er dann die Frage, die sicherlich alles Weitere nach sich ziehen würde.

"Sag mit bitte, was dein Problem mit Ethan ist?"

Clay lächelte innerlich. Er ist 'da', Vater?!

"Ich trau ihm nicht, Jeremy," sagte er vorsichtig.

Sein Adoptivvater deutete mit dem Kopf auf einen der Sessel und nahm dann selbst auf der Schreibtischkante Platz, während Clay sich etwas widerwillig auf das weiche Leder sinken ließ und die Zähne zusammen biss.

Er spürte die Tracht Prügel immer noch und wusste bereits jetzt schon, dass auch die heutige Nacht und der darauf folgende Tag ganz und gar nicht bequem und erholsam werden würde.

"Weshalb traust du ihm nicht," fragte Jeremy ihn.

"I-ich weiss nicht," gab Clay etwas lauter und ungehalten zurück. "Es ist so ein Gefühl, okay? Er taucht hier plötzlich auf und-"

Jeremy hob eine Hand um ihn zu stoppen! "Darf ich hier kurz unterbrechen? Ethan ist keinesfalls einfach so aufgetaucht, wie du gesagt hast! Der Junge wäre beinahe ermordet worden und hat Hilfe gebraucht. Und diese Hilfe habe ich ihm gegeben, Clay!"

Dann wurde seine Stimme leiser. "Genauso wie ich dir damals geholfen und dich vor dem Tod gerettet habe. Erinnerst du dich daran bitte mal zurück? Und dann sag mir, weshalb ich ihn einfach dort in der Gasse hätte töten lassen sollen?"

"Und jetzt solltest du dir sehr gut überlegen, Clayton, was du mir antwortest!"

Clay schluckte nervös. Und Jeremy konnte sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete ... Langsam erhob der Rudelführer sich wieder von dem Schreibtisch und ging an der Sitzgruppe vorbei in Richtung Ausgang und Lobby. Sein Sohn sah ihm nach und Jeremy wandte kurz seinen Kopf herum.

"Ich werde jetzt etwas trinken und dann komme ich wieder," teilte er Clay leise mit. "Und ich rate dir, mir dann eine Antwort zu liefern, die mich zufrieden stellt und einigermaßen plausibel klingt!"

Mit diesen Worten verließ der Alphawolf das Zimmer und Clay blieb mit einem unguten Gefühl im Magen auf dem Ledersessel zurück.

Natürlich hatte er gewusst, was auf ihn zu kommen würde, sobald er wieder einen Fuß hier in sein Haus setzen würde. Doch, dass sein Adoptivvater jetzt schon Ethan mit ihm verglich, war einfach ...

Er holte tief Luft und unternahm den Versuch seine Wut weiterhin unter Kontrolle zu halten. Clay konnte Jeremy in der Küche hören, wie er sich ein Glas - wahrscheinlich mit Wasser - befüllte und trank. Das Glas wurde abgesetzt und dann hörte er Antonio's leise Stimme.

Clayton hörte nicht weiter zu. Lauschen war ja etwas, das sein Adoptivvater nicht gerne sah, wie er erst heute Mittag wieder gemerkt hatte.

Als Jeremy dann nach ganzen acht Minuten wieder zurück in den Salon kam, trug er ein Glas mit sich, in dem sich eine milchige Flüssigkeit befand. Er stellte es auf dem Couchtisch direkt vor Clayton ab und ließ sich in dem Sessel gegenüber nieder, wo er sich etwas nach vorn lehnte und die Ellbogen auf seiner schwarzen Hose abstützte.

"Trink," befahl er leise und mit einem Blick auf das Glas. "Und zwar Alles!"

Sein Sohn hatte bereits gerochen, dass es eine sich auflösende Tablette war und keine Limonade oder ähnliches. Etwas verkrampft schob er seine Hand zu dem Glas hinüber und nahm es hoch. Als der Gestank intensiver wurde, machte Clay eine Fratze und verzog extrem angewidert das Gesicht.

Oh Gott, stinkt das Zeug!

Noch mal ein kurzer und prüfender Blick zu Jeremy ... Doch der andere Mann sah ihm einfach nur in die blauen Augen und wartete relativ geduldig ab.

Vorsichtig führte Clay die Medizin schließlich an seine Lippen und würgte sie mit drei großen Schlucken seine Kehle hinunter. Das nun leere Glas landete auf dem Tisch vor sich und Clayton schleckte sich noch mal über seinen Mund, als Jeremy einmal lobend nickte.

"So ist es gut!" Er holte Luft. "Du weisst, dass ich wirklich nichts dagegen habe, wenn du hier nachmittags oder abends Alkohol trinkst. Solange es sich in Grenzen hält und du nicht betrunken durch das Haus wanderst. Aber da draußen, Clay, erwarte ich von dir, dass du dich benimmst und keinerlei Aufmerksamkeit auf unsere Familie ziehst."

Sein Gegenüber öffnete den Mund. "Jeremy! Ich habe mich doch nicht mit Irgendwem geschlagen oder Leute beleidigt! Ich versteh die ganze Aufregung nicht!"

Stöhnend schüttelte Jeremy den Kopf. Dann schlug er sich kurz die Hände vor das Gesicht und atmete durch die Finger tief ein und aus.

"Warst du allein in dieser Kneipe," fragte er.

"Nein!"

Jeremy nahm seine Hände wieder herunter. "Wieviele Personen, die in Bear Valley leben waren da?"

"Drei, glaube ich?"

"Und was glaubst du, über wen diese drei Personen jetzt gerade wohl sprechen," fragte der Rudelführer ironisch und tippte mit den Fingern auf dem Stoff seiner Hose herum. "Hm?"

"Ich ... hab's verstanden, Dad," gab sein Adoptivsohn leise zurück. "Es tut mir leid, dass ich daran nicht gedacht habe. Wirklich!"

"Das wirft kein gutes Licht auf uns, Clay! Nicht auf dich, nicht auf die Anderen und ganz bestimmt nicht auf mich, der die Verantwortung trägt!"

Jetzt sah Clayton das erste Mal weg. "Es tut mir leid, Sir!"

"Ich möchte, dass du jetzt nach oben gehst und erstmal deinen Rausch ausschläfst!"

Innerhalb nur einer Sekunde waren Clayton's Augen wieder bei seinem Vater! "Ich habe doch keinen Rausch, Da-"

"Ach, nein," fragte Jeremy mit gespielter Verwunderung nach. "Schön zu hören, mein Sohn! Dann verschwinde in den Keller und hol mir den Riemen, damit wir das hinter uns bringen können!"

Noch im selben Augenblick war der Alpha aufgestanden und ging mit geschmeidigen Schritten auf seinen Schreibtisch zu, um ein paar Bücher und Dokumente von der vorderen Tischplatte zu räumen. Clay sah ihm nach und öffnete sofort wieder den Mund.

"Al-so wenn ich es mir n-noch mal überlege, dann ehm ... Ich geh nach oben und schlaf eine Stunde o-oder zwei!"

Sein Adoptivvater wandte seinen Kopf herum.

"Eine gute Wahl! Und lass Ethan in Ruhe," befahl Jeremy ihm.

"Ja," sagte Clay fast flüsternd.

"Du kannst gehen ..."

Langsam erhob sich Clay aus dem Sessel. Er ging auf Jeremy zu, der ihn beobachtete und als sich ihre Blicke trafen, senkte der Jüngere reumütig ein Stückchen seinen Kopf. Unterwerfung war hier und jetzt das Schlüsselwort!

Clay wusste sehr genau, wann es angebracht war seinem Alphatier mehr Respekt entgegen zu bringen als ohnehin schon und sich quasi vor ihm auf den Boden zu werfen und ihm die entblößte Kehle und den Hals entgegen zu strecken, damit dieser ungehindert zupacken konnte. In Wolfform hätte Clayton das jetzt ohne Weiteres getan ...

Doch als Mensch würde seine Körperhaltung genügen müssen, um Jeremy seine Achtung vor ihm und den Regeln zu demonstrieren!

Also schlich Clayton Danvers mit gesenktem Haupt und die Augen auf den Boden gerichtet Richtung Lobby und war kurz danach aus Jeremy's Blickfeld verschwunden.

Sein Vater wartete zwei Minuten und ging ihm dann nach.

Tbc ...